Sabbat oder Sonntag?

Die Steintafeln mit den Zehn Geboten. Jemand schlägt mit einem Hammer das vierte Gebot heraus.

Inhalts­ver­zeich­nis:

Wor­um geht es über­haupt?

Was soll das Sab­bat­ge­bot bzw. “Sonn­tags­ge­bot”?

         Vom Sinn des Sab­bats
        Was hat das mit dem Sab­bat zu tun?
         Der Umgang mit dem vier­ten Gebot
         Nur eine jüdi­sche Kult­hand­lung?
         Von der Ver­bind­lich­keit des Sab­bats

Haben die ers­ten Chris­ten in der Bibel den Sonn­tag gehei­ligt?
         Tref­fen der Jün­ger am Sonn­tag – Joh 20,19
         Eine Samm­lung am Sonn­tag – 1Kor 16,2
         Eine nächt­li­che Rede – Apg 20,7–11

Wei­te­re Grün­de für die Sonn­tags- und gegen die Sab­bat­fei­er?
         Sind alle Tage gleich? (Röm 14,5)
         Ste­hen wir unter dem Gesetz?
         Jesus ist am Sonn­tag auf­er­stan­den!
         Jesus hat das Gesetz erfüllt!
         Der Sab­bat war nur für die Juden!
         Der Sab­bat wur­de ans Kreuz gena­gelt! (Kol 2,13–17)

Geschicht­li­ches: War­um wird der Sonn­tag gehei­ligt?

Sab­bat – Zusatz­ma­te­ri­al (Extra­sei­ten)
Kom­men­tar zu Römer 7+8a
Kom­men­tar zu Gala­ter 3
Gab es 321 n. Chr. eine Kalen­der­re­form, die den Wochen­zy­klus ver­än­dert hat?

Worum geht es überhaupt?

Was heißt hier Sab­bat? Jeder Christ geht doch sonn­tags in die Kir­che! Chris­ten sind ja kei­ne Juden! – Auch wenn es man­che Leser ver­wun­dern wird: Es gibt tat­säch­lich auch Chris­ten, die nicht sonn­tags, son­dern am Sab­bat ihren Got­tes­dienst fei­ern.

Die­se Sei­te soll die Hin­ter­grün­de zum The­ma Sams­tag vs. Sonn­tag beleuch­ten.

Was soll das Sabbatgebot bzw. “Sonntagsgebot”?

Vom Sinn des Sabbats

Zunächst eine War­nung: Nie­mand soll­te sich ein­bil­den, er kön­ne irgend­et­was leis­ten, indem er den Sab­bat hält. Got­tes Gebo­te sind kei­ne Check­lis­te, die man ein­fach abhakt. Sie kön­nen in Wirk­lich­keit nur durch die Lie­be zu Gott und den Men­schen erfüllt wer­den. Daher sag­te Jesus:

»Du sollst den Herrn, dei­nen Gott, lie­ben von gan­zem Her­zen, von gan­zer See­le und von gan­zem Gemüt« (5. Mose 6,5). Dies ist das höchs­te und größ­te Gebot. Das ande­re aber ist dem gleich: »Du sollst dei­nen Nächs­ten lie­ben wie dich selbst« (3. Mose 19,18). In die­sen bei­den Gebo­ten hängt das gan­ze Gesetz und die Pro­phe­ten. ” (Mt 22,37–40)

Und Pau­lus for­mu­lier­te die­ses fol­gen­der­ma­ßen:

Denn was da gesagt ist (2. Mose 20,13–17): »Du sollst nicht ehe­bre­chen; du sollst nicht töten; du sollst nicht steh­len; du sollst nicht begeh­ren«, und was da sonst an Gebo­ten ist, das wird in die­sem Wort zusam­men­ge­fasst (3. Mose 19,18): »Du sollst dei­nen Nächs­ten lie­ben wie dich selbst.« Die Lie­be tut dem Nächs­ten nichts Böses. So ist nun die Lie­be des Geset­zes Erfül­lung.” (Röm 13,9–10)

Es liegt völ­lig auf der Hand, dass, wenn jemand Gott und sei­nen Nächs­ten liebt, er oder sie gegen kei­nes der Zehn Gebo­te mut­wil­lig ver­sto­ßen wird.

Jesus hat in der Berg­pre­digt (Mt 5) ver­sucht, den Men­schen klar­zu­ma­chen, was der Kern des Geset­zes ist: Es sind nicht die Buch­sta­ben, son­dern die inne­re Hal­tung. So nennt er jeman­den, der über sei­nen Bru­der zor­nig ist, einen Mör­der, obgleich die­ser sei­nen Bru­der nicht wirk­lich tötet. Obwohl ein Mensch die Buch­sta­ben des Geset­zes erfül­len mag, kann er doch zum Mör­der wer­den (Mt 5,21f).

Die Men­schen glau­ben oft, dass sie bes­ser vor Gott ste­hen, wenn sie bestimm­te Gebo­te oder mensch­li­che Rege­lun­gen ein­hal­ten. Dies ist ein fata­ler Feh­ler, denn wenn Men­schen die Gebo­te Got­tes nur äußer­lich hal­ten, so sind sie wie „die über­tünch­ten Grä­ber, die von außen hübsch aus­se­hen, aber innen vol­ler Toten­ge­bei­ne und lau­ter Unrat sind!“ (Mt 23,27). Davon abge­se­hen ist kein Mensch von sich aus in der Lage, immer Got­tes Wil­len zu tun, wie Pau­lus in Röm 7–8 dar­legt.

Es ändert unse­re Stel­lung in Got­tes Augen nicht, wenn wir regel­mä­ßig zum Got­tes­dienst gehen, viel spen­den oder sogar unser Leben ganz in den Dienst Got­tes stel­len. Wir kön­nen nichts tun, damit wir geret­tet wer­den. Wir wer­den allein durch die Gna­de Got­tes geret­tet.

Nun darf man aber nicht dar­aus schlie­ßen, dass die Gebo­te Got­tes unbe­deu­tend gewor­den sind. Ganz und gar nicht! Die­sen Feh­ler mach­ten schon eini­ge der ers­ten Chris­ten. Dar­um ermahnt uns Johan­nes:

Und dar­an mer­ken wir, dass wir ihn ken­nen, wenn wir sei­ne Gebo­te hal­ten. Wer sagt: Ich ken­ne ihn, und hält sei­ne Gebo­te nicht, der ist ein Lüg­ner, und in dem ist die Wahr­heit nicht.” (1.Joh 2,3.4)

Dar­an erken­nen wir, dass wir Got­tes Kin­der lie­ben, wenn wir Gott lie­ben und sei­ne Gebo­te hal­ten.” (1.Joh 5,2)

Die­se Stel­len kön­nen jedoch miss­ver­stan­den wer­den. Die Aus­sa­ge lau­tet nicht: „Ich hal­te die Gebo­te Got­tes, also lie­be ich Gott.“ Pau­lus hat gegen den hart­nä­cki­gen Irr­tum gekämpft, nach dem unse­re Taten uns recht­fer­ti­gen könn­ten. Die Pha­ri­sä­er haben aus ihrer Sicht auch Got­tes Gebo­te gehal­ten, aber sie haben Gott weder gekannt noch erkannt. Die Aus­sa­ge soll also hei­ßen: „Ich lie­be Gott, also hal­te ich sei­ne Gebo­te!“

Jesus sagt in Johan­nes 15,5:

Ich bin der Wein­stock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.

Natür­lich kön­nen wir ganz viel selbst tun – Athe­is­ten leben und arbei­ten ja auch, ganz ohne Jesus – hier geht es Jesus aber um einen gott­ge­fäl­li­gen Lebens­wan­del. Ohne Jesus kön­nen wir nichts – wirk­lich nichts – tun. Wenn wir uns aber mit Jesus ver­bin­den und uns ganz von ihm abhän­gig machen, dann wer­den wir viel Frucht brin­gen. Pau­lus nennt die Frucht die­ser geis­ti­gen Ver­bin­dung mit Jesus:

Die Frucht aber des Geis­tes ist Lie­be, Freu­de, Frie­de, Geduld, Freund­lich­keit, Güte, Treue, Sanft­mut, Keusch­heit; gegen all dies ist das Gesetz nicht.” (Gal 5,22.23)

Schließ­lich wer­den wir, weil wir Gott lie­ben und unse­re bösen Taten able­gen, auch sei­ne Gebo­te erfül­len. Gott schenkt bei­des, „das Wol­len und das Voll­brin­gen“, und wir dür­fen um bei­des bit­ten! Die Frucht, die wir brin­gen, ist kei­ne Bedin­gung, son­dern eine Ver­hei­ßung, die Johan­nes nie­der­schrieb:

Liebt ihr mich, so wer­det ihr mei­ne Gebo­te hal­ten.” (Joh 14,15)

Was hat das mit dem Sabbat zu tun?

Im Abschnitt „Wur­de der Sab­bat ans Kreuz gena­gelt?“ wird dar­auf hin­ge­wie­sen, dass vie­le alt­tes­ta­ment­li­che Geset­ze noch heu­te gel­ten. Gott ändert sich nie. Das, was er frü­her als Gräu­el bezeich­ne­te, wird heu­te nicht anders beur­teilt. Die Fra­ge ist nun, ob der Sab­bat noch heu­te eine Bedeu­tung für uns hat. Dabei steht außer Fra­ge, dass eini­ge der alt­tes­ta­ment­li­chen Vor­schrif­ten für uns nicht mehr ver­bind­lich sind, da sie ledig­lich als „Anschau­ungs­un­ter­richt“ für das Erlö­sungs­werk Jesu dien­ten (z. B. der Opfer­dienst) oder weil sie durch den heu­ti­gen Wis­sens­stand durch bes­se­re bzw. zeit­kon­for­me­re Vor­schrif­ten abge­löst wur­den (z. B. Umgang mit Lepra­kran­ken, Hygie­ne­vor­schrif­ten etc.). Gilt das Glei­che für den Sab­bat? War er eine tem­po­rä­re Kult­hand­lung oder ist er, wie die ande­ren neun Gebo­te, als Aus­druck der Lie­be Got­tes ewig gül­tig?

Vie­le Chris­ten haben kein Pro­blem damit, wenigs­tens 60 % der Zehn Gebo­te anzu­er­ken­nen und als “ver­bind­lich” zu betrach­ten.

Vie­le Chris­ten haben kein Pro­blem damit, wenigs­tens 60 % der Zehn Gebo­te anzu­er­ken­nen und als ver­bind­lich zu betrach­ten. Sie sehen ein, dass es gut ist, die Eltern zu ehren, nicht zu töten oder zu steh­len oder in der Ehe treu zu sein. Auch Lügen und das Begeh­ren des Eigen­tums unse­rer Mit­men­schen wer­den klar abge­lehnt. Die­se sechs Gebo­te betref­fen die Lie­be zu unse­rem Nächs­ten. Wie steht es um die Lie­be zu Gott? Die ers­ten vier Gebo­te betref­fen unse­re Bezie­hung zu Gott. So heißt es:

Du sollst kei­ne ande­ren Göt­ter haben neben mir.” (2Mo 20, 3)

Das ist schon für vie­le eine Her­aus­for­de­rung. Hängt unser Herz nicht all­zu oft an ande­ren Din­gen wie Geld, Erfolg oder Anse­hen? Beten wir wirk­lich nur Gott an?

Fer­ner heißt es:

Du sollst dir kein Bild­nis noch irgend­ein Gleich­nis machen, weder von dem, was oben im Him­mel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Was­ser unter der Erde ist: Bete sie nicht an und die­ne ihnen nicht! Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifern­der Gott, der die Mis­se­tat der Väter heim­sucht bis ins drit­te und vier­te Glied an den Kin­dern derer, die mich has­sen, aber Barm­her­zig­keit erweist an vie­len Tau­sen­den, die mich lie­ben und mei­ne Gebo­te hal­ten.” (2Mo 20, 4–6)

Lei­der gibt es heu­te eben­so wie damals vie­le Men­schen, die etwas „zum Anfas­sen“ brau­chen, um ihren Glau­ben zu prak­ti­zie­ren. Genau­so wie frü­her Bild­nis­se gemacht wur­den, um sie zu ver­eh­ren, beten Men­schen noch immer Sta­tu­en oder Sym­bo­le an. Sie knien vor ihnen nie­der, nut­zen Schutz­amu­let­te oder medi­tie­ren vor hei­li­gen Bil­dern. Das zwei­te Gebot steht in solch einem deut­li­chen Wider­spruch zu den Prak­ti­ken der römisch-katho­li­schen Kir­che, dass sie das zwei­te Gebot aus dem Deka­log des Kate­chis­mus ent­fern­te. Lei­der hat sich die evan­ge­li­sche Kir­che in ihrem Kate­chis­mus dem ange­schlos­sen.

Du sollst den Namen des HERRN, dei­nes Got­tes, nicht miss­brau­chen; denn der HERR wird den nicht unge­straft las­sen, der sei­nen Namen miss­braucht.” (2Mo 20, 7)

Auch das drit­te Gebot wird des Öfte­ren über­tre­ten. Wie oft wird „Gott“ oder „Jesus“ in den Mund genom­men, um ledig­lich Ärger oder Wut aus­zu­drü­cken? Wie oft wird Gott ins Lächer­li­che gezo­gen?

Der Umgang mit dem vierten Gebot

Aber auch das vier­te Gebot wird kaum beach­tet. Es lau­tet:

Geden­ke des Sab­bat­ta­ges, dass du ihn hei­li­gest. Sechs Tage sollst du arbei­ten und alle dei­ne Wer­ke tun. Aber am sie­ben­ten Tage ist der Sab­bat des HERRN, dei­nes Got­tes. Da sollst du kei­ne Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, dei­ne Toch­ter, dein Knecht, dei­ne Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremd­ling, der in dei­ner Stadt lebt. Denn in sechs Tagen hat der HERR Him­mel und Erde gemacht und das Meer und alles, was dar­in­nen ist, und ruh­te am sie­ben­ten Tage. Dar­um seg­ne­te der HERR den Sab­bat­tag und hei­lig­te ihn.” (2Mo 20, 8–11)

Geden­ke des Sab­bat­ta­ges, dass du ihn hei­li­gest.” – Vie­le Chris­ten leben in dem Irr­tum, dass der Sonn­tag der Sab­bat und der sieb­te Tag der Woche sei. In Deutsch­land wur­de durch die DIN-Norm 1355 (1975) der Mon­tag zum ers­ten Wochen­tag bestimmt, was den Sonn­tag zum sieb­ten Tag macht. Biblisch und tra­di­tio­nell ist jedoch der Sams­tag (hebr. Schab­bat) der sieb­te Tag.

Weil über die Jahr­hun­der­te der Sonn­tag immer mehr ins Zen­trum des christ­li­chen Lebens gerückt ist, hat die römisch-katho­li­sche Kir­che schließ­lich die Zehn Gebo­te so weit geän­dert, dass es heu­te im Kate­chis­mus heißt: „Du sollst den Fei­er­tag hei­li­gen“. Die Refor­ma­to­ren hat­ten es lei­der ver­säumt, sich auch von die­sem Irr­tum frei zu machen, und ihre Nach­fol­ger ver­su­chen heu­te, die Sonn­tags­hei­li­gung auf zwei­er­lei Wei­se zu begrün­den: ent­we­der durch Bibel­stel­len, die schein­bar eine Sonn­tags­hei­li­gung recht­fer­ti­gen, oder indem behaup­tet wird, das Gesetz (oder nur der Sab­bat) habe sei­ne Bedeu­tung ver­lo­ren. Wir sei­en vom Gesetz frei und somit sei­en auch Got­tes Gebo­te über­flüs­sig. Der Sab­bat sei nur für die Juden bestimmt gewe­sen. Daher tref­fe man sich am Sonn­tag aus tra­di­tio­nel­len und kul­tu­rel­len Grün­den.

