Die Suche nach dem Ursprung

Die Par­al­le­len zwi­schen den ver­schie­de­nen Reli­gio­nen sind erstaun­lich und erschre­ckend. Man könn­te fast glau­ben, dass alle Reli­gio­nen – auch die christ­li­che – nichts als von Men­schen erdich­te­te Mär­chen sind. Fast alle Reli­gio­nen – von Asi­en bis Skan­di­na­vi­en, ja sogar bei eini­gen Stäm­men in Ame­ri­ka – sind von den glei­chen Moti­ven durch­drun­gen: Die Mut­ter-und-Kind-Ver­eh­rung und Anbe­tung. Die Mut­ter, in der Regel als Göt­tin dar­ge­stellt, hat­te in der Regel einen männ­li­chen Beglei­ter: ent­we­der das Kind oder ihren Ehe­gat­ten. Manch­mal war das Kind auch zugleich ihr Ehe­gat­te und häu­fig kamen ent­we­der das Kind, ihr Gat­te oder bei­de tra­gisch ums Leben.

Ist es Zufall, dass es in den Mythen der Welt deut­li­che Par­al­le­len gibt? Einer­seits ist es mög­lich, dass die­se Vor­stel­lun­gen sich unab­hän­gig von­ein­an­der ent­wi­ckelt haben oder auf grund­le­gend mensch­li­che Denk­mus­ter zurück­zu­füh­ren sind. Ande­rer­seits ist auch ein gemein­sa­mer Ursprung[1] die­ser mensch­li­chen Kul­tur denk­bar: Durch Wei­ter­erzäh­len und Aus­tausch zwi­schen den Völ­kern ver­brei­te­te sich die ursprüng­li­che Geschich­te über die gan­ze Welt. Natür­lich kam es zu unzäh­li­gen Abwand­lun­gen. Dabei spiel­ten vie­le Fak­to­ren eine Rol­le: Spra­che, Poli­tik und alte Reli­gio­nen. In die­ser Aus­ar­bei­tung wer­den vie­le Par­al­le­len auf­ge­zeigt, die auf ein Mus­ter hin­wei­sen, jedoch nicht zwangs­läu­fig einen gemein­sa­men Ursprung bewei­sen.

Nun stellt sich die Fra­ge, ob der ver­mu­te­te ursprüng­li­che Anlass aus den heu­te vor­lie­gen­den Mythen rekon­stru­iert wer­den kann. His­lop hat in sei­nem Buch ‘The Two Baby­lons’ ver­sucht, das Puz­zle zusam­men­zu­le­gen. Es ist ein rie­si­ges Puz­zle, bei dem nicht alle Stü­cke vor­lie­gen und man­che Stü­cke bis zur Unkennt­lich­keit ver­gilbt sind. Den­noch zeich­net sich ein Bild ab. Ein­schrän­kend muss gesagt wer­den: His­lop (sein Werk stammt aus dem 19. Jahr­hun­dert) hat nicht in allen Details recht, da er nicht alle Mythen im Detail kann­te. Ins­be­son­de­re sei­ne Über­le­gun­gen zur Rekon­struk­ti­on sind sehr spe­ku­la­tiv. Doch selbst wenn nur ein Bruch­teil von dem, was His­lop dar­stellt, stimmt, wäre dies spe­zi­ell für den Katho­li­zis­mus fol­gen­reich.

Die Mythen sind im gewis­sen Sin­ne unscharf. Göt­ter ver­schmel­zen mit ande­ren Göt­tern, d. h. die neue Gott­heit führt bei­de Titel und/oder der Ritus wird über­nom­men. Oft füh­ren die Bezeich­nun­gen zu Fehl­ein­schät­zun­gen bezüg­lich der Person/Sachlage. Es scheint die anti­ken Men­schen nicht gestört zu haben, dass manch­mal der Göt­ter­gat­te von sei­ner spä­te­ren Göt­ter­gat­tin gesäugt und auf­ge­zo­gen wur­de (Gat­te-Sohn-Ein­hei­ten). Spä­ter ver­schwam­men die Gren­zen. Ein Gott wur­de sowohl als Kind als auch als Gat­te einer bestimm­ten Göt­tin ver­ehrt. Göt­ter ster­ben und reinkar­nie­ren. Merk­ma­le des Vaters gehen auf den Sohn über – wenn der Sohn nicht ohne­hin schon die Reinkar­na­ti­on des Vaters dar­stellt. Oder umge­kehrt: Merk­ma­le des Soh­nes wer­den oft auch dem Vater zuge­schrie­ben. Ein ziem­li­ches Durch­ein­an­der.

