Daniel 7: Der Antichrist, das Tier und das kleine Horn
Inhaltsverzeichnis
Wer ist der Antichrist?
Die vier Tiere
Das kleine Horn
Steckbrief des Antichristen
Ein verdächtiger Kandidat
Fazit
Anhang:
Abbildungen
Quellen
Wer ist der Antichrist?
Wer ist der Antichrist? Es gibt viele Spekulationen darüber, auf wen die Merkmale des Antichristen passen könnten. Vor einigen Jahren sagten manche, es sei Ronald Reagan, andere glauben, es sei ein großer Computer in Belgien oder in Amerika. Die Filmindustrie hat dieses Thema natürlich auch schon aufgegriffen. Wird der Antichrist ein Mensch sein, der die Zahl 666 auf der Stirn trägt? Nun, es gibt gewiss unzählige Vorstellungen, aber warum wenden wir uns nicht der eigentlichen Quelle zu? Fragen wir die Bibel!
Die erste Frage auf dieser Seite hätte anders gestellt werden sollen: Nicht wer, sondern WAS ist ein Antichrist? Es macht wenig Sinn, über dieses Thema zu sprechen, wenn man gar nicht weiß, welches Konzept sich unter dem Begriff des Antichristen verbirgt! Das Wort „Antichrist” kommt in der Bibel nur fünfmal (1. und 2. Johannesbrief) vor. Mit dem Wort verbindet man jedoch oft mehr, als aus diesen Stellen hervorgeht.
Unter der Präposition anti- versteht man im Alltag oft nur gegen-, aber dieses Präfix bedeutet auch anstelle von. So kann der Anti-Christus etwas oder jemand sein, der entweder gegen Christus ist oder aber jemand, der an die Stelle von Christus (d. h. des Messias) tritt. Wenn man vom Antichristen spricht, dann meint man nicht nur jemanden, der eine „Anti-Christus”-Lehre verkündet. In den Johannesbriefen wird der Begriff Antichrist für Menschen verwendet, die Vater und Sohn leugnen bzw. abstreiten, dass Jesus „in das Fleisch gekommen ist”. Daher spricht Johannes auch von vielen Antichristen.
Im weiteren Sinne stellt der Antichrist einen direkten Gegenpart des erhöhten Christus im satanisch-feindlichen Sinne dar. DER Antichrist im absoluten Sinne ist Satan selbst, der sich über alles erheben will (Jes 14 und Hes 28). Aber auch Personen oder Mächte, die von Satan als Werkzeug eingesetzt werden, können als antichristlich bezeichnet werden. Oft werden Satanswerkzeuge und ihr Meister in biblischen Beschreibungen vermischt (vgl. Offb 12,4.9 und Mt 2,16f).
Obwohl es eigentlich falsch ist, immer von einem Antichristen zu sprechen (dies wäre am ehesten Satan), wird der Ausdruck „der Antichrist” (Singular) auch auf seine Werkzeuge angewendet. Der besseren Lesbarkeit wegen soll im Folgenden dies auch getan werden, obgleich das oben Gesagte nicht vergessen werden darf. „Der” Antichrist wird auch von Paulus beschrieben. Lesen wir dazu 2.Thessalonicher 2,4 (Luther 2017):
| Er ist der Widersacher, der sich erhebt über alles, was Gott oder Heiligtum heißt, sodass er sich in den Tempel Gottes setzt und vorgibt, er sei Gott. |
Paulus sah schon damals, wie sich das Unheil langsam zusammenbraute. Im gleichen Kapitel schrieb er etwas später in Vers 7:
| Denn das Geheimnis des Frevels (auch: Gesetzlosigkeit) ist bereits wirksam; nur muss der, der es jetzt aufhält, erst hinweggetan werden; |
Es gibt noch eine ganze Reihe von weiteren Beschreibungen des “großen Feindes”. So wird es beschrieben als:
- der Mensch der Gesetzlosigkeit, der sich in Gottes Tempel setzt (Thessalonicher 2,3–4).
- der Sohn des Verderbens, der sich als Gott ausgibt (Thessalonicher 2,3–4).
- der Gesetzlose, der Widersacher (Thessalonicher 2,8).
- der durch Machttaten, Zeichen und Wunder sich auswirkende Satan (Thessalonicher 2,9–10; Matthäus 24,24)
- der durch jede Art der Verführung betrügt etc. (Thessalonicher 2,9–11, Johannes 1,7)

In der Offenbarung steht das wilde Tier (Offenbarung 13,1–10; 17,7–17) im starken Gegensatz zu Jesus Christus, dem Lamm Gottes. Schlagen wir dazu Offenbarung 13 auf. Die Zahlen stehen für die Versnummern. Diese Angaben sind wichtig, wenn man den genauen Wortlaut zitieren oder in anderen Übersetzungen vergleichen möchte.
| 1 Und ich sah ein Tier aus dem Meer steigen, das hatte zehn Hörner und sieben Häupter und auf seinen Hörnern zehn Kronen und auf seinen Häuptern lästerliche Namen. 2 Und das Tier, das ich sah, war gleich einem Panther und seine Füße wie Bärenfüße und sein Rachen wie ein Löwenrachen. Und der Drache gab ihm seine Kraft und seinen Thron und große Macht. 3 Und ich sah eines seiner Häupter, als wäre es tödlich verwundet, und seine tödliche Wunde wurde heil. Und die ganze Erde wunderte sich über das Tier, 4 und sie beteten den Drachen an, weil er dem Tier die Macht gab, und beteten das Tier an und sprachen: Wer ist dem Tier gleich und wer kann mit ihm kämpfen? 5 Und es wurde ihm ein Maul gegeben, zu reden große Dinge und Lästerungen, und ihm wurde Macht gegeben, es zu tun zweiundvierzig Monate lang. |
Wow! Beeindruckend oder doch nur verwirrend? – Was bedeutet dieses Tier? Gehen wir kurz zum zweiten Petrusbrief, Kapitel 1, Vers 20: (Elberfelder Bibel)
| indem ihr dies zuerst wisst, dass keine Weissagung der Schrift aus eigener Deutung geschieht |
Wir sollen also nicht unserem Verstand und unserer Fantasie freien Lauf lassen, sondern Gott bitten, dass er uns die Weissagungen erklärt. Wie bereits erwähnt, legt sich die Bibel oft selbst aus. Es ist nicht wichtig, was wir vermuten oder welche Theorie wir gut finden, sondern, wenn die Bibel etwas zu einem Thema sagt, sollten wir dies nutzen und zunächst dort nach einer Antwort suchen!
Natürlich ist nicht alles, was in der Bibel steht, einfach zu verstehen. Aber gerade darin besteht ein besonderer Reiz: herauszufinden, was sich hinter der komplizierten Sprache der Bibel verbirgt.
Wenn man sich mit einem prophetischen Text auseinandersetzt, gibt es immer zwei Möglichkeiten, ihn zu deuten: Entweder ist das Beschriebene wörtlich oder symbolisch zu verstehen, d. h. der Inhalt des Textes symbolisiert möglicherweise einen völlig anderen Sachverhalt.
Ist das Tier aus Offenbarung 13 wörtlich zu nehmen? Vielleicht ist es eine sonderbare Mutation? Oder ein genetisch gezüchtetes Monster? Nun, das ist zwar eine denkbare Möglichkeit, aber man könnte an dieser Stelle versuchen, der symbolischen Spur zu folgen. Betrachtet man andere Bibelstellen, so zeigt sich, dass oft Symbole verwendet werden, deren Bedeutung sich leichter erschließt als bei der Schilderung in Offenbarung 13 allein. Der Text greift dabei auf Beschreibungen zurück, die bereits im Alten Testament vorkommen.
Die vier Tiere
Wie bereits an anderen Stellen erwähnt, bestehen bemerkenswerte Parallelen zwischen der Offenbarung und dem Buch Daniel. Beide Werke skizzieren sowohl den Verlauf der Weltgeschichte als auch deren Ende. Ein Blick auf das siebte Kapitel des Buches Daniel verdeutlicht dies. Beginnen wir mit den ersten Versen – Daniel 7,1–2:
| 1 Im ersten Jahr Belsazars, des Königs von Babel, hatte Daniel einen Traum und Gesichte auf seinem Bett; und er schrieb den Traum auf: 2 Ich, Daniel, sah ein Gesicht in der Nacht, und siehe, die vier Winde unter dem Himmel wühlten das große Meer auf. |
Bereits im zweiten Vers begegnen uns zwei Begriffe, die Fragen aufwerfen: Was bedeuten die „vier Winde“ und was symbolisiert das „Meer“? Sind diese Beschreibungen wörtlich zu nehmen oder handelt es sich um Symbole?
