Amerika – Mit Gewalt in den Gottesstaat

Gerhard Padderatz

Dr. phil. Ger­hard Pad­de­ratz hat Theo­lo­gie, Geschich­te und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaf­ten stu­diert. Er ist Geschäfts­füh­rer einer Manage­ment­be­ra­tung mit Büros in Frank­furt, Zürich und Detroit, wo er heu­te lebt. Bis 1985 war er unter ande­rem als Pas­tor, Dozent für Geschich­te und Sozi­al­wis­sen­schaf­ten sowie als Redak­teur und Ver­lags­be­ra­ter tätig. Sein Buch “All­mäch­tig? Ohn­mäch­tig? Gerecht? Ein Dia­log über Gott und sein Han­deln” erschien 2007 bereits in der drit­ten Auf­la­ge und wird auf­grund der anhal­ten­den Nach­fra­ge wei­ter­hin neu auf­ge­legt. Im Herbst 2007 ver­öf­fent­lich­te er im Mit­tel­deut­schen Ver­lag zudem sein Werk “Mit Gewalt in den Got­tes­staat: Steu­ert Ame­ri­ka in den Faschis­mus?”. Ama­zing Dis­co­veries schreibt dazu:

Buchcover von "Mit Gewalt in den Gottesstaat: Steuert Amerika in den Faschismus?"

“Als schar­fer Beob­ach­ter vor Ort ist Dr. Pad­de­ratz in der Lage, die gegen­wär­ti­gen Strö­mun­gen in der ame­ri­ka­ni­schen Poli­tik und Gesell­schaft dif­fe­ren­ziert zu bewer­ten. Lan­ge Zeit waren die USA welt­weit ein Vor­bild für Demo­kra­tie, Men­schen­rech­te und Reli­gi­ons­frei­heit. Doch vor 30 Jah­ren begann im Land ein schick­sal­haf­ter Macht­kampf. Anhand zahl­rei­cher Zita­te, Fak­ten und Hin­ter­grün­de zeich­net der Red­ner ein erschre­cken­des Bild einer Nati­on, die gera­de­wegs zurück in den reli­giö­sen Faschis­mus des Mit­tel­al­ters steu­ert.”

Es folgt nun die Mit­schrift eines Vor­trags zum The­ma Ame­ri­ka aus dem Jahr 2007. Auch wenn der Bei­trag fast 20 Jah­re alt ist, hat er nichts an Aktua­li­tät ein­ge­büßt. Reli­giö­se Moti­va­tio­nen in der US-Poli­tik sind nach wie vor prä­gend. Dies belegt auch der Arti­kel “Glau­be spielt im US-Wahl­kampf wich­ti­ge Rol­le” aus dem Jahr 2024. Dass es längst nicht mehr nur um ein klas­si­sches „Links-rechts-Sche­ma“ geht, ver­deut­licht nicht zuletzt die Rhe­to­rik des amtie­ren­den US-Vize­prä­si­den­ten J.D. Van­ce (Stand 2026) und des­sen christ­lich-natio­na­lis­ti­sche Aus­rich­tung.

Somit bleibt es eine aktu­el­le und span­nen­de Ent­wick­lung.

Hier fin­den Sie Links zu den Bezugs­quel­len, einen Aus­schnitt des Vor­trags und die Mit­schrift des ers­ten Vor­tra­ges:

­Amerika – Verrat an den eigenen Werten

von Ger­hard Pad­de­ratz

Nürn­berg, 20.04.07

 Mit­schrift des Vor­trags (Anga­ben ohne Gewähr):

Einleitung

1975 bin ich zum ers­ten Mal nach Ame­ri­ka gereist. Ich hat­te damals ein Sti­pen­di­um des Deut­schen Aka­de­mi­schen Aus­tausch­diens­tes und ich schrieb an mei­ner Dok­tor­ar­beit. Ich hat­te mich ein hal­bes Jahr dort auf­ge­hal­ten, und am Ende die­ser Zeit hat­te ich mich gründ­lich ver­liebt in die­ses wun­der­schö­ne Land, mit den gast­frei­en Men­schen, mit der Tole­ranz, mit der Offen­heit, ja, mit der Ver­fas­sung, die eine Tren­nung von Staat und Kir­che vor­schreibt – für mich einer der Garan­ten für wirk­li­che Frei­heit – kei­ner redet dem ande­ren rein… und seit­dem habe ich mich immer wie­der viel in Ame­ri­ka auf­ge­hal­ten. Ich habe eine Zeit lang in Hono­lu­lu in Hawaii gelebt, habe mich dann immer wie­der in Michi­gan auf­ge­hal­ten und auf die­se Art und Wei­se Ame­ri­ka ken­nen und schät­zen gelernt. Über die Jah­re habe ich viel mit Ame­ri­ka­nern zusam­men­ge­ar­bei­tet – Ich haben vie­le ame­ri­ka­ni­sche Unter­neh­men als Kli­en­ten in der Unter­neh­mens­be­ra­tung gehabt , die ich seit gut 20 Jah­ren lei­te. Das alles scheint sich jetzt zu ändern…

Vor fast zwei Jah­ren, auf den Tag genau, erhielt ich einen Anruf aus der Schweiz von mei­ner Kol­le­gin und Mit­ge­sell­schaf­te­rin in unse­rer Manage­ment­be­ra­tung – sie lei­tet das Zür­cher Büro. Sie hat­te sich mit einem Geschäfts­part­ner unter­hal­ten: Es ging um die Fra­ge, wie ist der kirch­lich-reli­giö­se Ein­fluss auf die Poli­tik Ame­ri­kas. Ihr Geschäfts­part­ner ver­trat die Mei­nung, er wird immer gerin­ger. Sie sag­te: Ganz im Gegen­teil – er wird immer grö­ßer. Das ging eine Wei­le hin und her und schließ­lich rief sie mich in Ame­ri­ka an und sag­te: »Kannst du mir hel­fen? Kannst du mir Bele­ge dafür lie­fern, dass mei­ne The­se rich­tig ist, dass der Ein­fluss von Reli­gi­on und Kir­che auf die Poli­tik des Wei­ßen Hau­ses zunimmt?«

Und ich hab gesagt: »Klar!« … Und dann habe ich mich ans Inter­net gesetzt und in nur zwei Stun­den eine Recher­che durch­ge­führt. In die­ser Zeit habe ich eine Doku­men­ta­ti­on von 40 Sei­ten zusam­men­ge­stellt. Als ich es mir dann näher ansah, stell­ten sich die weni­gen Haa­re, die ich noch habe, zu Ber­ge, und ich war scho­ckiert. Und da ich davon aus­ging, dass der Geschäfts­part­ner viel­leicht nicht genü­gend Eng­lisch kann, habe ich das dann ins Deut­sche über­setzt und habe es zusam­men­ge­fasst und habe ver­sucht, einen Arti­kel dar­aus zu schrei­ben. Dies wur­de etwas zu lang für einen Arti­kel, aber zu wenig für ein Buch oder eine Bro­schü­re. Ich hab das dann nach Zürich geschickt und dach­te: Was machst du jetzt damit?

Nun habe ich eine gute Freun­din, eine Schul­freun­din, wir ken­nen uns seit dem wir 13 sind. Sie ist lei­ten­de Redak­teu­rin beim öffent­lich-recht­li­chen Fern­se­hen, ver­ant­wort­lich für den Bereich Doku­men­tar­film. Also eine Jour­na­lis­tin. Ich hab ihr dann die­se Doku­men­ta­ti­on zuge­schickt, und gefragt: »Du, was hältst du davon?« Und sie rief mich sofort danach an und sag­te: »Du hast dei­nen Fin­ger in ein Wes­pen­nest gesteckt. Das ist ja der Wahn­sinn! Was du da zu Tage geför­dert hast… das muss an die Öffent­lich­keit! Mach mehr draus! Schreib ein Buch, ich helf dir dabei!«

Und so bin ich eigent­lich ein biss­chen hin­ein­ge­zo­gen wor­den – geschubst und gezo­gen wor­den in die­ses The­ma. Ich hat­te es mir nicht frei­wil­lig aus­ge­sucht. Und je mehr ich recher­chiert, geforscht habe, des­to mehr war ich scho­ckiert. Ich hab dann durch eine glück­li­che Fügung einen jun­gen Mann ken­nen­ge­lernt, der an der Uni Mün­chen an sei­ner Dok­tor­ar­beit in Phi­lo­so­phie schreibt. Und den habe ich dann als wis­sen­schaft­li­chen Assis­ten­ten unter Ver­trag genom­men, um die­se enor­me Fül­le an Mate­ri­al, die da drau­ßen vor­han­den ist – zu die­sem The­ma – zu sich­ten und ord­nen zu kön­nen.

Und so wur­de lang­sam ein Manu­skript dar­aus. In 10 Tagen ist der Abga­be­ter­min beim mit­tel­deut­schen Ver­lag, der das Buch unter dem Titel “Ame­ri­ka – mit Gewalt in den Got­tes­staat” her­aus­brin­gen wird.

Ich habe bewusst einen nicht­re­li­giö­sen Ver­lag gewählt, denn ich glau­be, dass es hier um ein Hin­ter­grund­ver­ständ­nis der poli­ti­schen Ereig­nis­se Ame­ri­kas geht, die man nur ver­ste­hen kann, wenn man in die Reli­gi­on und Reli­gi­ons­ge­schich­te Ame­ri­kas ein wenig ein­steigt. Und das ist ziem­lich star­ker Tobak, also wer schwa­che Ner­ven hat, der wird viel­leicht nicht so glück­lich mit die­sem Vor­trag sein. Es ist zum Teil haar­sträu­bend und scho­ckie­rend und über­ra­schend. Und das sage ich als jemand, der Ame­ri­ka liebt. Und der dort lebt seit fast sechs Jah­ren. Wie­der mal.

Überblick

In dem Vor­trag, heu­te Abend, geht es um die zeit­ge­schicht­lich-poli­tisch-sozio­lo­gi­sche Sei­te des The­mas. Mor­gen Vor­mit­tag geht es wei­ter. Dort geht es im Spe­zi­el­len um den Dreh- und Angel­punkt die­ses The­mas, näm­lich um das Got­tes­bild. Anders als alle ande­ren, die über die­ses The­ma geforscht und geschrie­ben haben, ist mei­ner Ansicht nach, das Got­tes­bild der Ame­ri­ka­ner der Dreh- und Angel­punkt für das Ver­ständ­nis des­sen, was heu­te Abend an scho­ckie­ren­den Infor­ma­tio­nen dar­ge­stellt wird. Und dann, mor­gen Nach­mit­tag, möch­te ich auf eine über­ra­schen­de Geschich­te ein­ge­hen, die in der bibli­schen Pro­phe­tie dar­ge­stellt ist. Denn ich bin der Über­zeu­gung, dass in der Pro­phe­tie der Bibel ein Vor­aus­blick – schon vor 2000 Jah­ren – des­sen gege­ben wur­de, was in Ame­ri­ka heu­te pas­siert. Und ich hof­fe, dass sie alle, die heu­te hier sind, bei allen drei Vor­trä­gen dabei sein wer­den. Denn ich glau­be, dass jeder der drei Vor­trä­ge das The­ma von einem andern Win­kel beleuch­ten wird. Okay, soviel zur Vor­re­de.

Fra­gen, die wir heu­te unter ande­rem beant­wor­ten wol­len: Wer ist die reli­giö­se Rech­te in Ame­ri­ka? Was sind ihre Zie­le und wel­che hat sie schon erreicht? Man kann ja heu­te gar nicht anders, als Din­ge über Ame­ri­ka zu erfah­ren. Man muss nur die Zei­tung auf­schla­gen, den Fern­se­her anstel­len – Ame­ri­ka ist immer wie­der in den Medi­en. Jetzt aktu­ell durch die­ses schreck­li­che Mas­sa­ker in Vir­gi­nia… bezeich­nend für mich ist, dass Geor­ge Bush als Reak­ti­on dar­auf sagt: »Wir wer­den für die Ange­hö­ri­gen beten, aber die Geset­ze wer­den wir nicht ändern

Eine wei­te­re Fra­ge, die wir bespre­chen wol­len, ist: Wie kommt es, dass die reli­giö­se Rech­te in der Fra­ge der Abtrei­bung, für den Erhalt des Lebens ist aber für das Aus­lö­schen von Leben infra­ge der Todes­stra­fe? Ich weiß nicht, ob sie das schon ein­mal ver­wirrt hat oder sie dafür eine gute Erklä­rung haben… denn für die reli­giö­se Rech­te ist die Hei­lig­keit des Lebens ein ganz hoher Wert. Dafür gehen die Leu­te auf die Stra­ße. Dafür brin­gen sie sogar Abtrei­bungs­ärz­te um… aber wenn es um die Todes­stra­fe geht, wo ist dort das Prin­zip der Hei­lig­keit des Lebens? Ein Wider­spruch.

