Fünfmal schlucken

Resümee einer Endzeitpredigt


Inhaltsverzeichnis

Wor­um geht es?
1. Die Ent­rü­ckung
2. Das Gleich­nis mit den Pfun­den
3. Der Wie­der­auf­bau des Tem­pel
4. Dani­el 9, 24–27
5. Das Volk Isra­el
6. Abschluss­be­mer­kun­gen
Fuß­no­ten


Worum geht es?

Ein Mensch mit einem Brett vor dem Kopf.

Der fol­gen­de Text wur­de vor über 30 Jah­ren nach dem Hören einer End­zeit­pre­digt ver­fasst. Die Bibel­zi­ta­te stam­men über­wie­gend aus der Luther­bi­bel 1984 (alte Recht­schrei­bung). Seit dem Abfas­sen des Tex­tes hat sich die Rele­vanz nicht geän­dert. Beson­ders in evan­ge­li­ka­len Krei­sen wird auch heu­te noch so wie frü­her gedacht. Die hier prä­sen­tier­ten Ein­wän­de sind wei­ter­hin gül­tig und wur­den in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten nicht ent­kräf­tet. Daher kann der Text mit gutem Gewis­sen wei­ter­hin ver­öf­fent­licht blei­ben. Eines steht fest: Die Sicht­wei­sen sind so gegen­sätz­lich und fest­ge­fah­ren, dass eine oder bei­de Sei­ten “ein Brett vor dem Kopf” haben müs­sen – oder gar bei­de Sei­ten. Aber was genau sind die kon­kur­rie­ren­den Ansich­ten?

Ursprüngliche Einleitung

Vor eini­ger Zeit war ich Hörer einer End­zeit­pre­digt und hat­te gro­ße Schwie­rig­kei­ten damit. Ich weiß, dass das The­ma „End­zeit” ein schwie­ri­ges The­ma ist, das oft sehr emo­tio­nal dis­ku­tiert wird. Auch ich zitie­re manch­mal beängs­ti­gen­de Bibel­stel­len, aber kei­nes­wegs als „Mit­tel zum Zweck”. Zwei­fel­los gibt es eini­ge hef­ti­ge Bibel­stel­len, und Gott hat sicher­lich kei­ne Freu­de dar­an, uns ein­zu­schüch­tern. Vie­les ist nur als wohl­mei­nen­de War­nung gemeint, damit wir uns nicht ver­füh­ren las­sen. Wenn wir uns treu am Herrn fest­hal­ten, brau­chen wir uns nicht zu fürch­ten. Jesus sag­te uns vie­le Din­ge, um uns vor­zu­be­rei­ten und zu hel­fen:

Joh 16,1–4

Das habe ich zu euch gere­det, damit ihr nicht abfallt. Sie wer­den euch aus der Syn­ago­ge aus­sto­ßen. Es kommt aber die Zeit, daß, wer euch tötet, mei­nen wird, er tue Gott einen Dienst damit. Und das wer­den sie dar­um tun, weil sie weder mei­nen Vater noch mich erken­nen. Aber dies habe ich zu euch gere­det, damit, wenn ihre Stun­de kom­men wird, ihr dar­an denkt, daß ich’s euch gesagt habe. Zu Anfang aber habe ich es euch nicht gesagt, denn ich war bei euch.

Jesu Jün­ger frag­ten ihn nach sei­ner Wie­der­kunft und der Zer­stö­rung des Tem­pels. Dies sind zwei getrenn­te Ereig­nis­se, aber Jesus gab eine Ant­wort auf bei­de Gesche­hen, und dadurch, dass er die Jün­ger warn­te und ihnen Rat­schlä­ge gab, über­leb­ten die meis­ten Chris­ten eine der schlimms­ten Bela­ge­run­gen der Anti­ke. Vie­le hun­dert­tau­sen­de Men­schen kamen bei der Bela­ge­rung Jeru­sa­lems um, und vie­le grau­sa­me Din­ge ereig­ne­ten sich, die kaum beschreib­bar sind. Die Chris­ten ent­ka­men der „Fal­le Jeru­sa­lem”, weil sie, als sich die Zei­chen erfüll­ten, auf Jesu Wor­te hör­ten und in die Ber­ge flo­hen.

Alles in der Bibel soll uns zum Bes­ten die­nen: zur Erbau­ung, zur Beleh­rung und zur War­nung. Obwohl Din­ge gesche­hen wer­den, die uns Angst ein­flö­ßen, so brau­chen wir uns doch nicht zu fürch­ten: Der Herr ist unser Fels, unse­re Burg, unser Erret­ter und unser Schild (Ps 18,3), und daher gilt uns der Auf­ruf: „Seid alle­zeit fröh­lich” (1 Thess 5,16).

Die Zukunft lässt sich nur schwer vor­her­sa­gen, und die Aus­le­gung ver­schie­de­ner bibli­scher Vor­her­sa­gen ist schwie­rig. An ihnen haf­tet stets eine gewis­se Unge­wiss­heit, und umso ver­wun­der­ter war ich, als ver­schie­de­ne Theo­rien und Aus­le­gun­gen so selbst­ver­ständ­lich vor­ge­tra­gen wur­den, als stün­den sie wört­lich in der Bibel. Dass die­se Din­ge kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit sind und durch­aus in Fra­ge zu stel­len sind, soll die­ser Text deut­lich machen. Im Fol­gen­den sol­len die The­men „Die Ent­rü­ckung”, „Das Gleich­nis mit den Pfun­den”, „Wie­der­auf­bau des Tem­pels”, „Dani­el 9″ und „Das Volk Isra­el” im Zusam­men­hang mit der Pre­digt dis­ku­tiert wer­den.

1. Die Entrückung

Aus­sa­ge der Pre­digt: Die Ent­rü­ckung fin­det vor, wäh­rend oder nach der gro­ßen Trüb­sal statt, die der Wie­der­kunft vor­aus­geht – laut Pre­digt aber wahr­schein­lich davor. Als Begrün­dung wird auf das Send­schrei­ben an die Gemein­de in Phil­adel­phia (Offb 3,10) ver­wie­sen: „Weil du mein Wort von der Geduld bewahrt hast, will auch ich dich bewah­ren vor der Stun­de der Ver­su­chung, die kom­men wird über den gan­zen Welt­kreis, zu ver­su­chen, die auf Erden woh­nen.“ Da die Gemein­de hier vor der Ver­su­chung bewahrt wird, wird geschluss­fol­gert, dass die gläu­bi­gen Chris­ten vor der Trüb­sal und Bedräng­nis ent­rückt wer­den.

War­um ich schlu­cken muss­te: Die­se Aus­le­gung wider­spricht an meh­re­ren Stel­len mei­nem Bibel­ver­ständ­nis. Mei­nes Erach­tens gibt es zahl­rei­che Bibel­stel­len, die ver­deut­li­chen, dass die Auf­er­ste­hung der Toten, die Ver­wand­lung der Gläu­bi­gen und die Ent­rü­ckung zeit­gleich am Ende, näm­lich direkt bei der sicht­ba­ren Wie­der­kunft Jesu, statt­fin­den wer­den. Dies lässt sich wie folgt begrün­den:

a) Die Ent­rü­ckung ist mit der Auf­er­ste­hung ver­bun­den:

1.Kor 15,51–52

Sie­he, ich sage euch ein Geheim­nis: Wir wer­den nicht alle ent­schla­fen, wir wer­den aber alle ver­wan­delt wer­den; und das plötz­lich, in einem Augen­blick, zur Zeit der letz­ten Posau­ne. Denn es wird die Posau­ne erschal­len, und die Toten wer­den auf­er­ste­hen unver­wes­lich, und wir wer­den ver­wan­delt wer­den.

1.Thess 4,16–17

Denn er selbst, der Herr, wird, wenn der Befehl ertönt, wenn die Stim­me des Erz­engels und die Posau­ne Got­tes erschal­len, her­ab­kom­men vom Him­mel, und zuerst wer­den die Toten, die in Chris­tus gestor­ben sind, auf­er­ste­hen. Danach wer­den wir, die wir leben und übrig­blei­ben, zugleich mit ihnen ent­rückt wer­den auf den Wol­ken in die Luft, dem Herrn ent­ge­gen; und so wer­den wir bei dem Herrn sein alle­zeit.

Die erwähn­te Posau­ne könn­te im Zusam­men­hang mit der Wie­der­kunft ste­hen. (Mt 24,31 und Offb 11,15. Die Gerech­ten erwa­chen aus dem ‘Todes­schlaf’ am Jüngs­ten Tag, wenn Jesus kommt (Vgl. Joh 11, 24).

b) Die Ent­rü­ckung wird nicht vor der Wie­der­kunft (WK) und erst recht nicht vor der soge­nann­ten ‘gro­ßen Trüb­sal’ statt­fin­den: In Offen­ba­rung 13 lesen wir:

Offb 13,13–16

Und es [das Tier] tut gro­ße Zei­chen, so daß es auch Feu­er vom Him­mel auf die Erde fal­len lässt vor den Augen der Men­schen; und es ver­führt, die auf Erden woh­nen, durch die Zei­chen, die zu tun vor den Augen des Tie­res ihm Macht gege­ben ist; und sagt denen, die auf Erden woh­nen, daß sie ein Bild machen sol­len dem Tier, das die Wun­de vom Schwert hat­te und leben­dig gewor­den war. Und es wur­de ihm Macht gege­ben, Geist zu ver­lei­hen dem Bild des Tie­res, damit das Bild des Tie­res reden und machen kön­ne, daß alle, die das Bild des Tie­res nicht anbe­te­ten, getö­tet wür­den. Und es macht, daß sie alle­samt, die Klei­nen und Gro­ßen, die Rei­chen und Armen, die Frei­en und Skla­ven, sich ein Zei­chen machen an ihre rech­te Hand oder an ihre Stirn,

Las­sen wir mal bei­sei­te, was die­ses Bild des Tie­res und das Zei­chen ist. Fest steht, dass es einen Zwang und eine Todes­stra­fe geben wird. Vor der Wie­der­kunft, vor der Auf­er­ste­hung und vor der Ent­rü­ckung.

In Offb 14,9 wer­den wir davor gewarnt, die­ses Zei­chen anzu­neh­men. Wenn wir schon ent­rückt wären, wäre die War­nung ziem­lich sinn­los.

Noch viel deut­li­cher ist Mt 24, das Par­al­lel­ka­pi­tel zu Mk 13, wel­ches in der Pre­digt ver­wen­det wur­de. In Vers 13 und 21–22 lesen wir von der ‘gro­ßen Trüb­sal’:

Wer aber beharrt bis ans Ende, der wird selig wer­den. Denn es wird dann eine gro­ße Bedräng­nis sein, wie sie nicht gewe­sen ist vom Anfang der Welt bis jetzt und auch nicht wie­der wer­den wird. Und wenn die­se Tage nicht ver­kürzt wür­den, so wür­de kein Mensch selig wer­den; aber um der Aus­er­wähl­ten wil­len wer­den die­se Tage ver­kürzt.

Wenn nun eine Ent­rü­ckung von der Trüb­sal statt­fin­den soll­te, wie kann man bis ans Ende aus­har­ren? Wenn die Aus­er­wähl­ten ent­rückt sind, war­um soll­ten die Tage der Trüb­sal ihrer Wil­len ver­kürzt wer­den?

Die Theo­rie einer „vor­zei­ti­gen“ oder gar „heim­li­chen“ Ent­rü­ckung, wie sie oft in Pfingst­kir­chen oder cha­ris­ma­ti­schen Krei­sen gelehrt wird, hal­te ich für exege­tisch zwei­fel­haft. Bekannt sind die Auto­auf­kle­ber mit Auf­schrif­ten wie: „Wenn die­ses Auto ohne Fah­rer fährt, wur­de er ent­rückt.“ Die­se Vor­stel­lung basiert oft auf einer Fehl­in­ter­pre­ta­ti­on des latei­ni­schen Wor­tes rape­re (von dem sich „Rap­tu­re“ ablei­tet), was zwar „fort­rei­ßen“ bedeu­tet, aber nichts über den Zeit­punkt aus­sagt. Zudem wird die Meta­pher „wie ein Dieb in der Nacht“ miss­ver­stan­den: Sie bezieht sich auf die Unvor­her­seh­bar­keit des Zeit­punk­tes für die Unwach­sa­men, nicht auf eine Heim­lich­keit des Ereig­nis­ses. Pau­lus schreibt in 1. Thes­sa­lo­ni­cher 4,16 unmiss­ver­ständ­lich, dass ein Befehl ertönt, die Stim­me des Erz­engels schallt und die Posau­ne Got­tes erschallt. Das klingt nach einem sehr öffent­li­chen und gewal­ti­gen Ereig­nis, nicht nach einem laut­lo­sen Ver­schwin­den.

(Nur so am Ran­de: Die Zeu­gen Jeho­vas leh­ren, dass Jesus auch schon heim­lich (“im Geis­te”?) wie­der­ge­kom­men und es sogar zu einer heim­li­chen Teil-Auf­er­ste­hung gekom­men sei.)

Hin­ter der Ent­rü­ckungs­theo­rie steht zu 99 % eh noch ein ande­rer Gedan­ke: Das 1000-jäh­ri­ge Frie­dens­reich. Ich wer­de spä­ter dar­auf zu spre­chen kom­men.

2. Das Gleichnis mit den Pfunden

Aus­sa­ge in der Pre­digt: Der Pre­di­ger bezog sich auf das Gleich­nis von den Pfun­den in Lk 19,11–28 und erklär­te, dass die­je­ni­gen, die Got­tes Gaben (er sprach in die­sem Zusam­men­hang spe­zi­fisch von Geis­tes­ga­ben) gut ver­wal­ten, im zukünf­ti­gen Frie­dens­reich über zehn Städ­te gesetzt wür­den. Er warn­te davor, die­se Gaben zu „dämp­fen“, und ver­wies auf 1Thess 5,19: „Den Geist dämpft nicht“. Dabei beton­te er im Hin­blick auf das Gleich­nis, wie ent­schei­dend es sei, die Geis­tes­ga­ben aktiv ein­zu­set­zen.

War­um ich schlu­cken muss­te: Die­se Aus­sa­gen sind in mei­nen Augen aus drei Grün­den zwei­fel­haft: a) Ele­men­te des Gleich­nis­ses wer­den eins zu eins auf die Rea­li­tät über­tra­gen. b) Die erwähn­te „Rea­li­tät“ eines poli­ti­schen Frie­dens­reichs ist theo­lo­gisch umstrit­ten. c) Die „Pfun­de“ wer­den aus­schließ­lich als Geis­tes­ga­ben gedeu­tet, was zusam­men mit 1Thess 5,19 dazu genutzt wird, Skep­ti­ker gegen­über gewis­sen cha­ris­ma­ti­schen Erschei­nun­gen „ruhig­zu­stel­len“.

Begrün­dung zu a)

Es ist ein metho­di­scher Feh­ler, Ele­men­te eines Gleich­nis­ses (sym­bol­haf­te Bild­re­de) unver­mit­telt auf die Wirk­lich­keit zu über­tra­gen. Das Him­mel­reich ist nicht wort­wört­lich ein Senf­korn oder Sau­er­teig. Eben­so wenig lässt sich dar­aus ablei­ten, dass einem treu­en Gläu­bi­gen real die Herr­schaft über zehn Städ­te zusteht. Vie­le Men­schen haben bei­spiels­wei­se eine sehr „feu­ri­ge“ Vor­stel­lung vom Toten­reich (oder Fege­feu­er) und beru­fen sich dabei auf das Gleich­nis vom rei­chen Mann und dem armen Laza­rus (Lk 16,19–31). Dabei ver­ges­sen sie oft, dass es sich um eine bild­haf­te Erzäh­lung han­delt, die eine geist­li­che Wahr­heit ver­mit­telt, aber kei­ne topo­gra­fi­sche Kar­te des Jen­seits ist.

Begründung zu b)

Das erwähn­te „Frie­dens­reich“ (Mill­en­ni­um) ist in der Theo­lo­gie ein umstrit­te­nes The­ma. Die popu­lä­re Aus­le­gung, die der Pre­di­ger ver­tritt, bleibt unschlüs­sig und birgt die Gefahr, not­wen­di­ge Ent­schei­dun­gen und Ver­än­de­run­gen auf ein angeb­li­ches Frie­dens­reich zu ver­schie­ben (sie­he Punkt 3 mei­ner ers­ten Aus­ar­bei­tung).

