Babylonischer Wein

Babylonischer Wein Titelbild

Ein Wein, den man nicht trinkt, aber der dennoch betrunken macht!

Inhaltsverzeichnis

Wor­um geht es? – Über­blick
Ein­lei­tung
Baby­lo­ni­scher Wein
Die Suche nach dem Ursprung
Die Göt­ter der alten Welt
   Isis und Osi­ris in Ägyp­ten
   Deme­ter und Per­se­pho­ne in Grie­chen­land (auch Rom)
   Isch­tar und Tam­mus in Baby­lon / Astar­te und Baal in Assy­ri­en
   Inan­na und Dumu­zi in Meso­po­ta­mi­en
   Venus und Ado­nis in Rom (auch Grie­chen­land)
   Frigg und Bal­der in Skan­di­na­vi­en
Wo liegt der Ursprung?
Die Legen­de von Nim­rod und Semi­ra­mis
Der heid­ni­sche Ein­fluss aufs Chris­ten­tum
   Der Pon­ti­ff
   Das Kreuz
   Die Klei­dung
   Eine Samm­lung heid­ni­scher Leh­ren?
   Wap­pen und ande­re Sym­bo­le
   Sexu­el­le Unter­tö­ne
   Die hei­li­ge Mes­se
   Son­nen­sym­bo­lik in der Kir­che
   Klei­ne Aus­wahl heid­ni­scher Fei­er­ta­ge
     Weih­nach­ten
     Ostern und die Fas­ten­zeit
     Über­sicht – Fei­er­ta­ge
   Wei­te­res heid­ni­sches Gedan­ken­gut
     Gerech­tig­keit durch Wer­ke
     Der Rosen­kranz und das Gebet
     Das unbe­fleck­te Herz (Imma­cu­la­ted Heart)
     Fege­feu­er und Höl­len­feu­er
Ende

Worum geht es? – Überblick

Die fol­gen­den Sei­ten sol­len auf­zei­gen, wie sehr der christ­li­che Glau­be, sei­ne Prak­ti­ken und die christ­li­che Kunst von anti­ken heid­ni­schen Reli­gio­nen beein­flusst wer­den. Die­se Aus­ar­bei­tung basiert auf ver­schie­de­nen Wer­ken, die auch als Ver­tie­fung des The­mas zu emp­feh­len sind (sie­he Quel­len), sowie auf Recher­chen im Inter­net. Als Haupt­be­zugs­quel­len dien­ten dafür u. a. Ency­clo­pe­dia Mythi­ca. Eini­ge Bil­der unter­lie­gen dem Copy­right und dür­fen ohne Erlaub­nis nicht kopiert oder bear­bei­tet wer­den.

Heu­te lächeln vie­le Chris­ten über die “pri­mi­ti­ven” alten Reli­gio­nen, doch was ist mit den christ­li­chen Glau­bens­vor­stel­lun­gen? Für man­che Leser wer­den die fol­gen­den Sei­ten nur der Beweis sein, dass der christ­li­che Glau­be sich nicht von ande­ren Reli­gio­nen unter­schei­det. Ande­re Per­so­nen­grup­pen wer­den wie­der­um mei­nen, dass es sich nur um zufäl­li­ge Ähn­lich­kei­ten und Über­trei­bun­gen han­delt. Und doch scheint es viel­mehr kein Zufall und ein inter­es­san­tes Phä­no­men zu sein, dass es so vie­le Reli­gio­nen gibt, die von Jesus Chris­tus weg­füh­ren. Es ist ein genia­ler Plan, der die Men­schen trun­ken macht…


Einleitung

… Ihr wankt, doch nicht weil ihr vom Wein berauscht seid; ihr tor­kelt, aber nicht weil ihr zu viel getrun­ken habt. Der Herr hat einen Geist über euch kom­men las­sen, der euch in tie­fen Schlaf ver­setzt hat. Ja, eure Augen, die Pro­phe­ten, hat er ver­schlos­sen und eure Köp­fe, die Seher, ver­hüllt.” (Jesa­ja 29, 9.10, HA)

War­um lässt Gott es zu, dass sein Volk ver­wirrt wird?[4] War­um ist jede Bot­schaft Got­tes den Men­schen eine ver­sie­gel­te Buchrol­le (Ver­se 11–12)? Ist es wirk­lich Got­tes Wil­le, uns zu ver­wir­ren? Die Ant­wort fin­den wir in den Ver­sen 13–14a:

So spricht der Herr: Die­ses Volk gibt vor, mich zu ehren – doch sie tun es nur mit den Lip­pen, mit dem Her­zen sind sie nicht dabei. Ihre Fröm­mig­keit beruht nur auf Vor­schrif­ten, die Men­schen auf­ge­stellt haben. Des­halb hand­le ich auch wei­ter­hin unver­ständ­lich für die­ses Volk…” (Jesa­ja 29, 13.14a, HA)

Das Volk ist trun­ken, die Sin­ne sind ver­ne­belt. Die Men­schen sind berauscht – als hät­ten sie wirk­li­chen Wein getrun­ken. Des­halb ist Got­tes Han­deln für sie unver­ständ­lich.

Gott wirft ihnen zwei Din­ge vor:

1. Man­geln­de Ernst­haf­tig­keit (Lip­pen­be­kennt­nis­se)
2. Hal­ten von Men­schen­ge­bo­ten statt Got­tes Gebo­te

Auch vie­le Jah­re spä­ter beklag­te Jesus: „Ver­geb­lich die­nen sie mir, weil sie leh­ren sol­che Leh­ren, die nichts als Men­schen­ge­bo­te sind” (Mt 15,9). Vie­le Men­schen den­ken, ihr Glau­be ste­he auf bibli­schem Fun­da­ment. Doch oft ver­ber­gen sich dahin­ter alte mensch­li­che Über­lie­fe­run­gen, die unbi­blisch sind.

