Der Zustand der Toten

Relevanz des Themas

Was pas­siert nach dem Tod? Die Vor­stel­lun­gen vom Zustand der Toten sind so viel­fäl­tig wie die Kul­tu­ren der Mensch­heit. Die alten Ägyp­ter kann­ten ein gött­li­ches Gericht und ein Wei­ter­le­ben im Reich des Osi­ris. In der nor­di­schen Mytho­lo­gie erwar­te­te tap­fe­re Krie­ger das fest­li­che Wal­hall, wäh­rend ande­re in das düs­te­re Hel­heim gin­gen.

Vie­le indi­ge­ne Tra­di­tio­nen ver­eh­ren die Toten als schüt­zen­de Ahnen, die mit den Leben­den ver­bun­den blei­ben. Im Hin­du­is­mus und Bud­dhis­mus ist der Tod ein Über­gang im Kreis­lauf der Wie­der­ge­burt (Samsa­ra), ange­trie­ben vom Kar­ma. Die alten Grie­chen fürch­te­ten den schat­ten­haf­ten Hades, und in eini­gen moder­nen, säku­la­ren Gesell­schaf­ten gilt der Tod als das end­gül­ti­ge Erlö­schen des Bewusst­seins.

Die Fra­ge, was nach dem Tod pas­siert, betrifft alle Men­schen. Es gibt jedoch bestimm­te Grup­pen, für die das The­ma „Zustand der Toten“ von beson­de­rer Rele­vanz ist. In die­sem Arti­kel wird ver­tre­ten, dass die Toten in einem Zustand der Bewusst­lo­sig­keit ver­har­ren, und dies hat für fol­gen­de Grup­pen beson­de­re Impli­ka­tio­nen:

  • Geisterbeschwörer/Medien: Vie­le Men­schen glau­ben, Kon­takt mit Ver­stor­be­nen auf­neh­men zu kön­nen. Soll­ten die Toten jedoch bewusst­los sein, wäre eine sol­che Kon­takt­auf­nah­me kaum mög­lich. Sofern Medi­en tat­säch­lich auf über­na­tür­li­chem Weg Infor­ma­tio­nen erhal­ten, könn­ten ihre wah­ren Quel­len kri­tisch hin­ter­fragt wer­den.
  • Gla­ü­bi­ge, die Gebe­te an Ver­stor­be­ne (z. B. Hei­li­ge) rich­ten: Wenn Ver­stor­be­ne tat­säch­lich in einem Bewusstseins­aus­schalt­zustand ruhen, wären Für­bit­ten an sie wir­kungs­los und blie­ben uner­hört.
  • Trau­ern­de, die mehr als die Hoff­nung auf die Auf­er­ste­hung brau­chen: Kri­ti­ker des „See­len­schlafs“ argu­men­tie­ren, ein bewusst­lo­ser Zustand bie­te kei­nen ech­ten Trost. Erst die Vor­stel­lung, der Ver­stor­be­ne sei jetzt schon bei Chris­tus und sehe ihn, ver­mit­te­le „müt­ter­li­che Wär­me“. Auch trös­ten­de Wor­te am Grab wie „Jetzt blickt er/sie auf uns her­ab…“ müss­ten ent­fal­len, wenn die Toten tat­säch­lich nicht bei Bewusst­sein sind.
  • Jene, denen es ein­fach um die Wahr­heit geht: Natür­lich kann jeder Irr­tum ein Fall­strick sein. Das Stre­ben nach Erkennt­nis ist wich­tig, darf aber nicht in Über­heb­lich­keit umschla­gen oder ande­ren auf­ge­zwun­gen wer­den.

Der Tod in der Bibel

“Denn wir wis­sen, dass der, der den Herrn Jesus auf­er­weckt hat, wird uns auch auf­er­we­cken mit Jesus und wird uns vor sich stel­len samt euch.” (2Kor 4, 14)

In der Bibel wird der Tod viel­fach mit Schlaf ver­gli­chen, und zahl­rei­che Stel­len ver­si­chern, dass alle Men­schen einst aus die­sem „Todes­schlaf“ auf­er­weckt wer­den. Die Auf­er­ste­hung der Toten war bereits im Juden­tum und in der frü­hen Kir­che umstrit­ten. Pau­lus schreibt dazu:

Wenn aber Chris­tus gepre­digt wird, dass er von den Toten auf­er­stan­den ist, wie sagen dann eini­ge unter euch: Es gibt kei­ne Auf­er­ste­hung der Toten? Gibt es kei­ne Auf­er­ste­hung der Toten, so ist auch Chris­tus nicht auf­er­stan­den. Ist aber Chris­tus nicht auf­er­stan­den, so ist uns­re Pre­digt ver­geb­lich, so ist auch euer Glau­be ver­geb­lich.
Wir wür­den dann auch als fal­sche Zeu­gen Got­tes befun­den, weil wir gegen Gott bezeugt hät­ten, er habe Chris­tus auf­er­weckt, den er nicht auf­er­weckt hät­te, wenn doch die Toten nicht auf­er­ste­hen.
Denn wenn die Toten nicht auf­er­ste­hen, so ist Chris­tus auch nicht auf­er­stan­den. Ist Chris­tus aber nicht auf­er­stan­den, so ist euer Glau­be nich­tig, so seid ihr noch in euren Sün­den; so sind auch die, die in Chris­tus ent­schla­fen sind, ver­lo­ren. Hof­fen wir allein in die­sem Leben auf Chris­tus, so sind wir die Elen­des­ten unter allen Men­schen.
” (1Kor 15,12–19)

Für Pau­lus steht fest, dass es eine Auf­er­ste­hung der Toten geben wird. Aber wann ist die­ser Tag?

Wann ist der Jüngste Tag?

Denn dies ist der Wil­le mei­nes Vaters, dass jeder, der den Sohn sieht und an ihn glaubt, ewi­ges Leben habe; und ich wer­de ihn auf­er­we­cken am letz­ten Tage.” (Joh 6,40 – Elber­fel­der)

Es kann nie­mand zu mir kom­men, es sei denn, ihn zie­he der Vater, der mich gesandt hat, und ich wer­de ihn auf­er­we­cken am Jüngs­ten Tage.” (Joh 6,44)

Wie die­se Tex­te zei­gen, sol­len alle Ent­schla­fe­nen, die an Jesus glau­ben, am „Jüngs­ten Tage“ auf­er­weckt wer­den. Doch wann ist die­ser Tag? Ist es der Tag, an dem man stirbt?

