Babylonischer Wein – Feiertage

Kleine Auswahl heidnischer Feiertage

Eini­ge christ­li­che Fes­te lie­gen zeit­lich auf­fäl­lig nahe bei Fest­ta­gen ande­rer Reli­gio­nen und teil­wei­se gibt es ähn­li­che Bräu­che. Das allein beweist jedoch kei­ne direk­te Über­nah­me. Gleich­zei­tig ist es in der Reli­gi­ons­ge­schich­te nicht unge­wöhn­lich, dass sich Fest­ka­len­der und Bräu­che gegen­sei­tig beein­flus­sen oder dass älte­re Ele­men­te in neu­en reli­giö­sen Deu­tun­gen wei­ter­le­ben.

Weihnachten

In den meis­ten west­lich gepräg­ten christ­li­chen Län­dern wird Weih­nach­ten am 25. Dezem­ber gefei­ert. Im Römi­schen Reich fiel auf die­ses Datum auch ein Fest zu Ehren der unbe­sieg­ba­ren Son­ne (Sol Invic­tus, dies nata­lis Solis invic­ti).

Es ist zwei­fel­haft, dass Jesus am 25. Dezem­ber gebo­ren wur­de: Zacha­ri­as gehör­te zur Pries­ter­ab­tei­lung Abi­ja (Lk 1,5). In 1Chr 24 wird eine Abfol­ge von 24 Pries­ter­ab­tei­lun­gen beschrie­ben, die in der For­schung häu­fig als Grund­la­ge für Rekon­struk­ti­ons­ver­su­che der Dienst­wo­chen her­an­ge­zo­gen wird. Nimmt man einen wöchent­li­chen Wech­sel der Abtei­lun­gen an und berück­sich­tigt die Fest­diens­te, erge­ben sich – je nach gewähl­tem Start­punkt des Zyklus – ver­schie­de­ne mög­li­che Zeit­fens­ter für Zacha­ri­as’ Tempeldienst.Lukas berich­tet, dass Eli­sa­beth nach Zacha­ri­as’ Rück­kehr schwan­ger wur­de (Lk 1,23–24) und die Ver­kün­di­gung an Maria „im sechs­ten Monat“ von Eli­sa­beths Schwan­ger­schaft erfolg­te (Lk 1,26.36). Unter der Annah­me einer regu­lä­ren Schwan­ger­schafts­dau­er und einer etwa sechs­mo­na­ti­gen Alters­dif­fe­renz zwi­schen Johan­nes und Jesus erge­ben sich als gro­be Mög­lich­kei­ten für Jesu Geburt ent­we­der ein Ter­min im Früh­jahr oder im Herbst. Lukas 2 beschreibt Hir­ten, die nachts „auf dem Feld“ bei den Her­den wachen; das wird oft als unüb­lich für die kal­te Jah­res­zeit in Judäa gese­hen.

Frü­hes­te siche­re Bele­ge für Weih­nach­ten am 25. Dezem­ber erschei­nen erst im 4. Jahr­hun­dert (spät­rö­mi­sche Zeit). Das spricht gegen eine durch­ge­hen­de his­to­ri­sche Erin­ne­rung an die­ses Datum aus dem 1. Jahr­hun­dert. Die Evan­ge­li­en nen­nen kein kon­kre­tes Datum für Jesu Geburt; ein exak­tes Tages­da­tum wie der 25. Dezem­ber ist daher nicht biblisch belegt.

Der 25. Dezem­ber lag im römi­schen Umfeld in einer Zeit mar­kan­ter vor-/au­ßer­christ­li­cher Fest­ta­ge (z. B. Sonnenkult/„Geburt der Son­ne“). Die­se Nähe lie­fert ein Argu­ment, dass die Wahl des Datums kul­tu­rell-pas­to­ral moti­viert gewe­sen sein könn­te – nicht his­to­risch.

Eini­ge Bräu­che rund um Weih­nach­ten haben eine deut­li­che Nähe zu älte­ren Win­ter- und Jah­res­wend­fes­ten. Eine Über­la­ge­rung von reli­giö­sen Fes­ten schon vor­han­de­nen Kalen­der­da­ten und Volks­bräu­chen ist in machen Fäl­len wahr­schein­lich: So steht der Weih­nachts­baum (immer­grü­ner Baum) plau­si­bel in einer Rei­he von Win­ter­bräu­chen, bei denen immer­grü­ne Pflan­zen als Zei­chen von Leben und Hoff­nung in der dunk­len Jah­res­zeit genutzt wur­den. Der Baum wur­de in der Neu­zeit zuneh­mend zum zen­tra­len Weih­nachts­sym­bol, und sein Schmuck (Lich­ter, Kugeln, Gir­lan­den) ent­wi­ckel­te sich im Lauf der Zeit aus ver­schie­de­nen Tra­di­tio­nen.


 
Yule Log
(From MAURICE’s Indi­an Anti­qui­ties, vol. vi. p. 368.)
In Eng­land und ande­ren Län­dern gab es zudem den Brauch des Yule log (Jul­klotz), bei dem ein gro­ßer Holz­scheit im Win­ter fei­er­lich ver­brannt wur­de. Auch hier liegt eine Deu­tung als Win­ter- und Licht­brauch nahe: Wär­me und Licht wer­den sym­bo­lisch in die dun­kels­te Zeit des Jah­res hin­ein­ge­tra­gen. Eben­so typisch für die Weih­nachts­zeit sind Fest­mah­le.
In vie­len Regio­nen Euro­pas wur­den im Win­ter tra­di­tio­nell Tie­re geschlach­tet, und aus die­ser sai­so­na­len Pra­xis ent­wi­ckel­ten sich fest­li­che Spei­sen. Daher sind Gerich­te wie Gans (z. B. in Mit­tel­eu­ro­pa) oder Schinken/Gammon (z. B. in Eng­land) als Weih­nacht­es­sen ver­brei­tet. In ande­ren Län­dern tre­ten an die Stel­le von Gans oder Schwein oft die jeweils regio­nal ver­füg­ba­ren Tie­re oder tra­di­tio­nel­len Spei­sen.

Ostern und die Fastenzeit

Die Son­ne spielt in vie­len vor­christ­li­chen Reli­gio­nen als Licht­spen­de­rin und Lebens­quel­le eine wich­ti­ge reli­giö­se Rol­le. In Euro­pa sind zahl­rei­che Früh­lings­bräu­che – etwa Feu­er­bräu­che und in eini­gen Regio­nen bren­nen­de Räder („Oster­rä­der“) – als Volks­bräu­che belegt, die teil­wei­se vor­christ­li­che Wur­zeln haben kön­nen und spä­ter mit dem Oster­fest ver­bun­den wur­den.

Die Göt­tin Eost­re (spä­ter oft „Ost­ara“ genannt) wird gele­gent­lich mit Morgenröte/„Osten“ und damit auch mit dem Früh­ling in Ver­bin­dung gebracht. Die ein­zi­ge kla­re schrift­li­che Quel­le für eine angel­säch­si­sche Göt­tin die­ses Namens ist der christ­li­che Gelehr­te Beda Venerabi­lis (672/73–735). In sei­nem Werk De tem­po­rum ratio­ne berich­tet er, dass der angel­säch­si­sche Monat Eostur­mo­nath nach einer Göt­tin Eost­re benannt gewe­sen sei und dass der Name anschlie­ßend auch für das christ­li­che Oster­fest (Eas­ter) ver­wen­det wur­de. Über Eigen­schaf­ten oder Mythen die­ser Göt­tin (z. B. „Frucht­bar­keits­göt­tin“ oder „gro­ße Mut­ter“) lie­fert Beda jedoch kaum Details. Daher gel­ten Ursprung und Hin­ter­grund der Eostre/Ostara-Tra­di­ti­on sowie ihre Bezie­hung zum Wort Ostern/Easter in der heu­ti­gen For­schung als unsi­cher. Da Beda zeit­lich rela­tiv nahe an der heid­ni­schen Ver­gan­gen­heit Eng­lands schreibt und dabei ein angel­säch­si­sches Kalen­der­sys­tem erläu­tert, gilt sei­ne Notiz zumin­dest als ernst zu neh­men­des Indiz. Hin­zu kommt, dass Monats­na­men in vie­len anti­ken Kul­tu­ren tat­säch­lich nach Gott­hei­ten oder Fes­ten benannt wur­den, sodass eine sol­che Erklä­rung grund­sätz­lich plau­si­bel ist. Auch sprach­lich passt der Name gut in das ger­ma­ni­sche Wort­feld von „Osten/Morgen(licht)“ (urger­ma­nisch), und Per­so­ni­fi­ka­tio­nen der Mor­gen­rö­te sind im indo­ger­ma­ni­schen Ver­gleich nicht unge­wöhn­lich.

