Kommentar zu Galater 3

– Ein Problem für den Sabbat?

Ein Mann und eine Frau, die eine Schriftrolle lesen.

Fra­ge: Wird im Gala­ter­brief nicht gesagt, dass das Gesetz in der Ver­gan­gen­heit ein Zucht­meis­ter war und nun für uns unbe­deu­tend gewor­den ist? Ist nicht somit auch der Sab­bat über­flüs­sig gewor­den?

Ant­wort: Die Aus­sa­gen in der Fra­ge (bis auf die letz­te) sind bedingt rich­tig. Bevor wir Gala­ter 3 und 4 auf die Sab­bat-Debat­te über­tra­gen, müs­sen wir den Gala­ter­brief als Gan­zes betrach­ten.

Das Ziel des Gala­ter­brie­fes ergibt sich aus sei­nem Inhalt: Es droht der Abfall in der Gemein­de, und in die­ser Hin­sicht ist der Brief natür­lich kon­tro­ver­ser. Der Abfall resul­tier­te aus den Akti­vi­tä­ten der Leh­rer, die noch dem Juden­tum anhin­gen. Mög­li­cher­wei­se han­delt es sich hier­bei um die­sel­be Grup­pe, die Pro­ble­me in der Gemein­de in Antio­chi­en her­vor­rief (vgl. Apg 15,1).

In Anschluss an die dor­ti­gen Unru­hen wur­de das ers­te Kon­zil in Jeru­sa­lem ein­be­ru­fen. Dort wider­stand Pau­lus den Juda­is­ten, wel­che von den bekehr­ten Chris­ten das Befol­gen jüdi­scher Geset­ze ver­lang­ten. Sie for­der­ten die Beschnei­dung Titus’ (Gal 2,3–4).

Die fal­schen Leh­rer hat­ten offen­bar gro­ßen Erfolg und ver­führ­ten einen gro­ßen Teil der Gemein­de­glie­der in Gala­ti­en (vgl. Gal 1,6). Es ist nicht klar, wie weit die Gemein­de in den lega­lis­ti­schen Prak­ti­ken gegan­gen ist, bevor sie den Brief Pau­li emp­fing, aber der Ton des Brie­fes zeigt deut­lich die unmit­tel­ba­re Gefahr des Abfalls. Die Leh­rer han­del­ten ent­ge­gen den Beschlüs­sen des Kon­zils in Jeru­sa­lem. Sie unter­gru­ben die Auto­ri­tät Pau­li als Apos­tel und ver­war­fen sein Evan­ge­li­um. Dabei stütz­ten sie sich auf die Tat­sa­che, dass Pau­lus kei­ner der von Chris­tus beru­fe­nen zwölf Apos­tel war.

Um den Gala­tern ihren Feh­ler vor Augen zu füh­ren, wie­der­hol­te Pau­lus die einst von ihm dar­ge­stell­ten Prin­zi­pi­en des Evan­ge­li­ums. Da die fal­schen Leh­rer Pau­lus beschul­dig­ten, ein fal­sches Evan­ge­li­um zu ver­kün­di­gen, und ihm das Lehr­amt abspra­chen, fühl­te sich Pau­lus gezwun­gen, sein Apos­tel­amt zu begrün­den. Daher fin­den sich auch auto­bio­gra­fi­sche Antei­le im Brief (vgl. Gal 1,11–2,14). Er unter­strich dabei die Tat­sa­che, dass sei­ne Leh­ren, die er auch im Kon­zil in Jeru­sa­lem den Apos­teln dar­leg­te, im Ein­klang damit waren, was die ande­ren Füh­rer, die mit Jesus eng ver­bun­den waren, ver­kün­dig­ten.

Das The­ma des Gala­ter­brie­fes ist Gerech­tig­keit aus Glau­ben an Jesus Chris­tus. Dies steht im Kon­trast zu der im Juden­tum ver­brei­te­ten Idee der Gerech­tig­keit aus den Wer­ken, die das jüdi­sche Gesetz vor­schrieb. Der Brief hebt her­vor, was Gott durch Chris­tus für die Erlö­sung der Men­schen getan hat, und ver­wirft damit das zuvor genann­te Kon­zept der Erlö­sung. Pau­lus stellt das freie Geschenk Got­tes den mensch­li­chen Ver­su­chen, sich selbst zu erlö­sen, gegen­über.

Die Fra­ge, durch die, die Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen Pau­lus und den Leh­rern in Gala­ti­en ent­brann­te, lau­tet: Berech­tigt die Befol­gung von Geset­zen und Zere­mo­nien des Juda­is­mus den Men­schen zur gött­li­chen Gunst und Annah­me?

Die kate­go­ri­sche Ant­wort lau­tet: Nein! “Doch weil wir wis­sen, dass der Mensch durch Wer­ke des Geset­zes nicht gerecht wird, son­dern durch den Glau­ben an Jesus Chris­tus.” (Gal 2,16).

Ganz im Gegen­teil: Sol­che, die selbst Erlö­sung durch Wer­ke her­bei­seh­nen, ver­wer­fen und ver­lie­ren die Gna­de Chris­ti (vgl. Gal 2,21; 5,4).

Als Kin­der der Ver­hei­ßung sind Chris­ten Erben (vgl. Gal 4,28; 3,6.7.14.29). Als neue Krea­tu­ren in Chris­tus, geist­ge­führt und mit Chris­tus und Gott Gesetz in ihren Her­zen, ermög­licht durch den Glau­ben, sind sie nicht mehr unrei­fe Kin­der, die einen “Lehr­meis­ter” bedür­fen (vgl. Gal 2, 20; 3, 23–26; 4,1–7; 5, 18; 6, 15; Hebr 8,10).