Schlagen wir dazu das Buch Jeremia auf, und zwar Kapitel 49, die Verse 35 bis 37:
| 35 So spricht der HERR Zebaoth: Siehe, ich will den Bogen Elams zerbrechen, seine stärkste Waffe, 36 und will die vier Winde von den vier Enden des Himmels über sie kommen lassen und will sie in alle diese Winde zerstreuen, dass es kein Volk geben soll, wohin nicht Vertriebene aus Elam kommen werden. 37 Und ich will Elam verzagt machen vor seinen Feinden und vor denen, die ihnen nach dem Leben trachten, und will Unheil über sie kommen lassen, meinen grimmigen Zorn, spricht der HERR, und will das Schwert hinter ihnen her schicken, bis ich sie aufreibe. |
Weitere Belege liefern Jeremia 25,31–32 sowie Offenbarung 7,1. In diesem prophetischen Kontext stehen die vier Winde sinnbildlich für Krieg, politische Unruhen und Verwüstung.
Auch das Wasser bzw. das Meer trägt in der biblischen Bildersprache oft eine symbolische Bedeutung. In Offenbarung 17,15 steht:
| Und er sprach zu mir: Die Wasser, die du gesehen hast, an denen die Hure sitzt, sind Völker und Scharen und Nationen und Sprachen. |
Und der Prophet Jesaja schrieb im 17. Kapitel, Vers 12:
| Weh, ein Brausen vieler Völker, wie das Meer brausen sie, und ein Getöse mächtiger Völker, wie große Wasser tosen sie! |
Dies zeigen auch Stellen wie Jesaja 8,7, Jeremia 47,2, Jeremia 6,23 oder Psalm 98,7. Das Meer repräsentiert hierbei Völker, Nationen und große Menschenmassen. Interessanterweise spiegelt sich dieses Bild bis heute in unserer Sprache wider, wenn wir von einem „Völkermeer“ oder einem „Menschenmeer“ sprechen.
Zusammenfassend kann gesagt werden: Die vier Winde (Kriege) wühlen das Völkermeer auf – ein Bild für die Entstehung politischer Umwälzungen aus Unruhen unter den Nationen.
Wörtliche oder symbolische Deutung? Natürlich stellt sich die Frage, warum man diese Begriffe nicht wörtlich interpretieren sollte. Muss in der Prophetie alles symbolisch gedeutet werden? Sicherlich nicht. Man kann sich stets für eine wörtliche Auslegung entscheiden. Dennoch gilt es abzuwägen, welche Lesart im Gesamtzusammenhang der Vision schlüssiger ist und mehr Sinn ergibt. Im Falle von Daniel 7 führt die symbolische Deutung zu einem historisch und theologisch stimmigen Gesamtbild.
Lesen wir weiter bei Daniel 7,3:
| 3 Und vier große Tiere stiegen herauf aus dem Meer, ein jedes anders als das andere. |
Wer sind die vier Tiere, die daraus emporsteigen? Um dies zu klären, müssen wir die biblische Symbolsprache für das Wort „Tier“ entschlüsseln. Die Antwort befindet sich im selben Kapitel in Vers 17:
| 17 Diese vier großen Tiere sind vier Königreiche, die auf Erden kommen werden. |
Dass Tiere für Weltreiche stehen, stützt die Deutung des Meeres als Nationen: Es sind politische Mächte, die aus dem Unruhen der Völkerwelt entstehen. Doch warum nur vier? Die Prophetie konzentriert sich hier auf vier spezifische Weltmächte, die einen entscheidenden Einfluss auf die Heilsgeschichte hatten.
Die Bedeutung des Tier-Symbols wird auch aus Daniel 8 klar. Dort werden ein Widder und ein Ziegenbock beschrieben, die vom Engel Gabriel in den Versen 20 und 21 explizit als Medopersien und Griechenland gedeutet werden:
| 20 Der Widder mit den beiden Hörnern, den du gesehen hast, bedeutet die Könige von Medien und Persien. 21 Der Ziegenbock aber ist der König von Griechenland. Das große Horn zwischen seinen Augen ist der erste König. |
Hier begegnen wir einer sprachlichen Besonderheit: Das hebräische Wort melek kann sowohl „König“ als auch „Königreich“ bedeuten. Ein Blick auf das Standbild in Daniel 2 hilft, dieses Rätsel zu lösen: Dort repräsentiert das goldene Haupt zwar König Nebukadnezar persönlich, steht aber gleichzeitig stellvertretend für das gesamte babylonische Reich. In der prophetischen Schau verkörpert der Herrscher stets sein gesamtes Herrschaftsgebiet.
In Daniel 8 wird auch beschrieben, dass das große Horn zerbrach und vier andere Hörner an seiner Stelle aufkamen. Vers 22 liefert dazu die Erklärung:
| Dass aber vier [Hörner] an seiner Stelle wuchsen, nachdem es zerbrochen war, bedeutet, dass vier Königreiche aus dem Volk entstehen werden, aber nicht so mächtig wie er. |
Hier haben wir abermals: Horn = Königreich! Historisch korrespondiert die Beschreibung exakt mit den vier Diadochenreichen, die nach dem Tod Alexanders des Großen (301 v. Chr.) aus seinem Imperium hervorgingen. Ein Horn stellt also nicht lediglich eine einzelne Person dar, sondern eine politische Machtstruktur. Dies zeigt sich auch am Widder: Dass ein Horn höher war als das andere (Dan 8,3), spiegelt die historische Realität wider, in der Persien innerhalb der medopersischen Allianz die dominante Kraft war.

Kommen wir aber zurück zu Daniel 7. In Daniel 7,17 haben wir unabhängig von dieser “Hörner-Geschichte” aus Daniel 8 erfahren, dass es um Königreiche geht.
Wie sieht das erste Tier aus? In Vers 4 lesen wir:
| 4 Das erste war wie ein Löwe und hatte Flügel wie ein Adler. Ich sah, wie ihm die Flügel ausgerissen wurden. Und es wurde von der Erde aufgehoben und auf die Füße gestellt wie ein Mensch, und es wurde ihm ein menschliches Herz gegeben. |
Was stellt denn ein Löwe dar und was bedeuten die Adlerflügel? Wieso bekam das Tier ein menschliches Herz?

Das erste Tier ist ein Löwe mit Adlerflügeln – eine Kombination der „Könige“ der Tier- und Lüftewelt. Dies korrespondiert mit dem goldenen Haupt aus Daniel 2: Babylon wird als das edelste und prächtigste der Reiche dargestellt.
Die historische und biblische Evidenz für die Deutung des ersten Tieres aus Daniel 7 auf Babylon ist überwältigend:
- Archäologie: Der Löwe ein beliebtes Motiv in der babylonischen Kunst. So sind an vielen Wänden Löwenmotive zu finden.
- Prophetie: Sowohl Jeremia (Jer 50,17) als auch Hesekiel (Hes 17,3) nutzen Löwen- und Adler-Metaphorik für Babylon.
- Die Flügel: Sie symbolisieren die rasante Expansion unter Nebukadnezar (vgl. Hab 1,6–8) bzw. allgemein stehen sie für Schnelligkeit. In diesem Sinne wurde das Symbol wiederholt verwendet, z. B. in Habakuk 1,8 oder auch 2Sam 1,23; Hiob 9,26; Jer 4,13; Klgl 4,19.
Das Ausreißen der Flügel deutet darauf hin, dass die Phase der schnellen Eroberungen endete – was historisch mit der psychischen Erkrankung Nebukadnezars und der nachfolgenden Instabilität zusammenfällt. Dass der Löwe schließlich auf zwei Füßen wie ein Mensch aufgerichtet wird und ein menschliches Herz erhält, markiert den Verlust seiner raubtierhaften Stärke. Während das „Löwenherz“ für unbezähmbaren Mut steht, symbolisiert das menschliche Herz in diesem Kontext Zaghaftigkeit und Schwäche. Es beschreibt treffend den inneren Verfall des babylonischen Imperiums, das schließlich kraftlos von den Medern und Persern erobert wurde.
