Daniel 7: Der Antichrist, das Tier und das kleine Horn

Inhaltsverzeichnis

Wer ist der Anti­christ?
Die vier Tie­re
Das klei­ne Horn
Steck­brief des Anti­chris­ten
Ein ver­däch­ti­ger Kan­di­dat
Fazit

Anhang:
Abbil­dun­gen
Quel­len


Wer ist der Antichrist?

Wer ist der Anti­christ? Es gibt vie­le Spe­ku­la­tio­nen dar­über, auf wen die Merk­ma­le des Anti­chris­ten pas­sen könn­ten. Vor eini­gen Jah­ren sag­ten man­che, es sei Ronald Rea­gan, ande­re glau­ben, es sei ein gro­ßer Com­pu­ter in Bel­gi­en oder in Ame­ri­ka. Die Film­in­dus­trie hat die­ses The­ma natür­lich auch schon auf­ge­grif­fen. Wird der Anti­christ ein Mensch sein, der die Zahl 666 auf der Stirn trägt? Nun, es gibt gewiss unzäh­li­ge Vor­stel­lun­gen, aber war­um wen­den wir uns nicht der eigent­li­chen Quel­le zu? Fra­gen wir die Bibel!

Die ers­te Fra­ge auf die­ser Sei­te hät­te anders gestellt wer­den sol­len: Nicht wer, son­dern WAS ist ein Anti­christ? Es macht wenig Sinn, über die­ses The­ma zu spre­chen, wenn man gar nicht weiß, wel­ches Kon­zept sich unter dem Begriff des Anti­chris­ten ver­birgt! Das Wort „Anti­christ” kommt in der Bibel nur fünf­mal (1. und 2. Johan­nes­brief) vor. Mit dem Wort ver­bin­det man jedoch oft mehr, als aus die­sen Stel­len her­vor­geht.

Unter der Prä­po­si­ti­on anti- ver­steht man im All­tag oft nur gegen-, aber die­ses Prä­fix bedeu­tet auch anstel­le von. So kann der Anti-Chris­tus etwas oder jemand sein, der ent­we­der gegen Chris­tus ist oder aber jemand, der an die Stel­le von Chris­tus (d. h. des Mes­si­as) tritt. Wenn man vom Anti­chris­ten spricht, dann meint man nicht nur jeman­den, der eine „Anti-Christus”-Lehre ver­kün­det. In den Johan­nes­brie­fen wird der Begriff Anti­christ für Men­schen ver­wen­det, die Vater und Sohn leug­nen bzw. abstrei­ten, dass Jesus „in das Fleisch gekom­men ist”. Daher spricht Johan­nes auch von vie­len Anti­chris­ten.

Im wei­te­ren Sin­ne stellt der Anti­christ einen direk­ten Gegen­part des erhöh­ten Chris­tus im sata­nisch-feind­li­chen Sin­ne dar. DER Anti­christ im abso­lu­ten Sin­ne ist Satan selbst, der sich über alles erhe­ben will (Jes 14 und Hes 28). Aber auch Per­so­nen oder Mäch­te, die von Satan als Werk­zeug ein­ge­setzt wer­den, kön­nen als anti­christ­lich bezeich­net wer­den. Oft wer­den Satans­werk­zeu­ge und ihr Meis­ter in bibli­schen Beschrei­bun­gen ver­mischt (vgl. Offb 12,4.9 und Mt 2,16f).

Obwohl es eigent­lich falsch ist, immer von einem Anti­chris­ten zu spre­chen (dies wäre am ehes­ten Satan), wird der Aus­druck „der Anti­christ” (Sin­gu­lar) auch auf sei­ne Werk­zeu­ge ange­wen­det. Der bes­se­ren Les­bar­keit wegen soll im Fol­gen­den dies auch getan wer­den, obgleich das oben Gesag­te nicht ver­ges­sen wer­den darf. „Der” Anti­christ wird auch von Pau­lus beschrie­ben. Lesen wir dazu 2.Thessalonicher 2,4 (Luther 2017):

Er ist der Wider­sa­cher, der sich erhebt über alles, was Gott oder Hei­lig­tum heißt, sodass er sich in den Tem­pel Got­tes setzt und vor­gibt, er sei Gott.

Pau­lus sah schon damals, wie sich das Unheil lang­sam zusam­men­brau­te. Im glei­chen Kapi­tel schrieb er etwas spä­ter in Vers 7:

Denn das Geheim­nis des Fre­vels (auch: Gesetz­lo­sig­keit) ist bereits wirk­sam; nur muss der, der es jetzt auf­hält, erst hin­weg­ge­tan wer­den;

Es gibt noch eine gan­ze Rei­he von wei­te­ren Beschrei­bun­gen des “gro­ßen Fein­des”. So wird es beschrie­ben als:

  • der Mensch der Gesetz­lo­sig­keit, der sich in Got­tes Tem­pel setzt (Thes­sa­lo­ni­cher 2,3–4).
  • der Sohn des Ver­der­bens, der sich als Gott aus­gibt (Thes­sa­lo­ni­cher 2,3–4).
  • der Gesetz­lo­se, der Wider­sa­cher (Thes­sa­lo­ni­cher 2,8).
  • der durch Macht­ta­ten, Zei­chen und Wun­der sich aus­wir­ken­de Satan (Thes­sa­lo­ni­cher 2,9–10; Mat­thä­us 24,24)
  • der durch jede Art der Ver­füh­rung betrügt etc. (Thes­sa­lo­ni­cher 2,9–11, Johan­nes 1,7)

In der Offen­ba­rung steht das wil­de Tier (Offen­ba­rung 13,1–10; 17,7–17) im star­ken Gegen­satz zu Jesus Chris­tus, dem Lamm Got­tes. Schla­gen wir dazu Offen­ba­rung 13 auf. Die Zah­len ste­hen für die Vers­num­mern. Die­se Anga­ben sind wich­tig, wenn man den genau­en Wort­laut zitie­ren oder in ande­ren Über­set­zun­gen ver­glei­chen möch­te.

1 Und ich sah ein Tier aus dem Meer stei­gen, das hat­te zehn Hör­ner und sie­ben Häup­ter und auf sei­nen Hör­nern zehn Kro­nen und auf sei­nen Häup­tern läs­ter­li­che Namen. 2 Und das Tier, das ich sah, war gleich einem Pan­ther und sei­ne Füße wie Bären­fü­ße und sein Rachen wie ein Löwen­ra­chen. Und der Dra­che gab ihm sei­ne Kraft und sei­nen Thron und gro­ße Macht. 3 Und ich sah eines sei­ner Häup­ter, als wäre es töd­lich ver­wun­det, und sei­ne töd­li­che Wun­de wur­de heil. Und die gan­ze Erde wun­der­te sich über das Tier, 4 und sie bete­ten den Dra­chen an, weil er dem Tier die Macht gab, und bete­ten das Tier an und spra­chen: Wer ist dem Tier gleich und wer kann mit ihm kämp­fen? 5 Und es wur­de ihm ein Maul gege­ben, zu reden gro­ße Din­ge und Läs­te­run­gen, und ihm wur­de Macht gege­ben, es zu tun zwei­und­vier­zig Mona­te lang. 

Wow! Beein­dru­ckend oder doch nur ver­wir­rend? – Was bedeu­tet die­ses Tier? Gehen wir kurz zum zwei­ten Petrus­brief, Kapi­tel 1, Vers 20: (Elber­fel­der Bibel)

indem ihr dies zuerst wisst, dass kei­ne Weis­sa­gung der Schrift aus eige­ner Deu­tung geschieht

Wir sol­len also nicht unse­rem Ver­stand und unse­rer Fan­ta­sie frei­en Lauf las­sen, son­dern Gott bit­ten, dass er uns die Weis­sa­gun­gen erklärt. Wie bereits erwähnt, legt sich die Bibel oft selbst aus. Es ist nicht wich­tig, was wir ver­mu­ten oder wel­che Theo­rie wir gut fin­den, son­dern, wenn die Bibel etwas zu einem The­ma sagt, soll­ten wir dies nut­zen und zunächst dort nach einer Ant­wort suchen!
Natür­lich ist nicht alles, was in der Bibel steht, ein­fach zu ver­ste­hen. Aber gera­de dar­in besteht ein beson­de­rer Reiz: her­aus­zu­fin­den, was sich hin­ter der kom­pli­zier­ten Spra­che der Bibel ver­birgt.

Wenn man sich mit einem pro­phe­ti­schen Text aus­ein­an­der­setzt, gibt es immer zwei Mög­lich­kei­ten, ihn zu deu­ten: Ent­we­der ist das Beschrie­be­ne wört­lich oder sym­bo­lisch zu ver­ste­hen, d. h. der Inhalt des Tex­tes sym­bo­li­siert mög­li­cher­wei­se einen völ­lig ande­ren Sach­ver­halt.

Ist das Tier aus Offen­ba­rung 13 wört­lich zu neh­men? Viel­leicht ist es eine son­der­ba­re Muta­ti­on? Oder ein gene­tisch gezüch­te­tes Mons­ter? Nun, das ist zwar eine denk­ba­re Mög­lich­keit, aber man könn­te an die­ser Stel­le ver­su­chen, der sym­bo­li­schen Spur zu fol­gen. Betrach­tet man ande­re Bibel­stel­len, so zeigt sich, dass oft Sym­bo­le ver­wen­det wer­den, deren Bedeu­tung sich leich­ter erschließt als bei der Schil­de­rung in Offen­ba­rung 13 allein. Der Text greift dabei auf Beschrei­bun­gen zurück, die bereits im Alten Tes­ta­ment vor­kom­men.


Die vier Tiere

Wie bereits an ande­ren Stel­len erwähnt, bestehen bemer­kens­wer­te Par­al­le­len zwi­schen der Offen­ba­rung und dem Buch Dani­el. Bei­de Wer­ke skiz­zie­ren sowohl den Ver­lauf der Welt­ge­schich­te als auch deren Ende. Ein Blick auf das sieb­te Kapi­tel des Buches Dani­el ver­deut­licht dies. Begin­nen wir mit den ers­ten Ver­sen – Dani­el 7,1–2:

1 Im ers­ten Jahr Bel­sa­zars, des Königs von Babel, hat­te Dani­el einen Traum und Gesich­te auf sei­nem Bett; und er schrieb den Traum auf: 2 Ich, Dani­el, sah ein Gesicht in der Nacht, und sie­he, die vier Win­de unter dem Him­mel wühl­ten das gro­ße Meer auf. 