Wäh­rend die Juden sich ihrer Gerech­tig­keit rühm­ten, waren sie der Mei­nung, dass sie durch eige­ne Anstren­gun­gen das Gesetz hiel­ten und somit gerecht wur­den (vgl. Röm 2,17; 9,4). Dage­gen erken­nen Chris­ten an, dass sie sich nichts rüh­men kön­nen, außer der erlö­sen­den Kraft des Kreu­zes, unse­ren Herrn Jesus Chris­tus (vgl. Gal 6,14).

Der Aus­druck “Gesetz” steht im Gala­ter­brief für die Gesamt­heit (Moral‑, Zivil- und Zere­mo­ni­al­ge­set­ze) der Geset­ze Got­tes für sei­ne Kin­der, die am Sinai offen­bart wur­den. Spä­ter füg­ten die Juden eine Viel­zahl von mensch­li­chen Geset­zen hin­zu. Irr­tüm­li­cher­wei­se glaub­ten sie, dass sie aus sich selbst die­se Geset­ze befol­gen und dadurch erlöst wer­den könn­ten. Der Gala­ter­brief befasst sich nicht so sehr mit die­sen Geset­zen, son­dern viel­mehr mit der fal­schen Vor­stel­lung, dass man sich selbst durch die strik­te Befol­gung der Geset­ze die Erlö­sung erar­bei­ten kann. Somit wer­den zwei Kon­zep­te gegen­über­ge­stellt: Erlö­sung durch den Glau­ben vs. Erlö­sung durch Wer­ke.

Pau­lus erklärt, dass die Ver­hei­ßun­gen des Evan­ge­li­ums (die Erlö­sung der Men­schen durch Chris­tus; der Erlö­sungs­plan) im Bund mit Abra­ham bestä­tigt wur­den, und durch die Offen­ba­rung der gött­li­chen Geset­ze 430 Jah­re spä­ter nicht auf­ge­ho­ben wur­den (vgl. Gal 3,6–9.14–18). Das Gesetz war nicht dazu da, den Bund zu erset­zen oder ande­re Mit­tel der Erlö­sung ein­zu­füh­ren, son­dern dazu, den Men­schen zu hel­fen, die Bedin­gun­gen des Bun­des mit Gott zu ver­ste­hen und wert­zu­schät­zen. Das Gesetz war nicht dazu vor­ge­se­hen, ein Ziel in sich zu sein, wie die Juden glaub­ten, son­dern soll­te im Ein­klang mit den Ver­hei­ßun­gen des Bun­des als Lehr­meis­ter die Men­schen zur Erlö­sung in Chris­tus füh­ren.

Der Zweck des Geset­zes war also, den Men­schen zu Chris­tus zu füh­ren (Röm 10, 4) und nicht, einen ande­ren Weg zur Erlö­sung zu eröff­nen. Die meis­ten Juden blie­ben jedoch in Unwis­sen­heit des Erlö­sungs­pla­nes durch Chris­tus und glaub­ten an ihre eige­ne Gerech­tig­keit durch die Erfül­lung der Wer­ke des Geset­zes (vgl. Gal 2,16; Röm 10,3).

Pau­lus erklärt wei­ter­hin, dass der Bund mit Abra­ham die Erlö­sung für die Hei­den gewähr­leis­tet, wäh­rend das Gesetz dies nicht tat, und die Hei­den somit ihre Erlö­sung durch den Glau­ben an die Ver­hei­ßun­gen für Abra­ham und nicht durch das Gesetz fin­den wür­den (vgl. Gal 3,8.9.14.27–29).

Der gro­ße Irr­tum, der durch die fal­schen Leh­rer bei den Gala­tern ver­brei­tet wur­de, bestand dar­in, die neu bekehr­ten Hei­den dazu zu zwin­gen, sich den zere­mo­ni­el­len Vor­schrif­ten wie z. B. der Beschnei­dung oder dem Befol­gen von bestimm­ten “Tagen, Mona­ten, Zei­ten und Jah­ren” (vgl. Gal 4,10; 5,2) zu beu­gen.

Heu­te ist die­ses Pro­blem nicht mehr rele­vant, da die Chris­ten nicht mehr in Gefahr ste­hen, den ritu­el­len Vor­schrif­ten des Juden­tums zu hul­di­gen (vgl. Gal 4,9; 5,1). Man kann dar­auf jedoch nicht schlie­ßen, dass der Gala­ter­brief ledig­lich von his­to­ri­schem Inter­es­se sei und kei­ner­lei beleh­ren­de Funk­ti­on für den moder­nen Chris­ten habe. Zita­te die­ses Brie­fes in ande­ren Schrif­ten des bibli­schen Kanons zeu­gen davon, dass die­ser für unse­re Tage von gro­ßem Wert und Bedeu­tung ist (vgl. Röm 15,4; 1Kor 10,11; 2Tim 3,16f).

Wie bereits ange­deu­tet bedeu­tet der Begriff “Gesetz” im Gala­ter­brief sowohl das zere­mo­ni­el­le als auch das Moral­ge­setz. Es ist zwei­fel­haft, dass mit “Gesetz” stets die Gesamt­heit aller Geset­ze aus der Tho­ra gemeint ist. Das Zere­mo­ni­al­ge­setz ende­te aus christ­li­cher Per­spek­ti­ve mit dem Tod Jesu am Kreuz (sie­he Anmer­kun­gen zu Kolos­ser 2), jedoch blieb das Moral­ge­setz, wie der Deka­log es auf­zeigt, voll in Kraft (vgl. Mt 5,17.18; Lk 16,17).

