Die ewige Hölle
Relevanz des Themas

“Wie kann ein liebender Gott so grausam sein, dass er Menschen, die nicht an ihn glauben, später für immer und ewig in einer feurigen Hölle quält? An solch einen Gott will ich gar nicht glauben!”
Dies ist ein berechtigter Einwand gegen den Glauben an den christlichen Gott. Die allgemeine Vorstellung von der Hölle ist geprägt von jenen Bildern, die man aus der mittelalterlichen Kunst kennt. Diese Bilder wiederum beruhen auf einem mangelhaften Bibelverständnis sowie auf Vorstellungen aus außerbiblischen Quellen bzw. Kulturen, wie zum Beispiel aus der griechisch-römischen Antike. Doch was sagt die Bibel wirklich zu diesem Thema und wie ist die Symbolsprache zu verstehen?
Der Begriff “Hölle” in der Bibel
Wir haben bereits festgestellt, dass das Konzept einer unsterblichen Seele dem biblischen Bild einer Seele widerspricht. Auch die Behauptung, dass die Guten gleich nach dem Tod ins ewige Leben – das heißt in den Himmel – kommen, scheint unhaltbar zu sein. Sicher ist vielmehr, dass die Gläubigen erst bei der Wiederkunft Christi mit ihm in ihre himmlischen Wohnungen einziehen werden.
Was passiert aber mit den Ungläubigen? Landläufig ist in vielen Menschen der Glaube fest verwurzelt, dass “der Böse” in die Hölle kommt. Daneben kennt die katholische Kirche noch das Fegefeuer, in dem Verstorbene ihre Vergehen abbüßen, bevor sie ins ewige Leben eingehen. Andere wiederum leugnen Himmel und Hölle gänzlich.
Folgende Faktoren haben sich negativ auf die Entwicklung der Vorstellungen über die Hölle ausgewirkt:
- Ungenaue Bibelübersetzungen, wie sie zum Beispiel in der Lutherbibel von 1912 zu finden sind.
- Missverstandene biblische Symbole beziehungsweise außer Acht gelassene Symbolik, gepaart mit mittelalterlicher Fantasie.
- Ein fragwürdiges Gottesbild.
Bei der Diskussion der Frage “Was ist die Hölle?” muss berücksichtigt werden, dass alle modernen Vorstellungen eine Vorgeschichte haben. Üblicherweise übernimmt ein Mensch jene Vorstellungen, die ihm durch Erziehung und Medien (Literatur, Radio, Fernsehen, Internet oder auch Kunst) vermittelt werden.
Das Gleiche galt auch für Luther und seine Zeitgenossen: Auch sie waren von der mittelalterlichen Vorstellung der Hölle beeinflusst. So kam es, dass Luther unter anderem verschiedene griechische und hebräische Wörter einheitlich mit “Hölle” übersetzte. Auch heute gibt es leider noch Menschen, für die Totenreich, Hölle, Grube usw. Synonyme sind!
Die folgenden Verse zeigen, wie ein ahnungsloser Leser durch eine mangelnde Differenzierung zwischen den Begriffen “Hölle”, “Totenreich” usw. leicht verwirrt werden kann. Beim Lesen der alten Lutherübersetzung von 1912 erfährt man:
(1) Böse Menschen, wie die Rotte Korah, fahren in die Hölle (4. Mose 16,30f):
“Und der HERR redete mit Mose und sprach: Sage der Gemeinde und sprich: Weicht ringsherum von der Wohnung Korahs und Dathans und Abirams. Und Mose stand auf und ging zu Dathan und Abiram, und die Ältesten Israels folgten ihm nach und er redete mit der Gemeinde und sprach: Weichet von den Hütten dieser gottlosen Menschen und rührt nichts an, was ihr ist, dass ihr nicht vielleicht umkommt in irgend einer ihrer Sünden. Und sie gingen hinweg von der Hütte Korahs, Dathans und Abirams. Dathan aber und Abiram gingen heraus und traten an die Tür ihrer Hütten mit ihren Weibern und Söhnen und Kindern. Und Mose sprach: Dabei sollt ihr merken, dass mich der HERR gesandt hat, dass ich alle diese Werke täte, und nicht aus meinem Herzen: werden sie sterben, wie alle Menschen sterben, oder heimgesucht, wie alle Menschen heimgesucht werden, so hat mich der HERR nicht gesandt; wird aber der HERR etwas Neues schaffen, dass die Erde ihren Mund auftut und verschlingt sie mit allem, was sie haben, dass sie lebendig hinunter in die Hölle fahren, so werdet ihr erkennen, dass diese Leute den HERRN gelästert haben. Und als er diese Worte hatte alle ausgeredet, zerriss die Erde unter ihnen und tat ihren Mund auf und verschlang sie mit ihren Häusern, mit allen Menschen, die bei Korah waren, und mit aller ihrer Habe; und sie fuhren hinunter lebendig in die Hölle mit allem, was sie hatten, und die Erde deckte sie zu, und kamen um aus der Gemeinde. Und ganz Israel, das um sie her war, floh vor ihrem Geschrei; denn sie sprachen: dass uns die Erde nicht auch verschlinge!”
(2) Gute Menschen, wie der Patriarch Jakob, sehen sich in der Hölle (1. Mose 37,34–35):
“Und Jakob zerriss seine Kleider und legte Sacktuch um seine Lenden, und er trug Leid um seinen Sohn viele Tage. Und alle seine Söhne und alle seine Töchter machten sich auf, um ihn zu trösten; aber er verweigerte es, sich trösten zu lassen, und sprach: Denn leidtragend werde ich zu meinem Sohne hinabfahren in den Scheol [Luther 1912: Grube, auch Hölle]! Und sein Vater beweinte ihn.”
(3) Wer in die Hölle fährt, kommt nie wieder heraus (Hiob 7,9):
“Eine Wolke vergeht und fährt dahin: also, wer in die Hölle hinunterfährt, kommt nicht wieder herauf und kommt nicht wieder in sein Haus, und sein Ort kennt ihn nicht mehr. ”
(4) Deshalb möchte niemand gern in die Hölle (Spr 15,24):
“Der Weg des Lebens geht überwärts für den Klugen, auf dass er meide die Hölle unterwärts. ”
(5) Andrerseits wünschte sich der fromme Hiob in die Hölle hinabzufahren (Hiob 14,13):
“Dass du in der Hölle mich verstecktest, mich verbärgest, bis dein Zorn sich abwendete, mir eine Frist setztest und dann meiner gedächtest!”
(6) Aus der Hölle kann man doch wieder herauskommen (1Sam 2,6):
“Jehova tötet und macht lebendig; er führt in die Hölle hinab und führt herauf.”
(7) Fromme Männer, wie David und Jona, kamen aus der Hölle sogar wieder heraus:
“HERR, du hast meine Seele aus der Hölle geführt; du hast mich lebend erhalten, da jene in die Grube fuhren. ” (Ps 30,3)
“Und sprach: Ich rief zu dem HERRN in meiner Angst, und er antwortete mir; ich schrie aus dem Bauche der Hölle, und du hörtest meine Stimme. ” (Jona 2,2)
(8) In der Hölle ist ewiges Feuer, ewige Qual und ein nie sterbender Wurm: Mk 9,43.44;
” So dich aber deine Hand ärgert, so haue sie ab! Es ist dir besser, daß du als ein Krüppel zum Leben eingehest, denn daß du zwei Hände habest und fahrest in die Hölle, in das ewige Feuer, da ihr Wurm nicht stirbt und ihr Feuer nicht verlöscht.”
Auch böse Engel sind in der Hölle: 2Petr 2,4.
” Denn Gott hat die Engel, die gesündigt haben, nicht verschont, sondern hat sie mit Ketten der Finsternis zur Hölle verstoßen und übergeben, daß sie zum Gericht behalten werden;”
(9) Andererseits geschieht in der Hölle überhaupt nichts (Pred 9,10):
“…denn in der Hölle, dahin du fährst, ist weder Werk, Kunst, Vernunft noch Weisheit.”
(10) Und schließlich wird die Hölle selbst in einen Feuerpfuhl geworfen: Offb 20,14!
| Genaue Begriffsklärungen führen zu einem besseren Bibelverständnis. |
Jahrhundertelang sorgten diese Bibelstellen für viel Verwirrung. Erst ein sorgfältiges Studium der Bedeutung jener Wörter, die mit “Hölle” übersetzt wurden, klärt den Blick. Moderne Übersetzungen sind mittlerweile genauer; aber über die vielen Jahre haben sich durch ungenaue Übertragungen die seltsamsten Vorstellungen verbreitet. Die heutigen Vertreter der Lehre ewiger Höllenqualen verwenden zwar bessere Übersetzungen, doch die falschen Vorstellungen werden im Volksmund weiterhin tradiert und beeinflussen Menschen mehr oder weniger unbewusst. Alte, traditionelle Höllenvorstellungen werden kaum hinterfragt, und oft bleibt es bei Standardantworten und Standardeinwänden.
In dieser Ausarbeitung wird systematisch geklärt, welche Wörter für “Hölle” im Grundtext stehen, wie das Schicksal der erlösten und unerlösten Menschen in der Bibel beschrieben wird und wie sich das biblische Bedeutungsfeld des Wortes „ewig“ darstellt. Auf Grundlage dieser Betrachtungen werden die zentralen Bibelstellen bezüglich der Hölle eingeordnet.
Was bedeuten Scheol, Hades, Tartarus und Gehenna?
Luther hat verschiedene Wörter des Grundtextes mit “Hölle” übersetzt. Es folgt nun eine Aufstellung aller betreffenden Begriffe, die früher fälschlicherweise vereinheitlicht wurden.

Scheol (hebr.) – Hades (griech.): 68-mal in der Bibel
- Das hebräische Wort Scheol bedeutet Totenreich, Totenwelt, Tod, Grab oder Grabhöhle. Unser deutsches Wort „Hölle“ ist etymologisch ursprünglich von „Höhle“ (das Verborgene) abgeleitet.
- Dem hebräischen Wort (Scheol), dessen ursprüngliche Bedeutung umsritten ist, entspricht das griechische Wort Hades. Damit wurde ursprünglich in der griechischen Mythologie der Gott der Unterwelt und später das Totenreich selbst bezeichnet.
Im Grab geschieht nichts. Nirgends ist es stiller als bei den Toten. (Siehe Der Zustand der Toten: Ein Schlaf?) – Die neue Lutherbibel übersetzt deshalb an vielen Stellen statt „Hölle“ treffender: „bei den Toten“. Es gibt keine Bibelstelle, die den Scheol mit Qualen der dort verweilenden Menschen verbindet. Der bekannte Text in Lukas 16 wird später ausführlicher behandelt (siehe Der reiche Mann und der arme Lazarus (Lk 16,19–31)).
Betrachtet man alle Stellen, die das Wort Scheol beinhalten, und übersetzt dieses konsequent mit „Grab“, so ergeben viele der scheinbar widersprüchlichen Texte wieder einen Sinn:
- Die Sippe Korah fuhr lebendig in den Scheol d. h. ins Grab der Erde hinunter.
- Aus dem Tode (Hölle = Scheol = Grab) kommt kein Mensch wieder ins Leben zurück.
- Von Natur aus flieht daher der Mensch vor dem Tod, d. h. dem Grab (Scheol). Wer will schon gern sterben?
- Hiob wünschte, von seinen Leiden erlöst zu werden, daher seine Todessehnsucht, sein Wunsch, in den Scheol herabzufahren. Auch Jakob befürchtete, er komme bald in den Scheol.