Vie­le Kul­tu­ren kann­ten im Früh­ling wich­ti­ge Fes­te, die mit Frucht­bar­keit, Erneue­rung und dem Beginn eines neu­en Jah­res­zy­klus ver­bun­den waren, und dabei spiel­ten weib­li­che Gott­hei­ten häu­fig eine Rol­le.

Das Oster­fest, wie wir es in den Quel­len der Alten Kir­che fin­den, war lit­ur­gisch noch nicht in allen Ein­zel­hei­ten so aus­ge­stal­tet wie heu­te. In den ers­ten Jahr­hun­der­ten wur­de es meist Pascha genannt (von hebrä­isch Pesach / Pas­sah) und als Gedächt­nis an Tod und Auf­er­ste­hung Chris­ti gefei­ert. Zugleich zei­gen Autoren wie Socra­tes Scho­la­s­ti­cus, dass es in der frü­hen Kir­che bei Ter­min­fra­gen und ein­zel­nen Bräu­chen unter­schied­li­che Tra­di­tio­nen gab und dass nicht jeder Brauch auf eine aus­drück­lich for­mu­lier­te neu­tes­ta­ment­li­che Anord­nung zurück­ge­führt wur­de. Unab­hän­gig davon hat­te Jesus das Abend­mahl als Gedächt­nis­hand­lung ein­ge­setzt („Tut dies zu mei­nem Gedächt­nis“, Lk 22,19; vgl. 1Kor 11,24–25) – nicht ein Oster­fest.

Im Lau­fe der Jahr­hun­der­te ver­schwam­men die Gren­zen zwi­schen dem christ­li­chen Oster­fest und dem jüdi­schen Pas­sah­fest, sodass sich auch in Bibel­über­set­zun­gen klei­ne Feh­ler ein­schli­chen, die auf man­geln­des Wis­sen um das Pas­sah­fest hin­deu­te­ten (so über­setz­te etwa die alte Luther-Bibel bis 1912 pascha mit „Ostern“). Ursprüng­lich wur­de das Oster­fest zeit­gleich mit dem jüdi­schen Pas­sah­fest gefei­ert und war nicht von einer 40-tägi­gen Fas­ten­zeit umrahmt. Cas­sia­nus von Mar­seil­le (5. Jahr­hun­dert) berich­tet aus­drück­lich, dass eine der­ar­ti­ge Fas­ten­pra­xis in der frü­hen Kir­che bis dahin nicht üblich gewe­sen sei.

Woher stammt die Tra­di­ti­on der 40-tägi­gen Fas­ten­zeit? Mög­li­cher­wei­se wur­zelt sie in vor­christ­li­chen Ritua­len. So wird berich­tet, dass bis ins 20. Jahr­hun­dert hin­ein die Jesi­den und ande­re Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten in Kur­di­stan jedes Früh­jahr eine 40-tägi­ge Fas­ten­pe­ri­ode ein­hiel­ten. Auch in Meso­ame­ri­ka kann­ten prä­kollum­bia­ni­sche Kul­tu­ren eine ver­gleich­ba­re Pra­xis: Alex­an­der von Hum­boldt beschreibt, wie dort eine 40-tägi­ge Fas­ten­zeit drei Tage nach der Früh­lings­tag­und­nacht­glei­che (um den 21. März) zu Ehren der Son­ne statt­fand. Berich­te aus Ägyp­ten und benach­bar­ten Regio­nen legen nahe, dass ähn­li­che Fas­ten­tra­di­tio­nen weit ver­brei­tet waren (vgl. Wil­kin­son, Land­seer).

Im 4. Jahr­hun­dert war in der west­li­chen Kir­che bereits eine Vor­be­rei­tung auf Ostern eta­bliert, die suk­zes­si­ve zur 40-tägi­gen Fas­ten­zeit wur­de. Das Kon­zil von Nicäa (325) beschloss, Ostern gemein­sam und unab­hän­gig vom jüdi­schen Kalen­der zu fei­ern, leg­te jedoch kei­ne prä­zi­se astro­no­mi­sche Berech­nungs­re­gel fest – die heu­te geläu­fi­ge For­mel vom ers­ten Sonn­tag nach dem ers­ten Voll­mond nach der Früh­lings­tag­und­nacht­glei­che ent­wi­ckel­te sich erst in den fol­gen­den Jahr­hun­der­ten. Eine ein­heit­li­che 40-tägi­ge Fas­ten­pra­xis war im 4. Jahr­hun­dert noch nicht über­all durch­ge­setzt. Um 525 führ­te der Mönch Dio­ny­si­us Exi­gu­us einen ein­fluss­rei­chen Oster-Com­pu­tus ein und begrün­de­te zugleich die Jah­res­zäh­lung „Anno Domi­ni”. Der Streit mit den Quar­to­de­zi­man­ern, die Ostern am 14. Nisan nach dem jüdi­schen Kalen­der begin­gen, war zu die­sem Zeit­punkt in der West­kir­che bereits weit­ge­hend bei­gelegt. Der Streit hat­te hat­te sei­nen Höhe­punkt im 2. und 3. Jahr­hun­dert.

Eini­ge öster­li­che Bräu­che haben Par­al­le­len zu vor­christ­li­chen Früh­lings- und Frucht­bar­keits­ri­ten und wur­den im Lauf der Chris­tia­ni­sie­rung teils in christ­li­che Fei­ern inte­griert oder dane­ben als Volks­brauch wei­ter­ge­führt. So beginnt die katho­li­sche Oster­nacht tra­di­tio­nell mit der Seg­nung eines „neu­en Feu­ers“ und der Oster­ker­ze. In der Lite­ra­tur wird mit­un­ter ein Zusam­men­hang mit älte­ren Feu­er­bräu­chen ver­mu­tet. Die “Katho­li­sche Ency­clo­pä­die“ (The Catho­lic Ency­clo­pe­dia) geht auf die Bräu­che näher ein:

Zu den volks­tüm­li­chen Oster­feu­ern auf Ber­gen („Oster­berg“), wird gesagt, dass die­se teils mit “neu­en Feu­er” ent­zün­det wer­den muss­ten. Dazu wur­de Holz anein­an­der­ge­rie­ben, bis es sich ent­zün­de­te. Die Bräu­che sei­en heid­ni­schen Ursprungs und wur­den als Zei­chen des Sie­ges des Früh­lings über den Win­ter gedeu­tet. Zugleich wird berich­tet, dass Bischö­fe sol­che Feu­er zeit­wei­se zu unter­bin­den ver­such­ten, die Kir­che die Beob­ach­tung aber schließ­lich in die Oster­ze­re­mo­nien auf­nahm und christ­lich deu­te­te (Bezug zur Feu­er­säu­le in der Wüs­te und zur Auf­er­ste­hung; das neue Feu­er am Kar­sams­tag wer­de in der Lit­ur­gie z. B. aus Feu­er­stein gewon­nen). In eini­gen Gegen­den wur­de außer­dem eine Figur ins Feu­er gewor­fen – ursprüng­lich als Sym­bol des Win­ters, andern­orts dann (christ­lich umge­deu­tet) als Judas­fi­gur. Zu den Feu­er­bräu­chen, die mög­li­cher­wei­se weit in die Ver­gan­gen­heit zurück­rei­chen, zählt es auch, gebün­del­tes bren­nen­des Mate­ri­al (Oster­rad, Son­nen­rad, Feu­er­rad) den Berg hin­un­ter­rol­len zu las­sen. Sol­che Feu­er­rä­der wur­den auch zu ande­ren Fest­ta­gen ent­zün­det, z. B. zur Som­mer­son­nen­wen­de bzw. beim Johan­nis­feu­er (24. Juni).
Die Oster­ei­er kön­nen im Zusam­men­hang mit der Fas­ten­zeit ste­hen, da die­se in dem Zeit­raum nicht geges­sen wer­den durf­ten. Die Theo­rie, dass man sie gekocht und bemalt hät­te, um sie zu kon­ser­vie­ren, erscheint unplau­si­bel, da rohe, unge­kühl­te Eier sich län­ger hal­ten, als gekoch­te unge­kühl­te Eier. Die Deu­tung des Eis als Sym­bol einer „neu­en Schöp­fung“ durch den auf­er­stan­de­nen Chris­tus wird dabei als wahr­schein­lich spä­te­re Erklä­rung bezeich­net. Ange­sichts der brei­ten Ver­wen­dung der Eier­sym­bo­lik in ande­ren, älte­ren Reli­gio­nen, ist es wahr­schein­li­cher, dass auch Eier­bräu­che genau­so wie vor­christ­li­che Früh­lings­bräu­che zu Ostern christ­lich umge­deu­tet auf­ge­nom­men wur­den. Das Ei sei ein Sinn­bild des kei­men­den Lebens des frü­hen Früh­lings. Als wei­te­rer Volks­brauch wird der Oster­ha­se genannt: Er lege die Eier, die des­halb im Nest oder im Gar­ten ver­steckt wür­den. Der Text bezeich­net den Hasen aus­drück­lich als heid­ni­sches Frucht­bar­keits­sym­bol. Die­ses zeigt sich im grie­chisch-römi­schen Kul­tur­raum (Aphrodite/Venus; Erotik/Fertilität als Sym­bol­feld), aber auch in der sprich­wört­li­chen hohen Ver­meh­rungs­ra­te von Hasen bzw. Kanin­chen. Neben sol­chen Sym­bol- und Spei­se­bräu­chen erwähnt die Enzy­klo­pä­die auch beson­de­re Wech­sel­bräu­che zwi­schen Män­nern und Frau­en in der Oster­zeit in ver­schie­dens­ten For­men. Die­se Bräu­che wer­den dort als wahr­schein­lich vor­christ­li­chen Ursprungs ein­ge­ord­net und haben kei­nen erkenn­ba­ren Bezug zum “christ­li­chen” Oster­fest.

Die Kuchen, die zudem mit gleich­sei­ti­gen Kreu­zen ver­ziert wer­den, sind bis auf den heu­ti­gen Tag als “Hot Cross Bun” (war­me Kreuz­sem­meln) bekannt und eine Oster­de­li­ka­tes­se.

Die alten Israe­li­ten erla­gen eben­falls frem­den Bräu­chen. In Jere­mia 7,18 lesen wir:

Die Kin­der lesen Holz, die Väter zün­den das Feu­er an, und die Frau­en kne­ten den Teig, dass sie der Him­mels­kö­ni­gin Kuchen backen, und frem­den Göt­tern spen­den sie Trank­op­fer mir zum Ver­druss.


Zwei heid­ni­sche Eier
(The Mun­da­ne Egg of Helio­po­lis / Das kos­mi­sche Ei)

Übersicht – Feiertage

 Christ­li­cher Fest­tag (Kon­fes­si­on)    Datum (greg./jul.)  Ande­re Religion/Kultur (Datum) Art der Bezie­hung Hin­wei­se
Theotokos/Fest der Got­tes­mut­ter (1. Jan. im Wes­ten) / Beschnei­dung des Herrn  1. Jan. Römi­sches Neu­jahr (Kalen­den) Datums­über­la­ge­rung (Neu­jahr)  Kir­che setzt bewuss­te Akzen­te gegen/zu Neu­jahrs­bräu­chen; 1. Jan. als röm. Neu­jahr sehr alt 
Theophanie/Epiphanie (Tau­fe des Herrn) (orth. Schwer­punkt)  6. Jan. (greg./jul.) Ägypten/Orient: regio­nal Was­ser-/Lich­tri­ten um Jah­res­be­ginn Teil­wei­se Über­la­ge­rung regio­na­ler Bräu­che  Frü­hes Fest im Osten; Was­ser­be­zug passt (Tau­fe) 
Mariä Licht­mess / Dar­stel­lung des Herrn (kath./orth.)  2. Feb. Kel­tisch: Imbolc (um 1. Feb.); Rom: Februa/Lupercalia (Feb.) Datums­nä­he, evtl. Umdeu­tung von Lich­tri­ten Ker­zen­brauch gut belegt 
Ver­kün­di­gung des Herrn (kath./orth.)  25. März  Nähe zur Früh­lings-Tag­und­nacht­glei­che (ca. 20./21. März) Astro­no­mi­sche Nähe
Ostern / Pascha (kath./orth.)  beweg­lich Jüdi­sches Pessach Direk­te his­to­ri­sche Anknüp­fung  Sehr gut belegt (NT und Früh­kir­che) / spä­ter: Über­nah­me von heid­ni­schen Früh­lings­bräu­chen und christ­li­che Neu­in­ter­pre­ta­ti­on.
Johan­nis­tag (Geburt Johan­nes des Täu­fers) (kath./orth.)  24. Juni Som­mer­son­nen­wen­de (um 21. Juni), Feu­er­bräu­che Überlagerung/Christianisierung von Brauch­for­men  Johan­nis­feu­er regio­nal ver­brei­tet 
Ver­klä­rung des Herrn (orth. sehr wich­tig; auch kath.)  6. Aug. Ern­te-/Trau­ben­fes­te (regio­nal) Brauch­über­la­ge­rung (Trau­ben­seg­nung v. a. im Osten) Traubensegnung/Themenfeld „Erst­lings­früch­te“ ist lit­ur­gisch belegt.
Mariä Him­mel­fahrt / Ent­schla­fung der Got­tes­ge­bä­re­rin (kath./orth.)  15. Aug. Rom: Feriae Augus­ti (ab 13. Aug.), Ern­te-/Som­mer­fes­te Datumsnähe/ mög­li­che Fest­über­la­ge­rung im römi­schen Raum  15. Aug. ist früh als Mari­en­fest im Osten/Westen belegt; August ist römi­scher Fest­mo­nat 
Kreuz­erhö­hung (kath./orth.)  14. Sept. Spätsommer/Herbstfeste vie­ler Kul­tu­ren Datums­nä­he
Aller­hei­li­gen (kath.; in der Orth. „Aller­hei­li­gen“ meist 1. Sonn­tag nach Pfings­ten) kath.: 1. Nov.; orth.: beweg­lich Kel­tisch: Sam­hain (um 1. Nov.) Datums­nä­he (kath.) / kei­ne Datums­nä­he (orth.) 1. Nov. im Wes­ten früh­mit­tel­al­ter­lich
Aller­see­len (kath.) 2. Nov. Toten­ge­den­ken welt­weit (Herbst)  Funk­tio­na­le Par­al­le­le Ent­ste­hung in Clu­ny (10./11. Jh.) gut belegt 
Niko­laus (kath./orth) 6. Dez. Regio­na­le Win­ter­bräu­che Brauch­über­la­ge­rung Hei­li­gen­kult gut belegt; Volks­bräu­che spä­ter stark aus­ge­prägt 
Weih­nach­ten (kath./westl.) 25. Dez. Rom: Sol Invic­tus (25. Dez.), Nähe zu Satur­na­li­en Kalen­der-Koin­zi­den­z/evtl. bewuss­te Ter­min­wahl 25. Dez. als Weih­nachts­da­tum in Rom im 4. Jh. belegt; 25. Dez. als Son­nen­fest belegt 
Sonn­tag (kath./orth.) wöchent­lich röm. dies Solis als Pla­ne­ten­tag Erset­zung des Sab­bats, Namens-/Ka­len­der­kon­ver­genz par­al­lel römi­sche Wochen­tags­na­men 

Weiteres heidnisches Gedankengut

Gerechtigkeit durch Werke

Auch die Idee der Werks­ge­rech­tig­keit fin­det sich in vie­len anti­ken wie moder­nen Reli­gio­nen. Bei den alten Ägyp­tern nahm man an, das Herz zeich­ne alle guten und bösen Taten eines Men­schen auf und spie­le daher beim Toten­ge­richt die zen­tra­le Rol­le. Es galt als Sitz der Per­sön­lich­keit und wur­de – anders als etwa das Gehirn – bei der Mumi­fi­zie­rung im Kör­per belas­sen. Nach dem Tod leg­te man das Herz des Ver­stor­be­nen auf die Waa­ge der Maat, deren Feder das Sym­bol von Wahr­heit und Gerech­tig­keit war.


