
Dr. phil. Gerhard Padderatz hat Theologie, Geschichte und Kommunikationswissenschaften studiert. Er ist Geschäftsführer einer Managementberatung mit Büros in Frankfurt, Zürich und Detroit, wo er heute lebt. Bis 1985 war er unter anderem als Pastor, Dozent für Geschichte und Sozialwissenschaften sowie als Redakteur und Verlagsberater tätig. Sein Buch “Allmächtig? Ohnmächtig? Gerecht? Ein Dialog über Gott und sein Handeln” erschien 2007 bereits in der dritten Auflage und wird aufgrund der anhaltenden Nachfrage weiterhin neu aufgelegt. Im Herbst 2007 veröffentlichte er im Mitteldeutschen Verlag zudem sein Werk “Mit Gewalt in den Gottesstaat: Steuert Amerika in den Faschismus?”. Amazing Discoveries schreibt dazu:

“Als scharfer Beobachter vor Ort ist Dr. Padderatz in der Lage, die gegenwärtigen Strömungen in der amerikanischen Politik und Gesellschaft differenziert zu bewerten. Lange Zeit waren die USA weltweit ein Vorbild für Demokratie, Menschenrechte und Religionsfreiheit. Doch vor 30 Jahren begann im Land ein schicksalhafter Machtkampf. Anhand zahlreicher Zitate, Fakten und Hintergründe zeichnet der Redner ein erschreckendes Bild einer Nation, die geradewegs zurück in den religiösen Faschismus des Mittelalters steuert.”
Es folgt nun die Mitschrift eines Vortrags zum Thema Amerika aus dem Jahr 2007. Auch wenn der Beitrag fast 20 Jahre alt ist, hat er nichts an Aktualität eingebüßt. Religiöse Motivationen in der US-Politik sind nach wie vor prägend. Dies belegt auch der Artikel “Glaube spielt im US-Wahlkampf wichtige Rolle” aus dem Jahr 2024. Dass es längst nicht mehr nur um ein klassisches „Links-rechts-Schema“ geht, verdeutlicht nicht zuletzt die Rhetorik des amtierenden US-Vizepräsidenten J.D. Vance (Stand 2026) und dessen christlich-nationalistische Ausrichtung.
Somit bleibt es eine aktuelle und spannende Entwicklung.
Hier finden Sie Links zu den Bezugsquellen, einen Ausschnitt des Vortrags und die Mitschrift des ersten Vortrages:
Amerika – Verrat an den eigenen Werten
von Gerhard Padderatz
Nürnberg, 20.04.07
Mitschrift des Vortrags (Angaben ohne Gewähr):
Einleitung
1975 bin ich zum ersten Mal nach Amerika gereist. Ich hatte damals ein Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes und ich schrieb an meiner Doktorarbeit. Ich hatte mich ein halbes Jahr dort aufgehalten, und am Ende dieser Zeit hatte ich mich gründlich verliebt in dieses wunderschöne Land, mit den gastfreien Menschen, mit der Toleranz, mit der Offenheit, ja, mit der Verfassung, die eine Trennung von Staat und Kirche vorschreibt – für mich einer der Garanten für wirkliche Freiheit – keiner redet dem anderen rein… und seitdem habe ich mich immer wieder viel in Amerika aufgehalten. Ich habe eine Zeit lang in Honolulu in Hawaii gelebt, habe mich dann immer wieder in Michigan aufgehalten und auf diese Art und Weise Amerika kennen und schätzen gelernt. Über die Jahre habe ich viel mit Amerikanern zusammengearbeitet – Ich haben viele amerikanische Unternehmen als Klienten in der Unternehmensberatung gehabt , die ich seit gut 20 Jahren leite. Das alles scheint sich jetzt zu ändern…
Vor fast zwei Jahren, auf den Tag genau, erhielt ich einen Anruf aus der Schweiz von meiner Kollegin und Mitgesellschafterin in unserer Managementberatung – sie leitet das Zürcher Büro. Sie hatte sich mit einem Geschäftspartner unterhalten: Es ging um die Frage, wie ist der kirchlich-religiöse Einfluss auf die Politik Amerikas. Ihr Geschäftspartner vertrat die Meinung, er wird immer geringer. Sie sagte: Ganz im Gegenteil – er wird immer größer. Das ging eine Weile hin und her und schließlich rief sie mich in Amerika an und sagte: »Kannst du mir helfen? Kannst du mir Belege dafür liefern, dass meine These richtig ist, dass der Einfluss von Religion und Kirche auf die Politik des Weißen Hauses zunimmt?«
Und ich hab gesagt: »Klar!« … Und dann habe ich mich ans Internet gesetzt und in nur zwei Stunden eine Recherche durchgeführt. In dieser Zeit habe ich eine Dokumentation von 40 Seiten zusammengestellt. Als ich es mir dann näher ansah, stellten sich die wenigen Haare, die ich noch habe, zu Berge, und ich war schockiert. Und da ich davon ausging, dass der Geschäftspartner vielleicht nicht genügend Englisch kann, habe ich das dann ins Deutsche übersetzt und habe es zusammengefasst und habe versucht, einen Artikel daraus zu schreiben. Dies wurde etwas zu lang für einen Artikel, aber zu wenig für ein Buch oder eine Broschüre. Ich hab das dann nach Zürich geschickt und dachte: Was machst du jetzt damit?
Nun habe ich eine gute Freundin, eine Schulfreundin, wir kennen uns seit dem wir 13 sind. Sie ist leitende Redakteurin beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen, verantwortlich für den Bereich Dokumentarfilm. Also eine Journalistin. Ich hab ihr dann diese Dokumentation zugeschickt, und gefragt: »Du, was hältst du davon?« Und sie rief mich sofort danach an und sagte: »Du hast deinen Finger in ein Wespennest gesteckt. Das ist ja der Wahnsinn! Was du da zu Tage gefördert hast… das muss an die Öffentlichkeit! Mach mehr draus! Schreib ein Buch, ich helf dir dabei!«
Und so bin ich eigentlich ein bisschen hineingezogen worden – geschubst und gezogen worden in dieses Thema. Ich hatte es mir nicht freiwillig ausgesucht. Und je mehr ich recherchiert, geforscht habe, desto mehr war ich schockiert. Ich hab dann durch eine glückliche Fügung einen jungen Mann kennengelernt, der an der Uni München an seiner Doktorarbeit in Philosophie schreibt. Und den habe ich dann als wissenschaftlichen Assistenten unter Vertrag genommen, um diese enorme Fülle an Material, die da draußen vorhanden ist – zu diesem Thema – zu sichten und ordnen zu können.
Und so wurde langsam ein Manuskript daraus. In 10 Tagen ist der Abgabetermin beim mitteldeutschen Verlag, der das Buch unter dem Titel “Amerika – mit Gewalt in den Gottesstaat” herausbringen wird.
Ich habe bewusst einen nichtreligiösen Verlag gewählt, denn ich glaube, dass es hier um ein Hintergrundverständnis der politischen Ereignisse Amerikas geht, die man nur verstehen kann, wenn man in die Religion und Religionsgeschichte Amerikas ein wenig einsteigt. Und das ist ziemlich starker Tobak, also wer schwache Nerven hat, der wird vielleicht nicht so glücklich mit diesem Vortrag sein. Es ist zum Teil haarsträubend und schockierend und überraschend. Und das sage ich als jemand, der Amerika liebt. Und der dort lebt seit fast sechs Jahren. Wieder mal.
Überblick
In dem Vortrag, heute Abend, geht es um die zeitgeschichtlich-politisch-soziologische Seite des Themas. Morgen Vormittag geht es weiter. Dort geht es im Speziellen um den Dreh- und Angelpunkt dieses Themas, nämlich um das Gottesbild. Anders als alle anderen, die über dieses Thema geforscht und geschrieben haben, ist meiner Ansicht nach, das Gottesbild der Amerikaner der Dreh- und Angelpunkt für das Verständnis dessen, was heute Abend an schockierenden Informationen dargestellt wird. Und dann, morgen Nachmittag, möchte ich auf eine überraschende Geschichte eingehen, die in der biblischen Prophetie dargestellt ist. Denn ich bin der Überzeugung, dass in der Prophetie der Bibel ein Vorausblick – schon vor 2000 Jahren – dessen gegeben wurde, was in Amerika heute passiert. Und ich hoffe, dass sie alle, die heute hier sind, bei allen drei Vorträgen dabei sein werden. Denn ich glaube, dass jeder der drei Vorträge das Thema von einem andern Winkel beleuchten wird. Okay, soviel zur Vorrede.
Fragen, die wir heute unter anderem beantworten wollen: Wer ist die religiöse Rechte in Amerika? Was sind ihre Ziele und welche hat sie schon erreicht? Man kann ja heute gar nicht anders, als Dinge über Amerika zu erfahren. Man muss nur die Zeitung aufschlagen, den Fernseher anstellen – Amerika ist immer wieder in den Medien. Jetzt aktuell durch dieses schreckliche Massaker in Virginia… bezeichnend für mich ist, dass George Bush als Reaktion darauf sagt: »Wir werden für die Angehörigen beten, aber die Gesetze werden wir nicht ändern.«
Eine weitere Frage, die wir besprechen wollen, ist: Wie kommt es, dass die religiöse Rechte in der Frage der Abtreibung, für den Erhalt des Lebens ist aber für das Auslöschen von Leben infrage der Todesstrafe? Ich weiß nicht, ob sie das schon einmal verwirrt hat oder sie dafür eine gute Erklärung haben… denn für die religiöse Rechte ist die Heiligkeit des Lebens ein ganz hoher Wert. Dafür gehen die Leute auf die Straße. Dafür bringen sie sogar Abtreibungsärzte um… aber wenn es um die Todesstrafe geht, wo ist dort das Prinzip der Heiligkeit des Lebens? Ein Widerspruch.