- Bei der Auferstehung kommt man wieder aus dem Scheol, dem Grabe, heraus.
- Jona hielt den Fischleib für sein Grab (Scheol = Hölle);
- David wird wieder aus dem Grab (Scheol = Hölle) auferstehen.
Ein anderes Wort für die Hölle: Tartarus (griechisch: Tartaros) – nur in 2Petr 2,4
- Nach griechischer Auffassung ist der Tartarus der tiefste Abgrund des Hades – ein finsterer, kalter Ort für die bösen Verstorbenen, die dort ihre Strafe empfangen sollten.
- Die Elberfelder Übersetzung übersetzt das Wort neutraler mit „Abgrund“. Dieses Wort wird auch an anderen Stellen verwendet, z. B. in Lukas 8,31. Hier bitten die Dämonen darum, nicht in den Abgrund geschickt zu werden. Auch in der Offenbarung spielt der „Abgrund“ eine wichtige Rolle (Offb 9,2.11; 11,7; 17,8; 20,1.3). In Offb 20,1 geht es ähnlich wie in 2Pet 2,4 um einen Abgrund, das Binden und Aufbewahren mit einer Kette. Auch im weiteren Verlauf in Offenbarung 20 kommt es zum Gericht. Das griechische abyssos („Abgrund“) wird im klassischen Griechisch auch als Adjektiv benutzt und bedeutet dann „bodenlos“ oder „endlos“. Für intelligente Wesen (Dämonen, Satan) scheint abyssos eine Art der Isolation von anderen Wesen und die Unfähigkeit zu sein, der Situation zu entfliehen – vergleichbar mit einem Gefängnis.
- Petrus schrieb an Menschen, die in einem hellenistischen Kulturkreis lebten, und benutzte vermutlich diesen griechischen Ausdruck, um seinen Gedanken zu vermitteln: Es geht um einen Bannort für die bösen Engel (Dämonen). Sicherlich wollte er damit nicht die heidnische, griechische Idee vom Tartarus als Ort menschlicher Totenqualen einführen.

Tal Hinnom (hebr.) – Gehenna (griech.): 12-mal im NT
- Im Süden vor den Toren Jerusalems lag ein Tal, das den Söhnen Hinnoms gehörte und daher „Tal Hinnom“ genannt wurde. Möglicherweise hat man dort die Leichen verendeter Tiere, Verbrecherleichen und allerlei Unrat verbrannt, weshalb an diesem Kadaver-Vernichtungsplatz ein ständiges Feuer brannte. Diese Vorstellung stammt aus einer Bemerkung des Rabbi David Kimchi (1160–1235), ist aber historisch nicht weiter belegt.
- Das neutestamentliche Wort für Hölle ist Gehenna , das aus Ge-Hinnom (Tal Hinnom) entstanden ist, “was sich aus dem dort unterhaltenen Feuer … erklärt” (Zeller, Bibl. Handwörterbuch, S. 347).
Es liegt nahe, dass mit Gehenna im Neuen Testament ein Vernichtungsplatz (für „menschlichen Abfall“) gemeint ist. Tatsächlich beschreibt die Bibel einen Feuerpfuhl, der nach den in der Offenbarung erwähnten 1.000 Jahren für das Endgericht entsteht und in dem alle Ungläubigen verbrannt werden. Aus dieser „Hölle“ kommt niemand heraus. Der verurteilte Mensch wird vom göttlichen Feuer verzehrt und stirbt den „zweiten Tod“ (Offb 20,9–15). Das soll im folgenden Abschnitt näher beleuchtet werden.
Eine ewig brennende Hölle?
Die Bibel spricht dennoch von einer Hölle! Was ist damit eigentlich gemeint? Ist es der brennende Ort, an dem die bösen Menschen für ewig leiden müssen? Wo sie mit Feuer, Pech und Schwefel gefoltert werden?
Vorab eine Warnung: Die Bibel verwendet viele Symbole, die nicht wörtlich zu verstehen sind. Im Mittelalter, aber auch noch heute, wurde und wird dies oft übersehen, sodass die verschiedensten Auffassungen zustande kommen.
Am häufigsten hört man, dass böse Menschen für immer in der Hölle gequält werden. Dem steht die Auslegung gegenüber, dass Menschen wie „Brennstoff“ von einem göttlichen Feuer völlig verzehrt und vernichtet werden. Tatsächlich sind beide Symboliken in der Bibel zu finden.
Die Bilder der Bibel
Aspekte der Vergänglichkeit

Menschen, welche Gott und die Erlösung verachten, werden in der Bibel oft mit leicht brennbarem oder vergänglichem Material verglichen, zum Beispiel:
- mit Unkraut:
“Der Acker ist die Welt. Der gute Same sind die Kinder des Reichs. Das Unkraut sind die Kinder des Bösen. Wie man nun das Unkraut ausjätet und mit Feuer verbrennt, so wird’s auch am Ende der Welt gehen.” (Mt 13,38.40)
- mit verdorrten Reben:
“Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und sie müssen brennen. ” (Joh 15,6; vgl. Hes 15)
- mit Spreu:
“Er hat seine Worfschaufel in der Hand; er wird seine Tenne fegen und seinen Weizen in die Scheune sammeln; aber die Spreu wird er verbrennen mit unauslöschlichem Feuer.” (Mt 3,12)
- mit Holz:
“Darum spricht der HERR, der Gott Zebaoth: Weil ihr solche Reden führt, siehe, so will ich meine Worte in deinem Munde zu Feuer machen und dies Volk zu Brennholz, dass es verzehrt werde.” (Jer 5,14; vgl Hes 15,1–8)
- mit Stroh, das zu Asche (Staub) verbrennt:
“Darum, wie des Feuers Flamme Stroh verzehrt und Stoppeln vergehen in der Flamme, so wird ihre Wurzel verfaulen und ihre Blüte auffliegen wie Staub. Denn sie verachten die Weisung des HERRN Zebaoth und lästern die Rede des Heiligen Israels.” (Jes 5,24)
“Denn siehe, es kommt ein Tag, der brennen soll wie ein Ofen. Da werden alle Verächter und Gottlosen Stroh sein, und der kommende Tag wird sie anzünden, spricht der HERR Zebaoth, und er wird ihnen weder Wurzel noch Zweig lassen. Euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet, soll aufgehen die Sonne der Gerechtigkeit und Heil unter ihren Flügeln. Und ihr sollt herausgehen und springen wie die Mastkälber. Ihr werdet die Gottlosen zertreten; denn sie sollen Staub unter euren Füßen werden an dem Tage, den ich machen will, spricht der HERR Zebaoth.” (Mal 3,19–21; vgl. Nah 1,10; Jes 5,24)
- mit vergänglichem Rauch:
“Denn die Gottlosen werden umkommen; und die Feinde des HERRN, wenn sie auch sind wie prächtige Auen, werden sie doch vergehen, wie der Rauch vergeht.” (Ps 37,20)
- mit vergänglichem Kot:
“Weißt du nicht, dass es allezeit so gegangen ist, seitdem Menschen auf Erden gewesen sind, dass das Frohlocken der Gottlosen nicht lange währt und die Freude des Ruchlosen nur einen Augenblick? Wenn auch sein Scheitel in den Himmel reicht und sein Haupt an die Wolken rührt, so wird er doch für immer vergehen wie sein Kot, und die ihn gesehen haben, werden sagen: Wo ist er?” (Hiob 20,4–7)
Ferner wird die Vergänglichkeit der Gottlosen mit dem ewigen Bestehen der Gerechten kontrastiert:
“Denn die Bösen werden ausgerottet; die aber des HERRN harren, werden das Land erben. Noch eine kleine Zeit, so ist der Gottlose nicht mehr da; und wenn du nach seiner Stätte siehst, ist er weg.” (Ps 37,9.10)
“Wenn ein Sturm vorüberfährt, so ist der Gottlose nicht mehr da; der Gerechte aber ist für die Ewigkeit gegründet.” (Spr 10,25 – Schlachter)
| Zahlreiche Bibelstellen weisen auf die endgültige Vergänglichkeit des Menschen im Gericht Gottes hin. |
Die vergänglichen, gottlosen Menschen verbrennen (innerhalb einer gewissen Zeit – also nicht unendlich lange) restlos; weder Wurzel noch Zweige bleiben zurück. Dies ist keine bloße menschliche Analogie, wie manchmal behauptet wird, sondern die Quintessenz der obigen Bibeltexte. Nach Offenbarung 20,9 sterben die Gottlosen im Feuerpfuhl, angezündet durch das Feuer Gottes, den sogenannten „zweiten Tod“ (Offb 20,14; 21,8).
Aspekte der Ewigkeit
Andererseits scheinen böse Menschen „ewig“ gequält zu werden, denn die Bibel spricht auch von:
- ewiger Strafe:
“Und sie werden hingehen: diese zur ewigen Strafe, aber die Gerechten in das ewige Leben.” (Mt 25,46)
- ewigem Feuer:
“Wenn aber deine Hand oder dein Fuß dich zum Abfall verführt, so hau sie ab und wirf sie von dir. Es ist besser für dich, dass du lahm oder verkrüppelt zum Leben eingehst, als dass du zwei Hände oder zwei Füße
hast und wirst in das ewige Feuer geworfen.” (Mt 18,8)
- ewigem Feuer für den Teufel und für seine Engel:
“Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln!” (Mt 25,41)
- nie sterbendem Wurm und nicht verlöschendem Feuer”:
“Und wenn dich dein Auge verführt, so wirf’s von dir! Es ist besser für dich, dass du einäugig in das Reich Gottes eingehst, als dass du zwei Augen hast und wirst in die Hölle geworfen, 48 wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht verlöscht.” (Mk 9,47–48; vgl. Jes 66,22–24)
- ewiger Qual:
“Und der Teufel, der sie verführte, wurde geworfen in den Pfuhl von Feuer und Schwefel, wo auch das Tier und der falsche Prophet waren; und sie werden gequält werden Tag und Nacht, von Ewigkeit zu Ewigkeit.” (Offb 20,10)
“Und der Rauch von ihrer Qual wird aufsteigen von Ewigkeit zu Ewigkeit; und sie haben keine Ruhe Tag und Nacht, die das Tier anbeten und sein Bild, und wer das Zeichen seines Namens annimmt.” (Offb 14,11)
| ⚠️ Ebenso gibt es Bibelstellen, die ein ewiges Leiden des Menschen nahezulegen scheinen! ⚠️ |
Diese Symbole beziehungsweise diese symbolischen Sprachen sind auf den ersten Blick unvereinbar: Entweder werden die gottlosen Menschen vernichtet (durch Feuer verzehrt) oder sie werden für immer gequält.
Es folgt nun eine genaue Betrachtung der Begriffe „ewig“ und „Ewigkeit“.
Was versteht die Bibel unter “ewig”?

Man findet dazu mehrere Definitionen:
Für das Wort “ewig” steht im Grundtext meist aiōnios (griechisch) und olam (hebräisch). Es ergibt sich hier ein breites Bedeutungsspektrum:
- „Ewig“ deutet einen Zeitabschnitt ohne Anfang und ohne Ende an – immerwährend, nach rückwärts und vorwärts unbegrenzt, eigentlich „zeitlos“. Das trifft allein auf Gott zu. Er ist ewig:
“Aber Gott, dem ewigen König, dem Unvergänglichen und Unsichtbaren, der allein Gott ist, sei Ehre und Preis in Ewigkeit! Amen.” (1Tim 1,17)
“Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.” (Jes 40,28)
Da allein Gott Unsterblichkeit besitzt (1. Tim 6,16), ist es klar, dass nur er aus sich heraus ewig existiert. Den Gerechten wird später bei ihrer Auferstehung die Unsterblichkeit verliehen (1. Kor 15,53–54).