Wenn man die Bibel nicht nur stel­len­wei­se liest, son­dern den Kon­text der jewei­li­gen Tex­te berück­sich­tigt, wird klar, dass Pau­lus nicht die Gesetz­lo­sig­keit meint, wenn er von der Frei­heit vom Gesetz spricht (sie­he Anmer­kun­gen zu Römer 7 und 8). Betrach­tet man allein das Sab­bat­ge­bot, so wird eben­falls deut­lich, dass es nicht nur für Juden, son­dern auch für Kin­der, Ange­stell­te, Frem­de (= Hei­den) und sogar für das Vieh gel­ten soll­te. Jesus selbst bestä­tigt, dass der Sab­bat für alle Men­schen gedacht ist (Mk 2,27).

Dann wird wie­der­um behaup­tet, der Sab­bat wäre Teil des alten Bun­des und dar­um ohne Bedeu­tung für uns. Auch hier wer­den Wahr­heit und Unwahr­heit ver­mischt: Der Sab­bat war selbst­ver­ständ­lich ein Teil des alten Bun­des, aber das Gebot „Du sollst nicht töten“ war es eben­so, und nie­mand wür­de behaup­ten, dass wir jetzt töten dür­fen, weil das Gebot ein Teil des alten Bun­des war. Auch ande­re alt­tes­ta­ment­li­che Geset­ze haben noch heu­te ihre Bedeu­tung. Übri­gens ist die Sum­me aller Geset­ze und Gebo­te, sprich das „wich­tigs­te Gebot“ (Mt 22,37–40), nichts ande­res als die Ver­bin­dung zwei­er Gebo­te aus dem Alten Tes­ta­ment.

Nur eine jüdische Kulthandlung?

Auf die Behaup­tung, dass der Sab­bat „ans Kreuz gena­gelt“ wur­de, wird an ande­rer Stel­le ein­ge­gan­gen. Die eigent­li­che Fra­ge lau­tet: Ist der Sab­bat nur ein Sinn­bild auf Jesus hin und genau­so zu ver­ste­hen wie bei­spiels­wei­se der Opfer­dienst, der ledig­lich eine kul­ti­sche Lehr­hand­lung dar­stell­te? Die ritu­el­len Hand­lun­gen, d. h. Sinn­bil­der oder „Schat­ten“, wie Pau­lus sie in Kolos­ser 2 bezeich­net, sind in der Tat durch Jesus in Erfül­lung gegan­gen und haben ihren Zweck erfüllt. Sie sind für uns nicht mehr bin­dend. Pau­lus schreibt in Bezug auf die Beschnei­dung, dass nicht die äuße­re, ritu­el­le Beschnei­dung, son­dern die inne­re Beschnei­dung zählt (Röm 2,28–29; Phil 3,3; Kol 2,11). Aber ist auch der Sab­bat als eine ritu­el­le Hand­lung zu ver­ste­hen?

Um die ech­te Bedeu­tung des Sab­bats zu klä­ren, müs­sen fol­gen­de Punk­te unter­sucht wer­den:

1. Wann und war­um wur­de der Sab­bat geschaf­fen?

2. Was ist Sab­bat­hei­li­gung? Han­delt es sich um eine Kult­hand­lung?


Ad 1: Wie wir in 2. Mose 20,8–11 lesen, wur­de die beson­de­re Rol­le des sieb­ten Wochen­ta­ges am Ende der Schöp­fungs­wo­che erst­ma­lig erwähnt. Aller­dings fin­det sich im Alten Tes­ta­ment kein direk­ter Hin­weis dar­auf, dass der Sab­bat, wie er in 2. Mose 20 beschrie­ben wird, seit der Schöp­fung von den Men­schen tat­säch­lich gehal­ten wur­de. Man fin­det kei­ne Text­stel­le, die vor dem Exodus die Sab­bat­hei­li­gung expli­zit beschreibt. Auf der ande­ren Sei­te ist zu beto­nen, dass die Sab­bat­hei­li­gung schon vor dem Berg Sinai (2. Mo 19,1f) ein­ge­führt wur­de (sie­he 2. Mo 16,23). Fer­ner kann die vor­wurfs­vol­le Fra­ge „Wie lan­ge wei­gert ihr euch, mei­ne Gebo­te und Wei­sun­gen zu hal­ten?“ (2. Mo 16,28) in Bezug auf den Sab­bat auch dahin­ge­hend inter­pre­tiert wer­den, dass Gott den Men­schen schon frü­her über den Sab­bat auf­ge­klärt hat. Zudem berich­tet die Bibel, dass Abra­ham den Zehn­ten zahl­te (Hebr 7,2), obgleich nicht berich­tet wird, dass er von Gott expli­zit dazu auf­ge­for­dert wur­de. Noch deut­li­cher ist die fol­gen­de Bibel­stel­le:

… weil Abra­ham mei­ner Stim­me gehor­sam gewe­sen ist und gehal­ten hat mei­ne Rech­te, mei­ne Gebo­te, mei­ne Wei­sun­gen und mein Gesetz.” (1Mo 26,5)

Abra­ham hielt Got­tes Rech­te, Gebo­te, Wei­sun­gen und Gesetz(!), ohne dass uns über­lie­fert wur­de, wie und wann er oder sei­ne Vor­fah­ren sie emp­fan­gen haben. Nur weil die Bibel vor dem Berg Sinai kei­ne Sab­bat­ge­bots­ver­kün­di­gung expli­zit beschreibt, beweist dies nicht, dass das Gebot den Men­schen unbe­kannt war, wie man­che mei­nen. Es ist mög­lich, dass der Sab­bat schon vor Sinai bekannt war, aber die Bibel dies genau­so wenig berich­tet, wie die Bekannt­ga­be der “Rech­te, Gebo­ten, Wei­sun­gen” und des “Geset­zes”, die in 1Mo 26,5 ange­spro­chen wur­den.

Es ist zu bezwei­feln, dass der Sab­bat nur für die Juden und eine bestimm­te Zeit geschaf­fen wur­de, denn dies wider­spricht dem Segen, den der Sab­bat für alle Men­schen bereit­hält.

Ad 2: Es ist anzu­mer­ken, dass der Ruhe­tag Got­tes vor dem Sün­den­fall des Men­schen gegrün­det wur­de. Er ist somit nicht Teil eines Anschau­ungs­un­ter­richts für das Erlö­sungs­werk Jesu. Um die wah­re Funk­ti­on des Sab­bats zu erken­nen, ist es not­wen­dig, ver­schie­de­ne Bibel­stel­len genau­er zu betrach­ten.

In der Bibel lesen wir, dass der Schöp­fer am sieb­ten Tag ruh­te und ihn hei­lig­te und seg­ne­te (1. Mo 2,3), und Jesus sagt in Mar­kus 2,27: „Der Sab­bat ist um des Men­schen wil­len gemacht.“ – Gott hat den Sab­bat nicht für sich (z. B. weil er selbst erschöpft war), son­dern für die Men­schen gemacht! Es ergibt sich dar­aus, dass Gott den Sab­bat als einen beson­de­ren Segen für den Men­schen bestimmt hat. Der Ruhe­tag wur­de also von Gott gehei­ligt (zur Ehre Got­tes) und geseg­net (für den Men­schen).

Es ergibt durch­aus Sinn, über die Bedeu­tung des Wor­tes „hei­li­gen“ (in 1. Mo 2 und 2. Mo 20) ein paar Wor­te zu ver­lie­ren. Das hebräi­sche Pen­dant lau­tet קָדַשׁ (qada­sh) und kann auch mit „(ab)trennen (als hei­lig)“, „unter­schei­den“ oder „wid­men“ über­setzt wer­den. Der Sab­bat wird also durch das Unter­schei­den oder Abtren­nen von den gewöhn­li­chen Wochen­ta­gen „hei­lig“. Hal­ten wir fest: Gott hat einen Wochen­tag (vor dem Sün­den­fall und vor jeg­li­chen Bün­den und Natio­nen) von den übri­gen Tagen abge­trennt („gehei­ligt“) und spä­ter von den Men­schen eben­falls eine „Hei­li­gung“, also ein Unter­schei­den der Wochen­ta­ge, gefor­dert. Ist es nicht selt­sam, dass – wie man­che Chris­ten behaup­ten – die Hei­li­gung und der Segen, der auf die­sen Tag gelegt wur­de, irgend­wann ein Ende gefun­den haben sol­len?

Die Hei­li­gung des Sab­bats im Alten Tes­ta­ment hat sich ent­spre­chend die­ser Bedeu­tung dar­in geäu­ßert, dass die all­täg­li­che Arbeit ruh­te und der Tag für Gott abge­trennt und ihm gewid­met wur­de. Daher traf man sich am Sab­bat in der Syn­ago­ge. Das Sab­bat­ge­bot in 2. Mose 20 sagt expli­zit, dass alle Geschöp­fe nicht arbei­ten, son­dern ruhen sol­len, um den Sab­bat zu hei­li­gen. In die­sem Sin­ne kann die For­mu­lie­rung des Sab­bat­ge­bo­tes (also das „Ver­bot“ zu arbei­ten) als Aus­for­mu­lie­rung der wirk­li­chen Sab­bat­hei­li­gung gese­hen wer­den. Das Nicht-Arbei­ten, also das Ruhen­las­sen der welt­li­chen Din­ge, ist jedoch nur ein Aspekt der Hei­li­gung.

Die Fra­ge nach dem „Sinn“ des Sab­bats lässt sich wie folgt beant­wor­ten: Der Sab­bat wur­de als Segen für die Men­schen geschaf­fen. Zudem fun­giert er als Gedächt­nis­tag, an dem der Mensch an sei­nen Schöp­fer erin­nert wird (2. Mo 20,8–11). Dadurch, dass die all­täg­li­che Arbeit gemie­den wird, bie­tet sich dem Men­schen die Mög­lich­keit, Gott frei von ande­ren Sor­gen und Ver­pflich­tun­gen zu begeg­nen. War­um soll­te Gott die­sem Segens­s­tag auf Gol­ga­tha ein Ende set­zen?

Der Sab­bat als Ruhe­tag passt per­fekt zum natür­li­chen Bedürf­nis nach Erho­lung: Es hat sich erwie­sen, dass der 7‑Ta­ge-Zyklus für den mensch­li­chen Orga­nis­mus sehr posi­tiv ist. Ver­su­che in den letz­ten Jahr­hun­der­ten, eine 10-Tage-Woche (Fran­zö­si­sche Revo­lu­ti­on (1793–1805)) oder eine 5- oder 6‑Ta­ge-Woche (Sowjet­uni­on (1929–1931)) ein­zu­füh­ren, schei­ter­ten kläg­lich. Natür­lich ist das kein Beweis dafür, dass die Ein­hal­tung des Sab­bats noch heu­te von Gott gefor­dert wird, wohl aber ein Hin­weis dar­auf, dass der wöchent­li­che Ruhe­tag auch heut­zu­ta­ge einen tie­fen Sinn hat.

Es ist eher unwahr­schein­lich, dass der Sab­bat eine rein ritu­el­le Kult­hand­lung war. Natür­lich kann der Sab­bat rein for­mell, also äußer­lich gehal­ten und den­noch nicht rich­tig gehei­ligt wer­den. Wenn man nur die Buch­sta­ben des Geset­zes sieht und nicht ihren Sinn ver­steht, begeht man den glei­chen Irr­tum wie die Pha­ri­sä­er zur Zeit Jesu. Genau­so wie bei­spiels­wei­se die Gebo­te „Du sollst nicht töten“ oder „Du sollst nicht begeh­ren …“ durch schlech­te Gedan­ken und Man­gel an Lie­be gebro­chen wer­den kön­nen (Mt 5), kann auch die Sab­bat­hei­li­gung miss­ver­stan­den wer­den – näm­lich als eine rei­ne Form­sa­che.

Im Grun­de hat die Fei­er­tags­hei­li­gung sehr viel mit unse­rer Bezie­hung zu Gott zu tun, und zwar in zwei­er­lei Hin­sicht: Durch die Hei­li­gung des Tages, also dadurch, dass wir den Tag „abtren­nen“ und ihn unse­rem Schöp­fer und Erlö­ser wid­men, set­zen wir zumin­dest ein­mal pro Woche ganz bewusst Gott an die ers­te Stel­le. Natür­lich wäre es noch viel bes­ser, wenn wir jeden Tag zu einem Sab­bat machen könn­ten, doch lei­der sind die meis­ten von uns dar­auf ange­wie­sen, ihr Brot „sau­er zu ver­die­nen“. Den­noch erwar­tet auch Gott von uns, dass wir Zeit mit ihm ver­brin­gen wol­len. Über­tra­gen wir unse­re Bezie­hung zu Gott auf das Zwi­schen­mensch­li­che, so erwar­tet ein Part­ner vom ande­ren, dass die­ser eine fes­te Ver­ab­re­dung ein­hält – und erst recht, dass der ande­re ihn auch wirk­lich tref­fen will. Da wah­re Sab­bat­hei­li­gung kei­ne rein for­mel­le Hand­lung ist, wird auch die­ses Gebot durch die Lie­be (in die­sem Fal­le zu Gott und unse­ren Mit­men­schen) erfüllt. Die Lie­be soll­te uns moti­vie­ren, uns Zeit für Gott (oder unse­ren Part­ner) zu neh­men.

Dazu kommt ein wei­te­rer Aspekt, der in unse­rem Kul­tur­kreis und in unse­rer Zeit kaum Beach­tung fin­det: der Gehor­sam (z. B. gegen­über den Eltern oder Gott). Auch wenn uns Gehor­sam und Lie­be heu­te oft wie ein Wider­spruch erschei­nen, so kann – muss aber nicht – auch hier die Lie­be gefun­den wer­den: Die Lie­be zu Gott besteht hier­bei dar­in, dass wir auf das hören, was er uns sagt, und ihm ganz ver­trau­en – auch wenn wir es nicht ganz ver­ste­hen oder wenn es uns selbst gera­de nicht gefällt. Er, der Vater, weiß, was gut für uns ist. Dadurch, dass die eige­nen Wün­sche zurück­ge­stellt wer­den und – wie in Mat­thä­us 21,28–29 beschrie­ben – ein Kind letzt­end­lich doch den Wil­len des Vaters tut, zeigt sich die wah­re Lie­be zum Vater.

Von der Verbindlichkeit des Sabbats

Soll­te man nicht selbst den Ruhe­tag bestim­men? Sind nicht “alle Tage gleich”?

Die Bibel kennt nur einen Wochen­tag, der für Gott abge­son­dert wur­de: den sieb­ten Tag der Woche. Auf die­sen Tag legt Gott sei­nen Segen. Die Behaup­tung, dass alle Tage gleich sei­en und es egal sei, ob ich mir den Mon­tag, Mitt­woch oder Sonn­tag als Ruhe­tag aus­su­che, wür­de die­sem beson­de­ren Segen wider­spre­chen. Gott hat den Men­schen nicht gebo­ten, „mal eine Pau­se zu machen, wenn sie Lust haben“, son­dern er hat den Men­schen einen kon­kre­ten Tag genannt, an dem sie den All­tag bei­sei­te­le­gen sol­len, um dem Schöp­fer zu begeg­nen. Unse­re Bezie­hung zu Gott basiert auf Lie­be, die Gehor­sam ein­schließt, und nicht auf dem Lust­prin­zip oder unse­rer per­sön­li­chen Mei­nung.