Natür­lich besteht auch heu­te die Gefahr, dem Buch­sta­ben des Deka­logs zu fol­gen, ohne sich über des­sen “Geist” Gedan­ken zu machen (vgl. Mt 19,16–22), genau wie die Juden zu den Zei­ten des Pau­lus. Die­se folg­ten dem Opfer­sys­tem, ohne rea­li­siert zu haben, dass es auf Chris­tus hin­wies. Gleich wie sich der moder­ne Christ in Gefahr begibt, durch eige­ne Anstren­gun­gen die Gebo­te Got­tes zu hal­ten, um sich so zu erlö­sen, so ent­fernt auch er sich von der Gna­de Got­tes und wird ein­ge­fan­gen durch das “Joch der Skla­ve­rei” (vgl. Gal 5,1–4). Für ihn ist Chris­tus umsonst gestor­ben (vgl. Gal 2,21). Die War­nung des Briefs an die Gala­ter bleibt wei­ter ein aktu­el­les The­ma. Die wah­ren Chris­ten hal­ten die Gebo­te Got­tes, nicht, um sich selbst zu erlö­sen, son­dern weil sie erlöst sind. Tat­säch­lich kön­nen nur sol­che Men­schen die Gebo­te hal­ten, in denen Chris­tus wohnt.

Die­se War­nung ist auch für sol­che von uns rele­vant, die glau­ben, eine “höhe­re Stu­fe der Gerech­tig­keit” vor Gott zu erlan­gen, indem sie genau­es­tens die Geset­ze bzgl. des christ­li­chen Lebens­stils, wie z. B. Klei­dung oder Ernäh­rung, befol­gen. Somit ver­fal­len sie den­sel­ben Feh­lern wie die Juden zu Leb­zei­ten Jesu (vgl. Röm 14,17; Mk 7,1–14).

Ande­re zah­len den Zehn­ten, gehen wöchent­lich in die Kir­che oder zei­gen sozia­les Enga­ge­ment und geben sich dabei der Illu­si­on hin, sich dadurch eine Gunst in den Augen Got­tes zu erwer­ben. Es ist wahr, dass Chris­ten den gött­li­chen Geset­zen treu fol­gen sol­len, doch tun sie dies nicht in der Hoff­nung, bei Gott etwas zu gewin­nen, son­dern weil sie durch den Glau­ben Freu­de und Glück emp­fin­den, wenn sie in Ein­klang mit dem Wil­len Got­tes leben.

Die wich­tigs­te Lek­ti­on des Brie­fes an die Gala­ter für die Chris­ten heu­te, deckt sich mit der in den Tagen Pau­li. Die Erlö­sung kann nicht anders durch den Glau­ben an die Ver­diens­te Jesu erwor­ben wer­den (vgl. Gal 2,16; 3,2; 5,1). Wei­ter­hin kann der Mensch abso­lut nichts tun, wodurch er sich in ein bes­se­res Licht vor Gott stel­len kann, um Ver­ge­bung und Erlö­sung zu bekom­men. Das Gesetz, sei es Moral- oder Zere­mo­ni­al­ge­setz, hat kei­ner­lei Macht, den Men­schen von sei­nem sünd­haf­ten Zustand zu befrei­en (vgl. Röm 3,20; 7,7). Dies ist auch das Evan­ge­li­um Pau­li im Gegen­satz zu dem, der abge­fal­le­nen Leh­rer (vgl. Gal 1,6–12; 2,2; 5,7.14).

Der Brief schließt mit dem Appell, die neu­ge­fun­de­ne Frei­heit des Evan­ge­li­ums nicht zu miss­brau­chen, son­dern ein hei­li­ges Leben zu füh­ren (vgl. Gal 6). Christ­li­che Lie­be soll­te die Gala­ter dazu füh­ren, sich vor einem fal­schen Geist zu schüt­zen und den­je­ni­gen, die dem Irr­tum ver­fal­len sind, freund­lich zu begeg­nen. Die Gemein­de in Gala­ti­en soll­te für ihre guten Wer­ke, d. h. die Frucht des Geis­tes, bekannt sein und soll­te nicht ver­su­chen, durch gute Wer­ke ihren Glau­ben an die erlö­sen­den Ver­diens­te Jesu Chris­ti zu erset­zen.

Noch­mals zusam­men­ge­fasst: Pau­lus ver­sucht sei­nen Lesern / Hörern klar­zu­ma­chen, dass wir nicht durch Taten, auch nicht durch die „Geset­zes­wer­ke“, das ewi­ge Leben emp­fan­gen wer­den, son­dern durch den Glau­ben an Jesus Chris­tus. Er ver­weist dabei als Begrün­dung auf Abra­ham, des­sen Glau­be ihn vor Gott gerecht mach­te (Gal 3,6f). Das gilt auch für uns, die Kin­der Abra­hams (Gal 3, 7–9, etc.). Streng genom­men war es schon immer seit dem Sün­den­fall so. Als z. B. Abel opfer­te, so tat er es im Glau­ben. Die Opfer waren ja das Sym­bol für das gro­ße ein­ma­li­ge Opfer Jesu Chris­ti. Nicht die Hand­lung, son­dern der Glau­be war für Gott stets der ent­schei­den­de Maß­stab. Die Ver­hei­ßung des Ret­ters und Erlö­sers wur­de unse­ren ers­ten Eltern schon im Para­dies ver­kün­det (1Mo 3, 15) und nur durch den Glau­ben an IHN ist es mög­lich, vor Gott zu bestehen.