- „Ewig“ bezeichnet einen Zeitabschnitt mit Anfang, aber ohne Ende, wie das ewige Leben, das mit der Auferstehung der Gerechten beginnt:
“und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.” (Joh 10,28).

- „Ewig“ charakterisiert einen Zeitabschnitt mit Anfang und mit Ende, d. h. eine begrenzte Zeit. Ewig bedeutet in diesem Fall so viel wie das deutsche Wort „lange“ oder „bis zur Vollendung“ (z. B. des Lebens, des Heilplanes etc.).
- Ewig war die Priesterzeit Samuels:
”… Bis der Knabe entwöhnt werde, so will ich ihn bringen, daß er vor dem HERRN erscheine und bleibe daselbst ewiglich.” (Luther 1912: 1Sam 1,22)
- Ewig ist die Lebenszeit eines Knechtes, für die er sich seinem Herrn verspricht:
“Wenn aber der Knecht etwa sagt: Ich liebe meinen Herrn, mein Weib und meine Kinder, ich will nicht frei ausgehen, so soll sein Herr ihn vor die Richter bringen und ihn an die Tür oder an den Pfosten stellen, und sein Herr soll ihm das Ohr mit einer Pfrieme durchbohren; und er soll ihm dienen auf ewig.” (2Mo 21,5–6)
- Die drei Tage im Fischbauch waren für Jona wie eine Ewigkeit”:
“Ich sank hinunter zu der Berge Gründen, der Erde Riegel schlossen sich hinter mir ewiglich. Aber du hast mein Leben aus dem Verderben geführt, HERR, mein Gott!” (Jona 2,1f – besonders Vers 7)
Noch heute spricht man im Volksmund: „Du bleibst ewig weg!“ oder „Ich habe dich seit einer Ewigkeit nicht mehr gesehen.“
Zu diesem zeitlich begrenzten “ewig” gibt es auch neutestamentliche Beispiele, wenngleich nicht so offensichtliche.
Im Hebräerbrief (Hebr 7,17–25, etc.) lesen wir davon, dass Jesus “für ewig” unser Hohepriester geworden ist. Für Jesus gilt das Wort “Du bist ein Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks.” (Ps 110,4)
“So ist Jesus Bürge eines viel besseren Bundes geworden. Auch sind es viele, die Priester wurden, weil der Tod keinen bleiben ließ; dieser aber hat, weil er ewig bleibt, ein unvergängliches Priestertum. Daher kann er auch für immer selig machen, die durch ihn zu Gott kommen; denn er lebt für immer und bittet für sie.” (Hebr 7,22–25)
Tatsächlich wird Jesus nicht für immer ein Hohepriester bleiben, denn das Amt des Hohepriesters ist das eines Vermittlers zwischen sündigen Menschen und Gott. Nach dem Endgericht wird es jedoch keine Sünde mehr geben; die Kinder Gottes werden heilig vor Gott treten. Auch wird es keinen Tempel mehr geben (Offb 21,22), in dem ein Versöhnungsdienst nötig wäre.
Ein weiteres Beispiel finden wir im Brief des Paulus an Philemon. Dabei sei besonders darauf hingewiesen, dass auch das griechische Wort aiōnios einen zeitlich begrenzten Zeitraum beschreiben kann.
In dem besagten Brief legt Paulus für einen gewissen Onesimus bei Philemon ein gutes Wort ein und bittet ihn, Onesimus als geliebten Bruder wieder aufzunehmen, obwohl er sein weggelaufener Sklave war. Paulus schreibt:
“Denn vielleicht war er darum eine Zeitlang von dir getrennt, damit du ihn auf ewig [aiōnios] wiederhättest, nun nicht mehr als einen Sklaven, sondern als einen, der mehr ist als ein Sklave: ein geliebter Bruder, besonders für mich, wie viel mehr aber für dich, sowohl im leiblichen Leben wie auch in dem Herrn.” (Phlm 15–16)
„Ewig“ bedeutet hier „auf Lebenszeit“, da das Verhältnis zwischen Philemon und Onesimus faktisch mit dem Tod eines der beiden endete. Das griechische Wort aiōnios wird auch in der Septuaginta (LXX) für die oben genannten Stellen (Samuel, Jona, Sklavendienst) verwendet, wo eindeutig ein endlicher Zeitraum gemeint ist.
Das griechische Wort aiōnios an sich wird üblicherweise mit “ewig”, “immerwährend” oder “für immer” übersetzt. Manche Kommentatoren schreiben, dass die wörtliche Übersetzung “für-ein-Zeitalter-dauernd” im Sinne einer ununterbrochenen oder nicht von Veränderungen betroffenen Zeit lauten würde.
Zahlreiche antike, griechische Schriften beschreiben römische Cäsaren als aiōnios. Der Bezug zu diesem Wort ist ihre ununterbrochene Amtsdauer, denn sie besaßen ihre Stellung auf Lebenszeit. Das Wort aiōnios beinhaltet also nicht ausschließlich den Ewigkeitsaspekt, den die erstgenannten Übersetzungen teilen. Die Dauer hängt vom Objekt oder von der Person ab, die das Wort beschreibt:
- In Bezug auf den Cäsar Tiberius (in antiken Schriften als aiōnios bezeichnet) meinte es seine 23-jährige Amtsdauer.
- In Bezug auf den unsterblichen Gott bedeutet aiōnios ewig im absoluten Sinn.
- Im NT wird aiōnios verwendet, um einerseits das Schicksal der Gottlosen und andererseits das Schicksal der Gerechten zu beschreiben. Die Bedeutung des Wortes muss im Einzelfall diskutiert werden. Siehe Antwort auf Spurgeons Einwand (Mt 25,46) für weitere Ausführungen.

- Ewig steht für etwas, das fest beschlossen wurde, woran kein Weg vorbeiführt, für etwas, das Menschen nicht abwenden oder verändern können. So wird eine göttliche Strafe, die fest beschlossen wurde, mit einer “ewigen” Strafe oder “ewigem (aiōnios) Feuer” (nicht verlöschendem Feuer – siehe Mt 18,8 vgl. mit Mk 9,43) verglichen. Weil Gott es so beschlossen hat, kann manches Feuer von Menschen nicht gelöscht werden, z. B.
“Wenn ihr aber nicht auf mich höret, den Sabbattag zu heiligen und keine Last zu tragen, und nicht durch die Tore Jerusalems einzugehen am Sabbattage: so werde ich ein Feuer in seinen Toren anzünden, daß es die Paläste Jerusalems verzehren und nicht erlöschen wird.” (Elberfelder: Jer 17,27)
Dieses Wort erfüllte sich bei der Zerstörung Jerusalems (2. Kön 25,8–9, 2Chr 36,19–21 ). Natürlich brennt dieses Feuer heute nicht mehr – es war „unauslöschlich“, bis alles verzehrt war. Ebenso sind „ewige Fesseln“ (Jud 6) ein Symbol für die Unausweichlichkeit des Gerichts, nicht für eine unendliche Dauer der Ketten an sich.
“Auch die Engel, die ihren himmlischen Rang nicht bewahrten, sondern ihre Behausung verließen, hat er für das Gericht des großen Tages festgehalten mit ewigen Banden in der Finsternis.” (Jud 6)
- „Ewig“ wird etwas genannt, bei dem nicht der Prozess, sondern das Ergebnis unumkehrbar ist.
“So sind auch Sodom und Gomorra und die umliegenden Städte, die gleicherweise wie sie Unzucht getrieben haben und anderem Fleisch nachgegangen sind, zum Beispiel gesetzt und leiden die Pein des ewigen (aiōnios) Feuers.” (Jud 7)
Bei Petrus lesen wir jedoch:
”[Gott] …hat die Städte Sodom und Gomorra zu Schutt und Asche gemacht und zum Untergang verurteilt und damit ein Beispiel gesetzt den Gottlosen, die hernach kommen würden;” (2Petr 2,6)
Die beiden Textstellen widersprechen sich nur, wenn man “ewiges Feuer” einseitig auffasst. Tatsächlich sehen wir heute niemanden in Sodom und Gomorra leiden und brennen – auch die Toten leiden nicht in einer jenseitigen Hölle, sondern schlafen bis zur Auferstehung (siehe Der Zustand der Toten). Schon zur Zeit Petri waren die Städte zu Schutt und Asche verbrannt.
Sodom und Gomorra sind ein Beispiel des wahren Höllenfeuers: Es vernichtet die bösen Menschen und nichts wird sie davor bewahren. Es verbrennt alles, bis nur Asche und Staub übrig bleiben! Diese Zerstörung ist endgültig, genauso wie die Städte Sodom und Gomorra nie wieder aufgebaut wurden.
Als letztes Beispiel sei Hebr 6, 1–2 genannt:
“Wir wollen nicht abermals den Grund legen mit der Umkehr von den toten Werken und dem Glauben an Gott, mit der Lehre vom Taufen, vom Händeauflegen, von der Auferstehung der Toten und vom ewigen Gericht.“
Auch hier wird das griechische Wort aiōnios verwendet, und natürlich wissen wir, dass das Gericht Gottes nicht ewig andauern und keinen Abschluss finden wird, sondern vielmehr das Ergebnis davon für immer feststehen wird. Siehe dazu z. B. Dan 7,9–10.26.27.
Zusammenfassung
Gemäß der Bibel beschreibt “ewig” als:
- einen Zeitraum ohne Anfang und Ende (z. B. die Existenz Gottes).
- einen Zeitraum mit Anfang und ohne Ende (z. B. das ewige Leben der Gerechten).
- einen Zeitraum mit Anfang und Ende (z. B. Dienstzeit eines Knechts, Verweildauer von Jonas im Bauch des Fisches).
- etwas von Gott Beschlossenes, das nicht abzuwenden ist (z. B. Feuer an den Türen Jerusalems).
- etwas, das endgültige Konsequenzen hat (z. B. die Zerstörung der Städte Sodom und Gomorra).
| Nur eine der Bedeutungen des Wortes “ewig” ist problematisch. |
Im Kontext der Bestrafung der Gottlosen kommen vor allem die Punkte 3 bis 5 infrage. Lediglich die zweite Definition (unendliche Dauer) führt zur Vorstellung unendlicher Qualen, was jedoch im Widerspruch zur Liebe Gottes und zur Symbolik der „Vernichtung zu Asche“ steht.
Ergebnis: Ewig ist nicht immer endlos!
Eines steht fest: Gott wird einem jeden geben nach seinen Taten (Röm 2,6; Mt 16,27; 2. Kor 5,10; Jer 32,19), und das bedeutet auch die Bestrafung von bösen Taten. Wie diese Strafe konkret aussieht, soll hier herausgearbeitet werden. Pauschal von einer ewigen, brennenden Hölle zu sprechen, wäre jedoch voreilig.
Es kommt immer darauf an, welche der fünf oben aufgeführten Bedeutungen das Wort „ewig“ oder „Ewigkeit“ meint. Nur in Verbindung mit Gott und mit dem Leben im Himmel bedeutet es absolute Endlosigkeit.