In der theologischen und historischen Forschung herrscht daher weitgehende Einigkeit: Dieser Löwe ist das Symbol für das neubabylonische Weltreich.
Dann wird das zweite Tier beschrieben:
| 5 Und siehe, ein anderes Tier, das zweite, war gleich einem Bären und war auf der einen Seite aufgerichtet und hatte in seinem Maul zwischen seinen Zähnen drei Rippen. Und man sprach zu ihm: Steh auf und friss viel Fleisch! |

Setzen wir die Analogie zum Standbild aus Daniel 2 fort, so entspricht der Bär in Daniel 7,5 dem medopersischen Reich. Die Details der Beschreibung stützen dies eindrucksvoll:
- Die drei Rippen: Sie symbolisieren die drei großen Eroberungen, die den Weg zur Weltmacht ebneten: Lydien (547 v. Chr.), Babylon (539 v. Chr.) und Ägypten (525 v. Chr.).
- Die einseitige Aufrichtung: Der Bär ist „auf einer Seite aufgerichtet“. Dies korrespondiert mit den ungleich hohen Hörnern des Widders aus Daniel 8 und spiegelt die historische Vorrangstellung der Perser innerhalb der medopersischen Allianz wider.
Wir kommen zum dritten Tier:
| 6 Danach sah ich, und siehe, ein anderes Tier, gleich einem Panther, das hatte vier Flügel wie ein Vogel auf seinem Rücken und das Tier hatte vier Köpfe, und ihm wurde Herrschergewalt gegeben. |

Das dritte Tier ist ein Panther (oder Leopard) mit vier Flügeln. Ein Panther ist ein flinker, geschickter Jäger; vier Flügel verstärken das Symbol für Schnelligkeit ins Extreme. Die Geschichte bestätigt dieses Bild: Unter Alexander dem Großen eroberte Griechenland in einem beispiellosen Tempo die damalige Welt. In Daniel 8,5 wird dies ergänzt durch das Bild eines Ziegenbocks, der „den Boden nicht berührte“ – er flog förmlich über die Erde. Die vier Köpfe des Panthers finden ihre Entsprechung in den vier Hörnern von Daniel 8,8, welche die vier Diadochenreiche darstellen, die nach Alexanders Tod entstanden. Das dritte Tier ist also Griechenland!
Dann kommt das vierte Tier:
| 7 Danach sah ich in diesem Gesicht in der Nacht, und siehe, ein viertes Tier war furchtbar und schrecklich und sehr stark und hatte große eiserne Zähne, fraß um sich und zermalmte, und was übrig blieb, zertrat es mit seinen Füßen. Es war auch ganz anders als die vorigen Tiere und hatte zehn Hörner. |

Das vierte Tier ist anders als alle vorherigen: Es ist schrecklich, gewaltig und besitzt Zähne aus Eisen. Hier wird die Verbindung zu den eisernen Beinen der Statue aus Daniel 2,40 offensichtlich. Historiker bezeichnen das Römische Reich oft als das „Eiserne Imperium“. Es unterdrückte Völker mit beispielloser Härte und systematischer Grausamkeit – man denke an die Gladiatorenkämpfe oder die totale Zerstörung Korinths (146 v. Chr.). Auch während der Belagerung Jerusalems und der Zerstörung des Tempels 70 n. Chr. spielten sich derart grausame Dinge ab, dass man sie öffentlich kaum ausführen mag.
Wieso war es ganz anders als die vorigen Tiere? Nun, ich glaube, dass es mit den Hörnern zusammenhängt. Dazu später mehr. Auf jeden Fall kann man mit Blick auf Daniel 8 und den vier Hörnern dort festhalten, das diese die Nachfolgemächte Griechenlands darstellen.
Man könnte fragen: Wenn das vierte Tier das letzte Reich vor Gottes ewigem Reich ist, Rom aber im 5. Jahrhundert fiel – klafft hier eine Lücke? Die Antwort liegt in der Kontinuität: Das Römische Reich verschwand nicht spurlos. Während Westrom 476 n. Chr. politisch zerfiel, blieben römische Strukturen in der Kirche, im Rechtssystem und in den Sprachen Europas erhalten. Das „Eisen“ aus der Statue vermischte sich in den Füßen lediglich mit dem „Ton“ der germanischen Völkerwanderung. Das vierte Tier stellt somit nicht nur das antike Rom dar, sondern auch dessen Fortbestand in den europäischen Machtstrukturen.
Nicht zu vergessen ist, dass das oströmische Reich bis ins 15. Jahrhundert weiter existierte. Auch viele Strukturen, Titel und Ausdrücke, die aus der römischen Epoche stammen, existieren bis heute in der römisch-katholischen Kirche. Dazu zählen die Aufteilungen in Diözese, Provinz, Parochie, Begriffskontinuität für Ämter wie z. B. Vikar, Präfekt, Kanzler. Aber auch die Hierarchie (Bischof → Metropolit → Patriarch → Papst) spiegelt die römische Hierarchie wider. Gleiches gilt für die Aufteilung der Verwaltung und des Rechtswesens in Curia, Notariat und Kanonistik. Auch der bekannte Titel des obersten römischen Priesters, Pontifex Maximus, wurde direkt auf den Papst übertragen.
In Europa wurde das “Heilige Römische Reich” gegründet, unser Gesetz ist durch das römische Gesetz geprägt und die Sprache der Römer lebt noch heute in den Sprachen der Europäer weiter.

Die zehn Hörner des vierten Tieres symbolisieren die Aufteilung des Reiches, ähnlich wie die vier Hörner in Daniel 8 die Aufteilung Griechenlands darstellten. Historisch lässt sich der Zerfall Westroms (vollendet 476 n. Chr. – Absetzung des letzten Cäsars durch den germanischen Heeresführer Odoaker) tatsächlich auf die Ansiedlung germanischer Stämme zurückführen. Auf dem Boden des ehemaligen Weströmischen Reiches bildeten sich zehn wesentliche Königreiche
Nun, wenn die vier Hörner in Daniel 8 eine Aufteilung in vier kleinere Reiche darstellen, stellen die 10 Hörner dann 10 kleinere Reiche dar? Es ist sehr interessant, dass man die 10 Reiche tatsächlich einigermaßen identifizieren kann. (» große Karte).
Am Untergang des Weströmischen Reiches waren zahlreiche Gruppen beteiligt, darunter auch nicht-germanische Völker wie die Hunnen. Dennoch lassen sich im Zeitraum nach 476 n. Chr. primär zehn Stämme identifizieren, die auf dem Boden des ehemaligen Imperiums eigene Königreiche gründeten. Zu diesen zählen die Angelsachsen, die Westgoten, die Sueben, die Franken, die Burgunder und die Alamannen. Hinzu kommen die Vandalen, die Ostgoten sowie die Heruler und die Langobarden, wobei letztere zunächst in Pannonien, dem heutigen Ungarn, siedelten, bevor sie ein größeres Reich in Italien errichteten. Dass die Heruler oder die pannonische Phase der Langobarden in gängigen Geschichtsbüchern oft nur am Rande erwähnt werden, erschwert zwar die Recherche, ändert jedoch nichts an ihrer historischen Relevanz für diese Epoche.
Es bleibt festzuhalten, dass eine zweifelsfreie und allgemeingültige Festlegung dieser zehn „Hörner“ aufgrund der widersprüchlichen zeitgenössischen Quellen und der fließenden Grenzen der Völkerwanderungszeit eine Herausforderung darstellt. Dennoch ist die Verbindung zur heutigen Landkarte Europas bemerkenswert, da die Fundamente der wichtigsten modernen Nationalstaaten auf der „römischen Muttererde“ durch eben diese Stämme gelegt wurden. So finden wir das Erbe der Alamannen in Deutschland, das der Angelsachsen in Großbritannien und das der Franken und Burgunder im heutigen Frankreich sowie der Schweiz wieder. Ebenso führen die Spuren der Westgoten und Sueben nach Spanien und Portugal, während die Langobarden die Geschichte Italiens prägten. Damit lassen sich sieben der zehn Reiche unmittelbar mit der Entstehung des modernen Europas verknüpfen. Dies wirft jedoch die entscheidende Frage auf, was aus den übrigen drei Stämmen wurde und warum sie in der weiteren Geschichte keine dauerhafte Spur hinterließen.