Das Toten­ge­richt

Das Bild zeigt die stan­dar­di­sier­te Neu­reich-Dar­stel­lung des Toten­ge­richts: Das Herz (alt­ägypt. ib) des Ver­stor­be­nen wird gegen die Feder der Maat gewo­gen. Anu­bis, der Schüt­zer der Toten, rich­tet die Waa­ge aus, wäh­rend Thot das Urteil pro­to­kol­liert. Ist das Herz­ge­wicht nicht grö­ßer als die Feder, gelangt die See­le in das Aaru (Reich des Osi­ris). Schlägt die Waa­ge jedoch zuguns­ten des Her­zens aus, wird es von Ammit – dem kro­ko­dil­köp­fi­gen ‚Fres­ser der Toten‘ – ver­schlun­gen und der Ver­stor­be­ne ver­liert sei­ne Exis­tenz im Jen­seits.

Zwar ist für Baby­lon kein Toten­ge­richt nach ägyp­ti­schem Mus­ter (Her­z­waa­ge gegen Maat-Feder) nach­weis­bar. Gleich­wohl dien­te die Waa­ge im alten Meso­po­ta­mi­en als all­ge­mein­ver­ständ­li­ches Sym­bol gött­li­cher Gerech­tig­keit. Wenn in Dan 5,27 mit dem Wort tekel ‚du bist gewo­gen wor­den‘ gerich­tet wird, bedient sich die Erzäh­lung bewusst die­ser Gerichts­me­ta­pher, um Got­tes Urteil über Bel­sa­zar dra­ma­tisch zu beto­nen.

Im christ­li­chen Glau­ben wird der Mensch nicht durch eige­ne Wer­ke gerecht­gesprochen, son­dern allein aus Gna­de durch den Glau­ben an Jesus Chris­tus. Die Schrift führt die­se Wahr­heit von Abra­ham im Alten Bund bis zu Pau­lus im Neu­en Bund fort:

  • Bereits Abra­ham emp­fing Got­tes Ver­hei­ßung und Gerecht­spre­chung auf­grund sei­nes Glau­bens (vgl. Röm 4,1–5; Gen 15).
  • Pau­lus betont in Röm 3,21–26, dass Got­tes Gerech­tig­keit ohne Gesetz durch den Glau­ben an Chris­tus offen­bart und allen zugäng­lich gemacht ist.
  • Dar­aus folgt jedoch kei­nes­wegs eine Erlaub­nis zur Sün­de (vgl. Röm 6,1–2); viel­mehr bewirkt hei­li­ger Glau­be eine inne­re Erneue­rung, die zur Lie­be und zu guten Wer­ken führt (vgl. Röm 12,1–2).

Auch Jako­bus mahnt: „Der Glau­be … ohne Wer­ke ist tot“ (Jak 2,17.24), und Johan­nes warnt ein­dring­lich: „Wer sagt: Ich ken­ne ihn, und hält sei­ne Gebo­te nicht, ist ein Lüg­ner“ (1 Joh 2,4–6). Ein Leben in gesetz­lo­ser Sün­de ist eben­so ver­fehlt wie der Ver­such, durch eige­ne Wer­ke Got­tes Aner­ken­nung zu erkau­fen. Ech­te Recht­fer­ti­gung ist allein das Werk Got­tes – und doch trägt sie rei­fe Frucht im Leben der Gläu­bi­gen.

Auch in vie­len Reli­gio­nen bis hin­ein in Tei­le des Katho­li­zis­mus spielt die Werk­ge­rech­tig­keit eine zen­tra­le Rol­le: Das zukünf­ti­ge Heil hängt dort vor­wie­gend von Taten ab, nicht vom per­sön­li­chen Ver­trau­en auf Gott. Im tra­di­tio­nel­len Katho­li­zis­mus zeigt sich dies etwa in Abläs­sen und Buß­übun­gen, die Ver­ge­bung oder Erleich­te­rung im Fege­feu­er ver­spre­chen. Es ist ein Irr­weg, Gott durch Wer­ke gnä­dig stim­men zu wol­len und Ret­tung dadurch erwir­ken zu wol­len.

Das sieht man auch im Alten Tes­ta­ment bei: Jes 58,5–6: “Soll das ein Fas­ten sein, an dem ich Gefal­len habe, ein Tag, an dem man sich kas­teit, wenn ein Mensch sei­nen Kopf hän­gen lässt, wie Schilf und in Sack und Asche sich bet­tet? Wollt ihr das ein Fas­ten nen­nen und einen Tag, an dem der HERR Wohl­ge­fal­len hat? Das aber ist ein Fas­ten, an dem ich Gefal­len habe: Lass los, die du mit Unrecht gebun­den hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg!” Oder bei Jes 1,11.16–18 lesen wir:
Was soll mir die Men­ge eurer Opfer? spricht der HERR. Ich bin satt der Brand­op­fer von Wid­dern und des Fet­tes von Mast­käl­bern und habe kein Gefal­len am Blut der Stie­re, der Läm­mer und Böcke… Wascht euch, rei­nigt euch, tut eure bösen Taten aus mei­nen Augen, lasst ab vom Bösen! Ler­net Gutes tun, trach­tet nach Recht, helft den Unter­drück­ten, schaf­fet den Wai­sen Recht, füh­ret der Wit­wen Sache! So kommt denn und lasst uns mit­ein­an­der rech­ten, spricht der HERR. Wenn eure Sün­de auch blut­rot ist, soll sie doch schnee­weiß wer­den, und wenn sie rot ist wie Schar­lach, soll sie doch wie Wol­le wer­den.” – Gott möch­te kei­ne lee­ren Hand­lun­gen, son­dern auf­rich­ti­ge Buße und Umkehr von Sün­de! Er lädt uns ein, zu ihm zu kom­men, und wir brau­chen kei­ne Angst vor ihm zu haben. David erkann­te die­ses und schrieb das Lob­lied Ps 103! Ver­se 2–3: “Lobe den HERRN, mei­ne See­le, und ver­giss nicht, was er dir Gutes getan hat: der dir alle dei­ne Sün­de ver­gibt und hei­let alle dei­ne Gebre­chen…

Die Bibel hin­ge­gen macht deut­lich, dass weder groß­zü­gi­ge Spen­den noch Wall­fahr­ten und selbst im Namen Chris­ti voll­brach­te Wun­der uns in Got­tes Gegen­wart ret­ten kön­nen, wenn kei­ne leben­di­ge Bezie­hung zu Jesus besteht (vgl. Mt 7,22–23). Wah­re Umkehr und inne­re Erneue­rung erwach­sen allein aus glau­ben­dem Ver­trau­en, nicht aus äußer­li­chen Leis­tun­gen. Aus Lie­be schenkt uns Gott Ver­ge­bung, sobald wir uns auf­rich­tig zu ihm umkeh­ren und unse­re Sün­den bereu­en; er selbst gibt uns sowohl das Wol­len als auch das Voll­brin­gen des Guten. Selbst wenn wir ein­mal ver­sa­gen, dür­fen wir sofort zu Chris­tus zurück­keh­ren. Johan­nes schreibt:

Mei­ne Kin­der, dies schrei­be ich euch, damit ihr nicht sün­digt. Und wenn jemand sün­digt, so haben wir einen Für­spre­cher bei dem Vater, Jesus Chris­tus, der gerecht ist.” (1Joh 1,2)

Jesus ist unser Mitt­ler – er ist der EINZIGE Mitt­ler! Durch ihn ALLEIN kön­nen wir Ver­ge­bung erhal­ten (1.Tim 2,5) und wir brau­chen für die Ver­ge­bung unse­rer Sün­den weder Pries­ter, noch Papst, noch Hei­li­ge, noch Maria. Auch Wer­ke machen unse­re Sün­den nicht unge­sche­hen.