Begründung zu c)

Ich habe den Ein­druck, dass der Pre­di­ger die Geis­tes­ga­ben gezielt her­vor­ge­ho­ben hat, um sei­ne eige­ne Sicht­wei­se und Pra­xis zu recht­fer­ti­gen. Sei­ne exklu­si­ve Deu­tung der „Pfun­de“ auf Geis­tes­ga­ben igno­riert, dass eben­so gut ande­re anver­trau­te Güter gemeint sein könn­ten – etwa Intel­li­genz, sozia­le Bezie­hun­gen, Ein­fluss­mög­lich­kei­ten oder schlicht­weg mate­ri­el­les Ver­mö­gen, das für gute Zwe­cke ein­ge­setzt wer­den kann.

Beson­ders kri­tisch sehe ich die War­nung, Geis­tes­ga­ben zu ver­ach­ten, unter Beru­fung auf 1Thess 5,19: „Den Geist dämpft nicht.“ Ich geste­he, dass ich bei die­sem The­ma vor­sich­tig reagie­re. Nicht, weil ich Got­tes Gaben gering­schät­ze, son­dern weil ich den Kon­text des gesam­ten Kapi­tels betrach­te. Liest man nur zwei Ver­se wei­ter, heißt es:

1.Thess 5,19–22

Den Geist dämpft nicht. Pro­phe­ti­sche Rede ver­ach­tet nicht. Prüft aber alles, und das Gute behal­tet. Mei­det das Böse in jeder Gestalt.

Es stellt sich die Fra­ge, war­um der Pre­di­ger nur die Ver­se 19 und 20 zitiert hat. Im glei­chen Kapi­tel (V. 1–11) ermahnt uns Pau­lus zur Wach­sam­keit, und auch Jesus warnt in Mt 24,24: „Denn es wer­den fal­sche Chris­tus­se und fal­sche Pro­phe­ten auf­ste­hen und gro­ße Zei­chen und Wun­der tun, so dass sie, wenn es mög­lich wäre, auch die Aus­er­wähl­ten ver­führ­ten.“ Ich fin­de die Vor­stel­lung beun­ru­hi­gend: Wenn gro­ße Zei­chen und Wun­der gesche­hen, die schein­bar Gutes bewir­ken – wie könn­te ich da zwei­feln? Nichts ist über­zeu­gen­der als das Über­na­tür­li­che. Selbst wenn ein „Engel des Lichts“ erschie­ne, fie­le es schwer, sei­ne Nach­richt zu hin­ter­fra­gen. Doch Pau­lus warnt uns aus­drück­lich, dass Satan sich genau als ein sol­cher Engel des Lichts ver­stel­len kann (2Kor 11,14).

Mein Umgang mit die­sem The­ma ist daher eine bewuss­te Vor­sicht. Ich ver­su­che, die­sen Din­gen ohne Panik, aber mit wachem Ver­stand zu begeg­nen, alles anhand der Bibel zu prü­fen und die lang­fris­ti­gen Kon­se­quen­zen einer Bewe­gung zu beob­ach­ten. Die­ses Pro­blem der Unter­schei­dung ist nicht neu. Schon zur Zeit der Refor­ma­ti­on gab es schwär­me­ri­sche Bewe­gun­gen. Melan­chthon, der Weg­ge­fähr­te Luthers, sag­te tref­fend: „Die­se Leu­te sind unge­wöhn­li­che Geis­ter, aber was für Geis­ter? … Wir wol­len den Geist nicht dämp­fen, aber uns auch vom Teu­fel nicht ver­füh­ren las­sen.“ Dies ist auch mein Mot­to, selbst wenn mei­ne Skep­sis auf ande­re wie Ableh­nung wir­ken mag.

3. Der Wiederaufbau des Tempel

Aus­sa­ge in der Pre­digt: Der zer­stör­te Tem­pel in Jeru­sa­lem wird in der Zukunft wie­der auf­ge­baut wer­den.

Hin­ter­grund: Die (heim­li­che oder vor­zei­ti­ge) Ent­rü­ckung, die soge­nann­te „Israel­theo­rie“ (Dis­pen­sa­tio­na­lis­mus) und das 1000-jäh­ri­ge Frie­dens­reich bil­den einen ver­zahn­ten Kom­plex, wobei es zu unter­schied­li­chen Akzen­ten kommt. Um die Kern­idee kurz zu umrei­ßen: Das (fleisch­li­che) Volk Isra­el soll in der End­zeit eine wich­ti­ge Rol­le spie­len und zum Mis­si­ons­volk auf der Erde wer­den. Dabei soll der Tem­pel neu gebaut wer­den, und Jesus wird mit ihnen als Hohe­pries­ter 1000 Jah­re in einem Frie­dens­reich leben, in dem alle bösen Ein­flüs­se Satans unter­blei­ben. Die Chris­ten wer­den vor­her ent­rückt, umge­wan­delt und regie­ren mit Jesus zusam­men. Ganz genau ken­ne ich die­sen Kom­plex nicht, und das, was ich zum Teil höre, ist wider­sprüch­lich: Einer­seits sol­len die Chris­ten ent­rückt wer­den, weil sie auf der Erde über­flüs­sig sei­en, wenn die Juden das Mis­si­ons­volk bil­den; ande­rer­seits wird gesagt, die Chris­ten wür­den zusam­men mit Jesus 1000 Jah­re auf der Erde herr­schen.

War­um ich schlu­cken muss­te: Die Aus­sa­ge, der Tem­pel wür­de wie­der auf­ge­baut wer­den, basiert mei­nes Wis­sens auf einer frag­wür­di­gen Aus­le­gung von Dan 9 (sie­he Punkt 4) und der Vor­stel­lung, dass der von Hese­kiel beschrie­be­ne Tem­pel (Hes 40–48) auf jeden Fall noch gebaut wer­den muss, da jedes Wort, das Gott ver­hei­ßen hat, sich auch exakt so erfül­len müs­se.

Zum Tem­pel aus Hes 40–48: Ver­hei­ßun­gen müs­sen nicht zwin­gend erfüllt wer­den, wenn sie an Bedin­gun­gen geknüpft waren. Zudem kann Gott Ver­hei­ßun­gen so erfül­len, wie er es als rich­tig erach­tet – das heißt, er kann sie auch in einer ande­ren Art und Wei­se erfül­len, als sie zunächst ange­kün­digt waren. Oft gab es Ver­hei­ßun­gen, die Gott nicht erfüll­te, weil sein Volk schlicht nicht auf ihn hören woll­te. Ich habe mich bereits mit einem Anhän­ger der „Israel­theo­rie“ unter­hal­ten. Das Pro­blem ist, dass man leicht anein­an­der vor­bei­re­det: Mir wur­de vor­ge­wor­fen, ich wür­de alles „ver­geist­li­chen“ und die abso­lu­te Treue Got­tes infra­ge stel­len. Ich hin­ge­gen lie­ße mich von der soge­nann­ten Beweis­füh­rung nicht beein­dru­cken. Dabei ist die Argu­men­ta­ti­on teil­wei­se schwer nach­voll­zieh­bar. Zitat: “Die Beweis­füh­rung muss erge­ben, dass die Mensch­heit unter KEINEN UMSTÄNDEN selbst gerecht wer­den kann, auch nicht unter den best­mög­li­chen: Jesus als König und einen Hau­fen Hei­li­ger, die sich genau­so um das Volk küm­mern. Die­sen Beweis muss Gott brin­gen, ansons­ten ver­stößt er gegen sei­ne Gerech­tig­keit.”- Nun, ich kom­me vom The­ma ab: Zurück zum Tem­pel aus Hese­kiel!

Ich glau­be nicht, dass die­ser Tem­pel gebaut wer­den MUSS, schon gar nicht so wie er beschrie­ben wur­de. Ich habe bei dem Gedan­ken fol­gen­de Pro­ble­me:

  • Hes 43,18f: Hier wird ein Opfer­dienst beschrie­ben. Der Tem­pel kann, wenn man ihn unbe­dingt in der Zukunft ver­or­tet sehen möch­te, NIEMALS wört­lich ver­stan­den wer­den. Jesus war ein für alle Mal DAS Opfer (Hebr 10,10 – am bes­ten ganz Hebr 10 lesen!). Wei­te­res Opfern für jeman­den, der an Jesus Chris­tus glaubt, ist voll­kom­men wider­sprüch­lich und bedeu­tet eine Ableh­nung des Opfers Jesu. Das Opfern von Tie­ren ist seit Chris­tus sinn­los, wes­halb auch der Vor­hang im Tem­pel bei der Kreu­zi­gung zer­riss (Mt 27,50–51).
  • Hes 43,10–11: Die­se Ver­se könn­ten ein Hin­weis auf eine „Bedin­gung“ zur Erfül­lung sein (die Umkehr des Vol­kes).
  • Die Visio­nen in Hes 40–48 sind nicht unpro­ble­ma­tisch und zum Teil schwer ver­ständ­lich. Es ist unklar, ob Hese­kiel von einem phy­si­ka­li­schen oder sym­bo­li­schen Tem­pel sprach. Fest steht nur, dass der Tem­pel nach der Rück­kehr aus dem Exil (ab 538 v. Chr.) nicht so gebaut wur­de, wie Hese­kiel ihn beschrieb.
  • Auch wenn man dies als „Ver­geist­li­chung“ sehen kann, bin ich damit nicht allein; Petrus und Pau­lus stüt­zen die­se Sicht:

Und auch ihr als leben­di­ge Stei­ne erbaut euch zum geist­li­chen Hau­se und zur hei­li­gen Pries­ter­schaft, zu opfern geist­li­che Opfer, die Gott wohl­ge­fäl­lig sind durch Jesus Christus.So seid ihr nun nicht mehr Gäs­te und Fremd­lin­ge, son­dern Mit­bür­ger der Hei­li­gen und Got­tes Haus­ge­nos­sen, erbaut auf den Grund der Apos­tel und Pro­phe­ten, da Jesus Chris­tus der Eck­stein ist, auf wel­chem der gan­ze Bau inein­an­der­ge­fügt wächst zu einem hei­li­gen Tem­pel in dem Herrn. Durch ihn wer­det auch ihr mit­er­baut zu einer Woh­nung Got­tes im Geist.” (1Petr 2,5)

So seid ihr nun nicht mehr Gäs­te und Fremd­lin­ge, son­dern Mit­bür­ger der Hei­li­gen und Got­tes Haus­ge­nos­sen, erbaut auf den Grund der Apos­tel und Pro­phe­ten, da Jesus Chris­tus der Eck­stein ist, auf wel­chem der gan­ze Bau inein­an­der­ge­fügt wächst zu einem hei­li­gen Tem­pel in dem Herrn. Durch ihn wer­det auch ihr mit­er­baut zu einer Woh­nung Got­tes im Geist.” (Eph 2,19–22)

Ich habe kei­ne Pro­ble­me damit zu sagen, dass WIR der Tem­pel Got­tes sind und Gott nicht zwin­gend einen phy­si­schen Tem­pel nach Hese­kiel bau­en las­sen muss.

Anmer­kung zum Frie­dens­reich: Ich möch­te nicht die gesam­te Dis­kus­si­on um das Frie­dens­reich auf­rol­len und tei­le daher nur mein per­sön­li­ches Resü­mee mit: Ich glau­be, dass es kein 1000-jäh­ri­ges Frie­dens­reich auf Erden geben wird. Die Dis­kus­si­on dar­um ist sehr anstren­gend, weil es Bibel­stel­len gibt, die mal in die eine und mal in die ande­re Rich­tung zu deu­ten schei­nen. Um es klar zu sagen: Es gibt Stel­len, die ich nicht abschlie­ßend erklä­ren kann und die für ein Frie­dens­reich spre­chen könn­ten, und es gibt Stel­len, die mit einem irdi­schen Frie­dens­reich unver­ein­bar sind. Soll­te ich mich irren, dann gibt es auf der Erde 1000 Jah­re „Son­der­ur­laub“. Soll­ten sich jedoch die Anhän­ger des Frie­dens­rei­ches irren, kann das ein Pro­blem dar­stel­len.

Es wird behaup­tet, dass man sich noch wäh­rend der 1000 Jah­re (unter para­die­si­schen Umstän­den) bekeh­ren kön­ne. Ich hal­te dies für einen gefähr­li­chen Gedan­ken, der Men­schen dazu ver­füh­ren kann, mit der Bekeh­rung zu lan­ge zu war­ten. Hier und jetzt gilt es, mit Gott ernst zu machen! Erst auf gro­ße Wun­der oder auf ein gött­li­ches Frie­dens­reich zu war­ten, kann ein fata­ler Feh­ler sein.

4. Daniel 9, 24–27

Aus­sa­ge in der Pre­digt: In der letz­ten Jahr­wo­che – von Anhän­gern des Frie­dens­rei­ches gele­gent­lich als „die sie­ben Jah­re der Trüb­sal“ bezeich­net – wer­de nach dem Wie­der­auf­bau des Tem­pels in der Mit­te der Woche der Opfer­dienst unter­bro­chen. Ver­ant­wort­lich für die­se Tat sei der Anti­christ, der sich laut 2Thess 2,4 „erhebt über alles, was Gott oder Got­tes­dienst heißt, so dass er sich in den Tem­pel Got­tes setzt und vor­gibt, er sei Gott“. Dies wird als das „Gräu­el­bild der Ver­wüs­tung“ auf­ge­fasst.

War­um ich schlu­cken muss­te: Hin­ter die­ser Aus­sa­ge der Pre­digt steckt eine spe­zi­fi­sche Aus­le­gung, die ich für frag­wür­dig hal­te. Bevor ich die­se Aus­le­gung im Detail schil­dern kann, ist es hilf­reich, einen Blick auf den zuge­hö­ri­gen Grund­text zu wer­fen.

Die Über­set­zung des Buches Dani­el ist anspruchs­voll, da der Grund­text sprach­lich oft schwer zu fas­sen ist. Häu­fig fließt bereits in die Über­set­zung eine bestimm­te dog­ma­ti­sche Deu­tung ein. Ich möch­te daher hier auf die Elber­fel­der Über­set­zung zurück­grei­fen, da sie all­ge­mein als die wort­ge­treu­es­te deut­sche Bibel­über­set­zung gilt.

Dan 9,24–27

24 Sieb­zig Wochen1 sind über dein Volk und über dei­ne hei­li­ge Stadt bestimmt, um das Ver­bre­chen zum Abschluss zu brin­gen und den Sün­den ein Ende zu machen und die Schuld zu süh­nen2 und eine ewi­ge Gerech­tig­keit ein­zu­füh­ren3 und Gesicht und Pro­phe­ten zu ver­sie­geln4, und ein Aller­hei­ligs­tes zu sal­ben5.

1das sind Jahr­wo­chen; d. h. Abschnit­te zu je 7 Jah­ren, also 70 * 7 = 490 Jah­re nach dem bibli­schen Jahr-Tag-Prin­zip, das von Hes 4,4–6 abge­lei­tet wer­den kann.

2Hebr 9,26

3Röm 3,22a

4Joh 19,30; z. B. Ps. 69, 22; & Mt. 27, 34

5 Die Stifts­hüt­te (spä­ter Tem­pel) des AT hat­te meh­re­re Abtei­lun­gen: Der Vor­der­hof (mit Brand­op­fer­al­tar und Wasch­be­cken), das Hei­li­ge (hin­ter dem ers­ten Vor­hang mit Schau­brot­tisch, Leuch­ter und Räu­cher­al­tar) und das Aller­hei­ligs­te (mit der Bun­des­la­de mit dem Gna­den­thron). Bevor der Pries­ter­dienst in der Stifts­hüt­te begann, wur­de sie durch Mose gesalbt und geweiht (3Mo 8,10). Jesus ist heu­te der wah­re Hohe­pries­ter im himm­li­schen Hei­lig­tum (Heb 9,11), wo er ein Die­ner am Hei­lig­tum ist und als unser Mitt­ler und Für­spre­cher dient (Heb 8,2.6; 1Joh 2,1). Evtl. spielt die Sal­bung in Vers 24 auf eine sym­bo­li­sche Hei­lig­tums­wei­he an, die statt­fand, bevor Jesus sei­nen Pries­ter­dienst begann.

25 So sollst du denn erken­nen und ver­ste­hen: Von dem Zeit­punkt an, als das Wort erging, Jeru­sa­lem wie­der­her­zu­stel­len und zu bau­en1, bis zu einem Gesalb­ten2, einem Fürs­ten3, sind es sie­ben Wochen. Und 62 Wochen4 lang wer­den Platz und Stadt­gra­ben wie­der­her­ge­stellt und gebaut sein, und zwar in der Bedräng­nis der Zei­ten5.