Wir lesen dazu, in Johan­nes 11 den Bericht über die Auf­er­we­ckung des Laza­rus. Jesus ist mit sei­nen Jün­gern vier Tage, nach­dem Laza­rus begra­ben wor­den war, zu Maria und Mar­ta gekom­men.

Jesus spricht zu ihr: Dein Bru­der wird auf­er­ste­hen. Mar­ta spricht zu ihm: Ich weiß wohl, dass er auf­er­ste­hen wird – bei der Auf­er­ste­hung am Jüngs­ten Tage.” (Joh 11,23–24)

Hier wird deut­lich, dass der Jüngs­te Tag in der Zukunft liegt – auch für Laza­rus, der bereits vier Tage begra­ben war. Alle Gläu­bi­gen erhal­ten ihren Lohn erst an die­sem einen Tag, nicht an ihrem indi­vi­du­el­len Todes­tag:

Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf voll­endet, ich habe Glau­ben gehal­ten. Hin­fort liegt für mich bereit die Kro­ne der Gerech­tig­keit, die mir der Herr, der gerech­te Rich­ter, an jenem Tag geben wird, nicht aber mir allein, son­dern auch allen, die sei­ne Erschei­nung lieb haben.” (2Tim 4,7–8)

Der „Jüngs­te Tag“ ist nicht der Tag, an dem man stirbt!

Alle Gläu­bi­gen bekom­men ihren Lohn (vgl. 1.Tim 6,12) an einem Tag, also nicht jeder an sei­nem jewei­li­gen Todes­tag! So ist es nicht ver­wun­der­lich, dass die Bibel nur von einer ein­zi­gen Auf­er­ste­hung der Gläu­bi­gen (1Kor 15,51–53; Offb 20,4–6; Dan 12,13, Joh 11,23–24) spricht. Sowohl gute als auch böse Men­schen erhal­ten ihren Lohn erst nach­dem Jesus auf die Erde wie­der­kommt – die­ser Tag ist der Jüngs­te Tag:

Denn es wird gesche­hen, dass der Men­schen­sohn kommt in der Herr­lich­keit sei­nes Vaters mit sei­nen Engeln, und dann wird er einem jeden ver­gel­ten nach sei­nem Tun.” (Mt 16,27)

Sie­he, ich kom­me bald und mein Lohn mit mir, einem jeden zu geben, wie sei­ne Wer­ke sind.” (Offb 22,12)

Der Pro­phet Dani­el soll­te bis ans Ende der Tage ruhen, um erst dann auf­zu­er­ste­hen. Der Psal­mist wird Got­tes Ant­litz erst sehen, wenn er (aus dem Todes­schlaf) erwacht:

Du aber, Dani­el, geh hin, bis das Ende kommt, und ruhe, bis du auf­er­stehst zu dei­nem Erb­teil am Ende der Tage!” (Dan 12,13)

Ich aber will schau­en dein Ant­litz in Gerech­tig­keit, ich will satt wer­den, wenn ich erwa­che, an dei­nem Bil­de.” (Ps 17,15)

Hiob schreibt sogar, dass der Mensch nicht erwacht, solan­ge der Him­mel bleibt (also auch am Ende der Tage):

so ist ein Mensch, wenn er sich nie­der­legt, er wird nicht wie­der auf­ste­hen; er wird nicht auf­wa­chen, solan­ge der Him­mel bleibt, noch von sei­nem Schlaf erweckt wer­den.” (Hiob 14,12)

Auch David, ein Freund Got­tes, ist vie­le Jahr­hun­der­te spä­ter immer noch nicht in den Him­mel auf­ge­fah­ren, son­dern ruht in sei­nem Grab:

Ihr Män­ner, lie­be Brü­der, lasst mich frei­mü­tig zu euch reden von dem Erz­va­ter David. Er ist gestor­ben und begra­ben, und sein Grab ist bei uns bis auf die­sen Tag. Denn David ist nicht gen Him­mel gefah­ren; son­dern er sagt selbst (Psalm 110,1): »Der Herr sprach zu mei­nem Herrn: Set­ze dich zu mei­ner Rech­ten, bis ich dei­ne Fein­de zum Sche­mel dei­ner Füße mache.«” (Apg 2,29.34–35)

In vie­len christ­li­chen Krei­sen ist die Idee ver­brei­tet, dass Jesus nach oder bei sei­ner Auf­er­ste­hung die “See­len” der ver­stor­be­nen gläu­bi­gen Men­schen aus dem Toten­reich mit in den Him­mel genom­men hat. Dem ist nicht so, denn Petrus sagt, dass David nicht gen Him­mel auf­ge­fah­ren ist. Davon abge­se­hen, berich­tet die Bibel nichts davon.

Jesu Wiederkunft

Jesus hat sei­nen Nach­fol­gern Woh­nun­gen im Him­mel ver­hei­ßen. Wür­den die Gläu­bi­gen unmit­tel­bar nach ihrem Tod in die­se himm­li­schen Räu­me ein­tre­ten, müss­te Chris­tus sie dort nicht erst abho­len. Im Johan­nes­evan­ge­li­um aber heißt es:

Im Hau­se mei­nes Vaters sind vie­le Woh­nun­gen. Wenn es nicht so wäre, wür­de ich euch gesagt haben: Ich gehe hin, euch eine Stät­te zu berei­ten. Und wenn ich hin­ge­he und euch eine Stät­te berei­te, so kom­me ich wie­der und wer­de euch zu mir neh­men, damit auch ihr seid, wo ich bin.” (Joh 14,2–3) 

Wir tref­fen den Her­ren erst bei der Wie­der­kunft, wenn er kommt, sei­ne Treu­en zu sich zu holen!

„Woh­nun­gen“ kann kein Syn­onym für „beim Her­ren Jesus“ sein. Es betrifft etwas, was Vor­be­rei­tung bedarf und erst den Gläu­bi­gen zur Ver­fü­gung steht, wenn Chris­tus kommt, um die Gläu­bi­gen zu sich zu neh­men.