Und ich glaube, dass wir diesen Widerspruch auflösen können – erklären können. Es bleibt ein Widerspruch, aber wir haben eine Erklärung dafür. Ist das extreme Erstarken der religiösen Rechten nur auf die Terroranschläge des 11. September 2001 zurückzuführen? Antwort vorneweg: Nein! Aber vielen scheint es so, weil seit George Bush und seit dem 11. September 2001 diese religiöse Dimension der Politik Amerikas besonders deutlich geworden ist und mehr darüber veröffentlicht, gesprochen und geschrieben wurde. Aber, wir werden sehen, dass hier eine Bewegung schon vorher in Gange gesetzt wurde, die jetzt nur immer deutlicher zutage tritt. Um diesen Vortrag verständlich zu machen, müssen wir zunächst einige Daten, Fakten und Definitionen untersuchen, denn das brauchen wir um das Ganze einordnen zu können. Ein paar Worte zur amerikanischen Gesellschaft: Amerika hat heute ziemlich genau 300 Millionen Einwohner. Es ist übrigens eines der wenigen Länder, welches wirklich wächst – schnell wächst. Mal abgesehen von Ländern in der Dritten Welt. Aber in der westlichen Welt wächst Amerika schneller als jedes andere Land – in Europa schrumpfen wir – fast alle. Der religiöse Patriotismus und Nationalismus ist etwas, was sofort auffällt, wenn man nach Amerika kommt. Überall weht die amerikanische Flagge – vielleicht darf ich mal sehen: Wer von Ihnen war schon einmal in Amerika? Darf ich mal die Hände sehen? Okay, dass sieht aus, dass es 37% sind. Ganz grob geschätzt ‑lachen- 37,5%. Man sieht also die amerikanische Fahne überall – bei jedem Anlass wird die Nationalhymne gesungen. Wenn man hier in Deutschland oder Europa zum Beispiel sagt: »Halte die Umwelt sauber.« – Dann wird dieser Slogan in Amerika garantiert heißen: »Haltet Amerika sauber!«
Der Fahneneid / Bildung in Amerika
Ja, genau, Fahneneid. Jeder Schüler in Amerika, ob er zu einer staatlichen oder privaten Schule geht, ob er in eine kirchliche oder sonst wie geartete Schule geht, muss jeden Morgen vor der Fahne einen Fahneneid aufsagen. Also ich meine, dass die kleinen Kinder, den Unterschied zwischen einem Fahneneid und einem Gebet nicht kennen. Ich glaube, dass viele den Eindruck haben, dass sie die Fahne anbeten. Ja, die Fahne ist etwas ganz Heiliges. Sie darf nicht den Boden berühren, sonst muss sie verbrannt werden. Ja, sie muss auf eine ganz bestimmte Art und Weise gefaltet werden – entsorgt werden. Es wird also ein riesen Thema aus der Nation, die Hymnen, die Fahne und allem, was damit zusammenhängt gemacht. Das fällt auf – und das fällt natürlich besonders jemandem auf, der aus Deutschland kommt, zumal da der Nationalismus übertrieben wurde.. ja, wir sind da sensibilisiert worden. Ich bin in der Zeit der De-Nazifizierung Deutschlands aufgewachsen und zur Schule gegangen. Ja, wir sind da besonders feinfühlig. Wenn wir sagen, dass wir die Herrenmenschen sind, wir sind die Größten, dann werden die anderen automatisch minderwertig. Und ich blicke herab… Und in Amerika ist es so, dass viele der Meinung sind, dass alles, was außerhalb Amerikas lebt, auf den Bäumen lebt. Also, das ist nur leicht polemisch gesagt. Allerdings ist ein Wahrheitsgehalt dahinter verborgen.
Wenn man das jetzt mit der Unwissenheit über den Rest der Welt und der Vergangenheit kombiniert … also in den Lehrplänen der Schulen gehörte Weltgeschichte und Weltgeografie nicht zu den Pflichtfächern. Deshalb kommt es immer wieder vor, dass sogar ein Präsident den Unterschied zwischen Österreich und Australien nicht kennt. Vor kurzem war ich in einem Gottesdienst, da hat der Pastor uns allen Ernstes erklären wollen, dass die Schweiz eine Walfangflotte hat.
Ich habe ihm hinterher gesagt: »War das nicht vielleicht Schweden oder so? Aber die Schweiz mit einer Walfangflotte?« Ja… Also, wenn man nicht weiß, wer da draußen noch so lebt… und woher wir kommen… dann fällt es schwer, die eigene kulturelle und zivilisatorische Rolle richtig einzuordnen … und da haben die Amerikaner Probleme. Ja, sie fühlen sich als Beglücker der Welt. Gottes Gabe an die Menschheit, weil sie die einzigen sind, die lesen und schreiben können – also etwas polemisch. Ja, aber ich versuche, diese Gesellschaft zu beschreiben. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich habe viele wirklich hochgebildete Leute getroffen… die gibt es natürlich auch. Ja, nicht umsonst gewinnen meistens die Amerikaner die Nobelpreise. Ja, ich hatte viele gute Freunde, die an den Universitäten unterrichten, gerade im Südosten von Michigan, wo ich lebe. Die sind natürlich auch erschüttert über das, was im Moment in der amerikanischen Politik vor sich geht. Aber es gibt eine große Bevölkerungsgruppe, die wirklich sehr ignorant ist.
Das Fernsehen
Dann kommt das Fernsehen dazu: Das Fernsehen, das hängt an sich ein wenig mit dem System zusammen, mit der Fernbedienung – mit der großen Auswahl an Kanälen – da wird immer gleich weitergeschaltet, bis sich innerhalb von ein paar Sekunden irgendein emotionaler Kick kommt. Eine Sensation… und was wird am liebsten geguckt? Die Tötung eines Menschen in irgendeiner Form. Ja, es werden gut und gerne pro Abend 100 Leute im Fernsehen umgebracht. Die Patriotismuspropaganda geht über das Fernsehen… Ja, also das Thema – Trend – nirgendwo in der Welt kann sich ein Trend so schnell durchsetzen wie in Amerika. Das hat einerseits mit der Offenheit und der Flexibilität zu tun, anderseits auch mit der in der Masse der Bevölkerung geringen Bildung und unkritischen Art – nicht zu vergleichen, hinterfragen und überprüfen. Das Thema Macht und Gewalt: Die Amerikaner sind geradezu in das Thema Macht verliebt … und Gewalt. Das Fernsehen transportiert eben einen Großteil dieser Gewalt… und das wird ein immer wiederkehrendes Thema in meinen drei Vorträgen sein: Macht… Gewalt… und dann die Kombination mit Religion. Vielleicht erinnern Sie sich noch an einen kleinen Zwischenfall mit Janet Jackson in einer Live-Originalübertragung (es war ein Footballspiel, das Endspiel der amerikanischen Footballmeisterschaft). Da gab’s eine Gesangseinlage und im Rahmen dieser Gesangseinlage, die von 10 Millionen Menschen original geguckt wurde, hat sie einen ihrer Brüste entblößt. Wahrscheinlich wollte sie ihre Karriere wieder etwas aufmöbeln… Vielleicht wollte sie Gesprächsstoff schaffen… dadurch, dass sie schockiert – wie dem auch sei: für ein paar Sekunden konnte Amerika die Brust dieser Frau sehen. Okay, über guten Geschmack kann man sich streiten. Nur die Reaktion war interessant: Wochenlang danach haben die Moderatorinnen und Talkshowmaster im Fernsehen sich moralisch über die Verdorbenheit von Janet Jackson und dem Fernsehen an sich entrüstet … ja das ging wirklich so – jeden Abend dasselbe Thema – wieder hat man sich darüber entrüstet und entrüstet… aber nicht ein einziger hat während dieser ganzen Zeit hat die moralische Verwerflichkeit der Tötung von rund 100 Menschen pro Abend im Fernsehen gesprochen. Das heißt: Menschen umringt ist okay – aber eine weibliche Brust einmal für ein paar Sekunden – das ist etwas ganz, ganz Schlimmes. Interessant, wie hier die Verhältnisse verschoben werden.
Christen in Amerika
Religion in Amerika – ja ich hab das hier auf Englisch… [Folien] aber ich denke, das können Sie auch so verstehen… Wir haben circa 22 % traditioneller Protestanten, also das sind Presbyterianer, da sind Lutheraner usw. Dann haben wir die Evangelikalen – da haben wir 26 % davon, die werde ich nachher noch etwas genauer definieren, wer das ist. 22 % sind katholisch und 30 % bezeichnen sich als sonstiges. Ein paar Worte zur Entwicklung des amerikanischen Christentums, denn das amerikanische Christentum in Amerika hat sich anders entwickelt als in Europa. Das muss man wissen, wenn man über gewisse religiös-politische Entwicklungen spricht.
Wir haben einen ergebnisorientierten Calvinismus. Also, das ist ganz interessant: Wenn wir, sagen wir mal, im mitteleuropäischen Protestantismus umsehen, der sehr, sehr stark vom Luthertum geprägt ist. Wenn wir nur einmal das Beispiel der Arbeitsethik nehmen: Für den lutheranisch prägten Deutschen ist die Arbeit an sich eine Form von Gottesdienst, das heißt, der Gläubige, fühlte sich in seiner Verantwortung gegenüber Gott und wird deshalb gewissenhaft und gut arbeiten. Das Ergebnis seiner Arbeit ist weniger wichtig als die Ausführung – die Qualität seiner Arbeit. Nun weiß ich natürlich, dass es in Deutschland heutzutage wenige praktizierende bewusste Christen gibt, aber wir haben es mit einem gewissen christlichen Kulturkondensat zu tun. Wo diese Denkweise – diese typisch deutschen Tugenden – Pünktlichkeit und Fleiß usw., irgendwann ist dies religiös entstanden… da kommt natürlich Preußen mit rein mit dem Pflichtbewusstsein usw. aber was mir wichtig ist an dieser Stelle, die Ausführung der Arbeit selbst ist das Entscheidende – das Ergebnis kommt von alleine. Im Calvinismus ist es genau andersherum. Der Calvinist – und das kann mir eigentlich aus der Schweiz und dann über England nach Amerika – im Calvinismus, und das ist die dominante christliche Form in Amerika, ist das Ergebnis wichtiger als die Arbeit selbst. Also wie der große Vorsitzende Kohl meinte – und er meinte das sicherlich nicht verdauungstechnisch – “Wichtig ist das, was hinten herauskommt!”.