Das kleine Horn
Lesen wir zunächst, was Daniel als Nächstes sah. Er interessierte sich nicht so brennend für das Tier, sondern seine Aufmerksamkeit galt den Hörnern. In Vers 8 lesen wir:
| 8 Als ich aber auf die Hörner achtgab, siehe, da brach ein anderes kleines Horn zwischen ihnen hervor, vor dem drei der vorigen Hörner ausgerissen wurden. Und siehe, das Horn hatte Augen wie Menschenaugen und ein Maul; das redete große Dinge. |

Stellen wir uns das vor: Da wachsen 10 Hörner auf dem Kopf des Tieres. Dann bricht ein kleines Horn zwischen ihnen hervor, wobei 3 der alten Hörner ausgerissen werden. Die 3 Hörner standen also dem Wachstum des kleinen Horns im Weg. Wir werden später genauer darauf zu sprechen kommen.
Exkurs zur Zahl Zehn: Ich möchte das zunächst so stehen lassen und zuerst auf die Zahl Zehn eingehen. Die Zahlen haben in der Bibel oft eine besondere Bedeutung: Die Zehn hat hier vielleicht die Bedeutung einer Zielzahl, einer Endzeitzahl. Sie steht auch für die Gesamtheit. Als Beispiel lässt sich z. B. das Gleichnis von den 10 Jungfrauen aus Matthäus 25 anführen.
Wie ist die Anzahl der Hörner zu verstehen? Wörtlich oder symbolisch? Und wenn symbolisch: Wofür soll sie stehen? Ich möchte nicht versuchen, alle Theorien – sofern ich sie kenne – aufzuzählen und darüber zu diskutieren. Festzuhalten ist, dass es noch immer ein aktuelles und umstrittenes Diskussionsthema ist.
Ich denke, dass sie sowohl wörtlich als auch symbolisch zu sehen ist. Einerseits passt es zu den Nachfolgestaaten des Römischen Reiches, andererseits kann man die Zahl auch symbolisch sehen, denn im weiteren Verlauf der Geschichte war Europa mal in mehr und mal in weniger als 10 Reiche eingeteilt. Die Zehn kann als ein Symbol dafür gesehen werden, dass bis zum Ende der Geschichte die Welt nicht mehr von einer einzigen Weltmacht, sondern von einer Koalition bestimmt wird.
Das entspricht auch dem Bild aus Daniel 2, wo sich der Ton und das Eisen zu verbinden versuchten, aber nicht zusammenhafteten, bis schließlich der Fels die Statue zerstörte und Gott sein Reich aufrichtete. Wie kommt man denn darauf, dass die „Zehn” eine Koalition bilden? Ein Hinweis steht in der Offenbarung 17,12.
Ein Hinweis steht in der Offenbarung 17, 12–13:
| 12 Und die zehn Hörner, die du gesehen hast, das sind zehn Könige, die ihr Reich noch nicht empfangen haben; aber wie Könige werden sie für eine Stunde Macht empfangen zusammen mit dem Tier. 13 Diese sind eines Sinnes und geben ihre Kraft und Macht dem Tier. |
Man beachte, dass diese Könige sich nicht wirklich vereinigen, sondern einig sind! Sie arbeiten zusammen! – Nun, diese Stelle ist jetzt etwas aus dem Zusammenhang gerissen. Vielleicht werde ich später dazu mal mehr schreiben.
Kommen wir zurück zum Buch Daniel:
Kommen wir zurück zum Buch Daniel: Wer das ganze Kapitel gelesen hat, wird vielleicht gemerkt haben, dass sich alles um dieses kleine Horn und das Endgericht dreht. Wenn man die Beschreibungen des Hornes mit dem Tier aus Offenbarung 13 vergleicht, so stellt man fest, dass sie die gleiche Macht beschreiben.”
| Das Buch Daniel Das kleine Horn: | Die Offenbarung Das erste Tier: |
| Dan 7,8: … hat Augen wie Menschenaugen. | Offb 13,18: …trägt die Zahl eines Menschen. |
| Dan 7,25 … wird den Höchsten lästern. | Offb 13,6: … tat sein Maul auf zur Lästerung gegen Gott. |
| Dan 7,25: … vernichtet die Heiligen des Höchsten. | Offb 13,7: … kämpft mit den Heiligen. |
| Dan 7,25: Sie werden in seine Hand gegeben 3 ½ Zeiten (1260 Tage). | Offb 13,5: Und es wurde ihm ein Maul gegeben, zu reden große Dinge und Lästerungen, und ihm wurde Macht gegeben, es zu tun zweiundvierzig Monate (1260 Tage) lang. |
| Dan 7, 20: … war größer als die Hörner, die neben ihm waren. | Offb 13,7: … wurde Macht gegeben über alle Stämme und Völker und Sprachen und Nationen. |
Steckbrief des Antichristen
Ich schrieb am Anfang, dass das erste Tier aus Offenbarung 13 für „den” Antichrist (bzw. für eine antichristliche Macht) steht. Beginnen wir damit, einen Steckbrief zu entwerfen, denn nur so werden wir in der Lage sein, ihn zu erkennen. In den folgenden Versen werden die Hörner und vor allem das kleine Horn noch deutlicher beschrieben. Lesen wir zuvor noch rasch Daniel 7,24–26:
| 24 Die zehn Hörner bedeuten zehn Könige, die aus diesem Königreich hervorgehen werden. Nach ihnen aber wird ein anderer aufkommen, der wird ganz anders sein als die vorigen und wird drei Könige stürzen. 25 Er wird den Höchsten lästern und die Heiligen des Höchsten vernichten und wird sich unterstehen, Festzeiten und Gesetz zu ändern. Sie werden in seine Hand gegeben werden eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit. 26 Danach wird das Gericht gehalten werden; dann wird ihm seine Macht genommen und ganz und gar vernichtet werden. 27 Aber das Reich und die Macht und die Gewalt über die Königreiche unter dem ganzen Himmel wird dem Volk der Heiligen des Höchsten gegeben werden, dessen Reich ewig ist, und alle Mächte werden ihm dienen und gehorchen. |
Was haben wir über dieses unheilige Horn bis jetzt erfahren?
- In Daniel 7,8.24 haben wir gelesen, dass das kleine Horn zwischen den anderen Hörnern aufkam. Man kann dies als geografischen Hinweis verstehen. Diese unheilige Macht, das kleine Horn, entstand nicht am Rand der anderen Hörner, sondern zwischen ihnen. Oder mit anderen Worten: Das kleine Horn wird von anderen Hörnern umgeben.
- Außerdem steht in Daniel 7,24, dass es nach den 10 Hörnern aufkommen wird, d. h. nach ihnen an die Macht gelangen. Diese Macht beginnt zunächst unscheinbar und unbedeutend, aber sie wächst, wird zu einem Horn und wird sogar größer als die anderen Hörner.
- Das Horn reißt 3 andere Hörner aus bzw. erniedrigt 3 andere König(reiche). Daniel 7,8.24
- Das Horn ist ganz anders als die 10 anderen Hörner. (Daniel 7,24)
- Daniel 7,8: Das Horn hat Augen wie Menschenaugen. Nun, beim Menschen sind Augen im Allgemeinen wichtig, damit wir unseren Körper durch die Welt steuern können. Sie sitzen im Kopf. Möglicherweise spielt ein Mensch für das Horn eine besondere Rolle.
- Im 25. Vers steht, dass das Horn den Höchsten, also Gott, lästern wird. Die Frage ist: Was versteht man unter Gotteslästerung? Und wo ist eigentlich der Unterschied zwischen Lästerung und Sünde?