Natür­lich ist es nicht so, dass in den ers­ten Jahr­hun­der­ten eini­ge Chris­ten ein­fach so dazu über­ge­gan­gen sind, den Sonn­tag statt des Sab­bats zu hei­li­gen. Sie hat­ten auch ihre Grün­de, die spä­ter erör­tert wer­den sol­len. Ein Blick in die Geschich­te (und in die Bibel) zeigt jedoch, dass es vie­le Chris­ten gab, die noch lan­ge nach Jesu Kreu­zi­gung den Sab­bat fei­er­ten und kei­nes­wegs über­zeugt waren, man kön­ne sich den Fei­er­tag ein­fach aus­su­chen. Ein kla­rer Hin­weis dar­auf, dass weder Jesus noch die Apos­tel den Sonn­tag als Ersatz ein­ge­führt hat­ten:

“Als die Por­tu­gie­sen Afri­ka umse­gel­ten, stell­ten sie erstaunt fest, dass die Äthio­pi­er Chris­ten waren. Es ver­wirr­te die Por­tu­gie­sen außer­dem, dass die­ses Volk nicht den Sonn­tag fei­er­te, son­dern den sieb­ten Tag der Woche, den Sab­bat (Sams­tag). Als eine äthio­pi­sche Gesandt­schaft 1534 n. Chr. am Königs­hof von Lis­sa­bon dar­über befragt wur­de, gab sie fol­gen­de Ant­wort:

Weil Gott, nach­dem er die Schöp­fung der Welt voll­endet hat­te, an dem­sel­ben ruh­te; da nun Gott die­sen Tag den hei­li­gen genannt haben will, so scheint die Nicht­be­ach­tung des­sel­ben deut­lich gegen Got­tes Wil­len und Gebot, wel­cher eher Him­mel und Erde ver­ge­hen lässt, als sein Wort, und dies beson­ders, da Chris­tus nicht kam, das Gesetz zu zer­stö­ren, son­dern zu erfül­len. Es geschieht des­halb nicht, um die Juden nach­zu­ah­men, son­dern aus Gehor­sam gegen Chris­tus und sei­ne Apos­tel, dass wir die­sen Tag fei­ern.” (Dr. Geddes, Church Histo­ry of Ethio­pia, S. 87, 88)” (Aus­schnitt aus dem Info­brief der Stim­me der Hoff­nung, Febru­ar 2001)

Es gibt auch ver­schie­de­ne bibli­sche Argu­men­te, die für die Sab­bat­hei­li­gung spre­chen:

Jesus hat die­se Gebo­te (die Zehn Gebo­te) in der Berg­pre­digt nicht für auf­ge­ho­ben erklärt, son­dern ihre Gül­tig­keit bis zum Welt­ende bestä­tigt (Mt 5,17–20). Er hat sie sogar an zwei Bei­spie­len noch ver­stärkt (Mt 5,21.22.27.28). Jesus besuch­te regel­mä­ßig den Got­tes­dienst am Sab­bat (Lk 4,16). … Sei­ne Nach­fol­ger soll­ten dar­um beten, in schwie­ri­gen Zei­ten nicht an die­sem Tag flie­hen zu müs­sen (Mt 24,20). Laut Jesa­ja wer­den die Gläu­bi­gen den Sab­bat auch auf der neu­en Erde fei­ern (Jes 66,22.23). So ist es kein Wun­der, dass die Apos­tel am Sab­bat pre­dig­ten, wäh­rend sie wochen­tags arbei­te­ten oder wei­ter­zo­gen (Apg 18,1–4).” (eben da)

Dass Pau­lus den Sonn­tag als Arbeits­tag und als Rei­se­tag nutz­te, wird aus Apg 18,1–4 und den Anmer­kun­gen zu Apg 20,7f deut­lich.

Zwar wird oft behaup­tet, dass sich Pau­lus mit den Juden am Sab­bat nur unter­hal­ten habe (Apg 16,13; 17,2; 18,4), um „den Juden ein Jude zu sein“ und nicht etwa, weil er den Sab­bat hal­ten woll­te, doch die­se Behaup­tung bleibt unbe­wie­sen. Im Gegen­teil: Da er sich mit Juden UND Grie­chen (also Hei­den) am Sab­bat getrof­fen und sie unter­wie­sen hat, ist es wahr­schein­lich, dass er nach dem han­del­te, was Johan­nes wie folgt for­mu­lier­te:

Wer sagt, dass er in ihm bleibt, der soll auch leben, wie er gelebt hat.” (1.Joh 2,6)

So wie Jesus am Sab­bat in den Syn­ago­gen lehr­te, ging auch spä­ter Pau­lus am Sab­bat hin und lehr­te das Volk.

Dass Jesus den Sab­bat nicht auf­ge­ho­ben hat, zeigt sich unter ande­rem auch dar­an, dass sei­ne Nach­fol­ger nach der Kreu­zi­gung „nach dem Gesetz“ ruh­ten (Lk 23,56). Die bemer­kens­wer­te Bibel­stel­le Mt 24,20, in der Jesus sei­nen Jün­gern sagt, sie sol­len beten, dass sie nicht am Sab­bat flie­hen müs­sen, ist eben­falls ein deut­li­cher Hin­weis. Inter­es­san­ter­wei­se hat selbst Jesus, als er gestor­ben war, am Sab­bat geruht – näm­lich im Grab! Es wäre sicher­lich kei­ne Schwie­rig­keit für ihn gewe­sen, gleich am Mor­gen nach sei­nem Tod auf­zu­er­ste­hen, aber er tat es erst am drit­ten Tag.

Auch der Blick in die Zukunft (Jes 66,22.23) ist inter­es­sant, wo direkt oder indi­rekt auf den Sab­bat ange­spielt wird. Außer­dem wur­den die Zehn Gebo­te in der Bun­des­la­de auf­be­wahrt. Auch im Him­mel steht eine sol­che Lade! (Offb 11,19) Ist die­se Lade leer? Oder fin­den sich in ihr die glei­chen mora­li­schen Maß­stä­be, die Gott den Men­schen einst ver­kün­det hat und nach denen er auch ein­mal rich­ten wird? Der Pre­di­ger sagt in Pred 12,13–14:

Das End­ergeb­nis des Gan­zen lasst uns hören: Fürch­te Gott und hal­te sei­ne Gebo­te! Denn das soll jeder Mensch tun. Denn Gott wird jedes Werk, es sei gut oder böse, in ein Gericht über alles Ver­bor­ge­ne brin­gen.

Zum Abschluss will ich noch ein­mal beto­nen, dass das Ein­hal­ten des Sab­bat­ge­bo­tes kei­ne rein äuße­re Hand­lung, son­dern eine Her­zens­sa­che ist. So wie jedes Werk, das nicht aus Liebe geschieht, vor Gott nutz­los ist, ist auch das Sab­bat­hal­ten wert­los, wenn es nicht von Her­zen kommt. Dies darf nie verges­sen wer­den.


Haben die ersten Christen in der Bibel den Sonntag geheiligt?

Die acht Bibel­stel­len im Neu­en Tes­ta­ment, die vom Sonn­tag, dem ers­ten Tag der Woche, berich­ten … Lie­fern sie eine Grund­la­ge für die Hei­li­gung des Sonn­tags?

Mt 28, 1, Mk 16, 2, Mk 16, 9, Lk 24, 1 und Joh 20, 1

Die­se Stel­len berich­ten von dem groß­ar­ti­gen Ereig­nis der Auf­er­ste­hung Jesu – mehr nicht! Die Behaup­tung, dass die Zeit­an­ga­be in die­sen Berich­ten den Sab­bat abschaf­fen und den Sonn­tag ein­set­zen wür­de, ist nicht schlüs­sig.

Treffen der Jünger am Sonntag – Joh 20, 19

Hier haben sich die Jün­ger in der Tat am Sonn­tag ver­sam­melt, aber ist dies eine Ver­samm­lung im Sin­ne des Got­tes­diens­tes und der Anbe­tung? Auf kei­nen Fall! Man beach­te, dass die Jün­ger Angst hat­ten. Vor weni­gen Tagen wur­de ihr Meis­ter ver­haf­tet und umge­bracht! Die Jün­ger ver­such­ten sich zu ver­ber­gen und ver­schlos­sen die Türen. Dies dürf­ten sie nicht ledig­lich an dem hier erwähn­ten Sonn­tag getan haben. Nichts weist dar­auf hin, dass es sich bei die­ser Ver­samm­lung um einen Got­tes­dienst han­del­te. Völ­lig absurd ist die Behaup­tung, dass es sich hier um eine „Auf­er­ste­hungs­fei­er“ han­deln soll: Zu die­sem Zeit­punkt glaub­ten die Jün­ger zum Groß­teil gar nicht an die Auf­er­ste­hung (vgl. Mk 16,11–14).

Eine Sammlung am Sonntag – 1Kor 16,2

Ist es der Beweis? Eine Samm­lung am Sonn­tag, so wie wir es in der Kir­che ken­nen, oder? Wor­um geht es eigent­lich? Pau­lus ord­net Samm­lun­gen für die Gemein­de in Jeru­sa­lem an. Die­se Samm­lun­gen sol­len nicht in der Gemein­de durch­ge­führt wer­den, son­dern „ein jeder lege bei sich zurück und sam­me­le“! Bereits nach dem Sab­bat soll­te jeder zu Hau­se etwas zur Sei­te legen. Die­se Hal­tung hat eine jüdi­sche Tra­di­ti­on. Rab­bi Ela­zar ben Chana­niah ermahnt (zitiert in Mek­hil­ta von Rab­bi Yishma­el), bereits ab Sonn­tag – d. h. vom Beginn der Woche an – bestän­dig an den Sab­bat zu den­ken und Gele­gen­hei­ten zu nut­zen, um alles, was lieb und teu­er ist, recht­zei­tig für den Sab­bat bei­sei­te­zu­le­gen.

Außer­dem hat die­ses Vor­ge­hen einen prak­ti­schen Nut­zen: Gott und sein Werk haben Vor­rang. Legt man etwas am Anfang der Woche zur Sei­te, kommt man nicht in Ver­le­gen­heit, alles, was man hat, vor­zei­tig im Tru­bel der Woche aus­zu­ge­ben, sodass am Ende der Woche nichts mehr erüb­rigt wer­den kann. Zudem konn­te ver­hin­dert wer­den, dass die Samm­lung erst durch­ge­führt wird, wenn Pau­lus ein­trifft, da dann vie­le ande­re Ange­le­gen­hei­ten auf der Tages­ord­nung ste­hen wür­den. Da es Pau­lus’ Gewohn­heit war, am Sab­bat zu pre­di­gen (sie­he Apg 17,1–2) – und zwar auch den Hei­den (sie­he Apg 13,42–44 und 18,4) – und er hier offen­bar „typisch jüdisch“ denkt, spre­chen die­se Stel­len ein­deu­tig gegen eine Sonn­tags­fei­er!

Eine nächtliche Rede – Apg 20, 7–11

Die­se Stel­le bedarf einer sorg­sa­men Unter­su­chung! Betrach­ten wir zunächst Vers 7.8:

Am ers­ten Tag der Woche aber, als wir ver­sam­melt waren, das Brot zu bre­chen, pre­dig­te ihnen Pau­lus, und da er am nächs­ten Tag wei­ter­rei­sen woll­te, zog er die Rede hin bis Mit­ter­nacht. Und es waren vie­le Lam­pen in dem Ober­ge­mach, wo wir ver­sam­melt waren.

Vie­le Chris­ten wol­len in der Zeit­an­ga­be in Vers 7 den Hin­weis auf eine regu­lä­re Sonn­tags­ver­samm­lung sehen. Betrach­tet man die Zeit näher, so fin­det man her­aus, dass an dem Ver­samm­lungs­ort Lam­pen brann­ten, es also Abend war. Zwei Mög­lich­kei­ten kom­men dabei infra­ge: der Abend vor dem Sonn­tag (Sams­tag­abend) oder nach dem Sonn­tag. Die Ent­schei­dung hängt davon ab, ob Lukas die jüdi­sche Zeit­rech­nung (der Tag fängt am Abend an) oder die römi­sche (der Tag fängt um Mit­ter­nacht an) benutz­te. Ent­spre­chend wür­de es sich in Apg 20,7 um einen Sams­tag­abend oder die Nacht von Sonn­tag auf Mon­tag han­deln. Da in Lukas 23,54 der­sel­be Autor die jüdi­sche Zeit­rech­nung ver­wen­det, ist es nahe­lie­gend, dass die Ver­samm­lung in Apg 20,7 am Sams­tag­abend statt­fand.

Wie dem auch sei, die Zeit­an­ga­be deu­tet auf jeden Fall auf eine Ver­samm­lung am Sonn­tag hin. Damit wird jedoch noch lan­ge kein Beweis dafür erbracht, es hand­le sich hier um eine regu­lä­re Sonn­tags­fei­er. Wenn dem so wäre, müss­ten sich kon­se­quen­ter­wei­se die Sonn­tags­an­be­ter jeweils sonn­tag­abends ver­sam­meln, was heut­zu­ta­ge kei­nes­wegs der Fall ist.

Ande­rer­seits könn­te man anneh­men, dass hier eine ver­län­ger­te Sams­tags­ver­samm­lung vor­liegt, die in der Abrei­se von Pau­lus begrün­det war. Viel­leicht war es auch ein zusätz­li­ches Tref­fen nach dem Sab­bat, um Pau­lus zu ver­ab­schie­den. Man beach­te, dass die For­mu­lie­rung in Vers 7: „Am ers­ten Tag der Woche, als wir ver­sam­melt waren …“ eine sol­che Deu­tung zulässt (der Autor hät­te es auch anders aus­drü­cken kön­nen, z. B. „Als wir uns am ers­ten Tag der Woche ver­sam­mel­ten …“). Da die Müßig­keit sol­cher Über­le­gun­gen deut­lich wird, soll­te viel­mehr unter­sucht wer­den, ob der Kon­text die The­se bestä­ti­gen kann, dass Pau­lus eine Ver­samm­lung zusam­men­rief, weil es Sonn­tag war.

Wird die gan­ze Text­pas­sa­ge betrach­tet, so fin­det man kei­nen Hin­weis dar­auf, dass die­se Ver­samm­lung ein Sonn­tags­got­tes­dienst war. Tat­säch­lich erfah­ren wir nur, dass an dem Abend eine lan­ge Rede von Pau­lus statt­fand, wobei auch Brot gebro­chen wur­de, und er am nächs­ten Tag wei­ter­rei­sen woll­te.

Eine klei­ne Anmer­kung zur Luther-Über­set­zung: In Vers 7 wird das grie­chi­sche Wort dia­le­go­mai mit „pre­di­gen“ über­setzt. Die­ses Wort heißt eigent­lich: sich mit jeman­dem unter­hal­ten, etwas bespre­chen, dis­ku­tie­ren, argu­men­tie­ren oder ein Streit­ge­spräch füh­ren. Es taucht im Neu­en Tes­ta­ment nur 13-mal auf und wird fast immer so über­setzt. Nur hier in Apg 20,7 wird es mit „pre­di­gen“ wie­der­ge­ge­ben. Die­se Über­set­zung ist jedoch frag­lich, da Pau­lus eher eine Abschieds­re­de als eine klas­si­sche Pre­digt gehal­ten hat.

Die Ver­samm­lung fand im Ober­ge­mach statt. Da es sich um eine Abschieds­ver­samm­lung für Pau­lus han­del­te, zog er die Rede bis Mit­ter­nacht hin. Es ist nicht ver­wun­der­lich, dass unter die­sen Umstän­den Euty­chus, ein jun­ger Mann, der am Fens­ter saß, müde wur­de, hin­un­ter­fiel und tot auf­ge­fun­den wur­de. Die Geschich­te fand aller­dings ein glück­li­ches Ende, da der Jun­ge von Pau­lus zum Leben erweckt wur­de (sie­he Vers 10). Die­ses Wun­der dürf­te auch ein Grund dafür sein, dass die­ser Auf­ent­halt in Tro­as von Lukas in der Apos­tel­ge­schich­te fest­ge­hal­ten wur­de. Außer­dem stellt er einen Zwi­schen­stopp in dem chro­no­lo­gi­schen Bericht über Pau­lus’ Rei­se dar (sie­he Apg 20,3.6.7.15.16; 21,1.4.5.7.8.10.15).