Der Rosenkranz und das Gebet

Jesus mahnt in Mt 6,7, im Gebet nicht inhalts­leer zu „plap­pern wie die Hei­den” (bat­talo­géō), die glau­ben, allein durch vie­le Wor­te gehört zu wer­den. Der Vor­wurf rich­tet sich gegen eine bestimm­te Gebets­hal­tung: das Ver­trau­en dar­auf, dass Wor­te durch ihre blo­ße Häu­fung oder for­ma­le Voll­stän­dig­keit wirk­sam wer­den – unab­hän­gig davon, ob es sich um lan­ge Reden oder um mecha­nisch wie­der­hol­te For­meln han­delt. Jedem jüdi­schen Hörer Jesu war dabei die Epi­so­de der Baals­pro­phe­ten (1. Kön 18,26–29) vor Augen: Die­se rie­fen stun­den­lang immer wie­der die­sel­be kur­ze For­mel – „Baal, erhö­re uns!” –, schrien, tanz­ten und schnit­ten sich, ohne Ant­wort zu erhal­ten. Das ist kein lan­ges rhe­to­ri­sches Gebet, son­dern ritu­el­les Wie­der­ho­len einer kur­zen Anru­fung in der Erwar­tung, Gott durch die Wie­der­ho­lung selbst her­bei­ru­fen oder zwin­gen zu kön­nen. Die­ser Text dürf­te den seman­ti­schen Hori­zont von bat­talo­géō für Jesu Hörer ent­schei­dend mit­ge­prägt haben.

Dass sol­che Prak­ti­ken im anti­ken Hei­den­tum ver­brei­tet waren, zei­gen wei­te­re Bei­spie­le: Im grie­chisch-römi­schen Ritu­al muss­ten Gebets­for­meln exakt kor­rekt und voll­stän­dig gespro­chen wer­den – Feh­ler mach­ten eine Wie­der­ho­lung (instau­ra­tio) nötig, weil die Wirk­sam­keit an der for­ma­len Kor­rekt­heit hing, nicht am inne­ren Gehalt. Meso­po­ta­mi­sche Beschwö­rungs­for­meln (šip­tu) muss­ten mehr­fach rezi­tiert wer­den, um wirk­sam zu sein, und ägyp­ti­sche Schutz­for­meln wur­den in fest­ge­leg­ten Zah­len (3, 4 oder 7 Mal) wie­der­holt, weil der Wie­der­ho­lung selbst magi­sche Kraft zuge­spro­chen wur­de.

Im unmit­tel­ba­ren Kon­text (Mt 6,5–15) stellt Jesus dem die knap­pe, herz­li­che Hal­tung des Vater­un­sers gegen­über, das kein magi­sches Rezi­tie­ren sein soll, son­dern geist­li­ches Grund­mus­ter einer per­sön­li­chen Gebets­be­zie­hung. Die Begrün­dung in V. 8 macht das Prin­zip deut­lich: „Euer Vater weiß, was ihr braucht, bevor ihr ihn bit­tet.” Das Gebet ist damit kei­ne Tech­nik der Ein­wir­kung auf Gott, son­dern Aus­druck einer bereits bestehen­den Bezie­hung. Auch in Lk 11,1–4 bit­tet ein Jün­ger um genau die­se Lehr­form – nicht um eine Vor­schrift für mecha­ni­sches Auf­sa­gen.

Gebets­ket­ten sind in erstaun­lich vie­len Reli­gio­nen unab­hän­gig von­ein­an­der ent­stan­den oder wur­den über­nom­men. Hier ein Über­blick:

Chris­ten­tum (Katho­li­zis­mus, Ortho­do­xie) Der römisch-katho­li­sche Rosen­kranz besteht aus 59 Per­len (53 Ave-Maria-Per­len + 6 Vater­un­ser-Per­len) und struk­tu­riert das wie­der­hol­te Beten von Ave Maria und Vater­un­ser. Ziel ist die medi­ta­ti­ve Betrach­tung von Geheim­nis­sen aus dem Leben Jesu und Mari­as. Die ortho­do­xe Chot­ki (Gebets­schnur aus Kno­ten) dient dem Jesus­ge­bet: „Herr Jesus Chris­tus, Sohn Got­tes, erbar­me dich mei­ner.” Bei­de Tra­di­tio­nen ent­stan­den im Mit­tel­al­ter, wobei eine Beein­flus­sung durch öst­li­che Prak­ti­ken dis­ku­tiert wird.

Hin­du­is­mus Die Mala besteht tra­di­tio­nell aus 108 Per­len und dient dem Japa – dem wie­der­hol­ten Auf­sa­gen eines Man­tras oder Got­tes­na­mens. Die Zahl 108 hat kos­mo­lo­gi­sche Bedeu­tung. Ziel ist medi­ta­ti­ve Kon­zen­tra­ti­on, das Sam­meln des Geis­tes und die Ver­bin­dung mit der Gott­heit. Ver­schie­de­ne Mate­ria­li­en (Tul­si-Holz, Rud­rak­sha-Samen, Kris­tall) sind ver­schie­de­nen Gott­hei­ten zuge­ord­net.

Bud­dhis­mus Die bud­dhis­ti­sche Gebets­ket­te (Mala, tibe­tisch Treng­wa) hat eben­falls meist 108 Per­len und dient dem Zäh­len von Man­tra-Wie­der­ho­lun­gen, etwa Om mani pad­me hum. Im tibe­ti­schen Bud­dhis­mus ergän­zen Gebets­müh­len die­se Pra­xis – das Dre­hen gilt als äqui­va­lent zum Spre­chen der For­mel. Ziel ist Ver­dienst­er­werb, Läu­te­rung und Medi­ta­ti­on.

Islam Der Sub­ha (auch Mis­ba­ha) besteht meist aus 33 oder 99 Per­len und dient dem Dhikr – dem wie­der­hol­ten Geden­ken Got­tes durch sei­ne 99 Namen oder durch For­meln wie Sub­hanal­lah, Alham­dul­il­lah, Alla­hu Akbar (je 33 Mal). Ziel ist die Ver­ge­gen­wär­ti­gung Got­tes und spi­ri­tu­el­le Samm­lung. Der Gebrauch ist unter Gelehr­ten his­to­risch umstrit­ten, da er im Koran nicht erwähnt wird.


Gebets­ket­ten, im Sans­krit als mālā bezeich­net, die­nen seit alters her der sys­te­ma­ti­schen Rezi­ta­ti­on hei­li­ger For­meln (Japa). Die ältes­ten schrift­li­chen Bele­ge für die Ver­wen­dung von Rudrākṣa-Per­len als Mala fin­den sich in den Pur­anas und tan­tri­schen Tex­ten. So berich­tet das Skand­apurāṇa (Kapi­tel 1.68.12–15), wie der Gott Śiva sei­ner Gefähr­tin Pār­va­tī eine Ket­te aus Rudrākṣa-Samen über­gibt und sie auf­for­dert, mit die­ser Mala Man­tras zu wie­der­ho­len.