Fragen wir doch einfach die Bibel: Lukas 5, 20.21:
| 20 Und als er ihren Glauben sah, sprach er: Mensch, deine Sünden sind dir vergeben. 21 Und die Schriftgelehrten und die Pharisäer fingen an zu überlegen und sprachen: Wer ist der, dass er Gotteslästerungen redet? Wer kann Sünden vergeben als allein Gott? |
Es ist also Lästerung, wenn ein Mensch sich anmaßt, Sünden zu vergeben. Und was steht bei Johannes 10,30–33?
| 30 Ich und der Vater sind eins. 31 Da hoben die Juden abermals Steine auf, um ihn zu steinigen. 32 Jesus antwortete ihnen: Viele gute Werke habe ich euch erzeigt vom Vater; um welches dieser Werke willen wollt ihr mich steinigen? 33 Die Juden antworteten ihm: Um eines guten Werkes willen steinigen wir dich nicht, sondern um der Gotteslästerung willen und weil du ein Mensch bist und machst dich selbst zu Gott. |
Wir sehen also, dass es Gotteslästerung ist, sich selbst zu Gott zu machen. Was gibt es noch?
- Daniel 7,25: Das Horn verfolgt und tötet die Heiligen Gottes. (Die Heiligen Gottes sind nicht mit den “heilig gesprochenen Menschen” zu verwechseln. Damit können auch schlichtweg Menschen gemeint sein, die Gott treu waren.)
- Daniel 7,25: Es maßt sich an, Gesetz und Festzeiten (wörtlich: Zeiten) zu ändern.
- und noch im gleichen Vers: Die Heiligen werden 3½ Zeiten in die Hände des Horns gegeben. Zu “Zeit, zwei Zeiten und eine halbe Zeit” muss ich noch etwas sagen. Dieser Ausdruck taucht in der Bibel drei Mal auf. In Daniel 7 und 12, sowie in der Offenbarung 12. Aus Offenbarung 12, 6.14 erkennen wir, dass mit 3 ½ Zeiten 1260 Tage gemeint sind. (Offb 13,5 & Dan 7,25: 3½ Zeiten = 42 Monate Þ 30 Tage je Monat, ein Jahr = 360 Tage.)
- Vers 26: Das Horn wird erst vernichtet, wenn Gott sein Gericht hält. Es existiert also auch noch heute!
Es gibt noch mehr Merkmale, aber diese sollten uns reichen.
Ein verdächtiger Kandidat
Wenn ich mit euch so einen Steckbrief zusammenstelle, dann denke ich wohl auch an einen bestimmten Kandidaten, zu dem die Beschreibung passt, oder? Also, was verbirgt sich hinter dem kleinen Horn? Wer ist „der Antichrist”? Es gibt zwar verschiedene Theorien hierzu, aber ich möchte euch eine Auslegung vorstellen, die schon die Reformatoren gefunden haben. Obwohl es sich um eine historische Interpretation handelt, scheint sie mir die plausibelste Auslegung zu sein, auch wenn sie unangenehm ist. „Der Antichrist” kommt nicht von außen. Es ist keine Macht, die gegen das Christentum kämpft. Die Gefahr kommt von innen. Ich war schockiert, als ich die Auslegung zum ersten Mal hörte. Ich weiß, dass die Antwort viele Menschen verletzen wird, aber ich kenne keine andere gute Auslegung, die alle aufgezählten Merkmale erfüllt. Kommen wir zur Sache: Das kleine Horn, der Antichrist, das wilde Tier aus Offenbarung 13 ist … das Papsttum der römisch-katholischen Kirche.
Eine wichtige Klarstellung: Es geht hier weder um Menschen noch um „die Katholiken”, es geht hier auch nicht um „den Papst”, sondern um das System der römisch-katholischen Kirche. Es gibt viele unglaublich aufrichtige Katholiken. Viele sind vermutlich aufrichtiger, als ich es bin. Es geht mir auch nicht darum, „die Katholiken” schlechtzumachen. Wir alle kennen z. B. Mutter Teresa, die ihr Leben ganz den Armen gewidmet hat. Wurden nicht viele Schulen und Krankenhäuser in Europa durch katholische Mönche und Schwestern gegründet? Dies alles muss man vorbehaltlos anerkennen und würdigen!
Dennoch sehe ich in dem System der römisch-katholischen Kirche mit ihren Lehren und Dogmen eine abgefallene Kirche! Ich rechne damit, dass diese Aussage auf Widerstand stoßen wird, aber bevor ihr diese These ablehnt oder sie für abwegig haltet, wartet doch bitte damit, bis ich euch gezeigt habe, dass die 10 Merkmale wirklich auf das Papsttum zutreffen. Ist das fair?
Übrigens bin ich nicht der Einzige mit dieser Deutung. Bereits die Reformatoren Jan Hus, Johannes Calvin und Martin Luther vertraten diese Auffassung. Sie bezogen sowohl 2 Thess 2 als auch Texte aus dem Buch Daniel auf das Papsttum. Luther äußerte sich beispielsweise in seiner Schrift „Wider die verfluchte Bulle des Endchrists” (1520) explizit in diesem Sinne. Es handelt sich also um eine über 500 Jahre alte, historische Auslegung – keine moderne Erfindung.
Nun, trifft der Steckbrief zu?
- Entstand das Papsttum auf dem Boden des römischen Weltreiches? Ja, tatsächlich! Es liegt sogar ziemlich zentral, nämlich genau in Rom. Das Papsttum entstand zwischen den anderen 10 Reichen – ein klarer geografischer Hinweis auf die Erfüllung der Prophezeiung.
- Wann entstand das Papsttum und wann gelangte es zur Macht? Tatsächlich entstand das Papsttum zur Zeit der Völkerwanderung: Leo I. (440–461 n. Chr.) gilt als Begründer des römischen Primats und als erster Papst. Offiziell wurde der Papst zum „Haupt aller Kirchen“7 jedoch erst durch das Dekret des oströmischen Kaisers Justinian (533 n. Chr.). Mehr dazu in Punkt 3.
Passt die Bezeichnung „kleines Horn”? Ja, das Papsttum begann tatsächlich sehr klein und schwach. Es war abhängig von den weltlichen Kaisern und Herrschern. Aber es wuchs: Wurde das kleine Horn auch größer als die anderen Hörner, mächtiger als die anderen Reiche?
Ja, obwohl das Papsttum immer wieder Rückschläge einstecken musste, wurde es so mächtig, dass es sogar zum Vorrecht des Papstes wurde, Kaiser zu bestätigen und zu krönen. Wie mächtig das Papsttum wurde, zeigt sich auch in Geschichten wie dem Kirchenbann über Heinrich IV. Mehr dazu in den Punkten 4 und 9. - Was hat das Papsttum mit dem Ausreißen der 3 Hörner, also mit der Erniedrigung dreier Reiche, zu tun? Standen die Heruler, die Vandalen und die Ostgoten dem Papsttum im Weg? Ja, auch dies trifft zu:
Die Heruler herrschten unter Odoaker, einem arianischen Heeresfürsten (Arianer glaubten an ein geschaffenes „Wesen Jesus”, waren also nicht katholisch), der sich zum König von Rom ernannte. Als die Ostgoten unter Theoderich in Italien einfielen, schloss der oströmische Kaiser Zenon mit Theoderich 478 n. Chr. einen Vertrag gegen Odoaker ab, der schließlich 493 n. Chr. getötet wurde. Das Herulerreich wurde von den Ostgoten abgelöst.
Auch Theoderich war ein Arianer. Zwar wurde den Katholiken, wie schon unter Odoaker, kein Leid zugefügt, aber dennoch blieb das Papsttum an die Herrscher in Italien gebunden. Dies zeigt sich beispielsweise daran, dass Theoderich den Papst Johannes I. ins Gefängnis warf, wo dieser dann auch starb.8
Die Vandalen: Im Jahre 534 n. Chr. zerstörte der oströmische Feldherr Belisar das Vandalenreich in Afrika. Auch sie waren Arianer und hatten die Herrschaft über Rom beansprucht. Bei diesem Krieg spielten auch religiöse Motive eine Rolle, wie historische Quellen zeigen.
