Die heidnischen Einflüsse auf das Christentum

Das wah­re Aus­maß des Ein­flus­ses des “baby­lo­ni­schen Weins”, also der heid­ni­schen Leh­ren, wird erst deut­lich, wenn die Ritua­le, Sym­bo­le und die Form der Anbe­tung mit der heu­ti­gen Pra­xis ver­gli­chen wer­den. Ein­zel­ne heid­ni­sche Riten und Vor­stel­lun­gen, die bis in die Anti­ke zurück­rei­chen, fin­det man, so Veith, auch heu­te noch in ver­schie­de­nen Reli­gio­nen – auch im Katho­li­zis­mus. Die Namen der Göt­ter haben sich geän­dert und natür­lich gibt es Abwei­chun­gen, aber es kris­tal­li­sie­ren sich teil­wei­se die­sel­ben The­men, die­sel­ben Riten und das glei­che Sys­tem der Anbe­tung her­aus. Natür­lich bedeu­tet das nicht, dass alles 1:1 ins Chris­ten­tum über­nom­men wur­de, aber der Ein­fluss ist sehr deut­lich und lässt sich nicht durch eine zufäl­li­ge Par­al­lel­ent­wick­lung und schon gar nicht mit der Bibel erklä­ren.

Der Pontiff

Der oberste Mittler

Der Titel “Pon­ti­fex Maxi­mus” („der obers­te Brü­cken­bau­er“), ein Titel des Paps­tes, kann in die Ver­gan­gen­heit zurück­ver­folgt wer­den: Ursprüng­lich war damit die sym­bo­li­sche Brü­cke zwi­schen Men­schen und Göt­tern gemeint. Der Titel unter­strich damit die Rol­le des “obers­ten Mitt­lers” und wur­de vom höchs­ten Pries­ter (obers­tes Mit­glied des Col­le­gi­um Pon­ti­fi­cum) in Rom getra­gen. Seit der spä­ten Repu­blik wur­de das Amt von füh­ren­den Poli­ti­kern, spä­ter gewöhn­lich von den Kai­sern getra­gen. Kai­ser Gra­ti­an ver­zich­te­te 382 n. Chr. auf den Titel. Ab dem 5. Jh. setz­te sich unter Papst Leo I., Gel­asi­us I. der Ehren­ti­tel für den Bischof von Rom durch. Damit bean­spruch­ten die Päps­te die Nach­fol­ge und das Höchst­pries­ter­tum des alten Rom.

Der Fußkuss

Von Päps­ten wur­de beson­ders im Mit­tel­al­ter bis zum 20. Jahr­hun­dert der Fuß­kuss ein­ge­for­dert, z. B. im Dic­ta­tus papae (1075): „Quod pedes illi­us soli­us omnes prin­cipes deoscu­len­tur“ („Dass allein sei­ne [des Paps­tes] Füße alle Fürs­ten küs­sen sol­len“. Der Fuß­kuss soll auch beim römi­schen Hof­ri­tu­al auf­ge­tre­ten sein. In der Anti­ke ist der eigent­li­che „Fuß­kuss“ sel­te­ner aus­drück­lich belegt als all­ge­mei­ne Pro­stra­ti­ons­ges­ten (Nie­der­wer­fen, Boden/ Saum küs­sen). Er kommt aber vor – vor allem als Demuts­ges­te in reli­giö­sen Texten/Praktiken und ver­ein­zelt in Hof­ze­re­mo­ni­el­len.

Im Hin­du­is­mus, Bud­dhis­mus und Jai­nis­mus küs­sen Gläu­bi­ge oft die Füße der Sta­tue oder berüh­ren Stirn bzw. Lip­pen an ein­zel­nen Abbil­dun­gen. Bei ortho­do­xen Kir­chen und der römisch-katho­li­schen Kir­che wer­den Iko­nen bzw. Mari­en­dar­stel­lun­gen, Kru­zi­fi­xe oder Sta­tu­en von Hei­li­gen geküsst.

In der Bibel taucht das Küs­sen der Füße nur zwei­mal auf: Ein­mal wer­den die Füße Chris­ti bei Lk 7,38 geküsst, wo eine Frau ihm die Füße salbt, und ein­mal in Ps 2,11 – aber nur, wenn man eine Umstel­lung der hebr. Buch­sta­ben vor­nimmt (vgl. Luther 84/Elberfelder).


Fuß­kuss des Paps­tes
Da sich der Papst als Stell­ver­tre­ter Chris­ti sieht (auch als Gott auf Erden, ver­schlei­ert mit Fleisch, sie­he Dani­el 7), so ist es nur kon­se­quent, dass man den Fuß­kuss auch in der Kunst (Bild rechts) fin­det. Sie­he Bild links und rechts. Das Bild auf der rech­ten Sei­te zeigt die uns bereits bekann­ten Hei­li­gen­schei­ne, die von den alten heid­ni­schen Son­nen­schei­ben her­rüh­ren.
Anbe­tung der Köni­ge”, Aus­schnitt, Gen­ti­le da Fabria­no, 1423 n. Chr.

Das Küs­sen von Göt­zen (Bild­nis­sen) war bei den Hei­den bekannt. So berich­tet z. B. die Bibel in Hos 13,2, dass Käl­ber geküsst wur­den.

Wer­den noch heu­te Bild­nis­se oder ande­re Kult­ge­gen­stän­de geküsst? Trin­ken wir den unhei­li­gen Wein des Hei­den­tums?

Die dreifache Krone

Vie­le Sym­bo­le (beson­ders der röm.-kath. Kir­che) fin­det man in glei­cher oder ähn­li­cher Form im Hei­den­tum. Das Bild (1, unten links) links zeigt die Tia­ra, die drei­fa­che Papst­kro­ne. Sie sym­bo­li­siert die drei­fa­che Macht des Paps­tes. Ihre drei Kron­rei­fen wur­den in der Geschich­te unter­schied­lich gedeu­tet: in alten Krö­nungs­for­meln – „Vater der Fürs­ten und Köni­ge, Len­ker der Welt und Statt­hal­ter Chris­ti“. Seit der sym­bo­li­schen Nie­der­le­gung der Tia­ra durch Papst Paul VI. im Jahr 1964 wird sie nicht mehr getra­gen.

Die drei­fa­che Hör­ner­kap­pe im mitt­le­ren Bild unten sym­bo­li­siert die Gött­lich­keit der Per­son. In der Hand hält sie einen Pini­en­zap­fen, ein Sym­bol der Erneue­rung, das sich laut Veith bis zum baby­lo­ni­schen Gott Tam­muz zurück­ver­fol­gen lässt.


(1) Tia­ra des Paps­tes – getra­gen von Papst Johan­nes XXIII.

(2) Assy­ri­sche Gott­heit oder Schutz­geist (713–706 v. Chr. / Die Spit­ze der Kopf­be­de­ckung ist für das The­ma sexu­el­le Unter­tö­ne wich­tig.)

(3) Papst mit Zap­fen am Holz­stab unter­halb des Kreu­zes

Zap­fen­för­mi­ge Knäu­fe (pigna) sind in der katho­li­schen Kunst ein weit­ver­brei­te­tes, aus der Anti­ke über­nom­me­nes Dekor. Sie erschei­nen auf ver­schie­de­nen Kir­chen­ge­rä­ten (z. B. Ker­zen­leuch­tern, Kelch‑Knoten, Pro­zes­si­ons­stä­ben, teils an Krumm­stä­ben von Bischö­fen – vgl. Bild 3, oben rechts).

Der Papst scheint sich zudem nicht nur als direk­ten Stell­ver­tre­ter Chris­ti zu sehen, son­dern auch als einen Nach­fol­ger der Pha­rao­nen, wie es die fol­gen­den Bil­der deut­lich machen:

Papst mit ägyp­ti­schen Fächern
Ägyp­ti­sche Pro­zes­si­on

Papst mit Fächer und drei­fa­cher Kro­ne

Der Hirtenstab


Krumm­stab und Gei­ßel des Pha­rao Tutancha­mun (ca. 1352–1325 v. Chr.)
Der Hir­ten­stab ist kei­ne christ­li­che Neu­heit, son­dern ein altes Herr­schafts­sym­bol, das bereits in Ägyp­ten ver­wen­det wur­de: Osi­ris, der Gott des Jen­seits, wird in der Iko­no­gra­fie meist mit Krumm­stab (Heka) und Gei­ßel (Nek­hak­ha) dar­ge­stellt. Die­se Insi­gni­en kenn­zeich­nen sei­ne könig­li­che Macht im Toten­reich und sei­ne Rol­le im Toten­ge­richt. Der Krumm­stab geht auf den Hir­ten­stab zurück und steht für für­sorg­li­che Füh­rung, die Gei­ßel für könig­li­che Auto­ri­tät; teils wird sie auch mit Frucht­bar­keit und Land­wirt­schaft in Ver­bin­dung gebracht. Seit der Früh­zeit führ­ten auch die ägyp­ti­schen Köni­ge die­se Insi­gni­en, beson­ders in osi­ria­ti­schen und fun­erä­ren Dar­stel­lun­gen. Der spä­te­re Papst Johan­nes Paul II. mit Hir­ten­stab. Hier ver­mut­lich als Erz­bi­schof Karol Woj­ty­ła von Kra­kau. (Auch das Kreuz an der Klei­dung ist erwäh­nens­wert!)

