Die ewige Hölle

Relevanz des Themas

“Wie kann ein lie­ben­der Gott so grau­sam sein, dass er Men­schen, die nicht an ihn glau­ben, spä­ter für immer und ewig in einer feu­ri­gen Höl­le quält? An solch einen Gott will ich gar nicht glau­ben!”

Dies ist ein berech­tig­ter Ein­wand gegen den Glau­ben an den christ­li­chen Gott. Die all­ge­mei­ne Vor­stel­lung von der Höl­le ist geprägt von jenen Bil­dern, die man aus der mit­tel­al­ter­li­chen Kunst kennt. Die­se Bil­der wie­der­um beru­hen auf einem man­gel­haf­ten Bibel­ver­ständ­nis sowie auf Vor­stel­lun­gen aus außer­bi­bli­schen Quel­len bzw. Kul­tu­ren, wie zum Bei­spiel aus der grie­chisch-römi­schen Anti­ke. Doch was sagt die Bibel wirk­lich zu die­sem The­ma und wie ist die Sym­bol­spra­che zu ver­ste­hen?

Der Begriff “Hölle” in der Bibel

Wir haben bereits fest­ge­stellt, dass das Kon­zept einer unsterb­li­chen See­le dem bibli­schen Bild einer See­le wider­spricht. Auch die Behaup­tung, dass die Guten gleich nach dem Tod ins ewi­ge Leben – das heißt in den Him­mel – kom­men, scheint unhalt­bar zu sein. Sicher ist viel­mehr, dass die Gläu­bi­gen erst bei der Wie­der­kunft Chris­ti mit ihm in ihre himm­li­schen Woh­nun­gen ein­zie­hen wer­den.

Was pas­siert aber mit den Ungläu­bi­gen? Land­läu­fig ist in vie­len Men­schen der Glau­be fest ver­wur­zelt, dass “der Böse” in die Höl­le kommt. Dane­ben kennt die katho­li­sche Kir­che noch das Fege­feu­er, in dem Ver­stor­be­ne ihre Ver­ge­hen abbü­ßen, bevor sie ins ewi­ge Leben ein­ge­hen. Ande­re wie­der­um leug­nen Him­mel und Höl­le gänz­lich.

Fol­gen­de Fak­to­ren haben sich nega­tiv auf die Ent­wick­lung der Vor­stel­lun­gen über die Höl­le aus­ge­wirkt:

  1. Unge­naue Bibel­über­set­zun­gen, wie sie zum Bei­spiel in der Luther­bi­bel von 1912 zu fin­den sind.
  2. Miss­ver­stan­de­ne bibli­sche Sym­bo­le bezie­hungs­wei­se außer Acht gelas­se­ne Sym­bo­lik, gepaart mit mit­tel­al­ter­li­cher Fan­ta­sie.
  3. Ein frag­wür­di­ges Got­tes­bild.

Bei der Dis­kus­si­on der Fra­ge “Was ist die Höl­le?” muss berück­sich­tigt wer­den, dass alle moder­nen Vor­stel­lun­gen eine Vor­ge­schich­te haben. Übli­cher­wei­se über­nimmt ein Mensch jene Vor­stel­lun­gen, die ihm durch Erzie­hung und Medi­en (Lite­ra­tur, Radio, Fern­se­hen, Inter­net oder auch Kunst) ver­mit­telt wer­den.

Das Glei­che galt auch für Luther und sei­ne Zeit­ge­nos­sen: Auch sie waren von der mit­tel­al­ter­li­chen Vor­stel­lung der Höl­le beein­flusst. So kam es, dass Luther unter ande­rem ver­schie­de­ne grie­chi­sche und hebräi­sche Wör­ter ein­heit­lich mit “Höl­le” über­setz­te. Auch heu­te gibt es lei­der noch Men­schen, für die Toten­reich, Höl­le, Gru­be usw. Syn­ony­me sind!

Die fol­gen­den Ver­se zei­gen, wie ein ahnungs­lo­ser Leser durch eine man­geln­de Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen den Begrif­fen “Höl­le”, “Toten­reich” usw. leicht ver­wirrt wer­den kann. Beim Lesen der alten Luther­über­set­zung von 1912 erfährt man:

(1) Böse Men­schen, wie die Rot­te Korah, fah­ren in die Höl­le (4. Mose 16,30f):

Und der HERR rede­te mit Mose und sprach: Sage der Gemein­de und sprich: Weicht rings­her­um von der Woh­nung Korahs und Dat­hans und Abirams. Und Mose stand auf und ging zu Dathan und Abiram, und die Ältes­ten Isra­els folg­ten ihm nach und er rede­te mit der Gemein­de und sprach: Wei­chet von den Hüt­ten die­ser gott­lo­sen Men­schen und rührt nichts an, was ihr ist, dass ihr nicht viel­leicht umkommt in irgend einer ihrer Sün­den. Und sie gin­gen hin­weg von der Hüt­te Korahs, Dat­hans und Abirams. Dathan aber und Abiram gin­gen her­aus und tra­ten an die Tür ihrer Hüt­ten mit ihren Wei­bern und Söh­nen und Kin­dern. Und Mose sprach: Dabei sollt ihr mer­ken, dass mich der HERR gesandt hat, dass ich alle die­se Wer­ke täte, und nicht aus mei­nem Her­zen: wer­den sie ster­ben, wie alle Men­schen ster­ben, oder heim­ge­sucht, wie alle Men­schen heim­ge­sucht wer­den, so hat mich der HERR nicht gesandt; wird aber der HERR etwas Neu­es schaf­fen, dass die Erde ihren Mund auf­tut und ver­schlingt sie mit allem, was sie haben, dass sie leben­dig hin­un­ter in die Höl­le fah­ren, so wer­det ihr erken­nen, dass die­se Leu­te den HERRN geläs­tert haben. Und als er die­se Wor­te hat­te alle aus­ge­re­det, zer­riss die Erde unter ihnen und tat ihren Mund auf und ver­schlang sie mit ihren Häu­sern, mit allen Men­schen, die bei Korah waren, und mit aller ihrer Habe; und sie fuh­ren hin­un­ter leben­dig in die Höl­le mit allem, was sie hat­ten, und die Erde deck­te sie zu, und kamen um aus der Gemein­de. Und ganz Isra­el, das um sie her war, floh vor ihrem Geschrei; denn sie spra­chen: dass uns die Erde nicht auch ver­schlin­ge!

(2) Gute Men­schen, wie der Patri­arch Jakob, sehen sich in der Höl­le (1. Mose 37,34–35):

Und Jakob zer­riss sei­ne Klei­der und leg­te Sack­tuch um sei­ne Len­den, und er trug Leid um sei­nen Sohn vie­le Tage. Und alle sei­ne Söh­ne und alle sei­ne Töch­ter mach­ten sich auf, um ihn zu trös­ten; aber er ver­wei­ger­te es, sich trös­ten zu las­sen, und sprach: Denn leid­tra­gend wer­de ich zu mei­nem Soh­ne hin­ab­fah­ren in den Scheol [Luther 1912: Gru­be, auch Höl­le]! Und sein Vater bewein­te ihn.

(3) Wer in die Höl­le fährt, kommt nie wie­der her­aus (Hiob 7,9):

Eine Wol­ke ver­geht und fährt dahin: also, wer in die Höl­le hin­un­ter­fährt, kommt nicht wie­der her­auf und kommt nicht wie­der in sein Haus, und sein Ort kennt ihn nicht mehr.

(4) Des­halb möch­te nie­mand gern in die Höl­le (Spr 15,24):

Der Weg des Lebens geht über­wärts für den Klu­gen, auf dass er mei­de die Höl­le unter­wärts. ”

(5) And­rer­seits wünsch­te sich der from­me Hiob in die Höl­le hin­ab­zu­fah­ren (Hiob 14,13):

Dass du in der Höl­le mich ver­steck­test, mich ver­bär­gest, bis dein Zorn sich abwen­de­te, mir eine Frist setz­test und dann mei­ner gedäch­test!

(6) Aus der Höl­le kann man doch wie­der her­aus­kom­men (1Sam 2,6):

Jeho­va tötet und macht leben­dig; er führt in die Höl­le hin­ab und führt her­auf.

(7) From­me Män­ner, wie David und Jona, kamen aus der Höl­le sogar wie­der her­aus:

HERR, du hast mei­ne See­le aus der Höl­le geführt; du hast mich lebend erhal­ten, da jene in die Gru­be fuh­ren. ” (Ps 30,3)

Und sprach: Ich rief zu dem HERRN in mei­ner Angst, und er ant­wor­te­te mir; ich schrie aus dem Bau­che der Höl­le, und du hör­test mei­ne Stim­me. ” (Jona 2,2)

(8) In der Höl­le ist ewi­ges Feu­er, ewi­ge Qual und ein nie ster­ben­der Wurm: Mk 9,43.44;

      So dich aber dei­ne Hand ärgert, so haue sie ab! Es ist dir bes­ser, daß du als ein Krüp­pel zum Leben ein­ge­hest, denn daß du zwei Hän­de habest und  fah­rest in die Höl­le, in das ewi­ge Feu­er, da ihr Wurm nicht stirbt und ihr Feu­er nicht ver­löscht.”

 Auch böse Engel sind in der Höl­le: 2Petr 2,4.

     ” Denn Gott hat die Engel, die gesün­digt haben, nicht ver­schont, son­dern hat sie mit Ket­ten der Fins­ter­nis zur Höl­le ver­sto­ßen und über­ge­ben, daß sie zum Gericht behal­ten wer­den;”

(9) Ande­rer­seits geschieht in der Höl­le über­haupt nichts (Pred 9,10):

…denn in der Höl­le, dahin du fährst, ist weder Werk, Kunst, Ver­nunft noch Weis­heit.”

(10) Und schließ­lich wird die Höl­le selbst in einen Feu­er­pfuhl gewor­fen: Offb 20,14!

Genaue Begriffs­klä­run­gen füh­ren zu einem bes­se­ren Bibel­ver­ständ­nis.

Jahr­hun­der­te­lang sorg­ten die­se Bibel­stel­len für viel Ver­wir­rung. Erst ein sorg­fäl­ti­ges Stu­di­um der Bedeu­tung jener Wör­ter, die mit “Höl­le” über­setzt wur­den, klärt den Blick. Moder­ne Über­set­zun­gen sind mitt­ler­wei­le genau­er; aber über die vie­len Jah­re haben sich durch unge­naue Über­tra­gun­gen die selt­sams­ten Vor­stel­lun­gen ver­brei­tet. Die heu­ti­gen Ver­tre­ter der Leh­re ewi­ger Höl­len­qua­len ver­wen­den zwar bes­se­re Über­set­zun­gen, doch die fal­schen Vor­stel­lun­gen wer­den im Volks­mund wei­ter­hin tra­diert und beein­flus­sen Men­schen mehr oder weni­ger unbe­wusst. Alte, tra­di­tio­nel­le Höl­len­vor­stel­lun­gen wer­den kaum hin­ter­fragt, und oft bleibt es bei Stan­dard­ant­wor­ten und Stan­dard­ein­wän­den.

In die­ser Aus­ar­bei­tung wird sys­te­ma­tisch geklärt, wel­che Wör­ter für “Höl­le” im Grund­text ste­hen, wie das Schick­sal der erlös­ten und uner­lös­ten Men­schen in der Bibel beschrie­ben wird und wie sich das bibli­sche Bedeu­tungs­feld des Wor­tes „ewig“ dar­stellt. Auf Grund­la­ge die­ser Betrach­tun­gen wer­den die zen­tra­len Bibel­stel­len bezüg­lich der Höl­le ein­ge­ord­net.

Was bedeuten Scheol, Hades, Tartarus und Gehenna?

Luther hat ver­schie­de­ne Wör­ter des Grund­tex­tes mit “Höl­le” über­setzt. Es folgt nun eine Auf­stel­lung aller betref­fen­den Begrif­fe, die frü­her fälsch­li­cher­wei­se ver­ein­heit­licht wur­den.

Scheol (hebr.)Hades (griech.): 68-mal in der Bibel

  1. Das hebräi­sche Wort Scheol bedeu­tet Toten­reich, Toten­welt, Tod, Grab oder Grab­höh­le. Unser deut­sches Wort „Höl­le“ ist ety­mo­lo­gisch ursprüng­lich von „Höh­le“ (das Ver­bor­ge­ne) abge­lei­tet.
  2. Dem hebräi­schen Wort (Scheol), des­sen ursprüng­li­che Bedeu­tung umsrit­ten ist, ent­spricht das grie­chi­sche Wort Hades. Damit wur­de ursprüng­lich in der grie­chi­schen Mytho­lo­gie der Gott der Unter­welt und spä­ter das Toten­reich selbst bezeich­net.