Das Wort „ewig“ deutet keineswegs immer eine endlose Zeitspanne an. Es bezieht sich in der Bibel oft auf Dinge, Einrichtungen, Anordnungen und Zustände, die als Geschaffenes einen Anfang hatten. Im gewöhnlichen Sinn kann man von ihnen nicht als „ewig“ im Sinne von zeitlos sprechen!
“Die sehr mannigfaltige Verwendung von Aiōn (griech.: für Ewigkeit, die lange dauernde Zeit, Zeitalter, Welt, u. a.) in den neutestamentlichen Schriften ist äußerst lehrreich für das Verständnis der urchristlichen Zeitauffassung. Es lässt sich nämlich zeigen, dass dasselbe Wort hier zur Bezeichnung einer genau begrenzten und einer unbegrenzten und unberechenbaren Zeitdauer dient, die wir dann mit “Ewigkeit” übersetzen. … So stehen sich auf neutestamentlichem Boden nicht Zeit und Ewigkeit gegenüber, sondern begrenzte Zeit und grenzenlose, unendliche Zeit. ” (nach Oscar Cullmann, Christus und die Zeit, EVZ-Verlag, Zürich, 1946, 1962, S. 38f.)
Das griechische Wort Aiōn tritt also nicht immer als endloser Zeitraum auf – im Gegenteil: Oft ist damit ein Zeitraum mit einem definierten Ende gemeint, wie zum Beispiel in Matthäus 13,39: “Der Feind, der es sät, ist der Teufel. Die Ernte ist das Ende der Welt (Aōin). Die Schnitter sind die Engel.” (ebenso bei Mt 24,3; 28,20; Mk 4,19; u. a.)
Es kann sich auch auf eine begrenzte Zeit der Vergangenheit beziehen, wie in Lukas 1,70: “wie er vorzeiten (Aōin) geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten”.
In manchen Übersetzungen finden wir an vielen Stellen das Wort „Zeitalter“. Dies wird je nach Kontext als „Welt“ oder als „Epoche“ verstanden.
Wie helfen die biblischen Ewigkeitsdefinitionen weiter?
Es soll nun versucht werden, die gegensätzliche Symbolik der „Bestrafung“ der gottlosen Menschen zu harmonisieren.
Texte, in denen Gottlose mit Brennbarem verglichen werden
| Die Textstellen, die von der Vergänglichkeit des Menschen sprechen, sind leicht zu erklären – auch im Hinblick auf die Ewigkeit. |
Stoffe wie Holz, Unkraut, Reben, Spreu oder Stroh verbrennen zwar ungleichmäßig rasch, werden aber schließlich zu Asche. So sollen die Gottlosen in der Gehenna (dem Gerichts- und Vernichtungsfeuer) „nach ihren Werken“ verschieden gerichtet werden. Sie brennen allerdings nicht ewig, sondern verbrennen und werden vollständig vernichtet (vgl. Offb 20,12–14).
Ausschlaggebend für das Maß der Bestrafung mit dem „ewigen“ Feuer ist, ob der Mensch nach seiner Erkenntnis gelebt hat (Lk 12,47–48). Das Gehenna-Feuer verzehrt letztlich alles Ungöttliche. Dieser Prozess bewirkt den „zweiten Tod“, der endgültig und somit in seiner Wirkung „ewig“ ist.
Diese Perspektive erkennt man auch in der Gerichtsandrohung des Propheten Obadja. Dort lesen wir im Hinblick auf die Völker:
“Denn wie ihr auf meinem heiligen Berge getrunken habt, so sollen alle Heiden täglich trinken; ja, sie sollen’s saufen und ausschlürfen und sollen sein, als wären sie nie gewesen.” (Obd 16)
Die Symbolik des „Trinkens vom Zornbecher“ und die darauffolgende Vernichtung findet man an vielen Stellen der Bibel, zum Beispiel bei Jeremia:
“Denn so sprach zu mir der HERR, der Gott Israels: Nimm diesen Becher mit dem Wein meines Zorns aus meiner Hand und lass daraus trinken alle Völker, zu denen ich dich sende” (Jer 25,15)
oder auch
“der wird von dem Wein des Zornes Gottes trinken, der unvermischt eingeschenkt ist in den Kelch seines Zorns, und er wird gequält werden mit Feuer und Schwefel vor den heiligen Engeln und vor dem Lamm.” (Offb 14,10, vgl. Ps 75,9)
Der Satzteil „und sollen sein, als wären sie nie gewesen“ unterstreicht abermals die völlige Vernichtung. Die gottlosen Menschen werden am Ende der Zeit so existenzlos sein, als hätten sie nie existiert. Daher heißt es von der neuen Erde:”… Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.” (Offb 21,4)
Diese Stelle besagt klar, dass es kein ewiges, loderndes Feuer geben kann, in dem Menschen ewiglich gefoltert werden. Denn gäbe es einen solchen Ort der Qual, so gäbe es weiterhin „Leid, Geschrei und Schmerz“. Schließlich werden selbst der Tod und das Totenreich (Hades) vernichtet (vgl. Offb 20,14).
Texte, in denen von ewiger Strafe (Pein) & Qual die Rede ist
Ewige Strafe (kolasis wurde früher mit Pein übersetzt): 2Thess 1,9 und Mt 25,46
| Auch die meisten Bibelstellen, die als Argumente für ein angeblich ewiges Bestrafen der Gottlosen verwendet werden, lassen sich schlüssig erklären. |
“Die werden Strafe (kolasis) erleiden, das ewige Verderben (olethros), vom Angesicht des Herrn her und von seiner herrlichen Macht” (2Thess 1,9)
“Und sie werden hingehen: diese zur ewigen Strafe (kolasis), aber die Gerechten in das ewige Leben.” (Mt 25,46)
Gemeint ist eine „ewige Strafe“, im Sinne eines „ewigen, zweiten Todes“ – eine endgültige Strafe, aber kein endloses Bestrafen. Der Lohn der Gottlosen ist die völlige, unabwendbare und unumkehrbare Vernichtung. Sie bedeutet den dauerhaften Ausschluss aus dem ewigen Leben.
In Matthäus 25 werden der Lohn der Gottlosen (endgültige Vernichtung) und der Lohn der Gerechten (endgültiges Leben) gegenübergestellt. Ähnlich kontrastiert Johannes die „Auferstehung zum Gericht“ mit der „Auferstehung zum Leben“. Gemäß der vierten Definition (siehe oben) ist hier kein unendlich andauernder Prozess gemeint, sondern ein von Gott fest beschlossener Plan, der nicht abgewendet werden kann. (Siehe auch Antwort auf Spurgeons Einwand (Mt 25,46).)
Da 2Thes 1,9 öfter genannt wird, folgt eine Vertiefung zum Wort “Verderben”:
Ewiges Verderben (olethros, Verderben, auch Zerstörung, Vernichtung, Tod): 2Thess 1,9
Das griechische Wort olethros, welches meist mit Verderben übersetzt wird, bedeutet auch Zerstörung, Vernichtung und Tod. In vielen englischen Übersetzungen (KJV, Webster etc.) wird es konsequent mit destruction übersetzt. Dies steht im Einklang mit einer endgültigen Zerstörung durch den zweiten Tod. Es ist nicht nötig, von einem unendlich lange andauernden „Verderben“ auszugehen. Auch hier steht „ewig“ für „von Gott fest beschlossen“.
Randbemerkung: 2Thess 1,9 steht im Zusammenhang mit der Wiederkunft Jesu. Wenn Jesus kommt, werden die Nichterlösten sterben (2Thes 2,8; Offb 19,11–21; Jes 11,4; Lk 17,26–30; Jer 25,33; Jer 4,23–27; Zep 1,14–18). Sie werden bei der zweiten Auferstehung wieder erwachen – leider wartet auf sie nur noch das Endgericht und “der zweite endgültige Tod”. Der Plan mit den zwei Auferstehungen (die erste für die Erlösten, die zweite für die “Verlorenen”) steht fest. Darum ist das Schicksal für die Nichterlösten schon festgelegt, wenn Jesus kommt und er seinen “Lohn” mit sich bringt (vgl. Offb 22,11–12).
Ewiges Feuer für die Menschen und für die Engel: Mt 18,8 und Mt 25,41
“Wenn aber deine Hand oder dein Fuß dich zum Abfall verführt, so hau sie ab und wirf sie von dir. Es ist besser für dich, dass du lahm oder verkrüppelt zum Leben eingehst, als dass du zwei Hände oder zwei Füße hast und wirst in das ewige Feuer geworfen.” (Mt 18,8)
“Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln!” (Mt 25,41)
In der Parallelstelle zu Mt 18,8 wird bei Markus 9,43 „ewiges Feuer“ als „unauslöschliches Feuer“ bezeichnet. Das bedeutet: Ein Feuer, das nicht von außen gelöscht werden kann, bis es seine Aufgabe erfüllt hat. Es erlischt erst, wenn der Gegenstand vollständig verzehrt ist. Ein solches Feuer wurde bereits beim Untergang Jerusalems prophezeit (Jer 17,27) – und dieses Feuer brennt heute offensichtlich nicht mehr! Auch hier meint „ewig“, dass der Prozess von keinem Geschöpf aufgehalten werden kann, bis die Vernichtung vollendet ist.
In dem “unauslöschlichen” Gehennafeuer, das im NT gemeint ist, wird nach den 1000 Jahren auch Satan mit seinen Engeln geworfen und verbrannt, die jetzt noch die Menschen von der Lufthülle der Erde her verführen dürfen. Auch in Mt 25,41 ist das “ewige Feuer” festgesetzt und nicht abwendbar (siehe Definition 4 oben; vgl. Antwort auf Spurgeons Einwand (Mt 25,46)).
Der nie sterbende Wurm: Mk 9,47.48 und Jes 66,24
“Wenn dich dein Auge zum Abfall verführt, so wirf’s von dir! Es ist besser für dich, dass du einäugig in das Reich Gottes gehst, als dass du zwei Augen hast und wirst in die Hölle geworfen, wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht verlöscht.” (Mk 9,47–48; vgl. Jes 66,24)
Wie im Tal Hinnom (Gehenna), wo Abfall und Kadaver durch Feuer und Würmer vernichtet wurden, dienen „Würmer“ hier als Symbole für die restlose Beseitigung der Leichen der Gottlosen. Normalerweise endet die Tätigkeit der Würmer, wenn das Fleisch verzehrt ist. Hier wird betont: „Der Wurm stirbt nicht“, bis die ganze Arbeit geleistet wurde und nichts mehr übrig ist. Nichts hält den Wurm auf!
“Soll das heißen: Nie werden diese Leichname vernichtet sein und immer wird an den unzerstörbaren Toten der Wurm nagen und das Feuer zehren? Gerade das Gegenteil ist gesagt: Wurm und Feuer werden an ihnen ganze Arbeit machen, sie ganz vernichten … Nie vergehende Leichname vor Jerusalems Toren würden auch schlecht zum neuen Himmel und zur neuen Erde passen.” (Bornhäuser. Die Gebeine der Toten, Bertelsmann, Gütersloh, 1921, S. 14)
| Zwei harte Nüsse bleiben: Qual von Ewigkeit zu Ewigkeit! |
Ewige Qual – Qual von Ewigkeit zu Ewigkeit: Offb 14,11; 20,10
“Und der Rauch von ihrer Qual wird aufsteigen von Ewigkeit zu Ewigkeit; und sie haben keine Ruhe Tag und Nacht, die das Tier anbeten und sein Bild, und wer das Zeichen seines Namens annimmt.” (Offb 14,11)
“Und der Teufel, der sie verführte, wurde geworfen in den Pfuhl von Feuer und Schwefel, wo auch das Tier und der falsche Prophet waren; und sie werden gequält werden Tag und Nacht, von Ewigkeit zu Ewigkeit.” (Offb 20,10)
Diese beiden Stellen sind die einzigen, die wirklich eine Herausforderung darstellen, denn der Ausdruck „von Ewigkeit zu Ewigkeit“ wird hier genauso verwendet wie beim „Leben von Ewigkeit zu Ewigkeit“. Wie ist dies zu erklären?