Nun zum Brot­bre­chen an die­sem Abend. Vie­le Chris­ten wol­len auch hier einen Beweis dafür sehen, dass es sich um eine ers­te Sonn­tags­fei­er hand­le. Das Bre­chen des Bro­tes allein kann aber noch lan­ge kei­ne „Ruhe­tags­fei­er“ aus­ma­chen, da das Brot von den frü­hen Chris­ten täg­lich gebro­chen wur­de – im Tem­pel und zu Hau­se (sie­he Apg 2,46; auch gepre­digt wur­de täg­lich, sie­he Apg 5,42). Fer­ner deu­tet die Text­pas­sa­ge dar­auf hin, dass ledig­lich Pau­lus das Brot brach, und zwar sehr spät nachts (sie­he Vers 11). Neh­men wir den Text als Vor­bild für eine Sonn­tags­fei­er, dann soll­ten wir uns kon­se­quen­ter­wei­se auch an die ange­ge­be­ne Zeit hal­ten: Der Got­tes­dienst müss­te spät nachts statt­fin­den. Aber ergibt es wirk­lich Sinn, mit­ten in der Nacht zu fei­ern, wenn die Hörer über­mü­det sind? Viel logi­scher scheint es, dass mit dem Brot­bre­chen ein Abschieds­mahl gemeint ist, das vor allem von Pau­lus ein­ge­nom­men wur­de, der sich für die bevor­ste­hen­de Rei­se stär­ken muss­te (sie­he Vers 11).

Fas­sen wir zusam­men: Höchst­wahr­schein­lich am spä­ten Sams­tag­abend fand eine Abschied­ver­samm­lung für Pau­lus, der am nächs­ten Tag Tro­as ver­las­sen woll­te, statt. Da Pau­lus sei­ne Rede bis zur Mit­ter­nacht hin­aus­zog, fiel Euthy­chus aus dem Fens­ter. Die Ver­samm­lung ging wei­ter, bis der Tag anbrach und Pau­lus sich verabschiedete/wegging. Wir wis­sen, dass Pau­lus in sei­ner Zeit drei Mis­si­ons­rei­sen unter­nahm. Die­se Mis­si­ons­rei­se war sei­ne letz­te. Als er in Cäsarea war, traf er einen Pro­phe­ten, durch wel­chen der Hei­li­ge Geist ihm zeig­te, dass er in Jeru­sa­lem gefan­gen­ge­nom­men und nach Rom gebracht wer­den wür­de (Apg 21,10–11). Pau­lus ver­ließ Tro­as am nächs­ten Mor­gen, um in Assos das Schiff zu errei­chen – eine Distanz von unge­fähr drei­ßig Kilo­me­tern. Dies war auch der Grund, wes­halb die Gemein­de die gan­ze Nacht auf­blieb, um mit dem noch Gemein­schaft zu haben, den sie nie wie­der­se­hen soll­te.

Einer der aner­kann­ten Kir­chen­his­to­ri­ker, Augus­tus Nean­der, schreibt über die Ver­wend­bar­keit von Apg. 20 im Kon­text eines Bewei­ses für die früh­christ­li­che Sonn­tags­fei­er Fol­gen­des:

The pas­sa­ge is not enti­re­ly con­vin­cing, becau­se the impen­ding depar­tu­re of the apost­le may have united the litt­le Church in a brot­her­ly par­ting-meal, on occa­si­on of which the apost­le deli­ver­ed his last address, alt­hough the­re was no par­ti­cu­lar cele­bra­ti­on of a Sun­day in the case. ” (The Histo­ry of the Chris­ti­an Reli­gi­on and Church, tr. Hen­ry John Rose, Band 1, S. 337)

Deut­sche Über­set­zung: “Der Abschnitt ist nicht völ­lig über­zeu­gend, weil die bevor­ste­hen­de Abrei­se des Apos­tels die klei­ne Kir­che zu einem brü­der­li­chen Abschieds­mahl ver­eint hat. Eine Gele­gen­heit, bei der der Apos­tel sei­ne letz­te Anspra­che hielt, obgleich es in die­sem Fall kei­ne beson­de­re Sonn­tags­fei­er gab.” (All­ge­mei­ne Geschich­te der christ­li­chen Reli­gi­on und Kir­che, Bd. 1, S. 337).

Es ist eigent­lich erstaun­lich, dass die­se Bibel­stel­le immer wie­der als “Beleg” für die Sonn­tags­fei­er her­an­ge­zo­gen wird, obwohl sie, wenn wir von der bibli­schen Zeit­rech­nung (sie­he oben) aus­ge­hen, GEGEN den Sonn­tag und FÜR den Sab­bat spricht: Wenn die Ver­samm­lung am Sams­tag­abend (Sabbatende/Beginn der neu­en Woche) statt­fand, dann benutz­te Pau­lus offen­sicht­lich den ers­ten Wochen­tag als REISETAG, sogar mit einem Schiff (Dienst­leis­tung ande­rer), und nicht als Ruhe­tag! (Vers 11)

Weitere Gründe für die Sonntags- und gegen die Sabbatfeier?

Sind alle Tage gleich? (Röm 14,5)

Um die Aus­sa­ge im Vers 5 ein­deu­tig ein­ord­nen zu kön­nen, soll­te zuerst Kon­text stu­diert wer­den, der die­se Stel­le ein­bet­tet. Kapi­tel 14 han­delt von einem Pro­blem bezüg­lich der tra­di­tio­nel­len Rege­lun­gen, mit dem sich auf das Chris­ten­tum kon­ver­tier­te Juden kon­fron­tiert sahen, näm­lich dem Ver­zehr von Fleisch, das in den heid­ni­schen Tem­peln nach der dama­li­gen Sit­te den Göt­zen geop­fert und dann auf den Markt­plät­zen zum Ver­kauf frei­ge­ge­ben wur­de. Die­ses wird beim ober­fläch­li­chen Lesen nicht gleich klar, wohl aber, wenn man das NT als Gan­zes unter­sucht:

Die Fra­ge der bestehen­den reli­giö­sen Gepflo­gen­hei­ten war in der früh­christ­li­chen Gemein­de äußerst bren­nend und wur­de auf dem “Kon­zil zu Jeru­sa­lem” erör­tert. Das Kon­zil war eine zur Klä­rung sol­cher Pro­ble­me ein­be­ru­fe­ne Instanz (sie­he Apg 15). Es soll­te beschlos­sen wer­den, ob den alten Rege­lun­gen wei­ter­hin Fol­ge geleis­tet wer­den soll­te. Zur Debat­te stan­den u. a. die Fra­ge nach der Beschnei­dung kon­ver­tier­ter Hei­den. Dies­be­züg­lich stimm­te nicht mal Pau­lus mit Petrus über­ein. Am Kon­zil zu Jeru­sa­lem beschloss man nun, auf die Beschnei­dung der Hei­den zu ver­zich­ten.

Fer­ner ent­schloss man sich ein­stim­mig gegen den Ver­zehr von den Göt­zen geop­fer­tem Fleisch. Als Erklä­rung hier­für führt Pau­lus (in Röm 15,1–3) an, dass man die Schwa­chen im Glau­ben in ihrer Ver­un­si­che­rung scho­nen soll­te. Sie könn­ten näm­lich Anstoß dar­an neh­men, ande­re beim Essen vom„Götzenfleisch“ an­dern zuse­hen und folg­lich in ihrem Glau­ben ins Wan­ken kom­men. (Neben­be­mer­kung: Apg 15,28 spricht eben­falls davon, kein Blut und kei­ne erstick­ten Tie­re zu essen, d. h., Pau­lus kann dann unmög­lich in Röm 14 sei­ne Abso­lu­ti­on für alle Spei­sen gege­ben haben!)

Ins­ge­samt wird beim Leser der Apg und der Brie­fe klar, dass Pau­lus sehr inten­si­ve Aus­ein­an­der­set­zun­gen geführt hat, und zwar um fol­gen­de Fra­gen:

  • Sol­len Hei­den beschnit­ten wer­den? (Sie braucht es nicht!)
  • Ist das Gesetz ein Weg zum Heil? (Kein Mensch kann durch das Gesetz zum Heil gelan­gen!)
  • Darf Göt­zen­fleisch geges­sen wer­den? (Apos­tel­kon­zil: Nein. Pau­lus sieht die­se Sache aller­dings dif­fe­ren­zier­ter: Zwar ver­bie­tet er ein gemein­sa­mes Mahl im Göt­zen­tem­pel, aber den Ver­zehr von Göt­zen­op­fer­fleisch, das am Markt gekauft wur­de, erlaubt er, solan­ge es ohne Scha­den für Drit­te ist. Sie­he 1Kor 8,1f.)

Pau­lus woll­te es den zum Chris­ten­tum bekehr­ten Juden nicht zumu­ten, dass sie plötz­lich alle Gewohn­hei­ten über Bord wer­fen, da dar­aus nur Ver­un­si­che­rung und Ver­wir­rung resul­tie­ren wür­den. Die reli­giö­sen Gepflo­gen­hei­ten, die abseits des von Chris­tus gelehr­ten Geset­zes stan­den (die Wich­tig­keit der Gebo­te wird von Pau­lus in 1Kor 7,19 unter­stri­chen), soll­ten sich nach und nach her­aus­kris­tal­li­sie­ren. Pau­lus spricht in Kapi­tel 14 vor allem das The­ma des Flei­sches an, das von den heid­ni­schen Pries­tern den Göt­zen geop­fert wur­de (sie­he Röm 14,1–21 bis 15,3). Als Illus­tra­ti­on des Sach­ver­hal­tes zieht er in V. 5–6 das Bei­spiel der alt­tes­ta­ment­li­chen Fest- und Fei­er­ta­ge her­an (sie­he 3Mo 23,1–44), wobei es noch nahe­lie­gen­der ist, dass er auf die damals übli­chen Fas­ten­ta­ge anspielt. Man beach­te, dass die Fra­ge nach dem Rang bestimm­ter Tage nicht den Kern der Erör­te­rung dar­stellt, son­dern ledig­lich als ein Hilfs­ar­gu­ment dient!

Die The­se, dass es Pau­lus in Röm 14 nicht um die Abschaf­fung des (Wochen-)Sabbats gehen konn­te, kann durch fol­gen­de Über­le­gun­gen unter­mau­ert wer­den:

  1. Man muss den Text im Zusam­men­hang mit ande­ren Aus­sa­gen Pau­li bezüg­lich bestimm­ter Zei­ten und Tage sehen, d.h. Eph 2,14–16 und Kol 2, 14–17. In bei­den Tex­ten bezieht sich der Apos­tel auf die natio­na­len, jüdi­schen Fest­ta­ge, wie im mosai­schen Gesetz beschrie­ben. Es ist äußerst unwahr­schein­lich, dass die Gläu­bi­gen es pro­ble­ma­tisch fan­den, den Sab­bat zu hal­ten, da Jesus selbst und die Apos­tel eben­falls dies­be­züg­lich ein ein­deu­ti­ges Bei­spiel gaben. Sie gin­gen nach ihrer Gewohn­heit am Sab­bat in die Syn­ago­ge, also zu einer reli­giö­sen Ver­samm­lung (sie­he Lk 4,16; Apg 17,1.2). Jesus sagt in Mt 28,20: “Lehrt sie alles, was ich euch befoh­len habe.” Über eine Ver­schie­bung des Sab­bats von 7. (Sams­tag) auf den 1. Tag der Woche (Sonn­tag) scheint er die Jün­ger nicht unter­rich­tet zu haben. An kei­ner Stel­le hebt Jesus die Zehn Gebo­te auf! Für die frü­hen Chris­ten bestand das Pro­blem viel­mehr dar­in, ob nun die vie­len Fest- und Fei­er­ta­ge, die einen beson­de­ren Teil der jüdi­schen Kul­tur aus­mach­ten, wei­ter gefei­ert wer­den soll­ten, zumal das alt­tes­ta­ment­li­che Opfer­sys­tem nun im Tod Jesu (“das per­fek­te Opfer”) ihre Erfül­lung fand (sie­he Typen­leh­re im AT). Pau­lus woll­te ver­hin­dern, dass die “jüdi­schen” Chris­ten eine abrup­te kul­tu­rell-reli­giö­se Revo­lu­ti­on durch­mach­ten, und sprach dem­entspre­chend jedem Gläu­bi­gen die Frei­heit zu, die­se Fra­ge für sich selbst zu beant­wor­ten: Röm 14,5–6 (nach Luther 84): “Der eine hält einen Tag für höher als den andern; der ande­re aber hält alle Tage für gleich. Ein jeder sei in sei­ner Mei­nung gewiss. Wer auf den Tag ach­tet, der tut’s im Blick auf den Herrn; wer isst, der isst im Blick auf den Herrn, denn er dankt Gott; und wer nicht isst, der isst im Blick auf den Herrn nicht und dankt Gott auch. ” Betrach­tet man nicht nur den ers­ten Satz, son­dern liest etwas wei­ter, dann wird klar, dass es sich hier um Fas­ten­ta­ge han­delt (“wer isst… und wer nicht isst.…”!) In man­chen moder­ne­ren Über­set­zun­gen steht aus die­sem und ande­ren Grün­den auch “Fas­ten­ta­ge” statt “Tage”.
  2. Eine Ver­schie­bung des Sab­bats von Sams­tag auf Sonn­tag wäre gleich­be­deu­tend mit einer Ver­än­de­rung eines der Zehn Gebo­te und wür­de sicher­lich von einer län­ge­ren theo­lo­gi­schen Abhand­lung sei­tens Pau­lus beglei­tet wer­den. Wenn Pau­lus die Fra­ge des Hei­lig­tums oder des neu­en Bun­des (Gesetz vs. Gna­de) so detail­liert im Römer- und Hebrä­er­brief behan­del­te, hät­te er nicht genau­so tief­grün­dig auf die Sab­bat­ver­schie­bung ein­ge­hen sol­len, und zwar in einem Extra­ka­pi­tel.
  3. Die Sab­bat­hei­li­gung ist eines der Zehn Gebo­te – dazu noch das längs­te und das ein­zig begrün­de­te. Man kann ver­su­chen, sich vor­zu­stel­len, wie die neu bekehr­ten Juden aus Apg 15 (die sich wegen der Nicht­be­schnei­dung der bekehr­ten Hei­den mäch­tig auf­reg­ten) reagiert hät­ten, wenn man – in ihren Augen sicher­lich – eine Sab­bat­ent­eh­rung zu unter­stüt­zen such­te. Sie­he auch 2.
  4. Bei der Behand­lung bestimm­ter reli­giö­ser Fra­gen unter­strich Pau­lus in 1. Kor 7,19 und voll­kom­men­der Har­mo­nie zu Pre­di­ger 12, 13 “das Wich­tigs­te”, näm­lich das Hal­ten der Gebo­te. Dadurch hat er den Sab­bat in sei­ner Auto­ri­tät gera­de bestärkt, nicht ange­zwei­felt oder gar abge­schafft. Pau­lus kann dann unmög­lich in einem ande­ren Brief (ca. ein Jahr spä­ter) sich selbst wider­spre­chen. Das tut nicht ein­mal der Papst in sei­nen Enzy­kli­ken, und die Bibel soll Gott selbst inspi­riert haben.
  5. Soll­te Röm 14,5 dem Sab­bat sei­ne Gül­tig­keit abspre­chen, da alle Tage gleich sein soll­ten, wird somit eben­falls jeg­li­che Grund­la­ge der Sonn­tags- oder Fei­er­tags­hei­li­gung ent­zo­gen. Vie­le Kir­chen haben aber ein Fei­er­tags­ge­bot in ihrem Kate­chis­mus, d. h., sie for­dern von ihren Gläu­bi­gen die Ein­hal­tung eines Ruhe­ta­ges. Wenn die­se Chris­ten auf Römer 14 ver­wei­sen, um gegen den Sab­bat zu spre­chen, aber zugleich die Ein­hal­tung des Sonn­tags als Fei­er­tag ein­for­dern, dann ist das inkon­se­quent.