In der Kir­che lebt das Motiv als Bischofs­stab fort: Das Ende des Stabs wird teil­wei­se als Schlan­gen­kopf aus­ge­formt, was den Stab zum Schlan­gen­stab macht. Die Form mit Schlan­gen­köp­fen ist vor allem in der byzan­ti­ni­schen Tra­di­ti­on (ortho­do­xe und man­che Ost­kir­chen) ver­brei­tet.

Es wird ver­mu­tet, dass das Schlan­gen­mo­tiv in der Chris­ten­heit Ein­zug gefun­den hat, in Anspie­lung auf die eher­ne Schlan­ge des Mose als Vor­aus­bild des Kreu­zes und der Heilung/Rettung (4Mo 21; Joh 3,14–15). Aller­dings ist die Schlan­ge auch ein nega­tiv besetz­tes Sym­bol. Zum einen besteht die Ver­bin­dung zum Sün­den­fall, zum ande­ren wird der Satan “alte Schlan­ge” genannt. In Ägyp­ten waren Schlan­gen­stä­be oft ritu­el­le oder schüt­zen­de Emble­me. Mög­li­cher­wei­se ist es kein Zufall, dass beim Hir­ten­schab Schlan­gen­köp­fe ver­wen­det wur­den.

Das Kreuz


Kreu­ze bei den alten Hei­den (WILKINSON, vol. i. p. 376.)






Ste­le des Šamši-Adad V. mit Brust­kreuz
(Foto:Osa­ma Shu­kir Muham­med Amin FRCP(Glasg) CC BY-SA 4.0)
Das Bild rechts zeigt das Kreuz, das der Papst im vori­gen Bild am Kra­gen trägt. Ein ver­gleich­ba­res Sym­bol wur­de von assy­ri­schen Köni­gen um den Hals getra­gen, ähn­lich wie die zwei Män­ner im Bild rechts. Unten rechts ist eine Ste­le des Šamši-Adad V. (um 823 v. Chr. bis 811 v. Chr.) zu sehen. Auch Aššur-nâṣir-apli II. (um 883 bis 859 v. Chr.) ließ sich so dar­stel­len.
Auf den Ste­len ist ein auf­fäl­li­ger Anhän­ger zu sehen: eine klei­ne Mit­tel­schei­be mit vier Armen, die nach außen hin brei­ter wer­den. In der For­schung wird die­ses Zei­chen über­wie­gend als sola­res oder gött­li­ches Emblem gedeu­tet und häu­fig mit Šamaš, dem akka­di­schen und baby­lo­ni­schen Gott der Son­ne, des Rechts und der Ord­nung, in Ver­bin­dung gebracht. Das typi­sche Sym­bol für den Son­nen­gott ist eine Kreis­schei­be mit vier domi­nan­ten Strah­len und vier Grup­pen von wel­len­för­mi­gen Strah­len.
In der neu­as­sy­ri­schen Bild­spra­che steht ein sol­cher Anhän­ger für könig­li­che Legi­ti­ma­ti­on: Er zeigt die Nähe des Herr­schers zur gött­li­chen Sphä­re und macht deut­lich, dass sei­ne Herr­schaft von den Göt­tern auto­ri­siert ist. Dane­ben wird dem Anhän­ger eine schüt­zen­de Wir­kung zuge­schrie­ben. Er gehört zu einer cha­rak­te­ris­ti­schen Grup­pe von Amu­let­ten und Astral­sym­bo­len, die assy­ri­sche Köni­ge auf Dar­stel­lun­gen tra­gen – etwa die Mond­si­chel für Sîn oder der acht­strah­li­ge Stern für Ištar. Gemein­sam ver­wei­sen die­se Zei­chen auf die kos­mi­sche Ord­nung, unter deren Schutz und Man­dat der König regiert.


Kreuz mit brei­ter wer­den­den Strah­len.
Vgl. Kreuz im Bild oben!


Gleich­sei­ti­ges Kreuz





Bac­chus mit gleich­sei­ti­gen Kreu­zen
(SMITH’s Clas­si­cal Dic­tion­a­ry, p. 208)

Eine anti­ke Inschrift, die die­se vier­strah­li­ge Form ein­deu­tig einem bestimm­ten Gott zuweist, ist nicht über­lie­fert. Den­noch gilt die Deu­tung als sola­res Emblem als die plau­si­bels­te.

Kreuz­sym­bo­le waren schon in der Anti­ke in vie­len Kul­tu­ren ver­brei­tet, wobei teil­wei­se unklar bleibt, in wel­chen Fäl­len sie ledig­lich als Orna­ment ver­wen­det wur­den. Bei den alt­me­so­po­ta­mi­schen Sym­bo­len kann von einer Ver­bin­dung zum Son­nen­gott aus­ge­gan­gen wer­den. Mög­li­cher­wei­se ist die Son­ne oder ein ande­res hel­les Licht einer von ver­schie­de­nen mög­li­chen Ursprün­gen der Kreuz­sym­bo­le:
Wenn man mit leicht zusam­men­ge­knif­fe­nen Augen durch die Wim­pern oder durch ein fei­nes Gewe­be in ein hel­les Licht blickt, sieht man vier Licht­strah­len davon aus­ge­hen.

Das Bild rechts unten zeigt den grie­chi­schen Gott Bac­chus mit gleich­sei­ti­gen, leicht geschwun­ge­nen Kreu­zen. Die­se Kreu­ze sind nicht die typi­schen Sym­bo­le, mit denen Bac­chus ver­bun­den wird, den­noch fin­det man sie auch in der anti­ken grie­chi­schen Kul­tur.

Kreuz- und T‑förmige Zei­chen sind in zahl­rei­chen vor­christ­li­chen Kul­tu­ren belegt und wur­den teils orna­men­tal, teils sym­bo­lisch ver­wen­det. Beson­ders bekannt ist das ägyp­ti­sche Anch (crux ansa­ta), das als „Zei­chen des Lebens“ galt und häu­fig als Amu­lett getra­gen wur­de. Sol­che Sym­bo­le waren ein Teil der offi­zi­el­len Klei­dung der alten Pries­ter, und fin­den sich heu­te auch auf offi­zi­el­ler Klei­dung der Pries­ter in Rom.


Nr. 1: Aus KITTO’s Bibli­cal Cyclo­paed­ia, vol. i. p. 495.
Nr. 2: Aus Sir W. BETHAN’s Etru­ria, vol. i. p. 54.
Nr. 3: Aus BUNSEN, vol. i. p. 450.
Nr. 4 & 5: Aus STEPHEN’s Cen­tral Ame­ri­ca, vol. ii. p. 344, Pla­te 2.
Nr. 2 und 3 sind etrus­ki­sche und kop­ti­sche Kreu­ze bzw. “T”-Buchstaben. Das Kreuz wur­de manch­mal mit einem zusätz­li­chen Kreis (Nr. 4) oder auf eine Son­nen­schei­be gemalt (Nr. 5).

Das mys­ti­sche Tau wur­de bei der Tau­fe auf die Stirn des­sen gemacht, der in die Mys­te­ri­en ein­ge­führt wur­de, und wur­de in vie­ler­lei Wei­se als hei­li­ges Sym­bol ver­wen­det. Man­che ver­mu­ten, dass Ter­tul­li­an auch schon das Kreuz meint, als er davon schreibt, dass Chris­ten ihre Stirn mit einem „Zei­chen“ ver­se­hen; er beschreibt dies als all­täg­li­che Pra­xis (De coro­na 3). Zudem berich­tet er, dass im Mithras­kult die Anhän­ger an der Stirn gekenn­zeich­net wer­den („Mithra signat in fron­ti­bus mili­tes suos“; De coro­na 15), was er als Nach­ah­mung christ­li­cher Bräu­che deu­tet. Es bleibt aber unklar, wel­ches „Zei­chen“ gemeint ist.