Von Ewigkeit zu Ewigkeit, griechisch: eis aiōnas aiōnōn, d. h. “bis Zeitaltern von Zeitaltern”. Dieser Ausdruck kann mit eis ton aiōna, “bis zum Zeitalter” verglichen werden, der üblicherweise mit “ewiglich”, “in Ewigkeit” oder “auf ewig” übersetzt wird (vgl. Mt 21,19; Mk 3,29; Lk 1,55, usw.) oder mit dem Ausdruck eis tous aiōnas, “bis zu Zeitaltern”, der als “ewiglich”, “in Ewigkeit” oder “von Ewigkeit zu Ewigkeit” (Schlachter) übersetzt wird (vgl. Lk 1,33; Röm 1,25; 11,36) oder mit dem Adjektiv aiōnios, “Zeitalter-dauernd” oder “für-ein-Zeitalter-dauernd”, übersetz als “ewige(s)” (vgl. Mt 18,8; 19,16.29; 25,41.46).
Ähnlich wie aiōnios bedeuten die Ausdrücke eis ton aiōna und eis tous aiōnas nicht unbedingt eine endlose Existenz. Es kann jedoch gefragt werden, ob sie in manchen Fällen “für immer” oder “auf ewig” bedeuten können. Sollte dies der Fall sein, könnte dann auch der zusammengesetzte Ausdruck eis aiōnas aiōnōn als ein betonter Ausdruck der Ewigkeit verstanden werden?
Dieser zusammengesetzte Ausdruck kommt an anderen Stellen als eis tous aiōnas tōn aiōnōn vor, was so viel bedeutet wie “bis zu Zeitaltern von Zeitaltern” und bezieht sich fast immer auf Gott oder Christus, wenn/wo es die endlose Existenz betont. (Die einzige Ausnahme stellt offenbar Offenbarung 20,10 dar – siehe unten)
Diese Bedeutung wurde jedoch nicht aus dem Ausdruck selbst, sondern aus dem Zusammenhang abgeleitet: Wir gehen von einem endlosen, ewigen Gott aus. Der Ausdruck selbst bedeutet so viel wie “vervielfachte Zeitalter”.
Die Verwendung von eis aiōnas aiōnōn in Offenbarung 14,11 ist schon etwas befremdlich. Dort geht es um die Qualen in einem Inferno aus Feuer und Schwefel. Ein möglicher Gedanke dazu wäre: Die Lebensdauer eines Menschen wäre in einer solchen Umgebung extrem kurz. Hätte der Text nur eis ton aiōna benutzt, hätte man schlussfolgern können, dass die Strafe nur einen winzigen Augenblick dauert, da der Mensch sofort verbrennt. Der zusammengesetzte Ausdruck verdeutlicht, dass die Qual eine bestimmte Zeit andauern wird – länger als ein Augenblick, aber eben nicht unendlich, wie die restlichen Bibelstellen zur restlosen Vernichtung (Mt 10,28; Hes 18,4; Offb 20,14 – zweiter Tod, siehe unten) belegen.
Aber auch unabhängig von dieser Überlegung, wird der Ausdruck sicher nicht “unendlich lange” bedeuten, sondern vielmehr für etwas Endgültiges stehen:

Das Symbol des ewig emporsteigenden Rauches stammt zweifellos aus Jesaja 34,9.10, wo die Vernichtung Edoms beschrieben wird. Die Tatsache, dass der Prophet hierbei nicht ein endloses Feuer gemeint hat, wird deutlich, wenn man Folgendes bedenkt: Die Worte kündigen ewiges Feuer und ewigen Rauch an: “Und Edoms Bäche verwandeln sich in Pech und sein Boden in Schwefel; und sein Land wird zu brennendem Pech. Tag und Nacht erlischt es nicht, ewig steigt sein Rauch empor. Von Generation zu Generation liegt es in Trümmern, für immer und ewig zieht niemand hindurch.“
Auch dieses Feuer ist längst erloschen. Die anschließenden Verse in Jesaja 34,10–15 beschreiben, wie das Land zu einer verwüsteten Öde geworden ist und von wilden Tieren bewohnt wird. In einer bildstarken Sprache wird so die totale Zerstörung verdeutlicht und nicht ein ewig loderndes Inferno.
Wie oben angemerkt, gibt es eine einzige Ausnahme, wo der Ausdruck eis tous aiōnas tōn aiōnōn, welcher sich sonst immer direkt auf Gott oder Christus bezieht, an einer anderen Stelle vorkommt. Wir lesen dazu nochmals Offb 20,10 und zusätzlich Vers 14:
“Und der Teufel, der sie verführte, wurde geworfen in den Pfuhl von Feuer und Schwefel, wo auch das Tier und der falsche Prophet waren; und sie werden gequält werden Tag und Nacht, von Ewigkeit zu Ewigkeit. … Und der Tod und sein Reich wurden geworfen in den feurigen Pfuhl. Das ist der zweite Tod: der feurige Pfuhl.” (Offb 20,10.14)
Wenn man sich näher mit den Symbolen der Bibel beschäftigt, so wird klar, dass ein Tier in der Bibel ein wichtiges Symbol ist. Anhand der Auslegung von Daniel 2, 7 und 8 und Offenbarung 13 lässt sich darlegen, dass die sonderbaren Tiere im Buch Daniel und der Offenbarung nicht wirkliche Tiere sind, sondern als Symbole für ein Reich oder eine Macht fungieren. So steht z. B. der Ziegenbock in Daniel 8 für das griechische Weltreich (siehe Auslegen zur Endzeit).
Daher wird auch hier, in Offenbarung 20,10 nicht ein echtes Tier in den feurigen Pfuhl geworfen und “gequält”, sondern eine bestimmte antichristliche Macht (das Tier aus Offenbarung 13). Wenn das Tier kein wirkliches Tier ist, sondern ein Symbol, dann muss auch der “falsche Prophet” symbolisch verstanden werden.
Die Bedeutung der Symbole soll an dieser Stelle nicht weiter diskutiert werden. Es ist jedoch widersinnig, auf der einen Seite “das Tier” und den “falschen Propheten” als Symbole zu behandeln und anderseits alle anderen Ausdrücke (den Pfuhl von Feuer und Schwefel, Qual Tag & Nacht, etc.) im Text wörtlich zu nehmen. Dabei sei im Übrigen angemerkt, dass es auf der neuen Erde keine Nacht mehr geben wird (Offb 22,5) – wie kann also der “Prophet” und das “Tier” Tag und Nacht “gequält” werden, wenn alles wörtlich zu verstehen ist?
| Von zentraler Bedeutung: Der zweite Tod! |
Wirklich interessant wird die Bibelstelle noch durch die zusätzliche Betrachtung von Vers 14, wo es heißt: “…Und der Tod und sein Reich wurden geworfen in den feurigen Pfuhl. Das ist der zweite Tod: der feurige Pfuhl.”.
Der “Tod” und “sein Reich” sind freilich keine Personen oder Wesen, doch ist ihr “Schicksal” das gleiche, wie das des “falschen Propheten”, des “Tieres” und aller Menschen, die nicht im Buch des Lebens gefunden werden: Sie werden in den “feurigen Pfuhl” geworfen (Offb 19,20; 20,14.15; 21,8).
Betrachtet man alle Bibelstellen, an denen vom “Pfuhl” die Rede ist, so stellt man fest, dass einmal Menschen (die Feigen, Ungläubigen, Frevler, Mörder, Unzüchtigen, Zauberer, Götzendiener, Lügner, usw.) und einmal Symbole (das Tier, der Prophet) und abstrakte Begriffe (der Tod, das Totenreich) in den Pfuhl “geworfen” werden. – Was ist nun der “feurige Pfuhl”, der mit Feuer und Schwefel brennt?
Die Bibel bezeichnet ihn als “zweiten Tod”. Es stellt sich die Frage, wieso er Tod genannt wird, wenn er dennoch angeblich für ewige Qual steht. Man bedenke hierbei, dass der Tod in der Bibel mit einem Schlaf ohne Gedanken und Gefühle verglichen wird. Macht es Sinn, beim zweiten Tod von einer bewussten endlosen Qual durch Feuer und Schwefel auszugehen? Natürlich nicht!
Wie können der “Tod” und “sein Reich” dabei in einem Pfuhl aus Feuer und Schwefel “brennen”, obwohl es sich bei ihnen doch um abstrakte Begriffe handelt? Gar nicht!
Die wirkliche Bedeutung, die aber sowohl Menschen als auch Symbole harmonisch im “feurigen Pfuhl” vereint, wird uns von Paulus selbst gegeben. Er sagt: “Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod.” (1Kor 15,26; vgl. Offb 20,10.14)
Der “feurige Pfuhl”, der Feuersee, in den der Tod geworfen wird, ist ein Symbol der Vernichtung, und zwar einer ewigen und endgültigen Vernichtung. Sowohl das durch das Tier repräsentierte System (oder das, wofür die Symbole stehen) als auch der falsche Prophet und ebenso der Tod sowie das Totenreich werden auf immer vernichtet.
Da der Tod und sein Reich im Feuersee, dem zweiten Tod, vernichtet werden, gibt es auf der neuen Erde keinen Tod mehr (Offb 21,4). Das gleiche Schicksal trifft auch die gottlosen Menschen. Ihr Lohn ist der zweite Tod und sie haben keinen Anspruch “am Baum des Lebens” (Offb 21,8; 22,18.19): Sie werden vergehen wie Rauch (Ps 37,1.20) und werden ausgelöscht sein von “Ewigkeit zu Ewigkeit”. Genauso endgültig, wie Gott in seinem Wesen endgültig und ewig ist.
Exkurs: Der Zorn Gottes und das Bild Gottes
Diese Ausarbeitung wäre unvollständig, wenn nicht auch das Bild Gottes – also unsere Auffassung darüber, wie Gott ist – vor dem Hintergrund der verschiedenen Lehren bezüglich der Hölle diskutiert werden würde.
Unser Bild von Gott ist geprägt von einer Vielzahl von Faktoren wie Sozialisation oder persönlichen Erfahrungen, aber auch (und dies soll hier im Vordergrund stehen) von Lehren und Lehrmeinungen. Es ist nicht verwunderlich, dass die (vermeintliche) Bedeutung von Begriffen wie „Zorn Gottes“, „Gottes Gerechtigkeit“, „Hölle“ oder „Gottes Charakter“ direkt mit der jeweiligen Lehre über die Hölle korreliert. Nicht selten ist das Verständnis der Hölle ausschlaggebend dafür, was unter dem Zorn oder der Gerechtigkeit Gottes überhaupt zu verstehen ist.