Und ich glau­be, dass wir die­sen Wider­spruch auf­lö­sen kön­nen – erklä­ren kön­nen. Es bleibt ein Wider­spruch, aber wir haben eine Erklä­rung dafür. Ist das extre­me Erstar­ken der reli­giö­sen Rech­ten nur auf die Ter­ror­an­schlä­ge des 11. Sep­tem­ber 2001 zurück­zu­füh­ren? Ant­wort vor­ne­weg: Nein! Aber vie­len scheint es so, weil seit Geor­ge Bush und seit dem 11. Sep­tem­ber 2001 die­se reli­giö­se Dimen­si­on der Poli­tik Ame­ri­kas beson­ders deut­lich gewor­den ist und mehr dar­über ver­öf­fent­licht, gespro­chen und geschrie­ben wur­de. Aber, wir wer­den sehen, dass hier eine Bewe­gung schon vor­her in Gan­ge gesetzt wur­de, die jetzt nur immer deut­li­cher zuta­ge tritt. Um die­sen Vor­trag ver­ständ­lich zu machen, müs­sen wir zunächst eini­ge Daten, Fak­ten und Defi­ni­tio­nen unter­su­chen, denn das brau­chen wir um das Gan­ze ein­ord­nen zu kön­nen. Ein paar Wor­te zur ame­ri­ka­ni­schen Gesell­schaft: Ame­ri­ka hat heu­te ziem­lich genau 300 Mil­lio­nen Ein­woh­ner. Es ist übri­gens eines der weni­gen Län­der, wel­ches wirk­lich wächst – schnell wächst. Mal abge­se­hen von Län­dern in der Drit­ten Welt. Aber in der west­li­chen Welt wächst Ame­ri­ka schnel­ler als jedes ande­re Land – in Euro­pa schrump­fen wir – fast alle. Der reli­giö­se Patrio­tis­mus und Natio­na­lis­mus ist etwas, was sofort auf­fällt, wenn man nach Ame­ri­ka kommt. Über­all weht die ame­ri­ka­ni­sche Flag­ge – viel­leicht darf ich mal sehen: Wer von Ihnen war schon ein­mal in Ame­ri­ka? Darf ich mal die Hän­de sehen? Okay, dass sieht aus, dass es 37% sind. Ganz grob geschätzt ‑lachen- 37,5%. Man sieht also die ame­ri­ka­ni­sche Fah­ne über­all – bei jedem Anlass wird die Natio­nal­hym­ne gesun­gen. Wenn man hier in Deutsch­land oder Euro­pa zum Bei­spiel sagt: »Hal­te die Umwelt sau­ber.« – Dann wird die­ser Slo­gan in Ame­ri­ka garan­tiert hei­ßen: »Hal­tet Ame­ri­ka sau­ber!«

Der Fahneneid / Bildung in Amerika

Ja, genau, Fah­nen­eid. Jeder Schü­ler in Ame­ri­ka, ob er zu einer staat­li­chen oder pri­va­ten Schu­le geht, ob er in eine kirch­li­che oder sonst wie gear­te­te Schu­le geht, muss jeden Mor­gen vor der Fah­ne einen Fah­nen­eid auf­sa­gen. Also ich mei­ne, dass die klei­nen Kin­der, den Unter­schied zwi­schen einem Fah­nen­eid und einem Gebet nicht ken­nen. Ich glau­be, dass vie­le den Ein­druck haben, dass sie die Fah­ne anbe­ten. Ja, die Fah­ne ist etwas ganz Hei­li­ges. Sie darf nicht den Boden berüh­ren, sonst muss sie ver­brannt wer­den. Ja, sie muss auf eine ganz bestimm­te Art und Wei­se gefal­tet wer­den – ent­sorgt wer­den. Es wird also ein rie­sen The­ma aus der Nati­on, die Hym­nen, die Fah­ne und allem, was damit zusam­men­hängt gemacht. Das fällt auf – und das fällt natür­lich beson­ders jeman­dem auf, der aus Deutsch­land kommt, zumal da der Natio­na­lis­mus über­trie­ben wur­de.. ja, wir sind da sen­si­bi­li­siert wor­den. Ich bin in der Zeit der De-Nazi­fi­zie­rung Deutsch­lands auf­ge­wach­sen und zur Schu­le gegan­gen. Ja, wir sind da beson­ders fein­füh­lig. Wenn wir sagen, dass wir die Her­ren­men­schen sind, wir sind die Größ­ten, dann wer­den die ande­ren auto­ma­tisch min­der­wer­tig. Und ich bli­cke her­ab… Und in Ame­ri­ka ist es so, dass vie­le der Mei­nung sind, dass alles, was außer­halb Ame­ri­kas lebt, auf den Bäu­men lebt. Also, das ist nur leicht pole­misch gesagt. Aller­dings ist ein Wahr­heits­ge­halt dahin­ter ver­bor­gen.

Wenn man das jetzt mit der Unwis­sen­heit über den Rest der Welt und der Ver­gan­gen­heit kom­bi­niert … also in den Lehr­plä­nen der Schu­len gehör­te Welt­ge­schich­te und Welt­geo­gra­fie nicht zu den Pflicht­fä­chern. Des­halb kommt es immer wie­der vor, dass sogar ein Prä­si­dent den Unter­schied zwi­schen Öster­reich und Aus­tra­li­en nicht kennt. Vor kur­zem war ich in einem Got­tes­dienst, da hat der Pas­tor uns allen Erns­tes erklä­ren wol­len, dass die Schweiz eine Wal­fang­flot­te hat.

Ich habe ihm hin­ter­her gesagt: »War das nicht viel­leicht Schwe­den oder so? Aber die Schweiz mit einer Wal­fang­flot­te?« Ja… Also, wenn man nicht weiß, wer da drau­ßen noch so lebt… und woher wir kom­men… dann fällt es schwer, die eige­ne kul­tu­rel­le und zivi­li­sa­to­ri­sche Rol­le rich­tig ein­zu­ord­nen … und da haben die Ame­ri­ka­ner Pro­ble­me. Ja, sie füh­len sich als Beglü­cker der Welt. Got­tes Gabe an die Mensch­heit, weil sie die ein­zi­gen sind, die lesen und schrei­ben kön­nen – also etwas pole­misch. Ja, aber ich ver­su­che, die­se Gesell­schaft zu beschrei­ben. Ver­ste­hen Sie mich nicht falsch: Ich habe vie­le wirk­lich hoch­ge­bil­de­te Leu­te getrof­fen… die gibt es natür­lich auch. Ja, nicht umsonst gewin­nen meis­tens die Ame­ri­ka­ner die Nobel­prei­se. Ja, ich hat­te vie­le gute Freun­de, die an den Uni­ver­si­tä­ten unter­rich­ten, gera­de im Süd­os­ten von Michi­gan, wo ich lebe. Die sind natür­lich auch erschüt­tert über das, was im Moment in der ame­ri­ka­ni­schen Poli­tik vor sich geht. Aber es gibt eine gro­ße Bevöl­ke­rungs­grup­pe, die wirk­lich sehr igno­rant ist.

Das Fernsehen

Dann kommt das Fern­se­hen dazu: Das Fern­se­hen, das hängt an sich ein wenig mit dem Sys­tem zusam­men, mit der Fern­be­die­nung – mit der gro­ßen Aus­wahl an Kanä­len – da wird immer gleich wei­ter­ge­schal­tet, bis sich inner­halb von ein paar Sekun­den irgend­ein emo­tio­na­ler Kick kommt. Eine Sen­sa­ti­on… und was wird am liebs­ten geguckt? Die Tötung eines Men­schen in irgend­ei­ner Form. Ja, es wer­den gut und ger­ne pro Abend 100 Leu­te im Fern­se­hen umge­bracht. Die Patrio­tis­mus­pro­pa­gan­da geht über das Fern­se­hen… Ja, also das The­ma – Trend – nir­gend­wo in der Welt kann sich ein Trend so schnell durch­set­zen wie in Ame­ri­ka. Das hat einer­seits mit der Offen­heit und der Fle­xi­bi­li­tät zu tun, ander­seits auch mit der in der Mas­se der Bevöl­ke­rung gerin­gen Bil­dung und unkri­ti­schen Art – nicht zu ver­glei­chen, hin­ter­fra­gen und über­prü­fen. Das The­ma Macht und Gewalt: Die Ame­ri­ka­ner sind gera­de­zu in das The­ma Macht ver­liebt … und Gewalt. Das Fern­se­hen trans­por­tiert eben einen Groß­teil die­ser Gewalt… und das wird ein immer wie­der­keh­ren­des The­ma in mei­nen drei Vor­trä­gen sein: Macht… Gewalt… und dann die Kom­bi­na­ti­on mit Reli­gi­on. Viel­leicht erin­nern Sie sich noch an einen klei­nen Zwi­schen­fall mit Janet Jack­son in einer Live-Ori­gi­nal­über­tra­gung (es war ein Foot­ball­spiel, das End­spiel der ame­ri­ka­ni­schen Foot­ball­meis­ter­schaft). Da gab’s eine Gesangs­ein­la­ge und im Rah­men die­ser Gesangs­ein­la­ge, die von 10 Mil­lio­nen Men­schen ori­gi­nal geguckt wur­de, hat sie einen ihrer Brüs­te ent­blößt. Wahr­schein­lich woll­te sie ihre Kar­rie­re wie­der etwas auf­mö­beln… Viel­leicht woll­te sie Gesprächs­stoff schaf­fen… dadurch, dass sie scho­ckiert – wie dem auch sei: für ein paar Sekun­den konn­te Ame­ri­ka die Brust die­ser Frau sehen. Okay, über guten Geschmack kann man sich strei­ten. Nur die Reak­ti­on war inter­es­sant: Wochen­lang danach haben die Mode­ra­to­rin­nen und Talk­show­mas­ter im Fern­se­hen sich mora­lisch über die Ver­dor­ben­heit von Janet Jack­son und dem Fern­se­hen an sich ent­rüs­tet … ja das ging wirk­lich so – jeden Abend das­sel­be The­ma – wie­der hat man sich dar­über ent­rüs­tet und ent­rüs­tet… aber nicht ein ein­zi­ger hat wäh­rend die­ser gan­zen Zeit hat die mora­li­sche Ver­werf­lich­keit der Tötung von rund 100 Men­schen pro Abend im Fern­se­hen gespro­chen. Das heißt: Men­schen umringt ist okay – aber eine weib­li­che Brust ein­mal für ein paar Sekun­den – das ist etwas ganz, ganz Schlim­mes. Inter­es­sant, wie hier die Ver­hält­nis­se ver­scho­ben wer­den.

Christen in Amerika

Reli­gi­on in Ame­ri­ka – ja ich hab das hier auf Eng­lisch… [Foli­en] aber ich den­ke, das kön­nen Sie auch so ver­ste­hen… Wir haben cir­ca 22 % tra­di­tio­nel­ler Pro­tes­tan­ten, also das sind Pres­by­te­ria­ner, da sind Luthe­ra­ner usw. Dann haben wir die Evan­ge­li­ka­len – da haben wir 26 % davon, die wer­de ich nach­her noch etwas genau­er defi­nie­ren, wer das ist. 22 % sind katho­lisch und 30 % bezeich­nen sich als sons­ti­ges. Ein paar Wor­te zur Ent­wick­lung des ame­ri­ka­ni­schen Chris­ten­tums, denn das ame­ri­ka­ni­sche Chris­ten­tum in Ame­ri­ka hat sich anders ent­wi­ckelt als in Euro­pa. Das muss man wis­sen, wenn man über gewis­se reli­gi­ös-poli­ti­sche Ent­wick­lun­gen spricht.

Wir haben einen ergeb­nis­ori­en­tier­ten Cal­vi­nis­mus. Also, das ist ganz inter­es­sant: Wenn wir, sagen wir mal, im mit­tel­eu­ro­päi­schen Pro­tes­tan­tis­mus umse­hen, der sehr, sehr stark vom Luther­tum geprägt ist. Wenn wir nur ein­mal das Bei­spiel der Arbeits­ethik neh­men: Für den luther­a­nisch präg­ten Deut­schen ist die Arbeit an sich eine Form von Got­tes­dienst, das heißt, der Gläu­bi­ge, fühl­te sich in sei­ner Ver­ant­wor­tung gegen­über Gott und wird des­halb gewis­sen­haft und gut arbei­ten. Das Ergeb­nis sei­ner Arbeit ist weni­ger wich­tig als die Aus­füh­rung – die Qua­li­tät sei­ner Arbeit. Nun weiß ich natür­lich, dass es in Deutsch­land heut­zu­ta­ge weni­ge prak­ti­zie­ren­de bewuss­te Chris­ten gibt, aber wir haben es mit einem gewis­sen christ­li­chen Kul­tur­kon­den­sat zu tun. Wo die­se Denk­wei­se – die­se typisch deut­schen Tugen­den – Pünkt­lich­keit und Fleiß usw., irgend­wann ist dies reli­gi­ös ent­stan­den… da kommt natür­lich Preu­ßen mit rein mit dem Pflicht­be­wusst­sein usw. aber was mir wich­tig ist an die­ser Stel­le, die Aus­füh­rung der Arbeit selbst ist das Ent­schei­den­de – das Ergeb­nis kommt von allei­ne. Im Cal­vi­nis­mus ist es genau anders­her­um. Der Cal­vi­nist – und das kann mir eigent­lich aus der Schweiz und dann über Eng­land nach Ame­ri­ka – im Cal­vi­nis­mus, und das ist die domi­nan­te christ­li­che Form in Ame­ri­ka, ist das Ergeb­nis wich­ti­ger als die Arbeit selbst. Also wie der gro­ße Vor­sit­zen­de Kohl mein­te – und er mein­te das sicher­lich nicht ver­dau­ungs­tech­nisch – “Wich­tig ist das, was hin­ten her­aus­kommt!”.