Fas­sen wir zusam­men: Sind alle Tage gleich? Nein! Der Sab­bat ist der ein­zi­ge Wochen­tag, der von Gott beson­ders geseg­net und gehei­ligt (für die Anbe­tung sepa­riert, von den ande­ren Tagen abge­schnit­ten – sie­he 1Mo 2,3/3Mo 23,3) wur­de. Kein Wort in der Bibel berich­tet, dass der ers­te Tag der Woche oder ein ande­rer Wochen­tag von Gott geseg­net oder gehei­ligt wur­de. Wenn behaup­tet wird, dass alle Tage gleich sind, dann heißt das, dass der Segen, den Gott einst auf den sieb­ten Tag gelegt hat, der von Jesus bestä­tigt wur­de (Mk 2,27), ver­schwun­den ist. Für die­se Behaup­tung fehlt jeg­li­che bibli­sche Grund­la­ge.

Stehen wir unter dem Gesetz?

Kniff­li­ge Fra­ge… Aber eigent­lich kommt es nur dar­auf an, was man dar­un­ter ver­steht. Ganz grob lie­ße sich erst mal sagen: Nein, wir ste­hen nicht mehr unter dem Gesetz, aber das heißt nicht, dass Got­tes Gebo­te für uns kei­ne Bedeu­tung mehr haben und wir sie nicht mehr hal­ten müss­ten.

Erklä­rung: Die For­de­run­gen des Geset­zes, gegen wel­che Adam ver­stieß und wodurch er das Recht auf das “Para­dies” ver­spiel­te, wur­den von Jesus für uns erfüllt. Wir ste­hen des­we­gen nicht mehr unter dem uns ver­dam­men­den Gesetz, son­dern unter Sei­ner Gna­de.

Über­tra­gen wir die Situa­ti­on auf den All­tag. Ange­nom­men, jemand begeht ein Ver­bre­chen und wird dem Gesetz nach für 20 Jah­re ins Gefäng­nis gewor­fen. Doch schon am 1. Tag kommt er uner­war­tet durch einen Gna­den­akt frei. Der Gefan­ge­ne bekommt also etwas, was er nicht ver­dient hat, näm­lich die Frei­heit durch Amnes­tie. Befreit ihn die emp­fan­ge­ne Gna­de von jeg­li­cher Ver­pflich­tung dem Gesetz gegen­über? Darf er etwa das Ver­bre­chen nun unge­straft wie­der­ho­len? Nein! In Wirk­lich­keit hat er mehr denn je die Ver­pflich­tung, das Gesetz zu befol­gen.

Zurück zu unse­rer theo­lo­gi­schen Über­le­gung: Wenn jemand sei­ne Sün­de bekennt und die Ver­ge­bung Jesu annimmt, steht er nicht mehr unter der Stra­fe des Geset­zes, son­dern er ist frei aus Gna­den. Kann er jetzt sagen: “Ich ste­he unter der Gna­de, das alte Gesetz brau­che ich nicht mehr zu hal­ten!”? Wird ihn das Gesetz bei einer erneu­ten Über­tre­tung nicht mehr schul­dig spre­chen?

Die Bibel sagt: Über­tre­tung des Geset­zes ist Sün­de. Gna­de hebt nicht das Gesetz auf, SONDERN DIE STRAFE. Die Über­tre­tung oder Ableh­nung der Gebo­te Got­tes bleibt nach wie vor eine Sün­de, also eine Tren­nung von Gott! Zwar kön­nen wir uns an Jesus wen­den und die Sün­de beken­nen, doch muss dies von Demut und Reue beglei­tet wer­den (= wah­re Buße, sie­he Ps 51, 1–14). Wird man von wah­rer Reue erfasst, so schließt sich dem das Bedürf­nis an, die began­ge­ne Sün­de in Zukunft zu unter­las­sen. So wird ein Christ in sei­nem Leben nach und nach Frucht brin­gen.

Die Tat­sa­che, dass wir unter der Gna­de ste­hen, erlaubt es nicht, eines der Gebo­te zu miss­ach­ten. Pau­lus fragt: “Wie nun? Sol­len wir sün­di­gen, weil wir nicht unter dem Gesetz, son­dern unter der Gna­de sind? Das sei fer­ne!” (Röm 6,15). Seit dem Sün­den­fall war es nicht das Gesetz, das die Men­schen von Gott trenn­te. Die ers­ten Men­schen sün­dig­ten nicht, weil das Gesetz schlecht oder unfair war, son­dern weil sie ein gutes und fai­res Gesetz (Röm 7,12; Ps 19, 8; 119,142; Jes 42, 21;) über­tre­ten haben, ein Gesetz, das nicht abge­schafft wer­den soll­te, solan­ge Him­mel und Erde bestehen (Math 5, 17–19). Das Pro­blem der Mensch­heit sind nicht die gött­li­chen Gebo­te, son­dern die Sün­de (Jak 1, 22–25). Durch den Erlö­sungs­plan ist es den Men­schen mög­lich gewor­den, durch Gna­de Ver­ge­bung zu erlan­gen und das Gesetz aus einem inner­li­chen Drang zu hal­ten (Hebr 10, 16; Jud 24; Phil 4, 13).

Da aber eine sol­che Nach­fol­ge einen har­ten Kampf mit dem eige­nen Ich bedeu­tet, wol­len vie­le Chris­ten die Gebo­te bei­sei­te­schaf­fen oder sie ein klein wenig modi­fi­zie­ren. Fra­gen wir nun mal: Dür­fen wir die Ehe bre­chen, kön­nen wir lügen, steh­len oder den Namen Got­tes miss­brau­chen, … , nur weil wir unter der Gna­de sind? Das wird wohl kein Christ gut­hei­ßen! War­um erscheint es aber vie­len so logisch, dass die Gna­de den Sab­bat auf­ge­ho­ben und den Sonn­tag ein­ge­setzt haben soll­te?

Ver­tie­fen­de Stu­di­en zum The­ma Gesetz sind auf der Zusatz­sei­te zu fin­den!

Jesus ist am Sonntag auferstanden!

Jesus ist am Sonn­tag auf­er­stan­den und dar­um fei­ern wir am Sonn­tag Got­tes­dienst!” – Die­ses “Argu­ment” hört man gele­gent­lich von Chris­ten, die den Sab­bat ableh­nen und den Sonn­tag als Ruhe­tag gewählt haben. Aber im Grun­de ist es gar kein ech­tes Argu­ment, da die Tat­sa­che, dass Jesus am Sonn­tag auf­er­stan­den ist, nichts dar­über aus­sagt, dass der Sab­bat sei­ne Gel­tung ver­lo­ren hat und an sei­ner Stel­le der Sonn­tag getre­ten ist. Im Gegen­teil: Man könn­te argu­men­tie­ren, dass Jesus gera­de wegen des Sab­bats im Grab ruh­te und erst nach dem Sab­bat auf­er­stand. Aber die­se Argu­men­ta­ti­on ist kaum weni­ger “dünn”.
Natür­lich kann man nie­man­dem vor­wer­fen, dass er, wenn er aus Ehr­furcht vor Gott und zu sei­nem Lobe sich den Sonn­tag als Erin­ne­rungs­tag der Auf­er­ste­hung wählt. Aber noch­mals: Macht die­ses den Sonn­tag zu einem Ruhe­tag – hebt die­ses den von Gott ein­ge­setz­ten Tag auf?

“H. May­er greift in sei­nem Buch “22 Grün­de für die Sonn­tags­fei­er?” die­sen Gedan­ken auf und führt ihn wei­ter: Soll­te sich die Ehr­furcht vor Gott nicht im Glau­bens­ge­hor­sam offen­ba­ren, der sich am gött­li­chen Wil­len und Gebot offen­bart? Sonst könn­te man genau­so gut den Frei­tag als Erin­ne­rungs­tag für Jesu Kreu­zi­gung wäh­len, denn am Kar­frei­tag wur­de “das Lamm Got­tes” für uns geschlach­tet. – Nun haben wir schon drei mög­li­che Fei­er­ta­ge! Kön­nen wir uns jetzt einen nach Belie­ben aus­su­chen? Im NT fin­den wir kein Wort, dass eine wöchent­li­che Gedächt­nis­fei­er ein­ge­führt wur­de, wohl aber kann­ten die Jün­ger Jesu die Wor­te: “Aber am sie­ben­ten Tag ist der Sab­bat des Herrn, dei­nes Got­tes. Da sollst du kei­ne Arbeit tun.” (2Mo 20,10). Soll­ten sie die­se schon ver­ges­sen haben?

H. May­er begrün­det das Feh­len der Erwäh­nung einer wöchent­li­chen Gedächt­nis­fei­er wie folgt: Die urchrist­li­che Gemein­de hat­te für Tod, Begräb­nis und Auf­er­ste­hung ande­re (nicht wöchent­li­che) Gedächt­nis­fei­ern und Anläs­se. Als Ersin­nungs­fei­er an sein Lei­den und sei­nen Tod setz­te Jesus das Abend­mahl (z. B. Lk 22,19.20) ein, das Pau­lus auch als ein mis­sio­na­ri­sches Bekennt­nis ver­stand. Er schrieb den Chris­ten in Korinth:

Denn so oft ihr von die­sem Brot esset und von die­sem Kelch trin­ket, ver­kün­digt ihr des Herrn Tod, bis dass er kommt.” (1Kor 11,26)

Jesu Begräb­nis und Auf­er­ste­hung sahen die Chris­ten des ers­ten Jahr­hun­derts in der von ihnen geüb­ten Tauf­pra­xis (durch Unter­tau­chen) nach­voll­zo­gen und ver­ge­gen­wär­tigt. Sie­he z. B. Römer 6,3–5. Natür­lich geht es bei der Tau­fe haupt­säch­lich um den Täuf­ling, wohl aber wird sie oft mit Tod und Auf­er­ste­hung in Ver­bin­dung gebracht. H. May­er schreibt dazu:

Wie sehr die Glau­bens­tau­fe als eine Ver­ge­gen­wär­ti­gung von Jesu Tod und Auf­er­ste­hung ange­se­hen wur­de, geht auch aus Kolos­ser 2, 12.13 her­vor: “Mit ihm wur­det ihr begra­ben durch die Tau­fe, und mit ihm seid ihr auch auf­er­stan­den durch den Glau­ben, den Gott wirkt, wel­cher ihn auf­er­weckt hat von den Toten. Und er hat euch mit ihm leben­dig gemacht, da ihr tot waret in den Sün­den.“
Wenn wir Jesus als den Auf­er­stan­de­nen ehren wol­len, müs­sen wir zunächst der Sün­de abster­ben, d.h. wir müs­sen unse­ren alten, sün­di­gen Men­schen mit Jesus kreu­zi­gen. Dann sol­len wir in der Tau­fe, dem Bad der Wie­der­ge­burt, mit ihm begra­ben wer­den, um anschlie­ßend mit Jesus ein neu­es Leben zu füh­ren. Die urchrist­li­che Gemein­de hat auf die­se Wei­se die Auf­er­ste­hung Jesu stets aufs Neue erlebt. Jedes Mal, wenn ein sün­di­ger Mensch sich zu Jesus bekehr­te und die Tauf­wie­der­ge­burt erleb­te, wur­de der leben­di­ge und auf­er­stan­de­ne Herr in ihrer Mit­te erkannt und erfah­ren. Ein toter Jesus kann unse­re Her­zen nicht ver­än­dern. Von dem auf­er­weck­ten Herrn aber sagt die Bibel, dass er “nach dem Geist, der da hei­ligt, ein­ge­setzt ist als Sohn Got­tes in Kraft durch die Auf­er­ste­hung von den Toten”. (Römer 1, 4) Die Auf­er­ste­hung Jesu hat also den Sab­bat, den Gedächt­nis­tag der Schöp­fung, nicht auf­ge­löst oder abge­schafft. Die urchrist­li­che Gemein­de hat der Heils­tat Got­tes nicht wöchent­lich mit einem neu­en Fei­er­tag gedacht, son­dern mit einem neu­en Leben die Herr­schaft und Gegen­wart des auf­er­stan­de­nen Chris­tus täg­lich bezeugt und damit dem Wil­len ihres Erlö­sers ent­spro­chen. Die Auf­er­ste­hung Jesu brach­te für sie kei­nen neu­en Ruhe­tag, son­dern ein neu­es Leben.

Jesus hat das Gesetz erfüllt!

Jesus hat das Gesetz erfüllt! Wir brau­chen es nicht mehr zu hal­ten.” – Ist das wirk­lich war?

In Mt 5,17 sagt Jesus: “Ihr sollt nicht wäh­nen, dass ich gekom­men bin, das Gesetz oder die Pro­phe­ten auf­zu­lö­sen; ich bin nicht gekom­men auf­zu­lö­sen, son­dern zu erfül­len.

Man kann sicher­lich die­se Aus­sa­ge nicht dazu ver­wen­den, um sich von der Ver­ant­wor­tung dem Gesetz gegen­über los­zu­sa­gen. Soll­te mit “erfül­len” die Auf­he­bung des Geset­zes ange­deu­tet wer­den, so hät­te sich Jesus selbst wider­spro­chen, und zwar noch im sel­ben Vers! Man kann ja auch nicht zu jeman­dem sagen: “Den­ke nicht, dass ich gekom­men bin, dei­ne Tor­te zu ver­spei­sen; ich bin nicht gekom­men, zu ver­spei­sen, son­dern auf­zu­es­sen.” – Das wäre genau­so wider­sprüch­lich!

Außer­dem wird noch im Lau­fe des­sel­ben Kapi­tels davon berich­tet, wie Jesus dar­auf hin­weist, dass das Gesetz nicht ver­än­dert oder zer­stört wer­den darf, und wie er die­je­ni­gen warnt, die ver­su­chen soll­ten, auch nur eines der Gebo­te abzu­schaf­fen (sie­he auch sei­ne Ver­dam­mung der Juden in Mt 15,3.9) !

Jesus hat in der Tat das Gesetz erfüllt. Er tat alles, was Gott von einem Men­schen for­der­te, und blieb ohne Sün­de! Wir hin­ge­gen tun all­zu oft das, was Gott nicht will, und sün­di­gen … Er hat uns gesagt, dass der Sab­bat kei­ne Last für uns sein soll, denn er wur­de für den Men­schen geschaf­fen! Er hat uns durch sein Leben die Güte Got­tes gezeigt, die sich auch in den Zehn Gebo­ten wider­spie­gelt. Jesus hat das Gesetz erfüllt, gleich wie Pau­lus sagt: “Wie? Heben wir denn das Gesetz auf durch den Glau­ben? Das sei fer­ne! Son­dern wir rich­ten das Gesetz auf.” (Röm 3,31) – Das gan­ze Kapi­tel (Die Berg­pre­digt) unter­mau­ert die­se Aus­sa­ge: Jesus bezieht sich auf das alte Gesetz und zeigt, wie es gemeint ist! Er löst es nicht auf, son­dern unter­streicht es!

Ein­wand:
Aber es heißt doch in Mt 5,18 “Denn wahr­lich, ich sage euch: Bis Him­mel und Erde ver­ge­hen, wird nicht ver­ge­hen der kleins­te Buch­sta­be noch ein Tüp­fel­chen vom Gesetz, bis es alles geschieht. – Wenn nicht alles gesche­hen ist, wie kann denn das Opfer­ge­setz abge­schafft sein?

Ant­wort:
Gute Fra­ge! Über­le­gen wir uns zunächst, ob sich wirk­lich schon alles erfüllt hat: Leben wir auf der neu­en Erde? Nein! Wur­de der Tod über­wun­den? Nein! Gibt es kei­ne Trä­nen mehr? Nein! – Es steht fest, dass sich noch nicht alles erfüllt hat! Betrach­ten wir fer­ner die Par­al­lel­stel­le in Lk 16,16–18:

Das Gesetz und die Pro­phe­ten rei­chen bis zu Johan­nes. Von da an wird das Evan­ge­li­um vom Reich Got­tes gepre­digt, und jeder­mann drängt sich mit Gewalt hin­ein.

Heißt das jetzt, dass nun das Gesetz ungül­tig gewor­den ist? NEIN! Jesus sagt gleich im Anschluss: “Es ist aber leich­ter, dass Him­mel und Erde ver­ge­hen, als dass ein Tüp­fel­chen vom Gesetz fällt. Wer sich schei­det von sei­ner Frau und hei­ra­tet eine ande­re, der bricht die Ehe; und wer die von ihrem Mann Geschie­de­ne hei­ra­tet, der bricht auch die Ehe.