Ähn­lich Pau­lus: Weder die Ent­schla­fe­nen noch die bei sei­ner Ankunft noch Leben­den erhal­ten einen Vor­teil. Bei­de Grup­pen wer­den zeit­gleich mit Chris­tus ver­eint:

Denn das sagen wir euch mit einem Wort des Herrn, dass wir, die wir leben und übrig blei­ben bis zum Kom­men des Herrn, denen nicht zuvor­kom­men wer­den, die ent­schla­fen sind. Denn er selbst, der Herr, wird, wenn der Ruf ertönt, wenn die Stim­me des Erz­engels und die Posau­ne Got­tes erschal­len, her­ab­kom­men vom Him­mel, und die Toten wer­den in Chris­tus auf­er­ste­hen zuerst. Danach wer­den wir, die wir leben und übrig blei­ben, zugleich mit ihnen ent­rückt wer­den auf den Wol­ken, dem Herrn ent­ge­gen in die Luft. Und so wer­den wir beim Herrn sein alle­zeit.” (1Thes 4,15–17, Luther 2017)

Jesu Wie­der­kunft, die Auf­er­ste­hung der Toten und die Ver­wand­lung der leben­den Gläu­bi­gen bil­den eine untrenn­ba­re, zeit­li­che Ein­heit..

Zwischenergebnis Tod

  1. Ver­stor­be­ne Gläu­bi­ge befin­den sich bis zur Wie­der­kunft Chris­ti nicht im Him­mel.
  2. Erst mit sei­nem Kom­men wer­den alle Ver­stor­be­nen und die noch Leben­den zugleich in sei­ne Gegen­wart ent­rückt.

Die The­se, dass gläu­bi­ge Men­schen unmit­tel­bar nach dem Tod „in den Him­mel“ gelan­gen, steht im Wider­spruch zu den obi­gen Bibel­stel­len. Fra­ge: Wo sind die Gläu­bi­gen zwi­schen Tod und Wie­der­kunft?

Eine unsterbliche Seele?

In der all­ge­mei­nen Dis­kus­si­on zum Zwi­schen­zu­stand spricht man oft von der „unsterb­li­chen See­le“ – einem nicht­kör­per­li­chen Anteil des Men­schen, der unab­hän­gig vom Leib wei­ter­exis­tiert. Die­ses Bild ent­spricht jedoch nicht dem bibli­schen Ver­ständ­nis.

Die Seele in der Bibel

Ein Pro­blem dabei besteht dar­in, dass – biblisch gese­hen – die See­le nicht das ist, was man volks­tüm­lich dar­un­ter ver­steht. Jeder kennt Dar­stel­lun­gen, auf denen sich die See­le im Moment des Todes vom Kör­per trennt. Wie sieht das die Bibel?

Die eigent­li­che Bedeu­tung des Wor­tes See­le wird bereits auf den ers­ten Sei­ten der Bibel auf­ge­zeigt:

Da bil­de­te Gott, der HERR, den Men­schen, <aus> Staub vom Erd­bo­den und hauch­te in sei­ne Nase Atem des Lebens; so wur­de der Mensch eine leben­de See­le” (1Mo 2,7 – Elber­fel­der)

Gott hat dem Men­schen kei­ne See­le gege­ben, son­dern der Mensch wur­de eine See­le, nach­dem Gott sei­nen Atem (Odem) in die Nase des Men­schen hin­ein­blies. “See­le” ist in der Bibel eine Bezeich­nung nicht nur für den Men­schen, son­dern auch für Vieh (4Mo 31,28; Offb 16,3 – jeweils Elber­fel­der). Sie ent­spricht nicht der “unsterb­li­chen See­le” etwa im Sin­ne der katho­li­schen bzw. evan­ge­li­schen Theo­lo­gie, denn die See­len in der Bibel kön­nen essen und trin­ken, haben Hun­ger, ja kön­nen sogar ster­ben (nach Elber­fel­der):

Eine gute Bot­schaft aus fer­nen Lan­den ist wie kalt Was­ser einer durs­ti­gen See­le.” (Spr 25,25)

Faul­heit ver­senkt in tie­fen Schlaf, und eine läs­si­ge See­le wird hun­gern.” (Spr 19,15)

Und wel­che See­le essen wird von dem Fleisch des Dank­op­fers, das dem HERRN zuge­hört, und hat eine Unrein­heit an sich, die wird aus­ge­rot­tet wer­den von ihrem Volk.” (3Mo 7,20)

Und sie schlu­gen alle See­len, die dar­in waren, mit der Schär­fe des Schwerts und ver­bann­ten sie, und er ließ nichts übrig blei­ben, das Odem hat­te, und ver­brann­te Hazor mit Feu­er.” (Jos 11,11)

Denn sie­he, alle See­len sind mein; des Vaters See­le ist sowohl mein als des Soh­nes See­le. Wel­che See­le sün­digt, die soll ster­ben.” (ELB, Hes 18,4) 

Wo ist jemand, der da lebt und den Tod nicht sähe? Der sei­ne See­le erret­te aus des Todes Hand?” (Ps 89,48)

“See­le” bezeich­net hier offen­bar schlicht­weg ein “leben­di­ges Wesen” (sie­he 1Mo 6,17; 1Mo 7,22). Sol­che Wesen bestehen laut 1Mo 2,7 aus dem Staub der Erde und dem Atem (bzw. Odem) Got­tes. Wenn ein Mensch oder ein Tier stirbt, dann zer­fällt die­se Ein­heit wie­der, d. h. der Odem kehrt zu Gott zurück und der Kör­per zer­fällt zu Staub.