Ja, das ist typisch cal­vi­nis­tisch. Denn… das kommt von die­ser Prä­de­sti­na­ti­ons­vor­stel­lung: der Vor­stel­lung, Gott hat von Anfang an fest­ge­legt, wer geret­tet wird oder nicht. Das ist die Vor­stel­lung der Cal­vi­nis­ten. Ja, und: Er seg­ne­te den. Der geret­tet wird. Das heißt, es ist eine Dyna­mik in Ame­ri­ka vor­han­den, zu bewei­sen: Ich bin von Gott ange­nom­men, ich gehö­re zum Geret­te­ten… und das bewei­se ich indem ich ein gro­ßes Auto fah­re, ein gro­ßes Haus habe, viel Geld ver­die­ne, erfolg­reich bin in mate­ria­lis­ti­schen Sin­ne. Das Ergeb­nis ist wich­ti­ger, als die Arbeit selbst. Inter­es­san­ter Gegen­satz – Da könn­te man noch län­ger drü­ber reden…

Die Trennung von Staat und Kirche

Die Tren­nung von Staat und Kir­che. Ganz wich­ti­ges Ele­ment. Die Grün­der­vä­ter Ame­ri­kas sind ja eigent­lich weg­ge­lau­fen von der Unter­drü­ckung, der poli­ti­schen und der kirch­li­chen-reli­giö­sen Unter­drü­ckung in Euro­pa, die gehör­ten alle irgend­ei­ner reli­giö­sen Min­der­heit ein und haben gesagt: »Wir wol­len nie­mals so ein Sys­tem wie in Euro­pa. Wir wol­len kei­ne Ver­fol­gung und des­halb bau­en wir die­se Mau­er in die Ver­fas­sung ein, die­se Mau­er von Tren­nung von Staat und Kir­che. Der eine darf den andern nie­mals rein­re­den.«

Ja, eine Ansicht nach so ziem­lich das Bes­te, was es in der ame­ri­ka­ni­schen Ver­fas­sung gibt, denn dadurch war eine freie Ent­wick­lung von Erzeu­gung, von Glau­ben, mög­lich. Indi­vi­dua­lis­mus und star­kes Lai­en­tum: Gut, wir befin­den uns hier im Raum einer gemein­schafts­christ­li­chen Kir­che, aber für die­je­ni­gen, die aus den gro­ßen Kir­chen kom­men: Sie ken­nen viel­leicht das nicht…  aber die typisch ame­ri­ka­ni­sche Kir­che, wird getra­gen von akti­ven Lai­en­mit­glie­dern. Ja, das ist nicht zu einer Pas­to­ren- oder Pries­ter­kir­che, wo dann unten nur das Fuß­volk ist und zuhört, aber hier oben wer­den die Ent­schei­dun­gen getrof­fen. Son­dern, nein, es ist rela­tiv demo­kra­tisch – basis­de­mo­kra­tisch. Dadurch kommt sehr viel Dyna­mik und Leben in eine Gemein­de rein. Auch die Steu­er­ge­set­ze – dass es immer etwas gibt, an dem ich mich hoch­zie­hen kann. Wenn ich mit mei­nen deut­schen Unter­neh­men etwas spen­den will, dann darf ich nach den Steu­er­ge­set­zen in Deutsch­land bis zu 10 % mei­nes Gewinns spen­den. Gleich hohe Steu­ern auf mei­nen Gewinn zah­len muss, habe ich kein Inter­es­se dar­an, einen hohen Gewinn zu ver­steu­ern. Also ist das hier immer rela­tiv wenig, was man spen­den kann. Im Gegen­satz dazu kann man in Ame­ri­ka bis zu 50 % – bei den meis­ten Gesell­schaf­ten und Rechts­form – bis zu 50 % des Umsat­zes spen­den. Das ist ein rie­si­ger Unter­schied! Bis zu 50 % vom Umsatz! Und bei uns in Deutsch­land bis zu 10 % vom Gewinn… Dadurch kann man natür­lich viel mehr machen… Es sind viel grö­ße­re Sum­men da, um Gebäu­de zu bau­en… Kir­chen, Schu­len, Uni­ver­si­tä­ten, Kran­ken­häu­ser, Ver­la­ge, Fern­seh­ge­sell­schaf­ten… was auch immer…

Bei uns wird viel von dem, was in Ame­ri­ka sich über Kir­chen abspielt, also sozia­le Pro­gram­me, vom Staat gemacht. Es ist hier eine gewis­se Ent­mün­di­gung, die wir hier haben – wir dele­gie­ren es an den Staat – staat­li­che Orga­ne. Ob es die Hil­fe für Arme ist oder für Kran­ke – was auch immer: In Ame­ri­ka ist es viel stär­ker die Initia­ti­ve der Bür­ger – von unten her … freie Initia­ti­ven…

Denominationen in Amerika

94 % der Ame­ri­ka­ner glau­ben an Gott. Das ist ein sehr hoher Pro­zent­satz. Die kirch­li­che Land­schaft: Es gibt 2150 ver­schie­de­ne Kir­chen. Damit mei­ne ich Deno­mi­na­tio­nen, wie katho­lisch oder evan­ge­lisch und adven­tis­tisch – das sind drei. Die haben 2150 ver­schie­de­ne Kir­chen! 40 % bis 46 % bean­spru­chen, wie­der­ge­bo­ren zu sein. Das schwankt je nach Tages­er­eig­nis­sen. Ja, also wenn man 40 % nimmt, das sind 120 Mil­lio­nen Men­schen – das sind enor­me Zah­len. Das kann man sich gar nicht vor­stel­len. So…

Wer sind die Evan­ge­li­ka­len? Dar­über müs­sen wir uns zunächst unter­hal­ten.

Also, es sind ins­ge­samt über 300 ver­schie­de­ne Deno­mi­na­tio­nen oder Kir­chen – kirch­li­che Orga­ni­sa­tio­nen, die dazu gerech­net wer­den kön­nen… und es sind 125.000 Orts­ge­mein­den. Das es also schon eine gan­ze Men­ge Holz, wenn man sich das über­legt. Die­se 300 Deno­mi­na­tio­nen bestehen aus 60 Bap­tis­ten­ge­mein­den und 240 Pfingst- und cha­ris­ma­ti­schen Gemein­den. Man merkt schon vier, wie die Gewich­te unter­schied­lich sind. Die größ­te pro­tes­tan­ti­sche Kir­che in Ame­ri­ka sind die Sou­thern-Bap­tists, also die süd­li­chen Bap­tis­ten, sie haben ihn nach Zähl­wei­se zwi­schen 11 und 16 Mil­lio­nen Gemein­de­mit­glie­der. Die übri­gens dezen­tra­len und auto­nom als Orts­ge­mein­de sind. Inter­es­sant ist, dass die Bap­tis­ten, im Moment einen ziem­lich star­ken Mit­glie­der­schwund haben. Etwa 300.000 bis 350.000 Bap­tis­ten ver­las­sen die Gemein­den fast jedes Jahr. Wohin gehen die? Ideen in den meis­ten Fäl­len zu den Pfingst­lern und Cha­ris­ma­ti­kern. Und weil man die­sen Strom, die­sen Ader­lass, stop­pen will, haben die Bap­tis­ten in Ame­ri­ka mehr und mehr damit begon­nen, eine pfingst­le­risch-cha­ris­ma­ti­sche Form des Got­tes­diens­tes zu über­neh­men… um die Leu­te zu hal­ten.

Pfingstler und Charismatiker

Was ist der Unter­schied zwi­schen den Pfingst­lern und Cha­ris­ma­ti­kern? Das ist etwas, was man wis­sen muss. Die Pfingst­ler sind vor 101 Jah­ren ent­stan­den – an der West­küs­te 1906. Eher eine nor­ma­le Kir­che, oder es sind ja meh­re­re Kir­chen inzwi­schen, die Zun­gen­re­de, also die eksta­ti­sche Form der Spra­che, der Rede, die also nicht ver­ständ­lich ist und die über­na­tür­li­chen Ursprungs sein soll… ist das Haupt­kenn­zei­chen der Pfingst­ler. Sie hal­ten es, wenn es das ers­te Mal auf­tritt, für ein Merk­mal der Wie­der­ge­burt und als Vor­aus­set­zung für die Erlö­sung. Die Cha­ris­ma­ti­ker sind sehr viel jün­ger. Sie sind erst in den sech­zi­ger, sieb­zi­ger Jah­ren des 20. Jahr­hun­derts ent­stan­den und war dadurch, dass eigent­lich in allen christ­li­chen Kir­chen – fast allen christ­li­chen Kir­chen – jemand auf ein­mal so ein eksta­ti­sches Phä­no­men erleb­te oder in Zun­gen reden anfing zu spre­chen und einen cha­ris­ma­ti­schen, eksta­ti­schen Glau­bens­stil prak­ti­zier­te. Häu­fig sind die­se Leu­te raus­ge­gan­gen in ande­re Gemein­den – manch­mal blei­ben sie drin­nen in ihren eige­nen Gemein­den – und die haben wir ein Pro­blem, dass sie leicht dop­pelt gezählt wer­den…  weil sie offi­zi­ell noch in ihrer tra­di­tio­nel­len Gemein­de sind… das kann eine katho­li­sche sein, das kann eine evan­ge­li­sche sein… was auch immer… aber tat­säch­lich gehen sie woan­ders zum Got­tes­dienst, wo man sich als Cha­ris­ma­ti­ker trifft und ver­steht.

Megakirchen

Das Mega­kir­chen Phä­no­men: Ich habe gehört, aber ich habe die­se Zahl noch nicht prü­fen kön­nen, dass jeden zwei­ten Tag in Ame­ri­ka eine neue Mega­kir­che steht. Ich hal­te die Zahl für etwas zu hoch, aber es ist ein inter­es­san­tes Phä­no­men. Eine Mega­kir­che, ist eine evan­ge­li­ka­le Kir­che, in der min­des­tens 2000 Leu­te zum Got­tes­dienst zusam­men­kom­men. Ja, das, was gebo­ten wird, da gibt es sehr gro­ße Unter­schie­de. (Jemand reicht dem Spre­cher ein Glas Was­ser. Die­ser: »Oh, vie­len Dank! Erwähn­te ich, da sich kein Alko­hol trin­ke? Ich trin­ke auf Ihr Wohl!«) es ist nicht ganz leicht, die­se Mega­kir­chen zu beschrei­ben. Man­che sind rela­tiv bibel­ori­en­tiert, ande­re sind so leicht cha­ris­ma­tisch und wie­der ande­re haben einen eso­te­ri­schen New-Age-Touch. Es geht ins­ge­samt mehr um die tren­den­ab­hän­gi­gen Bedürf­nis­se des Men­schen – das steht mehr im Mit­tel­punkt – als das Wort Got­tes und die Ver­kün­di­gung des Evan­ge­li­ums. Ja, also ist es mehr so ein Chris­ten­tum “light”. Ja, wür­de ich sagen. Ja, mit vie­len Frei­zeit­an­ge­bo­ten und Vor­trä­gen, über wie man sein Geld rich­tig inves­tiert, wie man sei­ne Kin­der erzählt, und so wei­ter. Es gibt also inzwi­schen 8 bis 12 Mil­lio­nen Mit­glie­der… und ich glau­be, die­se Zahl ist über­holt: Sie ist inzwi­schen höher… Men­schen, die zu die­ser Form von Got­tes­dienst gehört. Ja, zum Teil haben sie wun­der­schö­ne gro­ße moder­ne Gebäu­de.

Evangelikale – in Zahlen

So, ein paar Zah­len: Es gibt in etwa 98 Mil­lio­nen Evan­ge­li­ka­le – die Zahl ist, wie gesagt, sehr schwer zu zäh­len, weil eini­ge sind denn noch da und par­al­lel da und las­sen sich so ein­fach nicht zäh­len. Also nach der Washing­ton Post, eine der Zei­tun­gen, die ich am meis­ten schät­ze, sind es 98 Mil­lio­nen. Davon 33 Mil­lio­nen Bap­tis­ten, 20 Mil­lio­nen Pfingst­ler und 45 Mil­lio­nen Cha­ris­ma­ti­ker. – 45 Mil­lio­nen Cha­ris­ma­ti­ker, das ist also eine rie­sen Zahl. Und der Trend geht wei­ter in die­se Rich­tung. Er übri­gens 33 Mil­lio­nen Bap­tis­ten – welt­weit gibt es 45 Mil­lio­nen Bap­tis­ten, also außer­halb Ame­ri­kas gibt es nur 10 Mil­lio­nen wei­te­re Bap­tis­ten. Die Bap­tis­ten sind also eine sehr star­ke ame­ri­ka­ni­sche Kir­che. Ja… 50 bis 70 Mil­lio­nen, also etwa 2/3 der Evan­ge­li­ka­len, wer­den auch als Fun­da­men­ta­lis­ten bezeich­net. Nicht alle Evan­ge­li­ka­len sind Fun­da­men­ta­lis­ten und ich alle Fun­da­men­ta­lis­ten sind Evan­ge­li­ka­le. Das soll sich auch noch erwäh­nen. Beim [unver­ständ­lich] gehö­ren auch noch Mit­glie­der ande­rer Kir­chen dazu. Ich weiß, es ist etwas ver­wir­rend, die­ses The­ma. Es gibt dazu Wan­de­rungs­be­we­gun­gen und Schwan­kun­gen. Ich erwähn­te die Wan­de­rungs­be­we­gung: wie es von den Bap­tis­ten geht – zu den Pfingst­lern und Cha­ris­ma­ti­kern. Und die Schwan­kun­gen hän­gen damit zusam­men: Also, wenn eine Kata­stro­phe in Ame­ri­ka pas­siert, dann macht die ame­ri­ka­ni­sche Gesell­schaft immer einen Rechts­ruck. Mehr in das Lager der Fun­da­men­ta­lis­ten hin­ein… also nach dem 11. Sep­tem­ber haben 46 % der Ame­ri­ka­ner gesagt, dass sie wie­der­ge­bo­ren sind. Heu­te, wenn wir heu­te eine Umfra­ge machen wür­den, dann läge die­se Zahl wahr­schein­lich bei 42%. Das ist die letz­te Zahl, etli­che Mei­nungs­um­fra­gen gese­hen habe. Also hier sind Wan­de­rungs­be­we­gun­gen und Schwan­kun­gen. Also die Kir­chen­land­schaft dyna­mi­scher als bei uns – hier ist es sta­ti­scher.

Was ist ein Evangelikaler?