Lei­der gab es immer wie­der Men­schen, die glaub­ten, durch Wer­ke gerecht zu wer­den. Schein­bar ver­geb­lich pre­dig­te Jesus in der Berg­pre­digt davon, dass nicht das Äuße­re, son­dern viel­mehr das Inne­re zäh­le. – Die Men­schen klam­mer­ten sich all­zu gern an das Äuße­re und glaub­ten: Wenn sie dies und dies täten, dann wären sie vor Gott gerecht, egal, wie es in ihrem Her­zen aus­sä­he. Tat­säch­lich kann man die Aus­sa­ge im Jako­bus­brief (Glau­be ohne Wer­ke ist tot) umkeh­ren zu: Wer­ke ohne Glau­be sind tot – sie brin­gen nichts, denn nur der Glau­be an den Erlö­ser kann uns ret­ten.

Pau­lus unter­streicht, dass das Gesetz nicht die Ver­hei­ßung Chris­ti bei­sei­te stel­len soll­te. Inter­es­san­ter­wei­se sagt Pau­lus, dass das Gesetz vier­hun­dert­drei­ßig Jah­re nach der Ver­hei­ßung gege­ben wur­de. Die­ses wird indi­rekt in Gal 3,19 wie­der­holt, wo er schreibt, dass es durch Engel und durch die Hand eines Mitt­lers ver­ord­net wur­de. Ich mei­ne, dass mit die­sem Mitt­ler hier Mose gemeint ist (vgl. 5. Mose 5,5).

Wozu das Gesetz?

Die Fra­ge “Was soll dann das Gesetz?” ist ver­mut­lich eine an Pau­lus gestell­te Fra­ge, die er im Fol­gen­den dis­ku­tie­ren will – und auch tut. Die­se Fra­ge ist auch nur logisch: Wenn nicht das Gesetz gerecht machen kann, was soll es dann über­haupt? Er sagt: “Es ist hin­zu­ge­kom­men um der Sün­den wil­len, bis der Nach­kom­me da sei, dem die Ver­hei­ßung gilt.” (Vers 19)

Das ers­te inter­es­san­te Wort, das näher unter­sucht wer­den muss, ist “hin­zu­ge­kom­men” oder “hin­zu­ge­fügt”:

Hin­zu­ge­fügt, griech. pro­s­ti­thē­mi, wört­lich: beglei­tend an das vor­han­de­ne an die Sei­te stel­len, anhän­gen. War­um war das Gesetz “hin­zu­ge­fügt”, wenn der Bund mit Abra­ham für die Erlö­sung maß­geb­lich war? Die Ant­wort lau­tet: „Es wur­de der Über­tre­tun­gen wegen hin­zu­ge­fügt”. Die­se Wor­te erin­nern stark an Jesu Ant­wort bzgl. der Schei­dungs­ge­set­ze. Die Men­schen frag­ten in Mt 19,7: “War­um hat dann Mose gebo­ten, ihr einen Schei­de­brief zu geben und sich von ihr [Frau­en] zu schei­den?” Und Jesus ant­wor­te­te: “Mose hat euch erlaubt, euch zu schei­den von euren Frau­en, eures Her­zens Här­te wegen; von Anfang an aber ist’s nicht so gewe­sen.

Wäre der Mensch so gesinnt, wie Gott, so bräuch­ten wir kei­ne Geset­ze. Es wäre unse­re Natur, zu lie­ben, nie­man­dem Unrecht zu tun, selbst­los und gütig zu sein. So wie die Schei­dungs­ge­set­ze ein­ge­führt wur­den, “wegen der Här­te der Her­zen”, wur­de letzt­end­lich das gan­ze Gesetz gege­ben, “um der Sün­de wil­len”. Könn­ten wir das Dop­pel­ge­bot der Lie­be jeder­zeit erfül­len, wür­den wir das gan­ze Gesetz erfül­len. Jesus sag­te in Mt 22,37–40:

Jesus aber sprach zu ihm: »Du sollst den Herrn, dei­nen Gott, lie­ben von gan­zem Her­zen, von gan­zer See­le und von gan­zem Gemüt« Dies ist das höchs­te und ers­te Gebot. Das ande­re aber ist dem gleich: »Du sollst dei­nen Nächs­ten lie­ben wie dich selbst« In die­sen bei­den Gebo­ten hängt das gan­ze Gesetz und die Pro­phe­ten.” 

Zurück zu Gala­ter 3. Das Gesetz “ist hin­zu­ge­kom­men um der Sün­den wil­len, bis der Nach­kom­me da sei, dem die Ver­hei­ßung gilt.” – Gera­de im Hin­blick auf das, was Pau­lus an ande­ren Stel­len schreibt und was wir ins­be­son­de­re im Hebrä­er­brief lesen, wird deut­lich, dass Pau­lus hier beson­ders Jesus vor Augen hat: Er ist der ver­hei­ße­ne Nach­kom­me, der wah­re Erlö­sung wirkt, wäh­rend die Opfer­ge­set­ze zwar eine süh­nen­de, rei­ni­gen­de und damit recht­lich-wie­der­her­stel­len­de („recht­fer­ti­gen­de“) Funk­ti­on hat­ten, doch nur vor­läu­fig und typo­lo­gisch: Sie fand ihre ulti­ma­ti­ve Erfül­lung im ein­ma­li­gen, voll­kom­me­nen Opfer Jesu Chris­ti, das nicht nur ritu­ell rei­nigt, son­dern das Gewis­sen von der Sün­de befreit und ewi­ge Erlö­sung bewirkt (Hebrä­er 9,12–14). Wei­te­res Opfern ist nicht nur unnö­tig, son­dern wür­de eine Ableh­nung des Opfers Jesu bedeu­ten. Kein Wun­der, dass Pau­lus mit Nach­druck gegen die im Juden­tum ver­haf­te­ten Chris­ten vor­ge­gan­gen ist.