Jesus selbst ver­wen­det den Wein als Sym­bol für die Leh­re (Mt 9,17): Der “neue Wein” steht für eine “neue Leh­re”. Auch in der Offen­ba­rung, die ja größ­ten­teils in einer Sym­bol­spra­che geschrie­ben ist, sind Men­schen trun­ken gemacht wor­den… Von einem sym­bo­li­schen Wein, dem Wein Baby­lons…


Babylonischer Wein

In der Offen­ba­rung des Johan­nes wer­den wir im 14. Kapi­tel durch die Bot­schaft der drei Engel gewarnt, “denn die Stun­de sei­nes [Got­tes] Gerichts ist gekom­men”. Wir wer­den auf­ge­for­dert, den anzu­be­ten, “der Him­mel und Erde” gemacht hat. (V. 7) Aus­drück­lich wer­den wir davor gewarnt, “das Tier” anzu­be­ten oder “sein Zei­chen” anzu­neh­men. (V. 9)

In der Bot­schaft des zwei­ten Engels in Offen­ba­rung 14,8 heißt es (Luther 84):

“Und ein zwei­ter Engel folg­te, der sprach: Sie ist gefal­len, sie ist gefal­len, Baby­lon, die gro­ße Stadt; denn sie hat mit dem Zor­nes­wein ihrer Hure­rei getränkt alle Völ­ker. ”

Auf die­sen Sei­ten wird der Fokus nicht auf das Tier oder sein Zei­chen, son­dern auf den“Zorneswein” aus Vers 8 gelegt. Genau genom­men geht es um “den Wein der Hure Baby­lon”, der in den fol­gen­den Kapi­teln mehr­mals auf­taucht. Über die Aus­wir­kung des Wei­nes wird in Offen­ba­rung 17,2 gesagt: “… die auf Erden woh­nen, sind betrun­ken gewor­den von dem Wein ihrer (Baby­lons) Hure­rei.” – ähn­lich wie in der oben ange­führ­ten Bibel­stel­le im Buch Jesa­ja.

Damit wir die zwei­te Bot­schaft rich­tig ver­ste­hen kön­nen, ist es wich­tig, “Baby­lon” zu iden­ti­fi­zie­ren. Zahl­rei­che Ver­se in der Offen­ba­rung war­nen uns vor Baby­lon und for­dern Got­tes Volk auf, Baby­lon zu ver­las­sen. Die Bot­schaft aus Offen­ba­rung 14,8 wird in Offen­ba­rung 18,2 wie­der­holt (Luther 84):

“Und er rief mit mäch­ti­ger Stim­me: Sie ist gefal­len, sie ist gefal­len, Baby­lon, die Gro­ße, und ist eine Behau­sung der Teu­fel gewor­den und ein Gefäng­nis aller unrei­nen Geis­ter und ein Gefäng­nis aller unrei­nen Vögel und ein Gefäng­nis aller unrei­nen und ver­hass­ten Tie­re.”

Im Vers 4 hört Johan­nes eine ande­re Stim­me vom Him­mel sagen:

“Geht hin­aus aus ihr, mein Volk, dass ihr nicht teil­habt an ihren Sün­den und nichts emp­fangt von ihren Pla­gen!”

Gott wür­de sein Volk nicht dazu auf­for­dern, wenn es für sie unmög­lich wäre, Baby­lon zu iden­ti­fi­zie­ren! Eini­ge Kom­men­ta­to­ren glau­ben, dass mit Baby­lon die Stadt Rom gemeint ist. Die­se Aus­le­gung wird sepa­rat (sie­he “Unter der Lupe”) behan­delt. Ent­schei­dend ist viel­mehr, wel­che Hin­wei­se die Bibel ent­hält: Johan­nes wur­de in Offen­ba­rung 17 die Hure Baby­lon gezeigt, die dort auf einem Tier (=welt­li­che Macht?! Vgl. Tie­re aus Dani­el 7 & 8!) ritt. In Vers 4–5 wird Baby­lon als eine Frau dar­ge­stellt (Luther 84):

“Und die Frau war beklei­det mit Pur­pur und Schar­lach und geschmückt mit Gold und Edel­stei­nen und Per­len und hat­te einen gol­de­nen Becher in der Hand, voll vom Gräu­el und Unrein­heit ihrer Hure­rei, und auf ihrer Stirn war geschrie­ben ein Name, ein Geheim­nis: Das gro­ße Baby­lon, die Mut­ter der Hure­rei und aller Gräu­el auf Erden.”

War­um wird Baby­lon als eine Frau dar­ge­stellt?

Es han­delt sich hier offen­sicht­lich um Sym­bo­le, nicht um eine wirk­li­che Frau. Aber was sym­bo­li­siert eine Frau? Die Hei­li­ge Schrift lässt uns dar­über nicht im Unkla­ren: Fast immer reprä­sen­tiert eine Frau eine Kir­che bzw. eine Gemein­de. So heißt es z. B. in Hos 2,21: (Luther 84): “Ich will mich mit dir ver­lo­ben für alle Ewig­keit, ich will mich mit dir ver­lo­ben in Gerech­tig­keit und Recht, in Gna­de und Barm­her­zig­keit.”

Die “Ver­lob­te” ist das Volk Got­tes und Jesa­ja ver­wen­det im Kapi­tel 62, 4–5 ein erwei­ter­tes Sym­bol der Frau: “Die Braut”. Die hier rei­ne Braut reprä­sen­tiert die rei­ne Kir­che: (Luther 84)

“Man soll dich nicht mehr nen­nen »Ver­las­se­ne« und dein Land nicht mehr »Ein­sa­me«, son­dern du sollst hei­ßen »Mei­ne Lust« und dein Land »Lie­bes Weib«; denn der HERR hat Lust an dir, und dein Land hat einen lie­ben Mann. Denn wie ein jun­ger Mann eine Jung­frau freit, so wird dich dein Erbau­er frei­en, und wie sich ein Bräu­ti­gam freut über die Braut, so wird sich dein Gott über dich freu­en.”

Auch im Neu­en Tes­ta­ment wird die­sel­be Sym­bo­lik ver­wen­det. Pau­lus schreibt im 2. Korin­ther­brief 11,2: (Luther 84)

“… ich habe Euch ver­lobt mit einem ein­zi­gen Mann, damit ich Chris­tus eine rei­ne Jung­frau zufüh­re.” (sie­he auch Offb 19,7!)

Das Gegen­teil einer rei­nen Jung­frau ist eine Hure – eine Frau, die unrein gewor­den ist. Das trifft auf Baby­lon zu. In Offb 17,5 wird sie als „Mut­ter der Hure­rei und allen Greu­els” bezeich­net. Im Gegen­satz dazu ist Got­tes Volk die keu­sche Frau, die ihrem Mann treu bleibt. In Offb 19,7 wird sie mit Jesus, dem Lamm, ver­hei­ra­tet. Baby­lon – das Gegen­teil die­ses Sym­bols – ist Gott untreu. Auch Jesa­ja und Hese­kiel bezeich­ne­ten die abge­fal­le­nen Juden (bzw. Jeru­sa­lem) als Hure (Jes 1, 21; Hes 16; 23).