Im Grab geschieht nichts. Nir­gends ist es stil­ler als bei den Toten. (Sie­he Der Zustand der Toten: Ein Schlaf?) – Die neue Luther­bi­bel über­setzt des­halb an vie­len Stel­len statt „Höl­le“ tref­fen­der: „bei den Toten“. Es gibt kei­ne Bibel­stel­le, die den Scheol mit Qua­len der dort ver­wei­len­den Men­schen ver­bin­det. Der bekann­te Text in Lukas 16 wird spä­ter aus­führ­li­cher behan­delt (sie­he Der rei­che Mann und der arme Laza­rus (Lk 16,19–31)).

Betrach­tet man alle Stel­len, die das Wort Scheol beinhal­ten, und über­setzt die­ses kon­se­quent mit „Grab“, so erge­ben vie­le der schein­bar wider­sprüch­li­chen Tex­te wie­der einen Sinn:

  • Die Sip­pe Korah fuhr leben­dig in den Scheol d. h. ins Grab der Erde hin­un­ter.
  • Aus dem Tode (Höl­le = Scheol = Grab) kommt kein Mensch wie­der ins Leben zurück.
  • Von Natur aus flieht daher der Mensch vor dem Tod, d. h. dem Grab (Scheol). Wer will schon gern ster­ben?
  • Hiob wünsch­te, von sei­nen Lei­den erlöst zu wer­den, daher sei­ne Todes­sehn­sucht, sein Wunsch, in den Scheol her­ab­zu­fah­ren. Auch Jakob befürch­te­te, er kom­me bald in den Scheol.
  • Bei der Auf­er­ste­hung kommt man wie­der aus dem Scheol, dem Gra­be, her­aus.
  • Jona hielt den Fisch­leib für sein Grab (Scheol = Höl­le);
  • David wird wie­der aus dem Grab (Scheol = Höl­le) auf­er­ste­hen.

 
Ein ande­res Wort für die Höl­le: Tar­ta­rus (grie­chisch: Tar­ta­ros) – nur in 2Petr 2,4

  1. Nach grie­chi­scher Auf­fas­sung ist der Tar­ta­rus der tiefs­te Abgrund des Hades – ein fins­te­rer, kal­ter Ort für die bösen Ver­stor­be­nen, die dort ihre Stra­fe emp­fan­gen soll­ten.
  2. Die Elber­fel­der Über­set­zung über­setzt das Wort neu­tra­ler mit „Abgrund“. Die­ses Wort wird auch an ande­ren Stel­len ver­wen­det, z. B. in Lukas 8,31. Hier bit­ten die Dämo­nen dar­um, nicht in den Abgrund geschickt zu wer­den. Auch in der Offen­ba­rung spielt der „Abgrund“ eine wich­ti­ge Rol­le (Offb 9,2.11; 11,7; 17,8; 20,1.3). In Offb 20,1 geht es ähn­lich wie in 2Pet 2,4 um einen Abgrund, das Bin­den und Auf­be­wah­ren mit einer Ket­te. Auch im wei­te­ren Ver­lauf in Offen­ba­rung 20 kommt es zum Gericht. Das grie­chi­sche abyssos („Abgrund“) wird im klas­si­schen Grie­chisch auch als Adjek­tiv benutzt und bedeu­tet dann „boden­los“ oder „end­los“. Für intel­li­gen­te Wesen (Dämo­nen, Satan) scheint abyssos eine Art der Iso­la­ti­on von ande­ren Wesen und die Unfä­hig­keit zu sein, der Situa­ti­on zu ent­flie­hen – ver­gleich­bar mit einem Gefäng­nis.
  3. Petrus schrieb an Men­schen, die in einem hel­le­nis­ti­schen Kul­tur­kreis leb­ten, und benutz­te ver­mut­lich die­sen grie­chi­schen Aus­druck, um sei­nen Gedan­ken zu ver­mit­teln: Es geht um einen Bann­ort für die bösen Engel (Dämo­nen). Sicher­lich woll­te er damit nicht die heid­ni­sche, grie­chi­sche Idee vom Tar­ta­rus als Ort mensch­li­cher Toten­qua­len ein­füh­ren.

Tal Hin­nom (hebr.)Gehen­na (griech.): 12-mal im NT

  1. Im Süden vor den Toren Jeru­sa­lems lag ein Tal, das den Söh­nen Hin­noms gehör­te und daher „Tal Hin­nom“ genannt wur­de. Mög­li­cher­wei­se hat man dort die Lei­chen ver­en­de­ter Tie­re, Ver­bre­cher­lei­chen und aller­lei Unrat ver­brannt, wes­halb an die­sem Kada­ver-Ver­nich­tungs­platz ein stän­di­ges Feu­er brann­te. Die­se Vor­stel­lung stammt aus einer Bemer­kung des Rab­bi David Kim­chi (1160–1235), ist aber his­to­risch nicht wei­ter belegt.
  2. Das neu­tes­ta­ment­li­che Wort für Höl­le ist Gehen­na , das aus Ge-Hin­nom (Tal Hin­nom) ent­stan­den ist, “was sich aus dem dort unter­hal­te­nen Feu­er … erklärt” (Zel­ler, Bibl. Hand­wör­ter­buch, S. 347).

Es liegt nahe, dass mit Gehen­na im Neu­en Tes­ta­ment ein Ver­nich­tungs­platz (für „mensch­li­chen Abfall“) gemeint ist. Tat­säch­lich beschreibt die Bibel einen Feu­er­pfuhl, der nach den in der Offen­ba­rung erwähn­ten 1.000 Jah­ren für das End­ge­richt ent­steht und in dem alle Ungläu­bi­gen ver­brannt wer­den. Aus die­ser „Höl­le“ kommt nie­mand her­aus. Der ver­ur­teil­te Mensch wird vom gött­li­chen Feu­er ver­zehrt und stirbt den „zwei­ten Tod“ (Offb 20,9–15). Das soll im fol­gen­den Abschnitt näher beleuch­tet wer­den.

Eine ewig brennende Hölle?

Die Bibel spricht den­noch von einer Höl­le! Was ist damit eigent­lich gemeint? Ist es der bren­nen­de Ort, an dem die bösen Men­schen für ewig lei­den müs­sen? Wo sie mit Feu­er, Pech und Schwe­fel gefol­tert wer­den?

Vor­ab eine War­nung: Die Bibel ver­wen­det vie­le Sym­bo­le, die nicht wört­lich zu ver­ste­hen sind. Im Mit­tel­al­ter, aber auch noch heu­te, wur­de und wird dies oft über­se­hen, sodass die ver­schie­dens­ten Auf­fas­sun­gen zustan­de kom­men.

Am häu­figs­ten hört man, dass böse Men­schen für immer in der Höl­le gequält wer­den. Dem steht die Aus­le­gung gegen­über, dass Men­schen wie „Brenn­stoff“ von einem gött­li­chen Feu­er völ­lig ver­zehrt und ver­nich­tet wer­den. Tat­säch­lich sind bei­de Sym­bo­li­ken in der Bibel zu fin­den.

Die Bilder der Bibel

Aspekte der Vergänglichkeit

Men­schen, wel­che Gott und die Erlö­sung ver­ach­ten, wer­den in der Bibel oft mit leicht brenn­ba­rem oder ver­gäng­li­chem Mate­ri­al ver­gli­chen, zum Bei­spiel:

  1. mit Unkraut:
    Der Acker ist die Welt. Der gute Same sind die Kin­der des Reichs. Das Unkraut sind die Kin­der des Bösen. Wie man nun das Unkraut aus­jä­tet und mit Feu­er ver­brennt, so wird’s auch am Ende der Welt gehen.” (Mt 13,38.40)
     
  2. mit ver­dorr­ten Reben:
    Wer nicht in mir bleibt, der wird weg­ge­wor­fen wie eine Rebe und ver­dorrt, und man sam­melt sie und wirft sie ins Feu­er, und sie müs­sen bren­nen. ” (Joh 15,6; vgl. Hes 15)
     
  3. mit Spreu:
    Er hat sei­ne Worf­schau­fel in der Hand; er wird sei­ne Ten­ne fegen und sei­nen Wei­zen in die Scheu­ne sam­meln; aber die Spreu wird er ver­bren­nen mit unaus­lösch­li­chem Feu­er.” (Mt 3,12)
     
  4. mit Holz:
    Dar­um spricht der HERR, der Gott Zebaoth: Weil ihr sol­che Reden führt, sie­he, so will ich mei­ne Wor­te in dei­nem Mun­de zu Feu­er machen und dies Volk zu Brenn­holz, dass es ver­zehrt wer­de.” (Jer 5,14; vgl Hes 15,1–8)
     
  5. mit Stroh, das zu Asche (Staub) ver­brennt:
    Dar­um, wie des Feu­ers Flam­me Stroh ver­zehrt und Stop­peln ver­ge­hen in der Flam­me, so wird ihre Wur­zel ver­fau­len und ihre Blü­te auf­flie­gen wie Staub. Denn sie ver­ach­ten die Wei­sung des HERRN Zebaoth und läs­tern die Rede des Hei­li­gen Isra­els.” (Jes 5,24)

    Denn sie­he, es kommt ein Tag, der bren­nen soll wie ein Ofen. Da wer­den alle Ver­äch­ter und Gott­lo­sen Stroh sein, und der kom­men­de Tag wird sie anzün­den, spricht der HERR Zebaoth, und er wird ihnen weder Wur­zel noch Zweig las­sen. Euch aber, die ihr mei­nen Namen fürch­tet, soll auf­ge­hen die Son­ne der Gerech­tig­keit und Heil unter ihren Flü­geln. Und ihr sollt her­aus­ge­hen und sprin­gen wie die Mast­käl­ber. Ihr wer­det die Gott­lo­sen zer­tre­ten; denn sie sol­len Staub unter euren Füßen wer­den an dem Tage, den ich machen will, spricht der HERR Zebaoth.” (Mal 3,19–21; vgl. Nah 1,10; Jes 5,24)
     
  6. mit ver­gäng­li­chem Rauch:
    Denn die Gott­lo­sen wer­den umkom­men; und die Fein­de des HERRN, wenn sie auch sind wie präch­ti­ge Auen, wer­den sie doch ver­ge­hen, wie der Rauch ver­geht.” (Ps 37,20)
     
  7. mit ver­gäng­li­chem Kot:
    Weißt du nicht, dass es alle­zeit so gegan­gen ist, seit­dem Men­schen auf Erden gewe­sen sind, dass das Froh­lo­cken der Gott­lo­sen nicht lan­ge währt und die Freu­de des Ruch­lo­sen nur einen Augen­blick? Wenn auch sein Schei­tel in den Him­mel reicht und sein Haupt an die Wol­ken rührt, so wird er doch für immer ver­ge­hen wie sein Kot, und die ihn gese­hen haben, wer­den sagen: Wo ist er?” (Hiob 20,4–7)

Fer­ner wird die Ver­gäng­lich­keit der Gott­lo­sen mit dem ewi­gen Bestehen der Gerech­ten kon­tras­tiert:

Denn die Bösen wer­den aus­ge­rot­tet; die aber des HERRN har­ren, wer­den das Land erben. Noch eine klei­ne Zeit, so ist der Gott­lo­se nicht mehr da; und wenn du nach sei­ner Stät­te siehst, ist er weg.” (Ps 37,9.10)

Wenn ein Sturm vor­über­fährt, so ist der Gott­lo­se nicht mehr da; der Gerech­te aber ist für die Ewig­keit gegrün­det.” (Spr 10,25 – Schlach­ter)

Zahl­rei­che Bibel­stel­len wei­sen auf die end­gül­ti­ge Ver­gäng­lich­keit des Men­schen im Gericht Got­tes hin.

Die ver­gäng­li­chen, gott­lo­sen Men­schen ver­bren­nen (inner­halb einer gewis­sen Zeit – also nicht unend­lich lan­ge) rest­los; weder Wur­zel noch Zwei­ge blei­ben zurück. Dies ist kei­ne blo­ße mensch­li­che Ana­lo­gie, wie manch­mal behaup­tet wird, son­dern die Quint­essenz der obi­gen Bibel­tex­te. Nach Offen­ba­rung 20,9 ster­ben die Gott­lo­sen im Feu­er­pfuhl, ange­zün­det durch das Feu­er Got­tes, den soge­nann­ten „zwei­ten Tod“ (Offb 20,14; 21,8).