Schon vier Jahre später, also im Jahre 538 n. Chr., wurden die Ostgoten aus der Stadt Rom vertrieben und die Macht der Ostgoten über die Stadt Rom wurde gebrochen. Das Dekret aus dem Jahre 533 n. Chr., derCodex Justinianus, wurde also erst im Jahre 538 gültig, und der Papst wurde “offiziell” das Haupt aller Kirchen. Dieses wurde natürlich bis heute nie von allen Christen anerkannt und in den folgenden Jahrhunderten nach dem Dekret kam es auch zur Spaltung von römisch-katholischer und orthodoxer Kirche. Aber für Rom brach eine neue Zeit an. Nicht nur das! Immer deutlicher zeichneten sich auch die weltlichen Züge des Papsttums ab: der Aufbau des Kirchenstaates.Zwar hatte das Papsttum noch mit Schwierigkeiten und Rückschlägen zu kämpfen, wie durch den Ostgotenaufstand ab 541 oder die Abhängigkeit vom oströmischen Kaiser Justinian, aber es erreichte bereits 50 Jahre später unter Gregor dem Großen seinen ersten beeindruckenden Höhepunkt.
Natürlich ist dies eine Interpretation und es bleibt unklar, welche Gründe dazu beigetragen haben, dass diese drei Reiche fielen.
Zusammenfassend kann gesagt werden: Historisch wurden drei arianische Reiche – die Heruler (493), die Vandalen (534) und die Ostgoten (538) – in dieser Reihenfolge vernichtet, bevor das Papsttum seine volle Macht entfaltete. Diese können als die drei ‘ausgerissenen Hörner’ interpretiert werden.
Nun stellt sich die Frage: Wie kann man das Papsttum mit einem Königreich vergleichen? War das Papsttum nicht grundlegend verschieden von einem Königreich? Genau das ist Punkt 4. - Das kleine Horn soll ganz anders sein als die anderen Hörner! Die anderen Hörner waren rein weltliche Reiche. Das Papsttum setzte nicht auf offene Gewalt, sondern kluge Diplomatie und geistlicher Anspruch waren die Mittel, mit denen die Kirche ihre Ziele verfolgte. Die Kirche forderte offen die absolute geistliche Autorität, obwohl sie sich auch in weltliche Belange einmischte. Wollte jemand diesen Anspruch nicht anerkennen, dann wurde er nicht etwa von einem Priester mit dem Schwert erschlagen. Nein! Sie ließ ihr Urteil in den meisten Fällen von weltlichen Mächten durchführen.
Bestätigung aus Offenbarung 13: Wenn wir einen kurzen Blick auf das Tier aus der Offenbarung 13 werfen, welches ebenfalls das Papsttum beschreibt, so lesen wir im Vers 4, dass das Tier angebetet werden wird. Auch dies unterstreicht den religiösen Charakter dieser Macht. Das Horn war so anders, weil es nicht nur eine weltliche Macht war, sondern eine religiös-weltliche Macht.
Das Papsttum heute: Das ist das Papsttum übrigens auch noch heute. Historische Dokumente beschreiben, wie sehr das Papsttum beim Untergang der kommunistischen Staaten mitgewirkt hat.
Eine bemerkenswerte Aussage: Im Jahr 1990 sagte der Jesuit Dr. M. Martin, ein Professor an der Vatikanuniversität, dass der Papst eine Weltregierung anstrebt, in der der Papst im Mittelpunkt steht. Auf die Frage, ob dies ohne einen weiteren Krieg erreicht werden kann, antwortete er: „Ich glaube schon, dass wir es ohne einen dritten Weltkrieg, einen Atomkrieg erreichen werden. Aber dass Blut fließen wird, glaube ich schon, dass es örtlich Krieg geben wird, wie z. B. am Golf und Nationen ausgerottet werden. Johannes Paul II glaubt, dass die Veränderungen in der Geschichte von Gott ausgehen, im Namen der Mutter Gottes, Maria.” (Aus einem Interview im kanadischen Rundfunk, Herbst 1990) — Eine Ansicht, die nachdenklich macht! - Spielt ein Mensch im Papsttum eine besondere Rolle? Natürlich – der Papst. Das Horn hatte „Augen wie Menschenaugen” (Daniel 7,8). Dies deutet darauf hin, dass eine Person eine zentrale Rolle in dieser Macht spielt. Im Papsttum ist dies eindeutig der Papst, der als sichtbares Haupt und Repräsentant des gesamten Systems fungiert.
- Das Horn soll Gott lästern. Spricht das Papsttum Gotteslästerung aus? Betrachten wir einige historische Aussagen:
Lästerliche Titel und Ansprüche:
„Der Papst ist von so großer Würde, dass er nicht bloßer Mensch ist, sondern so, als wäre er Gott … Der Papst hat so große Autorität und Macht, dass er sogar göttliche Gesetzte verändern, erklären und auslegen kann.” (L. Ferraris, Papa II., Pormpta Bibliotheca, Bd. VI, S. 25–29, 1772–1777)
„Wir (die Päpste) haben auf dieser Erde den Platz des allmächtigen Gottes inne.” (Papst Leo XIII, 20. Juni 1894)
„Der Papst ist nicht nur der Stellvertreter Jesu Christi, sondern ist Jesus Christus selbst, verborgen unter dem Schleier des Fleisches.” (The Catholic National, Juli 1895)
Schon Luther störte sich stark, an dem Ausdruck „Herr Gott Papst“ (dominum Deum nostrum Papam), welcher von dem namhaften Kirchenrechtler Zenzelinus de Cassaniz verwendet wurde. Luther nimmt auf diese Bezeichnung wiederholt Bezug.
Widerspruch zur Lehre Jesu: Nicht nur sind durch das Papsttum lästerliche Worte ausgegangen, in vielen Dingen besteht ein direkter Widerspruch zu dem, was Jesus uns lehrte. Betrachten wir Matthäus 23,9:
„Und ihr sollt niemand euren Vater nennen auf Erden; denn einer ist euer Vater: der im Himmel.“
Wie wird ein Priester angesprochen? Als „Vater”. Und wie wird der Papst genannt? „Heiliger Vater”! Aber nicht der Papst ist der Heilige Vater, sondern Gott (Johannes 17,11). Nicht der Papst ist Stellvertreter Jesu, sondern der Heilige Geist (Johannes 14,16).
Verschiedene Päpste haben sich wiederholt auf einem weißen Thron, umgeben von Cherubinen und “vier lebendigen Wesen” dargestellt. Dieses ist eine klare Anspielung auf Offenbarung 4,6–8. Der weiße Thron steht symbolisch für den Thron Gottes. Wenn der Papst sich auf einen weißen Thron setzt, hat das einen Symbolcharakter. Die folgenden Bilder stammen aus einem offiziellen Youtube-Clip. Es ist keine zufällige Szene, sondern der Papst sitzt mit den “vier lebendigen Wesen” auf einer Erhöhung:

Was ist mit der Sündenvergebung? Zwar gibt es kein offizielles Dogma, dass Priester Sünden vergeben können, aber dennoch sind die Priester in der römisch-katholischen Kirche für die Vergebung der Sünden unabdingbar. In dem Artikel „No Forgiveness ‘Directly from God,’ Pope Says” (Don A. Schnache, Los Angeles Times, 12. Dezember 1984, S. 11) lesen wir: „Papst Johannes Paul II. wies die ‚weitverbreitete Idee, dass man Vergebung direkt von Gott erhalten könne’ zurück und ermahnte die Katholiken, öfters ihren Priestern zu beichten.“
Die Beichte von Sünden ist angeblich notwendig, um Sünden vergeben zu bekommen. Wie heißt es aber bei 1. Tim 2,5:
„Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus“
Es gibt nur einen Mittler: Jesus Christus! Nicht viele, nicht die Priester, nicht der Papst! Auch hier zeigt sich abermals, wie Jesu Platz durch Menschen verdrängt wird. - Verfolgung der Heiligen
Ist es wahr, dass das Papsttum bzw. die römisch-katholische Kirche andere gläubige Menschen verfolgt hat? Ja, sie hat Andersgläubige verfolgt – beispielsweise die Waldenser sowie die Reformatoren und Protestanten. Die Inquisition hat unzähligen Menschen das Leben gekostet.1 Nach dem Erlass Papst Gregors IX. (1229) wurde es lebensgefährlich für Laien, eine Bibel in der Muttersprache zu besitzen. Dies zeigt, wie sehr die kirchliche Hierarchie die direkte Auseinandersetzung der Gläubigen mit Gottes Wort zu verhindern versuchte. - Veränderung von Gesetzen und Zeiten
Hat das Papsttum sich angemaßt, biblische Gesetze und Zeiten zu verändern?