1 Es soll­te ein Wort zum Wie­der­auf­bau erge­hen. In Wirk­lich­keit bedurf­te es meh­re­rer “Befeh­le”: Dari­us um 520 v. Chr., Artahs­as­ta 457 v. Chr. (Esras Rück­kehr) und 445 v. Chr. (Neh­emi­as Rück­kehr).

2 im Grund­text ohne Arti­kel, daher ein Gesalb­ter. Laut Rab­bi Naf­ta­li Herz Tur-Sinai kann aber auch (aus dem Kon­text) mit der Gesalb­te über­setzt wer­den (sie­he “Die Hei­li­ge Schrift AT”, N. H. Tur-Sinai). Glei­ches gilt auch für der Fürst, aber auch für das Aller­hei­ligs­te (es gab nur ein Aller­hei­ligs­te)

3 Jes 9,5; Mi 5,1

4 Eine griech. Üs. und Vulg: sie­ben Wochen und 62 Wochen. Und Platz und Stadt­gra­ben wer­den… (Satz­zei­chen gab es in den anti­ken Sprach nicht.)

5 Neh 4,2–8

26 Und nach den 62 Wochen1 wird ein Gesalb­ter2 aus­ge­rot­tet wer­den3 und wird kei­ne Hil­fe fin­den4. Und das Volk eines kom­men­den Fürs­ten wird die Stadt und das Hei­lig­tum zer­stö­ren5, und sein Ende ist in einer Über­flu­tung6; und bis zum Ende ist Krieg, fest beschlos­se­ne Ver­wüs­tun­gen7.

1 nach den 62 Wochen, d. h. nach 7 + 62 Wochen = 69 Wochen = 483 Jah­ren der 70 Jahr­wo­chen. Vergl. Vers 25

2 oder der Gesalb­te

3 Vergl. Jes 53,1–12, beson­ders Vers 8; aus­ge­rot­tet kann wie in Jes 53.8 auch mit abge­schnit­ten über­setzt wer­den.

4 Mt 26,56 (Jesus wur­de von allen ver­las­sen)

5 Lk 19,43.44: Titus und das römi­sche Heer bela­ger­ten Jeru­sa­lem und zer­stör­ten den Tem­pel 70 n.Chr.

6 Jes 8,7.8; Jes 28, 2: die rei­ßen­de Flut, als Sym­bol der Zer­stö­rung

7 Jes 10,22.23

27 Und stark machen1 wird er2 einen Bund für die Vie­len, eine Woche lang; und zur Hälf­te3 der Woche wird er Schlacht­op­fer und Speis­op­fer auf­hö­ren las­sen4. Und auf dem Flü­gel von Greu­eln kommt ein Ver­wüs­ter5, bis fest­be­schlos­se­ne Ver­nich­tung6 über den Ver­wüs­ter aus­ge­gos­sen wird.

1 ande­re Üs: er wird den Bund für vie­le schwer machen

2 der Mes­si­as (gram­ma­tisch wahr­schein­li­cher) oder der kom­men­de Fürst aus Vers 26

3 d. h. in der Mit­te der letz­ten Woche

4 Heb 7,27; Heb 9,10; Mk 15,38

5 Satz unklar. Fast jeder über­setzt die­sen Satz anders. Luther über­setz­te: Und bei den Flü­geln wer­den ste­hen Greu­el der Ver­wüs­tung, bis das Ver­der­ben, wel­ches beschlos­sen ist, sich über die Ver­wüs­tung ergie­ßen wird.. Die Schlach­ter­über­set­zung lau­tet: und auf der Zin­ne wer­den Greu­el des Ver­wüs­ters auf­ge­stellt, bis daß sich die bestimm­te Ver­til­gung über die Ver­wüs­tung ergos­sen hat. Das Wort, wel­ches mit Flü­gel bzw. Zin­nen über­setzt wird, kann auch äußers­te Ecke / Rand oder Kan­te hei­ßen. Es scheint einen Zusam­men­hang, zu fest beschlos­se­ner Ver­wüs­tung in Vers 26 zu geben.

6 sie­he fest beschlos­se­ne Ver­wüs­tung, Vers 26

Die von mir arg­wöh­nisch betrach­te­te Aus­le­gung besagt Fol­gen­des: Gott gab den Juden 490 Jah­re, bis er sei­ne Ver­spre­chen an ihnen erfül­len woll­te. Als der Mes­si­as in Vers 26 „aus­ge­rot­tet“ wur­de, wur­de die „pro­phe­ti­sche Uhr“ ange­hal­ten. Danach begann das Zeit­al­ter der Kir­che, das als „Zeit der Natio­nen“ (Lk 21,24) bezeich­net wird. Wann genau die Uhr wei­ter­läuft, scheint auch den Anhän­gern die­ser Theo­rie unklar zu sein: Man­che sagen, sie lie­fe wei­ter, wenn der Tem­pel wie­der­auf­ge­baut wird oder wenn der Anti­christ einen Frie­dens­ver­trag mit der Nati­on Isra­el schließt. Die­se letz­ten sie­ben Jah­re wer­den als „Gro­ße Trüb­sal“ oder als „Zeit der Angst für Jakob“ bezeich­net. Der Anti­christ wer­de sich in der Mit­te die­ser Woche über den Got­tes­dienst (Opfer­dienst) erhe­ben und schließ­lich bei der Wie­der­kunft Jesu getö­tet wer­den (2Thess 2,8). Danach begän­ne das tau­send­jäh­ri­ge Frie­dens­reich.

War­um ich die Din­ge anders sehe: Ich ver­tre­te eine Aus­le­gung, die zwar auch nicht in jedem Detail „was­ser­dicht“ ist (da der Urtext unter­schied­li­che Inter­pre­ta­tio­nen zulässt), mich aber logisch mehr über­zeugt. Was mich am meis­ten stört, ist die Vor­stel­lung einer „gestopp­ten pro­phe­ti­schen Uhr“. Ich fin­de in der gesam­ten Bibel kei­nen Anhalts­punkt für ein sol­ches „Ein­frie­ren“ von Zeit­räu­men. Für mich bil­den die 70 Jahr­wo­chen eine geschlos­se­ne Ein­heit.

Hes 30,3

Denn der Tag ist nahe, ja, des HERRN Tag ist nahe, ein fins­te­rer Tag; die Zeit der Hei­den kommt.

Die Zeit der Hei­den, scheint viel­mehr ein Zeit­al­ter zu sein, in dem Isra­el unter­drückt wur­de. Wenn man genau ist, so steht bei Lk 21 auch nicht Zeit der Hei­den, son­dern Zei­ten der Hei­den. Die­se Zei­ten pas­sen viel bes­ser zu den Zei­ten, in denen die Juden unter heid­ni­scher Herr­schaft stan­den. Die­se Zeit begann, als Nebu­kad­ne­zar Jeru­sa­lem (2Chr 36) ein­nahm, und dau­er­te bis in die Neu­zeit, also bis zur Neu­grün­dung des Staa­tes Isra­el. Die Stadt Jeru­sa­lem ist aber auch noch heu­te eine geteil­te Stadt und wir alle ken­nen die Pro­ble­me, die es in Isra­el gibt. Nun, ich will mich nicht an den Behaup­tun­gen und Schluss­fol­ge­run­gen hoch­zie­hen, son­dern dir lie­ber schil­dern, wie ich Dani­el 9, 24–27 ver­ste­he. In mei­nen Augen ist dort näm­lich eine erstaun­li­che, erfüll­te Pro­phe­tie zu fin­den:

Eine bes­se­re Aus­le­gung? In Vers 24 erfah­ren wir, dass über das jüdi­sche Volk und sei­ne Stadt eine Zeit­span­ne von 7*70 = 490 Jah­ren bestimmt wur­de. Dann wird ‘den Sün­den ein Ende gemacht’ und ‘die Schuld gesühnt’ und ‘eine ewi­ge Gerech­tig­keit ein­ge­führt’ sowie ‘Gesicht und Pro­phe­ten zu ver­sie­geln’ sein. In mei­nen Augen sind dies Din­ge, die sich durch Jesus erfüllt haben: Er hat unse­re Schuld gesühnt (Hebr 9,26) und so eine ewi­ge Gerech­tig­keit (Röm 3,22a) ein­ge­führt. Was die Pro­phe­ten von ihm vor­her­ge­sagt haben, hat sich erfüllt (Joh 19,30; z.B. Ps. 69, 22; & Mt. 27, 34 oder Jes 53 im Ver­gleich zum Leben Jesu). Daher ist der im Vers 25 erwähn­te Gesalb­te, Jesus Chris­tus, der Mes­si­as. Die 490 Jah­re sind also eine beson­de­re Zeit gewe­sen, in der sich das jüdi­sche Volk end­gül­tig auf den Mes­si­as vor­be­rei­ten soll­te, um ihn zu emp­fan­gen und anzu­neh­men.

Ab 609 v.Chr. hat­te das baby­lo­ni­sche Reich sei­ne Vor­macht­stel­lung gesi­chert und das assy­ri­sche Reich erobert. Als Dani­el Jah­re spä­ter die­ses pro­phe­ti­sche Wort emp­fing, war Jeru­sa­lem durch Nebu­kad­ne­zar erobert wor­den und vie­le Juden, wie auch Dani­el, leb­ten im baby­lo­ni­schen Exil. Der Pro­phet Jere­mia hat­te zuvor ver­kün­det, dass ver­schie­de­ne Völ­ker 70 Jah­re lang unter der Herr­schaft Baby­lons sein soll­ten, und danach soll­ten die Juden zurück­keh­ren (Jer 29,10). Mit dem Erlass des Kyrus (538 v.Chr.) ging die­se Ver­hei­ßung in Erfül­lung. Vie­le der frem­den Völ­ker, die in Baby­lon ‘gefan­gen gehal­ten’ wur­den, durf­ten zurück in ihre Hei­mat gehen. So ging auch ein Teil der Juden in ihre Hei­mat, um den Tem­pel wie­der auf­zu­bau­en.

Auch der Zeit­raum zwi­schen Tem­pel­zer­stö­rung (587 v.Chr.) und Tem­pel­wei­he (515 v.Chr.) beträgt fast 70 Jah­re, aber die Stadt selbst wur­de in die­ser Zeit­span­ne nicht voll­stän­dig auf­ge­baut. Erst wei­te­re 70 Jah­re spä­ter (ab 445 v.Chr.) wur­de der Mau­er­bau durch­ge­führt! Die in Dan 9, 1–3 erwähn­te Pro­phe­tie erfüll­te sich also mit Ver­zö­ge­rung. Eigent­lich soll­te nur ein Befehl, der Befehl des Kyrus (Jes 44,28), zum Wie­der­auf­bau erge­hen, doch durch den Wider­stand der Fein­de (Esra 4) und den dar­aus resul­tie­ren­den Unglau­ben der Heim­ge­kehr­ten und die Ver­nach­läs­si­gung ihrer Arbei­ten wur­den wei­te­re Befeh­le nötig (Esra 6.14)! Gott konn­te wegen des Unwil­lens und Unglau­bens des Vol­kes (Hag 1,2) sei­ne Pro­phe­zei­un­gen nicht so erfül­len, wie er es vor­hat­te.

Der genaue Zeit­punkt, an dem ‘das Wort’ erging, Jeru­sa­lem wie­der­her­zu­stel­len (Dan 9,25) ist nicht ganz klar zu bestim­men. ‘Das Wort’ muss im Zeit­raum zwi­schen 538 und 445 v.Chr. gege­ben wor­den sein. Zunächst wur­de den Juden erlaubt, den Tem­pel wie­der auf­zu­bau­en (Erlass des Kyrus 538, Befehl von Dari­us und Artahs­as­ta: Esra 6, 14.15). In Esra 7,11–28 wird ein Erlass (letz­ter Befehl Artahs­as­tas) beschrie­ben, der den Juden voll­kom­me­ne finan­zi­el­le Unter­stüt­zung für den Tem­pel zusi­chert und ihnen ihre juris­ti­sche Auto­no­mie zurück­gibt, und das Gesetz (Mose) soll­te wie­der gelehrt wer­den (V.25). Esra kehr­te mit die­sem Erlass und einer Schar von Juden aus Baby­lon nach Jeru­sa­lem zurück und ließ sich dort nie­der. Lei­der waren eini­ge der Israe­li­ten in Jeru­sa­lem abge­fal­len und sind Misch­ehen mit Hei­den ein­ge­gan­gen. Die­ses Pro­blem muss­te zunächst gere­gelt wer­den (Esra 8–10).

Es spricht eini­ges dafür, dass ab 457 v. Chr. (Esra 7) auch die Stadt auf­ge­baut wur­de, auch wenn sie über zehn Jah­re spä­ter noch immer kei­ne Stadt­mau­ern und Tore hat­te. In Dani­el 9,25 erfah­ren wir, dass ab dem Zeit­punkt, als ‚das Wort‘ erging, nach einer gewis­sen Zeit­span­ne der Gesalb­te, der Fürst Jesus Chris­tus, kom­men soll­te. Er wird in Micha 5,1 als Herr­scher oder Fürst und in Jesa­ja 9,5 als Frie­de-Fürst genannt. Die Bibel­stel­len Apos­tel­ge­schich­te 4,27; 10,38 und Lukas 4,18–21 zei­gen, dass Jesus ein Gesalb­ter Got­tes war.

Etwas pro­ble­ma­tisch ist der Satz­teil mit den sie­ben und 62 Wochen. Im Hebräi­schen gibt es kei­ne Kom­ma­ta oder Punk­te. Die Punkt­set­zung (der Atnach im Hebräi­schen nach den 7 Wochen) ist eine Ent­schei­dung der Maso­re­ten aus dem Mit­tel­al­ter. Daher ist es zunächst nicht klar, ob der Satz “… sind es sie­ben Wochen. Und 62 Wochen lang …” oder “… sind es sie­ben Wochen und 62 Wochen. Und Platz und Stadt­gra­ben wer­den wie­der­her­ge­stellt und gebaut sein, und zwar in der Bedräng­nis der Zei­ten” lau­ten soll. Auch heu­te sind sich die Über­set­zer nicht einig: Die Luther Bibel 1984 und die Elber­fel­der 1985 haben die ers­te Ver­si­on und die revi­dier­te Webs­ter Bibel sowie die unre­vi­diert Elber­fel­der, die King James Bibel, die latei­ni­sche Vul­ga­te Bibel und die grie­chi­sche LXX über­setz­ten mit der zwei­ten Über­set­zungs­mög­lich­keit.

Die ent­schei­den­de Fra­ge ist, ob es ein x‑beliebiger Gesalb­ter oder Fürst ist oder der ange­kün­dig­te Mes­si­as ist. Denn im nächs­ten Vers erfah­ren wir, dass nach den 62 Wochen (= 434 Jah­ren) ein Gesalb­ter aus­ge­rot­tet (oder abge­schnit­ten) wird. Ent­we­der ist der Gesalb­te der­sel­be wie im vori­gen Vers oder schon wie­der ein ande­rer Gesalb­ter – denn kein Mensch lebt 434 Jah­re lang! Es geis­tern ver­schie­de­ne Erklä­rungs­mög­lich­kei­ten in den Kom­men­ta­ren her­um, wobei ver­mu­tet wird, dass die zwei Gesalb­ten die Hohe­pries­ter Jeschua und Oni­as III. sind. Die­se Inter­pre­ta­tio­nen sind höchst zwei­fel­haft, da Jeru­sa­lem und das Hei­lig­tum nicht zur Zeit von Oni­as III. zer­stört wur­den, wie Vers 26 es ankün­digt. Die­ses Ereig­nis trat erst 70 n. Chr. ein, als Titus und das römi­sche Heer Jeru­sa­lem bela­ger­ten und den Tem­pel zer­stör­ten.

Daher ist es wahr­schein­li­cher, dass der Satz nach der zwei­ten Über­set­zungs­mög­lich­keit zu ver­ste­hen ist. Es stellt sich die Fra­ge, wie­so die Auf­spal­tung in sie­ben und 62 Wochen erfolgt, wenn doch bei­de zusam­men­ge­hö­ren. Ich bin mir hier auch nicht sicher. Ins­ge­samt wer­den die 70 Jahr­wo­chen wie folgt auf­ge­teilt: 70×7=7×7+62×7+1×7. Die Zahl 7 ist eine ‚gött­li­che, voll­kom­me­ne Zahl‘. Man­che ver­mu­ten, dass in den ers­ten 7×7 Jah­ren Jeru­sa­lem voll­stän­dig auf­ge­baut wer­den soll­te [1].