Auch hier wehrt sich Jesus dage­gen, dass das Gesetz sei­ne Gül­tig­keit ver­lo­ren hat, und bezieht sich dabei sogar auf eines der Zehn Gebo­te! Es gilt das Evan­ge­li­um, die gute Nach­richt! Wir wer­den allein durch den Glau­ben gerecht und nicht durch das Gesetz (Wer­ke)! Den­noch gilt das Gesetz wei­ter­hin als Maß­stab. Es dient dazu, uns selbst zu erken­nen und zu prü­fen. Römer 7,7! Das Gesetz bleibt als mora­li­scher Maß­stab (bild­lich gespro­chen) gül­tig, “bis Him­mel und Erde ver­ge­hen”.

Die­ses ist der Schlüs­sel, der die Wider­sprü­che aus dem Weg räumt. Auch ein Blick auf den Kon­text der Bibel­stel­le in Mt 5 zeigt, dass es hier aus­schließ­lich um mora­li­sche Din­ge geht: Mt 5,21–43 – Vom Töten, vom Ehe­bre­chen, vom Schwö­ren, vom Ver­gel­ten, von der Fein­des­lie­be! Eben die­se mora­li­schen Din­ge sind “unver­gäng­lich”. – Das Opfer­ge­setz hat jedoch sei­ne Gül­tig­keit ver­lo­ren. Ich gebe zu, dass die­se Ant­wort man­chen viel­leicht etwas schwam­mig vor­kom­men mag, aber sie löst die Wider­sprü­che, denen man sonst zwangs­läu­fig gegen­über­steht.


Der Sabbat war/ist nur für die Juden!

  1. Der Sab­bat wird schon in 1Mo 2,2.3 erwähnt und wur­de von Gott geseg­net und gehei­ligt! – Damals gab es noch kei­ne Juden! Auch Jesus weist dar­auf hin, dass der Sab­bat für den Men­schen (nicht für den Juden) gemacht wur­de. Sie­he Punkt 5.
  2. Falls man den 1. Punkt nicht als Sab­batein­füh­rung aner­ken­nen will, so wird der Sab­bat schon vor den Zehn Gebo­ten indi­rekt “durch das Man­na” ein­ge­führt (2Mo 16) Die Juden sind damals auch mit viel “Misch­volk” aus­ge­zo­gen, und offen­sicht­lich gel­ten die Wor­te Got­tes für ALLE, die mit in der Wüs­te waren!
  3. Direkt im Sab­bat­ge­bot (2Mo 20,9–11) steht, dass auch der Frem­de an die­sem Tag ruhen soll. (Sie dür­fen auch mal eine „Schaum­pau­se“ machen!)
  4. Jes 56,2–7: Der Frem­de, der den Sab­bat hält, ist BESSER als die Söh­ne und Töch­ter Got­tes!
  5. Jesus sagt in Mk 2,27, dass der Sab­bat für den Men­schen gemacht sei! NICHT: Der Sab­bat ist für den Juden gemacht!
  6. Joh 15,10: “Wenn ihr mei­ne Gebo­te hal­tet, so bleibt ihr in mei­ner Lie­be, gleich­wie ich mei­nes Vaters Gebo­te hal­te und blei­be in sei­ner Lie­be.” – Wenn Jesus so mit den Juden gespro­chen hat, dann gilt das auch für uns. Oder sol­len wir nicht alles über­neh­men, was Jesus den Juden sag­te?
  7. Jesus (und spä­ter auch Pau­lus) gin­gen, wie es ihre “Gewohn­heit” war, in die Syn­ago­ge (Lk 4,7; Apg 17,2), also nicht nur bei bestimm­ten Gele­gen­hei­ten, son­dern regel­mä­ßig! Dies tat Pau­lus, auch, als er mit den Hei­den ver­kehr­te (sie­he Apg 18,4)!

Ein­wand:
Der Sab­bat war doch nur für die Juden! Denn bei Hes 20,12 steht: “Ich gab ihnen auch mei­ne Sab­ba­te zum Zei­chen zwi­schen mir und ihnen, damit sie erkann­ten, dass ich der HERR bin, der sie hei­ligt.

Ant­wort:
Pau­lus betont, dass Abra­ham unser aller Vater ist (Röm 4,16) und wir die “Kin­der der Ver­hei­ßung” (Gal 3,7) sind, ja auch Petrus schreibt, dass wir das neue Got­tes­volk sind. Zusam­men­ge­fasst: Alle Chris­ten gehö­ren zum neu­en, geist­li­chen, wah­ren Isra­el! Auch wir zäh­len nun zum Volk Got­tes… “beschnit­ten oder unbe­schnit­ten”! Auch die Beschnei­dung war ein Zei­chen (1Mo 17), aber was sagt Pau­lus? “In ihm seid ihr auch beschnit­ten wor­den mit einer Beschnei­dung, die nicht mit Hän­den geschieht, als ihr näm­lich euer fleisch­li­ches Wesen ableg­tet in der Beschnei­dung durch Chris­tus. (Kol 2,11)
Die Auf­for­de­rung aus Hes 20,12 kann man durch­aus auf das neue Volk Got­tes über­tra­gen! Auch wir soll­ten erken­nen, wer der HERR ist, unser Schöp­fer!

Der Sabbat wurde ans Kreuz genagelt! (Kol 2,13–17)

(Par­al­lel­stel­len sind auch Gal 4,9–11 und Eph 2,13–16)

Kol 2,13–17: Und er hat euch mit ihm leben­dig gemacht, die ihr tot wart in den Sün­den und in der Unbe­schnit­ten­heit eures Flei­sches, und hat uns ver­ge­ben alle Sün­den. Er hat den Schuld­brief getilgt, der mit sei­nen For­de­run­gen (Sat­zun­gen) gegen uns war, und hat ihn weg­ge­tan und an das Kreuz gehef­tet. Er hat die Mäch­te und Gewal­ten ihrer Macht ent­klei­det und sie öffent­lich zur Schau gestellt und hat einen Tri­umph aus ihnen gemacht in Chris­tus.So lasst euch nun von nie­man­dem ein schlech­tes Gewis­sen machen wegen Spei­se und Trank oder wegen eines bestimm­ten Fei­er­ta­ges, Neu­mon­des oder Sab­bats. Das alles ist nur ein Schat­ten des Zukünf­ti­gen; leib­haf­tig aber ist es in Chris­tus.

Die­se Bibel­stel­le wird oft zitiert, um sie als Ein­wand gegen das Sab­bat­ge­bot zu ver­wen­den. Bei einer sol­chen Aus­le­gung erge­ben sich diver­se Pro­ble­me.

Was steht hier genau und wie wird es gedeu­tet?

  • Es ist von einem “Schuld­brief” die Rede mit “For­de­run­gen, die gegen uns waren”. Die­ser Schuld­brief sei “weg­ge­tan und ans Kreuz gehef­tet” wor­den.
  • Fer­ne wer­den “Mäch­te und Gewal­ten” ange­spro­chen, die ihrer Macht ent­klei­det und zur Schau gestellt wur­den.
  • Die beson­ders ent­schei­den­de Stel­le besteht aus den Ver­sen 16 und 17. Sie lau­tet nach der Elber­fel­der Über­set­zung: “So rich­te euch nun nie­mand wegen Spei­se oder Trank oder betreffs eines Fes­tes oder Neu­mon­des oder Sab­bats, die ein Schat­ten der künf­ti­gen Din­ge sind, der Kör­per ⟨selbst⟩ aber ist des Chris­tus.

Sehr schnell wer­den die Ver­se zur Behaup­tung zusam­men­ge­fasst: Der Sab­bat sei ans Kreuz gena­gelt wor­den. Ver­sucht man nach­zu­fra­gen, wie man zu die­ser Behaup­tung käme, wird meist aus­ge­führt, dass Jesus das alt­tes­ta­ment­li­che Gesetz mit sei­nen For­de­run­gen ans Kreuz gehef­tet hät­te.

Ist das wahr? Steht der Schuld­brief für den Sab­bat bzw. für das Gesetz? War der Wochen­sab­bat ein Schat­ten der künf­ti­gen Din­ge?

Wenn jemand behaup­tet, dass der Sab­bat ans Kreuz gena­gelt wur­de, muss das kon­se­quen­ter­wei­se bedeu­ten, dass die Zehn Gebo­te gegen uns gerich­tet waren! Jesus selbst sagt in Mk 2, 27, dass der Sab­bat für die Men­schen gemacht wur­de und nicht gegen sie!

Wenn sich der Schuld­schein auf das gesam­te Gesetz bezie­hen soll­te, dann bes­ten­falls im Sin­ne, dass wir durch das Gesetz ver­ur­teilt wer­den (unse­ren Tod for­dert) und wir nicht in der Lage sind, uns selbst zu erlö­sen (sie­he dazu auch Kom­men­tar zu Römer 7, Gala­ter 3 und Extra­sei­te Gesetz). Das Gesetz hat­te unter ande­rem eine heils­ge­schicht­li­che Funk­ti­on als (vor­läu­fi­ges) Mit­tel zur Ent­süh­nung oder Recht­fer­ti­gung vor Gott, beson­ders durch die zere­mo­ni­el­len Opfer­ge­set­ze. Oft wird schnell das gan­ze Gesetz abge­lehnt. Aber die mora­li­schen Wer­te und die Weis­heit des Geset­zes blei­ben als Aus­druck von Got­tes Wil­len bestehen. Wür­de man das gan­ze Gesetz ableh­nen, fän­de man sich schnell in Wider­sprü­chen wie­der, wie z. B. dass das Gesetz hei­lig und gut ist (Röm 3,20), der Sab­bat für den Men­schen geschaf­fen wur­de (Mk 2,27) und Jesus das Gesetz in sei­ner mora­li­schen Bedeu­tung sogar ver­schärft hat (Berg­pre­digt). Das passt ganz und gar nicht zum pau­scha­len “Weg­tun” des Geset­zes.

Betrach­ten wir die­se Ver­se genau­er. Es gibt ver­schie­de­ne Aus­le­gun­gen die­ser Pas­sa­ge. Die zwei wich­tigs­ten wer­den hier vor­ge­stellt, aber sie haben eins gemein­sam: In bei­den Fäl­len ist nicht davon aus­zu­ge­hen, dass der Wochen­sab­bat in die­sen Ver­sen abge­schafft wur­de.

Die eine Aus­le­gung geht davon aus, dass mit “Schuld­schein” ( griech. chei­ro­gra­phon, „ein mit der Hand geschrie­be­nes Doku­ment“) ein “Doku­ment” gemeint ist, auf dem unse­re per­sön­li­chen Über­tre­tun­gen ver­zeich­net sind. Es ist even­tu­ell ver­gleich­bar mit dem “Buch”, das beim Gericht eine Rol­le spielt (Offb 20,12). Es ist unse­re „Rech­nung“ bei Gott, die wir nicht bezah­len konn­ten. Chris­tus hat nicht das Gesetz Got­tes abge­schafft, son­dern die dar­aus resul­tie­ren­de For­de­rung gegen uns begli­chen. Das Gesetz, ein­schließ­lich des Sab­bat­ge­bo­tes, bleibt als Maß­stab, aber die Straf­for­de­rung ist weg.

Die­se Aus­le­gung ist har­mo­nisch zu den Aus­füh­run­gen von Pau­lus zum Gesetz an vie­len ande­ren Stel­len und passt gut zur Ver­ge­bung aller Sün­den im vori­gen Vers, also zu Vers 13. Der Vers 14 stellt dem­nach die Ver­ge­bung unse­rer Sün­den und die recht­li­che Wie­der­her­stel­lung (Löschung des Schuld­scheins) durch Jesu Tod dar. Auch könn­te man Vers 15 damit ver­bin­den, wenn man die­sen Vers als Jesu Sieg über Satan und sei­ne Engel durch sei­nen Kreu­zes­tod ver­steht. Wäh­rend wir vom Todes­ur­teil frei­ge­spro­chen und befreit wur­den, wur­de Satan die Mas­ke vom Gesicht geris­sen und das gan­ze Uni­ver­sum konn­te die Wir­kungs­wei­se Satans und sei­ner Engel sehen, die zum Tode des Soh­nes Got­tes geführt hat. Auch die strit­ti­gen Ver­se 16–17 sind damit ver­träg­lich. Pau­lus ist voll fokus­siert auf Jesu Opfer­tod und was die­ser für uns bedeu­tet. Die bei­den Ver­se grei­fen den Gedan­ken des ein­ma­li­gen und voll­kom­men­den Opfers auf, der im Hebrä­er­brief in Tie­fe aus­ge­brei­tet wird. Alle zere­mo­ni­el­len Hand­lun­gen und Fest­ta­ge haben in Jesus ihre Erfül­lung gefun­den und wei­te­res Opfern ist nicht nötig, ja sogar falsch.

Die zwei­te Aus­le­gung ver­steht unter dem Schuld­brief das mosai­sche Gesetz mit sei­nen ritu­el­len For­de­run­gen. Es trenn­te auch Juden und Hei­den von­ein­an­der. Jesu Opfer­tod erfüll­te alle For­de­run­gen. Bei die­ser Aus­le­gung wird betont, dass die „Sat­zun­gen“ (dog­ma­ta) jene ritu­el­len Vor­schrif­ten mein­ten, die wie eine Bar­rie­re zwi­schen Gott und Mensch (und zwi­schen Jude und Hei­de) stan­den (Eph 2,15) bzw. jene Vor­schrif­ten, die sich typo­lo­gisch auf Chris­tus als Opfer (“Lamm”) bezo­gen. Das Wort „Sat­zun­gen“ (dog­ma­ta) wird in der Bibel nie für die Zehn Gebo­te ver­wen­det. Hät­te Pau­lus das gan­ze Gesetz gemeint oder all­ge­mein Gebo­te, so hät­te er die Wör­ter nomos bzw. ento­lai ver­wen­det.

Für die­se Aus­le­gung gibt es meh­re­re stich­hal­ti­ge Grün­de:

Die Bibel grenzt die Zehn Gebo­te von dem “Buch des Geset­zes” in 5Mo 31,26 ab: “Nehmt das Buch die­ses Geset­zes und legt es neben die Lade des Bun­des des HERRN, eures Got­tes, dass es dort ein Zeu­ge sei wider dich. ” .
Die Geset­ze die­ses Buches, die die Levi­ten emp­fin­gen, soll­ten ein Zeu­ge gegen uns sein, was zu der Wort­wahl in Kol 2, 14 passt.

Die Zehn Gebo­te wur­den von Gott mit sei­nem Fin­ger auf Stein geschrie­ben (sie­he 2Mo 31,18). Man beach­te, wie wich­tig das ist. Als Moses vor Wut die ers­ten Stein­ta­feln zer­brach (sie­he 2Mo 32,19), hat Gott ihm nicht etwa den Befehl gege­ben, das Gesetz von den zer­bro­che­nen Stü­cken ein­fach abzu­schrei­ben. Die Geset­zes­ta­feln waren offen­bar so wich­tig, dass er Mose damit beauf­trag­te, ein zwei­tes Mal Stein­ta­feln zurecht­zu­hau­en, damit sie von Gott selbst noch­mals beschrif­tet wer­den konn­ten (sie­he 2Mo 34,1)! Die Zehn Gebo­te pas­sen weni­ger zum Schuld­schein, dem „mit der Hand geschrie­be­nen Doku­ment“.

Ande­re Geset­ze, die Mose auf­ge­schrie­ben hat­te, wur­den nicht wie die Zehn Gebo­te in die Bun­des­la­de gelegt, son­dern neben die Bun­des­la­de (sie­he 5Mo 31,26). Dies ist eine kla­re Abgren­zung.