Bereits im zwei­ten Vers begeg­nen uns zwei Begrif­fe, die Fra­gen auf­wer­fen: Was bedeu­ten die „vier Win­de“ und was sym­bo­li­siert das „Meer“? Sind die­se Beschrei­bun­gen wört­lich zu neh­men oder han­delt es sich um Sym­bo­le?
Schla­gen wir dazu das Buch Jere­mia auf, und zwar Kapi­tel 49, die Ver­se 35 bis 37:

35 So spricht der HERR Zebaoth: Sie­he, ich will den Bogen Elams zer­bre­chen, sei­ne stärks­te Waf­fe, 36 und will die vier Win­de von den vier Enden des Him­mels über sie kom­men las­sen und will sie in alle die­se Win­de zer­streu­en, dass es kein Volk geben soll, wohin nicht Ver­trie­be­ne aus Elam kom­men wer­den. 37 Und ich will Elam ver­zagt machen vor sei­nen Fein­den und vor denen, die ihnen nach dem Leben trach­ten, und will Unheil über sie kom­men las­sen, mei­nen grim­mi­gen Zorn, spricht der HERR, und will das Schwert hin­ter ihnen her schi­cken, bis ich sie auf­rei­be.

Wei­te­re Bele­ge lie­fern Jere­mia 25,31–32 sowie Offen­ba­rung 7,1. In die­sem pro­phe­ti­schen Kon­text ste­hen die vier Win­de sinn­bild­lich für Krieg, poli­ti­sche Unru­hen und Ver­wüs­tung.

Auch das Was­ser bzw. das Meer trägt in der bibli­schen Bil­der­spra­che oft eine sym­bo­li­sche Bedeu­tung. In Offen­ba­rung 17,15 steht:

Und er sprach zu mir: Die Was­ser, die du gese­hen hast, an denen die Hure sitzt, sind Völ­ker und Scha­ren und Natio­nen und Spra­chen.

Und der Pro­phet Jesa­ja schrieb im 17. Kapi­tel, Vers 12:

Weh, ein Brau­sen vie­ler Völ­ker, wie das Meer brau­sen sie, und ein Getö­se mäch­ti­ger Völ­ker, wie gro­ße
Was­ser tosen sie!

Dies zei­gen auch Stel­len wie Jesa­ja 8,7, Jere­mia 47,2, Jere­mia 6,23 oder Psalm 98,7. Das Meer reprä­sen­tiert hier­bei Völ­ker, Natio­nen und gro­ße Men­schen­mas­sen. Inter­es­san­ter­wei­se spie­gelt sich die­ses Bild bis heu­te in unse­rer Spra­che wider, wenn wir von einem „Völ­ker­meer“ oder einem „Men­schen­meer“ spre­chen.

Zusam­men­fas­send kann gesagt wer­den: Die vier Win­de (Krie­ge) wüh­len das Völ­ker­meer auf – ein Bild für die Ent­ste­hung poli­ti­scher Umwäl­zun­gen aus Unru­hen unter den Natio­nen.

Wört­li­che oder sym­bo­li­sche Deu­tung? Natür­lich stellt sich die Fra­ge, war­um man die­se Begrif­fe nicht wört­lich inter­pre­tie­ren soll­te. Muss in der Pro­phe­tie alles sym­bo­lisch gedeu­tet wer­den? Sicher­lich nicht. Man kann sich stets für eine wört­li­che Aus­le­gung ent­schei­den. Den­noch gilt es abzu­wä­gen, wel­che Les­art im Gesamt­zu­sam­men­hang der Visi­on schlüs­si­ger ist und mehr Sinn ergibt. Im Fal­le von Dani­el 7 führt die sym­bo­li­sche Deu­tung zu einem his­to­risch und theo­lo­gisch stim­mi­gen Gesamt­bild.

Lesen wir wei­ter bei Dani­el 7,3:

3 Und vier gro­ße Tie­re stie­gen her­auf aus dem Meer, ein jedes anders als das ande­re.

Wer sind die vier Tie­re, die dar­aus empor­stei­gen? Um dies zu klä­ren, müs­sen wir die bibli­sche Sym­bol­spra­che für das Wort „Tier“ ent­schlüs­seln. Die Ant­wort befin­det sich im sel­ben Kapi­tel in Vers 17:

17 Die­se vier gro­ßen Tie­re sind vier König­rei­che, die auf Erden kom­men wer­den.

Dass Tie­re für Welt­rei­che ste­hen, stützt die Deu­tung des Mee­res als Natio­nen: Es sind poli­ti­sche Mäch­te, die aus dem Unru­hen der Völ­ker­welt ent­ste­hen. Doch war­um nur vier? Die Pro­phe­tie kon­zen­triert sich hier auf vier spe­zi­fi­sche Welt­mäch­te, die einen ent­schei­den­den Ein­fluss auf die Heils­ge­schich­te hat­ten.

Die Bedeu­tung des Tier-Sym­bols wird auch aus Dani­el 8 klar. Dort wer­den ein Wid­der und ein Zie­gen­bock beschrie­ben, die vom Engel Gabri­el in den Ver­sen 20 und 21 expli­zit als Medo­per­si­en und Grie­chen­land gedeu­tet wer­den:

20 Der Wid­der mit den bei­den Hör­nern, den du gese­hen hast, bedeu­tet die Köni­ge von Medi­en und Per­si­en. 21 Der Zie­gen­bock aber ist der König von Grie­chen­land. Das gro­ße Horn zwi­schen sei­nen Augen ist der ers­te König.

Hier begeg­nen wir einer sprach­li­chen Beson­der­heit: Das hebräi­sche Wort melek kann sowohl „König“ als auch „König­reich“ bedeu­ten. Ein Blick auf das Stand­bild in Dani­el 2 hilft, die­ses Rät­sel zu lösen: Dort reprä­sen­tiert das gol­de­ne Haupt zwar König Nebu­kad­ne­zar per­sön­lich, steht aber gleich­zei­tig stell­ver­tre­tend für das gesam­te baby­lo­ni­sche Reich. In der pro­phe­ti­schen Schau ver­kör­pert der Herr­scher stets sein gesam­tes Herr­schafts­ge­biet.

In Dani­el 8 wird auch beschrie­ben, dass das gro­ße Horn zer­brach und vier ande­re Hör­ner an sei­ner Stel­le auf­ka­men. Vers 22 lie­fert dazu die Erklä­rung:

Dass aber vier [Hör­ner] an sei­ner Stel­le wuch­sen, nach­dem es zer­bro­chen war, bedeu­tet, dass vier König­rei­che aus dem Volk ent­ste­hen wer­den, aber nicht so mäch­tig wie er.

Hier haben wir aber­mals: Horn = König­reich! His­to­risch kor­re­spon­diert die Beschrei­bung exakt mit den vier Dia­do­chen­rei­chen, die nach dem Tod Alex­an­ders des Gro­ßen (301 v. Chr.) aus sei­nem Impe­ri­um her­vor­gin­gen. Ein Horn stellt also nicht ledig­lich eine ein­zel­ne Per­son dar, son­dern eine poli­ti­sche Macht­struk­tur. Dies zeigt sich auch am Wid­der: Dass ein Horn höher war als das ande­re (Dan 8,3), spie­gelt die his­to­ri­sche Rea­li­tät wider, in der Per­si­en inner­halb der medo­per­si­schen Alli­anz die domi­nan­te Kraft war.

Kom­men wir aber zurück zu Dani­el 7. In Dani­el 7,17 haben wir unab­hän­gig von die­ser “Hör­ner-Geschich­te” aus Dani­el 8 erfah­ren, dass es um König­rei­che geht.

Wie sieht das ers­te Tier aus? In Vers 4 lesen wir:

4 Das ers­te war wie ein Löwe und hat­te Flü­gel wie ein Adler. Ich sah, wie ihm die Flü­gel aus­ge­ris­sen wur­den. Und es wur­de von der Erde auf­ge­ho­ben und auf die Füße gestellt wie ein Mensch, und es wur­de ihm ein mensch­li­ches Herz gege­ben. 

Was stellt denn ein Löwe dar und was bedeu­ten die Adler­flü­gel? Wie­so bekam das Tier ein mensch­li­ches Herz? 

Das ers­te Tier ist ein Löwe mit Adler­flü­geln – eine Kom­bi­na­ti­on der „Köni­ge“ der Tier- und Lüf­te­welt. Dies kor­re­spon­diert mit dem gol­de­nen Haupt aus Dani­el 2: Baby­lon wird als das edels­te und präch­tigs­te der Rei­che dar­ge­stellt.

Die his­to­ri­sche und bibli­sche Evi­denz für die Deu­tung des ers­ten Tie­res aus Dani­el 7 auf Baby­lon ist über­wäl­ti­gend:

  • Archäo­lo­gie: Der Löwe ein belieb­tes Motiv in der baby­lo­ni­schen Kunst. So sind an vie­len Wän­den Löwen­mo­ti­ve zu fin­den.
  • Pro­phe­tie: Sowohl Jere­mia (Jer 50,17) als auch Hese­kiel (Hes 17,3) nut­zen Löwen- und Adler-Meta­pho­rik für Baby­lon.
  • Die Flü­gel: Sie sym­bo­li­sie­ren die rasan­te Expan­si­on unter Nebu­kad­ne­zar (vgl. Hab 1,6–8) bzw. all­ge­mein ste­hen sie für Schnel­lig­keit. In die­sem Sin­ne wur­de das Sym­bol wie­der­holt ver­wen­det, z. B. in Haba­kuk 1,8 oder auch 2Sam 1,23; Hiob 9,26; Jer 4,13; Klgl 4,19.

Das Aus­rei­ßen der Flü­gel deu­tet dar­auf hin, dass die Pha­se der schnel­len Erobe­run­gen ende­te – was his­to­risch mit der psy­chi­schen Erkran­kung Nebu­kad­ne­zars und der nach­fol­gen­den Insta­bi­li­tät zusam­men­fällt. Dass der Löwe schließ­lich auf zwei Füßen wie ein Mensch auf­ge­rich­tet wird und ein mensch­li­ches Herz erhält, mar­kiert den Ver­lust sei­ner raub­tier­haf­ten Stär­ke. Wäh­rend das „Löwen­herz“ für unbe­zähm­ba­ren Mut steht, sym­bo­li­siert das mensch­li­che Herz in die­sem Kon­text Zag­haf­tig­keit und Schwä­che. Es beschreibt tref­fend den inne­ren Ver­fall des baby­lo­ni­schen Impe­ri­ums, das schließ­lich kraft­los von den Medern und Per­sern erobert wur­de.
In der theo­lo­gi­schen und his­to­ri­schen For­schung herrscht daher weit­ge­hen­de Einig­keit: Die­ser Löwe ist das Sym­bol für das neu­ba­by­lo­ni­sche Welt­reich.