Beispiel: „Weil Gott die Gottlosen für immer in der Hölle unter schrecklichen Qualen leiden lässt (und weil Gott keine Fehler macht), muss dies ein Ausdruck seines Zorns und seiner Gerechtigkeit sein.“
Diese Denkweise ist gefährlich, weil dabei oft versäumt wird, die vielen Aussagen der Bibel zur Klärung dieser Ausdrücke heranzuziehen. Stattdessen wird eine (möglicherweise falsche) Lehre als Interpretationsgrundlage verwendet. Unser Bild von Gott wird dann nicht mehr von den Beschreibungen der Bibel geprägt, sondern von Dogmen. Es ist stets sinnvoller, die Bibel nicht durch Lehren, sondern durch sich selbst auszulegen.
Hier soll versucht werden, Gottes Charakter sowie seine Motive, usw. möglichst ungefärbt durch Lehren, dafür direkt durch die Bibel zu beschreiben. Natürlich wird dies ein unvollkommener Versuch bleiben, und zwar in doppelter Hinsicht: Wir Menschen werden “nie” Gott, seine Gedanken, Gefühle, Absichten usw. detailgetreu in voller Tiefe verstehen, und allein zum Thema “Gottes Gerechtigkeit” oder “Gottes Zorn” können Bände geschrieben werden.
Nichtsdestotrotz folgt nach diesem Exkurs ein weiterer zum Thema “Gottes Gerechtigkeit” (siehe unten).
Wichtige Eckpunkte
Zunächst muss betont werden, dass “Gott die Liebe ist”: “Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht; denn Gott ist die Liebe.” (1Joh 4,8)

Die unergründliche Liebe Gottes offenbarte sich u. a. in dem Leben und Sterben Jesu: “Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.” (Joh 3,16)
Dabei gilt die Liebe Gottes allen Menschen, auch jenen Gottlosen, die noch “in der Finsternis wandeln”. Petrus schreibt: “Der Herr verzögert nicht die Verheißung, wie es einige für eine Verzögerung halten; sondern er hat Geduld mit euch und will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass jedermann zur Buße finde.” (2Petr 3,9; vgl. 1Tim 2,4)
Gott möchte also alle Menschen zur Buße führen, damit sie für immer mit ihm zusammenleben können. Sein ausdrücklicher Wille ist, dass niemand “verloren geht”. Im Grundtext steht hier das Wort apollymi, was bedeutet: töten / ein Ende machen, (völlig) zerstören oder vernichten, zunichte machen und ins Verderben stürzen.
Das Spannungsfeld zur Allversöhnung
Anhänger der Allversöhnungslehre argumentieren oft mit diesen Stellen und behaupten, dass Gott in seiner Liebe am Ende alle Menschen retten wird. Doch hier stellt sich die berechtigte Frage, was Jesus meinte, als er sagte: “Wie eng ist die Pforte und wie schmal der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind’s, die ihn finden!” (Mt 7,14)
| Gott liebt die Menschen und will alle retten, aber sie müssen sich retten lassen. |
Leider werden nicht alle Menschen den Weg zum ewigen Leben finden, was die Allversöhnungslehre behauptet. Zwar möchte Gott alle Menschen retten, aber er geht deswegen keinen Kompromiss mit der Sünde ein! Die Menschen müssen sich von Gott retten lassen und ihren alten, selbstsüchtigen Charakter aufgeben. Nicht die kleinste Sünde wird die neue Erde und den neuen Himmel betreten, und das bedeutet für manche Menschen, dass sie „verloren gehen“, das heißt: vernichtet werden.
“So sprich zu ihnen: So wahr ich lebe, spricht Gott der HERR: ich habe kein Gefallen am Tode des Gottlosen, sondern dass der Gottlose umkehre von seinem Wege und lebe. So kehrt nun um von euren bösen Wegen. Warum wollt ihr sterben, ihr vom Hause Israel?” (Hes 33,11)
Gott hat kein Gefallen am Tod des Gottlosen – und daher wohl kaum an einem angeblich ewig dauernden Sterben in einer Hölle. Wenn wir aber nicht von unseren Wegen auf Gottes schmalen Weg umkehren, so müssen wir sterben, und zwar endgültig. Wenn wir es nicht anders wollen, dann muss Gott uns preisgeben und gehen lassen. Jesus rief voll Trauer über Jerusalem aus:
“Jerusalem, Jerusalem, die du tötest die Propheten und steinigst, die zu dir gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken versammelt unter ihre Flügel; und ihr habt nicht gewollt!” (Mt 23,37)
Viele, die damals nicht auf Jesu Stimme hörten, kamen in der Belagerung und der Zerstörung Jerusalems (70 n. Chr.) um. Das gleiche Schicksal droht den Menschen, die heute nicht auf Gottes Stimme hören. Gott will auch noch heute alle Menschen „wie eine Henne ihre Küken unter ihrem Flügel versammeln“, doch die wenigsten wollen es. Was bleibt Gott anderes übrig, als sie gehen zu lassen?
Liebe erfordert Freiheit
Gott hat die Menschen nie gezwungen, ihm zu gehorchen, denn unsere Beziehung zu Gott gleicht einer zwischenmenschlichen Beziehung. Für uns ist es klar, dass erzwungene Liebe keine Liebe ist, und so ist es auch für Gott. Hätte Gott unsere Liebe erzwingen wollen, so hätte er uns ohne Probleme zu Marionetten machen können, die stets seinen Willen tun. Doch er wollte echte Liebe, und diese erfordert einen freien Willen – einen Willen, der sich auch gegen seinen Schöpfer entscheiden kann.
Gott hatte uns immer vor den Gefahren gewarnt – nicht um uns einzuschüchtern und uns so an Ihn zu binden, sondern aus Liebe. Schon im Paradies warnte er:
“… von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du von ihm isst, musst du des Todes sterben.” (1Mo 2,17)
Als sich Eva verführen ließ und sich mit der alten Schlange, dem Satan, einließ, kam es zum Vertrauensbruch zwischen Mensch und Gott. Die Tragödie der Menschheit, die bis heute andauert, begann. Auch die erste Lüge Satans, dass wir Menschen nicht sterben werden (1. Mo 3,4), ist heute noch hochaktuell (vgl. Lehre über die Unsterblichkeit der Seele, die Wiedergeburt, die Allversöhnung usw.).
Gott hatte aber einen Plan, die Menschen zu retten. Durch seine Liebe sollte unsere Liebe entzündet werden. Er war es, der den ersten Schritt machte und uns zuerst liebte (1. Joh 4,19). Gottes ultimativer Liebesbeweis war der Tod Jesu. Jesus selbst sagte zuvor:
“Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde.” (Joh 15,13)
Viele Bibelstellen bezeugen, dass sich Gott zurückzieht, wenn der Mensch sich hartnäckig weigert, auf seine Stimme zu hören. Er lässt sie gehen, gibt sie preis und lässt sie zum Teil auch schon im jetzigen Leben die Konsequenzen ihres gottlosen Lebens tragen.
| Menschliche Emotionen lassen sich nicht einfach auf Gott übertragen. |
Auch wenn es bei manchen Lesern Protest auslösen wird, so soll im Folgenden gezeigt werden, dass dieses Verhalten Gottes – der Rückzug Gottes – gerade dem „Zorn Gottes“ entspricht.
Ein Wort vorweg: Man sollte vorsichtig sein, übliche menschliche Emotionen auf Gott zu übertragen, denn sein Zorn ist mit Sicherheit ein anderer als jener, den die Menschen oft hegen und der mit Ärger, Wut und Hass gepaart ist. (Gottes Gedanken sind nicht unsere Gedanken, und seine Wege sind nicht unsere Wege – Jes 55,8).
Es ist klar, dass göttliche Maßstäbe und Prinzipien, die Jesus in der Bergpredigt verkündigt hat, auch für Gott selbst gelten – nicht weil er einer höheren Instanz verpflichtet ist, sondern weil sie seinen Charakter darstellen. Dabei ist Gott kein „Mörder“, wenn er zürnt, obwohl es heißt: “Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist »Du sollst nicht töten«; wer aber tötet, der soll des Gerichts schuldig sein. Ich aber sage euch: Wer mit seinem Bruder zürnt, der ist des Gerichts schuldig…” (Mt 5,21.22)
Sein Zorn ist nicht der Zorn des Menschen:
“Als Israel jung war, hatte ich ihn lieb und rief ihn, meinen Sohn, aus Ägypten; aber wenn man sie jetzt ruft, so wenden sie sich davon und opfern den Baalen und räuchern den Bildern. Ich lehrte Ephraim gehen und nahm ihn auf meine Arme; aber sie merkten’s nicht, wie ich ihnen half. Ich ließ sie ein menschliches Joch ziehen und in Seilen der Liebe gehen und half ihnen das Joch auf ihrem Nacken tragen und gab ihnen Nahrung, dass sie nicht wieder nach Ägyptenland zurückkehren sollten. Nun aber muss Assur ihr König sein; denn sie wollen sich nicht bekehren. Darum soll das Schwert über ihre Städte kommen und soll ihre Riegel zerbrechen und sie fressen um ihres Vorhabens willen. Mein Volk ist müde, sich zu mir zu kehren, und wenn man ihnen predigt, so richtet sich keiner auf. Wie kann ich dich preisgeben, Ephraim, und dich ausliefern, Israel? Wie kann ich dich preisgeben gleich Adma und dich zurichten wie Zebojim? Mein Herz ist andern Sinnes, alle meine Barmherzigkeit ist entbrannt. Ich will nicht tun nach meinem grimmigen Zorn noch Ephraim wieder verderben. Denn ich bin Gott und nicht ein Mensch und bin der Heilige unter dir und will nicht kommen, zu verheeren.” (Hos 11,1–9)
In Hosea 11 lesen wir davon, wie Gott sich beständig um Israel gekümmert und es belehrt hat. Doch leider ist sein Volk, „sein Sohn“, immer wieder schwach geworden und tat, was Gott missfiel.
Entscheidend ist hier Vers 9, in dem Gott sagt, dass er nicht nach seinem „grimmigen Zorn“ handeln will. Was ist dieser Zorn? Was will er nicht tun? Die Antwort finden wir in Vers 8: Gott möchte nicht „preisgeben“ und „ausliefern“! Obwohl sein Volk nicht auf ihn hörte, wollte er sich nicht zurückziehen, sondern es weiterhin beschützen. Leider verhallten die Aufrufe zur Buße, ohne eine Erweckung im Volk auszulösen, und Jahre später musste Gott sich zurückziehen. Das Ergebnis war das Ende des Nordreiches: Es wurde von Assyrien erobert. Später ereilte Juda das gleiche Schicksal durch babylonische Hand.
Hosea vergleicht das Verhalten Israels mit dem einer ehebrecherischen Frau, die ihren Mann verlässt. Genauso lief Israel vom Herrn weg, gab der Hurerei nach, verachtete seine Liebe und brach seinen Bund. Zwar liebte Gott sein Volk weiter, aber letztendlich musste er es gehen lassen. Das beharrliche, sündige Verhalten des Volkes machte es ihm unmöglich, das Volk weiterhin zu segnen und zu beschützen.
Der Zorn als Rückzug und Preisgabe
Wer nicht auf Gott hören will, den lässt Gott gehen. Manchmal kommt das Volk oder der einzelne Mensch zur Besinnung, wenn er anschließend Leid tragen muss, und kehrt um. Nach der 70-jährigen Gefangenschaft in Babylon kam es im Volk nie wieder zu einem vergleichbaren Abfall.