Aspekte der Ewigkeit

Ande­rer­seits schei­nen böse Men­schen „ewig“ gequält zu wer­den, denn die Bibel spricht auch von:

  1. ewi­ger Stra­fe:
    Und sie wer­den hin­ge­hen: die­se zur ewi­gen Stra­fe, aber die Gerech­ten in das ewi­ge Leben.” (Mt 25,46)
     
  2. ewi­gem Feu­er:
    Wenn aber dei­ne Hand oder dein Fuß dich zum Abfall ver­führt, so hau sie ab und wirf sie von dir. Es ist bes­ser für dich, dass du lahm oder ver­krüp­pelt zum Leben ein­gehst, als dass du zwei Hän­de oder zwei Füße
    hast und wirst in das ewi­ge Feu­er gewor­fen.
    ” (Mt 18,8)
     
  3. ewi­gem Feu­er für den Teu­fel und für sei­ne Engel:
    Dann wird er auch sagen zu denen zur Lin­ken: Geht weg von mir, ihr Ver­fluch­ten, in das ewi­ge Feu­er, das berei­tet ist dem Teu­fel und sei­nen Engeln!” (Mt 25,41)
     
  4. nie ster­ben­dem Wurm und nicht ver­lö­schen­dem Feu­er”:
    Und wenn dich dein Auge ver­führt, so wirf’s von dir! Es ist bes­ser für dich, dass du ein­äu­gig in das Reich Got­tes ein­gehst, als dass du zwei Augen hast und wirst in die Höl­le gewor­fen, 48 wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feu­er nicht ver­löscht.” (Mk 9,47–48; vgl. Jes 66,22–24)
     
  5. ewi­ger Qual:
    Und der Teu­fel, der sie ver­führ­te, wur­de gewor­fen in den Pfuhl von Feu­er und Schwe­fel, wo auch das Tier und der fal­sche Pro­phet waren; und sie wer­den gequält wer­den Tag und Nacht, von Ewig­keit zu Ewig­keit.” (Offb 20,10)

    Und der Rauch von ihrer Qual wird auf­stei­gen von Ewig­keit zu Ewig­keit; und sie haben kei­ne Ruhe Tag und Nacht, die das Tier anbe­ten und sein Bild, und wer das Zei­chen sei­nes Namens annimmt.” (Offb 14,11)
⚠️ Eben­so gibt es Bibel­stel­len, die ein ewi­ges Lei­den des Men­schen nahe­zu­le­gen schei­nen! ⚠️

Die­se Sym­bo­le bezie­hungs­wei­se die­se sym­bo­li­schen Spra­chen sind auf den ers­ten Blick unver­ein­bar: Ent­we­der wer­den die gott­lo­sen Men­schen ver­nich­tet (durch Feu­er ver­zehrt) oder sie wer­den für immer gequält.

Es folgt nun eine genaue Betrach­tung der Begrif­fe „ewig“ und „Ewig­keit“.

Was versteht die Bibel unter “ewig”?

Man fin­det dazu meh­re­re Defi­ni­tio­nen:

Für das Wort “ewig” steht im Grund­text meist aiō­ni­os (grie­chisch) und olam (hebrä­isch). Es ergibt sich hier ein brei­tes Bedeu­tungs­spek­trum:

  1. „Ewig“ deu­tet einen Zeit­ab­schnitt ohne Anfang und ohne Ende an – immer­wäh­rend, nach rück­wärts und vor­wärts unbe­grenzt, eigent­lich „zeit­los“. Das trifft allein auf Gott zu. Er ist ewig:

    Aber Gott, dem ewi­gen König, dem Unver­gäng­li­chen und Unsicht­ba­ren, der allein Gott ist, sei Ehre und Preis in Ewig­keit! Amen.” (1Tim 1,17)

    Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewi­ge Gott, der die Enden der Erde geschaf­fen hat, wird nicht müde noch matt, sein Ver­stand ist unaus­forsch­lich.” (Jes 40,28)

    Da allein Gott Unsterb­lich­keit besitzt (1. Tim 6,16), ist es klar, dass nur er aus sich her­aus ewig exis­tiert. Den Gerech­ten wird spä­ter bei ihrer Auf­er­ste­hung die Unsterb­lich­keit ver­lie­hen (1. Kor 15,53–54).
     
  2. „Ewig“ bezeich­net einen Zeit­ab­schnitt mit Anfang, aber ohne Ende, wie das ewi­ge Leben, das mit der Auf­er­ste­hung der Gerech­ten beginnt:

    und ich gebe ihnen das ewi­ge Leben, und sie wer­den nim­mer­mehr umkom­men, und nie­mand wird sie aus mei­ner Hand rei­ßen.” (Joh 10,28).
     
  1. Ewig“ cha­rak­te­ri­siert einen Zeit­ab­schnitt mit Anfang und mit Ende, d. h. eine begrenz­te Zeit. Ewig bedeu­tet in die­sem Fall so viel wie das deut­sche Wort „lan­ge“ oder „bis zur Voll­endung“ (z. B. des Lebens, des Heil­pla­nes etc.).

    - Ewig war die Pries­ter­zeit Samu­els:

    … Bis der Kna­be ent­wöhnt wer­de, so will ich ihn brin­gen, daß er vor dem HERRN erschei­ne und blei­be daselbst ewig­lich.” (Luther 1912: 1Sam 1,22)

    - Ewig ist die Lebens­zeit eines Knech­tes, für die er sich sei­nem Herrn ver­spricht:

    Wenn aber der Knecht etwa sagt: Ich lie­be mei­nen Herrn, mein Weib und mei­ne Kin­der, ich will nicht frei aus­ge­hen, so soll sein Herr ihn vor die Rich­ter brin­gen und ihn an die Tür oder an den Pfos­ten stel­len, und sein Herr soll ihm das Ohr mit einer Pfrie­me durch­boh­ren; und er soll ihm die­nen auf ewig.” (2Mo 21,5–6)

    - Die drei Tage im Fisch­bauch waren für Jona wie eine Ewig­keit”:

    Ich sank hin­un­ter zu der Ber­ge Grün­den, der Erde Rie­gel schlos­sen sich hin­ter mir ewig­lich. Aber du hast mein Leben aus dem Ver­der­ben geführt, HERR, mein Gott!” (Jona 2,1f – beson­ders Vers 7)

    Noch heu­te spricht man im Volks­mund: „Du bleibst ewig weg!“ oder „Ich habe dich seit einer Ewig­keit nicht mehr gese­hen.“

    Zu die­sem zeit­lich begrenz­ten “ewig” gibt es auch neu­tes­ta­ment­li­che Bei­spie­le, wenn­gleich nicht so offen­sicht­li­che.

    Im Hebrä­er­brief (Hebr 7,17–25, etc.) lesen wir davon, dass Jesus “für ewig” unser Hohe­pries­ter gewor­den ist. Für Jesus gilt das Wort “Du bist ein Pries­ter in Ewig­keit nach der Ord­nung Mel­chise­deks.” (Ps 110,4)

    So ist Jesus Bür­ge eines viel bes­se­ren Bun­des gewor­den. Auch sind es vie­le, die Pries­ter wur­den, weil der Tod kei­nen blei­ben ließ; die­ser aber hat, weil er ewig bleibt, ein unver­gäng­li­ches Pries­ter­tum. Daher kann er auch für immer selig machen, die durch ihn zu Gott kom­men; denn er lebt für immer und bit­tet für sie.” (Hebr 7,22–25)

    Tat­säch­lich wird Jesus nicht für immer ein Hohe­pries­ter blei­ben, denn das Amt des Hohe­pries­ters ist das eines Ver­mitt­lers zwi­schen sün­di­gen Men­schen und Gott. Nach dem End­ge­richt wird es jedoch kei­ne Sün­de mehr geben; die Kin­der Got­tes wer­den hei­lig vor Gott tre­ten. Auch wird es kei­nen Tem­pel mehr geben (Offb 21,22), in dem ein Ver­söh­nungs­dienst nötig wäre.

    Ein wei­te­res Bei­spiel fin­den wir im Brief des Pau­lus an Phi­le­mon. Dabei sei beson­ders dar­auf hin­ge­wie­sen, dass auch das grie­chi­sche Wort aiō­ni­os einen zeit­lich begrenz­ten Zeit­raum beschrei­ben kann.

    In dem besag­ten Brief legt Pau­lus für einen gewis­sen One­si­mus bei Phi­le­mon ein gutes Wort ein und bit­tet ihn, One­si­mus als gelieb­ten Bru­der wie­der auf­zu­neh­men, obwohl er sein weg­ge­lau­fe­ner Skla­ve war. Pau­lus schreibt:

    Denn viel­leicht war er dar­um eine Zeit­lang von dir getrennt, damit du ihn auf ewig [aiō­ni­os] wie­der­hät­test, nun nicht mehr als einen Skla­ven, son­dern als einen, der mehr ist als ein Skla­ve: ein gelieb­ter Bru­der, beson­ders für mich, wie viel mehr aber für dich, sowohl im leib­li­chen Leben wie auch in dem Herrn.” (Phlm 15–16)

    „Ewig“ bedeu­tet hier „auf Lebens­zeit“, da das Ver­hält­nis zwi­schen Phi­le­mon und One­si­mus fak­tisch mit dem Tod eines der bei­den ende­te. Das grie­chi­sche Wort aiō­ni­os wird auch in der Sep­tuag­in­ta (LXX) für die oben genann­ten Stel­len (Samu­el, Jona, Skla­ven­dienst) ver­wen­det, wo ein­deu­tig ein end­li­cher Zeit­raum gemeint ist.

    Das grie­chi­sche Wort aiō­ni­os an sich wird übli­cher­wei­se mit “ewig”, “immer­wäh­rend” oder “für immer” über­setzt. Man­che Kom­men­ta­to­ren schrei­ben, dass die wört­li­che Über­set­zung “für-ein-Zeit­al­ter-dau­ernd” im Sin­ne einer unun­ter­bro­che­nen oder nicht von Ver­än­de­run­gen betrof­fe­nen Zeit lau­ten wür­de.

    Zahl­rei­che anti­ke, grie­chi­sche Schrif­ten beschrei­ben römi­sche Cäsa­ren als aiō­ni­os. Der Bezug zu die­sem Wort ist ihre unun­ter­bro­che­ne Amts­dau­er, denn sie besa­ßen ihre Stel­lung auf Lebens­zeit. Das Wort aiō­ni­os beinhal­tet also nicht aus­schließ­lich den Ewig­keits­aspekt, den die erst­ge­nann­ten Über­set­zun­gen tei­len. Die Dau­er hängt vom Objekt oder von der Per­son ab, die das Wort beschreibt:

    - In Bezug auf den Cäsar Tibe­ri­us (in anti­ken Schrif­ten als aiō­ni­os bezeich­net) mein­te es sei­ne 23-jäh­ri­ge Amts­dau­er.
    - In Bezug auf den unsterb­li­chen Gott bedeu­tet aiō­ni­os ewig im abso­lu­ten Sinn.
    - Im NT wird aiō­ni­os ver­wen­det, um einer­seits das Schick­sal der Gott­lo­sen und ande­rer­seits das Schick­sal der Gerech­ten zu beschrei­ben. Die Bedeu­tung des Wor­tes muss im Ein­zel­fall dis­ku­tiert wer­den. Sie­he Ant­wort auf Spur­ge­ons Ein­wand (Mt 25,46) für wei­te­re Aus­füh­run­gen. 
  1. Ewig steht für etwas, das fest beschlos­sen wur­de, wor­an kein Weg vor­bei­führt, für etwas, das Men­schen nicht abwen­den oder ver­än­dern kön­nen. So wird eine gött­li­che Stra­fe, die fest beschlos­sen wur­de, mit einer “ewi­gen” Stra­fe oder “ewi­gem (aiō­ni­os) Feu­er” (nicht ver­lö­schen­dem Feu­er – sie­he Mt 18,8 vgl. mit Mk 9,43) ver­gli­chen. Weil Gott es so beschlos­sen hat, kann man­ches Feu­er von Men­schen nicht gelöscht wer­den, z. B.