Ja, das ist typisch calvinistisch. Denn… das kommt von dieser Prädestinationsvorstellung: der Vorstellung, Gott hat von Anfang an festgelegt, wer gerettet wird oder nicht. Das ist die Vorstellung der Calvinisten. Ja, und: Er segnete den. Der gerettet wird. Das heißt, es ist eine Dynamik in Amerika vorhanden, zu beweisen: Ich bin von Gott angenommen, ich gehöre zum Geretteten… und das beweise ich indem ich ein großes Auto fahre, ein großes Haus habe, viel Geld verdiene, erfolgreich bin in materialistischen Sinne. Das Ergebnis ist wichtiger, als die Arbeit selbst. Interessanter Gegensatz – Da könnte man noch länger drüber reden…
Die Trennung von Staat und Kirche
Die Trennung von Staat und Kirche. Ganz wichtiges Element. Die Gründerväter Amerikas sind ja eigentlich weggelaufen von der Unterdrückung, der politischen und der kirchlichen-religiösen Unterdrückung in Europa, die gehörten alle irgendeiner religiösen Minderheit ein und haben gesagt: »Wir wollen niemals so ein System wie in Europa. Wir wollen keine Verfolgung und deshalb bauen wir diese Mauer in die Verfassung ein, diese Mauer von Trennung von Staat und Kirche. Der eine darf den andern niemals reinreden.«
Ja, eine Ansicht nach so ziemlich das Beste, was es in der amerikanischen Verfassung gibt, denn dadurch war eine freie Entwicklung von Erzeugung, von Glauben, möglich. Individualismus und starkes Laientum: Gut, wir befinden uns hier im Raum einer gemeinschaftschristlichen Kirche, aber für diejenigen, die aus den großen Kirchen kommen: Sie kennen vielleicht das nicht… aber die typisch amerikanische Kirche, wird getragen von aktiven Laienmitgliedern. Ja, das ist nicht zu einer Pastoren- oder Priesterkirche, wo dann unten nur das Fußvolk ist und zuhört, aber hier oben werden die Entscheidungen getroffen. Sondern, nein, es ist relativ demokratisch – basisdemokratisch. Dadurch kommt sehr viel Dynamik und Leben in eine Gemeinde rein. Auch die Steuergesetze – dass es immer etwas gibt, an dem ich mich hochziehen kann. Wenn ich mit meinen deutschen Unternehmen etwas spenden will, dann darf ich nach den Steuergesetzen in Deutschland bis zu 10 % meines Gewinns spenden. Gleich hohe Steuern auf meinen Gewinn zahlen muss, habe ich kein Interesse daran, einen hohen Gewinn zu versteuern. Also ist das hier immer relativ wenig, was man spenden kann. Im Gegensatz dazu kann man in Amerika bis zu 50 % – bei den meisten Gesellschaften und Rechtsform – bis zu 50 % des Umsatzes spenden. Das ist ein riesiger Unterschied! Bis zu 50 % vom Umsatz! Und bei uns in Deutschland bis zu 10 % vom Gewinn… Dadurch kann man natürlich viel mehr machen… Es sind viel größere Summen da, um Gebäude zu bauen… Kirchen, Schulen, Universitäten, Krankenhäuser, Verlage, Fernsehgesellschaften… was auch immer…
Bei uns wird viel von dem, was in Amerika sich über Kirchen abspielt, also soziale Programme, vom Staat gemacht. Es ist hier eine gewisse Entmündigung, die wir hier haben – wir delegieren es an den Staat – staatliche Organe. Ob es die Hilfe für Arme ist oder für Kranke – was auch immer: In Amerika ist es viel stärker die Initiative der Bürger – von unten her … freie Initiativen…
Denominationen in Amerika
94 % der Amerikaner glauben an Gott. Das ist ein sehr hoher Prozentsatz. Die kirchliche Landschaft: Es gibt 2150 verschiedene Kirchen. Damit meine ich Denominationen, wie katholisch oder evangelisch und adventistisch – das sind drei. Die haben 2150 verschiedene Kirchen! 40 % bis 46 % beanspruchen, wiedergeboren zu sein. Das schwankt je nach Tagesereignissen. Ja, also wenn man 40 % nimmt, das sind 120 Millionen Menschen – das sind enorme Zahlen. Das kann man sich gar nicht vorstellen. So…
Wer sind die Evangelikalen? Darüber müssen wir uns zunächst unterhalten.
Also, es sind insgesamt über 300 verschiedene Denominationen oder Kirchen – kirchliche Organisationen, die dazu gerechnet werden können… und es sind 125.000 Ortsgemeinden. Das es also schon eine ganze Menge Holz, wenn man sich das überlegt. Diese 300 Denominationen bestehen aus 60 Baptistengemeinden und 240 Pfingst- und charismatischen Gemeinden. Man merkt schon vier, wie die Gewichte unterschiedlich sind. Die größte protestantische Kirche in Amerika sind die Southern-Baptists, also die südlichen Baptisten, sie haben ihn nach Zählweise zwischen 11 und 16 Millionen Gemeindemitglieder. Die übrigens dezentralen und autonom als Ortsgemeinde sind. Interessant ist, dass die Baptisten, im Moment einen ziemlich starken Mitgliederschwund haben. Etwa 300.000 bis 350.000 Baptisten verlassen die Gemeinden fast jedes Jahr. Wohin gehen die? Ideen in den meisten Fällen zu den Pfingstlern und Charismatikern. Und weil man diesen Strom, diesen Aderlass, stoppen will, haben die Baptisten in Amerika mehr und mehr damit begonnen, eine pfingstlerisch-charismatische Form des Gottesdienstes zu übernehmen… um die Leute zu halten.
Pfingstler und Charismatiker
Was ist der Unterschied zwischen den Pfingstlern und Charismatikern? Das ist etwas, was man wissen muss. Die Pfingstler sind vor 101 Jahren entstanden – an der Westküste 1906. Eher eine normale Kirche, oder es sind ja mehrere Kirchen inzwischen, die Zungenrede, also die ekstatische Form der Sprache, der Rede, die also nicht verständlich ist und die übernatürlichen Ursprungs sein soll… ist das Hauptkennzeichen der Pfingstler. Sie halten es, wenn es das erste Mal auftritt, für ein Merkmal der Wiedergeburt und als Voraussetzung für die Erlösung. Die Charismatiker sind sehr viel jünger. Sie sind erst in den sechziger, siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts entstanden und war dadurch, dass eigentlich in allen christlichen Kirchen – fast allen christlichen Kirchen – jemand auf einmal so ein ekstatisches Phänomen erlebte oder in Zungen reden anfing zu sprechen und einen charismatischen, ekstatischen Glaubensstil praktizierte. Häufig sind diese Leute rausgegangen in andere Gemeinden – manchmal bleiben sie drinnen in ihren eigenen Gemeinden – und die haben wir ein Problem, dass sie leicht doppelt gezählt werden… weil sie offiziell noch in ihrer traditionellen Gemeinde sind… das kann eine katholische sein, das kann eine evangelische sein… was auch immer… aber tatsächlich gehen sie woanders zum Gottesdienst, wo man sich als Charismatiker trifft und versteht.
Megakirchen
Das Megakirchen Phänomen: Ich habe gehört, aber ich habe diese Zahl noch nicht prüfen können, dass jeden zweiten Tag in Amerika eine neue Megakirche steht. Ich halte die Zahl für etwas zu hoch, aber es ist ein interessantes Phänomen. Eine Megakirche, ist eine evangelikale Kirche, in der mindestens 2000 Leute zum Gottesdienst zusammenkommen. Ja, das, was geboten wird, da gibt es sehr große Unterschiede. (Jemand reicht dem Sprecher ein Glas Wasser. Dieser: »Oh, vielen Dank! Erwähnte ich, da sich kein Alkohol trinke? Ich trinke auf Ihr Wohl!«) es ist nicht ganz leicht, diese Megakirchen zu beschreiben. Manche sind relativ bibelorientiert, andere sind so leicht charismatisch und wieder andere haben einen esoterischen New-Age-Touch. Es geht insgesamt mehr um die trendenabhängigen Bedürfnisse des Menschen – das steht mehr im Mittelpunkt – als das Wort Gottes und die Verkündigung des Evangeliums. Ja, also ist es mehr so ein Christentum “light”. Ja, würde ich sagen. Ja, mit vielen Freizeitangeboten und Vorträgen, über wie man sein Geld richtig investiert, wie man seine Kinder erzählt, und so weiter. Es gibt also inzwischen 8 bis 12 Millionen Mitglieder… und ich glaube, diese Zahl ist überholt: Sie ist inzwischen höher… Menschen, die zu dieser Form von Gottesdienst gehört. Ja, zum Teil haben sie wunderschöne große moderne Gebäude.
Evangelikale – in Zahlen
So, ein paar Zahlen: Es gibt in etwa 98 Millionen Evangelikale – die Zahl ist, wie gesagt, sehr schwer zu zählen, weil einige sind denn noch da und parallel da und lassen sich so einfach nicht zählen. Also nach der Washington Post, eine der Zeitungen, die ich am meisten schätze, sind es 98 Millionen. Davon 33 Millionen Baptisten, 20 Millionen Pfingstler und 45 Millionen Charismatiker. – 45 Millionen Charismatiker, das ist also eine riesen Zahl. Und der Trend geht weiter in diese Richtung. Er übrigens 33 Millionen Baptisten – weltweit gibt es 45 Millionen Baptisten, also außerhalb Amerikas gibt es nur 10 Millionen weitere Baptisten. Die Baptisten sind also eine sehr starke amerikanische Kirche. Ja… 50 bis 70 Millionen, also etwa 2/3 der Evangelikalen, werden auch als Fundamentalisten bezeichnet. Nicht alle Evangelikalen sind Fundamentalisten und ich alle Fundamentalisten sind Evangelikale. Das soll sich auch noch erwähnen. Beim [unverständlich] gehören auch noch Mitglieder anderer Kirchen dazu. Ich weiß, es ist etwas verwirrend, dieses Thema. Es gibt dazu Wanderungsbewegungen und Schwankungen. Ich erwähnte die Wanderungsbewegung: wie es von den Baptisten geht – zu den Pfingstlern und Charismatikern. Und die Schwankungen hängen damit zusammen: Also, wenn eine Katastrophe in Amerika passiert, dann macht die amerikanische Gesellschaft immer einen Rechtsruck. Mehr in das Lager der Fundamentalisten hinein… also nach dem 11. September haben 46 % der Amerikaner gesagt, dass sie wiedergeboren sind. Heute, wenn wir heute eine Umfrage machen würden, dann läge diese Zahl wahrscheinlich bei 42%. Das ist die letzte Zahl, etliche Meinungsumfragen gesehen habe. Also hier sind Wanderungsbewegungen und Schwankungen. Also die Kirchenlandschaft dynamischer als bei uns – hier ist es statischer.
Was ist ein Evangelikaler?