Dann wird das zwei­te Tier beschrie­ben:

5 Und sie­he, ein ande­res Tier, das zwei­te, war gleich einem Bären und war auf der einen Sei­te auf­ge­rich­tet und hat­te in sei­nem Maul zwi­schen sei­nen Zäh­nen drei Rip­pen. Und man sprach zu ihm: Steh auf und friss viel Fleisch!

Set­zen wir die Ana­lo­gie zum Stand­bild aus Dani­el 2 fort, so ent­spricht der Bär in Dani­el 7,5 dem medo­per­si­schen Reich. Die Details der Beschrei­bung stüt­zen dies ein­drucks­voll:

  • Die drei Rip­pen: Sie sym­bo­li­sie­ren die drei gro­ßen Erobe­run­gen, die den Weg zur Welt­macht ebne­ten: Lydi­en (547 v. Chr.), Baby­lon (539 v. Chr.) und Ägyp­ten (525 v. Chr.).
  • Die ein­sei­ti­ge Auf­rich­tung: Der Bär ist „auf einer Sei­te auf­ge­rich­tet“. Dies kor­re­spon­diert mit den ungleich hohen Hör­nern des Wid­ders aus Dani­el 8 und spie­gelt die his­to­ri­sche Vor­rang­stel­lung der Per­ser inner­halb der medo­per­si­schen Alli­anz wider.

Wir kom­men zum drit­ten Tier:

6 Danach sah ich, und sie­he, ein ande­res Tier, gleich einem Pan­ther, das hat­te vier Flü­gel wie ein Vogel auf sei­nem Rücken und das Tier hat­te vier Köp­fe, und ihm wur­de Herr­scher­ge­walt gege­ben.

Das drit­te Tier ist ein Pan­ther (oder Leo­pard) mit vier Flü­geln. Ein Pan­ther ist ein flin­ker, geschick­ter Jäger; vier Flü­gel ver­stär­ken das Sym­bol für Schnel­lig­keit ins Extre­me. Die Geschich­te bestä­tigt die­ses Bild: Unter Alex­an­der dem Gro­ßen erober­te Grie­chen­land in einem bei­spiel­lo­sen Tem­po die dama­li­ge Welt. In Dani­el 8,5 wird dies ergänzt durch das Bild eines Zie­gen­bocks, der „den Boden nicht berühr­te“ – er flog förm­lich über die Erde. Die vier Köp­fe des Pan­thers fin­den ihre Ent­spre­chung in den vier Hör­nern von Dani­el 8,8, wel­che die vier Dia­do­chen­rei­che dar­stel­len, die nach Alex­an­ders Tod ent­stan­den. Das drit­te Tier ist also Grie­chen­land!

Dann kommt das vier­te Tier:

7 Danach sah ich in die­sem Gesicht in der Nacht, und sie­he, ein vier­tes Tier war furcht­bar und schreck­lich und sehr stark und hat­te gro­ße eiser­ne Zäh­ne, fraß um sich und zer­malm­te, und was übrig blieb, zer­trat es mit sei­nen Füßen. Es war auch ganz anders als die vori­gen Tie­re und hat­te zehn Hör­ner.

Das vier­te Tier ist anders als alle vor­he­ri­gen: Es ist schreck­lich, gewal­tig und besitzt Zäh­ne aus Eisen. Hier wird die Ver­bin­dung zu den eiser­nen Bei­nen der Sta­tue aus Dani­el 2,40 offen­sicht­lich. His­to­ri­ker bezeich­nen das Römi­sche Reich oft als das „Eiser­ne Impe­ri­um“. Es unter­drück­te Völ­ker mit bei­spiel­lo­ser Här­te und sys­te­ma­ti­scher Grau­sam­keit – man den­ke an die Gla­dia­to­ren­kämp­fe oder die tota­le Zer­stö­rung Korinths (146 v. Chr.). Auch wäh­rend der Bela­ge­rung Jeru­sa­lems und der Zer­stö­rung des Tem­pels 70 n. Chr. spiel­ten sich der­art grau­sa­me Din­ge ab, dass man sie öffent­lich kaum aus­füh­ren mag.

Wie­so war es ganz anders als die vori­gen Tie­re? Nun, ich glau­be, dass es mit den Hör­nern zusam­men­hängt. Dazu spä­ter mehr. Auf jeden Fall kann man mit Blick auf Dani­el 8 und den vier Hör­nern dort fest­hal­ten, das die­se die Nach­fol­ge­mäch­te Grie­chen­lands dar­stel­len.

Man könn­te fra­gen: Wenn das vier­te Tier das letz­te Reich vor Got­tes ewi­gem Reich ist, Rom aber im 5. Jahr­hun­dert fiel – klafft hier eine Lücke? Die Ant­wort liegt in der Kon­ti­nui­tät: Das Römi­sche Reich ver­schwand nicht spur­los. Wäh­rend West­rom 476 n. Chr. poli­tisch zer­fiel, blie­ben römi­sche Struk­tu­ren in der Kir­che, im Rechts­sys­tem und in den Spra­chen Euro­pas erhal­ten. Das „Eisen“ aus der Sta­tue ver­misch­te sich in den Füßen ledig­lich mit dem „Ton“ der ger­ma­ni­schen Völ­ker­wan­de­rung. Das vier­te Tier stellt somit nicht nur das anti­ke Rom dar, son­dern auch des­sen Fort­be­stand in den euro­päi­schen Macht­struk­tu­ren.

Nicht zu ver­ges­sen ist, dass das ost­rö­mi­sche Reich bis ins 15. Jahr­hun­dert wei­ter exis­tier­te. Auch vie­le Struk­tu­ren, Titel und Aus­drü­cke, die aus der römi­schen Epo­che stam­men, exis­tie­ren bis heu­te in der römisch-katho­li­schen Kir­che. Dazu zäh­len die Auf­tei­lun­gen in Diö­ze­se, Pro­vinz, Paro­chie, Begriffs­kon­ti­nui­tät für Ämter wie z. B. Vikar, Prä­fekt, Kanz­ler. Aber auch die Hier­ar­chie (Bischof → Metro­po­lit → Patri­arch → Papst) spie­gelt die römi­sche Hier­ar­chie wider. Glei­ches gilt für die Auf­tei­lung der Ver­wal­tung und des Rechts­we­sens in Curia, Nota­ri­at und Kano­nis­tik. Auch der bekann­te Titel des obers­ten römi­schen Pries­ters, Pon­ti­fex Maxi­mus, wur­de direkt auf den Papst über­tra­gen.

In Euro­pa wur­de das “Hei­li­ge Römi­sche Reich” gegrün­det, unser Gesetz ist durch das römi­sche Gesetz geprägt und die Spra­che der Römer lebt noch heu­te in den Spra­chen der Euro­pä­er wei­ter.

Die zehn Hör­ner des vier­ten Tie­res sym­bo­li­sie­ren die Auf­tei­lung des Rei­ches, ähn­lich wie die vier Hör­ner in Dani­el 8 die Auf­tei­lung Grie­chen­lands dar­stell­ten. His­to­risch lässt sich der Zer­fall West­roms (voll­endet 476 n. Chr. – Abset­zung des letz­ten Cäsars durch den ger­ma­ni­schen Hee­res­füh­rer Odo­aker) tat­säch­lich auf die Ansied­lung ger­ma­ni­scher Stäm­me zurück­füh­ren. Auf dem Boden des ehe­ma­li­gen West­rö­mi­schen Rei­ches bil­de­ten sich zehn wesent­li­che König­rei­che
Nun, wenn die vier Hör­ner in Dani­el 8 eine Auf­tei­lung in vier klei­ne­re Rei­che dar­stel­len, stel­len die 10 Hör­ner dann 10 klei­ne­re Rei­che dar? Es ist sehr inter­es­sant, dass man die 10 Rei­che tat­säch­lich eini­ger­ma­ßen iden­ti­fi­zie­ren kann. (» gro­ße Kar­te).

Am Unter­gang des West­rö­mi­schen Rei­ches waren zahl­rei­che Grup­pen betei­ligt, dar­un­ter auch nicht-ger­ma­ni­sche Völ­ker wie die Hun­nen. Den­noch las­sen sich im Zeit­raum nach 476 n. Chr. pri­mär zehn Stäm­me iden­ti­fi­zie­ren, die auf dem Boden des ehe­ma­li­gen Impe­ri­ums eige­ne König­rei­che grün­de­ten. Zu die­sen zäh­len die Angel­sach­sen, die West­go­ten, die Sue­ben, die Fran­ken, die Bur­gun­der und die Ala­man­nen. Hin­zu kom­men die Van­da­len, die Ost­go­ten sowie die Heru­ler und die Lan­go­bar­den, wobei letz­te­re zunächst in Pan­no­ni­en, dem heu­ti­gen Ungarn, sie­del­ten, bevor sie ein grö­ße­res Reich in Ita­li­en errich­te­ten. Dass die Heru­ler oder die pan­no­ni­sche Pha­se der Lan­go­bar­den in gän­gi­gen Geschichts­bü­chern oft nur am Ran­de erwähnt wer­den, erschwert zwar die Recher­che, ändert jedoch nichts an ihrer his­to­ri­schen Rele­vanz für die­se Epo­che.

Es bleibt fest­zu­hal­ten, dass eine zwei­fels­freie und all­ge­mein­gül­ti­ge Fest­le­gung die­ser zehn „Hör­ner“ auf­grund der wider­sprüch­li­chen zeit­ge­nös­si­schen Quel­len und der flie­ßen­den Gren­zen der Völ­ker­wan­de­rungs­zeit eine Her­aus­for­de­rung dar­stellt. Den­noch ist die Ver­bin­dung zur heu­ti­gen Land­kar­te Euro­pas bemer­kens­wert, da die Fun­da­men­te der wich­tigs­ten moder­nen Natio­nal­staa­ten auf der „römi­schen Mut­ter­er­de“ durch eben die­se Stäm­me gelegt wur­den. So fin­den wir das Erbe der Ala­man­nen in Deutsch­land, das der Angel­sach­sen in Groß­bri­tan­ni­en und das der Fran­ken und Bur­gun­der im heu­ti­gen Frank­reich sowie der Schweiz wie­der. Eben­so füh­ren die Spu­ren der West­go­ten und Sue­ben nach Spa­ni­en und Por­tu­gal, wäh­rend die Lan­go­bar­den die Geschich­te Ita­li­ens präg­ten. Damit las­sen sich sie­ben der zehn Rei­che unmit­tel­bar mit der Ent­ste­hung des moder­nen Euro­pas ver­knüp­fen. Dies wirft jedoch die ent­schei­den­de Fra­ge auf, was aus den übri­gen drei Stäm­men wur­de und war­um sie in der wei­te­ren Geschich­te kei­ne dau­er­haf­te Spur hin­ter­lie­ßen.