    Wenn ihr aber nicht auf mich höret, den Sab­bat­tag zu hei­li­gen und kei­ne Last zu tra­gen, und nicht durch die Tore Jeru­sa­lems ein­zu­ge­hen am Sab­bat­ta­ge: so wer­de ich ein Feu­er in sei­nen Toren anzün­den, daß es die Paläs­te Jeru­sa­lems ver­zeh­ren und nicht erlö­schen wird.” (Elber­fel­der: Jer 17,27)

    Die­ses Wort erfüll­te sich bei der Zer­stö­rung Jeru­sa­lems (2. Kön 25,8–9, 2Chr 36,19–21 ). Natür­lich brennt die­ses Feu­er heu­te nicht mehr – es war „unaus­lösch­lich“, bis alles ver­zehrt war. Eben­so sind „ewi­ge Fes­seln“ (Jud 6) ein Sym­bol für die Unaus­weich­lich­keit des Gerichts, nicht für eine unend­li­che Dau­er der Ket­ten an sich.

    Auch die Engel, die ihren himm­li­schen Rang nicht bewahr­ten, son­dern ihre Behau­sung ver­lie­ßen, hat er für das Gericht des gro­ßen Tages fest­ge­hal­ten mit ewi­gen Ban­den in der Fins­ter­nis.” (Jud 6)
     
  1. „Ewig“ wird etwas genannt, bei dem nicht der Pro­zess, son­dern das Ergeb­nis unum­kehr­bar ist.

    So sind auch Sodom und Gomor­ra und die umlie­gen­den Städ­te, die glei­cher­wei­se wie sie Unzucht getrie­ben haben und ande­rem Fleisch nach­ge­gan­gen sind, zum Bei­spiel gesetzt und lei­den die Pein des ewi­gen (aiō­ni­os) Feu­ers.” (Jud 7)

    Bei Petrus lesen wir jedoch:

    ”[Gott] …hat die Städ­te Sodom und Gomor­ra zu Schutt und Asche gemacht und zum Unter­gang ver­ur­teilt und damit ein Bei­spiel gesetzt den Gott­lo­sen, die her­nach kom­men wür­den;” (2Petr 2,6)

    Die bei­den Text­stel­len wider­spre­chen sich nur, wenn man “ewi­ges Feu­er” ein­sei­tig auf­fasst. Tat­säch­lich sehen wir heu­te nie­man­den in Sodom und Gomor­ra lei­den und bren­nen – auch die Toten lei­den nicht in einer jen­sei­ti­gen Höl­le, son­dern schla­fen bis zur Auf­er­ste­hung (sie­he Der Zustand der Toten). Schon zur Zeit Petri waren die Städ­te zu Schutt und Asche ver­brannt.

    Sodom und Gomor­ra sind ein Bei­spiel des wah­ren Höl­len­feu­ers: Es ver­nich­tet die bösen Men­schen und nichts wird sie davor bewah­ren. Es ver­brennt alles, bis nur Asche und Staub übrig blei­ben! Die­se Zer­stö­rung ist end­gül­tig, genau­so wie die Städ­te Sodom und Gomor­ra nie wie­der auf­ge­baut wur­den. 

    Als letz­tes Bei­spiel sei Hebr 6, 1–2 genannt:
    Wir wol­len nicht aber­mals den Grund legen mit der Umkehr von den toten Wer­ken und dem Glau­ben an Gott, mit der Leh­re vom Tau­fen, vom Hän­de­auf­le­gen, von der Auf­er­ste­hung der Toten und vom ewi­gen Gericht.

    Auch hier wird das grie­chi­sche Wort aiō­ni­os ver­wen­det, und natür­lich wis­sen wir, dass das Gericht Got­tes nicht ewig andau­ern und kei­nen Abschluss fin­den wird, son­dern viel­mehr das Ergeb­nis davon für immer fest­ste­hen wird. Sie­he dazu z. B. Dan 7,9–10.26.27.

    Zusammenfassung

    Gemäß der Bibel beschreibt “ewig” als:

    1. einen Zeit­raum ohne Anfang und Ende (z. B. die Exis­tenz Got­tes).
    2. einen Zeit­raum mit Anfang und ohne Ende (z. B. das ewi­ge Leben der Gerech­ten).
    3. einen Zeit­raum mit Anfang und Ende (z. B. Dienst­zeit eines Knechts, Ver­weil­dau­er von Jonas im Bauch des Fisches).
    4. etwas von Gott Beschlos­se­nes, das nicht abzu­wen­den ist (z. B. Feu­er an den Türen Jeru­sa­lems).
    5. etwas, das end­gül­ti­ge Kon­se­quen­zen hat (z. B. die Zer­stö­rung der Städ­te Sodom und Gomor­ra).
    Nur eine der Bedeu­tun­gen des Wor­tes “ewig” ist pro­ble­ma­tisch.

    Im Kon­text der Bestra­fung der Gott­lo­sen kom­men vor allem die Punk­te 3 bis 5 infra­ge. Ledig­lich die zwei­te Defi­ni­ti­on (unend­li­che Dau­er) führt zur Vor­stel­lung unend­li­cher Qua­len, was jedoch im Wider­spruch zur Lie­be Got­tes und zur Sym­bo­lik der „Ver­nich­tung zu Asche“ steht.

    Ergebnis: Ewig ist nicht immer endlos!

    Eines steht fest: Gott wird einem jeden geben nach sei­nen Taten (Röm 2,6; Mt 16,27; 2. Kor 5,10; Jer 32,19), und das bedeu­tet auch die Bestra­fung von bösen Taten. Wie die­se Stra­fe kon­kret aus­sieht, soll hier her­aus­ge­ar­bei­tet wer­den. Pau­schal von einer ewi­gen, bren­nen­den Höl­le zu spre­chen, wäre jedoch vor­ei­lig.

    Es kommt immer dar­auf an, wel­che der fünf oben auf­ge­führ­ten Bedeu­tun­gen das Wort „ewig“ oder „Ewig­keit“ meint. Nur in Ver­bin­dung mit Gott und mit dem Leben im Him­mel bedeu­tet es abso­lu­te End­lo­sig­keit.

    Das Wort „ewig“ deu­tet kei­nes­wegs immer eine end­lo­se Zeit­span­ne an. Es bezieht sich in der Bibel oft auf Din­ge, Ein­rich­tun­gen, Anord­nun­gen und Zustän­de, die als Geschaf­fe­nes einen Anfang hat­ten. Im gewöhn­li­chen Sinn kann man von ihnen nicht als „ewig“ im Sin­ne von zeit­los spre­chen!

    Die sehr man­nig­fal­ti­ge Ver­wen­dung von Aiōn (griech.: für Ewig­keit, die lan­ge dau­ern­de Zeit, Zeit­al­ter, Welt, u. a.) in den neu­tes­ta­ment­li­chen Schrif­ten ist äußerst lehr­reich für das Ver­ständ­nis der urchrist­li­chen Zeit­auf­fas­sung. Es lässt sich näm­lich zei­gen, dass das­sel­be Wort hier zur Bezeich­nung einer genau begrenz­ten und einer unbe­grenz­ten und unbe­re­chen­ba­ren Zeit­dau­er dient, die wir dann mit “Ewig­keit” über­set­zen. … So ste­hen sich auf neu­tes­ta­ment­li­chem Boden nicht Zeit und Ewig­keit gegen­über, son­dern begrenz­te Zeit und gren­zen­lo­se, unend­li­che Zeit. ” (nach Oscar Cull­mann, Chris­tus und die Zeit, EVZ-Ver­lag, Zürich, 1946, 1962, S. 38f.)

    Das grie­chi­sche Wort Aiōn tritt also nicht immer als end­lo­ser Zeit­raum auf – im Gegen­teil: Oft ist damit ein Zeit­raum mit einem defi­nier­ten Ende gemeint, wie zum Bei­spiel in Mat­thä­us 13,39: “Der Feind, der es sät, ist der Teu­fel. Die Ern­te ist das Ende der Welt (Aōin). Die Schnit­ter sind die Engel.” (eben­so bei Mt 24,3; 28,20; Mk 4,19; u. a.)

    Es kann sich auch auf eine begrenz­te Zeit der Ver­gan­gen­heit bezie­hen, wie in Lukas 1,70: “wie er vor­zei­ten (Aōin) gere­det hat durch den Mund sei­ner hei­li­gen Pro­phe­ten”.

    In man­chen Über­set­zun­gen fin­den wir an vie­len Stel­len das Wort „Zeit­al­ter“. Dies wird je nach Kon­text als „Welt“ oder als „Epo­che“ ver­stan­den.

    Wie helfen die biblischen Ewigkeitsdefinitionen weiter?

    Es soll nun ver­sucht wer­den, die gegen­sätz­li­che Sym­bo­lik der „Bestra­fung“ der gott­lo­sen Men­schen zu har­mo­ni­sie­ren.

    Texte, in denen Gottlose mit Brennbarem verglichen werden

    Die Text­stel­len, die von der Ver­gäng­lich­keit des Men­schen spre­chen, sind leicht zu erklä­ren – auch im Hin­blick auf die Ewig­keit.

    Stof­fe wie Holz, Unkraut, Reben, Spreu oder Stroh ver­bren­nen zwar ungleich­mä­ßig rasch, wer­den aber schließ­lich zu Asche. So sol­len die Gott­lo­sen in der Gehen­na (dem Gerichts- und Ver­nich­tungs­feu­er) „nach ihren Wer­ken“ ver­schie­den gerich­tet wer­den. Sie bren­nen aller­dings nicht ewig, son­dern ver­bren­nen und wer­den voll­stän­dig ver­nich­tet (vgl. Offb 20,12–14).

    Aus­schlag­ge­bend für das Maß der Bestra­fung mit dem „ewi­gen“ Feu­er ist, ob der Mensch nach sei­ner Erkennt­nis gelebt hat (Lk 12,47–48). Das Gehen­na-Feu­er ver­zehrt letzt­lich alles Ungött­li­che. Die­ser Pro­zess bewirkt den „zwei­ten Tod“, der end­gül­tig und somit in sei­ner Wir­kung „ewig“ ist.

    Die­se Per­spek­ti­ve erkennt man auch in der Gerichtsan­dro­hung des Pro­phe­ten Obad­ja. Dort lesen wir im Hin­blick auf die Völ­ker:

    Denn wie ihr auf mei­nem hei­li­gen Ber­ge getrun­ken habt, so sol­len alle Hei­den täg­lich trin­ken; ja, sie sollen’s sau­fen und aus­schlür­fen und sol­len sein, als wären sie nie gewe­sen.” (Obd 16)

    Die Sym­bo­lik des „Trin­kens vom Zorn­be­cher“ und die dar­auf­fol­gen­de Ver­nich­tung fin­det man an vie­len Stel­len der Bibel, zum Bei­spiel bei Jere­mia:

    Denn so sprach zu mir der HERR, der Gott Isra­els: Nimm die­sen Becher mit dem Wein mei­nes Zorns aus mei­ner Hand und lass dar­aus trin­ken alle Völ­ker, zu denen ich dich sen­de” (Jer 25,15)

    oder auch

    der wird von dem Wein des Zor­nes Got­tes trin­ken, der unver­mischt ein­ge­schenkt ist in den Kelch sei­nes Zorns, und er wird gequält wer­den mit Feu­er und Schwe­fel vor den hei­li­gen Engeln und vor dem Lamm.” (Offb 14,10, vgl. Ps 75,9)

    Der Satz­teil „und sol­len sein, als wären sie nie gewe­sen“ unter­streicht aber­mals die völ­li­ge Ver­nich­tung. Die gott­lo­sen Men­schen wer­den am Ende der Zeit so exis­tenz­los sein, als hät­ten sie nie exis­tiert. Daher heißt es von der neu­en Erde:”… Gott wird abwi­schen alle Trä­nen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Ers­te ist ver­gan­gen.” (Offb 21,4)

    Die­se Stel­le besagt klar, dass es kein ewi­ges, lodern­des Feu­er geben kann, in dem Men­schen ewig­lich gefol­tert wer­den. Denn gäbe es einen sol­chen Ort der Qual, so gäbe es wei­ter­hin „Leid, Geschrei und Schmerz“. Schließ­lich wer­den selbst der Tod und das Toten­reich (Hades) ver­nich­tet (vgl. Offb 20,14).

    Texte, in denen von ewiger Strafe (Pein) & Qual die Rede ist

    Ewige Strafe (kolasis wurde früher mit Pein übersetzt): 2Thess 1,9 und Mt 25,46
    Auch die meis­ten Bibel­stel­len, die als Argu­men­te für ein angeb­lich ewi­ges Bestra­fen der Gott­lo­sen ver­wen­det wer­den, las­sen sich schlüs­sig erklä­ren.