Was ist ein Evangelikaler? Ja, man muss das mal definieren:
Der Evangelikale betont die Erlöserrolle Christi. Verstehen Sie mich nicht falsch – das was ich sage … Es nicht alles verkehrt (lächeln): Die geistliche Wiedergeburt – die innere Wende, die vom Heiligen Geist gewirkt wird, die Autorität der Bibel, ein missionarischer Drang – Seelengewinnung, das Evangelium verbreiten – an andere weitergeben… ja, eine theologische Verschwommenheit… das ist ganz interessant… man kann sehen, wie das theologische Fundament der Evangelikalen im Laufe der Zeit immer schmaler wird… immer kleiner wird – warum? Weil man sich nur so auch mit anderen einigen und politisch eine gemeinsame Macht darstellen kann. Deshalb werden auch nur einige wenige Punkte betont, und alles andere – das, was man dann nicht so genau oder man redet nicht so ausführlich darüber… das ist eine gewisse theologische Einengung und Verschwommenheit… ein Emotionalismus, also weniger nüchtern als wir es in Europa im Gottesdienst kennen… Emotionalität bis hin zur Ekstase – bis zur Ohnmacht.
Sonntagsheiligung – auch ein ganz wichtiger Punkt für den evangelikalen Glauben.
Was ist ein Fundamentalist?
Was ist dagegen jetzt ein Fundamentalist? Wir sagten, 2/3 der Evangelikalen sind Fundamentalisten! Also zunächst mal ist es eine radikale Reform des evangelikalen Glaubens. Historisch gesehen ist der Fundamentalismus als Reaktion auf Darwin und die Evolutionstheorie entstanden und auf die moderne Theologie und die Ökumene. Ursprünglich ging es darum, dass jemand an alle Geistlichen Amerikas einen Brief geschickt hat und sie aufgefordert hat, sich zu den fundamentalen Lehren des Christentums zu bekennen. Und dies wurde dann in Buchform gekleidet und aus dieser Geschichte heraus ist der Name Fundamentalisten entstanden. Die Fundamentalisten glauben an die Verbalinspiration der Bibel, das heißt, sie glauben nicht, dass Gott lediglich den Menschen, den Propheten, den Schreiber eines biblischen Buches beeinflusst hat und der dann in seinen eigenen Stil, in seiner eigenen Sprache, etwas aufgeschrieben hat, sondern das Gott jedes Wort buchstäblich diktiert hat. Da gibt’s natürlich auch Kuriositäten: dass meinen einige, dass Gott das Ganze in King James-Englisch diktiert hat. Ja, Helligkeit dem einzelnen englischen Wort zugeschrieben. … das einzelne Wort ist buchstäblich so von Gott diktiert worden… … Das ist typisch für den Fundamentalisten und eine wörtliche Auslegung der Bibel: Wir wissen, dass es in gewissen Büchern – etwa die poetischen Bücher der Bibel oder den prophetischen Bücher der Bibel – da bedient sich der Schreiber, der von Gott inspirierte Schreiber, auch gerne einer Symbolsprache. Die Bibel selbst weist darauf hin, welches Symbol wie auszulegen ist … in einer Reihe von Fällen. Wir werden, wenn es Sie interessiert, morgen Nachmittag ausführlicher darüber sprechen. Aber bei den Fundamentalisten ist eine Neigung da, jeden Satz, jede Aussage wörtlich auszulegen. Es ist ein Anti-Intellektualismus, eine Bildungsfeindlichkeit, typisch für die Fundamentalisten. Ferner: Ja, der Fundamentalismus ist absolut und auf Konfrontation angelegt. Ich erinnere mich noch an mein letztes Gespräch mit einem Fundamentalisten in Amerika, ich glaube, nach ein paar Heftpflaster… Also dass es schon sehr *Brumm*… Dampfwalze…
Scofield- und Dake-Bibel
Abhängigkeit vom Scofield- und Dake-Bibel… Ich weiß nicht, ob jemand von Ihnen schon von der Scofield-Bibel oder Dake-Bible gehört hat… Scofield, die Lieblingsbibel Baptisten in Amerika, Dake-Bibel, die Lieblingsbibel der Charismatiker und Pfingstler. Das sind eigentlich King James Übersetzungen, also was bei uns im traditionellen konservativen Bereich die alte Luther-Übersetzung ist, dass es dann für diese die King James Übersetzungen… die wird jetzt mit Kommentaren versehen von diesen beiden Verfassern.
Die religiöse Rechte
Was ist jetzt die religiöse Rechte? Die religiöse Rechte ist mehr als die Fundamentalisten, aber es gehört zunächst einmal die Fundamentalisten dazu. Dazu gehören aber auch die konservativen Katholiken… dazugehören andere konservative Kreise… anderer protestantischer Gemeinden und Kirchen … und es gehört überraschenderweise auch die Mormonen und die Vereinigungskirche dazu… Schon mal von der Vereinigungskirche gehört? Unification Church? Von Reverend Moon, einem Koriander? Den Moonies?
Die gehören auch mit dazu – enge Freunde von der Bush Familie übrigens…
Was ist der einende Faktor? Was bringt sie alle zusammen? Die sogenannten Familienwerte, also: pro Ehe, gegen Abtreibung, gegen Homosexuelle, Sexualität und solche Dingen. Kampf gegen den weltlichen Humanismus: Darin hat man den Feind ausgemacht. Den hat man zum Feind erklärt… man braucht einen Feind, um sich zu einen und das ist jetzt der Humanismus und Liberalismus… und man versucht jetzt ihn in einer “vorwärts Verteidigung” anzugreifen… sozusagen… Das Ganze ging Mitte der Siebzigerjahre los… also: Das ist schon 30 Jahre alt, worüber wir hier sprechen. Wer sind die Initiatoren der religiösen Rechte?
Initiatoren
Es sind … ein Mann namens Paul Weyrich – ich weiß nicht, ob er darauf stolz sein sollte, dass er ein Deutschstämmiger ist – ich gleich darauf ein – Jerry Falwell, Pat Robertson, Tim LaHaye. Das ist das Kleeblatt der wichtigsten religiösen Politikakteure in Amerika der letzten 30 Jahren…

Im Einzelnen: Paul Weyrich [links] – katholisch, hat einen journalistischen Hintergrund, gilt in den konservativen Kreisen Amerikas als der einflussreichste Politiker. Er ist der Mann, der die Strippen zieht hinter den Kulissen… es der Mann, der die einflussreichen Organisationen ins Leben gerufen hat… es versteht, die großen Geldquellen anzuzapfen und Politik zu machen.

Jerry Falwell [rechts] – ursprünglich ein Baptistenprediger, der dann aber sehr stark in das Charismatische hineingegangen ist… ein Fernsehprediger, vor allem bekannt durch seine Fernsehsendungen … und der Mann hat eine Gefolgschaft von einigen zig Millionen Fernsehgläubigen und dadurch ist er sehr mächtig, sehr einflussreich. Ich werde sie nachher durch einige Aussagen näher vorstellen…

Und da es schließlich Pat Robertson, [rechts] wahrscheinlich der schillerndste Vogel von allen; Sohn eines Senators aus Virginia, er wollte 1988 zunächst einmal Präsidentschaftskandidat werden – der Republikaner… hat er aber nicht geschafft, sie haben ihn nicht aufgestellt, weil er seiner Rolle im Koreakrieg maßlos übertrieben hat. Da hat er sich als Held und Frontkämpfer dargestellt, in Wirklichkeit hat er nur dafür gesorgt, dass die amerikanischen Offiziere in ihren Kasernen in Japan in den Bars genügend Alkohol hatten – das war seine Aufgabe, also … das hat man ihm wohl übel genommen… und er wurde kein Präsidentschaftskandidat… hat dann aber – angestoßen von Paul Weyrich – eine religiös-politische Organisation ins Leben gerufen. Die Christian Coalition – vielleicht schon mal gehört? Eine Basis politische Bewegung, in der sich auf die 125.000 evangelikalen Kirchen gestützt hat und Leute ausgebildet hat für die politische Agitation… ich geh gleich darauf noch ein bisschen ein…

Und dann: Tim LaHaye… [rechts] Wer von ihnen hat schon einmal den Namen Tim LaHaye gehört? Es sind einige, ja… etwa 7,8% – schätze ich mal… Tim LaHaye – nach Meinungsumfragen unter Evangelikalen gilt dieser Mann als der einflussreichste Christ Amerikas der letzten 25 Jahre. Nummer zwei übrigens George Bush… Nummer drei: Billy Graham. Warum Tim LaHaye? Tim LaHaye ist ein Theologe, Pastor und Politaktivist, aber vor allen ist der deshalb so einflussreich, weil er Romane geschrieben hat… Er hat in den letzten 11 Jahren 19 Romane geschrieben über das Ende der Welt… Er behauptet, dass er sich auf die Offenbarung des Johannes in der Bibel stützt, aber nach der Ansicht vieler Experten und auch nach meiner Ansicht hat das wenig mit der Bibel zu tun, was er beschreibt in diesen Büchern. Nur war man heute – und diese Bücher sind heute insgesamt 80 Millionen verkauft worden – davon träumt so ein kleiner Autor… 1% davon würde mir schon reichen! 80 Millionen! Das heißt, wenn man heute einen Durchschnittsamerikaner – um besonders ein Evangelikalen oder ein Fundamentalisten – in Amerika fragt: Wie sieht die Zukunft aus? Wie wird die Welt zu Ende gehen? – dann wird er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Tim LaHaye und seine Ideen zitieren und nicht das, was in der Bibel stellt… und das ist natürlich besorgniserregend, und es Leute, die darauf hinweisen, dass mehr und mehr diese Romanideen in der Politik Amerikas wieder auftauchen. George Bush – in den politischen Entscheidungen, in bestimmten Formulierungen, er gibt gewisse Signale an seine evangelikale Wählerschaft… Sie verstehen genau, was er meint… und dass er einer von ihnen ist… weil er Formulierungen, Konzepte, Vorstellungen aus Tim LaHayes Science-Fiction-Roman benutzt… denn anders kann man sie nicht bezeichnen. Okay…
Also Jerry Falwell, eine dieser … Pat Robertson, das habe ich vorhin kann ich gesagt, ist natürlich vor allem Fernsehprediger… auch er hat wie Falwell eine Gefolgschaft von einigen zig Millionen, die an seinen Lippen hängen und seine Werte übernehmen… und seine Aufforderung in Taten umsetzen. Wie sieht das aus? Also wenn Pat Robertson oder Jerry Falwell in seiner Fernsehsendung sagte: also mit dieser Entscheidung des Präsidenten sind wir nicht einverstanden und bitte schickt doch alle mal einen Brief an das Weiße Haus… dann fährt dort ein Lastwagen vor – mehrere LKWs vor dem Weißen Haus, und es werden tonnenweise Briefe abgeladen… und dann knickt der Präsident der vereinigten Staaten ein, weil eine so große Macht, eine Meinungsmacht dort draußen, seine Politik kritisiert… und so wird Politik gemacht – in Amerika heute… also ein schönes Zitat von Jerry Falwell – das hat er zwei Tage nach dem Terroranschlag vom 11. September gesagt: »Die Abtreibungsbefürworter tragen einen Teil der Schuld dafür ( also für diese Katastrophe), dein Gott lässt seiner nicht spotten! Und wenn wir 40 Millionen Babys vernichten verärgern wir Gott… ich glaube wirklich, dass die Heiden und Abtreibungsbefürworter und die Feministinnen und die Schwulen und die Lesben, die aktiv daran arbeiten, dies zu einem alternativen Lebensstil zu machen, die ACU ( also eine Bürgerrechtsbewegung), die People for American Way ( auch eine Bürgerrechtsbewegung)- alle jene, die versucht haben Amerika zur säkularisieren – ich zeige mit dem Finger in ihr Gesicht – und sage: Ihr habt dazu beigetragen, dass dies geschehen ist!«
Und übrigens: Pat Robertson, der andere Fernsehpredigergigant war zugeschaltet und hat ihm zugestimmt… ausdrücklich… das heißt, wenn wir das mal überlegen – analysieren wir mal das mal kurz, was hier gesagt wird… er sagt doch zwei Dinge, die besonders schockierend sind. Erstens: er schiebt eine grausame Katastrophe Gott in die Schuhe… es sieht es als eine Strafe Gottes… – was sie schon für höchst bedenklich halte… und zweitens: Ist das ein Ansatz zur Volksverhetzung. Das heißt, er ruft seine Landsleute dazu auf weniger tolerant zu sein… er versucht einen Sündenbock zu finden… für das Unglück, das Amerika ereilt. Das halte ich für gefährlich – höchst bedenklich.