In Römer 7 und 8 führt Pau­lus sogar wei­ter aus, dass der Mensch jedoch nicht in der Lage ist, von sich aus, das Gesetz zu erfül­len. Das bedeu­tet zugleich, dass wir nicht so gesinnt sind, wie Gott und das Gesetz benö­ti­gen (z. B. um Sün­de als sol­che über­haupt zu erken­nen). Ohne Jesus, gäbe es nur das Todes­ur­teil für uns.

Wenn wir vom Gesetz Got­tes spre­chen, müs­sen wir unter­schei­den zwi­schen jenen Vor­schrif­ten, die als typo­lo­gi­scher Vor­schat­ten von Jesus zu sehen sind, und jenen, die Got­tes Cha­rak­ter wider­spie­geln. Der Unter­schied zwi­schen der Zeit vor dem Sinai und der danach bestand nicht dar­in, dass vor dem Sinai die gro­ßen Geset­ze Got­tes nicht exis­tier­ten, son­dern dar­in, dass sie nicht expli­zit offen­bart wur­den – am Sinai wur­de das Moral­ge­setz im Wesent­li­chen auf zwei stei­ner­nen Tafeln und die übri­gen Geset­ze im Buch des Geset­zes prä­sen­tiert. In den Jahr­hun­der­ten vor Sinai hat­ten die Patri­ar­chen das Moral­ge­setz in ihr Herz geschrie­ben und waren sich somit des hohen mora­li­schen Stan­dards Got­tes bewusst (1Mo 17,9; 18,19; 26,5). Sie besa­ßen wei­ter­hin die Grund­zü­ge der Opfer­ge­set­ze. Wäh­rend der lan­gen dunk­len Peri­ode der Skla­ve­rei in Ägyp­ten, wo die Israe­li­ten inmit­ten der Unmo­ral und des Göt­zen­diens­tes des Hei­den­tums leb­ten, ver­lo­ren sie nahe­zu voll­stän­dig das Bewusst­sein für die gött­li­che Moral und das Ver­ständ­nis für die Opfer­vor­schrif­ten. Wenn der Mensch einen sol­chen Zustand erreicht, ver­liert er das Gespür für Sün­de, denn nur durch das “Gesetz” kann die Sün­de erkannt wer­den. “Aber die Sün­de erkann­te ich nicht außer durchs Gesetz.” (Röm 7,7). Als Gott Isra­el aus Ägyp­ten befrei­te, zeig­te er ihm als Ers­tes das Moral­ge­setz, das die Grund­la­ge sei­ner Regie­rung bil­de­te. Er zeig­te den Israe­li­ten auch Zere­mo­ni­al­ge­set­ze, durch die er sie auf das gro­ße Opfer Jesu Chris­ti auf­merk­sam machen woll­te. “Das Gesetz wur­de hin­zu­ge­fügt wegen der Über­tre­tung” (Gal 3,19), “damit die Sün­de über­aus sün­dig wer­de durchs Gebot.” (Röm 7,13). Nur durch eine schar­fe Gegen­über­stel­lung der Israe­li­ten mit dem Gesetz Got­tes, konn­te ihnen bewusst gemacht wer­den, dass sie sich in einem sünd­haf­ten Zustand befan­den und einen Erlö­ser nötig hat­ten, da sie sich trau­ri­ger­wei­se an die mora­li­schen Stan­dards der Ägyp­ter ange­passt hat­ten. Durch die Opfer­ge­set­ze soll­te ihnen im Detail ver­an­schau­licht wer­den, in wel­cher Wei­se Gott sie von ihrer Sün­de befrei­en soll­te.

Man­che Aus­le­ger glau­ben, dass es in der Bibel zwei unter­schied­li­che Heils­we­ge gäbe, näm­lich den einen durch das Gesetz und den ande­ren durch den Glau­ben. Tat­säch­lich gibt es nur den einen, den durch Chris­tus, wie Pau­lus hier zum Aus­druck bringt: Das Gesetz wur­de hin­zu­ge­ge­ben, damit die Sün­de als Sün­de erkannt wer­den kann (vgl. Röm 7). Ohne die typo­lo­gi­sche Erfül­lung aller Opfer durch Jesus Chris­tus, wäre auch kei­ne Ver­ge­bung mög­lich. Denn nie war es wirk­lich das Blut von Tie­ren, das rein gemacht hat, son­dern der Glau­be und die Her­zens­hal­tung (vgl. Hebrä­er 10,4; Psalm 51,18–19)

Aber auch der Aus­druck “bis der Nach­kom­me da sei” muss näher dis­ku­tiert wer­den. Die­ser Satz­teil steht im unmit­tel­ba­ren Zusam­men­hang mit Gal 3,23–27:

Bevor aber der Glau­be kam, wur­den wir unter Gesetz ver­wahrt, ein­ge­schlos­sen auf den Glau­ben hin, der geof­fen­bart wer­den soll­te. Also ist das Gesetz unser Zucht­meis­ter auf Chris­tus hin gewor­den, damit wir aus Glau­ben gerecht­fer­tigt wür­den. Nach­dem aber der Glau­be gekom­men ist, sind wir nicht mehr unter einem Zucht­meis­ter; denn ihr alle seid Söh­ne Got­tes durch den Glau­ben an Chris­tus Jesus. Denn ihr alle, die ihr auf Chris­tus getauft wor­den seid, ihr habt Chris­tus ange­zo­gen.

Bevor der Glau­be kam. Das war bevor den Men­schen unver­kenn­bar deut­lich gemacht wur­de, wie Gott die Men­schen allein durch den Glau­ben ret­ten kann, näm­lich durch Jesu ers­ten Advent, sein per­fek­tes Leben, sei­nen stell­ver­tre­ten­den Tod und sei­ne herr­li­che Auf­er­ste­hung (Joh 3, 16f, 1Tim 3, 16; Joh 1, 17).