Manchmal hilft allerdings auch diese harte Lektion nicht. Ein trauriges Beispiel liefert König Saul, der in seinen späten Jahren Gott untreu wurde (z. B. 1. Sam 15,19). Gott zog sich schließlich von ihm zurück und antwortete ihm nicht mehr (1. Sam 28,6). Er wurde gewissermaßen vom „Zorn Gottes“ getroffen. Statt dies auf seine eigenen Fehler zurückzuführen und Buße zu tun, suchte Saul Hilfe bei den Mächten der Finsternis. Sein Ende fand er in der Schlacht gegen die Philister durch Suizid (1. Sam 31,4).
Das Sterben Sauls wird interessanterweise woanders als von Gott selbst aktiv herbeigeführt beschrieben: “aber meine Gnade soll nicht von ihm weichen, wie ich sie habe weichen lassen von Saul, den ich vor dir weggenommen habe.” (2Sam 7,15)
In der alten Elberfelder- und Lutherübersetzung lesen wir in 1. Chr 10,14 sogar, dass Gott Saul „tötete“. Die revidierten Übersetzungen präzisieren dies jedoch treffender, indem sie davon sprechen, dass Gott Saul sterben ließ:
“So starb Saul um seines Treubruchs willen, mit dem er sich an dem HERRN versündigt hatte, weil er das Wort des HERRN nicht hielt, auch weil er die Wahrsagerin befragte, den HERRN aber nicht befragt hatte. Darum ließ er ihn sterben und wandte das Königtum David, dem Sohn Isais, zu.” (1Chr 10,13.14)
Ein weiteres Beispiel dafür, dass Gott manchmal Leid zulässt und dieses dann als Gottes aktives Handeln bezeichnet wird, finden wir im Buch Hiob. Im ersten Kapitel lesen wir davon, dass Satan erlaubt wurde, Hiob alles außer seines Lebens zu nehmen (siehe Hiob 1,12) und dennoch steht bereits im Vers 16, dass das Feuer Gottes Knechte und Schafe tötete.
Aktives Handeln vs. Zulassen
| Ist es nicht egal, ob Gott tötet oder er seinen Schutz zurückzieht? |
Für manche mag es unbedeutend sein, ob nun Gottes Zorn darin besteht, dass Gott Menschen tötet, oder darin, dass sich Gott zurückzieht und der Mensch dann durch Satan, durch die „Heiden“ oder andere Umstände getötet wird. Das Ergebnis ist zwar das gleiche, aber es wirft dennoch auf Gott ein völlig anderes Licht.
Noch wesentlicher ist aber der Grund, warum der Mensch umkommt: Liegt es daran, dass Gottes Geduld irgendwann zu Ende ist und Er wütend und schnaubend den Menschen bestraft? Oder liegt es nicht viel mehr daran, dass wir Menschen uns selbst von Gott trennen, uns von ihm abwenden, und er uns letztendlich gehen lässt?
Gott zwingt keinem Menschen seine Gegenwart auf! Wenn ein Mensch beharrlich Gottes Stimme ignoriert und tut, was Gott missfällt, so bleibt Gott keine andere Wahl, als ihn gehen zu lassen. Verlässt ein Küken den schützenden Unterschlupf der Henne, so ist es den Gefahren der Welt ausgesetzt und kann zu Tode kommen.
Auch auf uns Menschen warten Gefahren in der Welt, vor denen Gott uns oft beschützt, ohne dass wir es merken. Da wären Satan und seine Engel, die darauf warten, uns zu töten (1. Petr 5,8). Aber auch unsere eigenen Begierden können uns gefährlich werden.
In Römer 1,18ff beschreibt Paulus mehrfach, wie Menschen, die Gott verachten, ihren Begierden, schändlichen Leidenschaften und ihrem verkehrten Sinn von Gott dahingegeben werden. Gott hat sich von ihnen zurückgezogen, und der Heilige Geist rührt ihr Gewissen nicht mehr an.
Gottes Zorn
Gottes Zorn offenbart sich auf verschiedene Art und Weise, aber das Prinzip bleibt gleich:
- Entscheidet man sich gegen Gott, so lässt er einen gehen, wohin man will.
- Entscheidet man sich für Gott, so wird man gesegnet und gewinnt das ewige Leben.
Zwar mag diese Wahl dem Menschen kurzfristig Erfolg, Reichtum und Ehre bringen, doch sein Charakter kann sich nicht nach Gottes Willen entwickeln. In der Vergangenheit wurde dieser Zorn – Gottes Rückzug und die daraus resultierenden Konsequenzen – immer vermischt mit Gnade ausgeschüttet. Am Ende der Zeit wird dieser Zorn jedoch unvermischt ausgeschenkt.
Gott wird die Gottlosen vollends preisgeben. Nicht weil Er sie nicht mehr liebt (denn Er ändert sich nicht), sondern weil Er ihren eigenen Willen respektieren muss. Er wird jene, die beharrlich von ihm weglaufen, für immer loslassen. Johannes drückte es so aus:
“Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben. Wer aber dem Sohn nicht gehorsam ist, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm.” (Joh 3,36)
Ein schmerzhafter Abschied
Dies wird Gott wahrhaftig keine Freude bereiten. Genauso wie es uns keine Freude bereitet, einen geliebten Menschen gehen zu lassen, weil er uns nicht für interessant oder liebenswürdig erachtet. Der Tod der Menschen, selbst der Tod der Gottlosen, bereitet Gott immer Kummer und Schmerz (Hes 33,11; Mt 23,37).
Das muss beachtet werden, wenn man Begriffe wie „Zorn Gottes“, „Gottes Rache“ oder „Gottes Gerechtigkeit“ studiert. Wie schnell machen wir den Fehler, von unserem gefallenen Charakter auf den Charakter des heiligen Gottes zu schließen?
Man könnte einwenden, dass die Darstellung des Zorns Gottes als Rückzug zu einseitig ist. Was ist mit den Texten, in denen Gott aktiv eingreift und straft? Ist der Zorn Gottes nicht auch Ausdruck seiner Gerechtigkeit und Heiligkeit?
Hierzu sei auf den anschließenden Exkurs zur Gerechtigkeit Gottes verwiesen. Dort wird dargelegt, dass Gottes aktives Gericht von den Prinzipien Mishpat und Zedaqa geleitet wird. Blindes oder gar ewiges Bestrafen hat in diesem Gerechtigkeitsverständnis keinen Platz.
Das Studium des Charakters Gottes ist eines der wichtigsten Themen überhaupt. Man lernt dadurch Gott kennen und beginnt, sein Handeln zu verstehen. Wer sich näher damit befasst, wird überrascht feststellen, dass Gott uns mehr liebt, als wir uns vorstellen können – ja, mehr, als wir vielleicht sogar für richtig oder gerecht erachten!
Exkurs: Das Wesen der Gerechtigkeit Gottes
Einleitung
Die Frage nach ewigen Höllenqualen berührt das Herz der Gottesfrage: Ist Gott wirklich gerecht? Um dies zu beantworten, müssen wir zunächst verstehen, was „Gerechtigkeit” im biblischen Denken bedeutet – denn sie unterscheidet sich fundamental von unserem modernen Rechtsverständnis.
1. Gerechtigkeit als Wiederherstellung, nicht als Vergeltung
In vielen modernen Rechtssystemen wird Gerechtigkeit rein „retributiv” (vergeltend, strafend) verstanden: Wer Böses tut, muss leiden. Die biblische Hebräisch-Denkweise verfolgt jedoch ein anderes Ziel – die Wiederherstellung des ursprünglichen Heilszustands und die Rettung der Unterdrückten. Dies zeigt sich besonders in zwei zentralen Begriffen, die das fundamentale Doppelgestirn der biblischen Ethik bilden: Mishpat und Zedaqa.
Mishpat (מִשְׁפָּט) – Recht, das wiederherstellt
Der Begriff Mishpat leitet sich von der Wurzel shaphat (richten/entscheiden) ab und hat eine stark prozessuale und soziale Komponente:
- Die rechtliche Dimension: Mishpat bezeichnet das Urteil eines Richters oder die Rechtsordnung selbst. Es geht darum, dass jeder bekommt, was ihm zusteht.
- Die soziale Dimension: In der Bibel ist Mishpat fast immer mit dem Schutz derer verbunden, die keine eigene Lobby haben. Gott wird als derjenige beschrieben, der das Mishpat der „Witwen, Waisen und Fremdlinge” verteidigt (5. Mose 10,18).
- Die Handlungsorientierung: Mishpat ist eine „Gerechtigkeit der Tat”. Wenn Unrecht geschieht – etwa durch Ausbeutung –, muss Mishpat ausgeübt werden, um den Schaden zu beheben und die Unterdrückten zu ihrem Recht kommen zu lassen.
Beispiel: Wenn ein Arbeitgeber den Lohn zurückhält, ist die Wiederherstellung des Rechts durch die Auszahlung ein Akt des Mishpat.
Zedaqa (צְדָקָה) – Gerechtigkeit als Beziehungstreue
Zedaqa geht tiefer als das rein juristische Recht. Es beschreibt einen Zustand der „Richtig-Verbundenheit”:
- Der Beziehungsaspekt: Zedaqa ist die Gerechtigkeit, die sich aus einer Beziehung ergibt. Es bedeutet, sich so zu verhalten, dass die Gemeinschaft – mit Gott und den Mitmenschen – gedeihen kann.
- Gnade und Barmherzigkeit: Im Unterschied zum kühlen westlichen Rechtsbegriff schließt Zedaqa Großzügigkeit und Mitleid ein. Im späteren rabbinischen Judentum wurde das Wort sogar zum Synonym für „Almosen” oder „Wohltätigkeit”.
- Der göttliche Standard: Gott selbst ist tzaddik (gerecht). Er handelt im Einklang mit seinem eigenen Wesen der Liebe. Wenn ein Mensch Zedaqa übt, spiegelt er den Charakter Gottes wider.
Beispiel: Wer einem Armen hilft, tut dies nicht nur, weil ein Gesetz es vorschreibt (Mishpat), sondern weil er die Würde des anderen sieht und die Beziehung zur Gemeinschaft pflegt (Zedaqa).
Das Zusammenspiel: Mishpat und Zedaqa
Wenn beide Begriffe zusammen verwendet werden, beschreiben sie eine Gerechtigkeit, die rettet und wiederherstellt:
- Amos 5,24: „Es ströme aber das Recht (Mishpat) wie Wasser und die Gerechtigkeit (Zedaqa) wie ein nie versiegender Bach.” – Hier fordert der Prophet nicht nur korrekte Gerichtsverhandlungen, sondern eine Gesellschaft, die von Fairness und mitmenschlicher Liebe durchflutet ist.
- Psalm 33,5: „Er liebt Gerechtigkeit (Zedaqa) und Recht (Mishpat); die Erde ist voll der Güte des HERRN.” – Gott verbindet das konsequente Eintreten gegen Unrecht mit seiner grundlegenden Güte.
Was bedeutet Mishpat und Zedaqa für die Frage nach der Hölle?
Aus diesem biblischen Gerechtigkeitsverständnis ergeben sich drei zentrale Einsichten:
- Gottes Gerechtigkeit ist nicht „blind”: Sie ist nicht wie die Justitia mit der Augenbinde, die nur starr straft. Sie sieht die Not und will heilen (Zedaqa).
- Keine ewige Konservierung von Unrecht: Da Gott Mishpat liebt, muss er das Unrecht (die Sünde) beseitigen. Würde er Sünder ewig in einer Hölle quälen, bliebe die Sünde – und das durch sie verursachte Leid – für immer im Universum bestehen. Die „Ordnung” wäre nie vollständig wiederhergestellt. Die Vernichtung des Bösen hingegen stellt den Zustand der „Sündenfreiheit” im gesamten Universum wieder her.