Typi­scher Rosen­kranz im Bud­dhis­mus

Das unbefleckte Herz (Immaculated Heart)

Seit län­ge­rer Zeit gewinnt die Ver­eh­rung des unbe­fleck­ten Her­zens Mariä bezie­hungs­wei­se Jesu immer mehr Beach­tung. Die Bil­der auf der rech­ten Sei­te zei­gen die jeweils übli­che Dar­stel­lung die­ser Hinter­grundidee.
Es ist kaum ver­wun­der­lich, dass die Herz­ver­eh­rung bereits seit Jahr­tau­sen­den in ande­ren Reli­gio­nen belegt ist.

Ver­mut­lich ist vie­len der blu­ti­ge Herz­kult der Azte­ken bekannt. Die hier gezeig­te „Life-Death Figu­re“ aus der Huas­te­ken-Kul­tur (etwa 1000–1500 n. Chr.) wird manch­mal mit Quetz­al­coatl in Ver­bin­dung gebracht, einer Gott­heit von Wind, Weis­heit und Kul­tur. Im azte­ki­schen Pan­the­on gal­ten Men­schen­op­fer vor allem dem Kriegs­gott Huit­zi­lo­pocht­li und dem Son­nen­gott Tona­ti­uh. Dabei wur­de dem auf den Tem­pel­stu­fen Geop­fer­ten das Herz ent­nom­men und als lebens­spen­den­den Gabe dem Gott dar­ge­bracht.


Leben-Tod-Figur
(Foto: Brook­lyn Muse­um )

Das hei­li­ge und das unbe­fleck­te Herz (Jesus und Maria) – Eine Zeich­nung einer popu­lä­ren Dar­stel­lung.

Das flam­men­de Herz wird gele­gent­lich auch als Amu­lett getra­gen – ent­we­der als ent­spre­chen­des Herz oder als Iko­nen­bild. Frü­her tru­gen römi­sche Jugend­li­che Schutz­amu­let­te um den Hals, so wie heu­te man­che Chris­ten Amu­let­te mit Hei­li­gen­bil­dern, Kru­zi­fi­xe und Ähn­li­ches mit die­ser Funk­ti­on ver­bin­den und nicht nur per­sön­lich um den Hals tra­gen, son­dern auch in Fahr­zeu­gen auf­hän­gen und auf Schutz hof­fen.
Eine Herz­ver­eh­rung fin­det sich zudem in ande­ren Kul­ten, etwa bei Osi­ris, Vish­nu und Bel u. a. Der Hei­li­ge Stuhl hat vier Enzy­kli­ken zum Hei­li­gen Her­zen her­aus­ge­ge­ben: Annum Sacrum (1899) von Leo XIII, Mise­ren­tis­si­mus Redemp­tor (1928) von Pius XI, Cari­ta­te Chris­ti Com­pul­si (1932) von Pius XI, Hau­rie­tis Aqu­as (1956) von Pius XII.

Inter­es­san­ter­wei­se räumt Hau­rie­tis Aqu­as ein, dass die beson­de­re Herz­ver­eh­rung in der Hei­li­gen Schrift nicht erwähnt wird. Ange­sichts der Tat­sa­che, dass Pius XII. ihren nicht biblisch fun­dier­ten Ursprung bestä­tigt hat, stellt sich die Fra­ge, woher die­ser Kult ursprüng­lich stammt.


Ger­trud von Helfta
(Well­co­me Coll­ec­tion Gal­lery, CC BY 4.0)
Mög­li­cher­wei­se steht das flam­men­de Herz im Zusam­men­hang mit der feu­rig bren­nen­den Son­ne, jedoch scheint sich die­se Motiv­kom­bi­na­ti­on erst spät ent­wi­ckelt zu haben. Die frü­hes­ten Bele­ge in unse­rem Kul­tur­kreis fin­den wir bei Mys­ti­ke­rin­nen wie Hil­de­gard von Bin­gen, Mecht­hild von Mag­de­burg oder Ger­trud von Helfta. In bild­li­chen Hand­schrif­ten oder Andachts­bü­chern des 14. – 15. Jh. tau­chen ver­ein­zelt Herz­mo­ti­ve mit Strah­len oder Flam­men auf.

Fegefeuer und Höllenfeuer

Das Alte Tes­ta­ment lehrt kein sofor­ti­ges Wei­ter­le­ben nach dem Tode. Auch Jesus ver­trat kei­ne neue Leh­re über die Natur des Men­schen. Wie kam es dazu, dass schon sehr früh fal­sche Vor­stel­lun­gen in die christ­li­chen Kir­chen ein­dran­gen?

Schon in der frü­hes­ten Geschich­te unter­nah­men Men­schen Ver­su­che, dem Grau­en des Todes aus­zu­wei­chen. Die Vor­stel­lung vom Ver­sin­ken ins Nichts war für die Men­schen ein unheim­li­cher, kaum zu ertra­gen­der Gedan­ke. Des­halb wur­de immer wie­der ver­sucht, der letz­ten Kon­se­quenz aus­zu­wei­chen und sich an die ver­schie­dens­ten Vor­stel­lun­gen eines Fon­le­bens nach dem Tode zu klam­mern.

Bei­na­he bis zum Beginn der Mensch­heits­ge­schich­te kann die Idee zurück­ver­folgt wer­den, der ver­stor­be­ne Mensch sei in Wirk­lich­keit nicht tot, das Leben sei nicht erlo­schen. Begrün­det wird die­se Annah­me mit der Vor­stel­lung, es gebe eine vom Kör­per unab­hän­gi­ge See­le, die vom Tod nicht betrof­fen wer­de. Grund­la­ge für die­ses Den­ken ist die Wei­ge­rung des Men­schen, den Tod als Ende des Lebens zu akzep­tie­ren.

Die baby­lo­ni­sche Lite­ra­tur ist voll von Spe­ku­la­tio­nen über das Sein im Tode und über die Erlan­gung des ewi­gen Lebens. Bei den Baby­lo­ni­ern ver­bin­det sich ein unstoff­li­ches Ele­ment mit dem Kör­per, und die­sem Ele­ment wird Unsterb­lich­keit zuge­schrie­ben.

Bei den alten Ägyp­tern herrsch­te anfäng­lich nicht der Gedan­ke an das Wei­ter­le­ben einer vom Kör­per getrenn­ten See­le, son­dern der gan­ze Mensch blieb nach ihrer Vor­stel­lung trotz des Ster­bens am Leben. Aus die­ser Vor­stel­lung her­aus ent­wi­ckel­te sich bei den Ägyp­tern die bekann­te Sit­te, die Kör­per der Ver­stor­be­nen durch Ein­bal­sa­mie­ren zu erhal­ten. Auf die­se Wei­se soll­ten sie vor der Ver­we­sung geschützt wer­den. Das wie­der­um mach­te die Auf­be­wah­rung der Mumi­en in so genann­ten Toten­kam­mern not­wen­dig. Spä­ter ver­än­der­ten sich die Vor­stel­lun­gen bei den Ägyp­tern und der Toten­kult wur­de immer kom­ple­xer.

Unter den Völ­kern Per­si­ens und Indi­ens fand die Leh­re von der Unsterb­lich­keit der See­le früh Ein­gang, wobei die See­le, das Lebens­prin­zip des Men­schen, als Feu­er gedacht wur­de. Aus die­sem Grun­de bevor­zug­te man die Feu­er­be­stat­tung, damit die See­le wie­der zu ihrem eigent­li­chen Ele­ment zurück­keh­ren kön­ne. Mit dem Brah­ma­nis­mus kam dann die Leh­re von der See­len­wan­de­rung dazu.

Bei den Grie­chen fand der Gedan­ke an die Unsterb­lich­keit der See­le sei­ne klas­si­sche Aus­prä­gung. In der zwei­ten Hälf­te des 5. Jh. v. Chr. hielt der Glau­be an die mensch­li­che Unsterb­lich­keit sei­nen Ein­zug in die grie­chi­sche Welt. Beson­ders Pla­to, der sich unter dem Ein­fluss von Sokra­tes der Phi­lo­so­phie zuwand­te, wur­de zwei­fel­los zum berühm­tes­ten Ver­tre­ter die­ser Leh­re. Bei ihm fand ein Gedan­ke beson­de­re Beto­nung: Der Leib ist der Ker­ker der See­le, dar­um ist der Tod die Befrei­ung der See­le aus die­sem Gefäng­nis.