Pat Robertson zum Thema Toleranz – sollte man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Er sagte hier 1991: »Es heißt, dass man nett sein soll zu den Episkopaten und zu den Presbyterianer und zu den Methodisten und diesen und jenen… Unsinn! Ich muss doch nicht nett sein zum Geist des Antichristen!« Ja, da kann man sehr schnell diese Liste erweitern… das heißt hier ist das Gegenteil der sprichwörtlichen amerikanischen Toleranz und Offenheit zu sehen. Ich glaube, es war ein Amerikaner, der gesagt hat: »Ich hasse, was du glaubst und sagst, aber ich würde meinen rechten Arm dafür geben, dass du das sagen darfst…« – Verstehen Sie das? Das ist die Toleranz, die Amerika gemacht hat… Die wir Europäer – ich in jedem Fall – an Amerika immer so bewundert haben. Freiheit und Toleranz definieren sich nicht an der Art und Weise, wie ich mit der Mehrheit umgehe, sondern daran, wie ich mit dem umgehe, der eine andere Meinung vertritt als ich. Da zeigt sich Toleranz! Aber hier sehen wir, wie diese Werte über Bord geworfen werden und zig Millionen Menschen dieser Denkweise nachfolgen.
Der Mythos des faschistischen Superhelden
Ich habe mich in einem Hauptteil – es gibt sechs Hauptteile in meinem Buch – mit dem Volksglauben der Amerikaner beschäftigt. Denn meine These ist, was in den Textbüchern der theologischen Fakultäten und Universitäten steht ist eine Sache – auch was von der Kanzel gepredigt wird, ist eine Sache, aber eine ganz andere Sache ist, was in den Köpfen der Menschen wirklich vorhanden ist, wenn es um Glauben geht. Was glauben die Menschen wirklich? Und wenn wir über den Volksglauben in Amerika sprechen, dann müssen wir zunächst einmal über den Mythos des faschistischen Superhelden sprechen:
Ja, allein über dieses Thema würde ich gerne ausführlicher reden… Sie alle kennen die Superman-Geschichten, nicht? Superman, Batman, Spiderman, Captain Amerika, … wer ist da noch? Das sind ja diese Comichefte… Wann sind diese entstanden? 1929 ist Superman erfunden worden.… 1929 war diese große Wirtschaftskrise… das heißt, die Menschen sehen sich nach einer Lösung ihrer existenziellen Probleme… und da kam das […]. Superman! Kam irgendwo von oben… mit übernatürlicher Kraft… mit einem absolut moralischen Charakter… und das Böse, das irgendwo ausgebrochen ist, dass die Einrichtung dieser Kleinstadt, meistens im Mittleren Westen, nicht alleine lösen konnte, das hat er alleine gelöst. Das heißt, es war eine, ja, säkulare weltliche Variante des Erlösungsplanes… nur mit dem Unterschied – das Original Jesus Christus, arbeitet mit Liebe, mit Respekt vor der freien Entscheidung des einzelnen – »Siehe, er steht vor der Tür und klopfe an und wer mich einlässt, zu dem kehre ich ein…« – das heißt nicht, »… und wer nicht aufmacht, dem trete sie ein – weil es ja zu seinem Wohle ist, dass ich rein!« – Das hat Jesus ja nie gesagt, nicht? Ja, aber was macht der faschistische Superheld? Während Jesus das Problem der Sünde durch Selbstaufopferung löst… löst der faschistische Superheld das Problem durch Macht und Gewalt. Er prügelt, er schießt, er katapultiert in den Weltraum… interessant, nicht? Dieser Gedanke setzt sich fort, in den sogenannten “amerikanischen Actionfilmen”. Ja, aber ob es jetzt die Sheriff-Filme sind mit John Wayne, oder ob es Rambo ist mit Sylvester Stallone, oder Steven Seagal oder wie sie alle heißen mögen… da ist immer: Die Macht in der Hand des Einzelnen vermag mehr, als demokratisch gewählte Einrichtungen, also Polizei, Gericht, Parlamente und so weiter. Das ist ein faschistisches Modell… ganz interessant…
Oh, da muss ich Ihnen eine sehr schöne Geschichte erzählen – wie tief diese Vorstellungen in den Köpfen der Amerikaner sind: – Haben wir die Zeit? Haben wir! Kurz nachdem George Bush mit seinem Kernteam in den Kreuzzug gegen das Böse ausgerufen hatte, brachte der Spiegel – ich glaube im Februar 2002 – vielleicht erinnern einige von ihnen das noch… da brachte der Spiegel eine Coverstory – wie sagt man? Eine Titelgeschichte! … und sie zeigte George Bush im Körper von Sylvester Stallone, Rambo, also mit dem Stirnband, mit den Muskeln, Maschinenpistole [sic, Maschinengewehr] in der Hand, Munitionsgürtel über die Schultern – und das ganze Team war bei ihm: Dick Cheney war da und da Rumsfeld war da, Condoleezza Rice und der Colin Powell war noch mit dabei damals… sie waren alle als diese Comicfiguren – diese Actionheroes – dargestellt… der Rumsfeld, als Conan der Barbar – mit einem bluttriefend Schwert. Und die Condoleezza Rice als Xenia [sic?, eigentlich: Valeria aus Conan der Barbar] – jedenfalls, das war ein tolles Bild!

Von links nach rechts: Bat Man (Colin Powell, Außenminister), Conan the Warrior (Donald Rumsfeld, Verteidigungsminister), Rambo! (George W. Bush, Präsident), Mr. Halliburton (Richard B. Cheney, Vizepräsident), Valeria of the Red Brotherhood (Condoleezza Rice, Sicherheitsberaterin)
Es war wirklich gut gemacht! Ein paar Tage nachdem der Spiegel herauskam, meldete sich der amerikanische Botschafter in Deutschland, er rief im Redaktionsbüro an. Und alle dachten: »Oh, jetzt gibt’s Prügel… Jetzt kriegen wir richtig was auf’s Dach wegen Verunglimpfung eines Staatsoberhauptes oder so…« – weit gefehlt! Der amerikanische Botschafter sagte: »Der amerikanische Präsident fühlt sich geschmeichelt und er möchte doch bitte 33 Exemplare in Postergröße von diesem Titel mit nach Amerika nehmen, denn alle, die dort abgebildet sind, würden sich das gerne ins Büro hängen!« Ja, also… die sehen sich tatsächlich als diese faschistischen Superhelden… das ist bedenklich! Das ist bedenklich…
Die geheime Entrückung
Ach ja, die geheime Entrückung: Schon von der geheimen Entrückung gehört? Ja, in fundamentalistischen Kreisen ist das Konzept der geheimen Entrückung sehr populär… also, nicht die Wiederkunft Christi, so wie’s im Neuen Testament steht, sondern dass auf einmal die Gläubigen, während das Leben hier weitergeht – keiner denkt etwas Böses – (*Schwup*) – werden die Gläubigen in die Luft aufgenommen und, ja, man malt das immer gerne sehr fantasievoll aus, indem man sich vorstellt, dass vielleicht ein Pilot von einem Jumbo gläubig war und dann wird er so kurz vor der Landung entrückt… und das Flugzeug stürzt dann ab… schon in den Siebzigerjahren – das hat ja der… – wie hieß er? – der Herr Lindsay… “The Late Great Planet Earth” – falls jemand den Titel noch kennt… 70 Millionen Mal verkauft – das eine Buch! In den Siebzigerjahren, als ich das erste Mal in Amerika war, sah ich immer wieder Stoßstangenaufkleber, auf denen stand: »Wenn Sie dieses Fahrzeug fahrerlos auf der Autobahn sehen, dann bin ich gerade entrückt worden.« – das war nicht ironisch gemeint. Ja, das war nicht ironisch gemeint. Naja…
Einmal gerettet – immer gerettet
Was gehört noch dazu? Einmal gerettet – immer gerettet… Ein gefährlicher Glaube… Ja, das ist eine Vorstellung – diese absolute Heilsgewissheit… ich bin von Gott auserwählt – mir kann nichts mehr passieren… es hat jemand mal einen Roman geschrieben, der hat diesen Gedanken aufgegriffen, und er hat gesagt… Okay, also dieser Held in diesem Roman, der war dann der Meinung, dass er von Anfang an von Gott auserwählt war, für immer gerettet zu werden… und er konnte also tun was er wollte… das war seine Überzeugung, gestützt von vielen Pastoren in Amerika, und der ist dann zu einem Profi-Killer im Auftrag der Kirche geworden. – Ihm konnte ja nichts mehr passieren. Ja, das es ganz interessant… denn “der Zweck heiligt die Mittel” ist eng verwandt mit dieser Vorstellung. ” Ich kann alles tun, solange es zu einem guten Zweck dient.” – es führt vielleicht so weit an dieser Stelle, aber es gibt Leute, z. B., Kevin Phillips, ein Journalist von der Los Angeles Times, ehemals Mitarbeiter des Weißen Hauses unter Regan… wer will beobachtet haben, wie sich bei George Bush diese Vorstellung, die sich während seiner Präsidentschaft erst richtig einstellte, von einem normalen – er ist ja eigentlich Methodist – von einer methodistischen Vorstellung der Erlösung zu einer fundamentalistischen-evangelikalen Vorstellung wandelte, das bedeutete, dass er auf einmal keine Probleme mehr damit hatte, das amerikanische Volk zu belügen oder ein Krieg zu befehlen in dem viele unschuldige ums Leben kommen. Ja, aber das ist ein komplexes Thema… Aber das ist ganz interessant, denn es ist eine Konsequenzen dieses Glaubens…
Die Hölle
Und … Ja! Ganz besonders in die Hölle! 77 % glauben, dass Gott die Ungläubigen am Ende der Tage in einen ganz, ganz heißen Ort steckt und dafür sorgt, dass sie dort niemals sterben, sondern ein Maximum an Schmerzen erleiden – Er foltert sie und foltert sie unten – foltert sie ohne Ende. Das ist natürlich ganz dramatisch. [Kurze Frage oder Hinweis aus dem Publikum]
Der Folter-Glaube – also die Vorstellung, dass Gott der oberste aller Folterer ist, ist eine erschreckende Vorstellung. Und ich möchte darüber morgen Vormittag etwas ausführlicher sprechen… Denn das hat schlimme Konsequenzen. Wenn wir werden, wie der Gott, den wir verehren… Und als Christen gehen wir ja davon aus, dass wir Christus verehren, bewundern, anbeten.… dass wir ihm immer ähnlicher werden… Ja – im Positiven. Wie wirkt sich das aber aus, auf mich – mein Verhalten, mein Denken – wenn ich an einen Gott glaube, der den Ungläubigen und endlich lang gefoltert? Das muss doch auch irgendwie abfärben… und meiner Ansicht nach ist das der Schlüssel zum Verständnis vieler religiös-politisch Entwicklungen in Amerika.