Was ist ein Evan­ge­li­ka­ler? Ja, man muss das mal defi­nie­ren:

Der Evan­ge­li­ka­le betont die Erlö­ser­rol­le Chris­ti. Ver­ste­hen Sie mich nicht falsch – das was ich sage … Es nicht alles ver­kehrt (lächeln): Die geist­li­che Wie­der­ge­burt – die inne­re Wen­de, die vom Hei­li­gen Geist gewirkt wird, die Auto­ri­tät der Bibel, ein mis­sio­na­ri­scher Drang – See­len­ge­win­nung, das Evan­ge­li­um ver­brei­ten – an ande­re wei­ter­ge­ben… ja, eine theo­lo­gi­sche Ver­schwom­men­heit… das ist ganz inter­es­sant… man kann sehen, wie das theo­lo­gi­sche Fun­da­ment der Evan­ge­li­ka­len im Lau­fe der Zeit immer schma­ler wird… immer klei­ner wird – war­um? Weil man sich nur so auch mit ande­ren eini­gen und poli­tisch eine gemein­sa­me Macht dar­stel­len kann. Des­halb wer­den auch nur eini­ge weni­ge Punk­te betont, und alles ande­re – das, was man dann nicht so genau oder man redet nicht so aus­führ­lich dar­über… das ist eine gewis­se theo­lo­gi­sche Ein­engung und Ver­schwom­men­heit… ein Emo­tio­na­lis­mus, also weni­ger nüch­tern als wir es in Euro­pa im Got­tes­dienst ken­nen… Emo­tio­na­li­tät bis hin zur Eksta­se – bis zur Ohn­macht.

Sonn­tags­hei­li­gung – auch ein ganz wich­ti­ger Punkt für den evan­ge­li­ka­len Glau­ben.

Was ist ein Fundamentalist?

Was ist dage­gen jetzt ein Fun­da­men­ta­list? Wir sag­ten, 2/3 der Evan­ge­li­ka­len sind Fun­da­men­ta­lis­ten! Also zunächst mal ist es eine radi­ka­le Reform des evan­ge­li­ka­len Glau­bens. His­to­risch gese­hen ist der Fun­da­men­ta­lis­mus als Reak­ti­on auf Dar­win und die Evo­lu­ti­ons­theo­rie ent­stan­den und auf die moder­ne Theo­lo­gie und die Öku­me­ne. Ursprüng­lich ging es dar­um, dass jemand an alle Geist­li­chen Ame­ri­kas einen Brief geschickt hat und sie auf­ge­for­dert hat, sich zu den fun­da­men­ta­len Leh­ren des Chris­ten­tums zu beken­nen. Und dies wur­de dann in Buch­form geklei­det und aus die­ser Geschich­te her­aus ist der Name Fun­da­men­ta­lis­ten ent­stan­den. Die Fun­da­men­ta­lis­ten glau­ben an die Ver­bal­in­spi­ra­ti­on der Bibel, das heißt, sie glau­ben nicht, dass Gott ledig­lich den Men­schen, den Pro­phe­ten, den Schrei­ber eines bibli­schen Buches beein­flusst hat und der dann in sei­nen eige­nen Stil, in sei­ner eige­nen Spra­che, etwas auf­ge­schrie­ben hat, son­dern das Gott jedes Wort buch­stäb­lich dik­tiert hat. Da gibt’s natür­lich auch Kurio­si­tä­ten: dass mei­nen eini­ge, dass Gott das Gan­ze in King James-Eng­lisch dik­tiert hat. Ja, Hel­lig­keit dem ein­zel­nen eng­li­schen Wort zuge­schrie­ben. … das ein­zel­ne Wort ist buch­stäb­lich so von Gott dik­tiert wor­den… … Das ist typisch für den Fun­da­men­ta­lis­ten und eine wört­li­che Aus­le­gung der Bibel: Wir wis­sen, dass es in gewis­sen Büchern – etwa die poe­ti­schen Bücher der Bibel oder den pro­phe­ti­schen Bücher der Bibel – da bedient sich der Schrei­ber, der von Gott inspi­rier­te Schrei­ber, auch ger­ne einer Sym­bol­spra­che. Die Bibel selbst weist dar­auf hin, wel­ches Sym­bol wie aus­zu­le­gen ist … in einer Rei­he von Fäl­len. Wir wer­den, wenn es Sie inter­es­siert, mor­gen Nach­mit­tag aus­führ­li­cher dar­über spre­chen. Aber bei den Fun­da­men­ta­lis­ten ist eine Nei­gung da, jeden Satz, jede Aus­sa­ge wört­lich aus­zu­le­gen. Es ist ein Anti-Intel­lek­tua­lis­mus, eine Bil­dungs­feind­lich­keit, typisch für die Fun­da­men­ta­lis­ten. Fer­ner: Ja, der Fun­da­men­ta­lis­mus ist abso­lut und auf Kon­fron­ta­ti­on ange­legt. Ich erin­ne­re mich noch an mein letz­tes Gespräch mit einem Fun­da­men­ta­lis­ten in Ame­ri­ka, ich glau­be, nach ein paar Heft­pflas­ter… Also dass es schon sehr *Brumm*… Dampf­wal­ze…

Scofield- und Dake-Bibel

Abhän­gig­keit vom Sco­field- und Dake-Bibel… Ich weiß nicht, ob jemand von Ihnen schon von der Sco­field-Bibel oder Dake-Bible gehört hat… Sco­field, die Lieb­lings­bi­bel Bap­tis­ten in Ame­ri­ka, Dake-Bibel, die Lieb­lings­bi­bel der Cha­ris­ma­ti­ker und Pfingst­ler. Das sind eigent­lich King James Über­set­zun­gen, also was bei uns im tra­di­tio­nel­len kon­ser­va­ti­ven Bereich die alte Luther-Über­set­zung ist, dass es dann für die­se die King James Über­set­zun­gen… die wird jetzt mit Kom­men­ta­ren ver­se­hen von die­sen bei­den Ver­fas­sern.

Die religiöse Rechte

Was ist jetzt die reli­giö­se Rech­te? Die reli­giö­se Rech­te ist mehr als die Fun­da­men­ta­lis­ten, aber es gehört zunächst ein­mal die Fun­da­men­ta­lis­ten dazu. Dazu gehö­ren aber auch die kon­ser­va­ti­ven Katho­li­ken… dazu­ge­hö­ren ande­re kon­ser­va­ti­ve Krei­se… ande­rer pro­tes­tan­ti­scher Gemein­den und Kir­chen … und es gehört über­ra­schen­der­wei­se auch die Mor­mo­nen und die Ver­ei­ni­gungs­kir­che dazu… Schon mal von der Ver­ei­ni­gungs­kir­che gehört? Uni­fi­ca­ti­on Church? Von Rever­end Moon, einem Kori­an­der? Den Moo­nies?

Die gehö­ren auch mit dazu – enge Freun­de von der Bush Fami­lie übri­gens…

Was ist der einen­de Fak­tor? Was bringt sie alle zusam­men? Die soge­nann­ten Fami­li­en­wer­te, also: pro Ehe, gegen Abtrei­bung, gegen Homo­se­xu­el­le, Sexua­li­tät und sol­che Din­gen. Kampf gegen den welt­li­chen Huma­nis­mus: Dar­in hat man den Feind aus­ge­macht. Den hat man zum Feind erklärt… man braucht einen Feind, um sich zu einen und das ist jetzt der Huma­nis­mus und Libe­ra­lis­mus… und man ver­sucht jetzt ihn in einer “vor­wärts Ver­tei­di­gung” anzu­grei­fen… sozu­sa­gen… Das Gan­ze ging Mit­te der Sieb­zi­ger­jah­re los… also: Das ist schon 30 Jah­re alt, wor­über wir hier spre­chen. Wer sind die Initia­to­ren der reli­giö­sen Rech­te?

Initiatoren

Es sind … ein Mann namens Paul Wey­rich – ich weiß nicht, ob er dar­auf stolz sein soll­te, dass er ein Deutsch­stäm­mi­ger ist – ich gleich dar­auf ein – Jer­ry Fal­well, Pat Robert­son, Tim LaHaye. Das ist das Klee­blatt der wich­tigs­ten reli­giö­sen Poli­tik­ak­teu­re in Ame­ri­ka der letz­ten 30 Jah­ren…

 Paul Weyrich

Im Ein­zel­nen: Paul Wey­rich [links] – katho­lisch, hat einen jour­na­lis­ti­schen Hin­ter­grund, gilt in den kon­ser­va­ti­ven Krei­sen Ame­ri­kas als der ein­fluss­reichs­te Poli­ti­ker. Er ist der Mann, der die Strip­pen zieht hin­ter den Kulis­sen… es der Mann, der die ein­fluss­rei­chen Orga­ni­sa­tio­nen ins Leben geru­fen hat… es ver­steht, die gro­ßen Geld­quel­len anzu­zap­fen und Poli­tik zu machen.

Jerry Falwell

Jer­ry Fal­well [rechts] – ursprüng­lich ein Bap­tis­ten­pre­di­ger, der dann aber sehr stark in das Cha­ris­ma­ti­sche hin­ein­ge­gan­gen ist… ein Fern­seh­pre­di­ger, vor allem bekannt durch sei­ne Fern­seh­sen­dun­gen … und der Mann hat eine Gefolg­schaft von eini­gen zig Mil­lio­nen Fern­seh­gläu­bi­gen und dadurch ist er sehr mäch­tig, sehr ein­fluss­reich. Ich wer­de sie nach­her durch eini­ge Aus­sa­gen näher vor­stel­len…

Pat Robertson

Und da es schließ­lich Pat Robert­son, [rechts] wahr­schein­lich der schil­lernds­te Vogel von allen; Sohn eines Sena­tors aus Vir­gi­nia, er woll­te 1988 zunächst ein­mal Prä­si­dent­schafts­kan­di­dat wer­den – der Repu­bli­ka­ner… hat er aber nicht geschafft, sie haben ihn nicht auf­ge­stellt, weil er sei­ner Rol­le im Korea­krieg maß­los über­trie­ben hat. Da hat er sich als Held und Front­kämp­fer dar­ge­stellt, in Wirk­lich­keit hat er nur dafür gesorgt, dass die ame­ri­ka­ni­schen Offi­zie­re in ihren Kaser­nen in Japan in den Bars genü­gend Alko­hol hat­ten – das war sei­ne Auf­ga­be, also … das hat man ihm wohl übel genom­men… und er wur­de kein Prä­si­dent­schafts­kan­di­dat… hat dann aber – ange­sto­ßen von Paul Wey­rich – eine reli­gi­ös-poli­ti­sche Orga­ni­sa­ti­on ins Leben geru­fen. Die Chris­ti­an Coali­ti­on – viel­leicht schon mal gehört? Eine Basis poli­ti­sche Bewe­gung, in der sich auf die 125.000 evan­ge­li­ka­len Kir­chen gestützt hat und Leu­te aus­ge­bil­det hat für die poli­ti­sche Agi­ta­ti­on… ich geh gleich dar­auf noch ein biss­chen ein…

Tim LaHaye

Und dann: Tim LaHaye… [rechts] Wer von ihnen hat schon ein­mal den Namen Tim LaHaye gehört? Es sind eini­ge, ja… etwa 7,8% – schät­ze ich mal… Tim LaHaye – nach Mei­nungs­um­fra­gen unter Evan­ge­li­ka­len gilt die­ser Mann als der ein­fluss­reichs­te Christ Ame­ri­kas der letz­ten 25 Jah­re. Num­mer zwei übri­gens Geor­ge Bush… Num­mer drei: Bil­ly Gra­ham. War­um Tim LaHaye? Tim LaHaye ist ein Theo­lo­ge, Pas­tor und Polit­ak­ti­vist, aber vor allen ist der des­halb so ein­fluss­reich, weil er Roma­ne geschrie­ben hat… Er hat in den letz­ten 11 Jah­ren 19 Roma­ne geschrie­ben über das Ende der Welt… Er behaup­tet, dass er sich auf die Offen­ba­rung des Johan­nes in der Bibel stützt, aber nach der Ansicht vie­ler Exper­ten und auch nach mei­ner Ansicht hat das wenig mit der Bibel zu tun, was er beschreibt in die­sen Büchern. Nur war man heu­te – und die­se Bücher sind heu­te ins­ge­samt 80 Mil­lio­nen ver­kauft wor­den – davon träumt so ein klei­ner Autor… 1% davon wür­de mir schon rei­chen! 80 Mil­lio­nen! Das heißt, wenn man heu­te einen Durch­schnitts­ame­ri­ka­ner – um beson­ders ein Evan­ge­li­ka­len oder ein Fun­da­men­ta­lis­ten – in Ame­ri­ka fragt: Wie sieht die Zukunft aus? Wie wird die Welt zu Ende gehen? – dann wird er mit an Sicher­heit gren­zen­der Wahr­schein­lich­keit Tim LaHaye und sei­ne Ideen zitie­ren und nicht das, was in der Bibel stellt… und das ist natür­lich besorg­nis­er­re­gend, und es Leu­te, die dar­auf hin­wei­sen, dass mehr und mehr die­se Romani­deen in der Poli­tik Ame­ri­kas wie­der auf­tau­chen. Geor­ge Bush – in den poli­ti­schen Ent­schei­dun­gen, in bestimm­ten For­mu­lie­run­gen, er gibt gewis­se Signa­le an sei­ne evan­ge­li­ka­le Wäh­ler­schaft… Sie ver­ste­hen genau, was er meint… und dass er einer von ihnen ist… weil er For­mu­lie­run­gen, Kon­zep­te, Vor­stel­lun­gen aus Tim LaHayes Sci­ence-Fic­tion-Roman benutzt… denn anders kann man sie nicht bezeich­nen. Okay…