Der grie­chi­sche Phi­lo­soph Aris­to­te­les (384 bis 321 v. Chr.) war ein Schü­ler Pla­tos. Kein Wun­der, dass auch er – beson­ders in sei­nen frü­hen Wer­ken – im Men­schen nicht eine Ein­heit sah, son­dern, wie sein Meis­ter, die See­le als Gefan­ge­ne des Kör­pers betrach­te­te. Er hat in sei­ner “Mahn­re­de zur Phi­lo­so­phie” das Ver­hält­nis zwi­schen dem ver­gäng­li­chen Leib und der unsterb­li­chen See­le anhand eines Ver­gleichs sehr krass dar­ge­stellt. Die Gebun­den­heit der See­le an den Leib ver­glich er mit dem Schick­sal von Men­schen, die in Gefan­gen­schaft etrus­ki­scher See­räu­ber gera­ten waren. Von letz­te­ren wird erzählt, sie hät­ten ihre Gefan­ge­nen leben­di­gen Lei­bes an Lei­chen gebun­den. Mit dem Gesicht gegen die Lei­che gewandt, muss­ten die­se armen Men­schen elend zugrun­de gehen. Aris­to­te­les ver­glich nun die­se Gefan­ge­nen in ihrem so uner­träg­li­chen Zustand mit der See­le und die Lei­chen mit dem Leib des Men­schen.

Es lässt sich leicht aus­ma­len, mit wel­cher Ver­ach­tung der so ver­gli­che­ne Leib betrach­tet wur­de und wie sehn­süch­tig man dem Augen­blick der Befrei­ung der See­le von des­sen Ban­den ent­ge­gen­sah. So betrach­tet, wur­de der Tod als wah­rer Erlö­ser, als Durch­gangs­tor zu einem erst mit dem Ster­ben begin­nen­den wah­ren Leben, ange­se­hen. Eine bezau­bern­de Phi­lo­so­phie hat­te ihre For­mu­lie­rung gefun­den und trat nun ihre Rei­se in die gan­ze Welt an.

Von all die­sen heid­ni­schen Ein­flüs­sen blieb die christ­li­che Gemein­de nicht ver­schont. Schon bevor sich die Rei­hen der Auf­er­ste­hungs­zeu­gen lich­te­ten, gab es in der Gemein­de etli­che Leu­te, wel­che sag­ten, es gebe kei­ne Auf­er­ste­hung der Toten (1. Korin­ther 15,12). Ande­re wie­der­um behaup­te­ten, dass die ver­hei­ße­ne Auf­er­ste­hung der Toten schon statt­ge­fun­den habe (2. Timo­theus 2,16–18).

Obschon da und dort Chris­ten von der Bot­schaft Jesu und der Apos­tel abwi­chen, blie­ben vie­le auf der ursprüng­li­chen Linie. Gemäß ihren Aus­sa­gen bleibt ewi­ges Leben das aus­schließ­li­che Vor­recht der Erlös­ten.

Cle­mens von Rom, Igna­ti­us von Antio­chi­en und der Ver­fas­ser des soge­nann­ten Bar­na­bas­brie­fes sind, was die Leh­re über die Natur des Men­schen anbe­trifft, noch bibel­treu. Von Jus­tin dem Mär­ty­rer (um 110 n. Chr. gebo­ren) heißt es in sei­nem berühm­ten Gespräch mit dem Juden Try­phon im 50. Kapi­tel: “Wenn ihr mit sol­chen Leu­ten bekannt gewor­den seid, die sich Chris­ten nen­nen und die Auf­er­ste­hung der Toten leug­nen und behaup­ten: ihre See­len wer­den sogleich nach dem Tode in den Him­mel auf­ge­nom­men, so hal­tet sie nicht für Chris­ten.

Pfar­rer L. Rein­hardt, der die­ses Zitat anführt, sagt dazu: “Also noch um die Mit­te des zwei­ten Jahr­hun­derts galt die pla­to­ni­sche Unsterb­lich­keits­leh­re den wirk­li­chen Chris­ten für eine wider­gött­li­che, anti­christ­li­che Leh­re, wel­che man nur bei fälsch­lich sich Chris­ten nen­nen­den Leu­ten tref­fe.” CL. Rein­hardt: “Kennt die Bibel das Jen­seits?”, Sei­te 149+150. Ernst Rein­hardt-Ver­lag, Mün­chen, 1925.)

Mit der Zeit bekann­ten sich immer mehr ehe­ma­li­ge heid­ni­sche Phi­lo­so­phen zum Chris­ten­tum. Eini­ge die­ser Män­ner ver­such­ten, phi­lo­so­phi­sches Gedan­ken­gut mit der christ­li­chen Hoff­nung in Ein­klang zu brin­gen. Die Zahl jener war ja nicht gering, die wohl das Chris­ten­tum annah­men, dabei aber den Phi­lo­so­phen­man­tel nicht ableg­ten.

Schon Athe­n­agoras (ca. 127–190) ließ sich in der Fra­ge der christ­li­chen Auf­er­ste­hungs­hoff­nung auf Kom­pro­mis­se ein. Er gilt als der viel­sei­tigs­te und gewand­tes­te Ver­tei­di­ger der christ­li­chen Glau­bens­leh­re des 2. Jahr­hun­derts. Aus sei­nem Leben ist nur wenig bekannt. Er hat ein Buch über die Auf­er­ste­hung geschrie­ben. In die­sem Werk ver­meng­te er den Auf­er­ste­hungs­glau­ben mit der Leh­re von der Unsterb­lich­keit der See­le. Er ver­such­te aber, die Unsterb­lich­keit der See­le nicht mit der Bibel, son­dern mit phi­lo­so­phi­schen Argu­men­ten, mit grie­chi­scher Weis­heits­leh­re zu begrün­den.

Ter­tul­li­an (gebo­ren 150 n. Chr.) ist der ers­te Christ, der Feg­feu­er, Höl­le, ewi­ge Qua­len und das Gebet für die Toten in sein Lehr­ge­bäu­de auf­ge­nom­men hat. Sei­ner Ansicht nach gehen die See­len der Mär­ty­rer in den Him­mel, jene der ande­ren Men­schen in die Unter­welt, wo sie auf das Gericht war­ten.

Wir ste­hen also mit den bei­den letzt­ge­nann­ten Män­nern am Beginn einer Abkehr von der bibli­schen Hoff­nung. Mehr und mehr wird die Unsterb­lich­keit der See­le ins Blick­feld gerückt und die Auf­er­ste­hungs­hoff­nung in den Hin­ter­grund gedrängt. Die­ser Pro­zess ging vor allem in Alex­an­dria im gro­ßen Stil vor sich. Alex­an­dria war der Ort, an dem die­ses Ver­schmel­zungs­werk in gro­ßem Maße betrie­ben wur­de. Cle­mens von Alex­an­dri­en (ca. 150–220 n. Chr.) übte dies­be­züg­lich einen mäch­ti­gen Ein­fluss aus. Dies gilt beson­ders auch für die uns hier beschäf­ti­gen­de Fra­ge der christ­li­chen Hoff­nung. In sei­nen frü­hen Schrif­ten lehr­te Cle­mens noch nicht die natür­li­che Unsterb­lich­keit der See­le, er betrach­te­te aber das Chris­ten­tum als den Zusam­men­fluss zwei­er Strö­me: des Juden­tums und des Hei­den­tums. Durch sei­ne Beschäf­ti­gung mit grie­chi­scher Phi­lo­so­phie und mit der Gno­sis war er all­mäh­lich dahin gekom­men, sei­nen Stand­punkt zu ändern.