Das kleine Horn

Lesen wir zunächst, was Dani­el als Nächs­tes sah. Er inter­es­sier­te sich nicht so bren­nend für das Tier, son­dern sei­ne Auf­merk­sam­keit galt den Hör­nern. In Vers 8 lesen wir:

8 Als ich aber auf die Hör­ner acht­gab, sie­he, da brach ein ande­res klei­nes Horn zwi­schen ihnen her­vor, vor dem drei der vori­gen Hör­ner aus­ge­ris­sen wur­den. Und sie­he, das Horn hat­te Augen wie Men­schen­au­gen und ein Maul; das rede­te gro­ße Din­ge.
Das kleine Horn aus Daniel 7

Stel­len wir uns das vor: Da wach­sen 10 Hör­ner auf dem Kopf des Tie­res. Dann bricht ein klei­nes Horn zwi­schen ihnen her­vor, wobei 3 der alten Hör­ner aus­ge­ris­sen wer­den. Die 3 Hör­ner stan­den also dem Wachs­tum des klei­nen Horns im Weg. Wir wer­den spä­ter genau­er dar­auf zu spre­chen kom­men.

Exkurs zur Zahl Zehn: Ich möch­te das zunächst so ste­hen las­sen und zuerst auf die Zahl Zehn ein­ge­hen. Die Zah­len haben in der Bibel oft eine beson­de­re Bedeu­tung: Die Zehn hat hier viel­leicht die Bedeu­tung einer Ziel­zahl, einer End­zeit­zahl. Sie steht auch für die Gesamt­heit. Als Bei­spiel lässt sich z. B. das Gleich­nis von den 10 Jung­frau­en aus Mat­thä­us 25 anfüh­ren.
Wie ist die Anzahl der Hör­ner zu ver­ste­hen? Wört­lich oder sym­bo­lisch? Und wenn sym­bo­lisch: Wofür soll sie ste­hen? Ich möch­te nicht ver­su­chen, alle Theo­rien – sofern ich sie ken­ne – auf­zu­zäh­len und dar­über zu dis­ku­tie­ren. Fest­zu­hal­ten ist, dass es noch immer ein aktu­el­les und umstrit­te­nes Dis­kus­si­ons­the­ma ist.
Ich den­ke, dass sie sowohl wört­lich als auch sym­bo­lisch zu sehen ist. Einer­seits passt es zu den Nach­fol­ge­staa­ten des Römi­schen Rei­ches, ande­rer­seits kann man die Zahl auch sym­bo­lisch sehen, denn im wei­te­ren Ver­lauf der Geschich­te war Euro­pa mal in mehr und mal in weni­ger als 10 Rei­che ein­ge­teilt. Die Zehn kann als ein Sym­bol dafür gese­hen wer­den, dass bis zum Ende der Geschich­te die Welt nicht mehr von einer ein­zi­gen Welt­macht, son­dern von einer Koali­ti­on bestimmt wird.
Das ent­spricht auch dem Bild aus Dani­el 2, wo sich der Ton und das Eisen zu ver­bin­den ver­such­ten, aber nicht zusam­men­haf­te­ten, bis schließ­lich der Fels die Sta­tue zer­stör­te und Gott sein Reich auf­rich­te­te. Wie kommt man denn dar­auf, dass die „Zehn” eine Koali­ti­on bil­den? Ein Hin­weis steht in der Offen­ba­rung 17,12.

Ein Hin­weis steht in der Offen­ba­rung 17, 12–13:

12 Und die zehn Hör­ner, die du gese­hen hast, das sind zehn Köni­ge, die ihr Reich noch nicht emp­fan­gen haben; aber wie Köni­ge wer­den sie für eine Stun­de Macht emp­fan­gen zusam­men mit dem Tier. 13 Die­se sind eines Sin­nes und geben ihre Kraft und Macht dem Tier.

Man beach­te, dass die­se Köni­ge sich nicht wirk­lich ver­ei­ni­gen, son­dern einig sind! Sie arbei­ten zusam­men! – Nun, die­se Stel­le ist jetzt etwas aus dem Zusam­men­hang geris­sen. Viel­leicht wer­de ich spä­ter dazu mal mehr schrei­ben.

Kom­men wir zurück zum Buch Dani­el:

Kom­men wir zurück zum Buch Dani­el: Wer das gan­ze Kapi­tel gele­sen hat, wird viel­leicht gemerkt haben, dass sich alles um die­ses klei­ne Horn und das End­ge­richt dreht. Wenn man die Beschrei­bun­gen des Hor­nes mit dem Tier aus Offen­ba­rung 13 ver­gleicht, so stellt man fest, dass sie die glei­che Macht beschrei­ben.”

Das Buch Dani­el Das klei­ne Horn:Die Offen­ba­rung Das ers­te Tier:
Dan 7,8: … hat Augen wie Men­schen­au­gen.Offb 13,18: …trägt die Zahl eines Men­schen.
Dan 7,25 … wird den Höchs­ten läs­tern.Offb 13,6: … tat sein Maul auf zur Läs­te­rung gegen Gott.
Dan 7,25: … ver­nich­tet die Hei­li­gen des Höchs­ten.Offb 13,7: … kämpft mit den Hei­li­gen.
Dan 7,25: Sie wer­den in sei­ne Hand gege­ben 3 ½ Zei­ten (1260 Tage).Offb 13,5: Und es wur­de ihm ein Maul gege­ben, zu reden gro­ße Din­ge und Läs­te­run­gen, und ihm wur­de Macht gege­ben, es zu tun zwei­und­vier­zig Mona­te (1260 Tage) lang.
Dan 7, 20: … war grö­ßer als die Hör­ner, die neben ihm waren.Offb 13,7: … wur­de Macht gege­ben über alle Stäm­me und Völ­ker und Spra­chen und Natio­nen.

Steckbrief des Antichristen

Ich schrieb am Anfang, dass das ers­te Tier aus Offen­ba­rung 13 für „den” Anti­christ (bzw. für eine anti­christ­li­che Macht) steht. Begin­nen wir damit, einen Steck­brief zu ent­wer­fen, denn nur so wer­den wir in der Lage sein, ihn zu erken­nen. In den fol­gen­den Ver­sen wer­den die Hör­ner und vor allem das klei­ne Horn noch deut­li­cher beschrie­ben. Lesen wir zuvor noch rasch Dani­el 7,24–26:

24 Die zehn Hör­ner bedeu­ten zehn Köni­ge, die aus die­sem König­reich her­vor­ge­hen wer­den. Nach ihnen aber wird ein ande­rer auf­kom­men, der wird ganz anders sein als die vori­gen und wird drei Köni­ge stür­zen. 25 Er wird den Höchs­ten läs­tern und die Hei­li­gen des Höchs­ten ver­nich­ten und wird sich unter­ste­hen, Fest­zei­ten und Gesetz zu ändern. Sie wer­den in sei­ne Hand gege­ben wer­den eine Zeit und zwei Zei­ten und eine hal­be Zeit. 26 Danach wird das Gericht gehal­ten wer­den; dann wird ihm sei­ne Macht genom­men und ganz und gar ver­nich­tet wer­den. 27 Aber das Reich und die Macht und die Gewalt über die König­rei­che unter dem gan­zen Him­mel wird dem Volk der Hei­li­gen des Höchs­ten gege­ben wer­den, des­sen Reich ewig ist, und alle Mäch­te wer­den ihm die­nen und gehor­chen.

Was haben wir über die­ses unhei­li­ge Horn bis jetzt erfah­ren?

  1. In Dani­el 7,8.24 haben wir gele­sen, dass das klei­ne Horn zwi­schen den ande­ren Hör­nern auf­kam. Man kann dies als geo­gra­fi­schen Hin­weis ver­ste­hen. Die­se unhei­li­ge Macht, das klei­ne Horn, ent­stand nicht am Rand der ande­ren Hör­ner, son­dern zwi­schen ihnen. Oder mit ande­ren Wor­ten: Das klei­ne Horn wird von ande­ren Hör­nern umge­ben.
  2. Außer­dem steht in Dani­el 7,24, dass es nach den 10 Hör­nern auf­kom­men wird, d. h. nach ihnen an die Macht gelan­gen. Die­se Macht beginnt zunächst unschein­bar und unbe­deu­tend, aber sie wächst, wird zu einem Horn und wird sogar grö­ßer als die ande­ren Hör­ner.
  3. Das Horn reißt 3 ande­re Hör­ner aus bzw. ernied­rigt 3 ande­re König(reiche). Dani­el 7,8.24
  4. Das Horn ist ganz anders als die 10 ande­ren Hör­ner. (Dani­el 7,24)
  5. Dani­el 7,8: Das Horn hat Augen wie Men­schen­au­gen. Nun, beim Men­schen sind Augen im All­ge­mei­nen wich­tig, damit wir unse­ren Kör­per durch die Welt steu­ern kön­nen. Sie sit­zen im Kopf. Mög­li­cher­wei­se spielt ein Mensch für das Horn eine beson­de­re Rol­le.
  6. Im 25. Vers steht, dass das Horn den Höchs­ten, also Gott, läs­tern wird. Die Fra­ge ist: Was ver­steht man unter Got­tes­läs­te­rung? Und wo ist eigent­lich der Unter­schied zwi­schen Läs­te­rung und Sün­de?

    Fra­gen wir doch ein­fach die Bibel: Lukas 5, 20.21:
20 Und als er ihren Glau­ben sah, sprach er: Mensch, dei­ne Sün­den sind dir ver­ge­ben. 21 Und die Schrift­ge­lehr­ten und die Pha­ri­sä­er fin­gen an zu über­le­gen und spra­chen: Wer ist der, dass er Got­tes­läs­te­run­gen redet? Wer kann Sün­den ver­ge­ben als allein Gott?

Es ist also Läs­te­rung, wenn ein Mensch sich anmaßt, Sün­den zu ver­ge­ben. Und was steht bei Johan­nes 10,30–33?