Also Jer­ry Fal­well, eine die­ser … Pat Robert­son, das habe ich vor­hin kann ich gesagt, ist natür­lich vor allem Fern­seh­pre­di­ger… auch er hat wie Fal­well eine Gefolg­schaft von eini­gen zig Mil­lio­nen, die an sei­nen Lip­pen hän­gen und sei­ne Wer­te über­neh­men… und sei­ne Auf­for­de­rung in Taten umset­zen. Wie sieht das aus? Also wenn Pat Robert­son oder Jer­ry Fal­well in sei­ner Fern­seh­sen­dung sag­te: also mit die­ser Ent­schei­dung des Prä­si­den­ten sind wir nicht ein­ver­stan­den und bit­te schickt doch alle mal einen Brief an das Wei­ße Haus… dann fährt dort ein Last­wa­gen vor – meh­re­re LKWs vor dem Wei­ßen Haus, und es wer­den ton­nen­wei­se Brie­fe abge­la­den… und dann knickt der Prä­si­dent der ver­ei­nig­ten Staa­ten ein, weil eine so gro­ße Macht, eine Mei­nungs­macht dort drau­ßen, sei­ne Poli­tik kri­ti­siert… und so wird Poli­tik gemacht – in Ame­ri­ka heu­te… also ein schö­nes Zitat von Jer­ry Fal­well – das hat er zwei Tage nach dem Ter­ror­an­schlag vom 11. Sep­tem­ber gesagt: »Die Abtrei­bungs­be­für­wor­ter tra­gen einen Teil der Schuld dafür ( also für die­se Kata­stro­phe), dein Gott lässt sei­ner nicht spot­ten! Und wenn wir 40 Mil­lio­nen Babys ver­nich­ten ver­är­gern wir Gott… ich glau­be wirk­lich, dass die Hei­den und Abtrei­bungs­be­für­wor­ter und die Femi­nis­tin­nen und die Schwu­len und die Les­ben, die aktiv dar­an arbei­ten, dies zu einem alter­na­ti­ven Lebens­stil zu machen, die ACU ( also eine Bür­ger­rechts­be­we­gung), die Peo­p­le for Ame­ri­can Way ( auch eine Bür­ger­rechts­be­we­gung)- alle jene, die ver­sucht haben Ame­ri­ka zur säku­la­ri­sie­ren – ich zei­ge mit dem Fin­ger in ihr Gesicht – und sage: Ihr habt dazu bei­getra­gen, dass dies gesche­hen ist!«

Und übri­gens: Pat Robert­son, der ande­re Fern­seh­pre­di­ger­gi­gant war zuge­schal­tet und hat ihm zuge­stimmt… aus­drück­lich… das heißt, wenn wir das mal über­le­gen – ana­ly­sie­ren wir mal das mal kurz, was hier gesagt wird… er sagt doch zwei Din­ge, die beson­ders scho­ckie­rend sind. Ers­tens: er schiebt eine grau­sa­me Kata­stro­phe Gott in die Schu­he… es sieht es als eine Stra­fe Got­tes… – was sie schon für höchst bedenk­lich hal­te… und zwei­tens: Ist das ein Ansatz zur Volks­ver­het­zung. Das heißt, er ruft sei­ne Lands­leu­te dazu auf weni­ger tole­rant zu sein… er ver­sucht einen Sün­den­bock zu fin­den… für das Unglück, das Ame­ri­ka ereilt. Das hal­te ich für gefähr­lich – höchst bedenk­lich.

Pat Robert­son zum The­ma Tole­ranz – soll­te man sich mal auf der Zun­ge zer­ge­hen las­sen. Er sag­te hier 1991: »Es heißt, dass man nett sein soll zu den Epi­sko­paten und zu den Pres­by­te­ria­ner und zu den Metho­dis­ten und die­sen und jenen… Unsinn! Ich muss doch nicht nett sein zum Geist des Anti­chris­ten!« Ja, da kann man sehr schnell die­se Lis­te erwei­tern… das heißt hier ist das Gegen­teil der sprich­wört­li­chen ame­ri­ka­ni­schen Tole­ranz und Offen­heit zu sehen. Ich glau­be, es war ein Ame­ri­ka­ner, der gesagt hat: »Ich has­se, was du glaubst und sagst, aber ich wür­de mei­nen rech­ten Arm dafür geben, dass du das sagen darfst…« – Ver­ste­hen Sie das? Das ist die Tole­ranz, die Ame­ri­ka gemacht hat… Die wir Euro­pä­er – ich in jedem Fall – an Ame­ri­ka immer so bewun­dert haben. Frei­heit und Tole­ranz defi­nie­ren sich nicht an der Art und Wei­se, wie ich mit der Mehr­heit umge­he, son­dern dar­an, wie ich mit dem umge­he, der eine ande­re Mei­nung ver­tritt als ich. Da zeigt sich Tole­ranz! Aber hier sehen wir, wie die­se Wer­te über Bord gewor­fen wer­den und zig Mil­lio­nen Men­schen die­ser Denk­wei­se nach­fol­gen.

Der Mythos des faschistischen Superhelden

Ich habe mich in einem Haupt­teil – es gibt sechs Haupt­tei­le in mei­nem Buch – mit dem Volks­glau­ben der Ame­ri­ka­ner beschäf­tigt. Denn mei­ne The­se ist, was in den Text­bü­chern der theo­lo­gi­schen Fakul­tä­ten und Uni­ver­si­tä­ten steht ist eine Sache – auch was von der Kan­zel gepre­digt wird, ist eine Sache, aber eine ganz ande­re Sache ist, was in den Köp­fen der Men­schen wirk­lich vor­han­den ist, wenn es um Glau­ben geht. Was glau­ben die Men­schen wirk­lich? Und wenn wir über den Volks­glau­ben in Ame­ri­ka spre­chen, dann müs­sen wir zunächst ein­mal über den Mythos des faschis­ti­schen Super­hel­den spre­chen:

Ja, allein über die­ses The­ma wür­de ich ger­ne aus­führ­li­cher reden… Sie alle ken­nen die Super­man-Geschich­ten, nicht? Super­man, Bat­man, Spi­der­man, Cap­tain Ame­ri­ka, … wer ist da noch? Das sind ja die­se Comic­hef­te… Wann sind die­se ent­stan­den? 1929 ist Super­man erfun­den wor­den.… 1929 war die­se gro­ße Wirt­schafts­kri­se… das heißt, die Men­schen sehen sich nach einer Lösung ihrer exis­ten­zi­el­len Pro­ble­me… und da kam das […]. Super­man! Kam irgend­wo von oben… mit über­na­tür­li­cher Kraft… mit einem abso­lut mora­li­schen Cha­rak­ter… und das Böse, das irgend­wo aus­ge­bro­chen ist, dass die Ein­rich­tung die­ser Klein­stadt, meis­tens im Mitt­le­ren Wes­ten, nicht allei­ne lösen konn­te, das hat er allei­ne gelöst. Das heißt, es war eine, ja, säku­la­re welt­li­che Vari­an­te des Erlö­sungs­pla­nes… nur mit dem Unter­schied – das Ori­gi­nal Jesus Chris­tus, arbei­tet mit Lie­be, mit Respekt vor der frei­en Ent­schei­dung des ein­zel­nen – »Sie­he, er steht vor der Tür und klop­fe an und wer mich ein­lässt, zu dem keh­re ich ein…« – das heißt nicht, »… und wer nicht auf­macht, dem tre­te sie ein – weil es ja zu sei­nem Woh­le ist, dass ich rein!« – Das hat Jesus ja nie gesagt, nicht? Ja, aber was macht der faschis­ti­sche Super­held? Wäh­rend Jesus das Pro­blem der Sün­de durch Selbst­auf­op­fe­rung löst… löst der faschis­ti­sche Super­held das Pro­blem durch Macht und Gewalt. Er prü­gelt, er schießt, er kata­pul­tiert in den Welt­raum… inter­es­sant, nicht? Die­ser Gedan­ke setzt sich fort, in den soge­nann­ten “ame­ri­ka­ni­schen Action­fil­men”. Ja, aber ob es jetzt die She­riff-Fil­me sind mit John Way­ne, oder ob es Ram­bo ist mit Syl­ves­ter Stal­lo­ne, oder Ste­ven Sea­gal oder wie sie alle hei­ßen mögen… da ist immer: Die Macht in der Hand des Ein­zel­nen ver­mag mehr, als demo­kra­tisch gewähl­te Ein­rich­tun­gen, also Poli­zei, Gericht, Par­la­men­te und so wei­ter. Das ist ein faschis­ti­sches Modell… ganz inter­es­sant…

Oh, da muss ich Ihnen eine sehr schö­ne Geschich­te erzäh­len – wie tief die­se Vor­stel­lun­gen in den Köp­fen der Ame­ri­ka­ner sind: – Haben wir die Zeit? Haben wir! Kurz nach­dem Geor­ge Bush mit sei­nem Kern­team in den Kreuz­zug gegen das Böse aus­ge­ru­fen hat­te, brach­te der Spie­gel – ich glau­be im Febru­ar 2002 – viel­leicht erin­nern eini­ge von ihnen das noch… da brach­te der Spie­gel eine Cover­sto­ry – wie sagt man? Eine Titel­ge­schich­te! … und sie zeig­te Geor­ge Bush im Kör­per von Syl­ves­ter Stal­lo­ne, Ram­bo, also mit dem Stirn­band, mit den Mus­keln, Maschi­nen­pis­to­le [sic, Maschi­nen­ge­wehr] in der Hand, Muni­ti­ons­gür­tel über die Schul­tern – und das gan­ze Team war bei ihm: Dick Che­ney war da und da Rums­feld war da, Con­do­leez­za Rice und der Colin Powell war noch mit dabei damals… sie waren alle als die­se Comic­fi­gu­ren – die­se Action­he­roes – dar­ge­stellt… der Rums­feld, als Conan der Bar­bar – mit einem blut­trie­fend Schwert. Und die Con­do­leez­za Rice als Xenia [sic?, eigent­lich: Vale­ria aus Conan der Bar­bar] – jeden­falls, das war ein tol­les Bild!

Die Bush-Krieger (Karikatur)

Von links nach rechts: Bat Man (Colin Powell, Außen­mi­nis­ter), Conan the War­ri­or (Donald Rums­feld, Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter), Ram­bo! (Geor­ge W. Bush, Prä­si­dent), Mr. Hal­li­bur­ton (Richard B. Che­ney, Vize­prä­si­dent), Vale­ria of the Red Brot­her­hood (Con­do­leez­za Rice, Sicher­heits­be­ra­te­rin)  

Es war wirk­lich gut gemacht! Ein paar Tage nach­dem der Spie­gel her­aus­kam, mel­de­te sich der ame­ri­ka­ni­sche Bot­schaf­ter in Deutsch­land, er rief im Redak­ti­ons­bü­ro an. Und alle dach­ten: »Oh, jetzt gibt’s Prü­gel… Jetzt krie­gen wir rich­tig was auf’s Dach wegen Ver­un­glimp­fung eines Staats­ober­haup­tes oder so…« – weit gefehlt! Der ame­ri­ka­ni­sche Bot­schaf­ter sag­te: »Der ame­ri­ka­ni­sche Prä­si­dent fühlt sich geschmei­chelt und er möch­te doch bit­te 33 Exem­pla­re in Pos­ter­grö­ße von die­sem Titel mit nach Ame­ri­ka neh­men, denn alle, die dort abge­bil­det sind, wür­den sich das ger­ne ins Büro hän­gen!« Ja, also… die sehen sich tat­säch­lich als die­se faschis­ti­schen Super­hel­den… das ist bedenk­lich! Das ist bedenk­lich…

Die geheime Entrückung

Ach ja, die gehei­me Ent­rü­ckung: Schon von der gehei­men Ent­rü­ckung gehört? Ja, in fun­da­men­ta­lis­ti­schen Krei­sen ist das Kon­zept der gehei­men Ent­rü­ckung sehr popu­lär… also, nicht die Wie­der­kunft Chris­ti, so wie’s im Neu­en Tes­ta­ment steht, son­dern dass auf ein­mal die Gläu­bi­gen, wäh­rend das Leben hier wei­ter­geht – kei­ner denkt etwas Böses – (*Schwup*) – wer­den die Gläu­bi­gen in die Luft auf­ge­nom­men und, ja, man malt das immer ger­ne sehr fan­ta­sie­voll aus, indem man sich vor­stellt, dass viel­leicht ein Pilot von einem Jum­bo gläu­big war und dann wird er so kurz vor der Lan­dung ent­rückt… und das Flug­zeug stürzt dann ab… schon in den Sieb­zi­ger­jah­ren – das hat ja der… – wie hieß er? – der Herr Lind­say… “The Late Gre­at Pla­net Earth” – falls jemand den Titel noch kennt… 70 Mil­lio­nen Mal ver­kauft – das eine Buch! In den Sieb­zi­ger­jah­ren, als ich das ers­te Mal in Ame­ri­ka war, sah ich immer wie­der Stoß­stan­gen­auf­kle­ber, auf denen stand: »Wenn Sie die­ses Fahr­zeug fah­rer­los auf der Auto­bahn sehen, dann bin ich gera­de ent­rückt wor­den.« – das war nicht iro­nisch gemeint. Ja, das war nicht iro­nisch gemeint. Naja…

Einmal gerettet – immer gerettet

Was gehört noch dazu? Ein­mal geret­tet – immer geret­tet… Ein gefähr­li­cher Glau­be… Ja, das ist eine Vor­stel­lung – die­se abso­lu­te Heils­ge­wiss­heit… ich bin von Gott aus­er­wählt – mir kann nichts mehr pas­sie­ren… es hat jemand mal einen Roman geschrie­ben, der hat die­sen Gedan­ken auf­ge­grif­fen, und er hat gesagt… Okay, also die­ser Held in die­sem Roman, der war dann der Mei­nung, dass er von Anfang an von Gott aus­er­wählt war, für immer geret­tet zu wer­den… und er konn­te also tun was er woll­te… das war sei­ne Über­zeu­gung, gestützt von vie­len Pas­to­ren in Ame­ri­ka, und der ist dann zu einem Pro­fi-Kil­ler im Auf­trag der Kir­che gewor­den. – Ihm konn­te ja nichts mehr pas­sie­ren. Ja, das es ganz inter­es­sant… denn “der Zweck hei­ligt die Mit­tel” ist eng ver­wandt mit die­ser Vor­stel­lung. ” Ich kann alles tun, solan­ge es zu einem guten Zweck dient.” – es führt viel­leicht so weit an die­ser Stel­le, aber es gibt Leu­te, z. B., Kevin Phil­lips, ein Jour­na­list von der Los Ange­les Times, ehe­mals Mit­ar­bei­ter des Wei­ßen Hau­ses unter Regan… wer will beob­ach­tet haben, wie sich bei Geor­ge Bush die­se Vor­stel­lung, die sich wäh­rend sei­ner Prä­si­dent­schaft erst rich­tig ein­stell­te, von einem nor­ma­len – er ist ja eigent­lich Metho­dist – von einer metho­dis­ti­schen Vor­stel­lung der Erlö­sung zu einer fun­da­men­ta­lis­ti­schen-evan­ge­li­ka­len Vor­stel­lung wan­del­te, das bedeu­te­te, dass er auf ein­mal kei­ne Pro­ble­me mehr damit hat­te, das ame­ri­ka­ni­sche Volk zu belü­gen oder ein Krieg zu befeh­len in dem vie­le unschul­di­ge ums Leben kom­men. Ja, aber das ist ein kom­ple­xes The­ma… Aber das ist ganz inter­es­sant, denn es ist eine Kon­se­quen­zen die­ses Glau­bens…