Unter dem Gesetz ver­wahrt. Das Gesetz soll­te uns “bewa­chen”, damit wir nicht der Sün­de ver­fal­len, ohne die­se über­haupt zu wis­sen bzw. zu emp­fin­den.

Auf den Glau­ben hin. Vor Jesu Offen­ba­rung als Lamm Got­tes gab es nur die Ver­hei­ßung des kom­men­den Erlö­sers. Die Men­schen muss­ten glau­ben, dass Gott die­ses Ver­spre­chen erfül­len wür­de. Durch Jesu Advent, wur­de das Ver­spre­chen erfüllt und der Glau­be wur­de Rea­li­tät.

Das Gesetz, unser Zucht­meis­ter. Das Gesetz meint das gesam­te offen­bar­te Gesetz Got­tes, in allen Facet­ten. Pau­lus ver­sucht hier bild­lich des­sen Funk­ti­on zu beschrei­ben. Es ist ein Zucht­meis­ter, griech. pai­d­a­gō­gos, also ein Päd­ago­ge, wört­lich: ein Füh­rer für Kin­der (nicht Leh­rer = didas­kal­os). Im grie­chi­schen Haus­halt gab es oft einen pai­d­a­gō­gos, der Jun­gen zur Schu­le beglei­te­te und sie vor Scha­den und Gefah­ren schütz­te. Er hat­te das Recht, sie zu dis­zi­pli­nie­ren, und sie wer­den in der grie­chi­schen Kunst oft mit einem Stab in der Hand dar­ge­stellt. Wenn sie qua­li­fi­ziert waren, durf­ten sie evtl. den Kin­dern bei den Schul­ar­bei­ten hel­fen. Über­trägt man die­ses Bild auf das Gesetz, so dien­te das Gesetz als Auf­se­her oder Bewa­cher der Men­schen des AT, gleich wie pai­d­a­gō­gos mit mora­li­scher Aus­bil­dung beauf­tragt war.

Auf Chris­tus hin. Dies schließt wie­der Ver­se 19 und 23 an: “Das Gesetz wur­de hin­zu­ge­fügt … bis der Nach­kom­me (Jesus) da sei.”. Oder anders gesagt: Die Men­schen waren ” ver­wahrt, ein­ge­schlos­sen” bis Got­tes Erlö­sungs­plan durch Jesu Kom­men offen­bart wur­de. Dabei sei ange­merkt, dass beson­ders die Opfer­ge­set­ze auf Chris­tus hin­wei­sen soll­ten. Aber ander­seits ist es auch wahr, dass das Moral­ge­setz dazu dient, Men­schen zu Chris­tus zu füh­ren, da es ihre Sün­den offen­bart und ihnen zeigt, dass sie Rei­ni­gung durch Chris­tus bedür­fen.

Nach­dem aber der Glau­be gekom­men ist. Nach­dem also die Erlö­sung allein durch den Glau­ben an Jesus Chris­tus in ihrer Klar­heit offen­bar wur­de. Die­ses ist zen­tral, denn es unter­streicht noch­mals den Kern des Anlie­gens Pau­li. Die Fra­ge: Erlö­sung durch das Gesetz (wie eini­ge mein­ten) oder durch den Glau­ben.

Nicht mehr unter einem Zucht­meis­ter. Das ist “nicht mehr unter dem Gesetz”. Eini­ge inter­pre­tie­ren die­se Aus­sa­ge als “nicht mehr unter der Ver­ur­tei­lung des Geset­zes”. Es ist wahr, dass die­se Wor­te an sich so erklärt wer­den kön­nen, aber eine sol­che Auf­fas­sung ist nicht nur unver­träg­lich mit dem Kon­text, son­dern ent­spricht in kei­ner Wei­se dem, was Pau­lus hier aus­drü­cken möch­te. Es war nicht die Funk­ti­on des “Zucht­meis­ters” zu ver­ur­tei­len, son­dern Gerech­tig­keit zu üben und dabei zu bewa­chen und zu beschüt­zen. Pau­lus bezieht sich hier nicht auf die Ver­ur­tei­lung, die aus der Gesetz­lo­sig­keit (Sün­de) resul­tiert, son­dern dis­ku­tiert die Vor­stel­lung, dass Gerech­tig­keit durch das Befol­gen des Geset­zes kom­men kön­ne.

Wir erin­nern uns dar­an, dass ver­schie­de­ne Geset­ze (Moral‑, Zeremonial‑, Gesund­heits- und Zivil­ge­setz) “430 Jah­re nach Abra­ham” den Men­schen offen­bart wur­den. Als Gott die Israe­li­ten aus Ägyp­ten befrei­te, ver­an­schau­lich­te er ihnen u. a. durch Geset­ze die Art und Wei­se, wie er sie erlö­sen wür­de (Zere­mo­ni­al­ge­set­ze als Schat­ten von Chris­tus). Die Geset­ze zeug­ten von dem ver­lo­re­nen Zustand der Men­schen (weil es not­wen­dig wur­de, ihnen auf die­se Art und Wei­se zu ver­mit­teln, was gut und böse ist) und davon, dass Gott für ihre Erlö­sung einen Plan hat­te. Die­se Geset­ze “schlos­sen die Men­schen gewis­ser­ma­ßen ein”, grenz­ten sie in ihrem Zustand aus bis zum Tag ihrer Erlö­sung. Pau­lus beschreibt die Men­schen, die vor dem ers­ten Advent Chris­ti leb­ten, als sol­che, die sich, bild­haft gespro­chen, unter einem “Vor­mund und Pfle­ger” befan­den, “bis zu der Zeit, die der Vater bestimmt hat” (vgl. Gal 4,2). “Als aber die Zeit erfüllt war, sand­te Gott sei­nen Sohn, gebo­ren von einer Frau und unter das Gesetz getan” (vgl. Vers 4).