- Das Ziel ist Harmonie: Zedaqa strebt nach einem Universum, in dem alle Beziehungen (Gott-Mensch, Mensch-Mensch) wieder „richtig” sind. Das Böse hat darin keinen Platz mehr.
Zusammengefasst: Mishpat ist das korrigierende Eingreifen Gottes, um Unrecht zu stoppen. Zedaqa ist die liebende Grundhaltung, die das Leben und die Gemeinschaft fördern will. Das ewige Bestrafen in einer Hölle widerspricht beiden Prinzipien dieser biblischen Gerechtigkeit.
2. Das Prinzip der Verhältnismäßigkeit (Lex Talionis)
Das Prinzip der Verhältnismäßigkeit besagt, dass eine Strafe dem Vergehen entsprechen muss.
Die biblische Grundlage (2. Mose 21,23–25)
„Entsteht ein dauernder Schaden, so sollst du geben: Leben um Leben, Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuß um Fuß, Brandmal um Brandmal, Wunde um Wunde, Beule um Beule.”
Entgegen der landläufigen Meinung war dies kein Gebot zur Rache, sondern eine Begrenzung der Vergeltung: Man durfte nicht mehr fordern, als verloren gegangen war. Wenn Gott selbst diesen Maßstab anlegt, würde er nicht gegen sein eigenes Gesetz verstoßen, indem er endliche Sünden mit unendlicher Folter bestraft?
Ein Mensch lebt vielleicht 70 oder 80 Jahre. Selbst wenn er in dieser Zeit schwere Sünden begeht, ist die Schuld zeitlich begrenzt. Eine unendliche Strafe (ewige Qual ohne Ende) für eine endliche Schuld würde gegen das göttliche Prinzip der Verhältnismäßigkeit verstoßen. Es gäbe kein Gleichgewicht zwischen Tat und Strafe.
3. Biblische Belege für dieses Gerechtigkeitsverständnis

- Psalm 103,9 – Gott „hadert nicht ewig”: „Er wird nicht für immer hadern noch ewig zornig bleiben.“
Dieser Vers beschreibt Gottes Charakter. Ewige Qual würde bedeuten, dass sein Zorn niemals aufhört. Der Psalm deutet darauf hin, dass Gottes Strafgericht ein Ziel und ein Ende hat. - Klagelieder 3,31–33 – Gott quält nicht gerne: „Denn der Herr verstößt nicht ewig, sondern er betrübt wohl und erbarmt sich wieder nach seiner großen Güte. Denn nicht von Herzen plagt und betrübt er die Menschen.“
Leid ist niemals Gottes Endziel. Eine Hölle, die nur aus Leid ohne die Möglichkeit der Besserung oder eines Endes besteht, widerspricht der Aussage, dass Gott „nicht von Herzen” plagt. - Hesekiel 18,23 – Gerechtigkeit will Leben, nicht Tod: „Meinst du, dass ich Gefallen habe am Tode des Gottlosen, spricht Gott der HERR, und nicht vielmehr daran, dass er sich bekehrt von seinem Wege und am Leben bleibt?“
Gottes Gerechtigkeit ist darauf ausgerichtet, Leben zu ermöglichen. Wenn ein Mensch die Umkehr endgültig verweigert, ist die Konsequenz der Tod (das Ende der Existenz), da Gott das Leben nicht erzwingt. Ein ewiges „Sterben-Lassen” in Qual würde dem Wunsch Gottes widersprechen, kein Gefallen am Leid zu haben. - Lukas 15 – Das Gleichnis vom verlorenen Schaf
Hier zeigt sich die „wiederherstellende Gerechtigkeit” besonders deutlich. Gerechtigkeit bedeutet nicht, dass das Schaf bestraft wird, weil es weggelaufen ist, sondern dass die Ordnung (100 Schafe) wiederhergestellt wird. Im Kontext der Endzeit bedeutet das: Entweder wird der Sünder durch Buße wiederhergestellt, oder das „System Schöpfung” wird durch die Entfernung des Bösen gereinigt.
Schlussfolgerung: Warum ewige Höllenqualen Gottes Gerechtigkeit widersprechen
Ewige Höllenqualen sind nicht Ausdruck von Gottes Gerechtigkeit, sondern widersprechen ihr in folgenden Punkten:
- Verstoß gegen das Prinzip der Verhältnismäßigkeit: Eine unendliche Strafe für ein begrenztes Leben verletzt Gottes eigenes Rechtsprinzip der Lex Talionis.
- Konservierung statt Wiederherstellung: Mishpat zielt auf die Wiederherstellung und Heilung der Schöpfung ab. Ewige Qual konserviert das Böse, anstatt es zu beseitigen.
- Konflikt mit Gottes Wesen (Zedaqa): Gott ist kein Sadist, sondern ein liebender Vater, dessen Gerechtigkeit Beziehung und Leben fördert, nicht endloses Leiden.
- Die „Ewigkeit” des Bösen verhindert den vollständigen Sieg: Wenn Gott am Ende „Alles in Allem” sein soll (1. Korinther 15,28), kann es keinen Ort geben, an dem das Böse und das Leid ewig weiterbestehen. Dies würde auch Nahum 1,9 widersprechen. Gott macht dem Unrecht ein Ende, sodass es nicht ein zweites Mal passieren wird. Was für Ninive galt, gilt im großen Maßstab auch: Gott wird nicht die Sünde und das Leiden verewigen.
Eine ewige Qual wäre zudem pädagogisch sinnlos. Strafe in der Bibel hat den Zweck der Zurechtweisung oder, wenn diese abgelehnt wird, der endgültigen Trennung. Eine Qual, die niemals endet und niemals zur Besserung führt, dient keinem konstruktiven Ziel und passt nicht zum biblischen Bild eines gerechten Richters, der die Harmonie seiner Schöpfung wiederherstellen will.
Ergebnis: Es gibt keine unendlich andauernde Höllenqual!
Die Lehre von der ewigen Höllenqual ist mit der Bibel nicht eindeutig zu belegen. Relevante Bibelstellen können alternativ ausgelegt werden. Vielmehr wirft diese Lehre zahlreiche innerbiblische und moralische Fragen auf:
- Wie könnte ein barmherziger Gott Menschen, die zeitlich gesündigt haben, ewig quälen?
- Wie sollten sich die Verheißungen Gottes erfüllen, alle Tränen abzuwischen und alles Leid und Geschrei (Jesaja 65,17; Offenbarung 21,4; 7,17) zu beenden, wenn die Gläubigen ihre verlorenen Angehörigen in ewiger Qual sehen würden? Die Verheißung besagt nicht, dass Leid weiterhin existiert, aber nicht mehr wahrgenommen wird, sondern dass ‘das Erste vergangen’ ist.
Menschen durch Drohen mit ewiger Qual auf eine Bußbank zu zwingen, wäre dem Charakter Gottes diametral entgegengesetzt. Vielmehr lässt Gott dem Menschen die Entscheidung, sich entweder für ihn zu entscheiden oder aber am Ende der Zeit vernichtet zu werden – das heißt, in der ewigen Welt nach der Wiederkunft Christi nicht mehr existent zu sein.
Später werden wir uns näher der innerbiblischen Kritik dieser Lehrer zuwenden.
Heidnische Einflüsse statt biblischer Lehre
Die Lehre von einer ewigen Höllenqual ist dem Alten Testament gänzlich fremd und hat sich später, offenbar durch heidnische Einflüsse und außerbiblische, späte jüdische Apokalyptik, entwickelt. Die Parallelen, zum Beispiel zur griechischen Mythologie, sind auffällig:

- Tantalus: Erleidet ewige Hunger- und Durstqualen (Tantalusqualen), während Wasser und Früchte vor ihm zurückweichen.
- Sisyphus: Muss bis in alle Ewigkeit einen Marmorblock einen Berg hinaufwälzen, der immer wieder hinabrollt (Sisyphusarbeit).
- Ixion: Wurde auf ein ewig brennendes Rad gebunden.
- Danaiden: Mussten ewig Wasser in ein durchlöchertes Fass schöpfen.
- Tityos: Ihm wuchs ständig die Leber nach, während ein Geier sie fraß.
Sowohl Griechen als auch jüdische Apokalyptik kannten, im Gegensatz zum AT, eine Aufteilung des Totenreiches mit einem speziellen Strafort. Bei den Griechen war es Tartaros und in der jüdischen Apokalyptik, Gehenna. Folgende Elemente aus der Mythologie und der jüdischen Apokalyptik weisen Gemeinsamkeiten auf und haben auch das spätere Höllenverständnis der Christen beeinflusst:
| Merkmal | Griechische Mythologie | Jüdische Apokalyptik (besonders 1. Buch Henoch) |
| Ort | Tartaros lag tief unter der Erde, noch tiefer als der Hades | Gewaltige Schluchten und vier „hohle Räume“, Abgrund |
| Aufteilung | Elysion (für Helden), Asphodeliengrund (für den Durchschnitt), Tartaros (für Frevler). | Vier Abteilungen: 1. Gerechte, 2. Märtyrer, 3. Sünder (die schon bestraft werden), 4. Sünder (die erst beim Gericht auferstehen). |
| Art der Strafe | Oft symbolisch/ironisch (Sisyphus rollt Stein, Tantalos dürstet). | Unlöschbares Feuer, ewige Finsternis, eiserne Fesseln und Peitschenhiebe durch Strafengel, Pein. |
| Wächter | Der dreiköpfige Hund Kerberos und der Fährmann Charon. | Die Erzengel (z.B. Raphael) und spezielle „Engel der Bestrafung“. |
| Dauer der Strafe | Für schwere Verbrechen gegen die Götter: Ewig. | Je nach Text: zeitlich begrenzte Läuterung, totale Vernichtung oder Ewige Qual. |
All diese Ideen von „Qualen bis in alle Ewigkeit“ stehen im Konflikt mit dem Evangelium. Wir warten auf eine erneuerte Erde ohne Hölle, aber voller Gerechtigkeit (2. Petr 3,13–14) und ohne Tränen (Offb 21,4).
Das Urteil: Ewige Trennung von der wahren Quelle allen Lebens
Die Lehre von der zeitlich beschränkten Vernichtung der Gottlosen passt zum Handeln Gottes: Ewige Vernichtung ist gerecht, denn wer nicht zu Gott will, den zwingt Er nicht, quält ihn aber auch nicht ewig. Der Verlust der ewigen Seligkeit ist Strafe genug.
Zusammenfassung der ersten beiden Teile
In dieser Ausarbeitung wurde gezeigt:
- Zustand der Toten: Verstorbene Menschen gehen nach ihrem Tod weder direkt in den Himmel noch in die Hölle. Sie bleiben im Grab („Schlaf“) bis zu ihrer Auferstehung.
- Das Gericht: Wenn sie erwachen, erhalten sie ihren Lohn: endgültige Vernichtung oder ewiges Leben.
- Widerlegung der Qual: Die Behauptung, unerlöste Menschen würden für immer und ewig gequält werden, ist biblisch nicht haltbar – zumindest dann nicht, wenn man keine innerbiblischen Widersprüche akzeptieren will.
Auf die Einwände gegen die zeitlich begrenzte Bestrafung und die völlige Auslöschung der unerlösten Menschen wird im nächsten Teil eingegangen.
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