30 Ich und der Vater sind eins. 
31 Da hoben die Juden aber­mals Stei­ne auf, um ihn zu stei­ni­gen. 32 Jesus ant­wor­te­te ihnen: Vie­le gute Wer­ke habe ich euch erzeigt vom Vater; um wel­ches die­ser Wer­ke wil­len wollt ihr mich stei­ni­gen? 33 Die Juden ant­wor­te­ten ihm: Um eines guten Wer­kes wil­len stei­ni­gen wir dich nicht, son­dern um der Got­tes­läs­te­rung wil­len und weil du ein Mensch bist und machst dich selbst zu Gott. 

 Wir sehen also, dass es Got­tes­läs­te­rung ist, sich selbst zu Gott zu machen. Was gibt es noch?

  1. Dani­el 7,25: Das Horn ver­folgt und tötet die Hei­li­gen Got­tes. (Die Hei­li­gen Got­tes sind nicht mit den “hei­lig gespro­che­nen Men­schen” zu ver­wech­seln. Damit kön­nen auch schlicht­weg Men­schen gemeint sein, die Gott treu waren.)
  2. Dani­el 7,25: Es maßt sich an, Gesetz und Fest­zei­ten (wört­lich: Zei­ten) zu ändern.
  3. und noch im glei­chen Vers: Die Hei­li­gen wer­den 3½ Zei­ten in die Hän­de des Horns gege­ben. Zu “Zeit, zwei Zei­ten und eine hal­be Zeit” muss ich noch etwas sagen. Die­ser Aus­druck taucht in der Bibel drei Mal auf. In Dani­el 7 und 12, sowie in der Offen­ba­rung 12. Aus Offen­ba­rung 12, 6.14 erken­nen wir, dass mit 3 ½ Zei­ten 1260 Tage gemeint sind. (Offb 13,5 & Dan 7,25: 3½ Zei­ten = 42 Mona­te Þ 30 Tage je Monat, ein Jahr = 360 Tage.)
  4. Vers 26: Das Horn wird erst ver­nich­tet, wenn Gott sein Gericht hält. Es exis­tiert also auch noch heu­te!

Es gibt noch mehr Merk­ma­le, aber die­se soll­ten uns rei­chen.


Ein verdächtiger Kandidat

Wenn ich mit euch so einen Steck­brief zusam­men­stel­le, dann den­ke ich wohl auch an einen bestimm­ten Kan­di­da­ten, zu dem die Beschrei­bung passt, oder? Also, was ver­birgt sich hin­ter dem klei­nen Horn? Wer ist „der Anti­christ”? Es gibt zwar ver­schie­de­ne Theo­rien hier­zu, aber ich möch­te euch eine Aus­le­gung vor­stel­len, die schon die Refor­ma­to­ren gefun­den haben. Obwohl es sich um eine his­to­ri­sche Inter­pre­ta­ti­on han­delt, scheint sie mir die plau­si­bels­te Aus­le­gung zu sein, auch wenn sie unan­ge­nehm ist. „Der Anti­christ” kommt nicht von außen. Es ist kei­ne Macht, die gegen das Chris­ten­tum kämpft. Die Gefahr kommt von innen. Ich war scho­ckiert, als ich die Aus­le­gung zum ers­ten Mal hör­te. Ich weiß, dass die Ant­wort vie­le Men­schen ver­let­zen wird, aber ich ken­ne kei­ne ande­re gute Aus­le­gung, die alle auf­ge­zähl­ten Merk­ma­le erfüllt. Kom­men wir zur Sache: Das klei­ne Horn, der Anti­christ, das wil­de Tier aus Offen­ba­rung 13 ist … das Papst­tum der römisch-katho­li­schen Kir­che.

Eine wich­ti­ge Klar­stel­lung: Es geht hier weder um Men­schen noch um „die Katho­li­ken”, es geht hier auch nicht um „den Papst”, son­dern um das Sys­tem der römisch-katho­li­schen Kir­che. Es gibt vie­le unglaub­lich auf­rich­ti­ge Katho­li­ken. Vie­le sind ver­mut­lich auf­rich­ti­ger, als ich es bin. Es geht mir auch nicht dar­um, „die Katho­li­ken” schlecht­zu­ma­chen. Wir alle ken­nen z. B. Mut­ter Tere­sa, die ihr Leben ganz den Armen gewid­met hat. Wur­den nicht vie­le Schu­len und Kran­ken­häu­ser in Euro­pa durch katho­li­sche Mön­che und Schwes­tern gegrün­det? Dies alles muss man vor­be­halt­los aner­ken­nen und wür­di­gen!
Den­noch sehe ich in dem Sys­tem der römisch-katho­li­schen Kir­che mit ihren Leh­ren und Dog­men eine abge­fal­le­ne Kir­che! Ich rech­ne damit, dass die­se Aus­sa­ge auf Wider­stand sto­ßen wird, aber bevor ihr die­se The­se ablehnt oder sie für abwe­gig hal­tet, war­tet doch bit­te damit, bis ich euch gezeigt habe, dass die 10 Merk­ma­le wirk­lich auf das Papst­tum zutref­fen. Ist das fair?

Übri­gens bin ich nicht der Ein­zi­ge mit die­ser Deu­tung. Bereits die Refor­ma­to­ren Jan Hus, Johan­nes Cal­vin und Mar­tin Luther ver­tra­ten die­se Auf­fas­sung. Sie bezo­gen sowohl 2 Thess 2 als auch Tex­te aus dem Buch Dani­el auf das Papst­tum. Luther äußer­te sich bei­spiels­wei­se in sei­ner Schrift „Wider die ver­fluch­te Bul­le des End­christs” (1520) expli­zit in die­sem Sin­ne. Es han­delt sich also um eine über 500 Jah­re alte, his­to­ri­sche Aus­le­gung – kei­ne moder­ne Erfin­dung.

Nun, trifft der Steck­brief zu?