[Israel]
Okay, Israel habe ich übersehen. – Weltende und Prophetie, das heißt, die Evangelikalen haben eine bestimmte Vorstellung, von der Rolle Israels in der Endzeit. Es gibt da interessante Positionen und Diskussionen zu diesem Thema, das würde allein mehr als einen Abend ausfüllen. Nach meiner Auslegung der Bibel liegen Sie falsch, weil viele der Aussagen, die eindeutig Israel betreffen – gerade im Neuen Testament – sich auf das geistliche Israel beziehen. Ja? Paulus sagt: »So sind wir nun alle eins in Christus – alle Abrahams Söhne.« Ja, aber ihre Vorstellung von Israel hat dazu geführt, dass der moderne Staat Israel 1948 gegründet wurde… hat dazu geführt, dass die amerikanische Nahostpolitik eindeutig nur pro Israel ist. Es war früher so, dass die amerikanischen Juden die stärkste Gruppe der Lobbyisten in Amerika gestellt haben… die Intellektuellen, Bänker, Ja, … die waren eine sehr starke Macht. Inzwischen sind sie abgelöst worden – in ihrer Bedeutung – von den Evangelikalen… Fundamentalisten… die sich enorm stark für Israel engagieren und einen enorm starken Druck auf das Weiße Haus ausüben im Bezug auf einer “pro Israel Politik”.
1000 Jahre – Friedensreich, Dominionismus
Ja, ich habe hier mal ein Bild von der Hölle gemacht… Noch mal zum Volksglauben… ja richtig, Millenarismus und Dominionismus?- Das sind natürlich zwei sehr schöne Begriffe. In der Bibel ist davon die Rede, dass es irgendwann am Ende der Zeit, eine 1000 Jahreperiode geben wird. Die Bibel spricht davon, dass sie im himmlischen Jerusalem – das ist also nach der Wiederkunft – sein wird. Es gibt aber viele Evangelikalen – und das sind sie sich nicht einig: die einen sagen: »Nein, Christus kommt zuerst wieder und dann kommen die 1000 Jahre.« und die anderen sagen: »Nein, erst kommen die 1000 Jahre und dann kommt Christus wieder.« – führt natürlich zu unterschiedlichen Konsequenzen in Bezug auf die Politik… ja, wenn ich glaube, dass ich des Gottes Reich herbeiführen muss… diese 1000 Jahre des Friedens… dann hat das andere Konsequenzen, als wenn ich sage: »Nein, ich muss einfach noch die letzten Jahre erdulden und dann kommt Christus wieder und dann wird er die 1000 Jahre verwirklichen.«
Ja, das hat Konsequenzen.
Dominionismus – das ist ein abendfüllendes Thema. Auch der Rekonstruktionismus genannt… wer kommt das? Im Englischen, in der englischen Bibel – heißt es bei Mose – ja, auch im Deutschen natürlich… – da sagt Gott… ergibt er Adam, ja, die Herrschaft über die Erde, über die Natur über die Tiere usw. “to give dominon over” im Englischen… daher der Name Dominionisten…
Diese Formulierung, benutzen die Anhänger dieser Richtung, um zu sagen: »Gott hat uns den Auftrag gegeben, die Welt auch politisch zu beherrschen.« – und das sind nicht nur ein paar! Das sind um die 40 Millionen, die das glauben, inzwischen in Amerika. Und Sie sagen, wenn Christus sagt: »Mir ist Herrschaft gegeben über…« – Wie heißt das? »Mir ist Gewalt gegeben über…« – ja, dann sagen Sie: »Aha! Wir sind eins mit Christus, und daher sollen wir auch Gewalt ausüben über die gesamte Welt!«
…interessante Argumentation…
Pat Robertson über christliche Herrschaft: Wie stellt er sich das vor, dieser einflussreiche Fernsehprediger? »Es ist eindeutig, was Gott sagt: Ich habe den Menschen die Herrschaft über die Erde gegeben, aber er hat sie verloren… Jetzt möchte ich reife Söhne und Töchter, die in meinem Namen Herrschaft ausüben über die Erde… und die Satan, die Unfolgsamen, die Rebellischen unterwerfen. Nimm meine Welt denen weg, die sie ausbeuten und missbrauchen… herrscht, wie ich herrschen würde!« Ja, also »…die in meinen Namen Herrschaft ausüben über die Erde und die Satan, die Unfolgsamen, die Rebellischen unterwerfen…« – also ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass ich in die Gruppe der Unfolgsamen und Rebellischen geraten könnte. … angesichts dieser Entwicklungen… Ja… und George Grand über christliche Herrschaft, also ein Mitstreiter: »Christen haben die heilige Verantwortung, das sie Land für Jesus Christus beanspruchen. Es geht uns hier doch um Herrschaft! Nicht nur um eine Stimme – nicht nur um Einfluss! Die Eroberung der Welt! Das ist es, wozu uns Christus den Auftrag gegeben hat. Wir müssen die Welt mit der Macht des Evangeliums gewinnen! Daher besteht der Hauptzweck christlicher Politik in der Eroberung des Landes… in der Eroberung von Menschen… Familien, Institutionen, Verwaltungen, Gerichte und Regierungen für das Reich Christi.« – Das ist also ein absoluter Machtanspruch. Da ist kein Raum für Demokratie – für Mehrheitsentscheidungen. Hier wird eine göttliche Beauftragung beansprucht, um Macht auszuüben, nicht nur über Amerika, sondern über den Rest der Welt. Die Frage ist: »Ist das ein Spinner? Der alleine dasteht? Dem man vergessen kann?« – Nein! Es ist inzwischen zu einer Bewegung geworden. Wenn ich Ihnen sage… es gibt einen Verband der christlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten in Amerika. Dazu gehören 1700 Rundfunk- und Fernsehanstalten. 1700! Und die haben im Jahr 2005, im Mai 2005, diese Philosophie zu ihrer obersten Aufgabe gemacht. Das oberste Ziel! Wir wollen das Land für Christus beherrschen! Diese Rundfunk- und Fernsehsender erreichen 141 Millionen Menschen in Amerika… das ist eine enorme Machtbasis, die sich dort aufgebaut haben… und das geht ständig voran… es ist nicht etwas, was wieder vorübergeht und sich auswächst… das haben viele geglaubt am Anfang… aber es wird immer mächtiger, es werden immer mehr Menschen, die dort hinterstehen und das tragen.
John F. Sugg über Dominionismus: »Herrschaftstheologen predigten, dass es die Aufgabe der Christen sei, die Welt zu erobern und ihr eine biblische Herrschaft aufzuzwingen. Christus würde nicht wiederkommen, bis nicht die Kirche die Herrschaft über alle Regionen und Einrichtungen der Welt übernommen hätte…« – Ja, also da ist eine enorme Dynamik… der Macht unter Herrschaft vorhanden. Und wenn hier von biblischer Herrschaft die Rede ist, beim genaueren Hinsehen ist es nicht in die neutestamentlich-biblische Herrschaft, sondern die alttestamentliche… wo man sich gerne auf die Eroberungskriege Israels im Namen Gottes – wo also Köpfe rollten, wo Blut vergossen wurde, stützt.
Von Demokratie zur Theokratie: Von 1979 bis 1990 war es die “Moral Majority”, also auch eine Basis… eine politische Basisbewegung, die Religion und Politik verbannt, um Christen in die Politik zu bringen. Dann kam die 10 Jahre – oder 12 Jahre – der Christian Coolition mit Pat Robertson. Die haben das noch weiter vorangetrieben… Ich sage gleich, wie sie das gemacht haben.
James Dobson… schon einmal von James Dobson gehört? Einer der Schlimmsten! Sie mit aller Gewalt, einen Gottesstaat schaffen wollen, und sie die Trennung von Staat und Kirche aufheben wollen. Keinen Pluralismus mehr! Nur noch eine Meinung! Nur noch eine Religion! Für alle! Katholische Kräfte hinter den Kulissen – hochinteressant! Die gesamte Bewegung wurde eingefädelt von einem Jesuiten namens Virgil Blum… die katholische Bischofskonferenz von Amerika war dahinter und dann die ersten Geldgeber, die ersten Politstrategen… waren alle katholisch. Nur der Virgil Blum hat gesagt, die Bewegung muss nicht-katholisch, muss protestantisch aussehen… und deshalb haben sie als Front diese Evangelikalen genommen.
Council for National Policy, das ist eine Geheimorganisation, die keinen demokratischen Spielregeln unterliegt… Sie treffen sich im Geheimen… Keiner weiß genau wer dazugehört… und keine Medien sind eingeladen… keiner kann sie kritisieren… hier ist eine Machtkonzentration hinter den Kulissen… Hier sind die einflussreichsten Leute zusammen… natürlich auch die, die wir erwähnt haben.