    Die wer­den Stra­fe (kolas­is) erlei­den, das ewi­ge Ver­der­ben (ole­thros), vom Ange­sicht des Herrn her und von sei­ner herr­li­chen Macht” (2Thess 1,9)

    Und sie wer­den hin­ge­hen: die­se zur ewi­gen Stra­fe (kolas­is), aber die Gerech­ten in das ewi­ge Leben.” (Mt 25,46)

    Gemeint ist eine „ewi­ge Stra­fe“, im Sin­ne eines „ewi­gen, zwei­ten Todes“ – eine end­gül­ti­ge Stra­fe, aber kein end­lo­ses Bestra­fen. Der Lohn der Gott­lo­sen ist die völ­li­ge, unab­wend­ba­re und unum­kehr­ba­re Ver­nich­tung. Sie bedeu­tet den dau­er­haf­ten Aus­schluss aus dem ewi­gen Leben.

    In Mat­thä­us 25 wer­den der Lohn der Gott­lo­sen (end­gül­ti­ge Ver­nich­tung) und der Lohn der Gerech­ten (end­gül­ti­ges Leben) gegen­über­ge­stellt. Ähn­lich kon­tras­tiert Johan­nes die „Auf­er­ste­hung zum Gericht“ mit der „Auf­er­ste­hung zum Leben“. Gemäß der vier­ten Defi­ni­ti­on (sie­he oben) ist hier kein unend­lich andau­ern­der Pro­zess gemeint, son­dern ein von Gott fest beschlos­se­ner Plan, der nicht abge­wen­det wer­den kann. (Sie­he auch Ant­wort auf Spur­ge­ons Ein­wand (Mt 25,46).)

    Da 2Thes 1,9 öfter genannt wird, folgt eine Ver­tie­fung zum Wort “Ver­der­ben”:

    Ewiges Verderben (olethros, Verderben, auch Zerstörung, Vernichtung, Tod): 2Thess 1,9

    Das grie­chi­sche Wort ole­thros, wel­ches meist mit Ver­der­ben über­setzt wird, bedeu­tet auch Zer­stö­rung, Ver­nich­tung und Tod. In vie­len eng­li­schen Über­set­zun­gen (KJV, Webs­ter etc.) wird es kon­se­quent mit des­truc­tion über­setzt. Dies steht im Ein­klang mit einer end­gül­ti­gen Zer­stö­rung durch den zwei­ten Tod. Es ist nicht nötig, von einem unend­lich lan­ge andau­ern­den „Ver­der­ben“ aus­zu­ge­hen. Auch hier steht „ewig“ für „von Gott fest beschlos­sen“.

    Rand­be­mer­kung: 2Thess 1,9 steht im Zusam­men­hang mit der Wie­der­kunft Jesu. Wenn Jesus kommt, wer­den die Nicht­er­lös­ten ster­ben (2Thes 2,8; Offb 19,11–21; Jes 11,4; Lk 17,26–30; Jer 25,33; Jer 4,23–27; Zep 1,14–18). Sie wer­den bei der zwei­ten Auf­er­ste­hung wie­der erwa­chen – lei­der war­tet auf sie nur noch das End­ge­richt und “der zwei­te end­gül­ti­ge Tod”. Der Plan mit den zwei Auf­er­ste­hun­gen (die ers­te für die Erlös­ten, die zwei­te für die “Ver­lo­re­nen”) steht fest. Dar­um ist das Schick­sal für die Nicht­er­lös­ten schon fest­ge­legt, wenn Jesus kommt und er sei­nen “Lohn” mit sich bringt (vgl. Offb 22,11–12).

     
    Ewiges Feuer für die Menschen und für die Engel: Mt 18,8 und Mt 25,41

    Wenn aber dei­ne Hand oder dein Fuß dich zum Abfall ver­führt, so hau sie ab und wirf sie von dir. Es ist bes­ser für dich, dass du lahm oder ver­krüp­pelt zum Leben ein­gehst, als dass du zwei Hän­de oder zwei Füße hast und wirst in das ewi­ge Feu­er gewor­fen.” (Mt 18,8)

    Dann wird er auch sagen zu denen zur Lin­ken: Geht weg von mir, ihr Ver­fluch­ten, in das ewi­ge Feu­er, das berei­tet ist dem Teu­fel und sei­nen Engeln!” (Mt 25,41)

    In der Par­al­lel­stel­le zu Mt 18,8 wird bei Mar­kus 9,43 „ewi­ges Feu­er“ als unaus­lösch­li­ches Feu­er“ bezeich­net. Das bedeu­tet: Ein Feu­er, das nicht von außen gelöscht wer­den kann, bis es sei­ne Auf­ga­be erfüllt hat. Es erlischt erst, wenn der Gegen­stand voll­stän­dig ver­zehrt ist. Ein sol­ches Feu­er wur­de bereits beim Unter­gang Jeru­sa­lems pro­phe­zeit (Jer 17,27) – und die­ses Feu­er brennt heu­te offen­sicht­lich nicht mehr! Auch hier meint „ewig“, dass der Pro­zess von kei­nem Geschöpf auf­ge­hal­ten wer­den kann, bis die Ver­nich­tung voll­endet ist.

    In dem “unaus­lösch­li­chen” Gehenna­feu­er, das im NT gemeint ist, wird nach den 1000 Jah­ren auch Satan mit sei­nen Engeln gewor­fen und ver­brannt, die jetzt noch die Men­schen von der Luft­hül­le der Erde her ver­füh­ren dür­fen. Auch in Mt 25,41 ist das “ewi­ge Feu­er” fest­ge­setzt und nicht abwend­bar (sie­he Defi­ni­ti­on 4 oben; vgl.   Ant­wort auf Spur­ge­ons Ein­wand (Mt 25,46)).

    Der nie sterbende Wurm: Mk 9,47.48 und Jes 66,24 

    Wenn dich dein Auge zum Abfall ver­führt, so wirf’s von dir! Es ist bes­ser für dich, dass du ein­äu­gig in das Reich Got­tes gehst, als dass du zwei Augen hast und wirst in die Höl­le gewor­fen, wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feu­er nicht ver­löscht.” (Mk 9,47–48; vgl. Jes 66,24)

    Wie im Tal Hin­nom (Gehen­na), wo Abfall und Kada­ver durch Feu­er und Wür­mer ver­nich­tet wur­den, die­nen „Wür­mer“ hier als Sym­bo­le für die rest­lo­se Besei­ti­gung der Lei­chen der Gott­lo­sen. Nor­ma­ler­wei­se endet die Tätig­keit der Wür­mer, wenn das Fleisch ver­zehrt ist. Hier wird betont: „Der Wurm stirbt nicht“, bis die gan­ze Arbeit geleis­tet wur­de und nichts mehr übrig ist. Nichts hält den Wurm auf!

    Soll das hei­ßen: Nie wer­den die­se Leich­na­me ver­nich­tet sein und immer wird an den unzer­stör­ba­ren Toten der Wurm nagen und das Feu­er zeh­ren? Gera­de das Gegen­teil ist gesagt: Wurm und Feu­er wer­den an ihnen gan­ze Arbeit machen, sie ganz ver­nich­ten … Nie ver­ge­hen­de Leich­na­me vor Jeru­sa­lems Toren wür­den auch schlecht zum neu­en Him­mel und zur neu­en Erde pas­sen.” (Born­häu­ser. Die Gebei­ne der Toten, Ber­tels­mann, Güters­loh, 1921, S. 14)

    Zwei har­te Nüs­se blei­ben: Qual von Ewig­keit zu Ewig­keit!
    Ewige QualQual von Ewigkeit zu Ewigkeit: Offb 14,11; 20,10

    Und der Rauch von ihrer Qual wird auf­stei­gen von Ewig­keit zu Ewig­keit; und sie haben kei­ne Ruhe Tag und Nacht, die das Tier anbe­ten und sein Bild, und wer das Zei­chen sei­nes Namens annimmt.” (Offb 14,11)

    Und der Teu­fel, der sie ver­führ­te, wur­de gewor­fen in den Pfuhl von Feu­er und Schwe­fel, wo auch das Tier und der fal­sche Pro­phet waren; und sie wer­den gequält wer­den Tag und Nacht, von Ewig­keit zu Ewig­keit.” (Offb 20,10)

    Die­se bei­den Stel­len sind die ein­zi­gen, die wirk­lich eine Her­aus­for­de­rung dar­stel­len, denn der Aus­druck „von Ewig­keit zu Ewig­keit“ wird hier genau­so ver­wen­det wie beim „Leben von Ewig­keit zu Ewig­keit“. Wie ist dies zu erklä­ren?

    Von Ewig­keit zu Ewig­keit, grie­chisch: eis aiō­nas aiōnōn, d. h. “bis Zeit­al­tern von Zeit­al­tern”. Die­ser Aus­druck kann mit eis ton aiō­na, “bis zum Zeit­al­ter” ver­gli­chen wer­den, der übli­cher­wei­se mit “ewig­lich”, “in Ewig­keit” oder “auf ewig” über­setzt wird (vgl. Mt 21,19; Mk 3,29; Lk 1,55, usw.) oder mit dem Aus­druck eis tous aiō­nas, “bis zu Zeit­al­tern”, der als “ewig­lich”, “in Ewig­keit” oder “von Ewig­keit zu Ewig­keit” (Schlach­ter) über­setzt wird (vgl. Lk 1,33; Röm 1,25; 11,36) oder mit dem Adjek­tiv aiō­ni­os, “Zeit­al­ter-dau­ernd” oder “für-ein-Zeit­al­ter-dau­ernd”, über­setz als “ewige(s)” (vgl. Mt 18,8; 19,16.29; 25,41.46).

    Ähn­lich wie aiō­ni­os bedeu­ten die Aus­drü­cke eis ton aiō­na und eis tous aiō­nas nicht unbe­dingt eine end­lo­se Exis­tenz. Es kann jedoch gefragt wer­den, ob sie in man­chen Fäl­len “für immer” oder “auf ewig” bedeu­ten kön­nen. Soll­te dies der Fall sein, könn­te dann auch der zusam­men­ge­setz­te Aus­druck eis aiō­nas aiōnōn als ein beton­ter Aus­druck der Ewig­keit ver­stan­den wer­den?

    Die­ser zusam­men­ge­setz­te Aus­druck kommt an ande­ren Stel­len als eis tous aiō­nas tōn aiōnōn vor, was so viel bedeu­tet wie “bis zu Zeit­al­tern von Zeit­al­tern” und bezieht sich fast immer auf Gott oder Chris­tus, wenn/wo es die end­lo­se Exis­tenz betont. (Die ein­zi­ge Aus­nah­me stellt offen­bar Offen­ba­rung 20,10 dar – sie­he unten)

    Die­se Bedeu­tung wur­de jedoch nicht aus dem Aus­druck selbst, son­dern aus dem Zusam­men­hang abge­lei­tet: Wir gehen von einem end­lo­sen, ewi­gen Gott aus. Der Aus­druck selbst bedeu­tet so viel wie “ver­viel­fach­te Zeit­al­ter”.

    Die Ver­wen­dung von eis aiō­nas aiōnōn in Offen­ba­rung 14,11 ist schon etwas befremd­lich. Dort geht es um die Qua­len in einem Infer­no aus Feu­er und Schwe­fel. Ein mög­li­cher Gedan­ke dazu wäre: Die Lebens­dau­er eines Men­schen wäre in einer sol­chen Umge­bung extrem kurz. Hät­te der Text nur eis ton aiō­na benutzt, hät­te man schluss­fol­gern kön­nen, dass die Stra­fe nur einen win­zi­gen Augen­blick dau­ert, da der Mensch sofort ver­brennt. Der zusam­men­ge­setz­te Aus­druck ver­deut­licht, dass die Qual eine bestimm­te Zeit andau­ern wird – län­ger als ein Augen­blick, aber eben nicht unend­lich, wie die rest­li­chen Bibel­stel­len zur rest­lo­sen Ver­nich­tung (Mt 10,28; Hes 18,4; Offb 20,14 – zwei­ter Tod, sie­he unten) bele­gen.