Hal­ten wir fest: Von der Zeit an, als ‚das Wort‘ erging (ver­mut­lich 457 v. Chr., Esra 7), bis zum Auf­tre­ten des Mes­si­as sind es sie­ben und 62 Wochen (69×7=483 Jah­re). Das führt uns in das Jahr 27 n. Chr. (Das Jahr Null gibt es nicht!). Nun, geschah da etwas Beson­de­res? Jesus, der Mes­si­as, begann in die­ser Zeit öffent­lich zu wir­ken! Sei­ne Tau­fe war ver­mut­lich im Jahr 27 oder 28 n. Chr. Im Rah­men der Genau­ig­keit, mit der anti­ke Daten bestimmt wer­den kön­nen, trifft die Pro­phe­zei­ung auf Jesus zu!

Wie geht es wei­ter? Nach den 62 Wochen, also nach der 69. pro­phe­zei­ten Woche, wür­de der Mes­si­as getö­tet und Jeru­sa­lem sowie das Hei­lig­tum zer­stört wer­den (Vers 26). Auch dies trifft zu: Eini­ge Jah­re spä­ter wur­de zunächst Jesus getö­tet, und spä­ter rück­te Titus mit sei­nem Heer an.

Der letz­te Vers (Dan 9,27) beschreibt aus­führ­lich, was in der letz­ten der 70 Jahr­wo­chen gesche­hen soll­te. Vor dem voll­stän­di­gen Ablauf der Wochen soll­te der Mes­si­as ein letz­tes Mal ver­su­chen, den Bund mit dem aus­er­wähl­ten Volk zu fes­ti­gen („stark“ zu machen). In der Mit­te der Woche wür­de er Schlacht­op­fer und Spei­se­op­fer (= Zere­mo­ni­al­ge­setz des AT) auf­hö­ren las­sen. Und tat­säch­lich: Nach etwa drei­ein­halb Jah­ren, also um 30 n. Chr., zer­riss der Vor­hang im Tem­pel, als Jesus am Kreuz starb (Mk 15,38). Er gab sich selbst als „das Opfer“ für uns hin und mach­te somit den Opfer­dienst über­flüs­sig (Hebr 7,27; 9,10). Jesus wein­te, als er zum letz­ten Mal nach Jeru­sa­lem zog, weil die Juden nicht umkeh­ren woll­ten und ihre Heim­su­chung (Dan 9,26) über sie kom­men wür­de (Lk 19,41–44 und Mt 23,37–38)!

Obwohl sie Jesus schließ­lich töten lie­ßen, blie­ben ihnen noch wei­te­re drei­ein­halb Jah­re, in denen sie ihren Irr­tum ein­se­hen und den auf­er­stan­de­nen Jesus als Mes­si­as anneh­men soll­ten. Nach dem Tod Jesu bekehr­ten sich zwar eini­ge Juden zu Chris­tus (z. B. durch die Pre­digt des Petrus), aber der größ­te Teil des Vol­kes lehn­te Jesus wei­ter­hin ab, und der Hohe Rat ver­bot den Apos­teln und Zeu­gen der Auf­er­ste­hung, öffent­lich davon zu spre­chen (Apg 4,15–21; 5,27–33). Schließ­lich, als die 490 Jah­re um waren, stei­nig­ten sie Ste­pha­nus ca. 34 n. Chr. (Apg 6,8–7,60).

Nach die­ser Stei­ni­gung erweck­te Gott wenig spä­ter Pau­lus als Apos­tel für die Hei­den (Apg 9,15). Nach­dem die­ser wie­der­holt von den Juden abge­lehnt wor­den war, begann er sei­ne Mis­si­on unter den Natio­nen (Apg 13,46–47; 18,6; 28,23–28). Auch Petrus muss­te ein­se­hen, dass Gott sich nicht mehr auf die Juden beschränkt, son­dern auch den Hei­den den Hei­li­gen Geist gibt und sie so zu Zeu­gen Got­tes macht (Apg 10,25–35). Die Juden hat­ten ihre Rol­le als „aus­er­wähl­tes Volk“ ver­spielt (sie­he auch Mt 21,33–46, beson­ders Vers 43). Nicht mehr allein die Juden, son­dern alle Men­schen sind nun beru­fen (Röm 9,24). Dies zeigt sich auch dar­in, dass Petrus die bekehr­ten Hei­den zum „aus­er­wähl­ten Geschlecht“ zählt (1Petr 2,9–10). Auf kei­nen Fall bedeu­tet das Ende der 490 Jah­re, dass Gott die Juden ver­wor­fen hat, son­dern sie und Jeru­sa­lem haben ledig­lich ihre exklu­si­ve Son­der­rol­le im Heils­plan ver­lo­ren. Die Anhän­ger der „Israel­theo­rie“ hin­ge­gen behaup­ten, dass Gott wei­ter­hin strikt zwi­schen Chris­ten und Juden unter­schei­det und letz­te­re beson­de­re Ver­hei­ßun­gen haben, die noch buch­stäb­lich erfüllt wer­den müs­sen (mehr dazu bei Punkt 5).

Für mich ergibt es mehr Sinn, die Pro­phe­zei­ung aus Dani­el 9 auf Jesus zu deu­ten als auf ver­schie­de­ne, his­to­risch eher unbe­deu­ten­de Hohe­pries­ter. So ist es auch nicht not­wen­dig, eine „pro­phe­ti­sche Uhr“ anzu­hal­ten, um die eige­ne Aus­le­gung zu ret­ten.

Wie der letz­te Satz in Dani­el 9 genau zu ver­ste­hen ist, lässt sich auch heu­te nicht mit letz­ter Sicher­heit sagen, was man an den mas­siv von­ein­an­der abwei­chen­den Über­set­zun­gen moder­ner Bibeln sieht.

Noch ein Wort zum „Gräu­el der Ver­wüs­tung“, das in Mat­thä­us 24,15 (Mk 13,14) erwähnt wird: Vie­le Kom­men­ta­to­ren, vor allem jene, die der Isra­el- oder Frie­dens­reichs­theo­rie anhän­gen, sehen in dem „Gräu­el“ etwas, das mit einem zukünf­ti­gen Tem­pel zu tun hat. In der Bibel fin­den wir jedoch, dass Göt­zen­al­tä­re und heid­ni­sche Göt­zen­bil­der gene­rell als Gräu­el bezeich­net wer­den (z. B. 1Kön 11,16; Jer 7,30). Für die Juden galt alles Heid­ni­sche als Gräu­el. Als das römi­sche Heer Jeru­sa­lem bela­ger­te und den Tem­pel angriff, führ­ten die Sol­da­ten Stan­dar­ten mit sich, die von Kai­ser­bil­dern gekrönt waren und denen sie gött­li­che Ehre erwie­sen. Die Römer im Lager bete­ten ihre Flag­gen an und schwo­ren bei ihnen. Dies war für die Juden der ulti­ma­ti­ve Gräu­el. Das „Gräu­el der Ver­wüs­tung“ kann also sym­bo­lisch für eine fal­sche kul­ti­sche Hand­lung (Jes 66,3), ein heid­ni­sches Idol oder eine abscheu­li­che Tat (Hes 22,11) ste­hen. Die­se heid­ni­schen Sym­bo­le wur­den im Jahr 70 n. Chr. sogar am Ost­tor des Tem­pels auf­ge­rich­tet.

Daher scheint sich in mei­nen Augen der Hin­weis auf das „Gräu­el der Ver­wüs­tung“ (Mt 24,15) pri­mär auf die Ereig­nis­se um 70 n. Chr. zu bezie­hen. Sicher: Man ist sich einig, dass Jesus in Mat­thä­us 24 sowohl von der Zer­stö­rung Jeru­sa­lems als auch von sei­ner Wie­der­kunft gespro­chen hat. Wel­che Ereig­nis­se, die sich damals abspiel­ten, sich vor der Wie­der­kunft wie­der­ho­len wer­den, kann nie­mand mit Gewiss­heit sagen. Auch ist unklar, ob sie sich dann exakt so wie­der­ho­len oder glo­ba­ler bzw. im über­tra­ge­nen Sin­ne zu ver­ste­hen sind. Die­se Stel­le als zwin­gen­den Beweis für einen Neu­bau des Tem­pels und für ganz spe­zi­fi­sche end­zeit­li­che Abläu­fe zu neh­men, hal­te ich für frag­wür­dig. Zwar wei­sen Dani­el 11,31 und 12,11 dar­auf hin, dass ein „ver­wüs­ten­der Gräu­el“ auch eine Bedeu­tung hat, die über das Jahr 70 n. Chr. hin­aus­geht, aber wie genau die­se Stel­len zu inter­pre­tie­ren sind, ist ein kom­ple­xes The­ma für sich.

5. Das Volk Israel

Aus­sa­ge der Pre­digt: Das israe­li­sche Volk wür­de erneut zusam­men­ge­führt und als Gan­zes geret­tet wer­den. Die­se Vor­stel­lung wird im Zusam­men­hang mit dem soge­nann­ten tau­send­jäh­ri­gen Frie­dens­reich und ver­schie­de­nen alt­tes­ta­ment­li­chen Bibel­stel­len gese­hen. Als Beleg wur­de in der Pre­digt auf den Fei­gen­baum in Mk 13,28 ver­wie­sen. Da in Lk 13,6–9 der Fei­gen­baum als Sym­bol für Isra­el erscheint, wird dar­aus gefol­gert, dass der Fei­gen­baum, der in Mk 13,28 Blät­ter treibt, Isra­el dar­stellt und der Baum, der vol­ler Blät­ter wird, auf ein „voll“ wer­den­des Isra­el hin­weist.

Zum Hin­ter­grund: Die in den ver­gan­ge­nen Jah­ren vor allem in pro­tes­tan­ti­schen, evan­ge­li­schen und cha­ris­ma­ti­schen Gemein­den ver­brei­te­te Israel­theo­rie geht davon aus, dass das Volk Isra­el in Got­tes Heils­plan wei­ter­hin eine beson­de­re Rol­le als Heils­volk ein­nimmt. Ins­be­son­de­re die Rück­kehr zahl­rei­cher Juden nach 1945 sowie die Staats­grün­dung Isra­els 1948 wer­den als Erfül­lung alt­tes­ta­ment­li­cher Pro­phe­ti­en und zugleich als Hin­wei­se auf die End­zeit inter­pre­tiert. Die Grund­la­ge die­ser Ansicht beruht unter ande­rem auf a) der Fei­gen­baum-Aus­le­gung (sie­he Pre­digt), b) der ver­brei­te­ten Vor­stel­lung, dass Gott auch heu­te noch zwi­schen Juden und Nicht­ju­den unter­schei­de und sich alle Pro­phe­zei­un­gen des Alten Tes­ta­ments an den „fleisch­li­chen“ Israe­li­ten erfül­len müss­ten, sowie c) der Aus­le­gung zwei­er schwer ver­ständ­li­cher Bibel­stel­len im Römer­brief.

War­um ich schlu­cken muss­te:

Anmerkungen zu a)

Zwar wird unter­stüt­zend auf Lk 13,6–9 ver­wie­sen, jedoch bleibt dabei die Aus­sa­ge bei Lukas unbe­rück­sich­tigt: In Vers 7 erfolgt der Befehl, den Fei­gen­baum umzu­hau­en, nach­dem Jesus drei Jah­re lang ver­geb­lich nach den Früch­ten Isra­els gesucht hat­te. Dies kor­re­spon­diert mit dem Gleich­nis von den bösen Wein­gärt­nern in Mt 21, wo es in Vers 43 heißt: „Dar­um sage ich euch: Das Reich Got­tes wird von euch genom­men und einem Volk gege­ben wer­den, das sei­ne Früch­te bringt.“ Trotz die­ser har­ten Aus­sa­gen wird in der Pre­digt behaup­tet, Isra­el wer­de ein Heils­volk wer­den. Wei­ter­hin ist zwei­fel­haft, ob in Mk 13 mit dem Fei­gen­baum tat­säch­lich Isra­el gemeint ist. In der Par­al­lel­stel­le bei Lk 21,29 ist aus­drück­lich vom Fei­gen­baum und von allen Bäu­men die Rede. Wenn der Fei­gen­baum Isra­el sym­bo­li­siert, was bedeu­ten dann die ande­ren Bäu­me? Aus mei­ner Sicht geht es hier nicht um ein bestimm­tes Volk, son­dern um ein Bild, das ver­an­schau­li­chen soll, dass am äuße­ren Gesche­hen bzw. an den Zei­chen der Umwelt das Kom­men Chris­ti erkannt wer­den kann. Mehr nicht.

Anmerkungen zu b)

Beson­ders in evan­ge­li­ka­len Krei­sen wird dem Volk bezie­hungs­wei­se dem Land Isra­el eine beson­de­re Bedeu­tung, vor allem im Hin­blick auf die End­zeit, zuge­schrie­ben. So weist bei­spiels­wei­se die Par­tei Bibel­treu­er Chris­ten vor eini­gen Jah­ren dar­auf hin, dass die Juden Anspruch auf ver­schie­de­ne Gebie­te (etwa die Golan­hö­hen) hät­ten, weil die­se ihnen vor vie­len tau­send Jah­ren ver­hei­ßen wor­den sei­en. Offen­bar herrscht auch unter bibel­treu­en Chris­ten — also unter Men­schen, die die Bibel eigent­lich sehr genau stu­die­ren müss­ten — eine gewis­se Ver­wir­rung, wenn es um Begrif­fe wie „Ver­hei­ßung“, „Bund“, „Volk Got­tes“ oder „Isra­el“ geht. Vie­le Evan­ge­li­ka­le ver­tre­ten die Auf­fas­sung, dass Gott mit den Juden durch Abra­ham (damals noch Abram) einen unbe­ding­ten Bund geschlos­sen habe, das heißt einen Bund, der nicht an Bedin­gun­gen wie etwa Glau­be und Treue zu Gott gebun­den sei. Ein Bei­spiel für einen unbe­ding­ten Bund fin­den wir in 1Mo 9,9–17, wo Gott mit allen Men­schen und Tie­ren einen Bund schließt und ver­spricht, die Erde nicht mehr durch Was­ser zu ver­der­ben.

Da das Land eine zen­tra­le Bedeu­tung hat und Land­kon­flik­te im Nahen Osten bis heu­te all­ge­gen­wär­tig sind, ist es sinn­voll, die soge­nann­ten „Land­ver­hei­ßun­gen“, auf die sich ortho­do­xe Juden beru­fen und auf die sich vie­le Evan­ge­li­ka­le bezie­hen, genau zu betrach­ten. Weil vie­le den Bund mit Abra­ham als unbe­ding­ten Bund ver­ste­hen, gel­ten auch die dar­in ent­hal­te­nen Ver­hei­ßun­gen als unbe­dingt — das heißt, die Zusa­ge eines bestimm­ten Lan­des wird als dau­er­haft gott­ge­ge­ben und auch heu­te gül­tig ange­se­hen; jeg­li­ches Bestrei­ten wird dann als Ver­ge­hen gegen Got­tes Wil­len gewer­tet. In 1Mo 12,1–3.7 fin­den wir die ers­te Ver­hei­ßung an Abram und die ers­te Land­ver­hei­ßung. Die­se Ver­hei­ßung wird im fol­gen­den Kapi­tel in 1Mo 13,14–17 erneut auf­ge­grif­fen, wo es in den Ver­sen 14–15 heißt:

Als sich nun Lot von Abram getrennt hat­te, sprach der Herr zu Abram: Hebe dei­ne Augen auf und sieh von der Stät­te aus, wo du wohnst, nach Nor­den, nach Süden, nach Osten und nach Wes­ten. Denn all das Land, das du siehst, will ich dir und dei­ne Nach­kom­men geben für alle Zeit.

(Isra­el ist schon wesent­lich grö­ßer, als die Flä­che, die ein Mensch mit blo­ßem Auge (bei guter Sicht) erfas­sen kann!)

Auch wird oft 1Mo 17, 7.8 zitiert: “Und ich will auf­rich­ten mei­nen Bund zwi­schen mir und dir und dei­nen Nach­kom­men von Geschlecht zu Geschlecht, daß es ein ewi­ger Bund sei, so daß ich dein und dei­ner Nach­kom­men Gott bin. Und ich will dir und dei­nem Geschlecht nach dir das Land geben, dar­in du ein Fremd­ling bist, das gan­ze Land Kana­an, zum ewi­gen Besitz, und will ihr Gott sein.