Soviel zur Vor­war­nung. Aber betrach­ten wir die alte Welt etwas genau­er: Die Chaldä­er ver­ehr­ten in ihrer Zeit u. a. den Haupt­gott Bel Mard­uk (er hat­te über 50 ver­schie­de­ne Namen und Titel), spä­ter ein­fach nur Bel (vgl. Jer 51,44). Er war der Herr des Him­mels und der Erden, ein schöp­fen­der Gott. Bel ent­spricht dem semi­ti­schen Baal.

Die Göttin

Der Gott Bel trug zu dem den Titel “Der Sohn” (Ninus, Nin, Non). Als Mut­ter­göt­tin galt die Gott­heit Rhea, die in Baby­lon als Isch­tar, Astar­te oder Bel­tis ver­ehrt wur­de. Sie war die höchs­te Göt­tin und wur­de als Göt­tin der Lie­be und der Frucht­bar­keit ver­ehrt. Das Haupt­zen­trum ihrer Ver­eh­rung war Ere­ch, wo sie als Got­tes­mut­ter ver­ehrt wur­de. “Pro­sti­tu­ti­on” – weib­lich und männ­lich – gehör­ten zum got­tes­dienst­li­chen Ritus. Sie trug auch die Titel “Köni­gin des Him­mels” und “Unter­drü­cke­rin (Beschwich­te­rin) des Zorns”. Sie wur­de auch oft als Mut­ter mit einem Kind an der Brust dar­ge­stellt. Allein die­se Merk­ma­le erin­nern stark an das heu­ti­ge Bild von der katho­li­schen Maria, Mut­ter Jesu.

Mari­en­ver­eh­rung: Die­se Tat­sa­chen soll­ten Skep­sis gegen­über der Mari­en­ver­eh­rung in Form der „Hei­li­gen Jung­frau Maria” her­vor­ru­fen. Die Anbe­tung der Mut­ter Got­tes ver­stößt gegen das zwei­te Gebot der Bibel (2. Mose 20,4). Außer­dem ist kein Unter­schied zwi­schen der Anbe­tung Mari­as und ande­ren heid­ni­schen Anbe­tungs­for­men ersicht­lich. Es gibt Strö­mun­gen inner­halb der römisch-katho­li­schen Kir­che, die Maria als „Mit­erlö­se­rin” (Co-Redemp­trix) und „Mitt­le­rin aller Gna­den” (Media­trix omni­um gra­ti­arum) dog­ma­tisch fest­le­gen las­sen wol­len. „Co-Redemp­trix“ ist aber bist heu­te kein katho­li­sches Dog­ma gewor­den und die­se Vor­stel­lung wird auch nicht von allen Katho­li­ken geteilt.