  1. Ent­stand das Papst­tum auf dem Boden des römi­schen Welt­rei­ches? Ja, tat­säch­lich! Es liegt sogar ziem­lich zen­tral, näm­lich genau in Rom. Das Papst­tum ent­stand zwi­schen den ande­ren 10 Rei­chen – ein kla­rer geo­gra­fi­scher Hin­weis auf die Erfül­lung der Pro­phe­zei­ung.
  2. Wann ent­stand das Papst­tum und wann gelang­te es zur Macht? Tat­säch­lich ent­stand das Papst­tum zur Zeit der Völ­ker­wan­de­rung: Leo I. (440–461 n. Chr.) gilt als Begrün­der des römi­schen Pri­mats und als ers­ter Papst. Offi­zi­ell wur­de der Papst zum „Haupt aller Kir­chen7 jedoch erst durch das Dekret des ost­rö­mi­schen Kai­sers Jus­ti­ni­an (533 n. Chr.). Mehr dazu in Punkt 3.
    Passt die Bezeich­nung „klei­nes Horn”? Ja, das Papst­tum begann tat­säch­lich sehr klein und schwach. Es war abhän­gig von den welt­li­chen Kai­sern und Herr­schern. Aber es wuchs: Wur­de das klei­ne Horn auch grö­ßer als die ande­ren Hör­ner, mäch­ti­ger als die ande­ren Rei­che?
    Ja, obwohl das Papst­tum immer wie­der Rück­schlä­ge ein­ste­cken muss­te, wur­de es so mäch­tig, dass es sogar zum Vor­recht des Paps­tes wur­de, Kai­ser zu bestä­ti­gen und zu krö­nen. Wie mäch­tig das Papst­tum wur­de, zeigt sich auch in Geschich­ten wie dem Kir­chen­bann über Hein­rich IV. Mehr dazu in den Punk­ten 4 und 9.
  3. Was hat das Papst­tum mit dem Aus­rei­ßen der 3 Hör­ner, also mit der Ernied­ri­gung drei­er Rei­che, zu tun? Stan­den die Heru­ler, die Van­da­len und die Ost­go­ten dem Papst­tum im Weg? Ja, auch dies trifft zu:
    Die Heru­ler herrsch­ten unter Odo­aker, einem aria­ni­schen Hee­res­fürs­ten (Aria­ner glaub­ten an ein geschaf­fe­nes „Wesen Jesus”, waren also nicht katho­lisch), der sich zum König von Rom ernann­te. Als die Ost­go­ten unter Theo­de­rich in Ita­li­en ein­fie­len, schloss der ost­rö­mi­sche Kai­ser Zen­on mit Theo­de­rich 478 n. Chr. einen Ver­trag gegen Odo­aker ab, der schließ­lich 493 n. Chr. getö­tet wur­de. Das Heru­l­erreich wur­de von den Ost­go­ten abge­löst.
    Auch Theo­de­rich war ein Aria­ner. Zwar wur­de den Katho­li­ken, wie schon unter Odo­aker, kein Leid zuge­fügt, aber den­noch blieb das Papst­tum an die Herr­scher in Ita­li­en gebun­den. Dies zeigt sich bei­spiels­wei­se dar­an, dass Theo­de­rich den Papst Johan­nes I. ins Gefäng­nis warf, wo die­ser dann auch starb.8
    Die Van­da­len: Im Jah­re 534 n. Chr. zer­stör­te der ost­rö­mi­sche Feld­herr Beli­sar das Van­da­len­reich in Afri­ka. Auch sie waren Aria­ner und hat­ten die Herr­schaft über Rom bean­sprucht. Bei die­sem Krieg spiel­ten auch reli­giö­se Moti­ve eine Rol­le, wie his­to­ri­sche Quel­len zei­gen.
    Schon vier Jah­re spä­ter, also im Jah­re 538 n. Chr., wur­den die Ost­go­ten aus der Stadt Rom ver­trie­ben und die Macht der Ost­go­ten über die Stadt Rom wur­de gebro­chen. Das Dekret aus dem Jah­re 533 n. Chr., derCodex Jus­ti­nia­nus, wur­de also erst im Jah­re 538 gül­tig, und der Papst wur­de “offi­zi­ell” das Haupt aller Kir­chen. Die­ses wur­de natür­lich bis heu­te nie von allen Chris­ten aner­kannt und in den fol­gen­den Jahr­hun­der­ten nach dem Dekret kam es auch zur Spal­tung von römisch-katho­li­scher und ortho­do­xer Kir­che. Aber für Rom brach eine neue Zeit an. Nicht nur das! Immer deut­li­cher zeich­ne­ten sich auch die welt­li­chen Züge des Papst­tums ab: der Auf­bau des Kirchenstaates.Zwar hat­te das Papst­tum noch mit Schwie­rig­kei­ten und Rück­schlä­gen zu kämp­fen, wie durch den Ost­go­ten­auf­stand ab 541 oder die Abhän­gig­keit vom ost­rö­mi­schen Kai­ser Jus­ti­ni­an, aber es erreich­te bereits 50 Jah­re spä­ter unter Gre­gor dem Gro­ßen sei­nen ers­ten beein­dru­cken­den Höhe­punkt.
    Natür­lich ist dies eine Inter­pre­ta­ti­on und es bleibt unklar, wel­che Grün­de dazu bei­getra­gen haben, dass die­se drei Rei­che fie­len.
    Zusam­men­fas­send kann gesagt wer­den: His­to­risch wur­den drei aria­ni­sche Rei­che – die Heru­ler (493), die Van­da­len (534) und die Ost­go­ten (538) – in die­ser Rei­hen­fol­ge ver­nich­tet, bevor das Papst­tum sei­ne vol­le Macht ent­fal­te­te. Die­se kön­nen als die drei ‘aus­ge­ris­se­nen Hör­ner’ inter­pre­tiert wer­den.
    Nun stellt sich die Fra­ge: Wie kann man das Papst­tum mit einem König­reich ver­glei­chen? War das Papst­tum nicht grund­le­gend ver­schie­den von einem König­reich? Genau das ist Punkt 4.
  4. Das klei­ne Horn soll ganz anders sein als die ande­ren Hör­ner! Die ande­ren Hör­ner waren rein welt­li­che Rei­che. Das Papst­tum setz­te nicht auf offe­ne Gewalt, son­dern klu­ge Diplo­ma­tie und geist­li­cher Anspruch waren die Mit­tel, mit denen die Kir­che ihre Zie­le ver­folg­te. Die Kir­che for­der­te offen die abso­lu­te geist­li­che Auto­ri­tät, obwohl sie sich auch in welt­li­che Belan­ge ein­misch­te. Woll­te jemand die­sen Anspruch nicht aner­ken­nen, dann wur­de er nicht etwa von einem Pries­ter mit dem Schwert erschla­gen. Nein! Sie ließ ihr Urteil in den meis­ten Fäl­len von welt­li­chen Mäch­ten durch­füh­ren.
    Bestä­ti­gung aus Offen­ba­rung 13: Wenn wir einen kur­zen Blick auf das Tier aus der Offen­ba­rung 13 wer­fen, wel­ches eben­falls das Papst­tum beschreibt, so lesen wir im Vers 4, dass das Tier ange­be­tet wer­den wird. Auch dies unter­streicht den reli­giö­sen Cha­rak­ter die­ser Macht. Das Horn war so anders, weil es nicht nur eine welt­li­che Macht war, son­dern eine reli­gi­ös-welt­li­che Macht.
    Das Papst­tum heu­te: Das ist das Papst­tum übri­gens auch noch heu­te. His­to­ri­sche Doku­men­te beschrei­ben, wie sehr das Papst­tum beim Unter­gang der kom­mu­nis­ti­schen Staa­ten mit­ge­wirkt hat.
    Eine bemer­kens­wer­te Aus­sa­ge: Im Jahr 1990 sag­te der Jesu­it Dr. M. Mar­tin, ein Pro­fes­sor an der Vati­kan­uni­ver­si­tät, dass der Papst eine Welt­re­gie­rung anstrebt, in der der Papst im Mit­tel­punkt steht. Auf die Fra­ge, ob dies ohne einen wei­te­ren Krieg erreicht wer­den kann, ant­wor­te­te er: „Ich glau­be schon, dass wir es ohne einen drit­ten Welt­krieg, einen Atom­krieg errei­chen wer­den. Aber dass Blut flie­ßen wird, glau­be ich schon, dass es ört­lich Krieg geben wird, wie z. B. am Golf und Natio­nen aus­ge­rot­tet wer­den. Johan­nes Paul II glaubt, dass die Ver­än­de­run­gen in der Geschich­te von Gott aus­ge­hen, im Namen der Mut­ter Got­tes, Maria.” (Aus einem Inter­view im kana­di­schen Rund­funk, Herbst 1990) — Eine Ansicht, die nach­denk­lich macht!
  5. Spielt ein Mensch im Papst­tum eine beson­de­re Rol­le? Natür­lich – der Papst. Das Horn hat­te „Augen wie Men­schen­au­gen” (Dani­el 7,8). Dies deu­tet dar­auf hin, dass eine Per­son eine zen­tra­le Rol­le in die­ser Macht spielt. Im Papst­tum ist dies ein­deu­tig der Papst, der als sicht­ba­res Haupt und Reprä­sen­tant des gesam­ten Sys­tems fun­giert.
  6. Das Horn soll Gott läs­tern. Spricht das Papst­tum Got­tes­läs­te­rung aus? Betrach­ten wir eini­ge his­to­ri­sche Aus­sa­gen:
    Läs­ter­li­che Titel und Ansprü­che:
    Der Papst ist von so gro­ßer Wür­de, dass er nicht blo­ßer Mensch ist, son­dern so, als wäre er Gott … Der Papst hat so gro­ße Auto­ri­tät und Macht, dass er sogar gött­li­che Gesetz­te ver­än­dern, erklä­ren und aus­le­gen kann.” (L. Fer­ra­ris, Papa II., Pormpta Biblio­the­ca, Bd. VI, S. 25–29, 1772–1777)
    Wir (die Päps­te) haben auf die­ser Erde den Platz des all­mäch­ti­gen Got­tes inne.” (Papst Leo XIII, 20. Juni 1894)
    Der Papst ist nicht nur der Stell­ver­tre­ter Jesu Chris­ti, son­dern ist Jesus Chris­tus selbst, ver­bor­gen unter dem Schlei­er des Flei­sches.” (The Catho­lic Natio­nal, Juli 1895)
    Schon Luther stör­te sich stark, an dem Aus­druck „Herr Gott Papst“ (domi­num Deum nos­trum Papam), wel­cher von dem nam­haf­ten Kir­chen­recht­ler Zen­ze­li­nus de Cas­sa­niz ver­wen­det wur­de. Luther nimmt auf die­se Bezeich­nung wie­der­holt Bezug.
    Wider­spruch zur Leh­re Jesu: Nicht nur sind durch das Papst­tum läs­ter­li­che Wor­te aus­ge­gan­gen, in vie­len Din­gen besteht ein direk­ter Wider­spruch zu dem, was Jesus uns lehr­te. Betrach­ten wir Mat­thä­us 23,9:
    Und ihr sollt nie­mand euren Vater nen­nen auf Erden; denn einer ist euer Vater: der im Him­mel.
    Wie wird ein Pries­ter ange­spro­chen? Als „Vater”. Und wie wird der Papst genannt? „Hei­li­ger Vater”! Aber nicht der Papst ist der Hei­li­ge Vater, son­dern Gott (Johan­nes 17,11). Nicht der Papst ist Stell­ver­tre­ter Jesu, son­dern der Hei­li­ge Geist (Johan­nes 14,16).
    Ver­schie­de­ne Päps­te haben sich wie­der­holt auf einem wei­ßen Thron, umge­ben von Che­ru­bi­nen und “vier leben­di­gen Wesen” dar­ge­stellt. Die­ses ist eine kla­re Anspie­lung auf Offen­ba­rung 4,6–8. Der wei­ße Thron steht sym­bo­lisch für den Thron Got­tes. Wenn der Papst sich auf einen wei­ßen Thron setzt, hat das einen Sym­bol­cha­rak­ter. Die fol­gen­den Bil­der stam­men aus einem offi­zi­el­len You­tube-Clip. Es ist kei­ne zufäl­li­ge Sze­ne, son­dern der Papst sitzt mit den “vier leben­di­gen Wesen” auf einer Erhö­hung:


    Was ist mit der Sün­den­ver­ge­bung? Zwar gibt es kein offi­zi­el­les Dog­ma, dass Pries­ter Sün­den ver­ge­ben kön­nen, aber den­noch sind die Pries­ter in der römisch-katho­li­schen Kir­che für die Ver­ge­bung der Sün­den unab­ding­bar. In dem Arti­kel „No For­gi­ve­ness ‘Direct­ly from God,’ Pope Says” (Don A. Schnache, Los Ange­les Times, 12. Dezem­ber 1984, S. 11) lesen wir: „Papst Johan­nes Paul II. wies die ‚weit­ver­brei­te­te Idee, dass man Ver­ge­bung direkt von Gott erhal­ten kön­ne’ zurück und ermahn­te die Katho­li­ken, öfters ihren Pries­tern zu beich­ten.
    Die Beich­te von Sün­den ist angeb­lich not­wen­dig, um Sün­den ver­ge­ben zu bekom­men. Wie heißt es aber bei 1. Tim 2,5:
    „Denn es ist ein Gott und ein Mitt­ler zwi­schen Gott und den Men­schen, näm­lich der Mensch Chris­tus Jesus
    Es gibt nur einen Mitt­ler: Jesus Chris­tus! Nicht vie­le, nicht die Pries­ter, nicht der Papst! Auch hier zeigt sich aber­mals, wie Jesu Platz durch Men­schen ver­drängt wird.
  7. Ver­fol­gung der Hei­li­gen
    Ist es wahr, dass das Papst­tum bzw. die römisch-katho­li­sche Kir­che ande­re gläu­bi­ge Men­schen ver­folgt hat? Ja, sie hat Anders­gläu­bi­ge ver­folgt – bei­spiels­wei­se die Wal­den­ser sowie die Refor­ma­to­ren und Pro­tes­tan­ten. Die Inqui­si­ti­on hat unzäh­li­gen Men­schen das Leben gekos­tet.1 Nach dem Erlass Papst Gre­gors IX. (1229) wur­de es lebens­ge­fähr­lich für Lai­en, eine Bibel in der Mut­ter­spra­che zu besit­zen. Dies zeigt, wie sehr die kirch­li­che Hier­ar­chie die direk­te Aus­ein­an­der­set­zung der Gläu­bi­gen mit Got­tes Wort zu ver­hin­dern ver­such­te.
  8. Ver­än­de­rung von Geset­zen und Zei­ten
    Hat das Papst­tum sich ange­maßt, bibli­sche Geset­ze und Zei­ten zu ver­än­dern?
    Wir brau­chen nur Got­tes zehn Gebo­te mit den zehn Gebo­ten im Kate­chis­mus zu ver­glei­chen (» Die Zehn Gebo­te im Ver­gleich). Das ers­te, was auf­fällt, ist, dass das 2. Gebot kom­plett weg­ge­fal­len ist. Dies steht im Wider­spruch zur Bil­der­ver­eh­rung, die ca. 787 n. Chr. ein­ge­führt wur­de (» mehr dazu). Da nun ein Gebot fehlt, wur­de das letz­te Gebot in zwei Gebo­te auf­ge­teilt, um wie­der auf ins­ge­samt 10 Gebo­te zu kom­men.
    Der Sab­bat und der Sonn­tag: Man kann sich auch fra­gen, war­um wir den Sonn­tag hei­li­gen, obwohl in der Bibel vom Sab­bat die Rede ist. Wenn man glaubt, dass der Sonn­tag irgend­wie mit der Bibel zu recht­fer­ti­gen ist, muss man fest­stel­len: Was hört man von katho­li­scher Sei­te dazu?
    Die katho­li­sche Kir­che ver­leg­te kraft ihrer gött­li­chen Sen­dung den Sab­bat vom Sams­tag auf den Sonn­tag. […] Fra­ge: War­um fei­ern wir statt Sams­tag den Sonn­tag? Ant­wort: Wir fei­ern Sonn­tag statt Sams­tag, weil die katho­li­sche Kir­che auf dem Kon­zil zu Lao­di­cea 364 n. Chr. die Hei­lig­keit von Sams­tag auf Sonn­tag ver­leg­te.2
    Und was lesen wir im „Our Sun­day Visi­tor”?
    In allen ihren offi­zi­el­len Lehr­bü­chern behaup­ten die Pro­tes­tan­ten, dass ihre Reli­gi­on allein auf der Bibel gegrün­det ist und sie leh­nen die Tra­di­ti­on selbst als Teil des Glau­bens ab. […] Im Neu­en Tes­ta­ment gibt es kei­ne Stel­le, wo deut­lich erklärt wird, dass Chris­tus den Tag der Anbe­tung von Sams­tag auf Sonn­tag ver­legt. Den­noch fol­gen alle Pro­tes­tan­ten der Tra­di­ti­on in dem sie den Sonn­tag hal­ten.3
    Eine umfas­sen­de katho­li­sche Zitat­samm­lung befin­det sich auf einer Unter­sei­te.
    Aus­sa­gen pro­tes­tan­ti­scher Ver­tre­ter:
    Bap­tis­ten: “Es gab und gibt ein Gebot, den Sab­bat­tag hei­lig zu hal­ten; aber die­ser Sab­bat­tag war nicht der Sonn­tag… Es wird gesagt – und das sogar mit einem Anflug von Tri­umph – dass der Sab­bat vom sie­ben­ten Tag auf den ers­ten Tag der Woche ver­legt wur­de… Wo kön­ne der Bericht über eine sol­che Ver­än­de­rung wohl gefun­den wer­den? Nicht im Neu­en Tes­ta­ment – abso­lut nicht. Es gibt kei­nen Beweis in der Schrift dafür, dass die Ein­rich­tung des Sab­bats vom sie­ben­ten Tag auf den ers­ten Tag der Woche ver­legt wor­den wäre.4
    Luthe­ra­ner: “Die Beach­tung des Tages des Herrn (gemeint ist der Sonn­tag) grün­det sich nicht auf irgend­ein Gebot Got­tes, son­dern auf die Auto­ri­tät der Kir­che.5
    Metho­dis­ten: “Neh­men wir die Sache des Sonn­ta­ges…, da gibt es kei­nen Schrift­ab­schnitt, der uns sagt, dass die­ser Tag den Chris­ten hei­lig sei­en soll­te – oder der jüdi­sche Sab­bat auf die­sen Tag ver­legt wor­den wäre.6
    Eine bemer­kens­wer­te Situa­ti­on: Heu­te begrün­den man­che Chris­ten die Sonn­tags­fei­er damit, weil Jesus an die­sem Tag auf­er­stan­den ist. (Aller­dings muss ein­schrän­kend gesagt wer­den, dass dies nicht erklärt, war­um der Sab­bat dadurch abge­löst wer­den soll­te. Mehr zum The­ma Sab­bat und Sonn­tag gibt es auf einer Extra­sei­te.)
    Ist es nicht bemer­kens­wert, dass die Pro­tes­tan­ten den­noch den Sonn­tag hal­ten und nicht den Sab­bat? Es gibt mei­nes Wis­sens nur weni­ge Kir­chen, die dies nicht tun: die Sie­ben­ten-Tags-Adven­tis­ten und die Sie­ben­ten-Tags-Bap­tis­ten sowie die Evan­ge­li­schen Chris­ten des Sab­bat­ta­ges.
  9. Die pro­phe­ti­sche Zeit­span­ne: Kom­men wir zu einem wei­te­ren sehr inter­es­san­ten Punkt: die 1260 Tage bzw. 3½ Zei­ten bzw. 42 Mona­te (Offen­ba­rung 13,5). Nun, das ist ja nicht son­der­lich lan­ge, oder? Wie kann das mit dem Papst­tum zu ver­ein­ba­ren sein?
    Das Jahr-Tag-Prin­zip in der Pro­phe­tie: Man muss wis­sen, dass Tage eine beson­de­re Rol­le in der Pro­phe­tie spie­len. Pro­phe­ti­sche Tage ent­spre­chen gewöhn­li­chen Jah­ren. Die Bibel sagt es uns selbst. Lesen wir dazu Hese­kiel 4,5–6:
    5 Ich will dir aber die Jah­re ihrer Schuld auf­le­gen, für jedes Jahr einen Tag, näm­lich drei­hun­dert­neun­zig Tage. So lan­ge sollst du die Schuld des Hau­ses Isra­el tra­gen. 6 Und wenn du dies voll­bracht hast, sollst du danach dich auf dei­ne rech­te Sei­te legen und sollst tra­gen die Schuld des Hau­ses Juda vier­zig Tage lang; denn ich gebe dir hier auch je einen Tag für ein Jahr.
    Eine wei­te­re Stel­le, wo das Prin­zip Tag = Jahr zu fin­den ist, fin­det sich in 4. Mose 14,34, aber auch in Dani­el 9,24. Es ist erstaun­lich, dass vie­le Bibeln, obwohl sie Dani­el z. T. ziem­lich schlecht über­setz­ten bzw. aus­leg­ten, an die­ser Stel­le die rich­ti­ge Erklä­rung geben: 70 Wochen = 7×70 Jah­re.
    Die Berech­nung: 538 bis 1798:
    Im Jah­re 538 n. Chr. wur­den die Ost­go­ten aus Rom ver­trie­ben, und das Papst­tum begann, sei­ne Macht­an­sprü­che durch­zu­set­zen. Wenn wir nun 1260 Jah­re in die Zukunft gehen, so gelan­gen wir in das Jahr 1798.
    Was pas­sier­te in die­sem Jahr bzw. am Ende des 18. Jahr­hun­derts? Es war die Zeit der Fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on! Und genau im Jah­re 1798 nahm der fran­zö­si­sche Gene­ral Bert­hi­er den Papst Pius VI. gefan­gen. Dies ist in der Geschich­te kei­ne Aus­nah­me gewe­sen, aber das Unglaub­li­che war, dass der Kir­chen­staat auf­ge­löst und Rom zu einer Repu­blik erklärt wur­de. Das Papst­tum hat­te sei­ne poli­ti­sche und welt­li­che Vor­macht­stel­lung ver­lo­ren. Das Papst­tum wur­de abge­schafft. Die katho­li­sche Kir­che wur­de mit einer Grab­in­set­zung auf dem Peters­platz sym­bo­lisch begra­ben. Ein ein­ma­li­ges Ereig­nis!
    Vie­le ver­bin­den mit die­sem Ereig­nis die töd­li­che Wun­de (wich­tigs­tes Erken­nungs­merk­mal des Tie­res aus Offen­ba­rung 13,3.12)! In den fol­gen­den Jah­ren gab es zwar wie­der einen Papst, aber alle Ver­su­che, den Kir­chen­staat wie­der auf­zu­rich­ten (1801, 1815 und 1849), schei­ter­ten. Mit dem Abschluss der Eini­gung Ita­li­ens 1870 schien die töd­li­che Wun­de schließ­lich tat­säch­lich zum Tod geführt zu haben.
    Die Hei­lung der Wun­de: Aber was sagt uns die Bibel? In Offen­ba­rung 13,3 steht geschrie­ben, dass sei­ne töd­li­che Wun­de heil wur­de. Durch den Late­ran­ver­trag mit Mus­so­li­ni 1929 wur­de ein neu­er Kir­chen­staat gegrün­det. Auch wenn die­ser Staat sehr klein ist, so hat das Papst­tum wie­der an Anse­hen und Ein­fluss gewon­nen. Seit 1870 erhielt das Papst­tum sogar die Unfehl­bar­keit bei Lehr­ent­schei­dun­gen!
    Die heu­ti­ge Macht des Papst­tums: 117 Natio­nen haben eine Bot­schaft auf dem Vati­kan­hü­gel. Es gibt vie­le Berich­te über die wirk­li­che Macht des Paps­tes, aber die kann ich hier nicht dis­ku­tie­ren. Es bleibt abzu­war­ten, ob es der katho­li­schen Kir­che wirk­lich gelingt, eine Welt­re­li­gi­on und Welt­re­gie­rung zu grün­den bzw. dort die Füh­rungs­rol­le ein­zu­neh­men. Die Zukunft wird es zei­gen, aber die Zei­chen sind viel­ver­spre­chend: Die Öku­me­ne bemüht sich mit allen Mit­teln, die Pro­tes­tan­ten und Katho­li­ken wie­der zu ver­ei­nen. Die nächs­ten Jah­re wer­den zei­gen, wie sich die­se Ent­wick­lung fort­setzt.
    Ins­ge­samt zeigt sich: Auch wenn die genaue Bestim­mung des Start­da­tums (538) umstrit­ten ist und von der Inter­pre­ta­ti­on his­to­ri­scher Ereig­nis­se abhängt, ist es bemer­kens­wert, dass 1260 Jah­re spä­ter (1798) tat­säch­lich ein ein­schnei­den­des Ereig­nis ein­trat: die Gefan­gen­nah­me des Paps­tes und die Auf­lö­sung des Kir­chen­staa­tes – was mit der ‘töd­li­chen Wun­de’ aus Offen­ba­rung 13,3 über­ein­stimmt.
  10. Das Fort­be­stehen bis heu­te. Der letz­te Punkt trifft eben­falls zu: Das Papst­tum besteht noch heu­te und erfüllt damit die Pro­phe­zei­ung, dass die­se Macht bis zum End­ge­richt Bestand haben wird (Dani­el 7,26).