Die her­vor­ge­ho­be­nen Stel­len wer­den gern betont, wäh­rend ande­re, untrenn­bar damit ver­bun­de­ne Tex­te weg­ge­las­sen wer­den. Es gilt jedoch: Wer Gott nicht hat, hat auch das Land nicht.

Wel­che Art von Bund wur­de nun mit Abram bezie­hungs­wei­se Abra­ham geschlos­sen? War es tat­säch­lich ein Bund ohne Bedin­gun­gen? Gleich im anschlie­ßen­den Vers fin­den wir einen Hin­weis: „Und Gott sprach zu Abra­ham: So hal­tet nun mei­nen Bund, du und dei­ne Nach­kom­men von Geschlecht zu Geschlecht.“ Der Bund soll gehal­ten wer­den; das heißt, es gibt Anfor­de­run­gen. In Vers 14 wird aus­drück­lich ange­deu­tet, dass der Bund gebro­chen wer­den kann. „Hal­ten“ und „Bre­chen“ sind typi­sche For­mu­lie­run­gen für einen beding­ten Bund. Auch im wei­te­ren Ver­lauf wird die­ser Cha­rak­ter bestä­tigt.

Auch im fol­gen­den Kapi­tel wird die­ses unter­stri­chen. Wir lesen in 1Mo 18, 18.19:

da er [Abra­ham] doch ein gro­ßes und mäch­ti­ges Volk wer­den soll und alle Völ­ker auf Erden in ihm geseg­net wer­den sol­len? Denn dazu habe ich ihn aus­er­ko­ren, daß er sei­ne Kin­dern befeh­le und sei­nem Hau­se nach ihm, daß sie des Herrn Wege hal­ten und tun, was recht und gut ist, auf daß der Herr auf Abra­ham kom­men las­se, was er ihm ver­hei­ßen hat.

Hier wird kon­kret gesagt, dass Got­tes Anwei­sun­gen befolgt wer­den müs­sen „auf dass“ die Ver­hei­ßun­gen erfüllt wer­den — die Erfül­lung erfolgt dem­nach nicht auto­ma­tisch. Es han­delt sich also um einen beding­ten Bund. In 1Mo 22,15–18 fin­den wir eine wei­te­re Bestä­ti­gung dafür, dass das Tun wich­tig für die Ver­hei­ßungs­er­fül­lung ist:

Und der Engel des Herrn rief Abra­ham aber­mals vom Him­mel her und sprach: Ich habe bei mir selbst geschwo­ren, spricht der Herr: Weil du sol­ches getan hast und hast dei­nes ein­zi­gen Soh­nes nicht ver­schont, will ich dein Geschlecht seg­nen und meh­ren wie die Ster­ne am Him­mel und den Sand am Ufer des Mee­res, und dei­ne Nach­kom­men sol­len die Tore ihrer Fein­de besit­zen; und durch dein Geschlecht sol­len alle Völ­ker auf Erden geseg­net wer­den, weil du mei­ner Stim­me gehorcht hast.

Wur­de nun der beding­te Bund durch die­sen Schwur Got­tes unbe­dingt für Abra­ham und sei­ne Nach­kom­men? In 1Mo 26, 1–5 lesen wir von Isaak: “… da erschien ihm [Isaak] der Herr und sprach: Zieh nicht hin­ab nach Ägyp­ten, son­dern blei­be in dem Lan­de, das ich dir sage. Blei­be als Fremd­ling in die­sem Lan­de und ich will mit dir sein und dich seg­nen; denn dir und dei­nen Nach­kom­men will ich alle die­se Län­der geben und will mei­nen Eid [sie­he 1Mo 22, 15–18] wahr machen, den ich dei­nem Vater Abra­ham geschwo­ren habe, und will dei­ne Nach­kom­men meh­ren wie die Ster­ne am Him­mel und will dei­nen Nach­kom­men alle die­se Län­der geben. Und dein Geschlecht sol­len alle Völ­ker auf Erden geseg­net wer­den, weil Abra­ham mei­ner Stim­me gehor­sam gewe­sen ist und gehal­ten hat mei­ne Rech­te, mei­ne Gebo­te, mei­ne Wei­sun­gen und mein Gesetz.

Man beach­te die Begrün­dung im letz­ten Vers: Der Glau­be und die Treue füh­ren zur Ver­hei­ßungs­er­fül­lung! Unglau­be und Abfall wer­den von Gott nicht durch Ver­hei­ßun­gen “belohnt”. In Isra­el leb­ten 1994 ca. 5–15 % prak­ti­zie­ren­de Juden! Wird Gott sei­ne Ver­hei­ßun­gen heu­te erfül­len?

In 1Mo 32, 29 wird aus Jakob Isra­el. Ihm wur­de nach dem Erleb­nis von Gott die­ser Name (Über­win­der) gege­ben, d. h. Isra­el war zunächst nur eine Per­son. Heu­te bezeich­net man mit Isra­el ein gan­zes Volk – Wie kam es dazu?

Die Juden, die zur Zeit Moses in Ägyp­ten leb­ten, wur­den Israe­li­ten genannt, weil sie von Isra­el abstamm­ten. Aber wie an ande­ren Stel­len deut­lich wird, ging es nicht allein um ras­si­sche Abstam­mung; Frem­de, die Jah­we als den wah­ren Gott aner­kann­ten, konn­ten eben­falls Teil des jüdi­schen Vol­kes wer­den. Durch die Annah­me des Bun­des, der schon mit Abra­ham geschlos­sen wor­den war — etwa durch die Beschnei­dung als Zei­chen — zeig­ten sie, dass sie zu Gott gehö­ren woll­ten, und wur­den wie „Ein­hei­mi­sche des Lan­des“ behan­delt. Daher gibt es auch heu­te schwar­ze Juden in Afri­ka und chi­ne­si­sche Juden in Chi­na: Isra­el sind sowohl Nach­kom­men Jakobs als auch auf­ge­nom­me­ne Frem­de. Das kon­ver­tier­te Fremd­volk wur­de nicht wei­ter vom alten Volk unter­schie­den (vgl. 1Mo 12,37–38 und 1Mo 18,1).

Bei 2Mo 19, 18.19 lesen wir die inter­es­san­ten Wor­te: “Wer­det ihr nun mei­ner Stim­me gehor­chen und mei­ne Bund hal­ten, so sollt ihr mein Eigen­tum sein vor allen Völ­kern; denn die gan­ze Erde ist mein. Und ihr sollt mir ein König­reich von Pries­tern und ein hei­li­ges Volk sein…

Auch hier zeigt sich erneut, dass der Bund cha­rak­te­ris­tisch bedingt war. Bedeu­tend ist zudem das hebräi­sche Wort „am“ (Volk) — in man­chen Kon­tex­ten wird auch das Wort „goy“ ver­wen­det; letz­te­re Wur­zel wird heu­te mit­un­ter irre­füh­rend als abwer­ten­de Bezeich­nung für Hei­den wie­der­ge­ge­ben. Die eigent­li­che Bedeu­tung bei­der Begrif­fe liegt eher im Bereich „Nati­on“ oder „Volk“; Nati­on und Volk sind nicht iden­tisch. Eine Nati­on kann ein gemisch­tes Volk sein, das auch Nicht­ju­den ein­schließt. Übri­gens ver­wen­det 1Mo 12,1–3 bei der Anre­de an Abram eben­falls das Wort für „Nati­on“.

Die so bezeich­ne­ten Gläu­bi­gen — sowohl Juden als auch ehe­ma­li­ge Nicht­ju­den; im Fol­gen­den zur Kür­ze „die Juden“ genannt — soll­ten ein König­reich von Pries­tern sein. Wel­che Auf­ga­be hat­te ein Pries­ter? Er ver­mit­tel­te zwi­schen Gott und dem Sün­der, ins­be­son­de­re durch den Opfer­dienst. Dar­aus ergibt sich die Vor­stel­lung, dass die Juden als Mis­si­ons­volk wir­ken soll­ten, durch das ande­re Völ­ker zum Glau­ben kom­men und geseg­net wer­den. Die­se Idee knüpft an 1Pet 2,9 an und wird unter c) noch­mals auf­ge­grif­fen. Da bereits im Alten Tes­ta­ment der Glau­be zähl­te, ist es kon­se­quent, dass Gott eine Gemein­schaft des Glau­bens als sein Volk woll­te — unab­hän­gig von der phy­si­schen Abstam­mung des Ein­zel­nen.

Den­noch ver­tre­ten eini­ge Chris­ten die Auf­fas­sung, es gebe zwei unter­schied­li­che Glau­bens­we­ge: einen für phy­si­sche Israe­li­ten und einen für den Rest der Mensch­heit. Was sagt Jesus dazu? „Ich bin der Weg … Nie­mand kommt zum Vater als durch mich“ (Joh 14,6). Ohne die Annah­me und den Glau­ben an Jesus geht es nicht.

Dreht man die Per­spek­ti­ve um: Gehört jeder Israe­lit, der durch Geburt oder Bekeh­rung ins jüdi­sche Volk auf­ge­nom­men wur­de, auto­ma­tisch zum Volk Got­tes, zum hei­li­gen Volk? Nein. Auch hier zählt der Glau­be. In 1Kön 18 lesen wir vom Gericht Got­tes auf dem Berg Kar­mel: Das israe­li­ti­sche Volk war über­wie­gend vom wah­ren Glau­ben abge­fal­len und hat­te den heid­ni­schen Baal­kult über­nom­men, der durch Ise­bel in das Reich Ahab ein­ge­führt wor­den war. In Vers 21 ver­sucht Elia, das Volk zurück­zu­füh­ren, und ruft: „Wie lan­ge hin­ket ihr auf bei­den Sei­ten? Ist der HERR euer Gott, so wan­delt ihm nach; ist’s aber Baal, so wan­delt ihm nach.“ Das Volk ant­wor­te­te ihm nicht. Elia glaub­te, er sei allein übrig geblie­ben (1Kön 19,14), doch Gott ver­si­cher­te ihm, dass 7 000 Mann in Isra­el übrig blie­ben, die ihr Knie nicht vor Baal gebeugt hat­ten (Vers 18). „Die Übri­gen“ sind die Treu­en, die auch in Zei­ten des Unglau­bens zu Gott hiel­ten und in vie­len Büchern des Alten und Neu­en Tes­ta­ments eine wich­ti­ge Rol­le spie­len. Obwohl das natio­na­le Isra­el viel­fach abge­fal­len war, blieb ein hei­li­ger Rest erhal­ten; die­ses Motiv begeg­net unter ande­rem im Buch Jesa­ja.

Die wah­ren Nach­kom­men Abra­hams sind die Gläu­bi­gen; sie müs­sen nicht not­wen­di­ger­wei­se fleisch­lich von Abra­ham abstam­men (vgl. Röm 9,6–8). Ver­hei­ßun­gen, die Abra­ham und sei­nen Nach­kom­men zuge­spro­chen wur­den, erfül­len sich an den Gläu­bi­gen — oder blei­ben infol­ge von Unglau­ben aus — wie bereits aus­ge­führt und wie Hebr 11 zeigt. Gott erfüllt sei­ne Ver­hei­ßun­gen nicht an ungläu­bi­ge oder abge­fal­le­ne Men­schen, und er zwingt nie­man­dem sein Schick­sal auf. Beson­ders Jer 18,7f ver­deut­licht, dass die Zukunft eines Vol­kes von der Treue zu Gott abhängt: Je nach­dem, wie sich ein Volk ver­hält, kann Gott den Ver­lauf sei­ner Hand­lun­gen ändern; dies gilt glei­cher­ma­ßen für Ver­hei­ßun­gen wie für Straf­ge­rich­te (vgl. Jona und das Schick­sal Nini­ves). Hese­kiel 18 erwei­tert die­ses Prin­zip auf Ein­zel­ne. Die Unter­schei­dung zwi­schen dem Volk und dem treu­en Rest fin­det sich mehr­fach, zum Bei­spiel in Amos 5,14–15:

Sucht das Gute und nicht das Böse, auf daß ihr leben könnt, so wird der HERR, der Gott Zebaoth, bei euch sein, wie ihr rühmt. Has­set das Böse und liebt das Gute, rich­tet das Recht auf im Tor, viel­leicht wird der HERR, der Gott Zebaoth, doch gnä­dig sein denen, die von Josef übrig­blei­ben.” (Mit Josef ist das Nord­reich der 12 Stäm­me gemeint.)

Es gibt kei­ne auto­ma­ti­sche Erfül­lung oder Ret­tung; wäre dies der Fall, wären Suchen und Tun sowie Aus­drü­cke wie „viel­leicht“ sinn­los. Übrig blei­ben sol­len die­je­ni­gen, die Gott suchen und das Gute lie­ben.

Jesa­ja wird manch­mal als “Pro­phet der Übri­gen” bezeich­net. In Jes 10, 20–22 lesen wir, das der Rest Isra­els, die Übri­gen, sich nicht mehr auf Assy­ri­en und Baby­lon, son­dern auf Gott ver­las­sen wer­den. Ein Rest wird sich zu Gott bekeh­ren! Zu den abge­fal­le­nen Juden spricht Gott:

O daß du auf mei­ne Gebo­te gemerkt hät­test, so wür­de dein Frie­de sein wie ein Was­ser­strom und dei­ne Gerech­tig­keit wie Mee­res­wel­len. Dei­ne Kin­der wür­den zahl­reich sein wie Sand und dei­ne Nach­kom­men wie Sand­kör­ner. Dein Name wür­de nicht aus­ge­rot­tet und nicht ver­tilgt wer­den vor mir.” (Jes 48, 18.19)

Noch­mals: Got­tes Ver­hei­ßun­gen sind an Glau­ben und an das Tun sei­nes Wil­lens gebun­den. Ohne bei­des zäh­len wir vor Gott nicht — unab­hän­gig davon, ob wir Jude, Grie­che oder sons­ti­ges sind. Hebr 11,6 sagt es deut­lich: „Aber ohne Glau­be ist’s unmög­lich, Gott zu gefal­len.

Got­tes “Poli­tik” wird auch beson­ders in 5Mo 26, 16–19 und 5Mo 28 deut­lich, wo Gott sagt, dass er sein Volk groß machen, stär­ken und seg­nen will: Wie immer unter der Bedin­gung des Glau­bens und der Treue (5Mo 28, 15f).

Wen­den wir uns nun den Ver­hei­ßun­gen zu: Wenn das bis­her Geschrie­be­ne zutrifft — dass also Glau­be und Treue zäh­len und nicht die blo­ße Abstam­mung — dann müs­sen die Ver­hei­ßun­gen allen Gläu­bi­gen gel­ten. Lässt sich dies aus der Hei­li­gen Schrift bestä­ti­gen? Wir, ehe­mals Hei­den, sind adop­tiert und erkauf­te Kin­der Got­tes (vgl. Röm 8,16–17 und 1Kor 6,20).

Pau­lus schreibt in Gal 3,6–9.29:

So war es mit Abra­ham: »Er hat Gott geglaubt, und des ist ihm zur Gerech­tig­keit gerech­net wor­den« (1Mo 15, 6). Erkennt also: die aus dem Glau­ben sind, das sind Abra­hams Kin­der. Die Schrift aber hat es vor­aus­ge­se­hen, daß Gott die Hei­den durch den Glau­ben gerecht macht. Dar­um ver­kün­dig­te sie Abra­ham (1Mo 12, 3): »In dir sol­len alle Hei­den geseg­net wer­den.« So wer­den nun die, die aus Glau­ben sind geseg­net mit dem gläu­bi­gen Abra­ham. … Gehört ihr aber Chris­tus an, so seid ihr ja Abra­hams Kin­der und nach der Ver­hei­ßung Erben.

Die­se Aus­sa­ge ist nichts ande­res, als das, was ich bis­her ver­sucht habe, deut­lich zu machen: Ver­hei­ßun­gen erfül­len sich an den Gläu­bi­gen, an dem wah­ren Volk Got­tes, am wah­ren Volk Isra­el und nicht an denen, die sich Gott wider­set­zen. Obwohl Pau­lus deut­lich macht, dass es kei­nen Unter­schied mehr zwi­schen Juden und Hei­den gibt (sofern sie sich zu Jesus bekeh­ren), ver­su­chen eini­ge Aus­le­ger z. B. Gal 6, 15.16 als Beweis­mit­tel gegen die­se Aus­sa­ge anzu­füh­ren:

Dort lesen wir:

Denn in Chris­tus Jesus gilt weder Beschnei­dung noch Unbe­schnit­ten­sein etwas, son­dern eine neue Krea­tur. Und alle, die sich nach die­sen Maß­stab rich­ten – Frie­de und Barm­her­zig­keit über sie und über das Isra­el Got­tes!