Was sind die Ziele der religiösen Rechten?
Was sind die Ziele der religiösen Rechten? Sie wollen einen Kulturwandel… Sie wollen – damit meinen sie – da sie eine klare eine sehr eingeschränkte Vorstellung ihrer Form des Christentums verwirklichen wollen… Sie wollen Herrschaft über Amerika. Sie wollen die alttestamentliche Gesetze einsetzen… also dazugehört Steinigung zum Beispiel… Todesstrafe durch Steinigung… Sie wollen die Welt für Christus beherrschen, also nicht nur Amerika! Sondern die ganze Welt für Christus beherrschten! Paul und Weyrich über die Ziele der religiösen Rechten: »Wir sind anders als frühere Generationen von Konservativen! Wir arbeiten nicht mehr daran, den Status quo zu erhalten… wir sind Radikale, die darauf hinarbeiten, die gegenwärtige Machtstrukturen dieses Landes umzustürzen!« – also normalerweise müsste da der Verfassungsschutz aktiv werden. Aber das passt so gut in die amerikanische Landschaft und hat so starker Mehrheiten, dass es nicht geschieht in Amerika.
Eric Heubeck – noch ein deutschstämmiger; Heubeck würden wir sagen – das ist so die rechte Hand von dem Paul Weyrich… über die Ziele der religiösen Rechten: »Wir wollen die bestehenden Institutionen nicht reformieren… wir wollen sie nur schwächen und letztlich zerstören!« – also die machen keinen Hehl daraus, worauf Sie hinaus wollen… und wie gesagt es sind nicht nur ein paar Spinner… das hat inzwischen eine riesen Lobby in Amerika!
Antonin Scalia über die Todesstrafe: »Es scheint mir in der Tat so zu sein, dass ein Land so eher die Todesstrafe als moralisch betrachtet, als es christlicher ist.« – Das stellt doch… Wie soll ich sagen… das haut dem Fass den Boden ins Gesicht … oder so ähnlich… Ja, also…
Die Methoden der religiösen Rechten
Die Methoden der religiösen Rechten – hochinteressant. Nazimethoden im Parlament und in den Prozessen… wenn wir ein paar Minuten haben, kann zitiere ich mal etwas aus meinem Manuskript… wie habe ich geschrieben, zu dem Thema… die evangelikalen Politakteure an der Basis beteiligten sich aktiv und teilweise mit verdeckter Zielsetzung an den Diskussionen über kommunalpolitische Themen wie: Wasserversorgung, Straßenbau, Schulneubauten etc., das heißt, die ging auf die unterste Ebene der demokratischen Prozesse, ja, Ortsversammlungen, Beiratsversammlungen … dabei ersannen sie besonders raffinierte Techniken für die meisten Manipulationen der demokratischen Prozesse: Sie verwendeten bei basisdemokratischen Versammlungen eine besondere Verzögerungstaktik als Strategie. Dazu gelang es ihnen, die Zahl der Anwesenden zur Abstimmung über wichtige Themen und zur Besetzung wichtiger Ämter so zu reduzieren, dass sie selbst die Mehrheit hatten. Dazu Craig Berkman, der ehemalige Vorsitzende republikanischen Partei im Bundesstaat Oregon: »Wenn sie um ein oder zwei Stimmen überstimmt werden, fangen die parlamentarischen Manipulationen an und nach zwei oder drei Stunden der Diskussion darüber, wie viele Engel auf dem Kopf einer Stecknadel tanzen können, verlassen die vernünftigen Menschen, die noch anderes zu tun haben, den Saal. Danach, in den frühen Morgenstunden, werden die Dinge dann entschieden… Auf diese Weise erreichen Sie Ihre Ziele. Nicht überraschend wurden so – mit dieser Methode – viele evangelikalen Akteure in zunächst untergeordnete Gemeindeämter gewählt.«
Das heißt, sie haben eine interessante Verzögerungstaktik entwickelt, um die parlamentarischen Prozesse auf der untersten demokratischen Ebene zu manipulieren. Ja, sie zögernd die Versammlungen so lange hinaus, bis die Vernünftigen nach Hause gehen… und Sie haben mir eine Agenda im Kopf… Sie bleiben zusammen und Nacht um eins oder zwei, wenn keiner mehr da ist, nur noch sie oder … . ja… sie unter sich, dann verändern Sie in die Tagesordnung und sie wählen sich dann gegenseitig in Positionen mit Macht und Einfluss… und das hat in Amerika überall im Lande stattgefunden! Und so sind sie von unten nach oben in Positionen der Macht gekommen und haben schließlich die republikanische Partei beherrscht, und sie quasi in eine religiöse Sekte verwandelt.
Militanz in Sprache und Begriffen
Militanz in Sprache und Begriffen. Also das ist ein Klassiker – das muss ich unbedingt auch kurz vorlesen. Wo habe ich das? Also da gibt es einen Mann namens Ralph Reed, einer der genialsten Strategen… er war der Wahlkampfhelfer/-Berater für Bush-Cheney bei der letzten Wahl… und für fünf andere Präsidentschaftskandidaten… und für weitere 82 Senatoren und Gouverneure und Kongressabgeordnete… war er der Wahlkampfstratege. Ein begnadeter Mann. Reed griff in der Führung der Christian Coalition, dort war er Geschäftsführer, bei der Ausbildung religiöser Politakteure gerne auf eine martialische Sprache und ebensolche Vergleiche zurück: »Es ist wie ein Guerillakrieg! Wenn du deine Position verrätst, versetzt du nur dein Gegner in die Lage die Zieleinstellung seiner Artillerie zu verbessern. Es ist besser, im Stillen zu operieren… mit Tarnung und im Schutze der Nacht.« – In einem Zeitungsinterview erläuterte er diese Strategie und Arbeitsweise der religiöse Rechten und ihrer Kandidaten noch drastischer: »Ich möchte unsichtbar sein! Ich male mein Gesicht schwarz an und reise bei Nacht. Du merkst erst dass es vorbei ist, wenn du im Leichensack liegst.«
Für eine christliche Organisation eine etwas überraschende Sprache… Reed hatte offenbar Paul Weyrichs Trainingshandbuch studiert und verinnerlicht – darin heißt es nämlich: »Wir werden Guerillataktiken benutzen, um die Rechtmäßigkeit des vorherrschenden Regimes zu untergraben.« – und so weiter und so weiter… Also: Man merkt diese Militanz – diesen Machthunger – diese Brutalität… und das scheint nun wirklich nicht zum Geist Jesu Christi zu passen… ein eklatanter Gegensatz hier!
Geheime Methoden und verdeckte Operationen
Geheime Methoden und verdeckte Operationen. Die Republikanische Partei wurde das Vehikel für den Weg an die Macht. Der Zweck heiligt die Mittel! »Wir können jede Brutalität, jede unmoralische Sache machen, wenn sie nur einem guten Zweck dient.«
- Man sie bestimmen natürlich was Gutes – was ein guter Zweck ist.
Zwang durch Faith-Based Initiatives – ich weiß nicht, ob sie davon gehört haben… heute werden schon aufgrund eines Präsidialerlasses – nicht durch den Kongress verabschiedet, sondern durch den Präsidenten eigenhändig unter den Möglichkeiten, die das weiße Haus hat, erlassen… einige Milliarden – Steuermilliarden, die früher über die Sozialämter an die Bedürftigen gegeben wurden, werden heute über einzelne religiöse Organisationen verteilt, das heißt, wenn es da jemanden gibt, der nichts mit Religion am Hut hat, der es gezwungen! – Stellen Sie sich vor, eine Frau mit einem Kind – arbeitslos… mittellos… braucht Hilfe… Sie muss jetzt zu einer bestimmten Kirche gehen, ums sich dort das Geld abzuholen oder eine Wohnung geben zu lassen oder ein Bett für eine Nacht oder was auch immer… und dort wird Druck ausgeübt, dass sie sich bekehrt… dass sie Mitglied dieser Kirche wird! Das ist das Gegenteil von dem, was Amerika einstmals war.
Pat Robertson über Außenpolitik und sein Respekt für das Leben von Präsident Hugo Chavez von Venezuela. Das sagte hier: »Ich weiß nicht ich von dieser Doktrin der gezielten Tötungen halten sollen. Aber wenn er meint (er – Chavez) … wir versuchen ihn zu erschießen, dann meine ich, dass wir das auch wirklich tun sollten. Dass es viel billiger, als einen Krieg anzufangen!« – ein Mann Gottes… befürwortete die Erschießung eines rechtmäßig demokratisch gewählten Staatsoberhauptes eines anderen Landes… das ist eine neue Dimension!
Jerry Falwell auf dem Cover eines Videos über Präsident Bill Clinton – das war zu der Zeit, als Clinton Präsident war:
»Zum ersten Mal auf Video: eine Dokumentation … Die Namen und Gesichter der Schlüsselpersonen, die Clinton benutzt hat, um seine Macht aufzubauen.… ebenso jener Personen, die ihm in die Quere kamen und ihren Job, ihren Ruf, ihre Tugend, ihr Leben verloren haben. Von Millionen, die Arkansas, im Drogenschmuggel verdienen wurden… Von Vince Forsters Selbstmord bis zur Ermordung des Privatdetektivs Jerry Parks nach Mafiamanier.« – … das heißt, er beschuldigt hier den Präsidenten, des Mords, der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, der Geldwäsche, des Drogenhandels… das kuriose ist: in diesem Video selbst wird dann ein angeblicher Journalist, so hinter Milchglas gezeigt, sodass man ihn nicht erkennen kann, die dann angebliche Schweinereien von Clinton aufdeckt… peinlich war, das hinterher herauskam, dass dieser Mann kein Journalist war, sondern ein von Jerry Falwell beauftragter Produzent dieses Videos… das war alles erlogen und erstunken, was er gesagt hat. – das zu den Methoden, um Politik zu machen… durch die christliche Rechte.
Hier eine Zusammenfassung der Ideen von Weyrich zum Kulturkampf: »Unwahrheiten sind nicht nur zu tolerieren – sie sind notwendig. Es ist nötig sich unter dem Mantel der Tugendhaftigkeit darzustellen, während alle Gegner und ihre Ideen als böse hingestellt werden.« – also dass es eine Zusammenfassung von dieser Katherine Yurica, ja …
»Die völlige Zerstörung des Gegners muss durch unerbittliche persönliche Attacken erreicht werden.« – also nicht das Thema, sondern der Mensch wird attackiert. »Die Schaffung des Anscheins überwältigender Macht und Brutalität ist nötig, um den Willen des Gegners zu jeder Gegenwehr zu zerstören.… und Hitlers “Mein Kampf” und William L. Shirer’s “The Rise and Fall of the Third Reich” ( also ” Aufstieg und Fall des Dritten Reiches”) sind nützliche Lehrbücher für das Führungstraining.«
Das, ja, zur politischen Philosophie.