Ver­birgst du dein Ange­sicht, so erschre­cken sie; nimmst du weg ihren Odem, so ver­ge­hen sie und wer­den wie­der Staub.” (Ps 104,29)

Und nach die­sen Geschich­ten wur­de der Sohn sei­ner Haus­wir­tin krank, und sei­ne Krank­heit wur­de so schwer, dass kein Odem mehr in ihm blieb.” (1Kö 17,17)

Beson­ders die alt­tes­ta­ment­li­chen Tex­te wider­spre­chen der volks­tüm­li­chen See­len­leh­re. Es ist dabei anzu­mer­ken, dass die Tex­te es nicht erlau­ben, den Odem (also eigent­lich nach 1Mo 2,7 nur einen Teil der See­le) als die “unsterb­li­che See­le des Men­schen” zu inter­pre­tie­ren, denn der Odem scheint eher eine Kraft bzw. eine Lebens­en­er­gie zu sein:

Und wie kann der Knecht die­ses mei­nes Herrn mit die­sem mei­nem Herrn reden? Und ich – von nun an bleibt kei­ne Kraft mehr in mir, und kein Odem ist in mir übrig.” (Dan 10,17)

Denn das Geschick der Men­schen­kin­der und das Geschick des Viehs – sie haben ja ein [und das­sel­be] Geschick – [ist dies]: wie die­se ster­ben, so stirbt jenes, und einen Odem haben sie alle. Und einen Vor­zug des Men­schen vor dem Vieh gibt es nicht, denn alles ist Nich­tig­keit. Alles geht an einen Ort. Alles ist aus dem Staub gewor­den, und alles kehrt zum Staub zurück.” (Pred 3,19–20 – Elber­fel­der)

Auch im Buch Hese­kiel, Kapi­tel 37, wird von einem Odem gespro­chen, der Men­schen wie­der­be­lebt:

Und er sprach zu mir: Weis­sa­ge dem Odem, weis­sa­ge, Men­schen­sohn, und sprich zu dem Odem: So spricht der Herr, HERR: Komm von den vier Win­den her, du Odem, und hau­che die­se Erschla­ge­nen an, dass sie [wie­der] leben­dig wer­den! Da weis­sag­te ich, wie er mir befoh­len hat­te; und der Odem kam in sie, und sie wur­den [wie­der] leben­dig und stan­den auf ihren Füßen, ein sehr, sehr gro­ßes Heer.” (Hes 37,9–10 – Elber­fel­der)

Die meis­ten Bibel­über­set­zun­gen geben den Vers 7 aus Pre­di­ger 12 fol­gen­der­ma­ßen wie­der:

Denn der Staub muss wie­der zur Erde kom­men, wie er gewe­sen ist, und der Geist wie­der zu Gott, der ihn gege­ben hat.

Die hebräischen Wörter für Geist, Odem und Seele

Das hebräi­sche Wort ruach, das in man­chen Bibel­stel­len mit „Geist“ über­setzt wird, erweckt den Ein­druck, die „See­le“ gehe nach dem Tod zu Gott. An ande­rer Stel­le (z. B. 1 Mo 7,22) wird das­sel­be Wort jedoch im Sin­ne von „Odem“ wie­der­ge­ge­ben. Wäh­rend die übri­gen Über­set­zun­gen von ruach im Zusam­men­hang mit ster­ben­den Men­schen das Bild eines gott­ge­ge­be­nen Atems ver­mit­teln, wich man an eini­gen Stel­len bewusst von die­ser Les­art ab und gab ruach statt­des­sen als „Geist“ wie­der.

Betrach­tet man den hebräi­schen Par­al­le­lis­mus in Hiob 27,3, wird deut­lich, dass mit ruach im Blick auf das Leben des Men­schen jene gött­li­che Lebens­kraft gemeint ist, die Gott bei der Erschaf­fung ein­hauch­te. (Im Par­al­le­lis­mus wie­der­holt der Schrift­stel­ler einen Gedan­ken in ver­än­der­ter Form, statt Rei­me zu ver­wen­den). In Hiob 27,3 heißt es:

solan­ge noch mein Odem [nes­ha­mah] in mir ist und der Hauch von Gott [ruach] in mei­ner Nase

Hier setzt der Par­al­le­lis­mus nes­ha­mah und ruach gleich. Dem­nach kann man ruach in Pre­di­ger 12,7 nicht pau­schal als „Geist“ im Sin­ne einer unsterb­li­chen See­len­kom­po­nen­te ver­ste­hen, son­dern soll­te die Über­set­zung „Odem“ oder „Lebens­atem“ vor­zie­hen. Neben der Bedeu­tung „leben­di­ges Wesen“ hat das Wort „See­le“ in der Bibel noch wei­te­re Nuan­cen. So wird etwa Blut als „See­le“ bezeich­net:

Denn [was] die See­le alles Flei­sches [betrifft]: sein Blut, das ist sei­ne See­le, – und ich habe zu den Söh­nen Isra­el gesagt: Das Blut irgend­wel­ches Flei­sches sollt ihr nicht essen, denn die See­le alles Flei­sches ist sein Blut; jeder, der es isst, soll aus­ge­rot­tet wer­den.” (3Mo 17,14)

Berücksichtigung der griechischen Wörter im NT und der LXX

Je nach­dem, ob ein Text im Alten oder Neu­en Tes­ta­ment steht, begeg­nen wir im Urtext ent­we­der näphäsch bzw. nephe­sh (hebrä­isch) oder psy­chē (grie­chisch). Ver­gleicht man die Hebräi­sche Bibel mit der Sep­tuag­in­ta (LXX) und das AT mit dem NT, zeigt sich, dass die­se Wör­ter ein wei­tes Bedeu­tungs­feld abde­cken. Im Fol­gen­den eine gro­be Glie­de­rung anhand exem­pla­ri­scher Bibel­stel­len:

1. Ein Lebewesen

Psychē/nephesh bezeich­nen die Lebe­we­sen in ihrer Gesamt­heit. Das gilt nicht nur für das hebräi­sche Wort nephe­sh, son­dern auch für das grie­chi­sche Wort psy­chē, wie fol­gen­de Tex­te zei­gen:

Wie geschrie­ben steht: Der ers­te Mensch, Adam, »wur­de zu einem leben­di­gen Wesen [psy­chē]«, und der letz­te Adam zum Geist, der leben­dig macht.” (1Kor 15,45)

 “und will sagen zu mei­ner See­le [psy­chē – hier als Für­wort ‘mir’]: Lie­be See­le [psy­chē], du hast einen gro­ßen Vor­rat für vie­le Jah­re; habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten Mut!” (Lk 12,19)
 

2. Das Leben (Lebenskraft, Blut – im übertragenen Sinn als Lebensträger)

Rela­tiv häu­fig wer­den psy­chē und näphäsch als Leben über­setzt (z. B. Ri 12,3; 1Sam 19,5; 20,1; 28,21) oder im NT:

Ich bin der gute Hir­te. Der gute Hir­te lässt sein Leben [psy­chē]für die Scha­fe.” (Joh 10,11).