Die Hölle

Und … Ja! Ganz beson­ders in die Höl­le! 77 % glau­ben, dass Gott die Ungläu­bi­gen am Ende der Tage in einen ganz, ganz hei­ßen Ort steckt und dafür sorgt, dass sie dort nie­mals ster­ben, son­dern ein Maxi­mum an Schmer­zen erlei­den – Er fol­tert sie und fol­tert sie unten – fol­tert sie ohne Ende. Das ist natür­lich ganz dra­ma­tisch. [Kur­ze Fra­ge oder Hin­weis aus dem Publi­kum]

Der Fol­ter-Glau­be – also die Vor­stel­lung, dass Gott der obers­te aller Fol­te­rer ist, ist eine erschre­cken­de Vor­stel­lung. Und ich möch­te dar­über mor­gen Vor­mit­tag etwas aus­führ­li­cher spre­chen… Denn das hat schlim­me Kon­se­quen­zen. Wenn wir wer­den, wie der Gott, den wir ver­eh­ren… Und als Chris­ten gehen wir ja davon aus, dass wir Chris­tus ver­eh­ren, bewun­dern, anbe­ten.… dass wir ihm immer ähn­li­cher wer­den… Ja – im Posi­ti­ven. Wie wirkt sich das aber aus, auf mich – mein Ver­hal­ten, mein Den­ken – wenn ich an einen Gott glau­be, der den Ungläu­bi­gen und end­lich lang gefol­tert? Das muss doch auch irgend­wie abfär­ben… und mei­ner Ansicht nach ist das der Schlüs­sel zum Ver­ständ­nis vie­ler reli­gi­ös-poli­tisch Ent­wick­lun­gen in Ame­ri­ka.

[Isra­el]

Okay, Isra­el habe ich über­se­hen. – Welt­ende und Pro­phe­tie, das heißt, die Evan­ge­li­ka­len haben eine bestimm­te Vor­stel­lung, von der Rol­le Isra­els in der End­zeit. Es gibt da inter­es­san­te Posi­tio­nen und Dis­kus­sio­nen zu die­sem The­ma, das wür­de allein mehr als einen Abend aus­fül­len. Nach mei­ner Aus­le­gung der Bibel lie­gen Sie falsch, weil vie­le der Aus­sa­gen, die ein­deu­tig Isra­el betref­fen – gera­de im Neu­en Tes­ta­ment – sich auf das geist­li­che Isra­el bezie­hen. Ja? Pau­lus sagt: »So sind wir nun alle eins in Chris­tus – alle Abra­hams Söh­ne.« Ja, aber ihre Vor­stel­lung von Isra­el hat dazu geführt, dass der moder­ne Staat Isra­el 1948 gegrün­det wur­de… hat dazu geführt, dass die ame­ri­ka­ni­sche Nah­ost­po­li­tik ein­deu­tig nur pro Isra­el ist. Es war frü­her so, dass die ame­ri­ka­ni­schen Juden die stärks­te Grup­pe der Lob­by­is­ten in Ame­ri­ka gestellt haben… die Intel­lek­tu­el­len, Bän­ker, Ja, … die waren eine sehr star­ke Macht. Inzwi­schen sind sie abge­löst wor­den – in ihrer Bedeu­tung – von den Evan­ge­li­ka­len… Fun­da­men­ta­lis­ten… die sich enorm stark für Isra­el enga­gie­ren und einen enorm star­ken Druck auf das Wei­ße Haus aus­üben im Bezug auf einer “pro Isra­el Poli­tik”.

1000 Jahre – Friedensreich, Dominionismus

Ja, ich habe hier mal ein Bild von der Höl­le gemacht… Noch mal zum Volks­glau­ben… ja rich­tig, Mil­lena­ris­mus und Domi­ni­onis­mus?- Das sind natür­lich zwei sehr schö­ne Begrif­fe. In der Bibel ist davon die Rede, dass es irgend­wann am Ende der Zeit, eine 1000 Jah­re­pe­ri­ode geben wird. Die Bibel spricht davon, dass sie im himm­li­schen Jeru­sa­lem – das ist also nach der Wie­der­kunft – sein wird. Es gibt aber vie­le Evan­ge­li­ka­len – und das sind sie sich nicht einig: die einen sagen: »Nein, Chris­tus kommt zuerst wie­der und dann kom­men die 1000 Jah­re.« und die ande­ren sagen: »Nein, erst kom­men die 1000 Jah­re und dann kommt Chris­tus wie­der.« – führt natür­lich zu unter­schied­li­chen Kon­se­quen­zen in Bezug auf die Poli­tik… ja, wenn ich glau­be, dass ich des Got­tes Reich her­bei­füh­ren muss… die­se 1000 Jah­re des Frie­dens… dann hat das ande­re Kon­se­quen­zen, als wenn ich sage: »Nein, ich muss ein­fach noch die letz­ten Jah­re erdul­den und dann kommt Chris­tus wie­der und dann wird er die 1000 Jah­re ver­wirk­li­chen.«

Ja, das hat Kon­se­quen­zen.

Domi­ni­onis­mus – das ist ein abend­fül­len­des The­ma. Auch der Rekon­struk­tio­nis­mus genannt… wer kommt das? Im Eng­li­schen, in der eng­li­schen Bibel – heißt es bei Mose – ja, auch im Deut­schen natür­lich… – da sagt Gott… ergibt er Adam, ja, die Herr­schaft über die Erde, über die Natur über die Tie­re usw. “to give domi­non over” im Eng­li­schen… daher der Name Domi­ni­onis­ten…

Die­se For­mu­lie­rung, benut­zen die Anhän­ger die­ser Rich­tung, um zu sagen: »Gott hat uns den Auf­trag gege­ben, die Welt auch poli­tisch zu beherr­schen.« – und das sind nicht nur ein paar! Das sind um die 40 Mil­lio­nen, die das glau­ben, inzwi­schen in Ame­ri­ka. Und Sie sagen, wenn Chris­tus sagt: »Mir ist Herr­schaft gege­ben über…« – Wie heißt das? »Mir ist Gewalt gege­ben über…« – ja, dann sagen Sie: »Aha! Wir sind eins mit Chris­tus, und daher sol­len wir auch Gewalt aus­üben über die gesam­te Welt!«

…inter­es­san­te Argu­men­ta­ti­on…

Pat Robert­son über christ­li­che Herr­schaft: Wie stellt er sich das vor, die­ser ein­fluss­rei­che Fern­seh­pre­di­ger? »Es ist ein­deu­tig, was Gott sagt: Ich habe den Men­schen die Herr­schaft über die Erde gege­ben, aber er hat sie ver­lo­ren… Jetzt möch­te ich rei­fe Söh­ne und Töch­ter, die in mei­nem Namen Herr­schaft aus­üben über die Erde… und die Satan, die Unfolg­sa­men, die Rebel­li­schen unter­wer­fen. Nimm mei­ne Welt denen weg, die sie aus­beu­ten und miss­brau­chen… herrscht, wie ich herr­schen wür­de!« Ja, also »…die in mei­nen Namen Herr­schaft aus­üben über die Erde und die Satan, die Unfolg­sa­men, die Rebel­li­schen unter­wer­fen…« – also ich könn­te mir sehr gut vor­stel­len, dass ich in die Grup­pe der Unfolg­sa­men und Rebel­li­schen gera­ten könn­te. … ange­sichts die­ser Ent­wick­lun­gen… Ja… und Geor­ge Grand über christ­li­che Herr­schaft, also ein Mit­strei­ter: »Chris­ten haben die hei­li­ge Ver­ant­wor­tung, das sie Land für Jesus Chris­tus bean­spru­chen. Es geht uns hier doch um Herr­schaft! Nicht nur um eine Stim­me – nicht nur um Ein­fluss! Die Erobe­rung der Welt! Das ist es, wozu uns Chris­tus den Auf­trag gege­ben hat. Wir müs­sen die Welt mit der Macht des Evan­ge­li­ums gewin­nen! Daher besteht der Haupt­zweck christ­li­cher Poli­tik in der Erobe­rung des Lan­des… in der Erobe­rung von Men­schen… Fami­li­en, Insti­tu­tio­nen, Ver­wal­tun­gen, Gerich­te und Regie­run­gen für das Reich Chris­ti.« – Das ist also ein abso­lu­ter Macht­an­spruch. Da ist kein Raum für Demo­kra­tie – für Mehr­heits­ent­schei­dun­gen. Hier wird eine gött­li­che Beauf­tra­gung bean­sprucht, um Macht aus­zu­üben, nicht nur über Ame­ri­ka, son­dern über den Rest der Welt. Die Fra­ge ist: »Ist das ein Spin­ner? Der allei­ne dasteht? Dem man ver­ges­sen kann?« – Nein! Es ist inzwi­schen zu einer Bewe­gung gewor­den. Wenn ich Ihnen sage… es gibt einen Ver­band der christ­li­chen Rund­funk- und Fern­seh­an­stal­ten in Ame­ri­ka. Dazu gehö­ren 1700 Rund­funk- und Fern­seh­an­stal­ten. 1700! Und die haben im Jahr 2005, im Mai 2005, die­se Phi­lo­so­phie zu ihrer obers­ten Auf­ga­be gemacht. Das obers­te Ziel! Wir wol­len das Land für Chris­tus beherr­schen! Die­se Rund­funk- und Fern­seh­sen­der errei­chen 141 Mil­lio­nen Men­schen in Ame­ri­ka… das ist eine enor­me Macht­ba­sis, die sich dort auf­ge­baut haben… und das geht stän­dig vor­an… es ist nicht etwas, was wie­der vor­über­geht und sich aus­wächst… das haben vie­le geglaubt am Anfang… aber es wird immer mäch­ti­ger, es wer­den immer mehr Men­schen, die dort hin­ter­ste­hen und das tra­gen.

John F. Sugg über Domi­ni­onis­mus: »Herr­schafts­theo­lo­gen pre­dig­ten, dass es die Auf­ga­be der Chris­ten sei, die Welt zu erobern und ihr eine bibli­sche Herr­schaft auf­zu­zwin­gen. Chris­tus wür­de nicht wie­der­kom­men, bis nicht die Kir­che die Herr­schaft über alle Regio­nen und Ein­rich­tun­gen der Welt über­nom­men hät­te…« – Ja, also da ist eine enor­me Dyna­mik… der Macht unter Herr­schaft vor­han­den. Und wenn hier von bibli­scher Herr­schaft die Rede ist, beim genaue­ren Hin­se­hen ist es nicht in die neu­tes­ta­ment­lich-bibli­sche Herr­schaft, son­dern die alt­tes­ta­ment­li­che… wo man sich ger­ne auf die Erobe­rungs­krie­ge Isra­els im Namen Got­tes – wo also Köp­fe roll­ten, wo Blut ver­gos­sen wur­de, stützt.

Von Demo­kra­tie zur Theo­kra­tie: Von 1979 bis 1990 war es die “Moral Majo­ri­ty”, also auch eine Basis… eine poli­ti­sche Basis­be­we­gung, die Reli­gi­on und Poli­tik ver­bannt, um Chris­ten in die Poli­tik zu brin­gen. Dann kam die 10 Jah­re – oder 12 Jah­re – der Chris­ti­an Coo­li­ti­on mit Pat Robert­son. Die haben das noch wei­ter vor­an­ge­trie­ben… Ich sage gleich, wie sie das gemacht haben.

James Dobson… schon ein­mal von James Dobson gehört? Einer der Schlimms­ten! Sie mit aller Gewalt, einen Got­tes­staat schaf­fen wol­len, und sie die Tren­nung von Staat und Kir­che auf­he­ben wol­len. Kei­nen Plu­ra­lis­mus mehr! Nur noch eine Mei­nung! Nur noch eine Reli­gi­on! Für alle! Katho­li­sche Kräf­te hin­ter den Kulis­sen – hoch­in­ter­es­sant! Die gesam­te Bewe­gung wur­de ein­ge­fä­delt von einem Jesui­ten namens Vir­gil Blum… die katho­li­sche Bischofs­kon­fe­renz von Ame­ri­ka war dahin­ter und dann die ers­ten Geld­ge­ber, die ers­ten Polit­stra­te­gen… waren alle katho­lisch. Nur der Vir­gil Blum hat gesagt, die Bewe­gung muss nicht-katho­lisch, muss pro­tes­tan­tisch aus­se­hen… und des­halb haben sie als Front die­se Evan­ge­li­ka­len genom­men.

Coun­cil for Natio­nal Poli­cy, das ist eine Geheim­or­ga­ni­sa­ti­on, die kei­nen demo­kra­ti­schen Spiel­re­geln unter­liegt… Sie tref­fen sich im Gehei­men… Kei­ner weiß genau wer dazu­ge­hört… und kei­ne Medi­en sind ein­ge­la­den… kei­ner kann sie kri­ti­sie­ren… hier ist eine Macht­kon­zen­tra­ti­on hin­ter den Kulis­sen… Hier sind die ein­fluss­reichs­ten Leu­te zusam­men… natür­lich auch die, die wir erwähnt haben.

Was sind die Ziele der religiösen Rechten?