Die politische Agenda der religiösen Rechten
Die politische Agenda der religiösen Rechten. Was wollen Sie? also wir können sagen, hier findet eine Prostitution der christlichen Werte um Macht willen statt… um mehrheitsfähig zu sein, um an die Macht zu kommen, machen die alles! Familienwerte, also gegen Abtreibung, für die Ehe, gegen Homosexualität, für den Kreationismus, für die Aufhebung der Trennung von Staat und Kirche, für die Aufhebung von Frauenrechten – übrigens ganz interessant, am Rande, die religiöse Rechte lehnt jede Art von Empfängnisverhütung ab, die durch Frauen vorgenommen werden kann. Also ob chemische oder mechanisch oder wie auch immer ist… Auf der anderen Seite sind sie für die Benutzung von Viagra durch den Mann. Das hört sich so ein bisschen nach Taliban an… eine Männerwelt ist es. – Uneingeschränkter Waffenbesitz, Ausweitung der Todesstrafe, … das sind die Ziele! Gegen Umweltschutz, gegen Arbeitssicherheit, für ein starkes Militär, für eine aggressive Außenpolitik, gegen internationale Einrichtungen wie die Vereinten Nationen etwa, denn in den Vereinten Nationen hat auch ein Schurkenstaat eine Stimme und deshalb ist “Amerika” dagegen… Außerdem wird in den Büchern in von Tim LaHaye der Antichrist aus den Vereinten Nationen kommen, aber ist eine andere Geschichte.
Gegen Kranken und Rentenversicherung… und gegen eine Hilfe für Arme! Man mischt sich dann in die Erlösung des Einzelnen ein… deshalb ist man gegen die Hilfe für die Armen! Das ist eigentlich eine Umkehrung der christlichen Werte, wie wir sie im Neuen Testament kennen.
Jerry Falwell über AIDS & den Charakter Gottes:
»AIDS ist der Zorn eines gerechten Gottes für die Homosexuellen…. AIDS ist nicht nur die Strafe eines gerechten Gottes für die Homosexuellen, sondern Gottes Strafe für die Gesellschaft, die Homosexuelle toleriert.«
Also auch hier wieder, die Entfernung von Toleranz, die Suche nach einem Sündenbock, die Aufheizung der Gesellschaft gegen eine bestimmte Gruppe in der Gesellschaft…
Jerry Falwell über Ex-Präsident Jimmy Carter. Jimmy Carter ein Baptist, übrigens ein ernstzunehmender Christ. Jerry Falwell sagt in Bezug auf die Israel-Politik:
»Seine Botschaft von Frieden und Aussöhnung unter fast allen Umständen verträgt sich einfach nicht mit den christlichen Lehren, wie ich sie auslege. Diese Geschichte mit ‘auch die andere Wange hinhalten’, mag ja schön und gut sein, aber sie ist nicht das, wofür Christus gekämpft hat und wofür er gestorben ist. Was wir tun müssen, ist, die Schlacht zu den muslimischen Heiden zu tragen und ihnen zu tun, bevor sie es uns tun können.«
Also ein wahrer Friedensengel… ja, ein Scharfmacher, ein Hetzer…
Erreichte Ziele
Welche Ziele hat die religiöse Rechte bis November 2006 erreicht?
- Herrschaft über die Republikanische Partei
- Herrschaft über den Kongress
- Herrschaft über den Senat
- Herrschaft über das oberste Gericht
- Herrschaft über das Weiße Haus
- Einfluss auf das Rechtssystem
- Einfluss auf die Medien
Wir haben am 7. November 2006 eine Wahl gehabt, eine sogenannte “Midterm elections”, in der es um die beiden Häuser des Kongresses gegen, also Oberhaus-Unterhaus, Senat und Kongress… da haben die Demokraten wieder die Oberhand gewonnen, aber deshalb, weil die Wählerbasis der Republikaner, die fundamentalistische Wählerbasis, der republikanischen Partei, einen Denkzettel verpassen wollte. Ich gehe davon aus, dass bei der nächsten Wahl dieser Wählerblock, der ja ungefähr aus 50 Millionen Personen besteht, wieder organisiert und einig ist und damit mit Sicherheit die nächste Wahl bestimmen wird.
Ausblick
Ausblick und zu erwartende Entwicklungen: Ich glaube, wir brauchen keine Propheten zu sein, um zu sagen, dass wir weitere Katastrophen erleben werden. Ob das Terroranschläge sind oder ein Erdbeben in San Francisco oder ein starker Hurrikan in Florida oder ein Atomunfall oder was auch immer es sein mag… und bei jeder Katastrophe – wie gesagt – macht die amerikanische Gesellschaft einen Rechtsruck in das Lager der Fundamentalisten.
Die parlamentarischen Mehrheiten der Rechten werden dazu genutzt, um die Gesetze zu verändern. Das ist jetzt vorübergehend gestoppt, das wird wiederkommen… Da führt kein Weg dran vorbei… Das oberste Gericht wird die Rechtsprechung verändern: Wir sehen das jetzt schon, davon werden wir in Zukunft noch mehr sehen. Das oberste Gericht in Amerika ist übrigens sehr viel politischer und einflussreicher als bei uns etwa…
Der charismatisch-spiritistische Einfluss wird wachsen: Ja, wenn wir die Zeit hätten, würde ich noch einige Anekdoten erzählen, aber ich werde die vielleicht morgen Abend, morgen um 17:00 Uhr erzählen. Da gibt es haarsträubende Geschichten… wie sich dieses charismatisch-spiritistische Phänomen auswirkt… und welches Potenzial dar ist, Amerika noch mehr zu verändern.
Die Medien werden die Sache der Rechten propagieren: Das heißt, sie richten sich immer nach den Mehrheiten, sie wollen verkaufen, und deshalb schaukelte es sich hier so langsam hoch.
Das Bildungssystem wird “bekehrt” werden: Das heißt, es gibt Pläne, das gesamte öffentliche Schulsystem abzuschaffen und nur noch kirchliche Schulen zu haben. Ja, die Ansätze sind schon da… es wird in der Richtung weitergehen. Es wird wahrscheinlich einer der ersten Meilensteine sein – auf diesem Weg der Veränderung.
Die Suche nach einem Sündenbock wird beginnen: Das heißt, sie es schon begonnen… Sie wird stärker werden! Man wird nach Sündenböcken suchen, man braucht den inneren Feind, um das Volk zu einen.
Der “Krieg gegen den Terrorismus” steigert Amerikas Macht: Das ist ja schon etwas, was wir jetzt schon sehen… wie auf einmal nach dem 11. September viele Geheimdienste westlicher Länder, die Türen für die CIA ausmacht und sagen: »Kommt, helft uns! Wir wollen zu den Guten gehören… helft uns die Bösen zu fangen!«
Und es ist abzusehen, dass die UN irgendwann durch eine Allianz der Demokratien unter der Führung der USA ersetzt wird. Die USA ist sehr unzufrieden, sehr unglücklich mit den Vereinten Nationen und es für systematische Stimmung gemacht im Volk durch die Medien gegen die Vereinten Nationen… und… irgendwann wird es eine Organisation der Demokratien, der sogenannten Demokratien, geben unter der Führung Amerikas.
Nicholas Kristof, ein Journalist, über den “Krieg gegen den Terrorismus”: (und das hat sich für ein sehr wichtiges und sehr wahres Statement, was er hier gemacht hat. Er sagt): »Es handelt sich hier mit Sicherheit um einen religiösen Krieg – doch nicht um einen Krieg des Islam gegen Christentum und Judentum. Vielmehr geht es um einen Krieg des Fundamentalismus gegen jede Form des Glaubens, der es um Frieden und Freiheit geht…«
Das unglaublich, die Pole hier… Unfreiheit und Intoleranz, Druck und Zwang und Gewalt – und auf der anderen Seite: Freiheit, freie Entscheidungen, Respekt für die Entscheidung des Einzelnen. Ja, wir laufen leider… ich hätte so manche Anekdote noch einzufügen, in die Ihnen in die Ohren verbogen hätte…
Die biblische Perspektive
Die biblische Perspektive – und damit eine Vorausschau auf morgen Abend – morgen Nachmittag:
»Und ich sah ein anderes Tier aufsteigen ( schreibt der Prophet Johannes in der Offenbarung) aus der Erde; das hatte zwei Hörner, gleichwie ein Lamm und redete wie ein Drache. Und es übt alle Macht des ersten Tieres vor ihm und es macht, dass die Erde und die darauf wohnen, anbeten das erste Tier … Und sagt denen, die auf Erden wohnen, dass sie ein Bild machen sollen dem Tier… Und es wurde ihm gegeben, dass es dem Bild des Tieres Geist gab, das des Tieres Bild reden und machte, dass alle, die nicht des Tieres Bild anbeteten, getötet würden.« – nach meiner Überzeugung haben wir hier eine prophetische Vorausschau, die vor 2000 Jahren gegeben wurde, über das was sich in Amerika abspielen wird.
Wenn Sie das interessiert – und ich glaube, dass das wirkliche hieb- und stichfest ist, die Argumente – ich habe 10 Beweispunkte, über dich morgen gerne sprechen würde… es ist hochinteressant, wie das Bild sich hier abrundet… wie der Kreis sich schließt… aber ich möchte mit einer positiven Note enden: in Lukas heißt es – es betrifft das Ende der Welt:
»Und als dann werden sie sehen den Menschensohn kommen in einer Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, so sehet auf und erhebet eure Häupter, darum dass sich eure Erlösung naht.«
Ich glaube, dass ich Ihnen heute Abend sehr viel zugemutet habe… das ist starker Tobak war… dass es ziemlich schockierend war und deprimierend. Aber ich glaube, dass wir Christen, die die Bibel kennen, nicht allzu überrascht sein sollten. Denn die Bibel spricht davon, dass am Ende der Zeit gewisser Ereignisse geben wird, die nicht nur erfreulich sind… aber sie sind Vorboten einer absolut erfreulichen Geschichte… und das ist die Wiederkunft Jesu Christi in Kraft und Herrlichkeit – Erlösung steht am Ende! Nicht Chaos und Vernichtung… und damit würde ich gerne schließen!