Ent­spre­chend auch in Johan­nes 13,37 und Mat­thä­us 6,25. Beson­ders inter­es­sant ist Mar­kus 8,35; (bzw. Mt 10,39; Lk 17, 33 ): “Denn wer sein Leben [psy­chē] erhal­ten will, der wird’s ver­lie­ren; und wer sein Leben [psy­chē] ver­liert um mei­net­wil­len und um des Evan­ge­li­ums wil­len, der wird’s erhal­ten.

In die­ser Aus­sa­ge zeigt sich, dass sich psy­chē sowohl auf das irdi­sche als auch auf das ewi­ge Leben bezie­hen kann. Dies ist auch der Schlüs­sel zu fol­gen­den miss­ver­ständ­li­chen Bibel­stel­len:

Und fürch­tet euch nicht vor denen, die den Leib töten, doch die See­le [psy­chē]nicht töten kön­nen; fürch­tet euch aber viel­mehr vor dem, der Leib und See­le [psy­chē]ver­der­ben kann in der Höl­le [gehen­na].” (Mt 10,28)

Die­ser Text kann frei über­setzt wer­den mit: “Fürch­tet euch nicht vor den Men­schen, die euren Kör­per töten, aber euch nicht das ewi­ge Leben neh­men kön­nen. Fürch­tet aber Gott, der im Gerichts­feu­er bei­des zunich­te machen kann.

Die­ser Text soll spä­ter aus­führ­li­cher dis­ku­tiert wer­den (sie­he Die unsterb­li­che See­le des Men­schen (Mt 28,10)).

3. Die Psyche (Gemüt, das Innere des Menschen, Sitz der Empfindungen)

Ein typi­sches Bei­spiel aus dem AT befin­det sich in den Psal­men: “… mein Herz [näphäsch] vor dem Herrn aus­schüt­ten.” (Ps 42,5) oder im Buch Hiob: “Jetzt aber zer­fließt mei­ne See­le [näphäsch] in mir.” (Hiob 30,16).

Auch im Neu­en Tes­ta­ment gibt es zahl­rei­che Stel­len, an denen See­le gemäß die­ser drit­ten Kate­go­rie ver­stan­den wer­den kann, z. B. Mt 26,38, Lk 2,35 oder Apg 14,22.

Ein­drucks­voll ist auch 2Petr 2,8, wo es heißt, dass Lots gerech­te See­le durch die bösen Wer­ke der Bewoh­ner Sodoms gequält wur­de. Auch hier wur­de Lot nicht äußer­lich miss­han­delt, son­dern litt inner­lich.

Die Bedeu­tung von psy­chē über­schnei­det sich hier mit dem Bedeu­tungs­feld von ‘Geist’ (griech. pneu­ma), d. h. die­ses Wort wird z. T. ähn­lich wie psy­chē ver­wen­det.

Die Bibel kennt kei­ne „See­le“ als selbst­stän­di­ge, unsterb­li­che Ein­heit, los­ge­löst vom Leib und von Got­tes lebens­spen­den­dem Odem. „See­le“ (nephesh/psychē) bezeich­net immer den Men­schen oder das Lebe­we­sen als Gan­zes oder des­sen inners­tes Emp­fin­den. Der hebräi­sche Odem (ruach) und der grie­chi­sche Pneu­ma (Geist) sind eher als gött­li­cher Lebens­hauch zu ver­ste­hen, nicht als ein nach dem Tod selbst­stän­dig fort­exis­tie­ren­des See­len­prin­zip. Dass Kör­per, Odem („Geist“) und See­le nicht getrennt über­dau­ern, bekräf­tigt auch das Neue Tes­ta­ment in 1Thess 5,23:

Er aber, der Gott des Frie­dens, hei­li­ge euch durch und durch und bewah­re euren Geist samt See­le und Leib unver­sehrt, unta­de­lig für die Ankunft unse­res Herrn Jesus Chris­tus.”.

Alle Tei­le des Men­schen sind für die Erret­tung unta­de­lig und rein zu bewah­ren. Sie bil­den eine Ein­heit, die nicht teil­wei­se ver­nach­läs­sigt wer­den soll­te. Daher ist ein Christ auch ver­pflich­tet, dar­auf zu ach­ten, wie er mit sei­nem Kör­per umgeht, der auch Tem­pel des Hei­li­gen Geis­tes genannt wird (1Kor 3,16).

Unsterblichkeit

Obwohl die meis­ten bibli­schen Aus­sa­gen zum Zustand der Toten recht ein­deu­tig sind, hält sich der Glau­be an eine „unsterb­li­che See­le“ hart­nä­ckig.

Das deut­sche Wort „See­le“ (in der Luther­bi­bel) wird zwar über 1 600-mal ver­wen­det, doch nie in Ver­bin­dung mit dem Attri­but „unsterb­lich“. Dabei sagt Pau­lus unmiss­ver­ständ­lich, dass Gott allein unsterb­lich ist (vgl. 1 Timo­theus 6,15–16).

Gele­gent­lich wird ein­ge­wandt, Engel sei­en unsterb­lich und Men­schen hät­ten von Natur her eben­falls eine Gott ver­lie­he­ne Unsterb­lich­keit. Genau­so sei­en alle Men­schen – auch die nicht erlös­ten – unsterb­lich und müss­ten daher bis in alle Ewig­keit wei­ter exis­tie­ren. Dabei wird aber über­se­hen, dass die bibli­sche Leh­re genau ent­ge­gen­ge­setzt ver­läuft: Unsterb­lich­keit wird den Gläu­bi­gen erst bei Chris­ti Wie­der­kunft zuge­sagt und ver­lie­hen. Außer­dem wird über­se­hen, dass eine ver­lie­he­ne Unsterb­lich­keit auch wie­der ent­zo­gen wer­den kann.