Und was hat sich für ein Kind Got­tes getan, als Chris­tus gekom­men ist, bezüg­lich des Geset­zes, das unser “Vor­mund und Pfle­ger” war? Die Zere­mo­ni­al­ge­set­ze hör­ten auf, wirk­sam zu sein. Sie wur­den auf die Zeit vor dem Kom­men des Mes­si­as begrenzt und ver­lo­ren mit dem Kreuz ihre Wir­kung. Der ster­ben­de Erlö­ser nahm auf Gol­ga­tha den Platz der geop­fer­ten Tie­re ein, wodurch wei­te­res Opfern sei­nen Sinn ver­lor.

Die Zivil­ge­set­ze, wel­che das Zusam­men­le­ben der Israe­li­ten regel­ten (Rege­lun­gen bei Stra­fen­ta­ten, Unfäl­len, etc.), ver­lo­ren ihre Gül­tig­keit mit dem Zusam­men­bruch von Isra­el als Staat, und Geset­ze, die die Gesund­heit betra­fen, sind heu­te zum Groß­teil über­holt, ohne dabei den eigent­li­chen Sinn der ursprüng­li­chen Geset­ze zu ver­lie­ren.

Die Moral­ge­set­ze, wie die Zehn Gebo­te, befin­den sich nicht mehr auf zwei Stein­ta­feln – sozu­sa­gen außer­halb des Men­schen. Statt­des­sen wer­den die­je­ni­gen, wel­che durch ihren Glau­ben an Chris­tus gerecht gewor­den sind (vgl. Vers 24), zu neu­en Krea­tu­ren in Jesus Chris­tus (vgl. 2Kor 5, 17), denen das Gesetz ins Herz geschrie­ben wor­den ist (vgl. Heb 8, 10).

“Damit die Gerech­tig­keit, vom Gesetz gefor­dert, in uns erfüllt wür­de” (vgl. Röm 8, 4a). Pau­lus besei­tigt hier kei­nes­wegs die Zehn Gebo­te! Er sagt: Wir sind nicht mehr einem Vor­mund unter­stellt, der uns “von außen her” beauf­sich­tigt. Wir han­deln nach dem Geist, nach dem Gesetz in unse­rem Her­zen, das zu unse­rer zwei­ten Natur gewor­den ist. Solan­ge die neu­en Her­zen und Sin­ne der Kin­der Got­tes Bestand haben, wird das gött­li­che Gesetz in ihren Cha­rak­te­ren ein­gra­viert blei­ben.

Ihr habt Chris­tus ange­zo­gen. Gera­de die­je­ni­gen, die sich eng mit Chris­tus ver­bun­den haben, benö­ti­gen den Zucht­meis­ter nicht mehr. Wenn Chris­tus in uns wohnt, ent­spricht es unse­rer Natur, den Wil­len Got­tes zu tun und nicht zu sün­di­gen, d. h., nicht Got­tes Gesetz zu ver­let­zen.

Im Zen­trum der Aus­füh­run­gen von Pau­lus steht die Fra­ge, wel­che Funk­ti­on das Gesetz im Hin­blick auf die Erlö­sung hat, und er ver­sucht deut­lich zu machen, dass das eigent­li­che “Ziel” stets Jesus Chris­tus ist. In Dis­kus­sio­nen bzgl. der Fra­ge, ob der Sab­bat als Ruhe­tag für Chris­ten noch rele­vant ist, wird teil­wei­se auf Gala­ter 3 und 4 ver­wie­sen. Die­ses ist jedoch für die Dis­kus­si­on nicht hilf­reich. Auch sab­bat­hal­ten­de Chris­ten glau­ben, dass sie nicht durch das Gesetz erlöst wer­den. Das Hal­ten des Sab­bats ist kein Erlö­sungs­weg, son­dern nur durch Chris­tus kön­nen wir gerecht­fer­tigt wer­den – durch den Glau­ben an ihn und sein Opfer. Die Fra­gen, die Pau­lus hier dis­ku­tiert, näm­lich die nach dem rech­ten Heils­weg, haben nichts mit der eigent­li­chen Sab­bat­de­bat­te zu tun. Weder das Sab­bat­ge­bot noch das gan­ze Gesetz machen uns vor Gott gerecht. Das gilt auch für alle ande­ren 10 Gebo­te: Nie­mand wird dadurch gerecht, dass er nie gemor­det oder gestoh­len hat.

Es gibt immer wie­der Ver­su­che, die Aus­füh­run­gen Pau­li bzgl. der Funk­ti­on des Geset­zes in Hin­blick auf die Erlö­sung, die am Ende immer auf Jesus Chris­tus hin­aus­läuft, auf ande­re Fra­gen umzu­len­ken, die Pau­lus oft gar nicht im Sinn hat. Pau­lus dis­ku­tiert hier nicht, ob die­ses oder jenes Gebot heu­te noch sinn­voll ist oder von Gott gefor­dert wird. Er dis­ku­tiert Fra­gen bzgl. der Erlö­sung – was ist hier not­wen­dig? Wel­che Funk­ti­on hat das Gesetz dabei?

Nicht nur, dass dabei Gala­ter 3 unan­ge­mes­sen in die Sab­bat­de­bat­te hin­ein­ge­zo­gen wird, auch die spe­zi­fi­schen Pro­ble­me der Gemein­de, wer­den unzu­läs­sig auf die Sab­bat­fra­ge über­tra­gen.