Die bibli­sche Maria war eine beson­de­re Frau. Sie war got­tes­fürch­tig und in ihrem Wesen so rein, dass nur sie Jesus Chris­tus emp­fan­gen und in die Welt set­zen konn­te. Sie wur­de von Gott aus­er­wählt und von Jesus in Luk 11,27.28 als “glück­se­lig” bezeich­net (obgleich Jesus noch im sel­ben Satz den Schwer­punkt sei­ner Aus­sa­ge auf die­je­ni­gen legt, die das Wort Got­tes hören und befol­gen). Die bibli­sche Maria, Mut­ter Jesu, hat für sich nie einen beson­de­ren Platz in der Anbe­tung gefor­dert. Viel­mehr kann davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass sie sicher bestürzt wäre, erfah­ren zu müs­sen, dass ein heid­ni­scher Kult um sie gebil­det wur­de und sie sogar als Ver­mitt­le­rin zwi­schen Mensch und Gott den Platz Jesu ange­nom­men und ihn als unse­ren ein­zi­gen Erlö­ser ver­drängt hat. Viel­leicht mag der eine oder ande­re nun ent­ge­gen­hal­ten: “Aber was ist mit den Mari­en­er­schei­nun­gen und den gro­ßen Wun­dern?” – Hier muss man vor­sich­tig sein. Die Bibel berich­tet nicht von Mari­as Him­mel­fahrt oder ande­ren Wun­dern, die sie selbst betref­fen. Auf die­ser Web­sei­te wird außer­dem die Sicht ver­tre­ten, dass Tote im Grab bis zur Auf­er­ste­hung ruhen. Genaue­re Aus­füh­run­gen fin­den Sie in der Aus­ar­bei­tung “Tod, Him­mel und Höl­le – Was sagt die Bibel dazu?”. Ent­spre­chend wer­den Erschei­nun­gen von Toten, aber auch Mari­en­er­schei­nun­gen anders ver­stan­den, näm­lich als dämo­ni­sche Täu­schun­gen.

Künstlerische Darstellungen und Motive

Im Fol­gen­den geht es stets um die zuge­schrie­be­ne Rol­le und Funk­ti­on sowie ihre (künst­le­ri­sche) Dar­stel­lung. 

Vie­le heid­ni­sche Ele­men­te schli­chen sich erst im Lau­fe der Zeit in das Glau­bens­gut ein: Nes­to­ri­us (ca. 381–451), Patri­arch von Kon­stan­ti­no­pel, lehn­te den Titel „Mut­ter Got­tes“ (Theo­to­kos) für Maria ab und bevor­zug­te „Chris­tus­ge­bä­re­rin“ (Chris­to­to­kos). Er argu­men­tier­te, Maria habe nur die mensch­li­che Natur Jesu, nicht des­sen Gött­lich­keit gebo­ren. Das Kon­zil von Ephe­sus (431 n. Chr.) ver­ur­teil­te sei­ne Leh­re und bestä­tig­te den Titel, der seit­dem in der ortho­do­xen und in der römisch-katho­li­schen Kir­che ver­wen­det wird. Der Mari­en­kult begann im 3. bis 4. Jahr­hun­dert, wobei Maria als Got­tes­ge­bä­re­rin ver­ehrt wur­de. Spä­ter ent­wi­ckel­te sich die Vor­stel­lung ihrer unbe­fleck­ten Emp­fäng­nis (dass sie ohne Erb­sün­de gebo­ren wur­de).

Im Lauf des Mit­tel­al­ters fiel Maria mehr und mehr die Rol­le der Für­spre­che­rin der Men­schen in Not zu. Gott bzw. Jesus selbst wur­de als eine Ehr­furcht gebie­ten­de, rich­ter­li­che Gestalt dar­ge­stellt, sodass nur die lie­be­vol­le Mut­ter – Jung­frau Maria – Jesu/Gottes stren­ge Gerech­tig­keit mil­dern kann. Zu die­ser Zeit eta­blier­te sich der Rosen­kranz, eine Per­len­schnur, nach der 150 Ave-Maria gebe­tet wur­den.

Die “Mut­ter und Kind”-Anbetung war in vie­len Reli­gio­nen ver­brei­tet. So wur­de in ver­schie­de­nen Reli­gio­nen das glei­che Anbe­tungs­sys­tem unter ver­schie­de­nen Namen ver­ewigt.