Sehr auf­fäl­lig sind auch die Par­al­le­len zwi­schen dem “sym­bo­li­schen Baby­lon” und dem “his­to­ri­schen Baby­lon”:

Das his­to­ri­sche Baby­lonDas sym­bo­li­sche Baby­lon
Jere­mia 51,13Offen­ba­rung 17,1
Jere­mia 51,7Offen­ba­rung 17,4
Jere­mia 51,8Offen­ba­rung 14,8
Jere­mia 47,7.8Offen­ba­rung 18,7
Jere­mia 51,45Offen­ba­rung 18,4
Jere­mia 51,48Offen­ba­rung 18,20
Jere­mia 51,63.64Offen­ba­rung 18,21

(Tabel­le mit Tex­ten: Sie­he End­zeit)

Das alte Baby­lon dient als Typ (Typus) des sym­bo­li­schen Baby­lons (Antityp/Antitypus). Eine Regel der Typo­lo­gie lau­tet: Der Anti­typ ist immer grö­ßer als der Typ. Bei­spie­le: Das Lamm im Opfer­dienst war ein Typ von Jesus. Jeru­sa­lem war der Typ des neu­en Jeru­sa­lem, der Hei­mat aller Erlös­ten. Eini­ge Aus­le­ger unse­rer Zeit ten­die­ren dazu, die­se Regel zu bre­chen. Sie glei­chen die Anti­ty­pen mit den (oft sym­bo­li­schen) Typen an [5].

Oft wer­den his­to­ri­sche Din­ge sym­bo­lisch auf ande­re Din­ge gedeu­tet – zum Bei­spiel das alte Baby­lon oder Jeru­sa­lem. Auch der Kelch in den Hän­den der Hure (Offb 17,4–5) hat­te wahr­schein­lich einen rea­len his­to­ri­schen Hin­ter­grund. Zumin­dest taucht der Kelch als pro­mi­nen­tes Sym­bol in der Anti­ke und im Alter­tum auf:


Babyl. Frau mit Becher
(“Women with cup” aus
Kitto’s Bibli­cal Cyclo­paed­ia)
Die Form des Bechers und die Art und Wei­se, wie er in dem Bild links gehal­ten wird, stim­men mit den Kel­chen der assy­ri­schen Köni­ge über­ein. Kel­che waren ein belieb­tes Motiv: Pli­ni­us berich­tet, dass der „Kelch der Semi­ra­mis” (sagen­um­wo­be­ne Köni­gin von Baby­lon) bei dem Sieg des Kyros über Bel­sa­zar 539 v. Chr. in Kyros’ Hän­de fiel. Wegen sei­ner enor­men Aus­ma­ße dürf­te der Kelch bei allen Natio­nen, die mit Baby­lon Han­del trie­ben, bekannt gewe­sen sein. Er wog 15 Talen­te, also ca. 525 kg! So ein Becher war natür­lich nicht in der Hand zu hal­ten, son­dern war ein Schau­stück. (Pli­nii, Hist. Nat., lib. Xxxiii. cap. 15)
Das Motiv “Frau mit Becher” ist in fast allen Reli­gio­nen zu fin­den, ob Venus, Isch­tar oder Cybe­le (die Frau­en hal­ten einen Kelch in der Hand). Auch in der Neu­zeit wird ger­ne mit Sym­bo­len gear­bei­tet: Die Mün­ze auf der rech­ten Sei­te ließ Papst Leo XII im Jahr 1825 prä­gen. Die eine Sei­te zeigt den Papst, die ande­re die römi­sche Kir­che als Frau sym­bo­li­siert. Sie hält in der lin­ken Hand ein Kreuz und in der rech­ten Hand einen Becher. Ein inter­es­san­ter Zufall, wenn man an die Offen­ba­rung denkt … Der Schrift­zug auf der Mün­ze “Sedet super uni­ver­sum” lau­tet über­setzt: “Die gan­ze Erde ist ihr Sitz”. Das ist natür­lich kein Beweis, dass die Mün­ze die Hure aus der Offen­ba­rung dar­stellt, son­dern hier wird ein belieb­tes Motiv von einer Frau mit einem Becher von der römisch-katho­li­schen Kir­che genutzt.
Frau mit Becher aus Rom
(Das Bild zeigt eine Replik. Ori­gi­nal­ab­bil­dun­gen fin­det man online. )

Frau mit Becher auf der Mün­ze
Papst Pius XII 1958
Es gibt noch eine gan­ze Rei­he von wei­te­ren päpst­li­chen Mün­zen, bei denen immer wie­der das glei­che Motiv auf­taucht: Die Frau mit Becher. Die Mün­ze links wur­de zu Ehren von Papst Pius XII 1958 geprägt. Man beach­te die Hos­tie im Kelch! Die Kreis­schei­be wird, wie wir noch sehen wer­den, eine wich­ti­ge Rol­le spie­len.

Fas­sen wir das bis­her Gesag­te noch ein­mal kurz zusam­men:

  • Der Wein Baby­lons – sei­ne Leh­ren – hat die Men­schen trun­ken gemacht. Das heißt: Die Sin­ne und der Ver­stand wer­den durch ihn bene­belt. Dies ist noch immer ein aktu­el­les The­ma. Auch heu­te hal­ten vie­le Men­schen, ohne es zu wis­sen, Men­schen­ge­bo­te anstatt Got­tes­ge­bo­te.
  • Baby­lon selbst wird als Hure sym­bo­li­siert, wobei die­se für eine oder alle Gemein­den steht, die unrein gewor­den sind.

Fol­gen­de Blick­win­kel sol­len nicht aus den Augen ver­lo­ren wer­den:

  • Der mög­li­che gemein­sa­me Ursprung vie­ler heid­ni­scher Reli­gio­nen.
  • Das Auf­zei­gen der heid­ni­schen Ein­flüs­se auf das Chris­ten­tum.
  • Wie die­se Reli­gio­nen (beson­ders durch ihre Ein­flüs­se) vom bibli­schen Glau­ben weg­füh­ren und daher gefähr­lich sind.

Vie­les, was uns aus der Bibel bekannt ist, tritt auch in ande­ren Reli­gio­nen auf. So ist die Drei­ei­nig­keit nicht typisch christ­lich. Sie wird in ihrer Grund­idee auch in ande­ren Reli­gio­nen gefun­den, auch wenn die christ­li­che Drei­ei­nig­keit anders ist, als heid­ni­sche Göt­ter­tria­den.


assy­ri­sche drei­fa­che Gott­heit
Auf der lin­ken Sei­te ist eine assy­ri­sche Zeich­nung zu sehen und rechts eine Abbil­dung einer Gott­heit aus Sibi­ri­en. Die ent­spre­chen­de Medail­le war (ist?) im Besitz des “Impe­ri­al Cabi­net of St. Peters­burg”. Drei­ge­sich­ti­ge Tri­ni­täts­dar­stel­lun­gen kamen in der christ­li­chen Kunst vor, wur­den aber seit dem 17. Jh. kirch­lich unter­sagt.. Die­se Dar­stel­lung ist auch im Hei­den­tum bekannt. Eine unab­hän­gi­ge Ent­wick­lung?
sibi­ri­sche drei­fa­che
Gott­heit

Prof. Veith weist dar­auf hin, dass zu einer gefälsch­ten [7] Anbe­tung auch eine gefälsch­te Drei­ei­nig­keit gehört (vgl. Fuß­no­te [6]).