Aus dem ein­fa­chen „und“ wird dann argu­men­tiert, dass es zwei Got­tes­völ­ker gebe — Juden und Chris­ten. Ein sol­cher Schluss ist nur halt­bar, wenn man den Vers aus dem Zusam­men­hang reißt; er wider­spricht jedoch Vers 15, denn „jeder in Chris­tus“ ist Christ und nicht zugleich Jude. Auch eine Tren­nung in bekehr­te Hei­den und bekehr­te Juden führt zu Wider­sprü­chen mit zahl­rei­chen Stel­len. In Chris­tus sind alle eins; das „und“ ist in die­sem Zusam­men­hang bes­ser als „das heißt“ zu ver­ste­hen, wenn man wider­spruchs­freie Aus­le­gung anstrebt.

In 2Kor 1,19–20 lesen wir: „…denn auf alle Got­tes­ver­hei­ßun­gen ist in ihm [Jesus] das Ja…“ — dies weist in Rich­tung eines Weges, Jesu, für alle Men­schen. Das­sel­be wird in Eph 2,11–22 bekräf­tigt: Durch das Blut Jesu sind die Hei­den nicht mehr Außen­sei­ter; die tren­nen­den Vor­schrif­ten und Sat­zun­gen, die Hei­den von jüdi­scher Gemein­schaft aus­schlos­sen (etwa Zere­mo­ni­al­vor­schrif­ten wie Beschnei­dung und bestimm­te Fest­ord­nun­gen), wur­den auf­ge­ho­ben. Die Hei­den hat­ten frü­her nur dann Anspruch auf die Ver­hei­ßun­gen, wenn sie selbst zu Juden wur­den; nun sind sie ohne Beschnei­dung, Opfer­dienst und Zere­mo­ni­al­ge­setz Mit­er­ben und Mit­ge­nos­sen der Ver­hei­ßung in Chris­tus (vgl. Eph 3,6). Die­se Aus­sa­ge war für vie­le Juden scho­ckie­rend und für vie­le Hei­den eine über­aus fro­he Bot­schaft.

Wir soll­ten uns von unse­rer mensch­li­chen Nei­gung lösen, Men­schen nach Abstam­mung zu unter­schei­den. Gott sieht die Men­schen anders; er wünscht, dass alle geret­tet wür­den (vgl. 2Pet 3,9). Vor Gott gilt kein Anse­hen der Per­son (Apg 10,34–35), wes­halb Pau­lus an vie­len Stel­len betont:

Denn nicht der ist Jude, der es äußer­lich ist, auch ist nicht das die Beschnei­dung, die äußer­lich am Fleisch geschieht; son­dern der ist ein Jude, der es inwen­dig ver­bor­gen ist, und das ist die Beschnei­dung des Her­zens, die im Geist und nicht im Buch­sta­ben geschieht…” (Röm 2, 28.29)

Die „Beschnei­dung des Her­zens“ beschreibt Pau­lus als das Able­gen der alten fleisch­li­chen Natur, also die Bekeh­rung und Wie­der­ge­burt. Got­tes Prin­zip lau­tet: Das Inner­li­che zählt, nicht das Äußer­li­che oder Phy­si­sche.

Man­che Aus­le­ger unter­schei­den den­noch zwi­schen Juden und Nicht­ju­den. Die mode­ra­te­ren unter ihnen sagen, es gebe heu­te ein Volk Got­tes, das aus Juden und Nicht­ju­den besteht, und für bei­de Grup­pen wür­den unter­schied­li­che Ver­hei­ßun­gen und Pro­phe­zei­un­gen gel­ten. Die­se Vor­stel­lung wird inkon­sis­tent, sobald behaup­tet wird, die Juden bil­de­ten ein beson­de­res „Heils­volk“ mit sepa­ra­ten, end­gül­tig zuge­spro­che­nen Ver­hei­ßun­gen. Ich kann mich die­ser Denk­wei­se nicht anschlie­ßen: Pau­lus schreibt wie­der­holt, dass es kei­ne Unter­schie­de mehr zwi­schen Juden und Nicht­ju­den gibt:

Röm 10,12

Es ist hier kein Unter­schied zwi­schen Juden und Grie­chen; es ist über alle der­sel­be Herr, reich für alle, die ihn anru­fen.

Gal 3,28

Hier ist nicht Jude noch Grie­che, hier ist nicht Skla­ve noch Frei­er, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid alle­samt einer in Chris­tus Jesus.

Kol 3,11

Da ist nicht mehr Grie­che oder Jude, Beschnit­te­ner oder Unbe­schnit­te­ner, Nicht­grie­che, Sky­the, Skla­ve, Frei­er, son­dern alles und in allen Chris­tus.

Bzw.

1Kor 7, 18

Beschnit­ten sein ist nichts, und unbe­schnit­ten sein ist nichts, son­dern: Got­tes Gebo­te hal­ten.

In Röm 2,11 und Apg 10,34 wird klar gesagt, dass es vor Gott kein Anse­hen der Per­son gibt. Es ist gleich­gül­tig, ob jemand Hei­de oder Jude ist; alle Men­schen müs­sen Chris­tus anneh­men und ihm nach­fol­gen, denn er ist der Weg. In mei­nen Augen spre­chen nur weni­ge Argu­men­te dafür, dass Gott je nach Abstam­mung unter­schied­lich ver­fährt. Es gibt nur ein Volk Got­tes, unab­hän­gig von der „fleisch­li­chen“ Abstam­mung. Jesus selbst sagt in Joh 10,16: „Und ich habe noch ande­re Scha­fe, die sind nicht aus die­sem Stall; auch sie muss ich her­füh­ren, und sie wer­den mei­ne Stim­me hören, und es wird eine Her­de und ein Hir­te wer­den.“ Jesus ist der Hir­te die­ser Scha­fe (vgl. Joh 10,11; Hebr 13,20). Und Petrus sagt 1Pet 2,9 von “DEM aus­er­wähl­te Geschlecht, DER könig­li­che Pries­ter­schaft, DEM hei­li­gen Volk, DEM Volk des Eigen­tums”. Dabei bezieht er sich kon­kret auf die, die einst nicht zu Got­tes Volk gehör­ten, aber jetzt dazu gehö­ren. DAS Volk nicht ein Volk oder Teil­volk!

Vor die­sem Hin­ter­grund erschei­nen alle Ver­su­che, zwi­schen Juden und Nicht­ju­den dog­ma­tisch zu tren­nen oder bestimm­te Ver­hei­ßun­gen aus­schließ­lich den Juden zuzu­er­ken­nen, pro­ble­ma­tisch und theo­lo­gisch frag­wür­dig.

Anmerkungen zu c)

Die Idee, dass Isra­el angeb­lich in Zukunft wie­der eine wich­ti­ge Rol­le spie­len wird, wird nicht nur durch den Ver­such aus a) oder die Theo­lo­gie in b), son­dern auch durch die Aus­le­gung zwei­er ande­rer Bibel­stel­len unter­stützt: I. Röm 11,12.15 und II. Röm 11,25.26 (eigent­lich Röm 9–11). Ich hal­te die­se Bibel­stel­len alle für sehr schwie­rig und bin mir bewusst, dass mei­ne Auf­fas­sung Schwä­chen hat und ich ver­ste­he lei­der auch nicht alles.

I. Röm 11,12.15

12 Wenn aber ihr Fall der Reich­tum der Welt ist und ihr Ver­lust der Reich­tum der Natio­nen [=Hei­den], wie­viel mehr ihre Voll­zahl!

15 Denn wenn ihre Ver­wer­fung die Ver­söh­nung der Welt ist, was wird die Annah­me anders sein als Leben aus den Toten?

II. Röm 11,25.26

Denn ich will nicht, Brü­der, daß euch die­ses Geheim­nis unbe­kannt sei, damit ihr nicht euch selbst für klug hal­tet: Ver­sto­ckung ist Isra­el zum Teil wider­fah­ren, bis die Voll­zahl der Natio­nen hin­ein­ge­kom­men sein wird; und so wird ganz Isra­el erret­tet wer­den, wie geschrie­ben steht: »Es wird aus Zion der Erret­ter kom­men, er wird die Gott­lo­sig­kei­ten von Jakob abwen­den;

Aus die­sen bei­den Bibel­stel­len wird abge­lei­tet, dass ganz Isra­el geret­tet wird, sich also als Gan­zes zu Jesus bekeh­ren wird, sobald die Ver­sto­ckung weg­fällt, oder dass auto­ma­tisch alle Juden geret­tet wer­den. Zur wei­te­ren Unter­stüt­zung wird auf Röm 11,1: „So fra­ge ich nun: Hat denn Gott sein Volk ver­sto­ßen? Das sei fer­ne!” und Röm 11,2: „Gott hat sein Volk nicht ver­sto­ßen, das er zuvor erwählt hat” ver­wie­sen.

Zunächst zur ers­ten Aus­sa­ge: Ich wer­de spä­ter zei­gen, dass nicht ganz Isra­el (im Sin­ne „alle Israe­li­ten”) geret­tet wer­den wird. Selbst wenn dem so wäre, müss­te man sich fra­gen, wie denn eine Annah­me Jesu mit dem erwar­te­ten Tem­pel­bau und Opfer­dienst aus Hes 40–48 zu ver­ein­ba­ren ist. Durch die Annah­me Chris­ti ver­bie­tet sich jeg­li­ches Opfern von selbst!

Zu Röm 11,1.2: Wenn Bibel­stel­len ver­wen­det wer­den, dann soll­te dies mög­lichst voll­stän­dig und im Kon­text gesche­hen:

III. Röm 11,1–5

1 Ich sage nun: Hat Gott etwa sein Volk ver­sto­ßen? Das ist aus­ge­schlos­sen! Denn auch ich bin ein Israe­lit aus der Nach­kom­men­schaft Abra­hams, vom Stamm Ben­ja­min.

2 Gott hat sein Volk nicht ver­sto­ßen, das er vor­her erkannt hat. Oder wißt ihr nicht, was die Schrift bei Elia sagt? Wie er vor Gott auf­tritt gegen Isra­el:

3 »Herr, sie haben dei­ne Pro­phe­ten getö­tet, dei­ne Altä­re nie­der­ge­ris­sen, und ich allein bin übrig­ge­blie­ben, und sie trach­ten nach mei­nem Leben.«

4 Aber was sagt ihm die gött­li­che Ant­wort? »Ich habe mir sie­ben­tau­send Mann übrig­blei­ben las­sen, die vor Baal das Knie nicht gebeugt haben.«

5 So ist nun auch in der jet­zi­gen Zeit ein Über­rest nach Aus­wahl der Gna­de ent­stan­den.

Gott hat sein Volk nicht ver­sto­ßen (Vers 1)! Obwohl die Juden Jesus töten lie­ßen, ver­dammt Gott nicht auto­ma­tisch alle Juden. Pau­lus begrün­det die­ses in zwei­fa­cher Wei­se:

1) Er ver­weist auf sich selbst, denn obwohl er Israe­lit ist, wur­de er von Gott zum Apos­tel beru­fen (Röm 1,1)! Wären alle Juden ver­sto­ßen, dann hät­te dies nicht gesche­hen kön­nen!

2) Auch als fast das gan­ze Volk abge­fal­len war (1 Kö 19), blieb doch ein klei­ner Rest Gott treu, und genau­so war es zur Zeit des Pau­lus (Vers 5). Ein klei­ner Rest ver­trau­te Gott und bekehr­te sich zu Jesus (Pau­lus, Petrus und ande­re Juden!): So ist nun … ein Über­rest nach Aus­wahl der Gna­de ent­stan­den. (Sie­he auch Vers 7: Die Aus­er­wähl­ten haben es erlangt, der Rest Isra­els ist ver­stockt!) Gott ist nicht belei­digt wie ein Mensch und ver­stößt nicht gleich ein gan­zes Volk!

In Röm 11,15 (sie­he I. oben) schreibt Pau­lus: „Denn wenn ihre [der Juden] Ver­wer­fung die Ver­söh­nung der Welt ist…” Was nun? Ein­mal schreibt Pau­lus, dass Gott sein Volk nicht ver­stößt, und dann schreibt er, die Juden wur­den ver­wor­fen? Nun, bei­des ist wahr, aber man darf sich nicht durch ober­fläch­li­ches Lesen ver­wir­ren las­sen. Pau­li Wor­te sind, wie auch Petrus bemerkt (2 Petr 3,15–16), nicht immer leicht zu ver­ste­hen! Es steht fest, dass Gott die Juden nicht ver­wirft und ver­dammt (Röm 11,1) – die Ver­wer­fung und der Fall des Vol­kes Isra­el, von der in Röm 11,12.15 die Rede ist, muss also etwas ande­res bedeu­ten. Das Volk Isra­el hat­te in der Ver­gan­gen­heit einen Auf­trag. Ellen G. White fasst die­sen gut zusam­men:

Aus einem Skla­ven­volk waren die Israe­li­ten über alle Völ­ker erhöht wor­den zum beson­de­ren Eigen­tum des Königs der Köni­ge1. Gott hat­te sie von der Welt abge­son­dert, damit er ihnen hei­li­ges Gut anver­trau­en könn­te2. Er mach­te sie zu Hütern sei­nes Geset­zes und woll­te durch sie die Got­tes­er­kennt­nis unter den Men­schen bewah­ren3. Auf die­se Wei­se soll­te das Licht des Him­mels in eine dunk­le Welt schei­nen und eine Stim­me hör­bar wer­den, die alle Völ­ker auf­for­der­te, sich vom Göt­zen­dienst abzu­wen­den und dem leben­di­gen Gott zu die­nen4.” (EGW, ‘Patri­ar­chen und Pro­phe­ten’, S. 289)

Beleg­stel­len zum Zitat:
1 2Mo 19,5–6; 5Mo 7,6; 5Mo 26,18–19
2 3Mo 20,26; Röm 3,1–2; Ps 147,19–20
3 5Mo 4,-5–8; Jes 51,7; Hab 2,14
4 Jes 42,6; Jes 60,1–3; 1Sam 12, 21; im NT: Apg 14,15

Der Auf­trag wird auch hier deut­lich:

5.Mose 4,5–8

Sieh, ich hab euch gelehrt Gebo­te und Rech­te, wie mir der HERR, mein Gott, gebo­ten hat, daß ihr danach tun sollt im Lan­de, in das ihr kom­men wer­det, um es ein­zu­neh­men. So hal­tet sie nun und tut sie! Denn dadurch wer­det ihr als wei­se und ver­stän­dig gel­ten bei allen Völ­kern, daß, wenn sie alle die­se Gebo­te hören, sie sagen müs­sen: Ei, was für wei­se und ver­stän­di­ge Leu­te sind das, ein herr­li­ches Volk! Denn wo ist so ein herr­li­ches Volk, dem ein Gott so nahe ist wie uns der HERR, unser Gott, sooft wir ihn anru­fen? Und wo ist so ein gro­ßes Volk, das so gerech­te Ord­nun­gen und Gebo­te hat wie dies gan­ze Gesetz, das ich euch heu­te vor­le­ge?

Es gab ein­mal ein Sprich­wort: Am deut­schen Wesen soll die Welt gene­sen! Dies galt eigent­lich über­tra­gen auf die Juden, denn durch sie soll­ten Men­schen den wah­ren Gott ken­nen­ler­nen! Doch Isra­el begriff nicht sei­ne Vor­bild­funk­ti­on, und durch Jesa­ja macht Gott ihnen den Vor­wurf: „Das alles hast du gehört und siehst es, und ver­kün­digst es doch nicht” (Jes 43,10).

Schließ­lich rief Jesus den Schrift­ge­lehr­ten zu:

Weh euch Schrift­ge­lehr­ten! Denn ihr habt den Schlüs­sel der Erkennt­nis weg­ge­nom­men. Ihr selbst seid nicht hin­ein­ge­gan­gen und habt auch denen gewehrt, die hin­ein woll­ten.” (Lk 11,52).