Was sind die Zie­le der reli­giö­sen Rech­ten? Sie wol­len einen Kul­tur­wan­del… Sie wol­len – damit mei­nen sie – da sie eine kla­re eine sehr ein­ge­schränk­te Vor­stel­lung ihrer Form des Chris­ten­tums ver­wirk­li­chen wol­len… Sie wol­len Herr­schaft über Ame­ri­ka. Sie wol­len die alt­tes­ta­ment­li­che Geset­ze ein­set­zen… also dazu­ge­hört Stei­ni­gung zum Bei­spiel… Todes­stra­fe durch Stei­ni­gung… Sie wol­len die Welt für Chris­tus beherr­schen, also nicht nur Ame­ri­ka! Son­dern die gan­ze Welt für Chris­tus beherrsch­ten! Paul und Wey­rich über die Zie­le der reli­giö­sen Rech­ten: »Wir sind anders als frü­he­re Gene­ra­tio­nen von Kon­ser­va­ti­ven! Wir arbei­ten nicht mehr dar­an, den Sta­tus quo zu erhal­ten… wir sind Radi­ka­le, die dar­auf hin­ar­bei­ten, die gegen­wär­ti­ge Macht­struk­tu­ren die­ses Lan­des umzu­stür­zen!« – also nor­ma­ler­wei­se müss­te da der Ver­fas­sungs­schutz aktiv wer­den. Aber das passt so gut in die ame­ri­ka­ni­sche Land­schaft und hat so star­ker Mehr­hei­ten, dass es nicht geschieht in Ame­ri­ka.

Eric Heu­beck – noch ein deutsch­stäm­mi­ger; Heu­beck wür­den wir sagen – das ist so die rech­te Hand von dem Paul Wey­rich… über die Zie­le der reli­giö­sen Rech­ten: »Wir wol­len die bestehen­den Insti­tu­tio­nen nicht refor­mie­ren… wir wol­len sie nur schwä­chen und letzt­lich zer­stö­ren!« – also die machen kei­nen Hehl dar­aus, wor­auf Sie hin­aus wol­len… und wie gesagt es sind nicht nur ein paar Spin­ner… das hat inzwi­schen eine rie­sen Lob­by in Ame­ri­ka!

Anto­nin Sca­lia über die Todes­stra­fe: »Es scheint mir in der Tat so zu sein, dass ein Land so eher die Todes­stra­fe als mora­lisch betrach­tet, als es christ­li­cher ist.« – Das stellt doch… Wie soll ich sagen… das haut dem Fass den Boden ins Gesicht … oder so ähn­lich… Ja, also…

Die Methoden der religiösen Rechten

Die Metho­den der reli­giö­sen Rech­ten – hoch­in­ter­es­sant. Nazi­me­tho­den im Par­la­ment und in den Pro­zes­sen… wenn wir ein paar Minu­ten haben, kann zitie­re ich mal etwas aus mei­nem Manu­skript… wie habe ich geschrie­ben, zu dem The­ma… die evan­ge­li­ka­len Polit­ak­teu­re an der Basis betei­lig­ten sich aktiv und teil­wei­se mit ver­deck­ter Ziel­set­zung an den Dis­kus­sio­nen über kom­mu­nal­po­li­ti­sche The­men wie: Was­ser­ver­sor­gung, Stra­ßen­bau, Schul­neu­bau­ten etc., das heißt, die ging auf die unters­te Ebe­ne der demo­kra­ti­schen Pro­zes­se, ja, Orts­ver­samm­lun­gen, Bei­rats­ver­samm­lun­gen … dabei ersan­nen sie beson­ders raf­fi­nier­te Tech­ni­ken für die meis­ten Mani­pu­la­tio­nen der demo­kra­ti­schen Pro­zes­se: Sie ver­wen­de­ten bei basis­de­mo­kra­ti­schen Ver­samm­lun­gen eine beson­de­re Ver­zö­ge­rungs­tak­tik als Stra­te­gie. Dazu gelang es ihnen, die Zahl der Anwe­sen­den zur Abstim­mung über wich­ti­ge The­men und zur Beset­zung wich­ti­ger Ämter so zu redu­zie­ren, dass sie selbst die Mehr­heit hat­ten. Dazu Craig Berk­man, der ehe­ma­li­ge Vor­sit­zen­de repu­bli­ka­ni­schen Par­tei im Bun­des­staat Ore­gon: »Wenn sie um ein oder zwei Stim­men über­stimmt wer­den, fan­gen die par­la­men­ta­ri­schen Mani­pu­la­tio­nen an und nach zwei oder drei Stun­den der Dis­kus­si­on dar­über, wie vie­le Engel auf dem Kopf einer Steck­na­del tan­zen kön­nen, ver­las­sen die ver­nünf­ti­gen Men­schen, die noch ande­res zu tun haben, den Saal. Danach, in den frü­hen Mor­gen­stun­den, wer­den die Din­ge dann ent­schie­den… Auf die­se Wei­se errei­chen Sie Ihre Zie­le. Nicht über­ra­schend wur­den so – mit die­ser Metho­de – vie­le evan­ge­li­ka­len Akteu­re in zunächst unter­ge­ord­ne­te Gemein­de­äm­ter gewählt.«

Das heißt, sie haben eine inter­es­san­te Ver­zö­ge­rungs­tak­tik ent­wi­ckelt, um die par­la­men­ta­ri­schen Pro­zes­se auf der unters­ten demo­kra­ti­schen Ebe­ne zu mani­pu­lie­ren. Ja, sie zögernd die Ver­samm­lun­gen so lan­ge hin­aus, bis die Ver­nünf­ti­gen nach Hau­se gehen… und Sie haben mir eine Agen­da im Kopf… Sie blei­ben zusam­men und Nacht um eins oder zwei, wenn kei­ner mehr da ist, nur noch sie oder … . ja… sie unter sich, dann ver­än­dern Sie in die Tages­ord­nung und sie wäh­len sich dann gegen­sei­tig in Posi­tio­nen mit Macht und Ein­fluss… und das hat in Ame­ri­ka über­all im Lan­de statt­ge­fun­den! Und so sind sie von unten nach oben in Posi­tio­nen der Macht gekom­men und haben schließ­lich die repu­bli­ka­ni­sche Par­tei beherrscht, und sie qua­si in eine reli­giö­se Sek­te ver­wan­delt.

Militanz in Sprache und Begriffen

Mili­tanz in Spra­che und Begrif­fen. Also das ist ein Klas­si­ker – das muss ich unbe­dingt auch kurz vor­le­sen. Wo habe ich das? Also da gibt es einen Mann namens Ralph Reed, einer der geni­als­ten Stra­te­gen… er war der Wahl­kampf­hel­fer/-Bera­ter für Bush-Che­ney bei der letz­ten Wahl… und für fünf ande­re Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­ten… und für wei­te­re 82 Sena­to­ren und Gou­ver­neu­re und Kon­gress­ab­ge­ord­ne­te… war er der Wahl­kampf­stra­te­ge. Ein begna­de­ter Mann. Reed griff in der Füh­rung der Chris­ti­an Coali­ti­on, dort war er Geschäfts­füh­rer, bei der Aus­bil­dung reli­giö­ser Polit­ak­teu­re ger­ne auf eine mar­tia­li­sche Spra­che und eben­sol­che Ver­glei­che zurück: »Es ist wie ein Gue­ril­la­krieg! Wenn du dei­ne Posi­ti­on ver­rätst, ver­setzt du nur dein Geg­ner in die Lage die Ziel­ein­stel­lung sei­ner Artil­le­rie zu ver­bes­sern. Es ist bes­ser, im Stil­len zu ope­rie­ren… mit Tar­nung und im Schut­ze der Nacht.« – In einem Zei­tungs­in­ter­view erläu­ter­te er die­se Stra­te­gie und Arbeits­wei­se der reli­giö­se Rech­ten und ihrer Kan­di­da­ten noch dras­ti­scher: »Ich möch­te unsicht­bar sein! Ich male mein Gesicht schwarz an und rei­se bei Nacht. Du merkst erst dass es vor­bei ist, wenn du im Lei­chen­sack liegst.«

Für eine christ­li­che Orga­ni­sa­ti­on eine etwas über­ra­schen­de Spra­che… Reed hat­te offen­bar Paul Wey­richs Trai­nings­hand­buch stu­diert und ver­in­ner­licht – dar­in heißt es näm­lich: »Wir wer­den Gue­ril­la­tak­ti­ken benut­zen, um die Recht­mä­ßig­keit des vor­herr­schen­den Regimes zu unter­gra­ben.« – und so wei­ter und so wei­ter… Also: Man merkt die­se Mili­tanz – die­sen Macht­hun­ger – die­se Bru­ta­li­tät… und das scheint nun wirk­lich nicht zum Geist Jesu Chris­ti zu pas­sen… ein ekla­tan­ter Gegen­satz hier!

Geheime Methoden und verdeckte Operationen

Gehei­me Metho­den und ver­deck­te Ope­ra­tio­nen. Die Repu­bli­ka­ni­sche Par­tei wur­de das Vehi­kel für den Weg an die Macht. Der Zweck hei­ligt die Mit­tel! »Wir kön­nen jede Bru­ta­li­tät, jede unmo­ra­li­sche Sache machen, wenn sie nur einem guten Zweck dient.«

- Man sie bestim­men natür­lich was Gutes – was ein guter Zweck ist.

Zwang durch Faith-Based Initia­ti­ves – ich weiß nicht, ob sie davon gehört haben… heu­te wer­den schon auf­grund eines Prä­si­di­al­erlas­ses – nicht durch den Kon­gress ver­ab­schie­det, son­dern durch den Prä­si­den­ten eigen­hän­dig unter den Mög­lich­kei­ten, die das wei­ße Haus hat, erlas­sen… eini­ge Mil­li­ar­den – Steu­er­mil­li­ar­den, die frü­her über die Sozi­al­äm­ter an die Bedürf­ti­gen gege­ben wur­den, wer­den heu­te über ein­zel­ne reli­giö­se Orga­ni­sa­tio­nen ver­teilt, das heißt, wenn es da jeman­den gibt, der nichts mit Reli­gi­on am Hut hat, der es gezwun­gen! – Stel­len Sie sich vor, eine Frau mit einem Kind – arbeits­los… mit­tel­los… braucht Hil­fe… Sie muss jetzt zu einer bestimm­ten Kir­che gehen, ums sich dort das Geld abzu­ho­len oder eine Woh­nung geben zu las­sen oder ein Bett für eine Nacht oder was auch immer… und dort wird Druck aus­ge­übt, dass sie sich bekehrt… dass sie Mit­glied die­ser Kir­che wird! Das ist das Gegen­teil von dem, was Ame­ri­ka einst­mals war.

Pat Robert­son über Außen­po­li­tik und sein Respekt für das Leben von Prä­si­dent Hugo Cha­vez von Vene­zue­la. Das sag­te hier: »Ich weiß nicht ich von die­ser Dok­trin der geziel­ten Tötun­gen hal­ten sol­len. Aber wenn er meint (er – Cha­vez) … wir ver­su­chen ihn zu erschie­ßen, dann mei­ne ich, dass wir das auch wirk­lich tun soll­ten. Dass es viel bil­li­ger, als einen Krieg anzu­fan­gen!« – ein Mann Got­tes… befür­wor­te­te die Erschie­ßung eines recht­mä­ßig demo­kra­tisch gewähl­ten Staats­ober­haup­tes eines ande­ren Lan­des… das ist eine neue Dimen­si­on!

Jer­ry Fal­well auf dem Cover eines Vide­os über Prä­si­dent Bill Clin­ton – das war zu der Zeit, als Clin­ton Prä­si­dent war:

»Zum ers­ten Mal auf Video: eine Doku­men­ta­ti­on … Die Namen und Gesich­ter der Schlüs­sel­per­so­nen, die Clin­ton benutzt hat, um sei­ne Macht auf­zu­bau­en.… eben­so jener Per­so­nen, die ihm in die Que­re kamen und ihren Job, ihren Ruf, ihre Tugend, ihr Leben ver­lo­ren haben. Von Mil­lio­nen, die Arkan­sas, im Dro­gen­schmug­gel ver­die­nen wur­den… Von Vin­ce Fors­ters Selbst­mord bis zur Ermor­dung des Pri­vat­de­tek­tivs Jer­ry Parks nach Mafia­ma­nier.« – … das heißt, er beschul­digt hier den Prä­si­den­ten, des Mords, der Mit­glied­schaft in einer kri­mi­nel­len Ver­ei­ni­gung, der Geld­wä­sche, des Dro­gen­han­dels… das kurio­se ist: in die­sem Video selbst wird dann ein angeb­li­cher Jour­na­list, so hin­ter Milch­glas gezeigt, sodass man ihn nicht erken­nen kann, die dann angeb­li­che Schwei­ne­rei­en von Clin­ton auf­deckt… pein­lich war, das hin­ter­her her­aus­kam, dass die­ser Mann kein Jour­na­list war, son­dern ein von Jer­ry Fal­well beauf­trag­ter Pro­du­zent die­ses Vide­os… das war alles erlo­gen und erstun­ken, was er gesagt hat. – das zu den Metho­den, um Poli­tik zu machen… durch die christ­li­che Rech­te.

Hier eine Zusam­men­fas­sung der Ideen von Wey­rich zum Kul­tur­kampf: »Unwahr­hei­ten sind nicht nur zu tole­rie­ren – sie sind not­wen­dig. Es ist nötig sich unter dem Man­tel der Tugend­haf­tig­keit dar­zu­stel­len, wäh­rend alle Geg­ner und ihre Ideen als böse hin­ge­stellt wer­den.« – also dass es eine Zusam­men­fas­sung von die­ser Kathe­ri­ne Yurica, ja …

»Die völ­li­ge Zer­stö­rung des Geg­ners muss durch uner­bitt­li­che per­sön­li­che Atta­cken erreicht wer­den.« – also nicht das The­ma, son­dern der Mensch wird atta­ckiert. »Die Schaf­fung des Anscheins über­wäl­ti­gen­der Macht und Bru­ta­li­tät ist nötig, um den Wil­len des Geg­ners zu jeder Gegen­wehr zu zer­stö­ren.… und Hit­lers “Mein Kampf” und Wil­liam L. Shirer’s  “The Rise and Fall of the Third Reich” ( also ” Auf­stieg und Fall des Drit­ten Rei­ches”) sind nütz­li­che Lehr­bü­cher für das Füh­rungs­trai­ning.«

Das, ja, zur poli­ti­schen Phi­lo­so­phie.