    Aber auch unab­hän­gig von die­ser Über­le­gung, wird der Aus­druck sicher nicht “unend­lich lan­ge” bedeu­ten, son­dern viel­mehr für etwas End­gül­ti­ges ste­hen:

    Das Sym­bol des ewig empor­stei­gen­den Rau­ches stammt zwei­fel­los aus Jesa­ja 34,9.10, wo die Ver­nich­tung Edoms beschrie­ben wird. Die Tat­sa­che, dass der Pro­phet hier­bei nicht ein end­lo­ses Feu­er gemeint hat, wird deut­lich, wenn man Fol­gen­des bedenkt: Die Wor­te kün­di­gen ewi­ges Feu­er und ewi­gen Rauch an: “Und Edoms Bäche ver­wan­deln sich in Pech und sein Boden in Schwe­fel; und sein Land wird zu bren­nen­dem Pech. Tag und Nacht erlischt es nicht, ewig steigt sein Rauch empor. Von Gene­ra­ti­on zu Gene­ra­ti­on liegt es in Trüm­mern, für immer und ewig zieht nie­mand hin­durch.
    Auch die­ses Feu­er ist längst erlo­schen. Die anschlie­ßen­den Ver­se in Jesa­ja 34,10–15 beschrei­ben, wie das Land zu einer ver­wüs­te­ten Öde gewor­den ist und von wil­den Tie­ren bewohnt wird. In einer bild­star­ken Spra­che wird so die tota­le Zer­stö­rung ver­deut­licht und nicht ein ewig lodern­des Infer­no.

    Wie oben ange­merkt, gibt es eine ein­zi­ge Aus­nah­me, wo der Aus­druck eis tous aiō­nas tōn aiōnōn, wel­cher sich sonst immer direkt auf Gott oder Chris­tus bezieht, an einer ande­ren Stel­le vor­kommt. Wir lesen dazu noch­mals Offb 20,10 und zusätz­lich Vers 14:

    Und der Teu­fel, der sie ver­führ­te, wur­de gewor­fen in den Pfuhl von Feu­er und Schwe­fel, wo auch das Tier und der fal­sche Pro­phet waren; und sie wer­den gequält wer­den Tag und Nacht, von Ewig­keit zu Ewig­keit. … Und der Tod und sein Reich wur­den gewor­fen in den feu­ri­gen Pfuhl. Das ist der zwei­te Tod: der feu­ri­ge Pfuhl.” (Offb 20,10.14)

    Wenn man sich näher mit den Sym­bo­len der Bibel beschäf­tigt, so wird klar, dass ein Tier in der Bibel ein wich­ti­ges Sym­bol ist. Anhand der Aus­le­gung von Dani­el 2, 7 und 8 und Offen­ba­rung 13 lässt sich dar­le­gen, dass die son­der­ba­ren Tie­re im Buch Dani­el und der Offen­ba­rung nicht wirk­li­che Tie­re sind, son­dern als Sym­bo­le für ein Reich oder eine Macht fun­gie­ren. So steht z. B. der Zie­gen­bock in Dani­el 8 für das grie­chi­sche Welt­reich (sie­he Aus­le­gen zur End­zeit).

    Daher wird auch hier, in Offen­ba­rung 20,10 nicht ein ech­tes Tier in den feu­ri­gen Pfuhl gewor­fen und “gequält”, son­dern eine bestimm­te anti­christ­li­che Macht (das Tier aus Offen­ba­rung 13). Wenn das Tier kein wirk­li­ches Tier ist, son­dern ein Sym­bol, dann muss auch der “fal­sche Pro­phet” sym­bo­lisch ver­stan­den wer­den.

    Die Bedeu­tung der Sym­bo­le soll an die­ser Stel­le nicht wei­ter dis­ku­tiert wer­den. Es ist jedoch wider­sin­nig, auf der einen Sei­te “das Tier” und den “fal­schen Pro­phe­ten” als Sym­bo­le zu behan­deln und ander­seits alle ande­ren Aus­drü­cke (den Pfuhl von Feu­er und Schwe­fel, Qual Tag & Nacht, etc.) im Text wört­lich zu neh­men. Dabei sei im Übri­gen ange­merkt, dass es auf der neu­en Erde kei­ne Nacht mehr geben wird (Offb 22,5) – wie kann also der “Pro­phet” und das “Tier” Tag und Nacht “gequält” wer­den, wenn alles wört­lich zu ver­ste­hen ist?

    Von zen­tra­ler Bedeu­tung: Der zwei­te Tod!

    Wirk­lich inter­es­sant wird die Bibel­stel­le noch durch die zusätz­li­che Betrach­tung von Vers 14, wo es heißt: “…Und der Tod und sein Reich wur­den gewor­fen in den feu­ri­gen Pfuhl. Das ist der zwei­te Tod: der feu­ri­ge Pfuhl.”.

    Der “Tod” und “sein Reich” sind frei­lich kei­ne Per­so­nen oder Wesen, doch ist ihr “Schick­sal” das glei­che, wie das des “fal­schen Pro­phe­ten”, des “Tie­res” und aller Men­schen, die nicht im Buch des Lebens gefun­den wer­den: Sie wer­den in den “feu­ri­gen Pfuhl” gewor­fen (Offb 19,20; 20,14.15; 21,8).

    Betrach­tet man alle Bibel­stel­len, an denen vom “Pfuhl” die Rede ist, so stellt man fest, dass ein­mal Men­schen (die Fei­gen, Ungläu­bi­gen, Frev­ler, Mör­der, Unzüch­ti­gen, Zau­be­rer, Göt­zen­die­ner, Lüg­ner, usw.) und ein­mal Sym­bo­le (das Tier, der Pro­phet) und abs­trak­te Begrif­fe (der Tod, das Toten­reich) in den Pfuhl “gewor­fen” wer­den. – Was ist nun der “feu­ri­ge Pfuhl”, der mit Feu­er und Schwe­fel brennt?

    Die Bibel bezeich­net ihn als “zwei­ten Tod”. Es stellt sich die Fra­ge, wie­so er Tod genannt wird, wenn er den­noch angeb­lich für ewi­ge Qual steht. Man beden­ke hier­bei, dass der Tod in der Bibel mit einem Schlaf ohne Gedan­ken und Gefüh­le ver­gli­chen wird. Macht es Sinn, beim zwei­ten Tod von einer bewuss­ten end­lo­sen Qual durch Feu­er und Schwe­fel aus­zu­ge­hen? Natür­lich nicht!

    Wie kön­nen der “Tod” und “sein Reich” dabei in einem Pfuhl aus Feu­er und Schwe­fel “bren­nen”, obwohl es sich bei ihnen doch um abs­trak­te Begrif­fe han­delt? Gar nicht!

    Die wirk­li­che Bedeu­tung, die aber sowohl Men­schen als auch Sym­bo­le har­mo­nisch im “feu­ri­gen Pfuhl” ver­eint, wird uns von Pau­lus selbst gege­ben. Er sagt: “Der letz­te Feind, der ver­nich­tet wird, ist der Tod.” (1Kor 15,26; vgl. Offb 20,10.14)

    Der “feu­ri­ge Pfuhl”, der Feu­er­see, in den der Tod gewor­fen wird, ist ein Sym­bol der Ver­nich­tung, und zwar einer ewi­gen und end­gül­ti­gen Ver­nich­tung. Sowohl das durch das Tier reprä­sen­tier­te Sys­tem (oder das, wofür die Sym­bo­le ste­hen) als auch der fal­sche Pro­phet und eben­so der Tod sowie das Toten­reich wer­den auf immer ver­nich­tet.

    Da der Tod und sein Reich im Feu­er­see, dem zwei­ten Tod, ver­nich­tet wer­den, gibt es auf der neu­en Erde kei­nen Tod mehr (Offb 21,4). Das glei­che Schick­sal trifft auch die gott­lo­sen Men­schen. Ihr Lohn ist der zwei­te Tod und sie haben kei­nen Anspruch “am Baum des Lebens” (Offb 21,8; 22,18.19): Sie wer­den ver­ge­hen wie Rauch (Ps 37,1.20) und wer­den aus­ge­löscht sein von “Ewig­keit zu Ewig­keit”. Genau­so end­gül­tig, wie Gott in sei­nem Wesen end­gül­tig und ewig ist.

    Exkurs: Der Zorn Gottes und das Bild Gottes

    Die­se Aus­ar­bei­tung wäre unvoll­stän­dig, wenn nicht auch das Bild Got­tes – also unse­re Auf­fas­sung dar­über, wie Gott ist – vor dem Hin­ter­grund der ver­schie­de­nen Leh­ren bezüg­lich der Höl­le dis­ku­tiert wer­den wür­de.

    Unser Bild von Gott ist geprägt von einer Viel­zahl von Fak­to­ren wie Sozia­li­sa­ti­on oder per­sön­li­chen Erfah­run­gen, aber auch (und dies soll hier im Vor­der­grund ste­hen) von Leh­ren und Lehr­mei­nun­gen. Es ist nicht ver­wun­der­lich, dass die (ver­meint­li­che) Bedeu­tung von Begrif­fen wie „Zorn Got­tes“, „Got­tes Gerech­tig­keit“, „Höl­le“ oder „Got­tes Cha­rak­ter“ direkt mit der jewei­li­gen Leh­re über die Höl­le kor­re­liert. Nicht sel­ten ist das Ver­ständ­nis der Höl­le aus­schlag­ge­bend dafür, was unter dem Zorn oder der Gerech­tig­keit Got­tes über­haupt zu ver­ste­hen ist.

    Bei­spiel: „Weil Gott die Gott­lo­sen für immer in der Höl­le unter schreck­li­chen Qua­len lei­den lässt (und weil Gott kei­ne Feh­ler macht), muss dies ein Aus­druck sei­nes Zorns und sei­ner Gerech­tig­keit sein.“

    Die­se Denk­wei­se ist gefähr­lich, weil dabei oft ver­säumt wird, die vie­len Aus­sa­gen der Bibel zur Klä­rung die­ser Aus­drü­cke her­an­zu­zie­hen. Statt­des­sen wird eine (mög­li­cher­wei­se fal­sche) Leh­re als Inter­pre­ta­ti­ons­grund­la­ge ver­wen­det. Unser Bild von Gott wird dann nicht mehr von den Beschrei­bun­gen der Bibel geprägt, son­dern von Dog­men. Es ist stets sinn­vol­ler, die Bibel nicht durch Leh­ren, son­dern durch sich selbst aus­zu­le­gen.

    Hier soll ver­sucht wer­den, Got­tes Cha­rak­ter sowie sei­ne Moti­ve, usw. mög­lichst unge­färbt durch Leh­ren, dafür direkt durch die Bibel zu beschrei­ben. Natür­lich wird dies ein unvoll­kom­me­ner Ver­such blei­ben, und zwar in dop­pel­ter Hin­sicht: Wir Men­schen wer­den “nie” Gott, sei­ne Gedan­ken, Gefüh­le, Absich­ten usw. detail­ge­treu in vol­ler Tie­fe ver­ste­hen, und allein zum The­ma “Got­tes Gerech­tig­keit” oder “Got­tes Zorn” kön­nen Bän­de geschrie­ben wer­den.

    Nichts­des­to­trotz folgt nach die­sem Exkurs ein wei­te­rer zum The­ma “Got­tes Gerech­tig­keit” (sie­he unten).

    Wichtige Eckpunkte

    Zunächst muss betont wer­den, dass “Gott die Lie­be ist”: “Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht; denn Gott ist die Lie­be.” (1Joh 4,8)

    Die uner­gründ­li­che Lie­be Got­tes offen­bar­te sich u. a. in dem Leben und Ster­ben Jesu: “Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er sei­nen ein­ge­bo­re­nen Sohn gab, damit alle, die an ihn glau­ben, nicht ver­lo­ren wer­den, son­dern das ewi­ge Leben haben.” (Joh 3,16)

    Dabei gilt die Lie­be Got­tes allen Men­schen, auch jenen Gott­lo­sen, die noch “in der Fins­ter­nis wan­deln”. Petrus schreibt: “Der Herr ver­zö­gert nicht die Ver­hei­ßung, wie es eini­ge für eine Ver­zö­ge­rung hal­ten; son­dern er hat Geduld mit euch und will nicht, dass jemand ver­lo­ren wer­de, son­dern dass jeder­mann zur Buße fin­de.” (2Petr 3,9; vgl. 1Tim 2,4)

    Gott möch­te also alle Men­schen zur Buße füh­ren, damit sie für immer mit ihm zusam­men­le­ben kön­nen. Sein aus­drück­li­cher Wil­le ist, dass nie­mand “ver­lo­ren geht”. Im Grund­text steht hier das Wort apol­ly­mi, was bedeu­tet: töten / ein Ende machen, (völ­lig) zer­stö­ren oder ver­nich­ten, zunich­te machen und ins Ver­der­ben stür­zen.