Nor­di­sche Son­nen­rä­der
(Foto: Hide­ko Bond­e­sen, CC BY-SA 2.5)
Das Kreuz ist – mit eini­gen Abän­de­run­gen und unter­schied­li­chen Bedeu­tun­gen – über die gan­ze Welt ver­brei­tet: In Ver­bin­dung mit einem Kreis (Son­nen­rä­der) taucht es bereits in der Bron­ze­zeit auf.
Das T‑förmige Kreuz fin­det sich bereits im ägyp­ti­schen Anch (im Eng­li­schen und Nie­der­län­di­schen Ankh), des­sen unte­rer Teil ein Tau-Kreuz ist.
Anch-Sym­bol aus Ägyp­ten

pro­to-kanaa­näi­sche Schrift (oben) aus der das
phö­ni­zi­sches Taw (unten, her­vor­ge­ho­be­ne Sequenz B Y T D W D rück­wärts zu lesen) her­vor­ge­gan­gen ist, wel­ches wie­der­um zum grie­chi­schen Tau und dem latei­ni­schen T geführt hat.
Im Buch Eze­chi­el (Ez 9,4) befiehlt Gott, den From­men Jeru­sa­lems ein Zei­chen (Taw) auf die Stirn zu zeich­nen, damit sie bei der kom­men­den Ver­nich­tung ver­schont blei­ben. In der dama­li­gen alt­he­bräi­schen Schrift bzw. phö­ni­zi­schen Schrift hat­te der Buch­sta­be Taw tat­säch­lich eine kreuz­ähn­li­che oder X‑förmige Gestalt. Es han­delt sich dabei um den letz­ten Buch­sta­ben im Alpha­bet. Die phö­ni­zi­sche Schrift hat maß­geb­lich ande­re Schrif­ten beein­flusst. Auch das grie­chi­sche Tau in der uns ver­trau­ten Form, hat­te sich ca. im 8. Jahr­hun­dert vor Chris­tus bereits eta­bliert.
Ohne uns bekann­te Zusam­men­hän­ge, fin­den sich Kreuz­sym­bo­le auch in ent­fern­ten Kul­tu­ren, z. B. bei Azte­ken, Mayas oder in Tibet.
Tibet-Kreuz

Seit­dem haben sich ins­be­son­de­re in der Chris­ten­heit zahl­lo­se For­men von Kreu­zen aus­ge­brei­tet: mit und ohne Kreis­schei­be, gleich lan­ge Arme, unter­schied­lich lan­ge Arme, T‑förmig. Mit und ohne zusätz­li­che Quer­bal­ken.

Zusam­men­fas­sung:

  • Die Art und Wei­se, wie das Kreuz oft in unse­rer Zeit “ver­wen­det” wird, lässt sich oft auf heid­ni­sche Ursprün­ge zurück­füh­ren: Das Tra­gen eines Kreu­zes (als Schutz­sym­bol, Glücks­brin­ger, Talis­man, etc.) ist heid­nisch. Der Glau­be zählt an Gott! Glei­ches gilt für alle “hei­li­gen Gegen­stän­de”. Es ist eine Belei­di­gung Got­tes, an die Schutz­funk­ti­on, an das Selig­ma­chen, usw. durch Gegen­stän­de zu glau­ben, wenn wir doch zu Gott kom­men sol­len und Ihn um Schutz und Füh­rung bit­ten kön­nen! Kult­ge­gen­stän­de, von denen man sich einen Vor­teil erhofft, sind Magie­glau­be im from­men Gewand!
  • Weni­ger pro­ble­ma­tisch ist die deko­ra­ti­ve Ver­wen­dung oder das Tra­gen des Kreu­zes als Bekennt­nis­zei­chen.
  • Die Anbe­tung des Kreu­zes, sowie die Ver­wen­dung des Kreuz­sym­bols soll­ten kri­tisch über­dacht wer­den: Was erwar­te ich durch die­se oder jene Hand­lung? Wir haben durch Chris­tus, den ein­zi­gen Mitt­ler, Zugang zu Gott. Wozu klam­mern wir uns an Gegen­stän­de? Dort Gefahr in heid­ni­sches Den­ken abzu­rut­schen?

Die Kleidung


Misch­we­sen aus Mensch und Fisch: Oan­nes, spä­ter mit Dagon gleich­ge­setzt.
(Foto: Dr.Regosistvan, CC BY-SA 4.0)
Dagon (hebrä­isch דָּגוֹן dagown ‚Getrei­de‘) war pri­mär ein west­se­mi­ti­scher Frucht­bar­keits- und Korn­gott. Bele­ge für sei­nen Kult fin­den sich in Mari, Uga­rit und – beson­ders pro­mi­nent – bei den Phi­lis­tern (z. B. in Asch­dod und Gaza). Dagon wird in anti­ken Tex­ten und Dar­stel­lun­gen meist mit mensch­li­chem Ober­kör­per und Fisch­schwanz gezeigt.
Bild rechts: In der meso­po­ta­mi­schen Tra­di­ti­on exis­tie­ren sie­ben Abgal (sume­risch) bzw. Apkal­lū (akka­disch) – mythi­sche Schutz- und Weis­heits­we­sen, die der Gott Ea/Enki den Men­schen sand­te. In Reli­efs und Sta­tu­en tre­ten die Fisch-Apkal­lū fol­gen­der­ma­ßen in Erschei­nung:
Sie tra­gen eine Tuni­ka aus Fisch­haut mit Schup­pen­re­li­ef und eine ent­spre­chen­de Fisch­kopf­hau­be. In den Hän­den hal­ten sie eine Mul­lī­lu (Rassel/Pinsel) und ein Bandud­du (Was­ser­ge­fäß) und voll­zie­hen damit Puri­fi­ka­ti­ons­ri­tua­le.
Die iko­no­gra­phi­sche Tra­di­ti­on kennt zwei Vari­an­ten der Fisch­mas­ke:
Offe­nes Maul (Bild rechts): Die Fisch­kopf­hau­be ist mit weit geöff­ne­tem Maul dar­ge­stellt. Geschlos­se­nes Maul (Bild unten links): Der Fisch­kopf erscheint mit geschlos­se­nem Maul.

Enki mit gött­li­cher Hör­ner­kro­ne und vier Was­ser­strö­men – flan­kiert von zwei Pries­tern mit Fisch­män­teln
(Foto: Osa­ma Shu­kir Muham­med Amin FRCP(Glasg), CC BY-SA 4.0)
Das Bild links (Per­ga­mon­mu­se­um Ber­lin, Fund­ort u. a. Sip­par, ca. 9.–7. Jh. v. Chr.) zeigt zwei Fisch-Apkal­lū (ver­mut­lich Pries­ter), die gera­de hei­li­ges Was­ser ver­spren­keln (Mul­lī­lu und Bandud­du in den Hän­den). Die­se Dar­stel­lun­gen doku­men­tie­ren die Rol­le der Apkal­lū als kul­ti­sche Rei­ni­ger und Schutz­geis­ter.

Sie­gel­rol­le, ca. 701 – 601 v. Chr.
(The Mor­gan Libra­ry & Muse­um)
Die Ges­te der Dschin­ns und Fisch­men­schen deu­tet dar­auf hin, dass das Haupt­the­ma die­ser Sie­gel die Bestäu­bung [oder Bespren­ke­lung] des hei­li­gen Bau­mes ist… Die Figur eines Got­tes in einer Son­nen­schei­be über einem Baum wur­de von Frank­fort als Ashur inter­pre­tiert, der über sei­nem Sym­bol, dem hei­li­gen Baum [Baum des Lebens], schwebt…” (Pora­da, CANES, p. 93–94)

Die­se Hand­lung und die Klei­dung erin­nern an die Klei­der und die Hand­lung von Pries­tern der röm.-kath. Kir­che.



Gebet des Hl. Wolf­gangs, Aus­schnitt, Micha­el Pacher, 1480 n. Chr.
Man ver­glei­che die Kopf­hau­be (Mitra) des Man­nes im lin­ken Bild mit der Fisch­kopf-Mitra aus dem Bild rechts oben. Wenn man die Son­nen­schei­be hin­ter dem Kopf des Hl. Wolf­gangs weg­lässt, dann sieht es so aus, als wür­de er auch eine Mitra tra­gen, die dem Fisch­kopf des Dagon­pries­ters nach­emp­fun­den wur­de.
Die Res­te des Fisch­kos­tüms


Moder­ne Mitra
(Foto: Euge­nio, CC BY-SA 4.0, )

Göt­tin Kybe­le / Rhea in einer Dar­stel­lung, die Pierre Mus­sard (1675) zuge­schrie­ben wird.
Das Bild links zeigt die phry­gisch-ana­to­li­sche Mut­ter- und Frucht­bar­keits­göt­tin Kybe­le, in Rom unter dem Titel Magna Mater („Gro­ße Mut­ter“) ver­ehrt. Nor­ma­ler­wei­se trägt sie einen turm­ar­ti­gen Kopf­schmuck. In der grie­chi­schen Mytho­lo­gie wird Kybe­le häu­fig mit Rhea gleich­ge­setzt. Wenn man anti­ke Dar­stel­lun­gen genau­er betrach­tet, offen­ba­ren sich sol­che kul­tur­spe­zi­fi­schen Details und Über­nah­men beson­ders ein­drück­lich. In der Abbil­dung links trägt Kybe­le jedoch eine geöff­ne­te Kopf­be­de­ckung, ähn­lich wie bei den Fisch­kos­tü­men bzw. bei christ­li­chen Dar­stel­lun­gen der Mitra. Die­ses zeugt davon, wie Kunst durch zeit­ge­nös­si­sche Vor­stel­lun­gen beein­flusst wird. Der Künst­ler hat die ihm bekann­te Mitra der Kybe­le zuge­schrie­ben.
Krö­nung der Jung­frau Maria (Aus­schnitt), Car­lo Cri­vel­li, 1482 n. Chr. – Im Hin­ter­grund der Sze­ne ein Bischof oder Papst mit geöff­ne­ter Mitra und ein Mönch mit Hei­li­gen­schein (“Son­nen­schei­be”) und gescho­re­nen Haa­ren.