Von der Unsterb­lich­keit des Men­schen wird nur im Zusam­men­hang mit der Wie­der­kunft Chris­ti geschrie­ben.

Und das plötz­lich, in einem Augen­blick, zur Zeit der letz­ten Posau­ne. Denn es wird die Posau­ne erschal­len, und die Toten wer­den auf­er­ste­hen, unver­wes­lich, und wir wer­den ver­wan­delt wer­den. Denn dies Ver­wes­li­che muss anzie­hen die Unver­wes­lich­keit, und dies Sterb­li­che muss anzie­hen die Unsterb­lich­keit. Wenn aber dies Ver­wes­li­che anzie­hen wird die Unver­wes­lich­keit und dies Sterb­li­che anzie­hen wird die Unsterb­lich­keit, dann wird erfüllt wer­den das Wort, das geschrie­ben steht (Jesa­ja 25,8; Hosea 13,14): »Der Tod ist ver­schlun­gen vom Sieg.” (1Kor 15,52–54)

Zur wei­te­ren Dis­kus­si­on sie­he: Die unsterb­li­che See­le des Men­schen (Mt 28,10) und Ver­su­che eine gewis­se See­len­leh­re mit der Bibel zu begrün­den.
 

Zwischenergebnis Seele

“See­le” bezeich­net kei­nen auto­no­men Teil des Men­schen, son­dern ist untrenn­bar mit dem gan­zen Men­schen ver­bun­den.

In Hebrä­isch und Grie­chisch bezeich­net „See­le“ den beleb­ten Men­schen als Ein­heit von Leib und Odem/Gotteshauch.
– Ent­zieht Gott dem Men­schen den Lebens­odem, ver­siegt sein Leben und der Leib kehrt zum Staub zurück.
– Weder OT noch NT ken­nen eine auto­no­me, unsterb­li­che See­len­kom­po­nen­te, die selbst­stän­dig wei­ter­exis­tiert.
– Unsterb­lich ist allein Gott (1 Timo­theus 6,16); eine blei­ben­de Lebens­fä­hig­keit für Men­schen wird biblisch erst bei der Auf­er­ste­hung und Wie­der­kunft Chris­ti ver­kün­det. Der weit ver­brei­te­te Glau­be an eine unsterb­li­che See­le fußt damit nicht auf den bibli­schen Tex­ten, son­dern auf spä­te­ren phi­lo­so­phi­schen und kirch­li­chen Tra­di­tio­nen. Mehr dazu sie­he: Fal­sche Argu­men­te für eine ewi­ge Höl­le und fal­sche Schluss­fol­ge­run­gen.

Das harmonische Bild der Bibel

Der Todesschlaf

Die Bibel ver­gleicht den Tod mit einem Schlaf.

Und vie­le, die unter der Erde schla­fen lie­gen, wer­den auf­wa­chen, die einen zum ewi­gen Leben, die andern zu ewi­ger Schmach und Schan­de.” (Dan 12,2)

Wir wol­len euch aber, lie­be Brü­der, nicht im Unge­wis­sen las­sen über die, die ent­schla­fen sind, damit ihr nicht trau­rig seid wie die andern, die kei­ne Hoff­nung haben.”(1Thess 4,13)

Das sag­te er [Jesus], und danach spricht er zu ihnen: Laza­rus, unser Freund, schläft, aber ich gehe hin, ihn auf­zu­we­cken. Da spra­chen sei­ne Jün­ger: Herr, wenn er schläft, wird’s bes­ser mit ihm. Jesus aber sprach von sei­nem Tode; sie mein­ten aber, er rede vom leib­li­chen Schlaf. Da sag­te es ihnen Jesus frei her­aus: Laza­rus ist gestor­ben.” (Joh 11,11–14 – Elber­fel­der) 

Denn wenn wir glau­ben, dass Jesus gestor­ben und auf­er­stan­den ist, so wird Gott auch die, die ent­schla­fen sind, durch Jesus mit ihm ein­her­füh­ren.” (1Thess 4,14)

Die Bewusstlosigkeit

Wie ist die­ser „Schlaf“ der Toten zu ver­ste­hen? Bezieht er sich allein auf das Ruhen des Lei­bes, oder meint er einen vol­len Bewusst­seins­ver­lust? Ein genau­er Blick auf die Schrift ergibt:

  • Die Toten sehen nicht, was auf der Welt pas­siert!

- “Dar­um will ich [Gott] dich [Josia] zu dei­nen Vätern ver­sam­meln, damit du mit Frie­den in dein Grab kommst und dei­ne Augen nicht sehen all das Unheil, das ich über die­se Stät­te brin­gen will. Und sie sag­ten es dem König wie­der.” (2Kö 22,20)

- “Ich sprach: Nun muss ich zu des Toten­rei­ches Pfor­ten fah­ren in der Mit­te mei­nes Lebens, da ich doch gedach­te, noch län­ger zu leben. Ich sprach: Nun wer­de ich den HERRN nicht mehr schau­en im Lan­de der Leben­di­gen, nun wer­de ich die Men­schen nicht mehr sehen mit denen, die auf der Welt sind.” (Jes 38,10.11)

  • Die Toten geden­ken Gott nicht und loben ihn nicht mehr! Sie sind still!

- “Denn im Tode gedenkt man dei­ner [gemeint ist Gott] nicht; wer wird dir bei den Toten dan­ken?” (Ps 6,6)

- “Denn die Toten loben dich nicht, und der Tod rühmt dich nicht, und die in die Gru­be fah­ren, war­ten nicht auf dei­ne Treue; son­dern allein, die da leben, loben dich so wie ich heu­te. Der Vater macht den Kin­dern dei­ne Treue kund.” (Jes 38,18.19)

- “Die Toten wer­den dich, HERR, nicht loben, kei­ner, der hin­un­ter­fährt in die Stil­le” (Ps 115,17)

  • Die Toten hören auf zu han­deln, ja sogar zu den­ken!