Schließ­lich lehr­te er, die See­le habe die glei­che Sub­stanz wie Gott. Er wider­spricht sich aber in ver­schie­de­nen Punk­ten; einer­seits lehrt er die Ver­nich­tung der See­len der Gott­lo­sen, ande­rer­seits glaub­te er doch an die Unsterb­lich­keit der See­le. Er lehrt wohl das Fege­feu­er, lehnt aber die ewi­gen Höl­len­qua­len ab.

Orig­e­nes war ein Schil­ler des Cle­mens von Alex­an­dri­en, der die Leh­ren sei­nes Meis­ters ver­voll­stän­dig­te, wenn auch in einer ande­ren Rich­tung. Orig­e­nes hat die Leh­ren der Hei­li­gen Schrift gänz­lich ver­geis­tigt. “Der Ein­zel­ne steigt in all­mäh­li­cher Ver­voll­komm­nung, das Mate­ri­el­le immer mehr hin­ter sich las­send, zu Gott empor. Nach dem Tode war­ten sei­ne Läu­te­rungs­feu­er und Selig­keit oder Höl­le und neue Wel­ten zu neu­er Bewäh­rung; zuletzt wer­den alle, auch der Teu­fel, der Selig­keit teil­haf­tig wer­den.“ ‘ Spä­ter wur­de Orig­e­nes als Häre­ti­ker betrach­tet, aber nicht weni­ge sei­ner Theo­rien beein­fluss­ten die Glau­bens­sät­ze der Kir­che.

Nach­dem die Ver­mi­schung in einer tra­gi­schen Wei­se fort­ge­schrit­ten war, for­mu­lier­te Augus­ti­nus (354–430 n. Chr.) die Leh­re der Kir­che in die­ser Fra­ge. Sie wur­de bis heu­te nur wenig ver­än­dert. Augus­ti­nus hat­te bereits vor sei­ner Bekeh­rung zum Chris­ten­tum ein Buch geschrie­ben, wor­in er sech­zehn Grün­de für die Unsterb­lich­keit der See­le angab. So war er bereits die­sen heid­ni­schen Vor­aus­set­zun­gen erge­ben, bevor er ein Christ wur­de. Christ­li­cher Neu­pla­to­nis­mus bil­de­te ein­fach die Brü­cke. Mit Augus­ti­nus erreich­te die Idee von der Unsterb­lich­keit der See­le den Höhe­punkt der nach­ni­zä­se­hen Zeit.

Es war dann Tho­mas von Aquin (geb. 1226), wel­cher der Leh­re von der Unsterb­lich­keit der See­le in der Kir­che ihre end­gül­ti­ge Form ver­lieh; und an der ach­ten Sit­zung des fünf­ten Late­r­an­kon­zils im Dezem­ber 1513 pro­kla­mier­te Papst Leo X. offi­zi­ell das Dog­ma von der natür­li­chen Unsterb­lich­keit der See­le.

Die Leh­re von einer soge­nann­ten unsterb­li­chen See­le fand ihren Ursprung weder im Juden­tum noch bei Chris­tus. Sie ist ein Kind des Hei­den­tums, ganz beson­ders der grie­chi­schen Phi­lo­so­phie. Das Zusam­men­flie­ßen von christ­li­chem und heid­ni­schem Gedan­ken­gut hat­te für die Chris­ten­heit ver­hee­ren­de Fol­gen; denn wenn zwei Flüs­se zusam­men­flie­ßen, der eine mit schmut­zi­gem und der ande­re mit kla­rem, rei­nem Was­ser, so wird das schmut­zi­ge Was­ser nicht sau­ber, son­dern das sau­be­re Was­ser schmut­zig. Genau­so erging es der rei­nen bibli­schen Bot­schaft über Tod und Auf­er­ste­hung in der Kir­che. Von der Leh­re Jesu blieb nur noch wenig übrig. Wäre es nicht an der Zeit, sich wie­der ernst­haft dar­um zu bemü­hen, die bei­den Strö­mun­gen klar aus­ein­an­der zuhal­ten?

(Zitat aus “Gereim­tes und Unge­reim­tes über Tod und Auf­er­ste­hung, Him­mel und Höl­le”)

Zur Ver­tie­fung der The­ma­tik sei auf den Bei­trag Tod, Him­mel und Höl­le – Was sagt die Bibel dazu? ver­wie­sen.

Ende

Und die Frau war beklei­det mit Pur­pur und Schar­lach und geschmückt mit Gold und Edel­stei­nen und Per­len und hat­te einen gol­de­nen Becher in der Hand, voll von Gräu­el und Unrein­heit ihrer Hure­rei.” (Offb 17,4)

Und Jere­mia schreibt in Jer 51,7: “Ein gol­de­ner Kelch, der alle Welt trun­ken gemacht hat, war Babel in der Hand des HERRN. Alle Völ­ker haben von sei­nem Wein getrun­ken; dar­um sind die Völ­ker so toll gewor­den.

Sym­bo­lik ist ein­deu­tig:
Wel­che Frau – sprich Kir­che – ist in Pur­pur und Schar­lach geklei­det und geschmückt mit Gold, Edel­stei­nen und Per­len?
Es han­delt sich um eine abge­fal­le­ne Kir­che, die sich durch heid­ni­sche und fal­sche Leh­ren sowie sit­ten­wid­ri­ge Prak­ti­ken ver­un­rei­nigt.

Mög­li­cher­wei­se sind auch meh­re­re Kir­chen gemeint. Von der Hure Baby­lon heißt es: Sie ist eine Mut­ter der Hure­rei! (Offb 17,5) Hat sie auch Töch­ter?

Die Bezeich­nung „Baby­lon“, die vom hebräi­schen Wort für „Ver­wir­rung“ her­rührt, ist über­aus tref­fend. Durch Prunk und äußer­li­che Schau wer­den Men­schen in die Irre geführt. Mil­lio­nen von ihnen wer­den, ohne es zu mer­ken, dazu ver­lei­tet, heid­ni­sche Prak­ti­ken aus­zu­üben. Wir Chris­ten sind fast alle trun­ken gewor­den von einem Wein, den man nicht trin­ken kann: dem Wein Baby­lons.

Der Engel aus Offen­ba­rung 18, 4 spricht: “Geht hin­aus aus ihr, mein Volk, dass ihr nicht teil­habt an ihren [Baby­lons] Sün­den und nichts emp­fangt von ihren Pla­gen!

Die Tia­ra, die drei­fa­che Kro­ne, zeigt die drei­fa­che Macht des Paps­tes (Leh­re, Hei­li­gung, Regie­rung) – man­che sehen dar­in auch die Macht über die Erlö­sung (Him­mel und Höl­le) und auf der Erde.

Gilt die­ser Auf­ruf nicht auch uns? Wol­len wir wei­ter heid­ni­sche Bräu­che hoch­hal­ten – und wozu? Die Ent­schei­dung liegt bei jedem von uns. Gott selbst hat vor den Göt­zen gewarnt:
– Sie sind nur von Men­schen­hand gemacht (Psalm 115,4–7).
– Sie sind ein Nichts, nicht mehr wert als eine Vogel­scheu­che.
– Sie kön­nen uns weder hel­fen noch scha­den (Jere­mia 10,3–5). Es ist ver­geb­lich, sie anzu­ru­fen, ihnen Opfer zu brin­gen oder Ritua­le abzu­hal­ten. Nicht die geschnitz­ten Holz- und Stein­ge­stal­ten, nicht Sym­bo­le oder Kult­hand­lun­gen kön­nen uns ret­ten. Wer auf sol­che Din­ge hofft, ent­täuscht Gott, und ver­ge­bens hofft er auf unse­re Treue.

Gott aber möch­te unser Herz und nicht nur for­ma­le Ritua­le. Selbst die sinn­volls­ten Fes­te und Gebe­te sto­ßen ihn ab, wenn sie ohne auf­rich­ti­ges Ver­trau­en, son­dern for­mal dar­ge­bracht wer­den. Er wünscht sich, dass wir ihm glau­ben, auf ihn hof­fen und uns von ihm füh­ren las­sen. Und wer sein Ver­trau­en auf ihn setzt, wird nicht ent­täuscht.


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