Die Israe­li­ten haben als Bot­schaf­ter Got­tes ver­sagt und weder Früch­te gezeigt (Lk 13,6–9) noch das Wein­gut Got­tes gut ver­wal­tet (Mt 21,33–46). Daher sind es nun die Hei­den, die als Nach­fol­ger Jesu in die Welt hin­aus­zie­hen, um den Men­schen die „Fro­he Bot­schaft”, das Evan­ge­li­um, zu brin­gen. In die­ser Hin­sicht ist Isra­el „gefal­len”, „ver­lo­ren gegan­gen” und wur­de „ver­wor­fen” (Röm 11,12.15), und dadurch sind die Hei­den „reich gewor­den”: Sie, „die einst ‚nicht ein Volk’ waren, nun aber ‚Got­tes Volk’ sind, und einst nicht in Gna­den waren, nun aber in Gna­den sind” (nach 1 Petr 2,10), sie sind nun „das aus­er­wähl­te Geschlecht, die könig­li­che Pries­ter­schaft, das hei­li­ge Volk, das Volk des Eigen­tums, beru­fen von der Fins­ter­nis zu sei­nem wun­der­ba­ren Licht, zu ver­kün­di­gen die Wohl­ta­ten Got­tes” (nach 1 Petr 2,9). Zum neu­en Got­tes­volk kön­nen natür­lich auch Juden wie Pau­lus und Petrus gehö­ren, aber das Wun­der­ba­re für die Nicht­ju­den ist, dass Gott nun auch sie aus­er­wählt hat! Isra­el hat sein Pri­vi­leg, das allein von Gott aus­er­wähl­te Volk zu sein, ver­lo­ren.

In Röm 11,11 lesen wir:

So fra­ge ich nun: Sind sie gestrau­chelt, damit sie fal­len? Das sei fer­ne! Son­dern durch ihren Fall ist den Hei­den das Heil wider­fah­ren, damit Isra­el ihnen nach­ei­fern soll­te.

Es war nicht Got­tes Wil­le, dass die Juden fal­len soll­ten, aber sie sind den­noch gefal­len. Die Annah­me, dass alles so kam, weil Gott es so gewollt hat, wird ver­wor­fen[2], aber für Gott ist es mög­lich, auch aus schlech­ten Din­gen etwas Gutes zu machen: Der Fall der Juden wur­de zum Heil der Hei­den!

Auf­grund die­ser Tex­te fällt es mir schwer zu akzep­tie­ren, wenn ich höre, dass Isra­el wie­der zum Heils- oder Mis­si­ons­volk wer­den soll, denn dies ist ja mit der Annah­me Jesu ver­bun­den, und jeder bekehr­te Jude gehört dadurch zum neu­en Got­tes­volk, in dem alle – egal ob Jude oder Nicht­ju­de, Grie­che oder Nicht­grie­che – in Jesus ver­eint sind (Kol 3,11).

Kom­men wir zurück auf Röm 11,12.15 (I. oben): Die Anhän­ger der soge­nann­ten „Israel­theo­rie” (die Leh­re, dass das natio­na­le Isra­el in der End­zeit eine beson­de­re Rol­le spie­len wird) ver­wei­sen ger­ne auf Vers 12: „… wie­viel mehr ihre Voll­zahl!” oder nach Luther 84: „… wenn ihre Zahl voll wird”. Da steht es doch! Ihre Zahl wird voll, das heißt, alle wer­den geret­tet wer­den, und das wird noch grö­ßer sein als der Reich­tum der Hei­den!

Das Wort, wel­ches in der Elber­fel­der Bibel als „Voll­zahl” über­setzt wur­de (griech. ple­ro­ma), kann einen pas­si­ven Sinn („das, was gefüllt wur­de”, „die Fül­le”, „die Voll­zahl”) oder einen akti­ven Sinn („das, was sich füllt”, „Erfül­lung” usw.) haben und wird an ver­schie­de­nen Stel­len unter­schied­lich über­setzt. Die Kom­men­ta­to­ren sind sich über den exak­ten Sinn an die­ser Stel­le nicht einig. Der Kern­ge­dan­ke ist aber: Wenn Gott aus dem Fall und Ver­lust der Juden Reich­tum für die Hei­den machen kann, dann wird – was immer ple­ro­ma hier bedeu­ten mag – noch mehr Reich­tum (für alle) sein. Ich ver­mu­te, Pau­lus will damit aus­drü­cken, dass es umso groß­ar­ti­ger ist, wenn ein ver­lo­re­ner Sohn (ein Jude) zu sei­nem Vater (Gott) zurück­kehrt, als wenn ein frem­der Sohn (ein Hei­de) „adop­tiert” wird. Die Juden waren wirk­lich ein von Gott aus­er­wähl­tes Volk: Zu ihnen sprach er durch sei­ne Pro­phe­ten und ver­such­te, sie immer wie­der auf den rech­ten Weg zu füh­ren, damit sie ein Vor­bild für die ande­ren Völ­ker wer­den soll­ten. Mei­ne Ver­mu­tung wird durch Röm 11,24 unter­stützt:

Denn wenn du [Hei­de] aus dem von Natur wil­den Ölbaum her­aus­ge­schnit­ten und gegen die Natur in den edlen Ölbaum ein­ge­pfropft wor­den bist, wie­viel mehr wer­den die­se, die natür­li­chen <Zwei­ge> [Die Juden, die wegen ihren Unglau­ben aus dem edlen Baum aus­ge­bro­chen wur­den], in ihren eige­nen Ölbaum ein­ge­pfropft wer­den!

Wie­viel mehr wer­den also Juden, die sich bekeh­ren, wie­der ange­nom­men wer­den! Wie wun­der­bar wäre es, wenn nicht nur ein klei­ner Teil der Juden (Vers 5) den Mes­si­as anneh­men wür­de. (Zum Ölbaum schrei­be ich spä­ter mehr!)

Anhän­ger der Israel­theo­rie drän­gen natür­lich dar­auf, Vers 12 so zu ver­ste­hen, dass gemeint ist, dass alle Juden (irgend­wann) geret­tet wür­den. Dies ist aber unmög­lich, denn wenn „Voll­zahl” „alle Israe­li­ten” bedeu­ten wür­de, dann wür­de ana­log in Vers 25 (das glei­che Wort!) gesagt wer­den, dass alle Hei­den geret­tet wür­den! Wenn alle Israe­li­ten und alle Hei­den geret­tet wür­den, dann wür­de Pau­lus „uni­ver­sel­le Ret­tung” aller Men­schen leh­ren, was im kras­sen Wider­spruch zu sei­nen Wor­ten steht (z. B. 2 Thess 1,7–10; Röm 1,18.32; Röm 2,1–11 usw.)! Dies kann also nicht gemeint sein!

Zu Vers 15:

15 Denn wenn ihre Ver­wer­fung die Ver­söh­nung der Welt ist, was wird die Annah­me anders sein als Leben aus den Toten?

Wenn ein Mensch sich zu Jesus bekehrt (= mit Jesus gekreu­zigt (Gal 2,19), begra­ben und auf­er­weckt wer­den (Röm 6,4) = neue „Krea­tur”), dann ist das etwas Beson­de­res. Viel­leicht meint Pau­lus dies mit „Leben aus den Toten” in Vers 15. Tot ist, wer Jesus nicht hat:

Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn Got­tes nicht hat, der hat das Leben nicht (1 Joh 5,12). Es bleibt ein offe­nes Pro­blem, ob „die Annah­me” sich auf alle Juden bezieht oder auf die Juden, die sich bekeh­ren. Die Ver­wer­fung bezieht sich auf die Son­der­rol­le der Juden, nicht auf die Juden selbst. Mög­li­cher­wei­se ist es auch wich­tig, dass hier von „der Annah­me” und nicht von „ihrer Annah­me” (wie bei Luther) die Rede ist. Die Rede­wen­dung, die Pau­lus hier gebraucht, ist lei­der ein­ma­lig in der Bibel.

Lesen wir doch mal die Ver­se zwi­schen 12 und 15:

Röm 11,13.14

Denn ich sage euch, den Natio­nen: Inso­fern ich nun der Natio­nen Apos­tel bin, brin­ge ich mei­nen Dienst zu Ehren, ob ich auf irgend­ei­ne Wei­se sie, die mein Fleisch sind, zur Eifer­sucht rei­zen und eini­ge aus ihnen erret­ten möge.

Das Anlie­gen des Pau­lus ist also, sei­ne Brü­der zur „Eifer­sucht” zu rei­zen und eini­ge von ihnen zu ret­ten. Er bezieht sich auf das, was er ein paar Zei­len zuvor geschrie­ben hat­te:

Röm 10,19.20

Aber ich sage: Hat Isra­el es etwa nicht erkannt? Zuerst spricht Mose: »Ich will euch zur Eifer­sucht rei­zen über ein Nicht-Volk, über eine unver­stän­di­ge Nati­on will ich euch erbit­tern.«

Jesa­ja aber erkühnt sich und spricht: »Ich bin gefun­den wor­den von denen, die mich nicht such­ten, ich bin offen­bar gewor­den denen, die nicht nach mir frag­ten.«

Das Nicht-Volk sind die Hei­den. Isra­el soll also eifer­süch­tig auf sie gemacht wer­den, und so sol­len eini­ge – nicht alle – geret­tet wer­den. Dadurch soll Isra­el erken­nen, dass Jesus der Mes­si­as ist, und nur wenn auch sie Jesus anneh­men, kön­nen sie geret­tet wer­den. Wenn die Hei­den Mit­er­ben der Ver­hei­ßung gewor­den sind und Gott sie seg­net, dann sol­len die Juden eifer­süch­tig wer­den: Ihnen sol­len dadurch die Augen auf­ge­tan wer­den, und in Luther und in der Schlach­ter­über­set­zung ist daher in Röm 11,14 auch von „zum Nach­ei­fern (rei­zen)” die Rede.

In Vers 15 sind Ver­wer­fung und Annah­me gegen­über­ge­stellt. Die Annah­me von Gott ist mit der Annah­me Jesu als Mes­si­as ver­bun­den. Eini­ge Kom­men­ta­to­ren mei­nen daher, dass Pau­lus hier auf einen Strom von bekehr­ten Juden in die christ­li­chen Kir­chen anspielt…

Ich bin mir mit der wirk­li­chen Bedeu­tung von Vers 15 nicht sicher: Wenn Pau­lus mit der Annah­me die Bekeh­rung ein­zel­ner Juden meint, dann macht der Abschnitt für mich Sinn. Soll­te Pau­lus hier eine pro­phe­ti­sche Zukunfts­aus­sa­ge machen, wobei er die Annah­me des gan­zen Vol­kes meint, dann wird es kom­pli­ziert, zumal er in Vers 14 davon aus­geht, dass er nur weni­ge (falls über­haupt) ret­ten kann. Auch im Kapi­tel 9 schrieb er über Juden und Hei­den:

Röm 9,24–28

Dazu hat er uns beru­fen, nicht allein aus den Juden, son­dern auch aus den Hei­den. Wie er denn auch durch Hosea spricht (Hosea 2,25; 2,1): »Ich will das mein Volk nen­nen, das nicht mein Volk war, und mei­ne Gelieb­te, die nicht mei­ne Gelieb­te war.« »Und es soll gesche­hen: Anstatt daß zu ihnen gesagt wur­de: ‘Ihr seid nicht mein Volk’, sol­len sie Kin­der des leben­di­gen Got­tes genannt wer­den.« Jesa­ja aber ruft aus über Isra­el (Jesa­ja 10,22–23): »Wenn die Zahl der Israe­li­ten wäre wie der Sand am Meer, so wird doch nur ein Rest geret­tet wer­den; denn der Herr wird sein Wort, indem er voll­endet und schei­det, aus­rich­ten auf Erden.«

Ein Rest wird geret­tet wer­den… oder doch ganz Isra­el? Spricht Pau­lus hier wirk­lich pro­phe­tisch über die Zukunft Isra­els? Der Theo­lo­ge Armin Kra­ko­li­nig und die Über­set­zer der Schlach­ter­bi­bel glau­ben, dass Pau­lus eher davon spricht, was hät­te sein kön­nen und was zukünf­tig noch sein könn­te, wenn sich das natio­na­le Isra­el als Gesamt­heit bekeh­ren wür­de. Das ist das Anlie­gen im gesam­ten Kon­text!

Das Pro­blem sei also, dass Pau­lus, was eigent­lich kon­di­tio­nal gemeint ist, im Futur schreibt. Ent­spre­chend fin­den wir in der Schlach­ter­bi­bel:

Wenn ihre Ver­wer­fung die Ver­söh­nung der Welt gewor­den ist, was wür­de ihre Annah­me ande­res sein, als Leben aus den Toten?

Auf der einen Sei­te ist die­se Erklä­rungs­mög­lich­keit auch etwas unbe­frie­di­gend, da mei­nes Wis­sens Vers 15 im Futur geschrie­ben wur­de. Nun, es bleibt eine schwie­ri­ge Stel­le. Ich zie­he die Erklä­rungs­mög­lich­keit vor, dass „die Annah­me” die Bekeh­rung ein­zel­ner Juden meint. Auf der ande­ren Sei­te will ich nicht aus­schlie­ßen, dass es noch zu gro­ßen Mas­sen­be­keh­run­gen bei Juden kom­men kann, aber Gott wird kei­nen Men­schen zwin­gen, auch nicht einen Juden. Wer nicht glau­ben will, der bleibt im Unglau­ben bis ans Ende!

Vers 15 wird erstaun­li­cher­wei­se nicht von den Anhän­gern der Israel­theo­rie aus­ge­schlach­tet wie die fol­gen­den Ver­se:

Röm 11, 16–27

16 Wenn aber das Erst­lings­brot hei­lig ist, so auch der Teig; und wenn die Wur­zel hei­lig ist, so auch die Zwei­ge.

17 Wenn aber eini­ge der Zwei­ge her­aus­ge­bro­chen wor­den sind und du, der du ein wil­der Ölbaum warst, unter sie ein­ge­pfropft und der Wur­zel und der Fet­tig­keit des Ölbau­mes mit teil­haf­tig gewor­den bist,

Anmer­kung: Es geht hier um die Zwei­ge eines edlen Ölbaums mit hei­li­ger Wur­zel und um die Zwei­ge eines wil­den Ölbaums. Mit dem edlen Ölbaum ist das Volk Got­tes gemeint, und die Zwei­ge des wil­den Ölbaums sind die Hei­den. Die hei­li­ge Wur­zel ist ent­we­der Jesus oder die Glau­bens­vä­ter des AT, wie z. B. Abra­ham. Eini­ge Juden-Zwei­ge wur­den her­aus­ge­bro­chen (sie­he V. 20), weil sie Jesus ableh­nen, und eini­ge Hei­den-Zwei­ge wur­den in das Volk Got­tes auf­ge­nom­men: Es sind die bekehr­ten Hei­den (sie­he V. 20)! Pau­lus spricht hier die Hei­den mit der zwei­ten Per­son an.

Ich per­sön­lich hal­te das Sinn­bild für geni­al: Gott hat sich im AT beson­ders um sein Volk geküm­mert, so wie ein Bau­er sich beson­ders um Zucht­pflan­zen und ‑bäu­me küm­mert: Er düngt sie, beschnei­det sie usw. Der wil­de Ölbaum sind die Hei­den, die kei­ne beson­de­re Zuwen­dung fan­den und daher „wild gewach­sen” sind. Der eine Baum wur­de ver­edelt, der ande­re nicht. Den­noch kön­nen die wil­den Zwei­ge (durch den Glau­ben) in den edlen Baum ein­ge­pfropft und die edlen Zwei­ge durch den Unglau­ben her­aus­ge­bro­chen wer­den: Für Gott zählt der Glau­be und nicht die Abstam­mung!

18 so rüh­me dich nicht gegen die Zwei­ge! Wenn du dich aber gegen sie rühmst – du trägst nicht die Wur­zel, son­dern die Wur­zel dich.

19 Du wirst nun sagen: Die Zwei­ge sind her­aus­ge­bro­chen wor­den, damit ich ein­ge­pfropft wür­de.

20 Rich­tig; sie sind her­aus­ge­bro­chen wor­den durch den Unglau­ben; du aber stehst durch den Glau­ben. Sei nicht hoch­mü­tig, son­dern fürch­te dich!

21 Denn wenn Gott die natür­li­chen Zwei­ge nicht geschont hat, wird er auch dich nicht scho­nen.

22 Sieh nun die Güte und die Stren­ge Got­tes: gegen die, wel­che gefal­len sind, Stren­ge; gegen dich aber Güte Got­tes, wenn du an der Güte bleibst; sonst wirst auch du her­aus­ge­schnit­ten wer­den.