Baby­lo­ni­sche Göt­tin mit Kind
Aus Kitto’s Illus­tra­ted Com­men­ta­ry, vol. iv. p. 31
Mut­ter und Kind wur­den z. B. in Ägyp­ten als Isis und Horus (auch Osi­ris als Kind? Sie­he Isis und Osi­ris), in Indi­en als Isi (Par­va­ti) und Iswa­ra, in Chi­na und Japan als die Gott­mut­ter Shing-moo mit Kind [2], in Grie­chen­land als Ceres oder Ire­ne und Plu­tus, in Rom Venus und Ado­nis und in Skan­di­na­vi­en als Frigg (Frigga) und Bal­der (Bal­dr) ver­ehrt. In Baby­lon wur­den die bei­den als Isch­tar und Tam­mus und in Phö­ni­zi­en als Asch­to­ret (=Astar­te) und Baal ver­ehrt. Das Kind wur­de sowohl als Ehe­mann, als auch als Sohn der Got­tes­mut­ter ver­ehrt. Das Bild rechts zeigt die drei­fa­che Gott­heit Matro­nae. Die­se Göt­tin wur­de in Nord­eu­ro­pa und in Rom ver­ehrt.

Die drei­fa­che Mut­ter
Matro­nae / Altar aus Net­ters­heim
(Von Kleon3, CC BY-SA 4.0)

Das Bild­nis stammt aus der Regi­on Ver­t­ault in Frank­reich und wur­de um 100 n. Chr. gefer­tigt. Auch hier ist (in einer gewis­sen Abwand­lung) die “Mut­ter und Kind-Ver­eh­rung” erkenn­bar. Die mitt­le­re Mut­ter hält eine Decke oder eine Win­del in ihren Hän­den. Die zwei Krei­se zei­gen einen Becher(?) und einen kugel­run­den Schwamm(?).

Heut­zu­ta­ge mani­fes­tiert sich die Mut­ter-Kind-Ver­eh­rung haupt­säch­lich in der Mari­en­ver­eh­rung der römisch-katho­li­schen Kir­che. Die Madon­na mit Kind [3] war auch eines der belieb­tes­ten Moti­ve in der christ­li­chen Kunst, obgleich die­ses Motiv auch in ande­ren Reli­gio­nen popu­lär ist.


Thro­nen­de Madon­na mit Hei­li­gen,
Bar­to­lo­meo Viva­ri­ni, 1465 n. Chr.
Die Ähn­lich­kei­ten zu den bekann­ten Mari­en­bil­dern sind erschre­ckend frap­pant. Das Bild rechts zeigt die Göt­tin Deva­ki zusam­men mit Krish­na. Links ist ein Bild Mari­as aus dem Jah­re 1465 n. Chr. zu sehen. Man könn­te hier unzäh­li­ge wei­te­re Bei­spie­le anfüh­ren, die die Ähn­lich­kei­ten zwi­schen heid­ni­schen und “christ­li­chen” Bil­dern wider­spie­geln.
Die Hin­dugöt­tin Deva­ki
mit dem Säug­ling Krish­na
an ihrer Brust.