Der Mönch im Aus­schnitt links hat einen Hei­li­gen­schein, der wie eine Son­nen­schei­be hin­ter dem Kopf aus­sieht. Links ist wie­der die Mitra zu sehen. Übri­gens: Das „Zöli­bat“ im engen Sinn – also ein frei­wil­li­ges Gelüb­de dau­er­haf­ter sexu­el­ler Ent­halt­sam­keit – ist kei­nes­wegs eine neu­zeit­li­che Erfin­dung des Chris­ten­tums. Man fin­det Ver­gleich­ba­res bereits in zahl­rei­chen vor- und außer­eu­ro­päi­schen Kul­t­an­ord­nun­gen:

Die Pries­ter der Kybe­le, die soge­nann­ten Gal­li, leb­ten zöli­ba­t­är, jedoch prak­ti­zier­ten sie oft Selbst­kas­tra­ti­on als Initia­ti­ons­akt. Neben Kybe­le gab es auch bei Attis- und spä­ter ägyp­ti­schen Isis-Kul­ten eunu­chen­ähn­li­che Pries­ter­schaf­ten; sexu­el­le Ent­halt­sam­keit war hier meist Bedin­gung des Kult­diens­tes.

Die Ton­sur, das ritu­el­le Sche­ren der Haupt­haa­re, ist eine Pra­xis, die in ver­schie­de­nen reli­giö­sen Tra­di­tio­nen vor­kommt. Obwohl sie in der Anti­ke auch im Rah­men des Isis­kul­tes schon ver­wen­det wur­de, sind ihre Ursprün­ge viel­schich­tig und fin­den sich auch in der römi­schen Reli­gi­on. Noch heu­te ist die Ton­sur ein Bestand­teil der Auf­nah­me in den Kle­ri­ker­stand in der christ­li­chen Kir­che und wird auch im Bud­dhis­mus prak­ti­ziert, wo sie wäh­rend der Ordi­na­ti­on von Mön­chen eine beson­de­re Bedeu­tung hat.

Eine Sammlung heidnischer Lehren?

Das Papst­tum behaup­tet, der wah­re apos­to­li­sche Nach­fol­ger zu sein, und dass das römisch-katho­li­sche Sys­tem der Anbe­tung durch die Tra­di­tio­nen über­lie­fert wur­de. Doch die­se Tra­di­tio­nen sind nicht sel­ten heid­ni­sche Tra­di­tio­nen, “die Men­schen “trun­ken machen”. Sie haben nichts mit den Leh­ren Jesu zu tun. Leh­ren und Dog­men wie Säug­lings­tau­fe, das Bespren­keln mit Was­ser bei der Tau­fe, die Leh­re vom Fege­feu­er und der unsterb­li­chen See­le, Gebe­te für die Toten (sie­he Tod, Him­mel und Höl­le – Was sagt die Bibel dazu?) und wie­der­ho­len­de Gebe­te (“Plap­pern wie die Hei­de” – Mt 6,7; Gebrauch von Rosen­krän­zen), ja sogar Tei­le der hei­li­gen Mes­se dürf­ten ande­re Ursprün­ge haben. Auch der Wech­sel vom Sab­bat zum Sonn­tag als ver­bind­li­cher Ruhe­tag lässt sich biblisch nicht bele­gen.

Vie­les, was die gläu­bi­gen Men­schen heu­te glau­ben, ist erst vie­le Jah­re spä­ter in die Kir­che ein­ge­drun­gen:

ca. 160 n. Chr.Anfän­ge des Mär­ty­rer­kul­tes
ca. 160 n. Chr.Beginn des Engel­kul­tes
ca. 160 n. Chr.Reli­qui­en­dienst kommt auf
ca. 232 n. Chr.Bischö­fe, spä­ter auch der Papst, begin­nen sich den Titel “Papa” (Vater) anzu­eig­nen.
ca. 260 n. Chr.Auf­kom­men beson­de­rer pries­ter­li­cher Klei­dung
ca. 300 n. Chr.Ent­wick­lung des Mönch­tums beginnt
ca. 313 n. Chr.Kai­ser Kon­stan­tin stellt das Chris­ten­tum dem römi­schen Poly­the­is­mus gleich und beginnt, das Chris­ten­tum zu pri­vi­le­gie­ren. 321 n. Chr. Arbeits­ver­bot am Sonn­tag. Wenig spä­ter erhob Kai­ser Theo­dosi­us 380 n. Chr. das Chris­ten­tum zur ein­zi­gen Staats­re­li­gi­on und ver­bot ca. 391 n. Chr. alle heid­ni­schen Kul­te und Opfer.
nach 325 n. Chr.Beginn der kirch­li­chen Bau­kunst unter Kon­stan­tin
nach 325 n. Chr.Offi­zi­el­les Pries­ter­tum ent­steht. Altar wird als offi­zi­el­ler Kir­chen­ge­gen­stand ein­ge­führt ange­nom­men
nach 330 n. Chr.Hei­li­gen­schei­ne tre­ten auf; zuerst bei Chris­tus-Bil­dern
nach 336 n. Chr.Das Weih­nachts­fest ein­ge­führt
ca. 325–382 n. Chr., ver­mut­lich 363/364 n.Chr.Kon­zil zu Lao­di­cea: Ver­le­gung des Sab­bats auf den Sonn­tag
nach 385 n. Chr.Räu­chern von Weih­rauch ein­ge­führt
nach 386 n. Chr.Ent­ste­hung der Lit­ur­gien
ca. 400 n. Chr.Offi­zi­el­le Pries­ter­wei­he
431 n. Chr.Kon­zil zu Ephe­sus macht das Dog­ma der “Mut­ter Got­tes” zu einem offi­zi­el­len Teil der katho­li­schen Kir­che
nach 440 n. Chr.Die römi­schen Bischö­fe for­dern für sich den Titel ‘Pon­ti­fex maxi­mus’ und bean­spru­chen die Ober­herr­schaft über die “Uni­ver­sel­le Welt’
ca. 529 n. Chr.Grün­dung des ers­ten Klos­ters auf dem Mon­te Casi­no (Ita­li­en)
nach 550 n. Chr.Die Kin­der­tau­fe wur­de üblich / Ers­te Erwäh­nun­gen im 2. / 3. Jahr­hun­dert
nach 590 bis 604 n. Chr.Papst Gre­gor I bil­det Fege­feu­er­leh­re zum Glau­bens­dog­ma aus. Beginn der Fege­feu­er­leh­re ca. im 3./4. Jahr­hun­dert, u. a. Für­bit­te und Eucha­ris­tie für die Toten.
nach 606 n. Chr.Ein­füh­rung der Kir­chen­glo­cken
nach 650 n. Chr.Mari­en­kult erwei­tert (Mariä Licht­mess. Mariä Ver­kün­di­gung, Mariä Geburt)
nach 700 n. Chr.Auf­kom­men der Kreu­zes­ver­eh­rung
nach 750 n. Chr.Beicht­stüh­le und aus­ge­ar­bei­te­te Kan­zeln noch unbe­kannt
nach 757 n. Chr.Ers­te Orgel (Frank­reich)
nach 787 n. Chr.Bil­der­ver­eh­rung
nach 809 n. Chr.Auf­kom­men des Fuß­kus­ses des Paps­tes
nach 910 n. Chr.Auf­kom­men des Rosen­kran­zes
nach 1000 n. Chr.Glo­cken­tau­fe oder Wei­he ein­ge­führt
1139 n. Chr.Ehe­lo­sig­keit der Pries­ter (Zöli­bat) fest beschlos­sen
nach 1119 n. Chr.Auf­kom­men der Abläs­se
nach 1140 n. Chr.Gebrauch des Altar­kreu­zes wird zur Vor­schrift
nach 1200 n. Chr.Dis­pen­sa­ti­on und Erhe­bung der hei­li­gen Hos­tie
nach 1215 n. Chr.Beginn der Inqui­si­ti­on, ab 1231 n. Chr. sys­te­ma­ti­sche Ver­fol­gung
nach 1220 n. Chr.Auf­kom­men der Ohren­beich­te
nach 1311 n. Chr.Fron­leich­nams­fest
nach 1378 n. Chr.Zuneh­men­de Ver­welt­li­chung des Papst­tums
ab 1504 n. Chr.Ablass­han­del (Tet­zel)
1534 n. Chr.Grün­dung des Jesui­ten­or­dens
1854 n. Chr.Mariä “Unbe­fleck­te Emp­fäng­nis“ – offi­zi­el­ler Teil des Mari­en­kul­tes
1870 n. Chr.Unfehl­bar­keit des Paps­tes in der Sit­ten- und Glau­bens­leh­re
1950 n. Chr.Mari­en­dog­ma: “Mariä Him­mel­fahrt wird zum Lehr- und Glau­bens­satz erho­ben

(Quel­len: “Lehr­buch der Kir­chen­ge­schich­te für Stu­die­ren­de”, Jahann Hein­rich Kurtz; u. a. / Inter­net­an­ga­ben / Wiki­pe­dia)

In dem Buch “The Pope and the Coun­cil” lesen wir: “So wie suk­zes­siv die Schich­ten der Erde auf­ein­an­der­fol­gen, so wur­den Schicht für Schicht Fäl­schun­gen und Mär­chen in der Kir­che auf­ge­schich­tet.” (Johann Joseph Ignaz von Döl­lin­ger (1799–1890) war ein bedeu­ten­der deut­scher katho­li­scher Theo­lo­ge, Kir­chen­his­to­ri­ker und Poli­ti­ker.)