Vie­le Titel und Bezeich­nun­gen, die eigent­lich auf den wah­ren Erlö­ser bezo­gen waren, fin­den sich auch im Hei­den­tum wie­der. Doch zuvor zurück zum “Baby­lon der Offen­ba­rung”: War­um aus­ge­rech­net die Bezeich­nung „Baby­lon” [8]? Ein Grund könn­te sein: Das alte baby­lo­ni­sche Sys­tem der Anbe­tung fin­det sich in moder­ne­ren Reli­gio­nen wie­der. Laut Prof. Veith besteht das Anbe­tungs­sys­tem, im Katho­li­zis­mus, Bud­dhis­mus, Hin­du­is­mus und teil­wei­se auch im Islam [9] fort.

Wur­de das baby­lo­ni­sche Sys­tem der Anbe­tung bis heu­te bewahrt und wei­ter­hin prak­ti­ziert? Gehen wir der Sache nach…

»  Wei­ter zum Kapi­tel “Die Suche nach dem Ursprung


Fußnoten


Quel­len … und emp­foh­le­ne Bücher zur Ver­tie­fung:

  • “Das Evan­ge­li­um nach Rom” von James G. McCar­thy ( Down­load)
  • “Ich bin auch katho­lisch” von Wolf­gang Büh­ne ( Down­load)
  • “Von Baby­lon nach Rom” [1] von A. His­lop ( Down­load)
  • einem Vor­trag “Baby­lo­ni­scher Wein” von W. Veith [2]

[1] Alex­an­der His­lops Werk “The Two Baby­lons” (1853; deutsch: “Von Baby­lon nach Rom”) wird in die­ser Aus­ar­bei­tung als Quel­le her­an­ge­zo­gen. Bei der Lek­tü­re soll­te jedoch berück­sich­tigt wer­den, dass His­lop als Autor des 19. Jahr­hun­derts nach den wis­sen­schaft­li­chen Stan­dards sei­ner Zeit arbei­te­te.

Die his­to­ri­sche und reli­gi­ons­wis­sen­schaft­li­che For­schung hat sich seit 1853 erheb­lich wei­ter­ent­wi­ckelt. Moder­ne wis­sen­schaft­li­che Metho­den – wie Quel­len­kri­tik, archäo­lo­gi­sche Veri­fi­ka­ti­on und dif­fe­ren­zier­te Text­ana­ly­se – waren zu His­lops Leb­zei­ten noch nicht im heu­ti­gen Maße eta­bliert. Vie­le sei­ner Ver­glei­che zwi­schen anti­ken Reli­gio­nen und dem Chris­ten­tum basie­ren auf zeit­ge­nös­si­schen Vor­stel­lun­gen und Ana­lo­gie­schlüs­sen, die aus heu­ti­ger Sicht als spe­ku­la­tiv gel­ten.

Den­noch bleibt His­lops Werk für die Dis­kus­si­on über reli­giö­se Ein­flüs­se und Sym­bo­lik von his­to­ri­schem Inter­es­se. Sei­ne The­sen soll­ten jedoch nicht unkri­tisch über­nom­men, son­dern im Licht neue­rer For­schungs­er­geb­nis­se geprüft wer­den. Leser sind ein­ge­la­den, sich mit aktu­el­ler wis­sen­schaft­li­cher Lite­ra­tur zu ergän­zen und eige­ne Schluss­fol­ge­run­gen zu zie­hen.

[2] Das zuge­hö­ri­ge Video kann nicht mehr bestellt wer­den, ist aber bei You­Tube zu fin­den.

[3] JBL Sta­tu­es (www.sacredsource.com) is a source for images of the divi­ne, and joins this web site in spre­a­ding heal­ing arche­ty­pes to every cor­ner of modern cul­tu­re.

[4] Manch­mal wird in der Bibel Gott als Urhe­ber eines Unglücks bezeich­net. Dahin­ter steht die Denk­wei­se, dass alles, was Gott zulässt, genau­so gut ihm zuge­schrie­ben wer­den kann. Dem­ge­mäß ent­hält die Bibel Text­stel­len, wo es heißt, dass Gott sein Volk ver­blen­det hät­te, obwohl Er so etwas nie­mals machen wür­de, da Er kei­nen Gefal­len am Tod des Gott­lo­sen hat (Hes 33,11), son­dern viel­mehr mög­lichst vie­le Men­schen ret­ten möch­te (2Pet 3,9; 1Tim 2,4). Die­se Sprech­wei­se zeigt sich z. B. auch bei Hiob 1,16, wo ‘Got­tes Feu­er’ Hiobs Knech­te und Vieh töte­te, obwohl im Vers 12 steht, dass Satan alles in sei­ne Hän­de neh­men sol­le.

[5] So wird z. B. behaup­tet, dass das heu­ti­ge Jeru­sa­lem die Haupt­stadt des König­rei­ches Got­tes wer­den wird, obwohl die Bibel klar sagt, dass das neue Jeru­sa­lem von Gott aus dem Him­mel her­ab­kom­men wird (Offb 21,2.10). In Gal 4,26 und Hebr 12,22 fin­den wir den Hin­weis auf die­ses himm­li­sche Jeru­sa­lem! Und schon Abra­ham “war­te­te auf die Stadt, die einen fes­ten Grund hat, deren Bau­meis­ter und Schöp­fer Gott ist.” (Hebr 11,10) Genau­so wenig kann sich das sym­bo­li­sche Baby­lon in den alten Rui­nen Baby­lons erfül­len, selbst wenn die­se Stadt wie­der auf­ge­baut wer­den würde/sollte.