Fazit

Das Sys­tem der römisch-katho­li­schen Kir­che ist gemäß die­ser Aus­le­gung das anti­christ­li­che klei­ne Horn aus Dani­el 7 und das wil­de Tier aus Offen­ba­rung 13. Die­se his­to­ri­sche Inter­pre­ta­ti­on, die bereits von den Refor­ma­to­ren ver­tre­ten wur­de, erfüllt die beschrie­be­nen Merk­ma­le am voll­stän­digs­ten mit his­to­risch veri­fi­zier­ba­ren Ereig­nis­sen.

Alter­na­ti­ve Aus­le­gun­gen haben jeweils erheb­li­che Schwä­chen: Die futu­ris­ti­sche Aus­le­gung (ein zukünf­ti­ger Anti­christ) ist viel spe­ku­la­ti­ver, unter­bricht die chro­no­lo­gi­sche Abfol­ge aus Dani­el 2 und passt auch nicht zur Abfol­ge in Dani­el 7. Die­se Aus­le­gung kann nicht erklä­ren, war­um das klei­ne Horn bereits zur Zeit des vier­ten Rei­ches (Rom) erschei­nen soll­te, wenn es doch erst in fer­ner Zukunft kommt. Der Ver­such, Dani­el 7 prä­te­ris­tisch aus­zu­le­gen (in der Ver­gan­gen­heit bereits erfüllt), schei­tert an vie­len unpas­sen­den Fak­ten. So kommt Antio­chus IV. Epi­pha­nes, der hier meist genannt wird, nicht aus dem vier­ten Tier (Rom), son­dern aus dem drit­ten (Grie­chen­land). Das klei­ne Horn kommt nach den 10 Hör­nern auf, aber Antio­chus IV. Epi­pha­nes leb­te und starb vor die­ser Epo­che. Die geo­gra­fi­sche Lage passt bei Antio­chus nicht und das klei­ne Horn exis­tiert bis zum End­ge­richt.

Man kann sich vor­stel­len, dass der katho­li­schen Kir­che die­se Aus­le­gung über­haupt nicht gefällt. Tat­säch­lich wur­den die bei­den Haupt­al­ter­na­ti­ven – Futu­ris­mus und Prä­te­ris­mus – im Rah­men der Gegen­re­for­ma­ti­on von zwei Jesui­ten ent­wi­ckelt: Fran­cis­co Ribe­ra leg­te 1590 die Pro­phe­zei­un­gen in die fer­ne Zukunft (Futu­ris­mus), Luis de Alcá­zar 1614 in die Ver­gan­gen­heit (Prä­te­ris­mus). Bei­de Aus­le­gun­gen hat­ten das aus­drück­li­che Ziel, die pro­tes­tan­ti­sche Iden­ti­fi­ka­ti­on des Papst­tums mit dem Anti­chris­ten zu wider­le­gen.

Die meis­ten moder­nen Bibel­kom­men­ta­re ver­tre­ten heu­te eine die­ser bei­den alter­na­ti­ven Aus­le­gun­gen. Aka­de­misch-kri­ti­sche Kom­men­ta­re favo­ri­sie­ren meist den Prä­te­ris­mus (Antio­chus Epi­pha­nes), wäh­rend evan­ge­li­ka­le Kom­men­ta­re häu­fig futu­ris­tisch aus­le­gen (zukünf­ti­ger Anti­christ). Die his­to­ri­sche Aus­le­gung der Refor­ma­to­ren fin­det sich heu­te haupt­säch­lich noch in refor­mier­ten und adven­tis­ti­schen Krei­sen.

Bei der Arbeit mit bibli­schen Tex­ten ist zu beach­ten, dass jede Über­set­zung zwangs­läu­fig auch eine Inter­pre­ta­ti­on dar­stellt. Beson­ders bei dyna­mi­schen Über­tra­gun­gen wie der Guten Nach­richt oder Hoff­nung für alle flie­ßen oft theo­lo­gi­sche Vor­an­nah­men in den Text ein. Um Ver­zer­run­gen zu ver­mei­den, emp­fiehlt sich daher der Ver­gleich mit urtext­na­hen Ver­sio­nen, z. B. die Schlach­ter oder Elber­fel­der Bibel. Ein deut­li­ches Bei­spiel fin­det sich in Dani­el 8,14: Wäh­rend das Hebräi­sche von ‚2300 Abend-Mor­gen‘ spricht, ver­kürzt die Gute Nach­richt dies auf ‚1150 Tage‘, um eine his­to­ri­sche Über­ein­stim­mung mit Antio­chus IV. Epi­pha­nes zu sug­ge­rie­ren. Ähn­lich ver­hält es sich in Apos­tel­ge­schich­te 20,9: Wo der Urtext einen nächt­li­chen Dia­log (dia­le­go­mai) beschreibt, macht die Hoff­nung für alle dar­aus eine klas­si­sche Pre­digt – ver­mut­lich gelei­tet von moder­nen Vor­stel­lun­gen eines Sonn­tags­got­tes­diens­tes. Sol­che Bei­spie­le unter­strei­chen, wie wich­tig eine kri­ti­sche Prü­fung des Wort­lauts gegen­über inter­pre­ta­ti­ven Deu­tun­gen ist.

Ist damit alles gesagt und „die Gefahr” offen­bart? Kei­nes­wegs! Auf Anre­gung eines Leser­brie­fes wur­de eine Extra­sei­te ergänzt (» Vor­sicht Fal­le!).

Wie geht es wei­ter? Auf jeden Fall soll­te geprüft wer­den, ob die­se Aus­le­gung plau­si­bel ist – auch noch in unse­rer Zeit. Wie sieht heu­te das Selbst­ver­ständ­nis der römisch-katho­li­schen Kir­che aus? Wel­che Ansprü­che erhebt sie? Ver­kün­digt sie das Evan­ge­li­um Jesu? Stimmt sie mit den Aus­sa­gen der Bibel über­ein? Droht sogar erneut Ein­fluss­nah­me auf die Welt­po­li­tik? Es emp­fiehlt sich, alles mit der Bibel zu über­prü­fen und sei­ne eige­nen Schlüs­se zu zie­hen.
Gera­de vor dem Hin­ter­grund der Ereig­nis­se der letz­ten Jah­re stellt sich die berech­tig­te Fra­ge: Kann die­se Aus­le­gung über­haupt rich­tig sein? Hat sich das Papst­tum nicht geän­dert? Was die Theo­lo­gie betrifft, wird fol­gen­de Vor­trags­rei­he emp­foh­len: Von Kre­ta nach Mal­ta (Wal­ter Veith)

https://www.youtube.com/embed/videoseries?list=PLDKyNbsCdEakYvMRLCTAtUwxGbjw_FUoP

Lei­der zeigt sich, dass die Theo­lo­gie der römisch-katho­li­schen Kir­che im Kern noch genau­so falsch ist wie zu Zei­ten Luthers.

Die Visio­nen in Dani­el 2 und 7 skiz­zie­ren den gro­ßen Bogen der Welt­ge­schich­te – vom anti­ken Baby­lon bis hin zur Errich­tung des ewi­gen Rei­ches Got­tes. Wäh­rend Dani­el 2 die poli­ti­sche Abfol­ge der Rei­che betont, lenkt Dani­el 7 den Blick auf eine auf­stre­ben­de anti­christ­li­che Macht am Ende der Zeit. Um die­ses The­ma zu ver­tie­fen und die pro­phe­ti­schen Zeit­räu­me bes­ser zu ver­ste­hen, bie­tet sich in einem nächs­ten Schritt eine Aus­le­gung der Kapi­tel 8 und 9 an. Zu einer spä­te­ren Zeit wird hier eine Fort­set­zung der Aus­le­gung der Kapi­tel 8 und 9 aus dem Buch Dani­el erfol­gen.

Bis dahin – Got­tes Segen!


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Abbildungen

Abbil­dung 1: Das wil­de Tier aus Offb 13
Abbil­dung 2: Das 1. Tier aus Dani­el 7
Abbil­dung 3: Ver­zie­run­gen an Wän­den
Abbil­dung 4: Das 2. Tier aus Dani­el 7
Abbil­dung 5: Das 3. Tier aus Dani­el 7
Abbil­dung 6: Das 4. Tier aus Dani­el 7
Abbil­dung 7: Das zer­teil­te Römi­sche Reich
Abbil­dung 8: Das klei­ne Horn

Urhe­ber:
Abbil­dung 1: Face­book – Dani­el Her­nan­dez Vane­gas
Abbil­dung 2,4,5,6: Pix­a­bay – Benut­zer: CalibS1982
Abbil­dung 3: Wiki­me­dia Com­mons – Benut­zer: Rad­ziem
Abbil­dung 8: KI


Literatur und Quellen

1 Der His­to­ri­ker W.E.H. Lecky spricht in sei­nem Werk “Histo­ry of the Rise and Influence of the Spi­rit of Ratio­na­lism in Euro­pe” (New York 1955, Band 2, S. 40–45) sogar von 50 Mil­lio­nen Men­schen­le­ben! (» Zurück)
2 P. Gei­er­mann, “The Convert’s Cate­chism of Catho­lic Doc­tri­ne”. – Die­ses Werk erhielt am 25.01.1910 vom Papst Pius X. den “Apos­to­li­schen Segen”! (» Zurück)
3 “Our Sun­day Visi­tor” (eine katho­li­sche Zei­tung), Aus­ga­be vom 11. Juni 1950 (» Zurück)
4 Aus einer Arbeit von Dr. E. T. His­cox, Autor des Bap­tis­ti­schen Hand­bu­ches. (» Zurück)
5 Augs­bur­gi­sche Kon­fes­si­on des Glau­bens, ange­führt in ‘Catho­lic Sab­bath Manu­al’, Teil 2, Kapi­tel 1, Abschnit­te 10) (» Zurück)
6 H. F. Rall, “Chris­ti­an Advo­ca­te”, 2. Juli 1942 (» Zurück)
7 Haupt aller Kir­chen (caput omni­um eccle­siorum, 533 n. Chr. – Cor­pus Juris Civi­lis, Buch 1, Titel 1,8, über­setzt von Paul Krü­ger, Ber­lin, Weid­mann 1915–28) (» Zurück)
8 Kom­pen­di­um der Kir­chen­ge­schich­te, Heus­si, § 37 b. (» Zurück)

Hohepriester
Gottes Lamm
Richter
Gott-Held
Retter
Friede-Fürst
Brot des Lebens
Ewig-Vater
Weinstock
Allerhöchster
Vater
Licht der Welt
Heiliger
Gott des Friedens
Gott der ganzen Erde
voller Güte und Gnade
Fels
Liebe
Leben
Herr
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