Der Kir­chen­his­to­ri­ker Phil­ip Schaff sagt: “Kei­ne Kir­che … in der Chris­ten­heit sank so tief wie die latei­ni­sche Kir­che im zehn­ten Jahr­hun­dert.” (“Histo­ry of the Chris­ti­an Church”, Vol. 4, Sei­te 280)

K. Adam schreibt über den Katho­li­zis­mus: “Wir bestä­ti­gen es, ohne dar­über zu errö­ten, ja, wir bestä­ti­gen es mit Stolz: Der Katho­li­zis­mus ist nicht schlicht­weg iden­tisch mit dem Urchris­ten­tum oder gar mit der Bot­schaft Chris­ti zu iden­ti­fi­zie­ren … Und wir fügen hin­zu: In tau­send und aber­tau­send Jah­ren wird der Katho­li­zis­mus noch ungleich rei­cher, üppi­ger, viel­ge­stal­ti­ger in Dog­ma, Sit­te, Recht und Kul­tus sein, als der Katho­li­zis­mus heu­te. Ein Reli­gi­ons­his­to­ri­ker des 5. Jahr­tau­send n. Chr. wird ohne Mühe im Katho­li­zis­mus Vor­stel­lungs­rei­hen, Gebil­de und For­men ent­de­cken, deren Hei­mat Indi­en, Japan und Chi­na ist … Ja sie ver­schmäht es nicht, selbst heid­ni­sche Kult­hand­lun­gen und Sym­bo­le über­all da zu über­neh­men, wo eine christ­li­che Besee­lung und Umprä­gung mög­lich ist.” (Karl Adam, Das Wesen des Katho­li­zis­mus, Düs­sel­dorf 1957, S. 14, 192)

Auch der Sonn­tag wur­de dem Hei­den­tum ent­nom­men:

Die Kir­che über­nahm die heid­ni­sche Phi­lo­so­phie und mach­te sie zum Schild des Glau­bens gegen die Hei­den. Sie nahm das heid­ni­sche römi­sche Pan­the­on, den Tem­pel aller Göt­ter, und mach­te es hei­lig für alle Mär­ty­rer; so steht es bis heu­te. Sie nahm den heid­ni­schen Sonn­tag und mach­te ihn zum christ­li­chen Sonn­tag. Sie nahm das heid­ni­sche Oster­fest und mach­te dar­aus das Fest, das wir in die­ser Jah­res­zeit fei­ern. […] Die Son­ne war ein her­aus­ra­gen­der Gott in der Hei­den­tum. Bal­der, der Schö­ne, den die alten Skan­di­na­vi­er den wei­ßen Gott nann­ten. Die Son­ne hat bis heu­te Ver­eh­rer in Per­si­en und ande­ren Län­dern. […] In Wahr­heit gibt es etwas König­li­ches, Erha­be­nes an der Son­ne, das sie zu einem geeig­ne­ten Emblem für Jesus, die Son­ne der Gerech­tig­keit, macht. Daher scheint die Kir­che in die­sen Län­dern gesagt zu haben: „Behal­tet den alten heid­ni­schen Namen [Sonn­tag]. Er soll gehei­ligt und geseg­net blei­ben.“ Und so wur­de der heid­ni­sche Sonn­tag, der Bal­der gewid­met war, der christ­li­che Sonn­tag, der Jesus geweiht ist..” (The Catho­lic World, Vol. 58 (Oct 1893–Mar 1894), S. 809–816: „Pascha­le Gau­di­um“, Wil­liam Gil­dea, D.D. – Online ver­füg­bar)

Eine umfas­sen­de katho­li­sche Zitat­samm­lung zum The­ma Sab­bat fin­det man auf einer Unter­sei­te.

Wappen und andere Symbole


Wap­pen des Papst Fran­zis­kus
(Von SajoR, CC BY-SA 2.5)
Selbst die berühm­ten Schlüs­sel des Paps­tes (sie­he Wap­pen) fin­den sich in ande­ren Reli­gio­nen wie­der. Sie sind bei Janus und Kybe­le zu fin­den. In der ägyp­ti­schen Mytho­lo­gie gibt es Dar­stel­lun­gen, in denen Göt­ter wie Anu­bis oder Osi­ris Schlüs­sel hal­ten, die als Sym­bo­le für Zugang zum Jen­seits oder die Macht über das Leben und den Tod inter­pre­tiert wer­den kön­nen. Die gän­gi­ge Deu­tung für Schlüs­sel im päpst­li­chen Wap­pen ist: Die zwei Schlüs­sel reprä­sen­tie­ren zudem die „Bin­dungs- und Lösungs­macht“ der Kir­che. Der eine Schlüs­sel ist gold und sym­bo­li­siert die Macht über den Him­mel (spi­ri­tu­el­le Auto­ri­tät), wäh­rend der ande­re, sil­ber­ne Schlüs­sel die Macht über die Erde (welt­li­che Auto­ri­tät) dar­stellt.
Der Gott Janus
mit Schlüs­sel in der Hand


Petrus mit Schlüs­sel
(Andrea Van­ni: Mosa­ik­bild­nis von Petrus, 1390 n. Chr.)
Die Schlüs­sel­sym­bo­lik wur­de – wie viel­leicht nicht anders zu erwar­ten – auf Petrus über­tra­gen (s. Bild links). Zwar gibt es auch in der Bibel Anspie­lun­gen auf Schlüs­sel, aber offen­sicht­lich wur­de die Sym­bo­lik zu wört­lich genom­men. Auf kei­nen Fall besitzt der Papst die “Schlüs­sel zum Him­mel und zur Höl­le”, denn die Hei­li­ge Schrift sagt ganz klar, dass Jesus der­je­ni­ge ist, der die Schlüs­sel des Todes und der Höl­le hat (Offb 1,18).


Die Schlüs­sel an der Late­ran­ba­si­li­ka

In der Hei­li­gen Schrift kom­men fol­gen­de sym­bo­li­sche ‘Schlüs­sel’ vor:

a) der Schlüs­sel des Him­mel­reichs (Mt 16,19),
b) der Schlüs­sel der Erkennt­nis (Lk 11,52),
c) der Schlüs­sel des Todes und der Höl­le (Offb 1,18),
d) der Schlüs­sel Davids (Offb 3,7).

Die Schlüs­sel c) und d) sind im Besitz Chris­ti. Beim Schlüs­sel b) geht es um die Erkennt­nis, also um das Ver­ständ­nis für Got­tes Plan und sein Wesen und sei­ne For­de­run­gen. Ohne Erkennt­nis, also durch ein fal­sches Got­tes­bild, kann einem “das Tor zum Him­mel” ver­schlos­sen wer­den. Die Schrift­ge­lehr­ten hat­ten frü­her die rich­ti­ge Erkennt­nis, doch zu Jesu Zei­ten lehr­ten sie Din­ge, die es Men­schen schwer mach­ten, zu Gott zu kom­men (Lk 11,52 + Mt 23,13!). Der Schlüs­sel a) und b) sind im Wesent­li­chen gleich: Petrus hat­te Jesus als Chris­tus erkannt: Er hat­te begrif­fen, dass Jesus der Mes­si­as war, durch den jeder zum ewi­gen Leben kom­men soll­te. Kei­nes­falls kann man anhand der Bibel die über­trie­be­ne Stel­lung des Paps­tes recht­fer­ti­gen, auch nicht mit die­ser Schlüs­sel­sym­bo­lik.

Ger­ne ver­wei­sen die Anhän­ger des Paps­tes auf Mt 16,15–19, wo es heißt:

Er [Jesus] frag­te sie: Wer sagt denn ihr, dass ich sei? Da ant­wor­te­te Simon Petrus und sprach: Du bist Chris­tus, des leben­di­gen Got­tes Sohn! Und Jesus ant­wor­te­te und sprach zu ihm: Selig bist du, Simon, Jonas Sohn; denn Fleisch und Blut haben dir das nicht offen­bart, son­dern mein Vater im Him­mel. Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf die­sen Fel­sen will ich mei­ne Gemein­de bau­en, und die Pfor­ten der Höl­le sol­len sie nicht über­wäl­ti­gen.

Ich will dir die Schlüs­sel des Him­mel­reichs geben: alles, was du auf Erden bin­den wirst, soll auch im Him­mel gebun­den sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Him­mel gelöst sein.