Links: Die indi­sche Göt­tin Lak­sh­mi, sit­zend auf einer Lotus­blu­me, die von einer Schild­krö­te getra­gen wird. Rechts: Röm.-kath. Madon­na: Die Jung­frau mit Kind, sit­zend auf der Blü­te einer Tul­pe. – Pan­car­pi­um Maria­num, p. 88
Wer­den Mut­ter/Kind-Bild­nis­se aus ande­ren Reli­gio­nen ver­gli­chen, so wird ersicht­lich, war­um die­ses Motiv so leicht Zugang zu der christ­li­chen Reli­gi­on fand: Es war den Gläu­bi­gen bereits bekannt und wur­de von den Hei­den, die sich zum Chris­ten­tum bekehr­ten, mit in die christ­li­che Reli­gi­on gebracht. Im End­ergeb­nis liegt der Ursprung der Mari­en­ver­eh­rung im Hei­den­tum! Nicht sel­ten wur­den sogar Details aus dem Hei­den­tum über­nom­men, wie es die Bil­der links zei­gen. (Wei­te­re Details fol­gen spä­ter!) Die gro­ßen Göt­ter wur­den oft ste­hend oder sit­zend auf einer Lotus­blü­te dar­ge­stellt. In Indi­en war dies üblich. So wird z. B. Brah­ma sit­zend, auf einer Lotus­blü­te abge­bil­det; ver­mu­te­ter Ursprung: Vish­nu. Es ist daher nicht ver­wun­der­lich, dass die indi­sche Göt­tin Lak­sh­mi, die “Mut­ter des Uni­ver­sums” eben­falls so dar­ge­stellt wird.
Der Sohn bzw. die männ­li­che Kom­po­nen­te der Mut­ter-Kind-Gott­heit ist der gefälsch­te Erlö­ser, der gefälsch­te Jesus Chris­tus. Eini­ge Titel, die auf Jesus zutref­fen, wur­den auch für das Kind bzw. den Mann in den alten Reli­gio­nen ver­wen­det [4]. Mithras [5] (eine Gott­heit ira­ni­scher Her­kunft, spä­ter ein Son­nen­gott) als „Mitt­ler” und” Rich­ter” bezeich­net. Dionysios/Bac­chus wur­de als „Befrei­er” bezeich­net und ist gestor­ben und auf­er­stan­den (in orphi­scher Tra­di­ti­on als Zag­reus). Und Dumu­zi (sume­ri­sche Form von Tam­muz) wur­de als „Hir­te” bezeich­net.
Die Gott­hei­ten haben die­se Titel nicht ohne Grund “ange­nom­men”; sie die­nen ihnen zur Legi­ti­ma­ti­on: Sie ist der ver­hei­ße­ne Erlö­ser! Ein  typi­sches Bei­spiel ist “der Same der Frau”: In 1Mo 3,15 heißt es, dass der Same (Nach­kom­men) der Frau dem Schla­ge den Kopf zer­tre­ten soll und sie ihm in die Fer­se ste­chen wer­de.

Indra­ni, Frau des indi­schen
Got­tes Indra,
Asia­tic Rese­ar­ches, vol. vi. p. 393.

Links: Ägyp­ti­scher Gott aus
WILKINSON, vol. vi. Pla­te 42
Rechts: Krish­na aus COLEMAN’s Indi­an Mytho­lo­gy, p. 34.
Dies ist die ers­te Ankün­di­gung des Mes­si­as in der Bibel, unmit­tel­bar nach dem Sün­den­fall. Die Bil­der links und rechts zei­gen ähn­li­che Moti­ve in ande­ren Reli­gio­nen: eine Per­son oder Gott­heit im Kampf mit einer Schlan­ge sowie Krish­na, der der Schlan­ge Kali­ya auf den Kopf tritt, wäh­rend die­se ihn in den Fuß beißt.
Häu­fig hört man: “Da sieht man mal wie­der, wie sich die Autoren der Bibel frem­der Moti­ve bedient haben.” – Dabei wird in der Regel nach fol­gen­dem Sche­ma argu­men­tiert: Die Quel­le, die am ältes­ten ist, ist die ursprüng­li­che Quel­le. Die­se Annah­me ist zwar logisch, aber nicht immer rich­tig. Sie ist nur rich­tig, wenn die ältes­te bekann­te Quel­le auch tat­säch­lich die ältes­te ist.

Krish­na von Bikashrd, CC BY-SA 4.0

Dabei ist zu beden­ken, dass es neben der schrift­li­chen Über­lie­fe­rung auch eine münd­li­che Über­lie­fe­rung gab. Sie wird auch noch heu­te bei eini­gen indi­ge­nen Völ­kern ver­wen­det. Dort wird die Geschich­te des Stam­mes durch Aus­wen­dig­ler­nen von Gene­ra­ti­on zu Gene­ra­ti­on wei­ter­ge­ge­ben. Die­se Art der Über­lie­fe­rung ist erstaun­lich prä­zi­se.

Die Ver­hei­ßung aus 1Mo 3,15 wur­de unmit­tel­bar nach dem Sün­den­fall, also am Anfang der mensch­li­chen Geschich­te, gege­ben. Folg­lich ist es nicht ver­wun­der­lich, dass die­ses Motiv in vie­len ver­schie­de­nen Reli­gio­nen auf­taucht: Z. B. kämpft bei den Grie­chen Apol­los mit der Schlan­ge Pytho bzw. Her­ku­les kämpf­te mit Schlan­gen, obwohl er noch in der Krip­pe lag. His­lop erwähnt, dass ähn­li­che Geschich­ten in Ägyp­ten, Indi­en, Skan­di­na­vi­en und Mexi­ko gefun­den wur­den.