23 Aber auch jene, wenn sie nicht im Unglau­ben blei­ben, wer­den ein­ge­pfropft wer­den; denn Gott ist imstan­de, sie wie­der ein­zu­pfrop­fen.

Anmer­kung: Es besteht auch für die ungläu­bi­gen Juden noch immer Hoff­nung! Wenn sie nicht im Unglau­ben blei­ben!

24 Denn wenn du aus dem von Natur wil­den Ölbaum her­aus­ge­schnit­ten und gegen die Natur in den edlen Ölbaum ein­ge­pfropft wor­den bist, wie­viel mehr wer­den die­se, die natür­li­chen <Zwei­ge>, in ihren eige­nen Ölbaum ein­ge­pfropft wer­den!

25 Denn ich will nicht, Brü­der, daß euch die­ses Geheim­nis unbe­kannt sei, damit ihr nicht euch selbst für klug hal­tet: Ver­sto­ckung ist Isra­el zum Teil wider­fah­ren1, bis die Voll­zahl der Natio­nen hin­ein­ge­kom­men sein wird2;

26 und so3 wird ganz Isra­el erret­tet wer­den4, wie geschrie­ben steht5: »Es wird aus Zion der Erret­ter kom­men6, er wird die Gott­lo­sig­kei­ten von Jakob abwen­den;

27 und dies ist für sie der Bund von mir, wenn ich ihre Sün­den weg­neh­men wer­de7

Für die Ver­tre­ter der Israel­theo­rie ist Vers 26 von zen­tra­ler Bedeu­tung! Da steht es doch schwarz auf weiß: ganz Isra­el wird geret­tet!

Ist mit ganz Isra­el wirk­lich das natio­na­le Isra­el gemeint? Gehen wir Schritt für Schritt vor:

1 Ein Teil Isra­els ist ver­stockt! Wel­cher Teil? Es sind die her­aus­ge­bro­che­nen Juden-Zwei­ge im eben geschil­der­ten Sinn­bild. Es sind die Juden, die Jesus nicht anneh­men. Pau­lus setzt hier also den edlen Baum mit Isra­el gleich, wobei der Baum Juden- und Hei­den-Zwei­ge hat und ein Teil der edlen Zwei­ge wegen ihres Unglau­bens her­aus­ge­bro­chen wur­de. So wie die Hei­den-Zwei­ge ein Teil des Ölbau­mes gewor­den sind, so sind die bekehr­ten Hei­den Teil des wah­ren Got­tes­vol­kes gewor­den. (Sie­he auch: hin­te­rer Teil von Anmer­kun­gen zu b)

2 Hier haben wir das glei­che Pro­blem mit der „Voll­zahl” wie in Vers 12. Noch ein­mal: Voll­zahl kann nicht alle Hei­den bzw. alle Juden hei­ßen, da sonst Pau­lus uni­ver­sa­le Ret­tung ver­kün­den wür­de: Alle Hei­den + alle Juden = alle Men­schen! Dies ist aus­ge­schlos­sen! Das Wört­chen „bis” (griech. ach­ri) hat hier offen­bar eine zeit­li­che Bedeu­tung: Die Ver­sto­ckung wird andau­ern, bis die Voll­zahl der Natio­nen hin­ein­ge­kom­men sein wird, das heißt, bis zum (Welt-)Ende wird die Tei­lung andau­ern und ein Teil in Ver­sto­ckung blei­ben. Wür­de „bis” bedeu­ten, dass nach einer gewis­sen Zeit die Ver­sto­ckung auto­ma­tisch weg­fal­len wür­de, dann wäre das ein Wider­spruch zu Vers 23 (sie­he oben).

3 Griech. Kai hou­tos: Adverb der Art und Wei­se und nicht der Zeit, auch kei­ne Kon­klu­si­on.

4 ganz Isra­el = der gan­ze Ölbaum (mit gemisch­ten Zwei­gen) soll geret­tet wer­den.

5 Spe­zi­fi­zie­rung der Erret­tung anhand einer Bibel­stel­le.

6 Der Ret­ter Isra­els (= bekehr­te Juden + Hei­den) kommt aus Zion! Gemeint ist Jesus (Beth­le­hem gehört zu Zion)! Eine ande­re Mög­lich­keit gibt es nicht: Es gibt nur einen Jesus, der auch bei der Wie­der­kunft der­sel­be sein wird wie damals (vgl. Apg 1,11; Joh 14,3: „Und wenn ich hin­ge­he, euch die Stät­te zu berei­ten, will ich wie­der­kom­men und euch zu mir neh­men, damit ihr seid, wo ich bin”)! Wür­de es einen ande­ren Mes­si­as geben, einen ande­ren Chris­tus, dann wären alle Chris­ten auf einen fal­schen Chris­tus her­ein­ge­fal­len! Ich per­sön­lich glau­be, dass vie­le Men­schen „in den letz­ten Tagen” auf Satan her­ein­fal­len wer­den: Vie­le Men­schen war­ten noch auf den Mes­si­as, auf den gro­ßen Meis­ter, auf Bud­dha usw.!

7 Hier wird wie­der auf Jesus ver­wie­sen, denn er nimmt unse­re Sün­den auf sich.

Zu 3–7: Wenn man Vers 26 unter Berück­sich­ti­gung von Anmer­kung 4 ein­fach liest, so ergibt sich ganz klar die Bot­schaft des Evan­ge­li­ums:

„Und so wird Got­tes Volk (Juden als auch Hei­den) geret­tet wer­den: Durch Jesus Chris­tus, den ver­hei­ße­nen Ret­ter, der die Sün­den aller Men­schen auf sich nimmt!” Die Juden sind nicht ver­sto­ßen oder gar ver­dammt (erneu­tes Auf­grei­fen der ein­lei­ten­den Fra­ge: Hat Gott sein Volk ver­sto­ßen? Röm 11,1!), denn auch sie haben noch die Mög­lich­keit, geret­tet zu wer­den: „wenn sie nicht im Unglau­ben blei­ben”.

Petrus spricht in Apg 3,22.23 von Jesus: “Mose hat schon gesagt: »Einen Pro­phe­ten wird euch der Herr, euer Gott, aus euren Brü­dern erwe­cken, gleich mir. Auf ihn sollt ihr hören in allem, was er zu euch reden wird! Es wird aber gesche­hen: jede See­le, die auf jenen Pro­phe­ten nicht hören wird, soll aus dem Volk aus­ge­rot­tet wer­den.«

Die­se Stel­le sagt nichts ande­res aus als das, was das Sinn­bild im Römer­brief aus­drü­cken will. Das wah­re Volk Got­tes besteht aus den bekehr­ten Juden und hin­zu­ge­füg­ten bekehr­ten Hei­den! Alle ande­ren wer­den aus dem hei­li­gen Ölbaum geschnit­ten bzw. nicht hin­zu­ge­zählt.

Lesen wir noch rasch den Rest des Kapi­tels:

28 Hin­sicht­lich des Evan­ge­li­ums sind sie zwar Fein­de um euret­wil­len, hin­sicht­lich der Aus­wahl [=Gna­de] aber Gelieb­te um der Väter wil­len.

29 Denn die Gna­den­ga­ben und die Beru­fung Got­tes sind unbe­reu­bar.

30 Denn wie ihr einst Gott nicht gehorcht habt, jetzt aber Erbar­men gefun­den habt infol­ge ihres Unglau­bens,

31 so sind jetzt auch sie dem euch <geschenk­ten> Erbar­men <gegen­über> unge­hor­sam gewe­sen, damit auch sie jetzt Erbar­men fin­den.

32 Denn Gott hat alle zusam­men in den Unge­hor­sam ein­ge­schlos­sen, damit er sich aller erbarmt.

Anmer­kung: “aller” in Ana­lo­gie zum Ölbaum (Juden + Hei­den) oder zum wah­ren Got­tes­volk oder zu “ganz Isra­el”.

Vers 31 macht es noch ein­mal klar: Jetzt sol­len die Juden Erbar­men fin­den und nicht in der End­zeit! Jetzt gilt auch den Juden: “… Heu­te, wenn ihr sei­ne Stim­me hören wer­det, so ver­stockt eure Her­zen nicht…” (Hebr 3,15)

Natür­lich bin ich nicht in der Lage, die­se schwie­ri­gen Stel­len voll­stän­dig zu erfas­sen. Es gibt im Wesent­li­chen drei ver­schie­de­ne Aus­le­gungs­mög­lich­kei­ten, die mehr oder weni­ger pro­ble­ma­tisch sind:

  1. “ganz Isra­el” ist das gan­ze natio­na­le “fleisch­li­che” Isra­el, und die­ses wird auf einen Son­der­weg (durch Got­tes Gna­de) “am Evan­ge­li­um vor­bei” geret­tet wer­den!
  2. “ganz Isra­el” ist wie oben zu ver­ste­hen, und wird durch eine Mas­sen­be­keh­rung zu Jesus hin bekehrt.
  3. “ganz Isra­el” ist das wah­re Isra­el, das wah­re Got­tes­volk, das durch gläu­bi­ge Men­schen gebil­det wird. Die­se wer­den durch ihren Glau­ben geret­tet.

Zu dem The­ma sind schon unzäh­li­ge Bücher erschie­nen, und unter Theo­lo­gen ist man sich uneins dar­über, wie beson­ders V. 25–27 zu ver­ste­hen ist. Ich wür­de mich hüten, auf dem Fun­da­ment die­ser pro­ble­ma­ti­schen Aus­le­gun­gen eine „Theo­lo­gie” zu bau­en oder gar zu behaup­ten, dass es für die Juden nicht nötig ist, Jesus als Mes­si­as anzu­neh­men!

Ich bevor­zu­ge die drit­te Aus­le­gung, weil sie (in mei­nen Augen) bes­ser zu Got­tes Han­deln passt und auch nicht in Kon­flikt mit ande­ren Bibel­stel­len steht.

6. Abschlussbemerkungen

Ich weiß, dass mein Ver­ständ­nis der erwähn­ten Bibel­stel­len auch nicht per­fekt ist, aber ich hof­fe, es ist nach­zu­voll­zie­hen, war­um ich hin­ter die­ser Pre­digt fünf gro­ße Fra­ge­zei­chen gesetzt habe. Es zeigt sich immer wie­der, dass man alles selbst prü­fen muss und einem Pre­di­ger nicht ein­fach blind ver­trau­en kann. Das ist aber über­all so und nicht nur in einer bestimm­ten Gemein­schaft oder Kir­che! Jeder soll­te sich die Zeit neh­men, Got­tes Wort zu stu­die­ren und zu prü­fen, was ein Pre­di­ger oder Theo­lo­ge schreibt oder sagt!

Ich kann nur davor war­nen, leicht­fer­tig bestimm­te Aus­le­gun­gen anzu­neh­men, ohne selbst nach­zu­den­ken und ohne zu fra­gen, ob das jewei­li­ge Argu­ment wirk­lich das aus­sagt, was behaup­tet wird. Got­tes Segen wün­sche ich allen „Stu­den­tin­nen” und „Stu­den­ten” der Hei­li­gen Schrift!


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Fußnoten

[1]  Der Theo­lo­ge Armin Kra­ko­li­nig schreibt dazu (genaue Quel­le ver­legt): Den zwei Zeit­an­ga­ben im Vers 26 ste­hen zwei Ereig­nis­se gegen­über: 1) der Wie­der­auf­bau der Stadt (nach 7 Wochen) und 2) das Kom­men des Mes­si­as (nach 62 Wochen). Nach die­ser Pro­phe­tie hat­te Gott ursprüng­lich 7 Wochen = 49 Jah­re für den Wie­der­auf­bau vor­ge­se­hen. Doch durch den Unge­hor­sam des Vol­kes zog sich der Auf­bau fast dop­pelt so lan­ge, etwa 90 Jah­re hin­aus! (Von 536 – 445 v.Chr.) Das war auch der Grund, war­um nicht nur ein Befehl zum Auf­bau genüg­te, wie es laut Dani­el vor­ge­se­hen war, son­dern 3 bzw. 4 Befeh­le. In die­sem Fall hät­ten die 7 + 62 Wochen nicht erst ab dem drit­ten Befehl, also ab 457 gezählt wer­den müs­sen, son­dern schon ab dem ers­ten Befehl des Cyrus im Jah­re 536. Das hät­te bedeu­tet, dass auch das 1. Kom­men des Mes­si­as um die­se Zeit der Ver­zö­ge­rung schon frü­her statt­fin­den hät­te kön­nen. Das stellt uns natür­lich vor die Fra­ge, ob auch die Erfül­lung der Zeit­weis­sa­gung der 70 Wochen unter Bedin­gun­gen gege­ben wur­de, oder als abso­lu­te Pro­phe­tie zu gel­ten hat. Die his­to­ri­schen Tat­sa­chen und der gesam­te bibli­sche Befund spre­chen deut­lich für das Ers­te­re. (» zurück zum Text)


[2] Armin Kra­ko­li­nig schreibt in ‘Das Isra­el Got­tes im Alten und Neu­en Bund’: Der Fall oder die Ver­sto­ckung der Juden wur­de für das jüdi­sche Volk nach der Zeit der Kreu­zi­gung zum gro­ßen Fluch. Es kam tat­säch­lich der Fluch über sie, den sie in ihrer Blind­heit vor Pila­tus beschwo­ren.

Der Fluch kam jedoch nicht über sie, weil Gott es so woll­te, oder es sogar in sei­nem Plan so vor­her­be­stimm­te. Der Plan Got­tes kann nur zum Fluch für jene wer­den, die nicht bei der Gna­de Got­tes blei­ben (Röm.11,21–22). Zum Segen wird die­ser Plan für Juden und auch für Hei­den, die sich zu Gott keh­ren, und sich nach sei­nem Plan ret­ten las­sen.

Gott woll­te nie, dass Isra­el sich ver­stockt, und er woll­te auch nie, dass durch die­se Ver­sto­ckung der Juden die Hei­den in Fins­ter­nis und fern von Gott blei­ben. Durch die Annah­me des Evan­ge­li­ums unter den Hei­den besteht aber nun wei­ter die Mög­lich­keit für die Juden, die sich unter den Hei­den zer­streut fin­den, dass auch sie, dort wo sie sind, wie­der zum Heil fin­den (Röm. 11,13–16).

Den auf­er­stan­de­nen Jesus kann man näm­lich nicht nur in Jeru­sa­lem oder im Land Isra­el fin­den. Er hat ver­hei­ßen, dass er mit sei­nen Jün­gern über­all sein wer­de, wo sie das Evan­ge­li­um ver­kün­di­gen. So wird er auch mit all jenen Juden über­all dort sein, wo sie das Evan­ge­li­um hören und anneh­men, egal an wel­chem Ort sie gera­de woh­nen.

Die­se Wahr­heit hat Jesus schon damals der Sama­ri­te­rin ver­mit­telt, die wis­sen woll­te, an wel­chem Ort sie hin­ge­hen müs­se, um rich­ti­ge Anbe­tung zu üben. Die Ant­wort Jesu war: “Weib, glau­be mir, es kommt die Zeit, daß ihr weder auf die­sem Ber­ge noch zu Jeru­sa­lem wer­det den Vater anbe­ten. … Es kommt die Zeit und ist schon jetzt, daß die wahr­haf­ti­gen Anbe­ter den Vater im Geist und in der Wahr­heit anbe­ten wer­den; denn der Vater will sol­che, die ihn so anbe­ten. Gott ist Geist, und die ihn anbe­ten, die müs­sen ihn im Geist und in der Wahr­heit anbe­ten.”(Joh.4,21–23)

Damit hat eigent­lich Jesus ein für alle­mal allen jenen aus den Juden und Hei­den, die Gott rich­tig anbe­ten und fol­gen wol­len, kei­nen Ort die­ser Erde mehr bestimmt, an den sie zu gehen hät­ten, um dort allein wah­re Anbe­tung und Begeg­nung mit dem wah­ren Gott pfle­gen zu kön­nen.

Schon allein des­we­gen wäre es biblisch und neu­tes­ta­ment­lich gese­hen nicht nötig, Juden erst nach Jeru­sa­lem zu rufen, damit sie dort Jesus und dem Vater im Glau­ben begeg­nen kön­nen. Für sie gilt das Glei­che wie für alle Men­schen, die sich aus allen ande­ren Natio­nen und Völ­kern zu Jesus bekeh­ren und beken­nen, dass “in einem jeg­li­chen Volk, wer ihn fürch­tet und recht tut, der ist ihm ange­nehm.” (Apg 10,35) (» zurück zum Text)

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El Shaddai
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Hört
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