Die­se Unter­schei­dung “in” oder “neben” der Bun­des­la­de mag etwas aka­de­misch wir­ken. Ver­su­chen wir also zu klä­ren, wel­che Geset­ze Pau­lus in Kol 2 meint: die Zehn Gebo­te, alle Geset­ze oder nur bestimm­te? Aus 5Mo 31,24–27 könn­te man schlie­ßen, dass er alle Geset­ze des Mose meint, doch waren alle Geset­ze ein ‘Schat­ten Chris­ti’ (Kol 2,17)? Gera­de die Begrün­dung, war­um gewis­se Fest­ta­ge uns “kein schlech­tes Gewis­sen” machen sol­len, wird ger­ne über­gan­gen. Die­se Begrün­dung ist der Schlüs­sel zum Ver­ständ­nis die­ser Pas­sa­ge.

Wel­che Geset­ze wur­den ans Kreuz gena­gelt? Eine wich­ti­ge Rol­le spiel­ten im AT die Opfer- und Zere­mo­nie­ge­set­ze. Es gab dar­un­ter Spei­se- und Trank­op­fer. Alle die­se Geset­ze waren ein “Schat­ten des Zukünf­ti­gen”. Der Vers lie­fert die Begrün­dung für das, was heu­te für uns nicht mehr ver­bind­lich ist. Man kann sich lan­ge dar­über strei­ten, ob die Rei­hen­fol­ge der Zeit­an­ga­ben “Fei­er­tag”, “Neu­mond”, “Sab­bat” eine Rol­le spielt oder wie ent­schei­dend das Wort “Schuld­schein” ist. Aber an der eigent­li­chen Begrün­dung kommt nie­mand vor­bei:

“Das alles ist nur ein Schat­ten des Zukünf­ti­gen; leib­haf­tig aber ist es in Chris­tus.

Das Pas­sah­lamm (Anti­ty­pus: Jesus, das Lamm Got­tes) war eben­so ein Schat­ten des Künf­ti­gen, also ein Hin­weis auf das gro­ße per­fek­te Opfer Jesu! Natür­lich haben die Opfer ihre Bedeu­tung ver­lo­ren, da Jesus bereits für uns gestor­ben ist. Dar­um brau­chen wir kei­ne Tie­re mehr zu schlach­ten, etc. (sie­he auch Hebr 10, 14.18!). Man beach­te die fast iden­ti­sche Aus­drucks­wei­se von Kol 2,17 und Hebr 10,1 im Hin­blick auf Schat­ten.

Gehö­ren aber auch die Zehn Gebo­te in die Kate­go­rie der alt­tes­ta­ment­li­chen Typen, der Schat­ten des Zukünf­ti­gen? Sind sie ledig­lich ein Hin­weis auf Jesus und sein Opfer gewe­sen? Nein! Ins Auge springt dabei beson­ders der Sab­bat, der nie ein Schat­ten des Zukünf­ti­gen sein soll­te, son­dern immer auf die Ver­gan­gen­heit wies, näm­lich auf die Schöp­fungs­wo­che! Wir kön­nen also schlie­ßen, dass Kol 2, 13ff kei­nes­falls auf den Wochen­sab­bat anzu­wen­den ist!

Nun kann man ein­wen­den, dass doch Pau­lus klar von Sab­ba­ten spricht. Wie ist dies zu erklä­ren?

Es lässt sich gram­ma­ti­ka­lisch nicht ein­deu­tig sagen, was mit Sab­ba­ten gemeint ist. Die Plu­ral­form wird in Mt 28,1 auch auf einen ein­zel­nen Sab­bat ange­wen­det.

Die Juden hat­ten außer dem Wochen­sab­bat noch ande­re Fei­er­ta­ge, die übri­gens wie­der­um “Schat­ten” waren. Als Bei­spiel sei hier der Ver­söh­nungs­tag genannt (sie­he 3Mo 23f – w. Bsp.: Joh 13,19: Pas­sah (15. Nisan)). Die­ser Tag wur­de u. a. eben­falls als ein Sab­bat bezeich­net (sie­he Vers 32)! Es ist nahe­lie­gend, dass die­se “Fest-Sab­ba­te” in Kol 2,16 gemeint sind!

Selbst wenn in Kol 2,16 mit Sab­bat auch der Wochen­sab­bat gemeint sein soll­te, so macht der Kon­text deut­lich, dass es Pau­lus um die ritu­el­len Opfer am Sab­bat und an den ande­ren Fest­ta­gen geht und nicht um den Sab­bat aus 2Mo 20 bzw. aus 1Mo 2 an sich. Pau­lus zählt Bei­spie­le auf, um klar­zu­ma­chen, wel­che Sat­zun­gen er meint. (Vergl. Heb 9,1.10 und Heb 10!) In Kol 2,16.17 fin­den wir:

ObjektZuord­nung
Spei­se (-Opfer)Opfer­dienst, erfüllt
Trank (-Opfer)Opfer­dienst, erfüllt
bestim­me Fei­er­tag (z.B. Pas­sah)Opfer JESU!, erfüllt
Neu­mondOpfer­dienst, erfüllt
Wochen-Sab­baterfüllt? leib­haf­tig in Chris­tus?
Fest-Sab­bat (z. B. Ver­söh­nungs­tag) (oder Opfer am Sab­bat) Opfer­dienst, erfüllt!

Betrach­tet man Kol 2, 14–17 zusam­men mit Eph 2, 15 in Ver­bin­dung mit Heb 9,1.10 + Heb 10, dann wird klar, um wel­che Sat­zun­gen es in Kol 2 geht!

Hebr 9,1.10: “Es hat­te zwar auch der ers­te Bund sei­ne Sat­zun­gen für den Got­tes­dienst und sein irdi­sches Hei­lig­tum. … Dies sind nur äußer­li­che Sat­zun­gen über Spei­se und Trank und ver­schie­de­ne Waschun­gen, die bis zu der Zeit einer bes­se­ren Ord­nung auf­er­legt sind.

Man beach­te die Schlüs­sel­wör­ter “Sat­zun­gen”, “Spei­se und Trank” im Ver­gleich zu Kol 2,16.

Eph 2,15: “In sei­nem Fleisch hat er die Feind­schaft, das Gesetz der Gebo­te in Sat­zun­gen, besei­tigt, um die zwei – Frie­den stif­tend – in sich selbst zu einem neu­en Men­schen zu schaf­fen.

Auch hier ist inter­es­sant, dass Pau­lus die Rede­wen­dung “das Gesetz der Gebo­te in Sat­zun­gen” ver­wen­det. Natür­lich meint Pau­lus auch hier nicht die Moral­ge­set­ze und daher nicht die Zehn Gebo­te! Schließ­lich schreibt Pau­lus eini­ge Sei­ten wei­ter in Eph 4,25f, dass man nicht lügen oder steh­len soll. In Har­mo­nie mit der Berg­pre­digt Jesu, die Zorn mit dem Gebot “Du sollst nicht töten.” ver­bin­det, ermahnt Pau­lus sei­ne Geschwis­ter: “Zürnt ihr, so sün­digt nicht: Laßt die Son­ne nicht über eurem Zorn unter­ge­hen.” – Ein sehr wei­ser Rat!

In Hebr 10 wird an den „äußer­li­chen Sat­zun­gen über Spei­se und Trank”, die zere­mo­ni­el­len Sat­zun­gen, ange­schlos­sen:

Hebr 10,1–18 “Denn das Gesetz hat nur einen Schat­ten von den zukünf­ti­gen Gütern, nicht das Wesen der Güter selbst. Des­halb kann es die, die opfern, nicht für immer voll­kom­men machen, da man alle Jah­re die glei­chen Opfer brin­gen muss. Hät­te nicht sonst das Opfern auf­ge­hört, wenn die, die den Got­tes­dienst aus­rich­ten, ein für alle­mal rein gewor­den wären und sich kein Gewis­sen mehr gemacht hät­ten über ihre Sün­den?

— Kom­men uns die­se Schat­ten, die auf Chris­tus hin­wie­sen, nicht bekannt vor? Lesen wir wei­ter:

Viel­mehr geschieht dadurch alle Jah­re nur eine Erin­ne­rung an die Sün­den. Denn es ist unmög­lich, durch das Blut von Stie­ren und Böcken Sün­den weg­zu­neh­men. Dar­um spricht er, wenn er in die Welt kommt (Psalm 40,7–9): »Opfer und Gaben hast du nicht gewollt; einen Leib aber hast du mir geschaf­fen. Brand­op­fer und Sünd­op­fer gefal­len dir nicht. Da sprach ich: Sie­he, ich kom­me – im Buch steht von mir geschrie­ben -, dass ich tue, Gott, dei­nen Wil­len.« Zuerst hat­te er gesagt: »Opfer und Gaben, Brand­op­fer und Sünd­op­fer hast du nicht gewollt, sie gefal­len dir auch nicht«, obwohl sie doch nach dem Gesetz geop­fert wer­den. Dann aber sprach er: »Sie­he, ich kom­me, zu tun dei­nen Wil­len.« Da hebt er das ers­te auf, damit er das zwei­te ein­set­ze. Nach die­sem Wil­len sind wir gehei­ligt ein für alle­mal durch das Opfer des Lei­bes Jesu Chris­ti. Und jeder Pries­ter steht Tag für Tag da und ver­sieht sei­nen Dienst und bringt oft­mals die glei­chen Opfer dar, die doch nie­mals die Sün­den weg­neh­men kön­nen. Die­ser aber hat ein Opfer für die Sün­den dar­ge­bracht, und sitzt nun für immer zur Rech­ten Got­tes und war­tet hin­fort, bis sei­ne Fein­de zum Sche­mel sei­ner Füße gemacht wer­den. Denn mit EINEM Opfer hat er für immer die voll­endet, die gehei­ligt wer­den.

— Jesus, das Lamm, das die Sün­de der Welt trägt, war das EINE Opfer. Das Opfer­ge­setz war ein Schat­ten von Jesus… Der Kör­per ist aber Chris­ti! Von nichts ande­rem als von die­sen Din­gen spricht Pau­lus auch im Koloss­erbrief! Damit soll­te Kol 2,16 geklärt sein. Lesen wir noch den Rest von Hebr 10:

Das bezeugt uns aber auch der hei­li­ge Geist. Denn nach­dem der Herr gesagt hat (Jere­mia 31,33–34): »Das ist der Bund, den ich mit ihnen schlie­ßen will nach die­sen Tagen«, spricht er: »Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn will ich es schrei­ben, und ihrer Sün­den und ihrer Unge­rech­tig­keit will ich nicht mehr geden­ken.« Wo aber Ver­ge­bung der Sün­den ist, da geschieht kein Opfer mehr für die Sün­de. (Sie­he Hebr 8,12)

Eine wun­der­ba­re Aus­sa­ge, der NEUE BUND, der schon in Hebr 8,10 erwähnt wird:

Denn das ist der Bund, den ich schlie­ßen will mit dem Haus Isra­el nach die­sen Tagen, spricht der Herr: Ich will mein Gesetz geben in ihren Sinn, und in ihr Herz will ich es schrei­ben und will ihr Gott sein, und sie sol­len mein Volk sein.

Nun die Quiz­fra­ge: Wel­ches Gesetz schreibt Gott in unse­re Her­zen und in unse­ren Sinn? Ist es nicht so, dass Gott die mora­li­schen Wer­te, die Er einst mit den Fin­gern in Stein schrieb, nun in unse­re Her­zen schreibt? Haben sich der Gott und sei­ne Wer­te geän­dert? Natür­lich nicht! Gott war, ist und bleibt immer der­sel­be!

Wei­te­re wich­ti­ge Bibel­stel­len zum The­ma Gesetz:
1Kor 7,19 und Röm 2, 25–27

Wei­te­re Stel­len zum Gesetz:
Mt 7,12 und Apg 24,14; 25,8
1Tim 1,8.9

Neben­bei: Das Gesetz Got­tes hat­te offen­sicht­lich für Pau­lus einen hohen Stel­len­wert, denn er schreibt, dass er dem Gesetz Got­tes dient und sogar: “… ich habe mei­ne Lust an Got­tes Gesetz …” (Röm 7,22.25) – Soll­ten wir nicht das Glei­che sagen?

S. Witt­wer gibt zu Beden­ken: “Wenn sie ein Segen für die Men­schen damals waren, kön­nen wir jeden­falls sie nicht ein­fach als “alt­tes­ta­ment­lich” vom Tisch fegen. Wir soll­ten uns viel­mehr fra­gen, wel­che Grund­sät­ze dahin­ter­ste­hen und wel­che Bedeu­tung die­se Grund­sät­ze für uns heu­te haben. Dafür ein paar Bei­spie­le:

  • 5Mo 23,13–14: Gott wünscht Hygie­ne und Sau­ber­keit. Soll­te Jesus die­ses Gebot etwa ans Kreuz gena­gelt haben?
  • 5Mo 22,1: Ein weg­ge­lau­fe­nes Tier soll­te zum Besit­zer zurück­ge­bracht wer­den. Nur ein jüdi­sches Gebot, für Chris­ten nicht ver­bind­lich?
  • 5Mo 18,9–11: Gott ver­bie­tet Spi­ri­tis­mus und okkul­te Prak­ti­ken. Brau­chen sich Chris­ten nicht dar­an hal­ten, weil es ein alt­tes­ta­ment­li­ches Gebot ist?
  • 3Mo 18,23: Gott ver­bie­tet geschlecht­li­che Ver­ir­run­gen wie Sodo­mie (Geschlechts­ver­kehr mit Tie­ren). Ein mosai­sches Gebot, das für Chris­ten nicht mehr gilt?

Die­se Bei­spie­le zei­gen, dass es kei­ne pau­scha­len Ungül­tig­keits­er­klä­run­gen bei der Fra­ge alt­tes­ta­ment­li­cher Gebo­te gibt. Statt uns aber am Buch­sta­ben fest­zu­hal­ten, soll­ten wir über den Sinn eines Geset­zes nach­den­ken, um Ablei­tun­gen für unser heu­ti­ges Leben zu fin­den. Wenn etwas für die Men­schen vor 3400 Jah­ren gut war, war­um soll­te es dann nicht auch für uns gut sein?”

Geschichtliches: Warum wird der Sonntag geheiligt?


Dass heu­te der Groß­teil der christ­li­chen Welt den Sonn­tag fei­ert, ist nicht das Ergeb­nis eines bibli­schen Gebo­tes, son­dern die Fol­ge eines lan­gen geschicht­li­chen Abwei­chungs­pro­zes­ses von der bibli­schen Grund­la­ge.

Mit der Aus­deh­nung des Römi­schen Rei­ches und den jüdi­schen Auf­stän­den gegen Rom (66–70 n. Chr.; 132–135 n. Chr.) ver­schärf­te sich die gesell­schaft­li­che Ableh­nung des Juden­tums. In die­sem anti­jü­di­schen Kli­ma began­nen vie­le Chris­ten, sich bewusst von jüdi­schen Wur­zeln zu distan­zie­ren. Der Sab­bat wur­de dabei als „jüdi­sches Kenn­zei­chen“ dif­fa­miert, obwohl er biblisch weder eth­nisch noch zeit­lich begrenzt war.Dieser Wan­del vom Sab­bat zum Sonn­tag war kul­tu­rell und poli­tisch moti­viert.

Par­al­lel dazu gewann der ers­te Tag der Woche als Auf­er­ste­hungs­ge­denk­tag an Bedeu­tung. In den ers­ten Jahr­hun­der­ten exis­tier­ten daher ver­schie­de­ne Pra­xis­for­men neben­ein­an­der: sab­bat­hal­ten­de Chris­ten, Gemein­den mit Sab­bat­ru­he und zusätz­li­cher Sonn­tags­ver­samm­lung sowie zuneh­mend Gemein­den, die sich aus­schließ­lich am Sonn­tag ori­en­tier­ten.