Mit die­ser Bibel­stel­le recht­fer­ti­gen sie die Rol­le des Paps­tes und sei­ne Macht­stel­lung. Lei­der wer­den dabei fol­gen­de Details über­se­hen:

a) Im grie­chi­schen Grund­text steht: Du bist Petros (ein Stein bzw. ein klei­ner Fels­bro­cken) und auf die­sen Petra (mas­si­ver Fels­block, Fels­fun­da­ment, LXX: Eck­stein) will ich mei­ne Gemein­de bau­en, und die Pfor­ten der Höl­le sol­len sie nicht über­wäl­ti­gen. Mit Petra meint Jesus nicht etwa Petrus, denn die­ser wur­de sehr wohl über­wäl­tigt (z. B. nann­te ihn Jesus wenig spä­ter Satan und als Jesus ver­haf­tet wur­de, ver­leug­ne­te er Jesus). Im Vers Mt 16,21 spricht Jesus von sei­nem Tod und Sieg über den Tod. Er, das Fun­da­ment, er wur­de nicht über­wäl­tigt.

b) In 1Kor 3,11 und erst recht in 1Kor 10,4: “Der Fels (Petra!) aber war der Chris­tus” wird Jesus als Fels (Fun­da­ment, Grund­stein, etc.) bezeich­net.

c) Selbst Petrus ver­wen­det für Jesus das Wort Petra, der Fel­sen! (1Pet 2,8).

d) Auch die über­tra­ge­ne Macht (Vers 19) wur­de nicht etwa einer ein­zel­nen Per­son über­tra­gen, son­dern der gan­zen Gemein­de (Mt 18,18) wobei sich noch dar­über strei­ten lässt, was “bin­den” und “lösen” bedeu­tet.

Eine inter­es­san­te Aus­sa­ge über die Stel­lung des Paps­tes fin­den wir in dem Buch “The Papal Mon­ar­chy” Sei­te 45, 46. W.F. Bar­ry schreibt dort:

Der römi­sche Frie­den ist ver­gan­gen und es herrscht umfas­sen­de Ver­wir­rung, aber wo immer ein Bischof Gericht hält, wer­den die Res­te der alten Ord­nung durch die Reli­gi­on auf­recht­erhal­ten. Der Kai­ser ist nicht mehr, aber der Pon­ti­fex Maxi­mus bleibt. Er ist der Stell­ver­tre­ter Chris­ti, der die alte Zivi­li­sa­ti­on den Stäm­men des Nor­dens anbie­tet. Er bekehrt sie zu sei­nem Glau­bens­be­kennt­nis und sie die­nen ihm. Er ist für sie Vater und obers­ter Rich­ter.

Obwohl die Hl. Schrift deut­lich sagt: “Und ihr sollt nie­man­den unter euch Vater nen­nen auf Erden; denn einer ist euer Vater, der im Him­mel ist.” (Mt 23,9), bezeich­net sich der Papst dreist als Vater, sogar als “Der Hei­li­ge Vater” (dies ist aber der Titel Got­tes: Joh 17,11), wie die Gra­fik auf der Home­page des Vati­kans beweißt:

Quel­le: http://www.vatican.va/phome_ge.htm (abge­ru­fen 1998).

Sexuelle Untertöne

Die heid­ni­schen Pries­ter hat­ten Macht, für die Leben­den und für die Toten zu opfern. Die­sel­be Macht wird heu­te den röm.-kath. Pries­tern zuge­schrie­ben. Als zöli­ba­t­ä­re Pries­ter sind sie der “Mut­ter Got­tes” oder der “Mitt­le­rin” geweiht. Im Jah­re 1854 erklär­te der Papst Pius IX., dass Maria unbe­fleckt, d. h. frei von der “Erb­sün­de” emp­fan­gen wur­de (Dog­ma) und 1951 wur­de das Dog­ma von Mari­as Him­mel­fahrt durch Papst Pius XII. erlas­sen. Die Rol­le Mari­as ist schon lan­ge her­aus­ra­gend. Juli 1856 war in “Catho­lic Lay­men” zu lesen:

Der Sün­dern der sich direkt zu Chris­tus wagt, möge mit Angst und Besorg­nis vor sei­nem Zorn kom­men. Aber lass ihn nur die Ver­mitt­lung der Jung­frau (Maria) zu ihrem Sohn nut­zen. Sie braucht dem Sohn nur die Brüs­te zei­gen, die ihm eins säug­ten und sein Zorn wird augen­blick­lich besänf­tigt wer­den.

Auch heu­te ver­neint der Papst eine direk­te Sün­den­ver­ge­bung durch Gott. In dem Arti­kel “No For­gi­ve­ness ‘Direct­ly from God,’ Pope Says.” (Don. A. Schnache, Los Ange­les Times, 12. Dezem­ber 1984, S. 11) lesen wir: “Papst Johan­nes Paul II. wies die ‘weit­ver­brei­te­te Idee, dass man Ver­ge­bung direkt von Gott erhal­ten kön­ne’ zurück und ermahn­te die Katho­li­ken mehr­mals ihren Pries­tern zu beich­ten.

Weib­li­che Gott­hei­ten hat­ten in der Anti­ke eben­falls wich­ti­ge Rol­len und ver­mit­tel­ten teil­wei­se zwi­schen Men­schen und Göt­tern.

Die alten Reli­gio­nen waren erfüllt mit sexu­el­len Unter­tö­nen. Eine wich­ti­ge Bedeu­tung hat­ten die pri­mä­ren und sekun­dä­ren Geschlechts­merk­ma­le, wel­che bereits durch die gezeig­ten Bil­der belegt wur­den. Beson­ders die müt­ter­li­chen Brüs­te waren ein beson­de­res Merk­mal, und daher war es wohl nicht ganz zufäl­lig, dass die Frau in Lk 11,27 aus­rief: “Selig ist der Leib, der dich getra­gen hat, und die Brüs­te, an denen du geso­gen hast!”! Jesus ent­geg­ne­te: “Ja, selig sind, die das Wort Got­tes hören und bewah­ren!” (nach Luther 84) – Ein Auf­ruf, der lei­der ver­nach­läs­sigt wur­de und auch heu­te immer weni­ger berück­sich­tigt wird…

Sexu­el­le Unter­tö­ne sind in vie­len alten Reli­gio­nen weit ver­brei­tet. Ein bekann­tes Bei­spiel ist die Bezie­hung zwi­schen Isis und Osi­ris in der ägyp­ti­schen Mytho­lo­gie. Nach dem Tod von Osi­ris durch Seth sucht Isis ver­zwei­felt nach ihm, um ihn wie­der­zu­be­le­ben. Ihre Wie­der­be­le­bung von Osi­ris hat eine tie­fe­re Bedeu­tung, die oft mit Frucht­bar­keit und dem Kreis­lauf des Lebens ver­bun­den ist. In die­sem Kon­text wird die Rol­le von Isis als gebä­ren­de Mut­ter und Beschüt­ze­rin betont, was die Ver­bin­dung zwi­schen Sexua­li­tät und Erneue­rung sym­bo­li­siert. Ein wei­te­res Bei­spiel ist Inan­na, die sume­ri­sche Göt­tin der Lie­be und Frucht­bar­keit. Ihre Dar­stel­lun­gen beto­nen häu­fig ihre Sexua­li­tät und ihre gro­ßen Brüs­te, die als Sym­bo­le für Leben und Frucht­bar­keit ste­hen. Die­se kör­per­li­chen Merk­ma­le reprä­sen­tie­ren die Kraft der Weib­lich­keit und die zen­tra­le Rol­le der Frau­en in der Schöp­fung. Die Ver­bin­dung von Dagon, dem Fisch­gott der Phi­lis­ter, zur Gebär­mut­ter ist hin­ge­gen weni­ger klar doku­men­tiert. Es wird zwar gesagt, dass Dagon sich in das Was­ser der Gebär­mut­ter gestürzt hat, um wie­der­ge­bo­ren zu wer­den, aber die­se spe­zi­fi­sche Aus­sa­ge ist nicht his­to­risch belegt.