[6] Prof. Veith ord­net Satans gefälsch­tem Sys­tem der Anbe­tung eine gefälsch­te Drei­ei­nig­keit zu. Er bezieht sich in sei­ner Argu­men­ta­ti­on auf Offb 16,19, wo wir von einer 3er-Tei­lung der gro­ßen Stadt Baby­lon lesen. Die ein­zel­nen Tei­le sol­len nach Offb 16,13 dem Dra­chen, dem Tier und dem fal­schen Pro­phe­ten ent­spre­chen. Veith schlägt fol­gen­de Zuord­nung vor:

Der Dra­che wur­de bereits in Offb 12,9 als Satan iden­ti­fi­ziert und reprä­sen­tiert den ver­bor­ge­nen Gott, das Gegen­stück zum Gott, dem Vater. Sein Wir­ken unter den Men­schen erfolgt in einer ver­klei­de­ten, unsicht­ba­ren Form. Sei­ne Macht tritt durch den Spi­ri­tua­lis­mus in allen For­men zuta­ge. Dämo­ni­sche Kräf­te ste­cken offen­sicht­lich hin­ter allen drei Kom­po­nen­ten Baby­lons, aber im Spi­ri­tis­mus ver­birgt sich Satan selbst. Er selbst oder sei­ne Die­ner erschei­nen, wenn die Geis­ter der Ver­stor­be­nen geru­fen wer­den…

Das Tier (vgl. Ers­tes Tier aus Offen­ba­rung 13) ent­spricht dem fal­schen Sohn Got­tes. Es wur­de bereits von Luther 1520 als Papst (bzw. Papst­tum) und somit als anti­christ­li­che Macht iden­ti­fi­ziert. Die Päps­te behaup­ten, Stell­ver­tre­ter Chris­ti auf Erden zu sein. Gleich­wie Jesus eine töd­li­che Wun­de am Kreuz erlitt, so hat das Tier (sie­he Offb 13,3) eine töd­li­che Wun­de erhal­ten. Wie Jesus von den Toten auf­stand, so wur­de die töd­li­che Wun­de des Tie­res geheilt und genau­so wie Jesus alle Bewun­de­rung erhal­ten soll­te, so wun­dert sich die gan­ze Welt über das Tier (Offb 13,3). Gleich­wie alle vor Jesus ihr Knie beu­gen soll­ten (Phil 2,10), so ver­langt das Papst­tum heu­te, dass alle sei­ne Vor­macht­stel­lung aner­ken­nen.

Die letz­te Kom­po­nen­te von Baby­lon, der fal­sche Pro­phet, reprä­sen­tiert somit den fal­schen Hei­li­gen Geist. Es ist der fal­sche Pro­phet, der gro­ße Wun­der und Zei­chen voll­bringt (Offb 19,20). In man­chen christ­li­chen Krei­sen wird der Hei­li­ge Geist als weib­lich betrach­tet. Es ist bekannt, dass sich in alten Reli­gio­nen, wie auch im Katho­li­zis­mus, die wun­der­wir­ken­de Kraft der Göt­ter größ­ten­teils in weib­li­chen Gott­hei­ten, wie Rhea, Isch­tar, Astar­te, Isis und heu­te Maria (Mari­en-Erschei­nun­gen!) mani­fes­tier­te. Zur New-Age-Bewe­gung, dem fal­schen Pro­phe­ten und dem fal­schen Hei­li­gen Geist könn­te noch mehr gesagt wer­den. Ob die­se Zuord­nung (Dra­che, Tier und fal­scher Pro­phet) stimmt, müss­te sepa­rat dis­ku­tiert wer­den. Las­sen wir es als Denk­an­stoß ste­hen.

[7] “Gefälscht” im Sin­ne einer Imi­ta­ti­on. Ein “gefälsch­ter Mes­si­as” ist ent­spre­chend des christ­li­chen Selbst­ver­ständ­nis­ses jede Per­son oder jeder “Gott” der behaup­tet, für das Heil des Men­schen not­wen­dig zu sein. Die­se Men­schen oder “Göt­ter” stel­len etwas dar, was unbi­blisch ist oder nur in Chris­tus ver­kör­pert wird. Eine gefälsch­te Anbe­tung ist ent­spre­chend eine Anbe­tung, die von sich behaup­tet, für das Heil för­der­lich zu sein oder Gott zu ehren, aber in Wirk­lich­keit kei­ne bibli­sche Grund­la­ge besitzt oder die­ser sogar wider­spricht und somit Gott Schan­de berei­tet.

[8] Das Wort Baby­lon bzw. Babel bedeu­tet über­setzt “Ver­wir­rung (durch Ver­mi­schung)”.
Das hebräi­sche בָּבֶל (bāwel) wird in Gene­sis 11,9 volks­ety­mo­lo­gisch mit בָּלַל (bāl­al, “ver­wir­ren”) ver­bun­den. Die Blue Let­ter Bible schreibt bei Strong­ein­trag: Babel oder Baby­lon = „Ver­wir­rung (durch Ver­mi­schung)“. Das Wort stammt wahr­schein­lich vom akka­di­schen Bāb-ili (“Tor Got­tes”).
Mög­li­cher­wei­se spielt die Wort­wahl in der Offen­ba­rung auf die vie­len heid­ni­schen Ele­men­te an, die sich ins Chris­ten­tum ein­ge­schli­chen haben und für reich­lich Ver­wir­rung sor­gen. Bibli­sche und unbi­bli­sche Vor­stel­lun­gen sind eine gefähr­li­che Mischung, eben­so wie Halb-Wahr­heit und Unwahr­heit.

[9] Ein Aus­zug aus einem Buch:

Von den Son­nen­göt­tern zu dem einen Gott

Die Bewusst­wer­dung ist schon immer ein wich­ti­ger Pro­zess im ara­bi­schen Den­ken und Han­deln gewe­sen: So hat der Pro­phet die Hal­tung des Islam kei­nes­wegs »erfun­den«. Es wur­de bereits von allen Pro­phe­ten vor ihm prak­ti­ziert, von denen uns die Bibel berich­tet. Aber erst Moham­med hat die­se kla­re Beja­hung der eige­nen Preis­ge­ge­ben­heit an Gott deut­lich bewusst gemacht und sie zur Grund­la­ge der Reli­gi­ons­ge­mein­schaft aller Mos­lems bestimmt. Ähn­li­ches gilt vom Hani­fen­tum.