    Das Spannungsfeld zur Allversöhnung

    Anhän­ger der All­ver­söh­nungs­leh­re argu­men­tie­ren oft mit die­sen Stel­len und behaup­ten, dass Gott in sei­ner Lie­be am Ende alle Men­schen ret­ten wird. Doch hier stellt sich die berech­tig­te Fra­ge, was Jesus mein­te, als er sag­te: “Wie eng ist die Pfor­te und wie schmal der Weg, der zum Leben führt, und weni­ge sind’s, die ihn fin­den!” (Mt 7,14)

    Gott liebt die Men­schen und will alle ret­ten, aber sie müs­sen sich ret­ten las­sen.

    Lei­der wer­den nicht alle Men­schen den Weg zum ewi­gen Leben fin­den, was die All­ver­söh­nungs­leh­re behaup­tet. Zwar möch­te Gott alle Men­schen ret­ten, aber er geht des­we­gen kei­nen Kom­pro­miss mit der Sün­de ein! Die Men­schen müs­sen sich von Gott ret­ten las­sen und ihren alten, selbst­süch­ti­gen Cha­rak­ter auf­ge­ben. Nicht die kleins­te Sün­de wird die neue Erde und den neu­en Him­mel betre­ten, und das bedeu­tet für man­che Men­schen, dass sie „ver­lo­ren gehen“, das heißt: ver­nich­tet wer­den.

    So sprich zu ihnen: So wahr ich lebe, spricht Gott der HERR: ich habe kein Gefal­len am Tode des Gott­lo­sen, son­dern dass der Gott­lo­se umkeh­re von sei­nem Wege und lebe. So kehrt nun um von euren bösen Wegen. War­um wollt ihr ster­ben, ihr vom Hau­se Isra­el?” (Hes 33,11)

    Gott hat kein Gefal­len am Tod des Gott­lo­sen – und daher wohl kaum an einem angeb­lich ewig dau­ern­den Ster­ben in einer Höl­le. Wenn wir aber nicht von unse­ren Wegen auf Got­tes schma­len Weg umkeh­ren, so müs­sen wir ster­ben, und zwar end­gül­tig. Wenn wir es nicht anders wol­len, dann muss Gott uns preis­ge­ben und gehen las­sen. Jesus rief voll Trau­er über Jeru­sa­lem aus:

    Jeru­sa­lem, Jeru­sa­lem, die du tötest die Pro­phe­ten und stei­nigst, die zu dir gesandt sind! Wie oft habe ich dei­ne Kin­der ver­sam­meln wol­len, wie eine Hen­ne ihre Küken ver­sam­melt unter ihre Flü­gel; und ihr habt nicht gewollt!” (Mt 23,37)

    Vie­le, die damals nicht auf Jesu Stim­me hör­ten, kamen in der Bela­ge­rung und der Zer­stö­rung Jeru­sa­lems (70 n. Chr.) um. Das glei­che Schick­sal droht den Men­schen, die heu­te nicht auf Got­tes Stim­me hören. Gott will auch noch heu­te alle Men­schen „wie eine Hen­ne ihre Küken unter ihrem Flü­gel ver­sam­meln“, doch die wenigs­ten wol­len es. Was bleibt Gott ande­res übrig, als sie gehen zu las­sen?

    Liebe erfordert Freiheit

    Gott hat die Men­schen nie gezwun­gen, ihm zu gehor­chen, denn unse­re Bezie­hung zu Gott gleicht einer zwi­schen­mensch­li­chen Bezie­hung. Für uns ist es klar, dass erzwun­ge­ne Lie­be kei­ne Lie­be ist, und so ist es auch für Gott. Hät­te Gott unse­re Lie­be erzwin­gen wol­len, so hät­te er uns ohne Pro­ble­me zu Mario­net­ten machen kön­nen, die stets sei­nen Wil­len tun. Doch er woll­te ech­te Lie­be, und die­se erfor­dert einen frei­en Wil­len – einen Wil­len, der sich auch gegen sei­nen Schöp­fer ent­schei­den kann.

    Gott hat­te uns immer vor den Gefah­ren gewarnt – nicht um uns ein­zu­schüch­tern und uns so an Ihn zu bin­den, son­dern aus Lie­be. Schon im Para­dies warn­te er:

    … von dem Baum der Erkennt­nis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du von ihm isst, musst du des Todes ster­ben.” (1Mo 2,17)

    Als sich Eva ver­füh­ren ließ und sich mit der alten Schlan­ge, dem Satan, ein­ließ, kam es zum Ver­trau­ens­bruch zwi­schen Mensch und Gott. Die Tra­gö­die der Mensch­heit, die bis heu­te andau­ert, begann. Auch die ers­te Lüge Satans, dass wir Men­schen nicht ster­ben wer­den (1. Mo 3,4), ist heu­te noch hoch­ak­tu­ell (vgl. Leh­re über die Unsterb­lich­keit der See­le, die Wie­der­ge­burt, die All­ver­söh­nung usw.).

    Gott hat­te aber einen Plan, die Men­schen zu ret­ten. Durch sei­ne Lie­be soll­te unse­re Lie­be ent­zün­det wer­den. Er war es, der den ers­ten Schritt mach­te und uns zuerst lieb­te (1. Joh 4,19). Got­tes ulti­ma­ti­ver Lie­bes­be­weis war der Tod Jesu. Jesus selbst sag­te zuvor:

    Nie­mand hat grö­ße­re Lie­be als die, dass er sein Leben lässt für sei­ne Freun­de.” (Joh 15,13)

    Vie­le Bibel­stel­len bezeu­gen, dass sich Gott zurück­zieht, wenn der Mensch sich hart­nä­ckig wei­gert, auf sei­ne Stim­me zu hören. Er lässt sie gehen, gibt sie preis und lässt sie zum Teil auch schon im jet­zi­gen Leben die Kon­se­quen­zen ihres gott­lo­sen Lebens tra­gen.

    Mensch­li­che Emo­tio­nen las­sen sich nicht ein­fach auf Gott über­tra­gen.

    Auch wenn es bei man­chen Lesern Pro­test aus­lö­sen wird, so soll im Fol­gen­den gezeigt wer­den, dass die­ses Ver­hal­ten Got­tes – der Rück­zug Got­tes – gera­de dem „Zorn Got­tes“ ent­spricht.

    Ein Wort vor­weg: Man soll­te vor­sich­tig sein, übli­che mensch­li­che Emo­tio­nen auf Gott zu über­tra­gen, denn sein Zorn ist mit Sicher­heit ein ande­rer als jener, den die Men­schen oft hegen und der mit Ärger, Wut und Hass gepaart ist. (Got­tes Gedan­ken sind nicht unse­re Gedan­ken, und sei­ne Wege sind nicht unse­re Wege – Jes 55,8).

    Es ist klar, dass gött­li­che Maß­stä­be und Prin­zi­pi­en, die Jesus in der Berg­pre­digt ver­kün­digt hat, auch für Gott selbst gel­ten – nicht weil er einer höhe­ren Instanz ver­pflich­tet ist, son­dern weil sie sei­nen Cha­rak­ter dar­stel­len. Dabei ist Gott kein „Mör­der“, wenn er zürnt, obwohl es heißt: “Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist »Du sollst nicht töten«; wer aber tötet, der soll des Gerichts schul­dig sein. Ich aber sage euch: Wer mit sei­nem Bru­der zürnt, der ist des Gerichts schul­dig…” (Mt 5,21.22)

    Sein Zorn ist nicht der Zorn des Men­schen:

    Als Isra­el jung war, hat­te ich ihn lieb und rief ihn, mei­nen Sohn, aus Ägyp­ten; aber wenn man sie jetzt ruft, so wen­den sie sich davon und opfern den Baa­len und räu­chern den Bil­dern. Ich lehr­te Ephra­im gehen und nahm ihn auf mei­ne Arme; aber sie merkten’s nicht, wie ich ihnen half. Ich ließ sie ein mensch­li­ches Joch zie­hen und in Sei­len der Lie­be gehen und half ihnen das Joch auf ihrem Nacken tra­gen und gab ihnen Nah­rung, dass sie nicht wie­der nach Ägyp­ten­land zurück­keh­ren soll­ten. Nun aber muss Assur ihr König sein; denn sie wol­len sich nicht bekeh­ren. Dar­um soll das Schwert über ihre Städ­te kom­men und soll ihre Rie­gel zer­bre­chen und sie fres­sen um ihres Vor­ha­bens wil­len. Mein Volk ist müde, sich zu mir zu keh­ren, und wenn man ihnen pre­digt, so rich­tet sich kei­ner auf. Wie kann ich dich preis­ge­ben, Ephra­im, und dich aus­lie­fern, Isra­el? Wie kann ich dich preis­ge­ben gleich Adma und dich zurich­ten wie Zebo­jim? Mein Herz ist andern Sin­nes, alle mei­ne Barm­her­zig­keit ist ent­brannt. Ich will nicht tun nach mei­nem grim­mi­gen Zorn noch Ephra­im wie­der ver­der­ben. Denn ich bin Gott und nicht ein Mensch und bin der Hei­li­ge unter dir und will nicht kom­men, zu ver­hee­ren.” (Hos 11,1–9)

    In Hosea 11 lesen wir davon, wie Gott sich bestän­dig um Isra­el geküm­mert und es belehrt hat. Doch lei­der ist sein Volk, „sein Sohn“, immer wie­der schwach gewor­den und tat, was Gott miss­fiel.

    Ent­schei­dend ist hier Vers 9, in dem Gott sagt, dass er nicht nach sei­nem „grim­mi­gen Zorn“ han­deln will. Was ist die­ser Zorn? Was will er nicht tun? Die Ant­wort fin­den wir in Vers 8: Gott möch­te nicht „preis­ge­ben“ und „aus­lie­fern“! Obwohl sein Volk nicht auf ihn hör­te, woll­te er sich nicht zurück­zie­hen, son­dern es wei­ter­hin beschüt­zen. Lei­der ver­hall­ten die Auf­ru­fe zur Buße, ohne eine Erwe­ckung im Volk aus­zu­lö­sen, und Jah­re spä­ter muss­te Gott sich zurück­zie­hen. Das Ergeb­nis war das Ende des Nord­rei­ches: Es wur­de von Assy­ri­en erobert. Spä­ter ereil­te Juda das glei­che Schick­sal durch baby­lo­ni­sche Hand.

    Hosea ver­gleicht das Ver­hal­ten Isra­els mit dem einer ehe­bre­che­ri­schen Frau, die ihren Mann ver­lässt. Genau­so lief Isra­el vom Herrn weg, gab der Hure­rei nach, ver­ach­te­te sei­ne Lie­be und brach sei­nen Bund. Zwar lieb­te Gott sein Volk wei­ter, aber letzt­end­lich muss­te er es gehen las­sen. Das beharr­li­che, sün­di­ge Ver­hal­ten des Vol­kes mach­te es ihm unmög­lich, das Volk wei­ter­hin zu seg­nen und zu beschüt­zen.

    Der Zorn als Rückzug und Preisgabe

    Wer nicht auf Gott hören will, den lässt Gott gehen. Manch­mal kommt das Volk oder der ein­zel­ne Mensch zur Besin­nung, wenn er anschlie­ßend Leid tra­gen muss, und kehrt um. Nach der 70-jäh­ri­gen Gefan­gen­schaft in Baby­lon kam es im Volk nie wie­der zu einem ver­gleich­ba­ren Abfall.

    Manch­mal hilft aller­dings auch die­se har­te Lek­ti­on nicht. Ein trau­ri­ges Bei­spiel lie­fert König Saul, der in sei­nen spä­ten Jah­ren Gott untreu wur­de (z. B. 1. Sam 15,19). Gott zog sich schließ­lich von ihm zurück und ant­wor­te­te ihm nicht mehr (1. Sam 28,6). Er wur­de gewis­ser­ma­ßen vom „Zorn Got­tes“ getrof­fen. Statt dies auf sei­ne eige­nen Feh­ler zurück­zu­füh­ren und Buße zu tun, such­te Saul Hil­fe bei den Mäch­ten der Fins­ter­nis. Sein Ende fand er in der Schlacht gegen die Phi­lis­ter durch Sui­zid (1. Sam 31,4).