- “Denn die Leben­den wis­sen, dass sie ster­ben wer­den, die Toten aber wis­sen nichts; sie haben auch kei­nen Lohn mehr, denn ihr Andenken ist ver­ges­sen. Alles, was dir vor die Hän­de kommt, es zu tun mit dei­ner Kraft, das tu; denn bei den Toten, zu denen du fährst, gibt es weder Tun noch Den­ken, weder Erkennt­nis noch Weis­heit.” (Pred 9,5.6.10)

Der Tod ist mit einem traum­lo­sen Schlaf zu ver­glei­chen, ohne Füh­len, Pla­nen und Den­ken.

Tote Men­schen sind nicht etwa halb­tot, sodass sie zwar kör­per­lich tot, aber geist­lich  leben­dig sind. Ihr Zustand kann mit einem tie­fen, traum­lo­sen Schlaf ver­gli­chen wer­den. Sie füh­len nichts, sie pla­nen nichts, sie beten nicht, sie wis­sen nicht, was auf der Erde pas­siert, sie den­ken nicht: Sie sind sich selbst und ihrer Umwelt völ­lig unbe­wusst.


Konflikt mit anderen Vorstellungen

Die­se Fest­stel­lung ist höchst bedeut­sam für den Okkul­tis­mus und Spi­ri­tis­mus: Dort wer­den nicht etwa tote Men­schen beschwo­ren, son­dern Satans Ver­bün­de­te, die Dämo­nen! Sie­he Beschwö­rung von Geis­tern und Todes­er­fah­run­gen (1Sam 28).

Es ist ver­ständ­lich, dass die­ses Ergeb­nis sowohl von Spi­ri­tis­ten als auch von Katho­li­ken negiert wird. Aber auch von ande­ren Chris­ten wird die­se Posi­ti­on abge­lehnt. Die Ursa­che dafür liegt dar­in, dass es meh­re­re Bibel­stel­len gibt, die schein­bar die­ser Sicht wider­spre­chen. Eini­ge die­ser Bibel­stel­len wer­den im Kapi­tel „Stel­lung­nah­me zur Kri­tik an die­ser Aus­le­gung“ aus­führ­lich erör­tert.

Typi­sche Ent­geg­nun­gen auf die hier prä­sen­tier­te Dar­stel­lung las­sen sich wie folgt zusam­men­fas­sen:

  • Der Begriff “Schlaf” bezieht sich nur auf den Kör­per, nicht auf den geist­li­chen Zustand.
  • Die Schrei­ber der ange­ge­be­nen Bibel­stel­len hat­ten nur eine beschränk­te Ein­sicht. Ins­be­son­de­re wer­den Stel­len aus dem Buch Pre­di­ger (Kohe­let) ange­ge­ben, um ande­re Bibel­stel­len in dem­sel­ben Buch zu rela­ti­vie­ren.

Die oben ange­ge­be­nen Bibel­stel­len zeu­gen durch­aus von einer voll­kom­me­nen Inak­ti­vi­tät des toten Men­schen: Er sieht nicht, was in der Welt pas­siert; er denkt nicht an Gott und lobt ihn nicht mehr, son­dern ist völ­lig still; er tut nichts und denkt nichts. War­um soll­te sonst eine “See­le” Gott nicht mehr loben, wenn sie bewusst im Jen­seits wei­ter­le­ben wür­de?

Natür­lich haben alle Schrei­ber der Bibel eine begrenz­te Erkennt­nis gehabt und der Autor des Buches Pre­di­ger neigt zu Extre­men und prä­sen­tiert oft eine pola­ri­sie­ren­de Dar­stel­lung ver­schie­de­ner Sach­ver­hal­te. Hier muss man bei der Aus­le­gung beson­ders vor­sich­tig sein und ver­su­chen her­aus­zu­ar­bei­ten, was der Autor sagen will.

So wäre es z. B. falsch, Pred 7,26 abso­lut zu neh­men und somit Frau­en­feind­lich­keit und das Zöli­bat zu pro­kla­mie­ren. Gegen solch eine Aus­le­gung spricht auch Pred 9,9.

Die Aus­sa­ge in Pred 3,19, in der es heißt: “Der Mensch hat nichts vor­aus dem Vieh” kann auch nicht wört­lich ver­stan­den wer­den, da der Mensch nach dem Eben­bild Got­tes gemacht wur­de. Hier muss also der Kon­text berück­sich­tigt wer­den. Bei der eben genann­ten Bibel­stel­le geht es um Ver­gäng­lich­keit (Eitel­keit), also um Gleich­heit im Ange­sicht des Todes.

Auch in Pred 9 geht es um das Ster­ben. Der Pre­di­ger rät, man sol­le das Leben genie­ßen (Vers 9) und sich “rein” vor Gott hal­ten (Vers 8). Weil mit dem Tod des Men­schen sein Schick­sal besie­gelt ist, greift der Pre­di­ger zu die­sen deut­li­chen Wor­ten. Dies ist die pri­mä­re Bot­schaft, die er ver­mit­teln will. Die Wor­te “bei den Toten … gibt es weder Tun noch Den­ken, weder Erkennt­nis noch Weis­heit” könn­ten eine Über­spit­zung sein, um die eigent­li­che Bot­schaft her­vor­zu­he­ben. Aller­dings pas­sen sie auch wört­lich sehr gut zu den übri­gen, oben ange­führ­ten Pas­sa­gen (2Kö 22,20; Jes 38,10.11.18.19; Ps 6,6; 115,17).

An der Stel­le sei noch ange­merkt, dass es ris­kant ist, die Bibel gegen sich selbst aus­zu­spie­len, bestimm­te Tex­te als nicht inspi­riert abzu­tun oder eine inner­bi­bli­sche Rang­ord­nung auf­zu­bau­en. Immer­hin wer­den vie­le Tex­te in den Psal­men als Pro­phe­zei­un­gen auf Jesus hin­ge­deu­tet. Soll­te man gleich­zei­tig ande­re Psal­men, wie Psalm 6,6 als weni­ger inspi­riert betrach­ten oder ein­fach igno­rie­ren, weil sie kei­ne Pro­phe­zei­un­gen ent­hal­ten?