Die Hani­fen (vom alt­sy­ri­schen han­pa, »Hei­de«, abge­lei­tet) waren Ara­ber, die in nach­bi­bli­scher Zeit mit dem Chris­ten­tum sympathisier­ten, ohne sich jedoch tau­fen zu las­sen: Damit waren sie natür­lich im christ­li­chen Sin­ne noch immer Hei­den – doch für die vor­is­la­mi­schen Ara­ber, gal­ten sie bereits als Beken­ner einer »höhe­ren«, mono­the­is­ti­schen Reli­gi­on, die dem spä­te­ren Islam ähn­lich war. Die­ser psy­cho­lo­gisch recht inter­essanten Situa­ti­on bedien­te sich Moham­med, indem er das Hani­fen­tum zur his­to­risch gewach­se­nen, ara­bi­schen Ange­le­gen­heit »umfunk­tio­nier­te«:

Mit sei­ner Offen­ba­rung erklär­te er den ara­bi­schen Erz­va­ter Ibra­him (Abra­ham) zum ers­ten Hani­fen, womit des­sen Offen­ba­rungs­re­li­gi­on zeit­lich noch vor der Reli­gi­on von Musa (Moses) und ‘isa (Jesus) lag, noch vor dem Juden­tum und somit auch dem Chris­ten­tum also. Zu Recht schrieb daher Franz Tae­sch­ner in sei­ner »Geschich­te der ara­bi­schen Welt«:

»Als Moham­med sich im Lau­fe sei­ner Bemü­hun­gen um Schaf­fung einer neu­en Gemein­de als Trä­ge­rin sei­ner Ver­kün­di­gung des Unter­schieds bewusst gewor­den war, dass die­se gegen­über den älte­ren Offenbarungs­religionen, dem Chris­ten­tum und dem Juden­tum, auf­wies, da betrach­tete er das ara­bi­sche Hani­fen­tum als eine Art von natür­li­cher Offenba­rungsreligion, die vor der Dif­fe­ren­zie­rung in Ein­zel­re­li­gio­nen wie die ­ihm ent­ge­gen­tre­ten­den läge, und bezeich­ne­te sei­nen eige­nen Glau­ben als einen hani­fi­schen. Man wird nicht bestrei­ten kön­nen, dass er in ge­wisser Wei­se recht hat­te mit die­ser Bezeich­nung; zum min­des­ten ist reli­gi­ons­ge­schicht­lich gese­hen der von ihm gestif­te­te Islam ein ech­tes Erzeug­nis des Hani­fen­tums, wenn man die­ses auf­fasst als eine reli­giö­se Ein­stel­lung, die zwar vom alt­ara­bi­schen Hei­den­tum aus­geht, aber sich vom Chris­ten­tum ent­schie­den beein­flus­sen ließ, dann aber doch eige­ne Wege ging und nicht im Voll­chris­ten­tum ein­mün­de­te.«

Das Auf­tre­ten des Pro­phe­ten bedeu­te­te also nicht die »Stun­de Null« des poli­ti­schen oder reli­giö­sen Ara­ber­tums. Gewiss sym­bo­li­siert Moham­med für alle Ara­ber noch immer die ent­schei­den­de, tiefgrei­fende Bewusst­wer­dung des ara­bi­schen Vol­kes. Aber die schon mehr­fach zitier­te Bedui­ni­sie­rung des Ara­ber­tums in der Zeit angeb­li­cher Unwis­senheit, der Dscha­hilijah, hat dafür beacht­li­che Vor­ar­beit geleis­tet:

Schließ­lich war die Her­aus­bil­dung einer – wenn auch nur ideel­len – bedui­ni­schen Gemein­schaft, die alle ara­bi­schen Stäm­me durch das Sprach­rohr der alt­ara­bi­schen Dich­tung ein­te, eine unab­ding­ba­re Vor­aussetzung dafür, dass der qur’an, der Vor­trag Got­tes im reins­ten Ara­bisch, auch bei allen ‘arab ankam, d.h. sich alle ara­bi­schen Her­zen, Ohren und Zun­gen im Sturm erobern konn­te. Schon die gemein­sa­me Spra­che der Bedui­nen­poe­sie hat­te die lei­den­schaft­li­chen ‘arab ja in einem Maße gepackt, erregt, auf­ge­rüt­telt und hin­ge­ris­sen, das für uns Euro­pä­er schwer begreif­lich ist. Aber ein Volk, das »in Dich­ter­wor­ten leb­te, dach­te und emp­fand« (Alt­heim-Stiehl), brach­te die idea­len Vor­aus­set­zun­gen mit, um eine natio­nal­po­li­ti­sche Reli­gi­ons­ge­mein­schaft zu bil­den, die die­se Emo­tio­nen auch auf die hei­li­gen Wor­te des qur’an über­trug.

Natür­lich wer­den es nicht die Inhal­te des alt­ara­bi­schen Hei­den­tums aus der Zeit der Dschāhilīya gewe­sen sein, die auf die Leh­re Moham­meds einen prä­gen­den Ein­fluss hat­ten; immer­hin wand­ten sich die vom Pro­phe­ten zu Vor­bil­dern gesetz­ten Hani­fen ja gera­de von die­sem Hei­den­tum ab. Es mag aber doch auch bereits dem Islam ver­wand­tes Gedan­ken­gut in der Bedui­nen­poe­sie gege­ben haben, das dann im ach­ten Jahr­hun­dert kräf­tig retu­schiert oder ganz aus­ge­merzt wur­de, um die vor­is­la­mi­sche »Zeit der Unwis­sen­heit« noch deut­li­cher er­scheinen zu las­sen. Doch es soll­te von einer erheb­li­chen Uninteres­siertheit des Bedui­nen an reli­giö­sen Fra­gen aus­ge­gan­gen wer­den: Der rech­te Gang sei­nes Kamels war dem bad­a­wi wohl stets wich­ti­ger als die Fra­ge nach dem rech­ten Glau­ben…

Der Gedan­ke des ein­zi­gen Got­tes, des »Herrn aller Wel­ten­be­woh­ner« Allah, kann jedoch die prä­gen­den Ein­flüs­se der benach­bar­ten Sess­haf­ten nicht leug­nen: Da waren zunächst die leb­haf­ten Kon­tak­te der arab aus der Bedui­nen­wüs­te Mit­tel­ar­a­bi­ens zu den Kul­tur­völ­kern des Frucht­ba­ren Halb­mon­des, die ihnen auch die reli­giö­sen Vorstel­lungen der Grie­chen über­mit­tel­ten. Außer­dem gab es die, in die­se frucht­baren Gebie­te, ein­ge­wan­der­ten und dort sess­haft gewor­de­nen Ara­ber.