Wir brauchen nur Gottes zehn Gebote mit den zehn Geboten im Katechismus zu vergleichen (» Die Zehn Gebote im Vergleich). Das erste, was auffällt, ist, dass das 2. Gebot komplett weggefallen ist. Dies steht im Widerspruch zur Bilderverehrung, die ca. 787 n. Chr. eingeführt wurde (» mehr dazu). Da nun ein Gebot fehlt, wurde das letzte Gebot in zwei Gebote aufgeteilt, um wieder auf insgesamt 10 Gebote zu kommen.
Der Sabbat und der Sonntag: Man kann sich auch fragen, warum wir den Sonntag heiligen, obwohl in der Bibel vom Sabbat die Rede ist. Wenn man glaubt, dass der Sonntag irgendwie mit der Bibel zu rechtfertigen ist, muss man feststellen: Was hört man von katholischer Seite dazu?
„Die katholische Kirche verlegte kraft ihrer göttlichen Sendung den Sabbat vom Samstag auf den Sonntag. […] Frage: Warum feiern wir statt Samstag den Sonntag? Antwort: Wir feiern Sonntag statt Samstag, weil die katholische Kirche auf dem Konzil zu Laodicea 364 n. Chr. die Heiligkeit von Samstag auf Sonntag verlegte.“2
Und was lesen wir im „Our Sunday Visitor”?
“In allen ihren offiziellen Lehrbüchern behaupten die Protestanten, dass ihre Religion allein auf der Bibel gegründet ist und sie lehnen die Tradition selbst als Teil des Glaubens ab. […] Im Neuen Testament gibt es keine Stelle, wo deutlich erklärt wird, dass Christus den Tag der Anbetung von Samstag auf Sonntag verlegt. Dennoch folgen alle Protestanten der Tradition in dem sie den Sonntag halten.“3
Eine umfassende katholische Zitatsammlung befindet sich auf einer Unterseite.
Aussagen protestantischer Vertreter:
Baptisten: “Es gab und gibt ein Gebot, den Sabbattag heilig zu halten; aber dieser Sabbattag war nicht der Sonntag… Es wird gesagt – und das sogar mit einem Anflug von Triumph – dass der Sabbat vom siebenten Tag auf den ersten Tag der Woche verlegt wurde… Wo könne der Bericht über eine solche Veränderung wohl gefunden werden? Nicht im Neuen Testament – absolut nicht. Es gibt keinen Beweis in der Schrift dafür, dass die Einrichtung des Sabbats vom siebenten Tag auf den ersten Tag der Woche verlegt worden wäre.“4
Lutheraner: “Die Beachtung des Tages des Herrn (gemeint ist der Sonntag) gründet sich nicht auf irgendein Gebot Gottes, sondern auf die Autorität der Kirche.“5
Methodisten: “Nehmen wir die Sache des Sonntages…, da gibt es keinen Schriftabschnitt, der uns sagt, dass dieser Tag den Christen heilig seien sollte – oder der jüdische Sabbat auf diesen Tag verlegt worden wäre.“6
Eine bemerkenswerte Situation: Heute begründen manche Christen die Sonntagsfeier damit, weil Jesus an diesem Tag auferstanden ist. (Allerdings muss einschränkend gesagt werden, dass dies nicht erklärt, warum der Sabbat dadurch abgelöst werden sollte. Mehr zum Thema Sabbat und Sonntag gibt es auf einer Extraseite.)
Ist es nicht bemerkenswert, dass die Protestanten dennoch den Sonntag halten und nicht den Sabbat? Es gibt meines Wissens nur wenige Kirchen, die dies nicht tun: die Siebenten-Tags-Adventisten und die Siebenten-Tags-Baptisten sowie die Evangelischen Christen des Sabbattages. - Die prophetische Zeitspanne: Kommen wir zu einem weiteren sehr interessanten Punkt: die 1260 Tage bzw. 3½ Zeiten bzw. 42 Monate (Offenbarung 13,5). Nun, das ist ja nicht sonderlich lange, oder? Wie kann das mit dem Papsttum zu vereinbaren sein?
Das Jahr-Tag-Prinzip in der Prophetie: Man muss wissen, dass Tage eine besondere Rolle in der Prophetie spielen. Prophetische Tage entsprechen gewöhnlichen Jahren. Die Bibel sagt es uns selbst. Lesen wir dazu Hesekiel 4,5–6:
„5 Ich will dir aber die Jahre ihrer Schuld auflegen, für jedes Jahr einen Tag, nämlich dreihundertneunzig Tage. So lange sollst du die Schuld des Hauses Israel tragen. 6 Und wenn du dies vollbracht hast, sollst du danach dich auf deine rechte Seite legen und sollst tragen die Schuld des Hauses Juda vierzig Tage lang; denn ich gebe dir hier auch je einen Tag für ein Jahr.“
Eine weitere Stelle, wo das Prinzip Tag = Jahr zu finden ist, findet sich in 4. Mose 14,34, aber auch in Daniel 9,24. Es ist erstaunlich, dass viele Bibeln, obwohl sie Daniel z. T. ziemlich schlecht übersetzten bzw. auslegten, an dieser Stelle die richtige Erklärung geben: 70 Wochen = 7×70 Jahre.
Die Berechnung: 538 bis 1798:
Im Jahre 538 n. Chr. wurden die Ostgoten aus Rom vertrieben, und das Papsttum begann, seine Machtansprüche durchzusetzen. Wenn wir nun 1260 Jahre in die Zukunft gehen, so gelangen wir in das Jahr 1798.
Was passierte in diesem Jahr bzw. am Ende des 18. Jahrhunderts? Es war die Zeit der Französischen Revolution! Und genau im Jahre 1798 nahm der französische General Berthier den Papst Pius VI. gefangen. Dies ist in der Geschichte keine Ausnahme gewesen, aber das Unglaubliche war, dass der Kirchenstaat aufgelöst und Rom zu einer Republik erklärt wurde. Das Papsttum hatte seine politische und weltliche Vormachtstellung verloren. Das Papsttum wurde abgeschafft. Die katholische Kirche wurde mit einer Grabinsetzung auf dem Petersplatz symbolisch begraben. Ein einmaliges Ereignis!
Viele verbinden mit diesem Ereignis die tödliche Wunde (wichtigstes Erkennungsmerkmal des Tieres aus Offenbarung 13,3.12)! In den folgenden Jahren gab es zwar wieder einen Papst, aber alle Versuche, den Kirchenstaat wieder aufzurichten (1801, 1815 und 1849), scheiterten. Mit dem Abschluss der Einigung Italiens 1870 schien die tödliche Wunde schließlich tatsächlich zum Tod geführt zu haben.
Die Heilung der Wunde: Aber was sagt uns die Bibel? In Offenbarung 13,3 steht geschrieben, dass seine tödliche Wunde heil wurde. Durch den Lateranvertrag mit Mussolini 1929 wurde ein neuer Kirchenstaat gegründet. Auch wenn dieser Staat sehr klein ist, so hat das Papsttum wieder an Ansehen und Einfluss gewonnen. Seit 1870 erhielt das Papsttum sogar die Unfehlbarkeit bei Lehrentscheidungen!
Die heutige Macht des Papsttums: 117 Nationen haben eine Botschaft auf dem Vatikanhügel. Es gibt viele Berichte über die wirkliche Macht des Papstes, aber die kann ich hier nicht diskutieren. Es bleibt abzuwarten, ob es der katholischen Kirche wirklich gelingt, eine Weltreligion und Weltregierung zu gründen bzw. dort die Führungsrolle einzunehmen. Die Zukunft wird es zeigen, aber die Zeichen sind vielversprechend: Die Ökumene bemüht sich mit allen Mitteln, die Protestanten und Katholiken wieder zu vereinen. Die nächsten Jahre werden zeigen, wie sich diese Entwicklung fortsetzt.