Die politische Agenda der religiösen Rechten

Die poli­ti­sche Agen­da der reli­giö­sen Rech­ten. Was wol­len Sie? also wir kön­nen sagen, hier fin­det eine Pro­sti­tu­ti­on der christ­li­chen Wer­te um Macht wil­len statt… um mehr­heits­fä­hig zu sein, um an die Macht zu kom­men, machen die alles! Fami­li­en­wer­te, also gegen Abtrei­bung, für die Ehe, gegen Homo­se­xua­li­tät, für den Krea­tio­nis­mus, für die Auf­he­bung der Tren­nung von Staat und Kir­che, für die Auf­he­bung von Frau­en­rech­ten – übri­gens ganz inter­es­sant, am Ran­de, die reli­giö­se Rech­te lehnt jede Art von Emp­fäng­nis­ver­hü­tung ab, die durch Frau­en vor­ge­nom­men wer­den kann. Also ob che­mi­sche oder mecha­nisch oder wie auch immer ist… Auf der ande­ren Sei­te sind sie für die Benut­zung von Via­gra durch den Mann. Das hört sich so ein biss­chen nach Tali­ban an… eine Män­ner­welt ist es. – Unein­ge­schränk­ter Waf­fen­be­sitz, Aus­wei­tung der Todes­stra­fe, … das sind die Zie­le! Gegen Umwelt­schutz, gegen Arbeits­si­cher­heit, für ein star­kes Mili­tär, für eine aggres­si­ve Außen­po­li­tik, gegen inter­na­tio­na­le Ein­rich­tun­gen wie die Ver­ein­ten Natio­nen etwa, denn in den Ver­ein­ten Natio­nen hat auch ein Schur­ken­staat eine Stim­me und des­halb ist “Ame­ri­ka” dage­gen… Außer­dem wird in den Büchern in von Tim LaHaye der Anti­christ aus den Ver­ein­ten Natio­nen kom­men, aber ist eine ande­re Geschich­te.

Gegen Kran­ken und Ren­ten­ver­si­che­rung… und gegen eine Hil­fe für Arme! Man mischt sich dann in die Erlö­sung des Ein­zel­nen ein… des­halb ist man gegen die Hil­fe für die Armen! Das ist eigent­lich eine Umkeh­rung der christ­li­chen Wer­te, wie wir sie im Neu­en Tes­ta­ment ken­nen.

Jer­ry Fal­well über AIDS & den Cha­rak­ter Got­tes:

»AIDS ist der Zorn eines gerech­ten Got­tes für die Homo­se­xu­el­len…. AIDS ist nicht nur die Stra­fe eines gerech­ten Got­tes für die Homo­se­xu­el­len, son­dern Got­tes Stra­fe für die Gesell­schaft, die Homo­se­xu­el­le tole­riert.«

Also auch hier wie­der, die Ent­fer­nung von Tole­ranz, die Suche nach einem Sün­den­bock, die Auf­hei­zung der Gesell­schaft gegen eine bestimm­te Grup­pe in der Gesell­schaft…

Jer­ry Fal­well über Ex-Prä­si­dent Jim­my Car­ter. Jim­my Car­ter ein Bap­tist, übri­gens ein ernst­zu­neh­men­der Christ. Jer­ry Fal­well sagt in Bezug auf die Isra­el-Poli­tik:

»Sei­ne Bot­schaft von Frie­den und Aus­söh­nung unter fast allen Umstän­den ver­trägt sich ein­fach nicht mit den christ­li­chen Leh­ren, wie ich sie aus­le­ge. Die­se Geschich­te mit ‘auch die ande­re Wan­ge hin­hal­ten’, mag ja schön und gut sein, aber sie ist nicht das, wofür Chris­tus gekämpft hat und wofür er gestor­ben ist. Was wir tun müs­sen, ist, die Schlacht zu den mus­li­mi­schen Hei­den zu tra­gen und ihnen zu tun, bevor sie es uns tun kön­nen.«

Also ein wah­rer Frie­dens­en­gel… ja, ein Scharf­ma­cher, ein Het­zer…

Erreichte Ziele

Wel­che Zie­le hat die reli­giö­se Rech­te bis Novem­ber 2006 erreicht?

- Herr­schaft über die Repu­bli­ka­ni­sche Par­tei

- Herr­schaft über den Kon­gress

- Herr­schaft über den Senat

- Herr­schaft über das obers­te Gericht

- Herr­schaft über das Wei­ße Haus

- Ein­fluss auf das Rechts­sys­tem

- Ein­fluss auf die Medi­en

Wir haben am 7. Novem­ber 2006 eine Wahl gehabt, eine soge­nann­te “Mid­term elec­tions”, in der es um die bei­den Häu­ser des Kon­gres­ses gegen, also Ober­haus-Unter­haus, Senat und Kon­gress… da haben die Demo­kra­ten wie­der die Ober­hand gewon­nen, aber des­halb, weil die Wäh­ler­ba­sis der Repu­bli­ka­ner, die fun­da­men­ta­lis­ti­sche Wäh­ler­ba­sis, der repu­bli­ka­ni­schen Par­tei, einen Denk­zet­tel ver­pas­sen woll­te. Ich gehe davon aus, dass bei der nächs­ten Wahl die­ser Wäh­ler­block, der ja unge­fähr aus 50 Mil­lio­nen Per­so­nen besteht, wie­der orga­ni­siert und einig ist und damit mit Sicher­heit die nächs­te Wahl bestim­men wird.

Ausblick

Aus­blick und zu erwar­ten­de Ent­wick­lun­gen: Ich glau­be, wir brau­chen kei­ne Pro­phe­ten zu sein, um zu sagen, dass wir wei­te­re Kata­stro­phen erle­ben wer­den. Ob das Ter­ror­an­schlä­ge sind oder ein Erd­be­ben in San Fran­cis­co oder ein star­ker Hur­ri­kan in Flo­ri­da oder ein Atom­un­fall oder was auch immer es sein mag… und bei jeder Kata­stro­phe – wie gesagt – macht die ame­ri­ka­ni­sche Gesell­schaft einen Rechts­ruck in das Lager der Fun­da­men­ta­lis­ten.

Die par­la­men­ta­ri­schen Mehr­hei­ten der Rech­ten wer­den dazu genutzt, um die Geset­ze zu ver­än­dern. Das ist jetzt vor­über­ge­hend gestoppt, das wird wie­der­kom­men… Da führt kein Weg dran vor­bei…  Das obers­te Gericht wird die Recht­spre­chung ver­än­dern: Wir sehen das jetzt schon, davon wer­den wir in Zukunft noch mehr sehen. Das obers­te Gericht in Ame­ri­ka ist übri­gens sehr viel poli­ti­scher und ein­fluss­rei­cher als bei uns etwa…

Der cha­ris­ma­tisch-spi­ri­tis­ti­sche Ein­fluss wird wach­sen: Ja, wenn wir die Zeit hät­ten, wür­de ich noch eini­ge Anek­do­ten erzäh­len, aber ich wer­de die viel­leicht mor­gen Abend, mor­gen um 17:00 Uhr erzäh­len. Da gibt es haar­sträu­ben­de Geschich­ten… wie sich die­ses cha­ris­ma­tisch-spi­ri­tis­ti­sche Phä­no­men aus­wirkt… und wel­ches Poten­zi­al dar ist, Ame­ri­ka noch mehr zu ver­än­dern.

Die Medi­en wer­den die Sache der Rech­ten pro­pa­gie­ren: Das heißt, sie rich­ten sich immer nach den Mehr­hei­ten, sie wol­len ver­kau­fen, und des­halb schau­kel­te es sich hier so lang­sam hoch.

Das Bil­dungs­sys­tem wird “bekehrt” wer­den: Das heißt, es gibt Plä­ne, das gesam­te öffent­li­che Schul­sys­tem abzu­schaf­fen und nur noch kirch­li­che Schu­len zu haben. Ja, die Ansät­ze sind schon da… es wird in der Rich­tung wei­ter­ge­hen. Es wird wahr­schein­lich einer der ers­ten Mei­len­stei­ne sein – auf die­sem Weg der Ver­än­de­rung.

Die Suche nach einem Sün­den­bock wird begin­nen: Das heißt, sie es schon begon­nen… Sie wird stär­ker wer­den! Man wird nach Sün­den­bö­cken suchen, man braucht den inne­ren Feind, um das Volk zu einen.

Der “Krieg gegen den Ter­ro­ris­mus” stei­gert Ame­ri­kas Macht: Das ist ja schon etwas, was wir jetzt schon sehen… wie auf ein­mal nach dem 11. Sep­tem­ber vie­le Geheim­diens­te west­li­cher Län­der, die Türen für die CIA aus­macht und sagen: »Kommt, helft uns! Wir wol­len zu den Guten gehö­ren… helft uns die Bösen zu fan­gen!«

Und es ist abzu­se­hen, dass die UN irgend­wann durch eine Alli­anz der Demo­kra­tien unter der Füh­rung der USA ersetzt wird. Die USA ist sehr unzu­frie­den, sehr unglück­lich mit den Ver­ein­ten Natio­nen und es für sys­te­ma­ti­sche Stim­mung gemacht im Volk durch die Medi­en gegen die Ver­ein­ten Natio­nen… und… irgend­wann wird es eine Orga­ni­sa­ti­on der Demo­kra­tien, der soge­nann­ten Demo­kra­tien, geben unter der Füh­rung Ame­ri­kas.

Nicho­las Kris­tof, ein Jour­na­list, über den “Krieg gegen den Ter­ro­ris­mus”: (und das hat sich für ein sehr wich­ti­ges und sehr wah­res State­ment, was er hier gemacht hat. Er sagt): »Es han­delt sich hier mit Sicher­heit um einen reli­giö­sen Krieg – doch nicht um einen Krieg des Islam gegen Chris­ten­tum und Juden­tum. Viel­mehr geht es um einen Krieg des Fun­da­men­ta­lis­mus gegen jede Form des Glau­bens, der es um Frie­den und Frei­heit geht…«

Das unglaub­lich, die Pole hier… Unfrei­heit und Into­le­ranz, Druck und Zwang und Gewalt – und auf der ande­ren Sei­te: Frei­heit, freie Ent­schei­dun­gen, Respekt für die Ent­schei­dung des Ein­zel­nen. Ja, wir lau­fen lei­der… ich hät­te so man­che Anek­do­te noch ein­zu­fü­gen, in die Ihnen in die Ohren ver­bo­gen hät­te…

Die biblische Perspektive

Die bibli­sche Per­spek­ti­ve – und damit eine Vor­aus­schau auf mor­gen Abend – mor­gen Nach­mit­tag:

»Und ich sah ein ande­res Tier auf­stei­gen ( schreibt der Pro­phet Johan­nes in der Offen­ba­rung) aus der Erde; das hat­te zwei Hör­ner, gleich­wie ein Lamm und rede­te wie ein Dra­che. Und es übt alle Macht des ers­ten Tie­res vor ihm und es macht, dass die Erde und die dar­auf woh­nen, anbe­ten das ers­te Tier … Und sagt denen, die auf Erden woh­nen, dass sie ein Bild machen sol­len dem Tier… Und es wur­de ihm gege­ben,  dass es dem Bild des Tie­res Geist gab, das des Tie­res Bild reden und mach­te, dass alle, die nicht des Tie­res Bild anbe­te­ten, getö­tet wür­den.« – nach mei­ner Über­zeu­gung haben wir hier eine pro­phe­ti­sche Vor­aus­schau, die vor 2000 Jah­ren gege­ben wur­de, über das was sich in Ame­ri­ka abspie­len wird.

Wenn Sie das inter­es­siert – und ich glau­be, dass das wirk­li­che hieb- und stich­fest ist, die Argu­men­te – ich habe 10 Beweis­punk­te, über dich mor­gen ger­ne spre­chen wür­de… es ist hoch­in­ter­es­sant, wie das Bild sich hier abrun­det… wie der Kreis sich schließt… aber ich möch­te mit einer posi­ti­ven Note enden: in Lukas heißt es – es betrifft das Ende der Welt:

»Und als dann wer­den sie sehen den Men­schen­sohn kom­men in einer Wol­ke mit gro­ßer Kraft und Herr­lich­keit. Wenn aber die­ses anfängt zu gesche­hen, so sehet auf und erhe­bet eure Häup­ter, dar­um dass sich eure Erlö­sung naht.«

Ich glau­be, dass ich Ihnen heu­te Abend sehr viel zuge­mu­tet habe… das ist star­ker Tobak war… dass es ziem­lich scho­ckie­rend war und depri­mie­rend. Aber ich glau­be, dass wir Chris­ten, die die Bibel ken­nen, nicht all­zu über­rascht sein soll­ten. Denn die Bibel spricht davon, dass am Ende der Zeit gewis­ser Ereig­nis­se geben wird, die nicht nur erfreu­lich sind… aber sie sind Vor­bo­ten einer abso­lut erfreu­li­chen Geschich­te… und das ist die Wie­der­kunft Jesu Chris­ti in Kraft und Herr­lich­keit – Erlö­sung steht am Ende! Nicht Cha­os und Ver­nich­tung… und damit wür­de ich ger­ne schlie­ßen!


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Immanuel
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Quelle des Lebens
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Wunder-Rat
Gott der Hoffnung
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Liebe
Immanuel
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König aller Könige
Hohepriester
Abba
Fürchtet Gott und gebt ihm die Ehre
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Allmächtiger
Hohepriester
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