In vie­len anti­ken Reli­gio­nen war die Kul­t­an­be­tung oft von dem Glau­ben geprägt, dass die Göt­ter in die Men­schen ein­drin­gen, was sym­bo­lisch als eine Art „Schwän­gern“ inter­pre­tiert wur­de. Phal­lus­sym­bo­le sowie Sym­bo­le der Weib­lich­keit waren in anti­ken Tem­peln ver­brei­tet und spiel­ten eine zen­tra­le Rol­le in den ritu­el­len Prak­ti­ken. Auch an römisch-katho­li­schen Kathe­dra­len sind die­se Sym­bo­le zu fin­den. Bereits in der ägyp­ti­schen Kunst fin­den sich sexu­el­le Anspie­lun­gen. Ein Bei­spiel ist das Bild unten links, das eine Son­nen­schei­be zeigt, die in einem Gehörn ver­sinkt. Hier wird das Gehörn als weib­lich und die ein­drin­gen­de Son­ne als männ­lich betrach­tet. Eine Vari­anz die­ser Dar­stel­lung ist die Vor­stel­lung des Sichel­monds, in dem die Son­ne „ruht“. Im Bild unten rechts sehen wir einen Aus­schnitt des pracht­vol­len Grab­schmucks des Tutancha­mun, auf dem sowohl die Son­nen­schei­be als auch der Mond deut­lich abge­bil­det sind. Die­se Dar­stel­lun­gen ver­deut­li­chen die sym­bo­li­sche Ver­bin­dung zwi­schen den Him­mels­kör­pern und den Geschlech­ter­rol­len in der anti­ken ägyp­ti­schen Kunst.
Typi­sche Sym­bo­lik

Die Son­nen­schei­be und der Mond

Schmuck des Tutancha­mun
Tanit war die Haupt­göt­tin von Kar­tha­go und ent­spricht der Astar­te. Sie war Him­mels­göt­tin und Mut­ter­göt­tin zugleich, wur­de von Frucht­bar­keits­sym­bo­len beglei­tet und galt als Gemah­lin von Baal Ham­mon, dem Haupt­gott Kar­tha­gos – oft mit dem Attri­but „Gesicht des Baal” ver­se­hen. Obwohl sie erst ab dem 5. Jahr­hun­dert v. Chr. in Kar­tha­go belegt ist, ver­dräng­te sie rasch den älte­ren Baal-Ham­mon-Kult und wur­de auf Denk­mä­lern häu­fig vor ihm genannt. Im Rah­men ihrer Ver­eh­rung wur­den Kin­der geop­fert, wofür west­lich von Kar­tha­go ein Tofet (Kin­der­op­fer­hei­lig­tum) gefun­den wur­de. Ihr Kult war auch auf Mal­ta, Sar­di­ni­en und in Spa­ni­en ver­brei­tet.
Tanit-Ste­len aus Kar­tha­go mit Son­nen- und Mond­sym­bo­len

Son­ne, Mond und Inan­na-Ishtar-Stern
Wesent­lich älter: Kudur­ru (Grenz­stein) des baby­lo­ni­schen Königs Meli-Shipak II. (12. Jahr­hun­dert v. Chr.): Der König stellt sei­ne Toch­ter Ḫun­nu­bat-Nana­ya der Göt­tin Nana­ya vor. Im obe­ren Bereich des Steins sind drei astra­le Sym­bo­le abge­bil­det: die Son­nen­schei­be des Shamash (sume­risch Utu), der Halb­mond des Sin (sume­risch Nan­na) und der acht­zacki­ge Stern der Inan­na-Ishtar – das cha­rak­te­ris­ti­sche Sym­bol die­ser Göt­tin.

Ste­le aus Äthio­pi­en, Yeha ca. 500 v. Chr.

Christ­li­che Ver­ei­ni­gung der Sym­bo­le auf der Wand des Katha­ri­nen­klos­ters (Sina) aus dem 4. Jahr­hun­dert
Der Stab der Jung­frau von Est­rel­la ist ein Stück des Schat­zes der Kathe­dra­le Tor­to­sa, Regi­on Del Baix Ebre, Pro­vinz Tar­ra­go­na in Kata­lo­ni­en, und stammt ver­mut­lich aus der zwei­ten Hälf­te des 15. Jahr­hun­derts.
Das Kunst­werk zeigt ein­drucks­voll eine Kom­bi­na­ti­on des Mond- und Son­nen­sym­bols. Das Kunst­werk selbst ist mit Gold, Sil­ber und Edel­stei­nen ver­ziert.

Der Stab der Jung­frau von Est­rel­la (Zeich­nung)

Die heilige Messe


Mons­tranz mit Mond­hal­ter
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Mons­tranz aus St. Maria in den Ben­den (Zeich­nung)
Es ist sicher­lich kein Zufall, dass die Hos­tie in der katho­li­schen Mes­se eine Son­nen­schei­be sym­bo­li­siert. Beson­ders inter­es­sant ist die Mons­tranz, der Behäl­ter, in dem „der Leib Chris­ti“ auf­be­wahrt wird (Bild links). Der Hal­ter, in den die Hos­tie gelegt wird, nimmt oft eine Sichel­mond­form an, was die Ver­bin­dung zwi­schen Hos­tie und Hal­ter als Son­nen­schei­be und Sichel­mond ver­deut­licht – ähn­lich den Dar­stel­lun­gen in der ägyp­ti­schen Kunst. Auf der Hos­tie sind bekannt­lich die Buch­sta­ben IHS abge­bil­det, die all­ge­mein als Abkür­zung für Jesus (grie­chisch Ἰησοῦς, Iēsous) gedeu­tet wer­den. Manch­mal wird auch die Bedeu­tung „Jesus, Ret­ter der Mensch­heit“ (lat. Jesus Homi­num Sal­va­tor) ange­nom­men. Es gibt aller­dings auch die Theo­rie, dass die Buch­sta­ben I H S, ähn­lich wie die Sym­bo­lik der „Son­nen­schei­be“, aus ägyp­ti­schen Tra­di­tio­nen über­nom­men wur­den und für die Göt­ter Isis (Mut­ter), Horus (Sohn) und Seb (Vater) ste­hen.
Die meis­ten Mons­tran­zen haben eine Hal­te­rung, sodass die Hos­tie wie eine umstrahl­te Son­nen­schei­be aus­sieht, teil­wei­se mit wech­seln­den gera­den und gewell­ten Son­nen­strah­len, so wie in der Abbil­dung rechts unten.
Die römisch-katho­li­sche Kir­che lehrt, dass sich wäh­rend der Fei­er des Abend­mahls die Hos­tie tat­säch­lich in den Leib Chris­ti ver­wan­delt. In den Hän­den des Pries­ters wird das Brot zum Kör­per Jesu, und wenn er den Leib Chris­ti hoch­hält, beugt die Gemein­de ihr Knie vor Gott, der in der Form der Hos­tie gegen­wär­tig ist. Jeden Tag wird Jesus als Hos­tie erneut „unblu­tig“ geop­fert, was bedeu­tet, dass das Opfer Chris­ti in der Eucha­ris­tie wie­der­holt wird, ohne dass tat­säch­lich Blut ver­gos­sen wird.
Mons­tranz mit Strah­len­kranz

Dass es sich dabei um eine tat­säch­li­che Anbe­tung han­delt, ver­deut­licht das fol­gen­de Bild:

Anbe­tung der Hos­tie (Zeich­nung) – Zu sehen in Cor­pus Chris­ti Catho­lic Church, Mai­den Lane – Lon­don

Die Macht aus “Brot” “Gott” zu machen, ist unfass­bar! Des­sen ist sich die katho­li­sche Kir­che bewusst:

Mit sei­nem Zep­ter dringt der Pries­ter in den Him­mel ein und holt den Got­tes­sohn aus dem geschlos­se­nen Kreis der Engel­chö­re; und die­se alle­samt sind macht­los, kön­nen es nicht hin­dern … Der letz­te höchs­te Macht­be­reich indes­sen steht noch aus: Der Got­tes­sohn selbst wird ihm unter­tan, gehorcht ihm bis zum Tode’, und zwar dem Kreu­zes­to­de’. Das lehrt der all­ge­mei­ne Glau­be unse­rer Kir­che … Wie bist du über­mensch­lich groß, o Pries­ter, und gleichst dem Hei­land … O könn­ten doch die Pries­ter auch nur ein ein­zi­ges Mal mit Augen sehen, wie wil­lig Got­tes Sohn sich ihren Wor­ten fügt! Wie wüch­se dann vor ihnen die eige­ne Grö­ße zu einem him­mel­ho­hen Ber­ge! Mit Recht sagt drum der hei­li­ge Pfar­rer von Ars: Wie viel Erha­ben­heit birgt jeder Pries­ter doch in sich! Begrif­fe er sich selbst, er stür­be wohl davon! Gott selbst ist ihm gehor­sam.

(Franz Xaver Esser S.J., Zep­ter und Schlüs­sel in der Hand des Pries­ters, Her­der-Ver­lag, Frei­burg, Impri­matur 30.10.1923, S. 15–17,79)

Frü­her wur­de nicht die Hos­tie ange­be­tet, son­dern die Son­nen­schei­be, wie das ers­te Bild rechts zeigt. Deut­lich kann man hier Sichel­mond und Son­nen­schei­be erken­nen. Die­se Sym­bo­lik wur­de nicht nur auf die Mes­se über­tra­gen, son­dern auch auf ande­re Moti­ve, wie z. B. auf die Jung­frau Maria (ers­tes Bild von rechts). Ihre Posi­ti­on in der Mond­si­chel wirft einen inter­es­san­ten Gedan­ken auf: Wenn die Mond­si­chel dem Hos­ti­en­hal­ter ent­spricht, dann steht Maria an Stel­le des “der Leib Chris­ti” (der Hos­tie) im Hos­ti­en­hal­ter.
Mond­an­be­tung in vor­christ­li­cher Zeit (Hazor)

Maria in einer Mond­si­chel – eine popu­lä­re Dar­stel­lung. Hier als “Unse­re Lie­be Frau von Gua­d­a­lu­pe”

Eine Kom­bi­na­ti­on ver­schie­de­ner heid­ni­scher Ele­men­te in einem Mari­en­bild­nis:

Mit­tel­al­ter­li­che Mün­ze – Man beach­te sowohl den Mond, als auch die Son­nen­strah­len.