Insgesamt zeigt sich: Auch wenn die genaue Bestimmung des Startdatums (538) umstritten ist und von der Interpretation historischer Ereignisse abhängt, ist es bemerkenswert, dass 1260 Jahre später (1798) tatsächlich ein einschneidendes Ereignis eintrat: die Gefangennahme des Papstes und die Auflösung des Kirchenstaates – was mit der ‘tödlichen Wunde’ aus Offenbarung 13,3 übereinstimmt. - Das Fortbestehen bis heute. Der letzte Punkt trifft ebenfalls zu: Das Papsttum besteht noch heute und erfüllt damit die Prophezeiung, dass diese Macht bis zum Endgericht Bestand haben wird (Daniel 7,26).
Fazit
Das System der römisch-katholischen Kirche ist gemäß dieser Auslegung das antichristliche kleine Horn aus Daniel 7 und das wilde Tier aus Offenbarung 13. Diese historische Interpretation, die bereits von den Reformatoren vertreten wurde, erfüllt die beschriebenen Merkmale am vollständigsten mit historisch verifizierbaren Ereignissen.
Alternative Auslegungen haben jeweils erhebliche Schwächen: Die futuristische Auslegung (ein zukünftiger Antichrist) ist viel spekulativer, unterbricht die chronologische Abfolge aus Daniel 2 und passt auch nicht zur Abfolge in Daniel 7. Diese Auslegung kann nicht erklären, warum das kleine Horn bereits zur Zeit des vierten Reiches (Rom) erscheinen sollte, wenn es doch erst in ferner Zukunft kommt. Der Versuch, Daniel 7 präteristisch auszulegen (in der Vergangenheit bereits erfüllt), scheitert an vielen unpassenden Fakten. So kommt Antiochus IV. Epiphanes, der hier meist genannt wird, nicht aus dem vierten Tier (Rom), sondern aus dem dritten (Griechenland). Das kleine Horn kommt nach den 10 Hörnern auf, aber Antiochus IV. Epiphanes lebte und starb vor dieser Epoche. Die geografische Lage passt bei Antiochus nicht und das kleine Horn existiert bis zum Endgericht.
Man kann sich vorstellen, dass der katholischen Kirche diese Auslegung überhaupt nicht gefällt. Tatsächlich wurden die beiden Hauptalternativen – Futurismus und Präterismus – im Rahmen der Gegenreformation von zwei Jesuiten entwickelt: Francisco Ribera legte 1590 die Prophezeiungen in die ferne Zukunft (Futurismus), Luis de Alcázar 1614 in die Vergangenheit (Präterismus). Beide Auslegungen hatten das ausdrückliche Ziel, die protestantische Identifikation des Papsttums mit dem Antichristen zu widerlegen.
Die meisten modernen Bibelkommentare vertreten heute eine dieser beiden alternativen Auslegungen. Akademisch-kritische Kommentare favorisieren meist den Präterismus (Antiochus Epiphanes), während evangelikale Kommentare häufig futuristisch auslegen (zukünftiger Antichrist). Die historische Auslegung der Reformatoren findet sich heute hauptsächlich noch in reformierten und adventistischen Kreisen.
Bei der Arbeit mit biblischen Texten ist zu beachten, dass jede Übersetzung zwangsläufig auch eine Interpretation darstellt. Besonders bei dynamischen Übertragungen wie der Guten Nachricht oder Hoffnung für alle fließen oft theologische Vorannahmen in den Text ein. Um Verzerrungen zu vermeiden, empfiehlt sich daher der Vergleich mit urtextnahen Versionen, z. B. die Schlachter oder Elberfelder Bibel. Ein deutliches Beispiel findet sich in Daniel 8,14: Während das Hebräische von ‚2300 Abend-Morgen‘ spricht, verkürzt die Gute Nachricht dies auf ‚1150 Tage‘, um eine historische Übereinstimmung mit Antiochus IV. Epiphanes zu suggerieren. Ähnlich verhält es sich in Apostelgeschichte 20,9: Wo der Urtext einen nächtlichen Dialog (dialegomai) beschreibt, macht die Hoffnung für alle daraus eine klassische Predigt – vermutlich geleitet von modernen Vorstellungen eines Sonntagsgottesdienstes. Solche Beispiele unterstreichen, wie wichtig eine kritische Prüfung des Wortlauts gegenüber interpretativen Deutungen ist.
Ist damit alles gesagt und „die Gefahr” offenbart? Keineswegs! Auf Anregung eines Leserbriefes wurde eine Extraseite ergänzt (» Vorsicht Falle!).
Wie geht es weiter? Auf jeden Fall sollte geprüft werden, ob diese Auslegung plausibel ist – auch noch in unserer Zeit. Wie sieht heute das Selbstverständnis der römisch-katholischen Kirche aus? Welche Ansprüche erhebt sie? Verkündigt sie das Evangelium Jesu? Stimmt sie mit den Aussagen der Bibel überein? Droht sogar erneut Einflussnahme auf die Weltpolitik? Es empfiehlt sich, alles mit der Bibel zu überprüfen und seine eigenen Schlüsse zu ziehen.
Gerade vor dem Hintergrund der Ereignisse der letzten Jahre stellt sich die berechtigte Frage: Kann diese Auslegung überhaupt richtig sein? Hat sich das Papsttum nicht geändert? Was die Theologie betrifft, wird folgende Vortragsreihe empfohlen: Von Kreta nach Malta (Walter Veith)
https://www.youtube.com/embed/videoseries?list=PLDKyNbsCdEakYvMRLCTAtUwxGbjw_FUoP
Leider zeigt sich, dass die Theologie der römisch-katholischen Kirche im Kern noch genauso falsch ist wie zu Zeiten Luthers.
Die Visionen in Daniel 2 und 7 skizzieren den großen Bogen der Weltgeschichte – vom antiken Babylon bis hin zur Errichtung des ewigen Reiches Gottes. Während Daniel 2 die politische Abfolge der Reiche betont, lenkt Daniel 7 den Blick auf eine aufstrebende antichristliche Macht am Ende der Zeit. Um dieses Thema zu vertiefen und die prophetischen Zeiträume besser zu verstehen, bietet sich in einem nächsten Schritt eine Auslegung der Kapitel 8 und 9 an. Zu einer späteren Zeit wird hier eine Fortsetzung der Auslegung der Kapitel 8 und 9 aus dem Buch Daniel erfolgen.
Bis dahin – Gottes Segen!
Abbildungen
Abbildung 1: Das wilde Tier aus Offb 13
Abbildung 2: Das 1. Tier aus Daniel 7
Abbildung 3: Verzierungen an Wänden
Abbildung 4: Das 2. Tier aus Daniel 7
Abbildung 5: Das 3. Tier aus Daniel 7
Abbildung 6: Das 4. Tier aus Daniel 7
Abbildung 7: Das zerteilte Römische Reich
Abbildung 8: Das kleine Horn
Urheber:
Abbildung 1: Facebook – Daniel Hernandez Vanegas
Abbildung 2,4,5,6: Pixabay – Benutzer: CalibS1982
Abbildung 3: Wikimedia Commons – Benutzer: Radziem
Abbildung 8: KI
Literatur und Quellen
1 Der Historiker W.E.H. Lecky spricht in seinem Werk “History of the Rise and Influence of the Spirit of Rationalism in Europe” (New York 1955, Band 2, S. 40–45) sogar von 50 Millionen Menschenleben! (» Zurück)
2 P. Geiermann, “The Convert’s Catechism of Catholic Doctrine”. – Dieses Werk erhielt am 25.01.1910 vom Papst Pius X. den “Apostolischen Segen”! (» Zurück)
3 “Our Sunday Visitor” (eine katholische Zeitung), Ausgabe vom 11. Juni 1950 (» Zurück)
4 Aus einer Arbeit von Dr. E. T. Hiscox, Autor des Baptistischen Handbuches. (» Zurück)
5 Augsburgische Konfession des Glaubens, angeführt in ‘Catholic Sabbath Manual’, Teil 2, Kapitel 1, Abschnitte 10) (» Zurück)
6 H. F. Rall, “Christian Advocate”, 2. Juli 1942 (» Zurück)
7 Haupt aller Kirchen (caput omnium ecclesiorum, 533 n. Chr. – Corpus Juris Civilis, Buch 1, Titel 1,8, übersetzt von Paul Krüger, Berlin, Weidmann 1915–28) (» Zurück)
8 Kompendium der Kirchengeschichte, Heussi, § 37 b. (» Zurück)