Die­ses hier sind exem­pla­ri­sche Betrach­tun­gen. Auch wenn z. B. das Mut­ter-Kind-Motiv in vie­len Reli­gio­nen auf­taucht, heißt das nicht, dass alle Mari­en­dar­stel­lun­gen heid­ni­schen Ursprungs sind. Men­schen kön­nen ja auch krea­tiv neue Kunst­wer­ke schaf­fen.

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Fußnoten


[1] Aus bibli­scher Per­spek­ti­ve darf man fra­gen: Ein Hin­weis auf den gemein­sa­men Ursprung der mensch­li­chen Kul­tur nach der Sint­flut?

[2] Berich­te aus der Jesui­ten­mis­si­on und der Sino­lo­gie bele­gen, dass chi­ne­si­sche Gläu­bi­ge bis­wei­len Par­al­le­len zwi­schen der Jung­frau Maria und Guany­in zogen. Ein­zel­ne Beob­ach­ter (u. a. eng­li­sche Sino­lo­gen des 19. Jh.) beschrie­ben auf­fäl­li­ge iko­no­gra­phi­sche Ähn­lich­kei­ten. Sir J. F. Davids beschreibt, dass die Chi­ne­sen aus Can­ton ihre heid­ni­sche Gott­heit und die römisch-katho­li­sche Madon­nen gleich­setz­ten und mit den­sel­ben Titeln Kuany­in anspra­chen. (Aus: The two Baby­lons, The Mother and the Child)

[3] Der glei­che Name, mit dem die Ita­lie­ner die Jung­frau bezeich­nen, ist die Über­set­zung eines der Titel der baby­lo­ni­schen Göt­tin Ishtar. So wie Baal oder Belus der Name für die gro­ße männ­li­che Gott­heit in Baby­lon benutzt wur­de, so wur­de die weib­li­che Göt­tin, die Frau Baals, Bel­tis genannt (HESYCHIUS, Lexi­con). Der Name wur­de in Nini­ve gefun­den und auf die “Mut­ter der Göt­ter” ange­wandt. In einer Rede, die an Nebu­kad­ne­zar gerich­tet war, wer­den bei­de Titel Belus und Bel­tis mit dem gro­ßen baby­lo­ni­schen Gott und der Göt­tin in Ver­bin­dung gebracht. Das grie­chi­sche Belus reprä­sen­tiert den hohen Titel des Got­tes Baals, “der Herr”. Bel­tis, die weib­li­che Göt­tin, ist äqui­va­lent zu Baal­ti, was im Eng­li­schen “My Lady” (mei­ne Her­rin) und auf Latein “Mea Domi­na”. Mög­li­cher­wei­se wur­de dar­aus im Lau­fe der Zeit “Madon­na”. In die­sem Zusam­men­hang sei dar­auf hin­ge­wie­sen, dass der Name von Juno, der klas­si­schen “Köni­gen des Him­mels” (im Grie­chi­schen Hera) auch “The Lady” (Die Her­rin) bedeu­tet. Ins­be­son­de­re tru­gen Cybe­le oder Rhea in Rom den Titel “Domi­na” (die Her­rin) (OVID, Fas­ti). His­lop zeigt sogar Zusam­men­hän­ge zu Athe­na auf.