Von der katho­li­schen Zeit­schrift “Envoy” wur­de im Januar/Februar 2000 als Cover fol­gen­des Bild ver­wen­det, das die Hos­tie wie die hel­le Son­nen­schei­be am blau­en, wol­ki­gen Him­mel zeigt. Ob sich die Her­aus­ge­ber bewusst sind, dass sie damit einen Zusam­men­hang zur Son­nen­an­be­tung her­stel­len?

Was die s. g. hei­li­ge Mes­se betrifft, so lehrt die röm.-kath. Kir­che, dass das Brot wirk­lich in den Leib Chris­ti umge­wan­delt wird, um dann “unblu­tig” geop­fert zu wer­den, und ver­flucht jeden, der die­ses abstrei­tet. Im Buch “Eucha­rist Medi­ta­ti­ons”, von St. Jean-Bap­tis­te-Marie Vian­ney (auch bekannt als Curé d’Ars, einem hei­lig­ge­spro­che­nen Pries­ter): “Erstaun­lich ist die Wür­de der Pries­ter. In ihren Hän­den, gleich wie in der Gebär­mut­ter der geseg­ne­ten Jung­frau Maria, wird der Sohn Got­tes leib­haf­tig. Bestau­ne die Macht der Pries­ter! Die Zun­ge des Pries­ters macht Gott aus einem Bis­sen Brot. Es ist mehr als die Welt zu erschaf­fen.

Die Bibel lehrt jedoch, dass Chris­tus ein für alle Mal geop­fert wur­de (Heb 9, 27.28). Jeg­li­che wei­te­ren Opfer sind ein Ableh­nen des Opfers Jesu! Veith berich­tet über die Hos­tie: “Die Hos­tie, die in der katho­li­schen Mes­se ver­wen­det wird, ist rund und ist ein Sym­bol der Son­ne. Sie wird nor­ma­ler­wei­se wäh­rend der Mes­se in einer Mons­tranz mit einer Mond­si­chel plat­ziert, wel­ches das Ste­cken des Soh­nes in die Gebär­mut­ter der Göt­tin sym­bo­li­siert. Die run­de Schei­be in der Mond­si­chel wur­de in Baby­lon und vie­len anti­ken Reli­gio­nen als reli­giö­se Sym­bo­le ver­wen­det. In katho­li­schen Kathe­dra­len sind die­se Sym­bo­le sehr beliebt, denn oft wer­den Mut­ter und Kind im Sichel­mond dar­ge­stellt. Die Wie­der­ge­burt des Son­nen­got­tes wur­de in Baby­lon durch das Essen von run­den Bro­ten gefei­ert, aber die­ses war auch üblich bei der Anbe­tung Mit­ras und Osi­ris.

Sonnensymbolik in der Kirche

Im Bild rechts ist der Son­nen­gott Heli­os am Tem­pel der Athe­ne in Tro­ja ( ca. 300–280 v. Chr.) zu sehen. Die Dar­stel­lung von Köp­fen mit Son­nen­strah­len ist seit der Anti­ke popu­lär und fand ihren Höhe­punkt in den zahl­rei­chen Moti­ven, die Lud­wig XIV. anfer­ti­gen ließ. Der König trat 1653 im Bal­let de la Nuit als Apol­lo, dem Son­nen­gott, auf und ver­stand sich als Zen­trum des gan­zen Sys­tems – mit Über­le­gen­heit und Strahl­kraft, der Son­ne gleich.

Foto rechts: Neo­clas­si­cism Enthu­si­ast – CC BY-SA 4.0

Vie­le sei­ner Bau­ten tra­gen Son­nen­sym­bo­le bzw. Son­nen­ge­sich­ter, die ihn oder Apol­lo dar­stel­len sol­len.


Bild links: Das könig­li­che Git­ter von Ver­sailles, Frank­reich. Ange­fer­tigt im Auf­trag von Lud­wig XIV. Auch hier gibt es abwech­selnd gera­de und gewell­te Son­nen­strah­len, so wie wir es zuvor (oben) bei der Mons­tranz gese­hen haben. Das Gesicht wird manch­mal als Apol­los­ge­sicht bezeich­net und ist auch in vie­len Kir­chen zu sehen – von Skan­di­na­vi­en bis Rom. Beson­ders vie­le Mond- und Son­nen­sym­bo­le fin­det man im Peters­dom am Haupt­al­tar (Bernini’s Cano­py).

Foto links: Den­nis G. Jar­vis, CC BY-SA 2.0


Son­nen­ge­sicht an der Kan­zel einer skan­di­na­vi­schen Kir­che.


Son­nen­rad aus der Bron­ze­zeit (Schwe­den)
(Von Achird, CC BY-SA 3.0)





Male­rei­en wie auf dem Foto links fin­det man auch in däni­schen Kir­chen meist an der Decke der Kan­zel. Es lohnt sich, bei Kir­chen­be­sich­ti­gun­gen die Male­rei­en genau­er zu betrach­ten und bekann­te Sym­bo­le zu ent­de­cken. Vie­le die­ser Dar­stel­lun­gen stam­men aus dem Mit­tel­al­ter, als Kir­chen­räu­me in Nord­eu­ro­pa reich mit Fres­ken und Kalk­ma­le­rei­en aus­ge­schmückt wur­den. Däne­mark besitzt dabei einen beson­ders rei­chen Schatz sol­cher mit­tel­al­ter­li­chen Kir­chen­ma­le­rei­en, die in Hun­der­ten von Dorf­kir­chen erhal­ten geblie­ben sind. Weder unter­schied­li­che Strah­len noch die Ver­bin­dung der Son­ne mit einem Gesicht sind moder­ne Erfin­dun­gen – bei­des gab es bereits lan­ge vor dem christ­li­chen Zeit­al­ter. Das unte­re lin­ke Bild zeigt eben­falls ein Son­nen­sym­bol, ein Son­nen­rad mit acht Spei­chen, des­sen Wur­zeln bis in die Bron­ze­zeit zurück­rei­chen.
Shamash-Son­nen-Sym­bol – mit gera­den und gewell­ten Strah­len


Son­nen­got­tes Tona­ti­uh (Azte­ken)
- Son­nen­dar­stel­lung mit Gesicht
(Foto: Xuan Che)

Der Peters­platz, Vati­kan
(Foto: Diliff, CC BY-SA 3.0)
Auf dem Peters­platz befin­det sich das größ­te “Son­nen­rad” der Welt! Der Platz ist kreis­för­mig, leicht zu einer Ellip­se geformt, um eine beson­de­re per­spek­ti­vi­sche Wir­kung zu erzeu­gen: Vom Mit­tel­por­tal her gese­hen öff­net sich der Platz gra­du­ell. Die Besu­cher erle­ben ein „Ein­tre­ten in den hei­li­gen Raum“. Vom Obe­lisk in der Mit­te aus gese­hen erscheint die Basi­li­ka fron­tal und monu­men­tal. Wie schon in der Vor­zeit bei ande­ren Kul­tu­ren fin­den wir eine Tei­lung des Rades in acht Spei­chen (sie­he oben).
Obe­lisk auf dem Peters­platz

Zudem sieht man ein Rad im Rad, wel­ches an den beweg­li­chen Thron Got­tes erin­nert, wie er vom Pro­phe­ten Hese­kiel beschrie­ben wird.

In der Mit­te des Plat­zes steht ein Obe­lisk. Obe­lis­ken wur­den in der alt­ägyp­ti­schen Reli­gi­on als Monu­men­te ver­ehrt, die häu­fig mit dem Son­nen­gott Re (oder Ra) in Ver­bin­dung stan­den. Sie reprä­sen­tie­ren die Son­nen­strah­len und wur­den oft als Zei­chen der gött­li­chen Prä­senz ange­se­hen. Die Form der Obe­lis­ken, die sich nach oben ver­jüngt und in einer Pyra­mi­den­form endet, wird als Sym­bol der Erhe­bung zur Son­ne ver­stan­den. Sie wur­den typi­scher­wei­se vor Tem­peln errich­tet und waren Teil von Son­nen­kul­ten. Eini­ge moder­ne Inter­pre­ta­tio­nen sehen in Obe­lis­ken eine Ver­bin­dung zu männ­li­chen Frucht­bar­keits­sym­bo­len oder sogar Phal­lus­sym­bo­len, da sie wie sti­li­sier­te Dar­stel­lun­gen eines Penis aus­se­hen kön­nen.

Der Vati­kan wur­de auf dem Hügel des Vati­ca­nus in Rom errich­tet. An der St. John’s Late­ran Kir­che, der Kir­che, in der der Papst gekrönt wird und in der er zur Aus­übung sei­ner unfehl­ba­ren Lehr­amts­tä­tig­keit zusam­men­kommt, steht der Obe­lisk von Tut­mo­ses III. Die­ser Obe­lisk war Reh­arak­ti, dem Son­nen­gott, gewid­met. Tut­mo­ses IV. plat­zier­te ihn ursprüng­lich im Tem­pel von Amun bei Kar­nak (Luxor), bevor er nach Rom gebracht wur­de.

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