Galater 4

Das Kapi­tel 4 schließt auch gedank­lich an Kapi­tel 3 an. In der Gemein­de in Gala­ti­en haben sich Vor­stel­lun­gen ver­brei­tet, gegen die Pau­lus vor­ge­hen muss. Oft steht die Fra­ge im Vor­der­grund, was man tun muss, um zu “Volk Got­tes” zu zäh­len, bzw. um erret­tet zu wer­den. Streit­the­men waren beson­ders:

  • Recht­fer­ti­gung durch Geset­zes­wer­ke / Sohn­schaft als Ergeb­nis von Leis­tung
  • Not­wen­dig­keit der Beschnei­dung für Hei­den­chris­ten
  • Gesetz als Heils­weg statt als vor­läu­fi­ge Ord­nung
  • Fest­hal­ten an Ritua­len, die sich jedoch auch durch Chris­tus erfüllt haben

Chris­ten, die den Sab­bat als Ruhe­tag ableh­nen, ver­su­chen nun, diver­se Pas­sa­gen so aus­zu­le­gen, dass sie ver­meint­lich gegen den Sab­bat spre­chen wür­den. Wir lesen dazu in Gal 4,8–11:

“8 Aber zu der Zeit, als ihr Gott noch nicht kann­tet, dien­tet ihr denen, die ihrer Natur nach nicht Göt­ter sind. 9 Nun aber, da ihr Gott erkannt habt, ja viel­mehr von Gott erkannt seid, wie wen­det ihr euch dann wie­der den schwa­chen und dürf­ti­gen Mäch­ten zu, denen ihr von Neu­em die­nen wollt? 10 Ihr beach­tet bestimm­te Tage und Mona­te und Zei­ten und Jah­re. 11 Ich fürch­te für euch, dass ich viel­leicht ver­geb­lich an euch gear­bei­tet habe.

Die Gala­ter waren kei­ne Juden, son­dern Hei­den, die sich zum Chris­ten­tum bekehrt haben. Bevor ihnen das Evan­ge­li­um ver­kün­det wur­de, waren sie Göt­zen­die­ner: Sie dien­ten “denen, die ihrer Natur nach nicht Göt­ter sind”. Pau­lus kri­ti­siert die Gala­ter dafür, dass sie sich nach ihrer Bekeh­rung wie­der “den schwa­chen und dürf­ti­gen Mäch­ten” zuwen­den und die­sen “von Neu­em die­nen” wol­len. Ganz offen­sicht­lich bestand die Gefahr, dass die Gala­ter zurück ins Hei­den­tum abrut­schen konn­ten oder alte, heid­ni­sche Ele­men­te mit christ­li­chen ver­mi­schen. Pau­lus spricht von den „schwa­chen und dürf­ti­gen Ele­men­ten“ (stoich­eia) der Welt, unter die man sich nicht knech­ten las­sen soll. Kri­ti­ker ord­nen den Sab­bat die­sen “Ele­men­ten” zu. Doch die Über­tra­gung des Sab­bats auf die­se “schwa­chen und dürf­ti­gen Mäch­te (Ele­men­te)” ist unpas­send. Die Gala­ter waren ja kei­ne Juden, son­dern Hei­den gewe­sen. Wenn sie den alten Din­gen “von Neu­em die­nen” woll­ten, kann sich die­ses kaum auf den Sab­bat bezie­hen, denn die­ser war nicht heid­nisch. “Von Neu­em die­nen” kön­nen die Gala­ter nur Din­gen, die sie zuvor im Hei­den­tum prak­ti­ziert haben. Viel plau­si­bler ist, dass es hier um heid­ni­sche Ele­men­te geht, die sie mit ihrem christ­li­chen Glau­ben ver­misch­ten. Die „Ele­men­te“ bezo­gen sich im anti­ken Kon­text oft auf Astro­lo­gie oder heid­ni­sche Natur­mäch­te. Auch der Vers 10 dürf­te sich eher auf ihren alten heid­ni­schen Fest­ka­len­der bezie­hen, als auf jüdi­sche Fest­ta­ge.

Es ist wahr, dass Pau­lus sich auch gegen die Judai­sie­rer aus­ge­spro­chen hat, die von den Hei­den eine Beschnei­dung for­der­ten oder lehr­ten, dass man aus dem Gesetz durch Wer­ke erlöst wer­den könn­te. Der unmit­tel­ba­re Kon­text von Vers 10 weist hier aber auf die heid­ni­sche Ver­gan­gen­heit der Gala­ter hin.

Erst nach­dem Pau­lus mit emo­tio­na­len Wor­ten sei­ne Zeit unter den Gala­tern beschrie­ben und sei­ne Sor­gen und Ver­bun­den­heit aus­ge­drückt hat, greift er ab Vers 21 erneut die Irr­tü­mer bzgl. Recht­fer­ti­gung durch Geset­zes­wer­ke. In deut­li­chen Wor­ten führt er auch in Gala­ter 5 sei­ne War­nung aus und sagt: “Ihr habt Chris­tus ver­lo­ren, die ihr durch das Gesetz gerecht wer­den wollt, aus der Gna­de seid ihr her­aus­ge­fal­len.” (Gal 5,4) – Dabei schließt auch die Beschnei­dung in Vers 3 mit ein.

Abschlie­ßend kann fest­ge­stellt wer­den, dass weder Gala­ter 3 noch Gala­ter 4 über­zeu­gend als Tex­te gegen den Sab­bat ange­führt wer­den kön­nen, sofern nicht behaup­tet wird, durch das Gesetz oder sogar durch ein ein­zel­nes Gebot, wie das Sab­bat­ge­bot, wür­de man gerecht­fer­tigt wer­den. Mir sind aber kei­ne Sab­bat-Hal­ter bekannt, die eine sol­che gesetz­li­che Sicht ver­tre­ten.


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