Ab dem 2. Jahr­hun­dert las­sen sich in der kirch­li­chen Lite­ra­tur deut­li­che anti­jü­di­sche Ten­den­zen erken­nen. Kir­chen­vä­ter wie Igna­ti­us von Antio­chi­en, Jus­tin der Mär­ty­rer oder spä­ter Johan­nes Chry­sosto­mos grif­fen jüdi­sche Bräu­che pole­misch an und stell­ten den Sab­bat als über­holt oder geist­lich min­der­wer­tig dar. Damit wur­de der Boden berei­tet für eine theo­lo­gi­sche Umdeu­tung: Der von Gott ein­ge­setz­te Sab­bat wur­de zuneh­mend ent­wer­tet, wäh­rend der Sonn­tag als neu­es Iden­ti­täts­merk­mal des Chris­ten­tums pro­pa­giert wur­de.

Es ist beim Ver­weis auf die Kir­chen­vä­ter wich­tig zu wis­sen, dass ihre Ansich­ten und Leh­ren nicht feh­ler­frei waren und die­se Schrif­ten ent­spre­chend zurück­hal­tend in Debat­ten zu ver­wen­den sind.

  • Der Bar­na­bas­brief und der Anti­ju­da­is­mus: Der Ver­fas­ser des Bar­na­bas­briefs war tief im Anti­ju­da­is­mus ver­wur­zelt und behaub­te­te, die Juden hät­ten den Bund mit Gott durch das gol­de­ne Kalb end­gül­tig ver­lo­ren und die Gebo­te (wie den Sab­bat) nie ver­stan­den und betrach­te­te den Sab­bat der Juden als “Irr­tum”. Fer­ner lässt der Autor sich zu einem abstru­sen Alle­go­ris­mus hin­rei­ßen: Er behaup­tet, die Spei­se­ge­bo­te (kein Schwei­ne­fleisch etc.) sei­en nie wört­lich gemeint gewe­sen. Man dür­fe nur kei­ne Men­schen „essen“, die wie Schwei­ne leben. Die­se Ansich­ten wie­der­spre­chen der Bibel deut­lich, denn weder hat Gott die Juden durch das gol­de­ne Kalb ver­wor­fen noch waren die Spei­se­ge­bo­te bizar­ren Zoo­lo­gie-Meta­phern über den Cha­rak­ter von Nach­barn, son­dern hat­ten einen kon­kre­ten Sinn und Nut­zen.
  • Die Schrif­ten des Igna­ti­us von Antio­chi­en zeu­gen von einer Über­hö­hung des Bischofs­am­tes. Igna­ti­us for­dert abso­lu­te Unter­ord­nung unter den Bischof: „Wo der Bischof ist, da sei die Gemein­de, so wie da, wo Jesus Chris­tus ist, die katho­li­sche Kir­che ist“ (Smyrn. 8,2). – Ohne die Anwen­sheit eines Bischofs waren Tau­fen und Lie­bes­mahl ungül­tig. Er for­der­te: „Nie­mand tue ohne den Bischof etwas!“. Ein deut­li­cher Kon­filkt zu Jesus Aus­sa­ge (Mt 18,20) und der Pra­xis der ers­ten Chris­ten: Das NT bin­det das Heil an den Glau­ben an Chris­tus (Eph 2,8–9), nicht an die Anwe­sen­heit eines spe­zi­fi­schen Amts­trä­gers. Im NT sind die Begrif­fe „Ältes­ter“ (pres­by­te­ros) und „Aufseher/Bischof“ (epi­sko­pos) aus­tausch­bar (sie­he Apg 20,17+28 oder Tit 1,5–7). Es gab immer eine Plu­ra­li­tät von Lei­tern. Igna­ti­us macht aus dem Die­ner-Dienst ein mon­ar­chi­sches Amt.
  • Die Dida­che (Zwölf­apos­tel­leh­re) zeigt, wie aus dem leben­di­gen Geist des Evan­ge­li­ums ers­te star­re Regeln wur­den. Den Gläu­bi­gen wur­den Regeln auf­er­legt, die wir nicht in der Bibel fin­den, z. B. wo man nicht in flie­ßen­dem Was­ser tau­fen konn­te, soll­te man Was­ser drei­mal über den Kopf gie­ßen – aber der Täuf­ling müs­sen vor­her ein bis zwei Tage fas­ten. Eine Vor­schrift, vor der Tau­fe zu fas­ten oder Was­ser über den Kopf zu gie­ßen, ist biblisch nicht begründ­bar und wird auch nicht bei kurz­fris­ti­gen Tauf­ent­schei­dun­gen über­lie­fert (der Käm­me­rer aus Äthio­pi­en in Apg 8 oder der Ker­ker­meis­ter in Apg 16). Die Dida­che ver­bin­det den Gna­den­akt mit einer ritu­el­len Leis­tung. Auch das Fas­ten selbst unter­liegt Vor­schrif­ten, die eine Distan­zie­rung vom Juden­tum unter­strei­chen sol­len. „Eure Fas­ten sol­len nicht mit denen der Heuch­ler [die Juden] sein; denn sie fas­ten am Mon­tag und Don­ners­tag; ihr aber sollt am Mitt­woch und Frei­tag fas­ten“ (Kap. 8). Sol­che Vor­schrif­ten wider­spre­chen dem Geist des Evan­ge­li­ums, wie er in Römer 14 und Gal 4 zum Aus­druck kommt.
  • Jus­tin der Mär­ty­rer lehr­te den Logos Sper­ma­ti­kos – die Idee, dass gött­li­che Samen der Wahr­heit auch in der heid­ni­schen Phi­lo­so­phie (Sokra­tes, Pla­ton) steck­ten. Wer nach der Ver­nunft leb­te, sei qua­si „Christ vor Chris­tus“ gewe­sen. Wäh­rend Pau­lus in Apg 17 Anknüp­fungs­punk­te sucht, betont er in 1Kor 1,21–23, dass das Evan­ge­li­um für die Grie­chen eine „Tor­heit“ ist. Jus­tin ris­kier­te, das Kreuz Chris­ti zu einem blo­ßen phi­lo­so­phi­schen Upgrade zu machen. Es ist wahr, dass auch Pau­lus im Römer­brief von den Hei­den schrieb, dass sie zwar das mosai­sche Gesetz (Tora) nicht hat­ten, den­noch „von Natur aus tun, was das Gesetz for­dert“. Sie zei­gen damit, dass das Gesetz in ihre Her­zen geschrie­ben ist. Ihr Gewis­sen und ihre eige­nen Gedan­ken kla­gen sie an oder ver­tei­di­gen sie. Der eigent­li­che Gedan­ke Pau­li war: Die Hei­den wer­den nicht nach dem mosai­schen Gesetz gerich­tet, das sie nie hat­ten, son­dern danach, wie sie dem „Gesetz des Her­zens“ (dem natür­li­chen Sit­ten­ge­setz) ent­spro­chen haben. Damit wer­den sie genau wie die Juden vor Gott schul­dig und kön­nen sich nicht mit Ver­weis auf die Unkennt­nis des moseani­schen Geset­zes ent­schul­di­gen. Jus­tin geht hier deut­lich über die Sicht­wei­se Pau­li hin­aus.
    Fer­ner behaup­te­te Jus­tin, die Beschnei­dung sei den Juden nur als „Stra­fe“ und „Kenn­zei­chen“ gege­ben wor­den, damit man sie bei Ver­fol­gun­gen leich­ter erken­nen kön­ne. Ein deut­li­cher bibli­scher Kon­flikt, denn in Römer 4 erklärt Pau­lus, dass die Beschnei­dung ein „Sie­gel der Gerech­tig­keit des Glau­bens“ war. Jus­tins Sicht ist his­to­risch und theo­lo­gisch pole­misch und ver­zerrt den Bund Got­tes mit Abra­ham.
  • Chry­sosto­mos (344–407 n. Chr.), Patri­arch von Kon­stan­ti­no­pel, gilt als einer der größ­ten Pre­di­ger. Doch sein Erbe ist durch extre­men Anti­ju­da­is­mus belas­tet: In sei­nen acht Pre­dig­ten gegen die Juden bezeich­ne­te er Syn­ago­gen als „Huren­häu­ser“ und behaup­te­te, Gott habe die Juden für immer ver­wor­fen, weil sie Chris­tus getö­tet hät­ten. Er for­der­te Chris­ten auf, jeden Kon­takt zu ver­mei­den. Dies bricht radi­kal mit dem Gebot der Nächs­ten­lie­be und Jesu Wor­ten am Kreuz: „Vater, ver­gib ihnen, denn sie wis­sen nicht, was sie tun“ (Lk 23,34). Die­se Hal­tung steht im deut­li­chen Gegen­satz zu dem Bemü­hen, Juden für Chris­tus zu gewin­nen (Römer 9–11). Er ver­stärk­te eine bereits vor­han­de­ne Idee, dass das Kai­ser­reich I. der irdi­sche Arm Got­tes sei – eine Vor­stel­lung, die zuvor bei Kon­stan­tin und Euse­bi­us von Cäsarea auf­ge­tre­ten ist und spä­ter zu staat­li­chen Maß­nah­men mit reli­giö­ser Moti­va­ti­on führ­te.”
  • Die Abkehr von der Gewalt­frei­heit und die Ent­wick­lung des Kon­zepts des „gerech­ten Krie­ges“ und der „Bekeh­rung mit dem Schwert“ (Augus­ti­nus) sind all­ge­mein bekann­te Schat­ten­sei­ten in der Geschich­te der christ­li­chen Kir­che.

Wir sehen bei den Kir­chen­vä­tern ein Mus­ter: Vom Geist zum Gesetz und Ritu­al (Dida­che), vom Dienst zum Amt (Igna­ti­us), von der Gna­de zur phi­lo­so­phi­schen Anglei­chung (Jus­tin), vom Zeug­nis zum Zwang (Chry­sosto­mos, spä­ter Augus­ti­nus). Die Abkehr von den Juden, die doch an den glei­chen Gott wie die Chris­ten glau­ben und für die Pau­lus noch mit Herz­blut warb, zieht sich durch die frü­he Kir­chen­ge­schich­te.

Die Rol­le von Kai­ser Kon­stan­tin und der insti­tu­tio­nel­len Kir­che

Einen ent­schei­den­den Wen­de­punkt mar­kiert das Jahr 321 n. Chr., als Kai­ser Kon­stan­tin der Gro­ße per Gesetz den „dies solis“ – den Tag der Son­ne – zum all­ge­mei­nen Ruhe­tag erklär­te. Die­ses Gesetz hat­te kei­nen bibli­schen Ursprung, son­dern ver­band römisch-heid­ni­sche Son­nen­ver­eh­rung mit einer poli­tisch oppor­tu­nen Form des Chris­ten­tums. Damit trat staat­li­che Auto­ri­tät an die Stel­le gött­li­cher Anord­nung.

Nur weni­ge Jahr­zehn­te spä­ter folg­te die kirch­li­che Absi­che­rung die­ses Bruchs. Auf dem Kon­zil von Lao­di­zea (ca. 363–364 n. Chr.) wur­de Chris­ten aus­drück­lich ver­bo­ten, den Sab­bat zu hal­ten; statt­des­sen soll­ten sie am Sab­bat arbei­ten und den Sonn­tag ehren. Hier zeigt sich klar, dass der Sab­bat nicht „natür­lich ver­blass­te“, son­dern aktiv bekämpft und ver­drängt wur­de. Der Vor­wurf des „Judai­sie­rens“ dien­te dabei als theo­lo­gi­sches Druck­mit­tel.

Im wei­te­ren Ver­lauf der Kir­chen­ge­schich­te wur­de der Sonn­tag zuneh­mend mit hei­li­ger Bedeu­tung auf­ge­la­den, wäh­rend die Auto­ri­tät der Kir­che offen über die der Hei­li­gen Schrift gestellt wur­de. Die­se Ent­wick­lung fin­det ihren Aus­druck bis in die Gegen­wart: Im römisch-katho­li­schen Kate­chis­mus wird das vier­te Gebot nicht mehr wort­ge­treu wie­der­ge­ge­ben („Geden­ke des Sab­bat­ta­ges, dass du ihn hei­ligst“), son­dern all­ge­mein for­mu­liert als „Geden­ke, dass du die Fei­er­ta­ge hei­ligst“. Damit wird der von Gott fest­ge­leg­te sie­ben­te Tag durch kirch­li­che Fest­set­zung ersetzt. Wer sich heu­te nicht näher mit der Kir­chen­ge­schich­te und mit dem Stu­di­um der Bibel beschäf­tigt, wird von sich aus, kaum über die Fra­ge Sab­bat oder Sonn­tag stol­pern. Der Sonn­tag gilt für die meis­ten Chris­ten als der „Fei­er­tag“ aus den Zehn Gebo­ten – ohne, dass es dafür eine soli­de bibli­sche Grund­la­ge gäbe.

Manch­mal wird behaup­tet, dass kei­ne Kir­che bean­sprucht hät­te, den Fei­er­tag vom Sab­bat auf den Sonn­tag ver­legt zu haben. Auch wenn das Kon­zil von Lao­di­zea die­se Ver­le­gung nur indi­rekt beschreibt, gibt es auf der römisch-katho­li­schen Sei­te beacht­li­che Äuße­run­gen.

In dem Werk “The Convert’s Cate­chism of Catho­lic Doctrine”,einem Kate­chis­mus für Kon­ver­ti­ten, schrieb Rev. Peter Gei­er­mann:

Fra­ge: „War­um hal­ten wir den Sonn­tag statt des Sab­bats?“

Ant­wort: „Wir hal­ten den Sonn­tag anstel­le des Sab­bats, weil die katho­li­sche Kir­che auf dem Kon­zil von Lao­di­zea (336 n. Chr.) die Fei­er­lich­keit von dem Sams­tag auf den Sonn­tag über­tra­gen hat.“

Quel­le: Rev. Peter Gei­er­mann, The Convert’s Cate­chism of Catho­lic Doc­tri­ne, St.Louis: B Her­der Book Com­pa­ny, 1957 ed., S. 50) – Es ist bemer­kens­wert, dass die­ses Buch von Papst Pius X. am 25. Janu­ar 1910 den „Apos­to­li­schen Segen“ erhielt.

Auch fol­gen­der Aus­zug, lässt kei­nen Zwei­fel am Selbst­ver­ständ­nis in römisch-katho­li­schen Krei­sen:

„Der hei­li­ge Tag, der Sab­bat, wur­de vom Sams­tag auf den Sonn­tag ver­legt … nicht auf­grund irgend­ei­nes Hin­wei­ses in der Hei­li­gen Schrift, son­dern durch die Kir­che im Bewusst­sein ihrer Macht … Leu­te, die den­ken, dass die Hei­li­ge Schrift die ein­zig maß­geb­li­che Auto­ri­tät sein soll­te, soll­ten logi­scher­wei­se Sie­ben­ten-Tags-Adven­tis­ten wer­den und den Sams­tag hei­lig hal­ten.“ (Kar­di­nal Mai­da, Erz­bi­schof von Detroit, Saint Cath­ri­ne Catho­lic Church Sen­ti­nel, Algo­nac, Michi­gan, 21. Mai 1995)

Der Kate­chis­mus der Katho­li­schen Kir­che (KKK) ist ein vom Vati­kan her­aus­ge­ge­be­nes Lehr­do­ku­ment, das in durch­ge­hen­der Num­me­rie­rung theo­lo­gi­sche Leh­re sys­te­ma­tisch dar­legt.

Dort lesen wir unter Abschnitt 2175:

Der Sonn­tag unter­schei­det sich aus­drück­lich vom Sab­bat, auf den er jede Woche chro­no­lo­gisch folgt; für Chris­ten ersetzt sei­ne zere­mo­ni­el­le Ein­hal­tung die des Sab­bats.

In die­sem Sin­ne äußer­te sich auch Papst Johan­nes Paul II. (Dies Domi­ni, 1998). Es steht außer Fra­ge, dass sei­tens der römisch-katho­li­schen Kir­che eine Ver­schie­bung und Erset­zung des Sab­bats pro­pa­giert wird.

Eine umfas­sen­de katho­li­sche Zitat­samm­lung zum The­ma befin­det sich auf einer Unter­sei­te.


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