[4] Oft wird behaup­tet, dass im Chris­ten­tum (spe­zi­ell Mat­thä­us, Mar­kus, Lukas und Johan­nes) Mytho­lo­gien ver­wen­det wur­den. Dabei wer­den oft Din­ge auf­ge­führt, die 1) oft unbi­blisch sind (z.B. Zöli­bat, Jesu Geburts­tag am 25. Dezem­ber) oder 2) in der heid­ni­schen Mytho­lo­gie eine ande­re Bedeu­tung haben (z.B. “Fleisch und Blut Chris­ti”). Es kommt zwar vor, dass auf heid­ni­sche Vor­stel­lun­gen ein­ge­gan­gen wird (z.B. greift Jesus in dem Gleich­nis vom armen Laza­rus eine unbi­bli­sche Vor­stel­lung vom Jen­seits auf – sie­he Aus­füh­run­gen zum The­ma Höl­le), ande­rer­seits wird kaum über­prüft, ob sich etwa die heid­ni­schen Reli­gio­nen der Bibel bzw. uralten Ver­hei­ßun­gen bedient haben könn­ten. Als Bei­spiel sei der “Same der Frau” erwähnt, der der Schlan­ge den Kopf zer­tre­ten soll. Die­se Ver­hei­ßung wur­de am Anfang der Mensch­heit ver­kün­digt – Ist es denn aus bibli­scher Per­spek­ti­ve ein Wun­der, dass die Ver­hei­ßung in ver­schie­de­nen Reli­gio­nen auf­taucht?

[5] Der Mithras-Kult war eine bedeu­ten­de Reli­gi­on im Römi­schen Reich. Sei­nen Höhe­punkt erreich­te sie im zwei­ten Jahr­hun­dert nach Chris­tus. Dadurch wur­de sie ein Kon­kur­rent der christ­li­chen Reli­gi­on. Aller­dings konn­te sich das Chris­ten­tum recht gut gegen­über dem Mithras-Kult durch­set­zen, da ver­schie­de­ne Fak­to­ren den Kult nega­tiv beein­fluss­ten. So war die Reli­gi­on eine Män­ner­re­li­gi­on, bei der Frau­en prak­tisch aus­ge­schlos­sen wur­den. Der Ursprung der Reli­gi­on ist nicht genau zu fas­sen. Mithra taucht in der hei­li­gen Schrift der Pra­sen (Zoro­as­tris­ten), der Aves­ta, als guter Engel oder Geist auf. Im alten per­si­schen Reich und teil­wei­se in indi­schen Brei­ten wur­de Mithra Gott ver­ehrt. Bei der Ent­wick­lung der Reli­gi­on nahm er ver­schie­de­ne Aspek­te ande­rer Reli­gio­nen auf. So wird er auch als Atlas dar­ge­stellt, der das Him­mels­ge­wöl­be trägt. Er wird aber zugleich mit Heli­os, dem grie­chi­schen Son­nen­gott, in Ver­bin­dung gesetzt. Vie­le heid­ni­sche Ele­men­te sind im Mithras-Kult ver­eint: Gebrauch von Weih­was­ser, die Ernen­nung des Sonn­tags und des 25. Dezem­ber (Fest des Sol Invic­tus) zu hei­li­gen Tagen sowie der Glau­be an die Unsterb­lich­keit der See­le, usw… – Auch christ­li­che bzw. jüdi­sche Ele­men­te sind erkenn­bar: die Idea­le der Fröm­mig­keit und Nächs­ten­lie­be, das letz­te Gericht und die Wie­der­auf­er­ste­hung. In Popu­lär­schrif­ten wird gele­gent­lich von einer ‚Hir­ten­an­be­tung‘ berich­tet, doch in den archäo­lo­gisch gesi­cher­ten Dar­stel­lun­gen fehlt jeder Hin­weis dar­auf. Vie­ler­orts dürf­te es viel­mehr so gewe­sen sein, dass popu­lä­re christ­lich-lit­ur­gi­sche oder ‑mythi­sche Ele­men­te im 4.–5. Jh. in Neben­kul­tu­ren rück­über­nom­men wur­den, anstatt dass das Chris­ten­tum sie dem Mithras-Mys­te­ri­en­kreis aus­ge­lie­hen hät­te. Frü­he text­li­che Bele­ge zum Mithras-Mys­te­ri­en­kult sind rar; unser Wis­sen beruht weit über­wie­gend auf archäo­lo­gi­schen Fun­den und epi­gra­phi­schen Kurz­in­for­ma­tio­nen.


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