Ergebnis zum Zustand der Toten

  • Die Ent­schla­fe­nen ver­wei­len in einem Zustand völ­li­gen Bewusst­seins­ver­lusts, bis Jesus sie bei sei­ner Wie­der­kunft auf­er­weckt.
  • Da sie nichts wahr­neh­men, spielt die Zeit für sie kei­ne Rol­le: Ob ein Tag oder tau­send Jah­re ver­ge­hen, bleibt ihnen unbe­kannt.

Auch Luther ver­trat die­se Sicht: Der Tod ist „Schlaf“; die Ver­stor­be­nen sind „Schlä­fer“ und ruhen in Chris­tus und neh­men den Ablauf der Zeit bis zur Auf­er­ste­hung nicht wahr.

In einer Pre­digt über Lukas 7,11–17 (Der Jüng­ling zu Nain, 1533) schrieb er:

„… So schla­fen sie auf dem Kirch­hof viel lei­ser als ich auf dem Bet­te; denn mich muß man wohl zehn­mal rufen, und ich höre es doch nicht. Sie aber wer­den erweckt wer­den durch ein ein­zi­ges Wort. Wir schla­fen al­so viel fes­ter als die auf dem Kirch­hof; denn wenn da der Herr ruft: »Jüng­ling!« oder: »Laza­rus!« oder: »Mägd­lein!«, so hören sie es sofort. Vor uns­rem Herr­gott heißt ihr Zustand also nicht ›Tod‹, son­dern nur für uns; vor Gott ist’s ein so lei­ser Schlaf, daß er nicht lei­ser sein könn­te. Das will er uns ein­prä­gen.“ Und: „Wir sol­len schla­fen, bis er kommt, und an das Gräb­lein klopft und sagt: ›Dok­tor Mar­ti­nus, ste­he auf!‹ Dann wer­de ich in einem Augen­blick auf­ste­hen und wer­de ewig mit ihm fröh­lich sein.

Auch fol­gen­de Luther-Tex­te (zitiert aus dem Luther­le­xi­kon von Kurt Aland, 1957) unter­stüt­zen die­se Sicht:

Der Tod in Chris­tus ist wahr­haft nicht ein Tod, son­dern ein fei­ner, süßer, kur­zer Schlaf, wo wir ohne die­sen Jam­mer der Sünde und des rech­ten Todes, ohne Not, Angst und alles Unglück die­ses Lebens sicher und ohne alle Sor­gen, süß und sanft einen klei­nen Augen­blick ruhen sol­len wie in einem Ruhe­bett­lein, bis die Zeit kom­me, daß er uns mit allen sei­nen lie­ben Kin­dern zu sei­ner ewi­gen Herr­lich­keit und Freu­de auf­we­cken und rufen wird. Denn weil man den Tod einen Schlaf nennt, so wis­sen wir, daß wir nicht dar­in blei­ben, son­dern wie­der auf­wa­chen und leben sol­len. Die Zeit, da wir schla­fen, kann uns selbst nicht länger schei­nen, als wären wir eben erst jetzt die­se Stun­de ent­schla­fen. Dann wer­den wir auch uns selbst grämen, daß wir uns vor sol­chem fei­nen Schlaf in der Todes­stun­de ent­setzt oder geängs­tigt haben, und so in einem Augen­blick aus dem Grab und der Ver­we­sung leben­dig, ganz gesund, frisch, mit rei­nem, hel­lem, verklärtem Leib unse­rem Herrn und Hei­land Chris­tus in den Wol­ken ent­ge­gen­kom­men.“ (WA 22, Sei­te 402, Zei­len 21–35)

Sobald die Augen sich schließen, wirst du auf­er­weckt wer­den. Tau­send Jah­re wer­den sein, gleich als wenn du ein hal­bes Stünd­chen geschla­fen hättest. Gleich­wie wir, wenn wir des Nachts den Stun­den­schlag nicht hören, nicht wis­sen, wie lan­ge wir geschla­fen haben, so sind noch viel mehr im Tode tau­send Jah­re (schnell) hin­weg. Ehe sich einer umsieht, ist er ein schöner Engel.“ (WA 36, Sei­te 349, Zei­len 8–12)

Luther ver­mied es, eine phi­lo­so­phi­sche Leh­re vom „See­len­schlaf“ dog­ma­tisch fest­zu­le­gen. In sei­ner Kor­re­spon­denz mit Niko­laus von Ams­dorf in den 1520er Jah­ren des 16. Jahr­hun­derts erwog er zwar, den See­len­schlaf der From­men bis zum Jüngs­ten Gericht anzu­neh­men. Gleich­zei­tig beton­te er aber, dass die­se Über­le­gung nicht als all­ge­mein­gül­ti­ge, abso­lu­te Lehr­for­mel ver­stan­den wer­den dür­fe. Er sah ansons­ten einen Wider­spruch zum Erschei­nen von Mose und Eli­as auf dem Berg der Ver­klä­rung (Mt 17,3) eben­so wie zum Gleich­nis vom rei­chen Mann und armen Laza­rus (Lk 16,19–31). In den wei­te­ren Aus­füh­run­gen die­ser Aus­ar­bei­tung wer­den wir sehen, dass die­se Beden­ken nicht begrün­det sind.

Die Bibel ent­hält nur weni­ge direk­te Aus­sa­gen dar­über, was nach dem Tod mit dem Men­schen geschieht. Es bleibt offen,

  • auf wel­che Wei­se Gott den ver­stor­be­nen Men­schen bei der Auf­er­ste­hung wie­der­her­stellt,
  • wie „das, was den Men­schen aus­macht“ bewahrt oder wie­der ein­ge­spei­chert wird.

Die­se Fra­gen dürf­ten für die bibli­schen Schrei­ber kei­ne hohe Rele­vanz gehabt haben. Im Vor­der­grund stan­den stets die Hoff­nung auf die Auf­er­ste­hung und die Sehn­sucht nach der Wie­der­kunft Jesu.

Eine kur­ze Aus­füh­rung dar­über, wie die fal­schen Vor­stel­lun­gen bzgl. des Zustan­des der Toten sich his­to­risch ent­wi­ckel­ten, ist an ande­rer Stel­le zu lesen. (Sie­he “Baby­lo­ni­scher Wein” – “Fege­feu­er und Höl­len­feu­er”)

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Herr aller Herren
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Sohn Gottes
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Hört
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Gott
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Lamm Gottes
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