Begin­nen wir mit den ara­bi­schen Naba­tä­ern, die schon in den letz­ten Lebens­jah­ren Alex­an­ders des Gro­ßen (gestor­ben 323 v. Chr.) ins östli­che Jor­dan-Tal ein­dran­gen, ins heu­ti­ge Staats­ge­biet von Jor­da­ni­en. Der obers­te Gott der Naba­tä­er und ande­rer nord­ara­bi­scher Stäm­me hieß Dusa­res, ara­bisch Dhu ’sch-Schara: er soll dem Grie­chengott Dio­ny­sos (römisch: Bac­chus) gleich­ge­setzt sein. Dusa­res wur­de in einem schwar­zen Stein, ähn­lich dem der berühm­ten Ka’­ba zu Mek­ka, ver­ehrt; nur wesent­lich klei­ner. Der Stein bil­de­te den Mit­tel­punkt einer Kult­stät­te in Petra, die­ser fas­zi­nie­ren­den Fel­sen­stadt der Naba­täer, ist heu­te zur tou­ris­ti­schen Haupt­at­trak­ti­on Jor­da­ni­ens gewor­den. Dhu ’sch-Schara (Dusa­res) wur­den nach alter Hir­ten­tra­di­ti­on die Erst­lin­ge der Her­de geop­fert. Ansons­ten durf­te in dem hei­li­gen Bezirk kein Baum gefällt und kein Wild gejagt wer­den. Es war Zufluchts­stät­te (»Frei­statt«) für Men­schen, die sich mit Blut­schuld bela­den hat­ten.

Stra­bon aus Ama­seia, ein weit­ge­reis­ter grie­chi­scher Geo­graf und Hi­storiker, der von 63 bis 20 v. Chr. leb­te, nann­te aller­dings den griechi­schen Heli­os den Haupt­gott der naba­täi­schen Ara­ber. Heli­os spiel­te in den reli­giö­sen Vor­stel­lun­gen der Grie­chen eine bedeu­ten­de Rol­le:

Eine 34 Meter hohe Sta­tue aus Erz kün­de­te als eines der sie­ben Welt­wunder des Alter­tums im Hafen zu Rho­dos den glanz­vol­len Ruhm die­ses Got­tes an, bis die­ser »Koloß von Rho­dos« im Jah­re 227 v. Chr. durch ein Erd­be­ben zer­stört wur­de. Dass Heli­os der obers­te Naba­täergott, von dem Stra­bon berich­te­te, eine von den Grie­chen übernom­mene Gott­heit dar­stell­te, ist wohl kaum der Fall. Denn über­all, wo die Ara­ber ein­dran­gen und sess­haft wur­den, war die gött­li­che Son­ne als Gott­heit – im Ara­bi­schen schams genannt – zu fin­den: in Eme­sa, dem heu­ti­ge Homs in Syri­en etwa, in der pracht­vol­len Wüs­ten­stadt Pal­my­ra, deren ein­drucks­vol­le Rui­nen noch heu­te auf der Stra­ße von Damas­kus nach Bag­dad bewun­dert wer­den kön­nen, aber auch bei den Sabä­ern Süd­ara­bi­ens, in Qatab­an und Hadra­maut.

In Eme­sa-Homs, das seit dem ers­ten vor­christ­li­chen Jahr­hun­dert von einer ara­bi­schen Dynas­tie beherrscht wur­de, deren Pries­ter­tum sich nach der Sit­te bedui­ni­scher Stäm­me ver­erb­te, stan­den sogar die Eigen­namen in Bezie­hung zum Son­nen­gott: Samsi­ge­ra­mos hieß z. B. ein Mit­glied der Dynas­tie von Eme­sa, ein weit­ver­brei­te­ter Name im Syri­schen, Naba­täi­schen oder Pal­my­re­ni­schen, in dem ein­deu­tig der Got­tes­na­me schams steckt. Ande­re zusam­men­ge­setz­te Eigen­na­men in die­sem syrisch-ara­bi­schen Grenz­ge­biet waren ähn­lich gebil­det, etwa Lisamsos, Amrisamsos oder Abdasamsos, wobei der letzt­ge­nann­te Name »Die­ner des Son­nen­got­tes« bedeu­te­te – ver­gleich­bar mit spä­te­ren isla­mi­schen Namen wie ‘Abdul … oder ‘Abdallah, was »Die­ner Got­tes« heißt. Auch in Pal­my­ra war schams ein männ­li­cher Gott, wenn auch die Eme­se­ner die riva­li­sie­ren­den Pal­my­re­ner und ihren Son­nen­gott in hel­lenistischer Über­heb­lich­keit als Bar­ba­ren ansa­hen. Bei den Korei­s­chi­ten (Qura­isch), einem nord­ara­bi­schen Stamm, dem Moham­med selbst an­gehörte, gab es eine Sip­pe, die banu Umma­ja ibn ‘Abdi Schams hieß:

Auch die Ver­wandt­schaft des Pro­phe­ten zähl­te also zu den »Die­nern des Son­nen­got­tes«…

So waren die Son­nen­göt­ter der Ara­ber kei­ne blo­ße Über­nah­me des grie­chi­schen Got­tes Heli­os, son­dern durch­aus gewach­se­ne ara­bi­sche Gott­hei­ten, die auch in weib­li­cher Form als schams auf­tre­ten konn­ten, in Kat­ab­an und Hadra­maut etwa, im Süden Ara­bi­ens. Bei den dort le­benden Sabä­ern hieß die Son­nen­göt­tin dhat him­jam (»die Aufleuch­tende«, eigent­lich: »Trä­ge­rin des Leuch­tens«) oder dhat ba’dan (»die Ent­fern­te«). Oft war auch nur schlicht von »der Göt­tin« die Rede, wenn die Son­ne gemeint war: Bezeich­nun­gen wie al-Ilahat, al-Ilat, al­Lat sind alle­samt als Femin­in­for­men von Allah anzu­se­hen.

Auf der Basis die­ses im gesam­ten ara­bi­schen Sprach­raum dominieren­den per­so­ni­fi­zier­ten Son­nen­glau­bens, bei dem schams teils männ­li­che, teils weib­li­che Gestalt ange­nom­men hat­te, ent­wi­ckel­te sich all­mäh­lich eine Art Mono­the­is­mus, eine Ein-Gott-Leh­re, die der Fran­zo­se Cumont tref­fend »mono­thé­is­me solai­re« genannt hat: Es war schon früh üblich gewor­den, dass die Ara­ber die Son­nen­göt­tin ein­fach al‑Lat nann­ten, »die Göt­tin«. Ähn­li­ches geschah dann mit dem männ­li­chen schams, dem Son­nen­gott, der schließ­lich nur noch »der Gott« genannt wur­de, ara­bisch al-Ilah, eine Bezeich­nung, die zum bekann­ten Allah führ­te. Das war im Prin­zip eine durch­aus inner­a­ra­bi­sche Ent­wick­lung, wenn auch eine Fern­wir­kung reli­giö­ser Vor­stel­lun­gen aus den benach­bar­ten Kul­turländern – wobei auch mit einem direk­ten Ein­fluss in Ara­bi­en le­bender Juden und Chris­ten zu rech­nen ist – die­sen Pro­zess nicht unbe­trächt­lich beschleu­nig­te. Hören wir dazu wie­der Franz Taesch­ner:

»Es mag als eine Fern­wir­kung der mono­the­is­ti­schen Kulturreligio­nen, vor allem des Chris­ten­tums, ange­se­hen wer­den, dass schon in vor­islamischer Zeit alle männ­li­chen Gott­hei­ten all­mäh­lich vor Allah ver­blass­ten, ihre Indi­vi­dua­li­tät ihm gegen­über ein­büß­ten und zu rei­nen Kult­na­men des Einen Got­tes her­ab­san­ken.«

So muss­te der Pro­phet sei­nem »Ein-Gott« Allah kei­nes­wegs mehr gegen eine Legi­on von heid­ni­schen Göt­zen behaup­ten, wie das oft fälschli­cherweise geschil­dert wird. Als er im klein­städ­ti­schen Oasen­zen­trum Mek­ka, sei­ner Geburts­stadt, zu pre­di­gen begann, da exis­tier­ten zwar noch ein paar hun­dert Lokal­göt­ter der ver­schie­de­nen ara­bi­schen Stäm­me, aber auch für den einen Allah gab es schon mehr als hun­dert Ver­eh­rungs­na­men. So war es für Moham­med nicht all­zu schwer, mit allen mög­li­chen Umschrei­bun­gen immer wie­der von »dem Gott« zu spre­chen, von al-Ilah, von Allah. Die meis­ten Stam­mes­göt­ter hie­ßen, wie gesagt, Allah. So auch Hub­al, der Lokal­gott von Mek­ka, der in dem schwar­zen Stein – einem Mete­or – ver­ehrt wur­de und der in der berühm­ten Pil­ger­stät­te Ka’­ba ein­ge­mau­ert war, die zur dama­li­gen Zeit schon Bait Allah (»Haus Got­tes«) genannt wur­de.

Eine gewis­se Pro­ble­ma­tik ergab sich dage­gen mit den weib­li­chen Gott­heiten der Ara­ber: Die Mek­ka­ner ver­ehr­ten neben ihrem Hub­al näm­lich noch drei Göt­tin­nen, die sie als »Hub­al-Töch­ter« betrach­te­ten. Da war Allat, »die Göt­tin«, die ihren Ursprung in der hei­li­gen Son­ne hat­te. Dazu kam al-‘Uzza, »die Mäch­ti­ge«, die zunächst im Pla­ne­ten Venus als Abend- bzw. Mor­gen­stern ver­ehrt wur­de. Und schließ­lich mach­te Manat, die Göt­tin des Zufalls und des Glücks, die der grie­chi­schen Tyche bzw. der römi­schen For­tu­na ähnel­te, das gött­li­che »Drei-Mä­­derl-Haus« der Mek­ka­ner kom­plett.

Gegen die­se drei Göt­tin­nen muss­te Moham­med mit sei­ner kla­ren Ein­-Gott-Leh­re ener­gisch antre­ten; denn dass Allah drei Töch­ter haben soll­te, das pass­te nun wahr­lich nicht in sein streng mono­the­is­ti­sches Kon­zept. Um Pro­ble­men, mit den recht starr­köp­fig auf ihre Gottes­töchter ver­ses­se­nen Mek­ka­nern, aus dem Weg zu gehen, ver­such­te es der Pro­phet zwar zunächst mit der Kom­pro­miss­for­mel, dass Allat, al-‘Uzza und Manat ledig­lich als himm­li­sche Wesen zu betrach­ten sei­en, »auf deren Für­spra­che bei Allah man Ver­trau­en set­zen dür­fe«. Doch bald ver­warf Moham­med auch die­sen Kom­pro­miss, mit dem er in einer schwa­chen Stun­de gelieb­äu­gelt hat­te. In der 53. Sure des Koran fin­den sich dann fol­gen­de har­te Wor­te zu die­sem The­ma:

»Was denkt ihr denn wohl von Allat und al-Uzza und von Manat, der ande­ren drit­ten Göt­tin? Habt ihr nur die Söh­ne und Allah nur die Töch­ter? Wahr­lich, das wäre eine unge­rech­te Ver­tei­lung, und jene sind nur lee­re Namen, wel­che ihr und eure Väter für die Göt­zen aus­dach­tet, wozu Allah kei­ne Erlaub­nis gege­ben hat. Aber sie fol­gen nur einer Wahn­idee und den Gelüs­ten ihrer Her­zen, obwohl sie die wah­re Lei­tung von ihrem Herrn erhiel­ten. Soll der Mensch wohl erhal­ten, was er nur wünscht?

Allah ist der Letz­te und Ers­te, und so vie­le Engel auch in den Him­meln sind, so kann doch ihre Für­spra­che durch­aus nichts hel­fen, oder Allah habe sie einem erlaubt, wem er will und der ihm wohl­ge­fällt. Nur die glau­ben nicht an das zukünf­ti­ge Leben, die den Engeln weib­li­che Namen geben. Sie haben aber kei­ne Kennt­nis hier­von und fol­gen nur einer Wahn­idee, aber ein blo­ßer Wahn hat nichts von Wahr­heit an sich. Dar­um ent­fer­ne dich von dem, wel­cher sich von unse­rer Ermah­nung abwen­det und wei­ter nichts will als das irdi­sche Leben.«

Soweit der Koran zu den von Moham­med aus­ge­schal­te­ten Göt­tin­nen Allat, al-‘Uzza und Manat. Mit dem Mono­the­is­mus der Ara­ber, dem »mono­thé­is­me solai­re« allein, erklärt sich aller­dings die strik­te Ein-Gott-Leh­re des Pro­phe­ten noch nicht zur Gän­ze – von den offen­kun­di­gen Ein­flüs­sen der jüdi­schen und christ­li­chen Got­tes­vor­stel­lung ein­mal ganz abge­se­hen. Ent­schei­dend sind noch, wie wir sehen wer­den, »neu­pla­to­ni­sche« Gedan­ken und der soge­nann­te »Mono­phy­si­tis­mus« der früh­christ­li­chen Leh­re. Die­se bei­den geis­ti­gen Strö­mun­gen haben deut­lich dazu bei­getra­gen, dass der berühm­te »bino­mi­sche Glau­bens­satz« zustan­de kam, nach dem es kei­nen Gott außer Allah  und Moham­med sei­nen Pro­phe­ten gibt: La Ilaha ila-llah; Moham­me­dun rasulu­llah!

Quel­le: W. R. Fuchs, Und Moham­med ist ihr Pro­phet, Drö­mer Knau­er Ver­lag, S. 75–81 / Recht­schrei­bung über­ar­bei­tet

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