    Das Ster­ben Sauls wird inter­es­san­ter­wei­se woan­ders als von Gott selbst aktiv her­bei­ge­führt beschrie­ben: “aber mei­ne Gna­de soll nicht von ihm wei­chen, wie ich sie habe wei­chen las­sen von Saul, den ich vor dir weg­ge­nom­men habe.” (2Sam 7,15)

    In der alten Elber­fel­der- und Luther­über­set­zung lesen wir in 1. Chr 10,14 sogar, dass Gott Saul „töte­te“. Die revi­dier­ten Über­set­zun­gen prä­zi­sie­ren dies jedoch tref­fen­der, indem sie davon spre­chen, dass Gott Saul ster­ben ließ:

    So starb Saul um sei­nes Treu­bruchs wil­len, mit dem er sich an dem HERRN ver­sün­digt hat­te, weil er das Wort des HERRN nicht hielt, auch weil er die Wahr­sa­ge­rin befrag­te, den HERRN aber nicht befragt hat­te. Dar­um ließ er ihn ster­ben und wand­te das König­tum David, dem Sohn Isais, zu.” (1Chr 10,13.14)

    Ein wei­te­res Bei­spiel dafür, dass Gott manch­mal Leid zulässt und die­ses dann als Got­tes akti­ves Han­deln bezeich­net wird, fin­den wir im Buch Hiob. Im ers­ten Kapi­tel lesen wir davon, dass Satan erlaubt wur­de, Hiob alles außer sei­nes Lebens zu neh­men (sie­he Hiob 1,12) und den­noch steht bereits im Vers 16, dass das Feu­er Got­tes Knech­te und Scha­fe töte­te.

    Aktives Handeln vs. Zulassen

    Ist es nicht egal, ob Gott tötet oder er sei­nen Schutz zurück­zieht?  

    Für man­che mag es unbe­deu­tend sein, ob nun Got­tes Zorn dar­in besteht, dass Gott Men­schen tötet, oder dar­in, dass sich Gott zurück­zieht und der Mensch dann durch Satan, durch die „Hei­den“ oder ande­re Umstän­de getö­tet wird. Das Ergeb­nis ist zwar das glei­che, aber es wirft den­noch auf Gott ein völ­lig ande­res Licht.

    Noch wesent­li­cher ist aber der Grund, war­um der Mensch umkommt: Liegt es dar­an, dass Got­tes Geduld irgend­wann zu Ende ist und Er wütend und schnau­bend den Men­schen bestraft? Oder liegt es nicht viel mehr dar­an, dass wir Men­schen uns selbst von Gott tren­nen, uns von ihm abwen­den, und er uns letzt­end­lich gehen lässt?

    Gott zwingt kei­nem Men­schen sei­ne Gegen­wart auf! Wenn ein Mensch beharr­lich Got­tes Stim­me igno­riert und tut, was Gott miss­fällt, so bleibt Gott kei­ne ande­re Wahl, als ihn gehen zu las­sen. Ver­lässt ein Küken den schüt­zen­den Unter­schlupf der Hen­ne, so ist es den Gefah­ren der Welt aus­ge­setzt und kann zu Tode kom­men.

    Auch auf uns Men­schen war­ten Gefah­ren in der Welt, vor denen Gott uns oft beschützt, ohne dass wir es mer­ken. Da wären Satan und sei­ne Engel, die dar­auf war­ten, uns zu töten (1. Petr 5,8). Aber auch unse­re eige­nen Begier­den kön­nen uns gefähr­lich wer­den.

    In Römer 1,18ff beschreibt Pau­lus mehr­fach, wie Men­schen, die Gott ver­ach­ten, ihren Begier­den, schänd­li­chen Lei­den­schaf­ten und ihrem ver­kehr­ten Sinn von Gott dahin­ge­ge­ben wer­den. Gott hat sich von ihnen zurück­ge­zo­gen, und der Hei­li­ge Geist rührt ihr Gewis­sen nicht mehr an.

    Gottes Zorn

    Got­tes Zorn offen­bart sich auf ver­schie­de­ne Art und Wei­se, aber das Prin­zip bleibt gleich:

    • Ent­schei­det man sich gegen Gott, so lässt er einen gehen, wohin man will.
    • Ent­schei­det man sich für Gott, so wird man geseg­net und gewinnt das ewi­ge Leben.

    Zwar mag die­se Wahl dem Men­schen kurz­fris­tig Erfolg, Reich­tum und Ehre brin­gen, doch sein Cha­rak­ter kann sich nicht nach Got­tes Wil­len ent­wi­ckeln. In der Ver­gan­gen­heit wur­de die­ser Zorn – Got­tes Rück­zug und die dar­aus resul­tie­ren­den Kon­se­quen­zen – immer ver­mischt mit Gna­de aus­ge­schüt­tet. Am Ende der Zeit wird die­ser Zorn jedoch unver­mischt aus­ge­schenkt.

    Gott wird die Gott­lo­sen voll­ends preis­ge­ben. Nicht weil Er sie nicht mehr liebt (denn Er ändert sich nicht), son­dern weil Er ihren eige­nen Wil­len respek­tie­ren muss. Er wird jene, die beharr­lich von ihm weg­lau­fen, für immer los­las­sen. Johan­nes drück­te es so aus:

    Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewi­ge Leben. Wer aber dem Sohn nicht gehor­sam ist, der wird das Leben nicht sehen, son­dern der Zorn Got­tes bleibt über ihm.” (Joh 3,36)

    Ein schmerzhafter Abschied

    Dies wird Gott wahr­haf­tig kei­ne Freu­de berei­ten. Genau­so wie es uns kei­ne Freu­de berei­tet, einen gelieb­ten Men­schen gehen zu las­sen, weil er uns nicht für inter­es­sant oder lie­bens­wür­dig erach­tet. Der Tod der Men­schen, selbst der Tod der Gott­lo­sen, berei­tet Gott immer Kum­mer und Schmerz (Hes 33,11; Mt 23,37).

    Das muss beach­tet wer­den, wenn man Begrif­fe wie „Zorn Got­tes“, „Got­tes Rache“ oder „Got­tes Gerech­tig­keit“ stu­diert. Wie schnell machen wir den Feh­ler, von unse­rem gefal­le­nen Cha­rak­ter auf den Cha­rak­ter des hei­li­gen Got­tes zu schlie­ßen?

    Man könn­te ein­wen­den, dass die Dar­stel­lung des Zorns Got­tes als Rück­zug zu ein­sei­tig ist. Was ist mit den Tex­ten, in denen Gott aktiv ein­greift und straft? Ist der Zorn Got­tes nicht auch Aus­druck sei­ner Gerech­tig­keit und Hei­lig­keit?

    Hier­zu sei auf den anschlie­ßen­den Exkurs zur Gerech­tig­keit Got­tes ver­wie­sen. Dort wird dar­ge­legt, dass Got­tes akti­ves Gericht von den Prin­zi­pi­en Mish­pat und Zeda­qa gelei­tet wird. Blin­des oder gar ewi­ges Bestra­fen hat in die­sem Gerech­tig­keits­ver­ständ­nis kei­nen Platz.

    Das Stu­di­um des Cha­rak­ters Got­tes ist eines der wich­tigs­ten The­men über­haupt. Man lernt dadurch Gott ken­nen und beginnt, sein Han­deln zu ver­ste­hen. Wer sich näher damit befasst, wird über­rascht fest­stel­len, dass Gott uns mehr liebt, als wir uns vor­stel­len kön­nen – ja, mehr, als wir viel­leicht sogar für rich­tig oder gerecht erach­ten!

    Exkurs: Das Wesen der Gerechtigkeit Gottes

    Einleitung

    Die Fra­ge nach ewi­gen Höl­len­qua­len berührt das Herz der Got­tes­fra­ge: Ist Gott wirk­lich gerecht? Um dies zu beant­wor­ten, müs­sen wir zunächst ver­ste­hen, was „Gerech­tig­keit” im bibli­schen Den­ken bedeu­tet – denn sie unter­schei­det sich fun­da­men­tal von unse­rem moder­nen Rechts­ver­ständ­nis.

    1. Gerechtigkeit als Wiederherstellung, nicht als Vergeltung

    In vie­len moder­nen Rechts­sys­te­men wird Gerech­tig­keit rein „retri­bu­tiv” (ver­gel­tend, stra­fend) ver­stan­den: Wer Böses tut, muss lei­den. Die bibli­sche Hebrä­isch-Denk­wei­se ver­folgt jedoch ein ande­res Ziel – die Wie­der­her­stel­lung des ursprüng­li­chen Heils­zu­stands und die Ret­tung der Unter­drück­ten. Dies zeigt sich beson­ders in zwei zen­tra­len Begrif­fen, die das fun­da­men­ta­le Dop­pel­ge­stirn der bibli­schen Ethik bil­den: Mish­pat und Zeda­qa.

    Mishpat (מִשְׁפָּט) – Recht, das wiederherstellt

    Der Begriff Mish­pat lei­tet sich von der Wur­zel shaphat (richten/entscheiden) ab und hat eine stark pro­zes­sua­le und sozia­le Kom­po­nen­te:

    • Die recht­li­che Dimen­si­on: Mish­pat bezeich­net das Urteil eines Rich­ters oder die Rechts­ord­nung selbst. Es geht dar­um, dass jeder bekommt, was ihm zusteht.
    • Die sozia­le Dimen­si­on: In der Bibel ist Mish­pat fast immer mit dem Schutz derer ver­bun­den, die kei­ne eige­ne Lob­by haben. Gott wird als der­je­ni­ge beschrie­ben, der das Mish­pat der „Wit­wen, Wai­sen und Fremd­lin­ge” ver­tei­digt (5. Mose 10,18).
    • Die Hand­lungs­ori­en­tie­rung: Mish­pat ist eine „Gerech­tig­keit der Tat”. Wenn Unrecht geschieht – etwa durch Aus­beu­tung –, muss Mish­pat aus­ge­übt wer­den, um den Scha­den zu behe­ben und die Unter­drück­ten zu ihrem Recht kom­men zu las­sen.

    Bei­spiel: Wenn ein Arbeit­ge­ber den Lohn zurück­hält, ist die Wie­der­her­stel­lung des Rechts durch die Aus­zah­lung ein Akt des Mish­pat.

    Zedaqa (צְדָקָה) – Gerechtigkeit als Beziehungstreue

    Zeda­qa geht tie­fer als das rein juris­ti­sche Recht. Es beschreibt einen Zustand der „Rich­tig-Ver­bun­den­heit”:

    • Der Bezie­hungs­aspekt: Zeda­qa ist die Gerech­tig­keit, die sich aus einer Bezie­hung ergibt. Es bedeu­tet, sich so zu ver­hal­ten, dass die Gemein­schaft – mit Gott und den Mit­men­schen – gedei­hen kann.
    • Gna­de und Barm­her­zig­keit: Im Unter­schied zum küh­len west­li­chen Rechts­be­griff schließt Zeda­qa Groß­zü­gig­keit und Mit­leid ein. Im spä­te­ren rab­bi­ni­schen Juden­tum wur­de das Wort sogar zum Syn­onym für „Almo­sen” oder „Wohl­tä­tig­keit”.
    • Der gött­li­che Stan­dard: Gott selbst ist tzad­dik (gerecht). Er han­delt im Ein­klang mit sei­nem eige­nen Wesen der Lie­be. Wenn ein Mensch Zeda­qa übt, spie­gelt er den Cha­rak­ter Got­tes wider.

    Bei­spiel: Wer einem Armen hilft, tut dies nicht nur, weil ein Gesetz es vor­schreibt (Mish­pat), son­dern weil er die Wür­de des ande­ren sieht und die Bezie­hung zur Gemein­schaft pflegt (Zeda­qa).

    Das Zusammenspiel: Mishpat und Zedaqa

    Wenn bei­de Begrif­fe zusam­men ver­wen­det wer­den, beschrei­ben sie eine Gerech­tig­keit, die ret­tet und wie­der­her­stellt:

    • Amos 5,24:Es strö­me aber das Recht (Mish­pat) wie Was­ser und die Gerech­tig­keit (Zeda­qa) wie ein nie ver­sie­gen­der Bach.” – Hier for­dert der Pro­phet nicht nur kor­rek­te Gerichts­ver­hand­lun­gen, son­dern eine Gesell­schaft, die von Fair­ness und mit­mensch­li­cher Lie­be durch­flu­tet ist.
    • Psalm 33,5:Er liebt Gerech­tig­keit (Zeda­qa) und Recht (Mish­pat); die Erde ist voll der Güte des HERRN.” – Gott ver­bin­det das kon­se­quen­te Ein­tre­ten gegen Unrecht mit sei­ner grund­le­gen­den Güte.
    Was bedeutet Mishpat und Zedaqa für die Frage nach der Hölle?

    Aus die­sem bibli­schen Gerech­tig­keits­ver­ständ­nis erge­ben sich drei zen­tra­le Ein­sich­ten:

    1. Got­tes Gerech­tig­keit ist nicht „blind”: Sie ist nicht wie die Jus­ti­tia mit der Augen­bin­de, die nur starr straft. Sie sieht die Not und will hei­len (Zeda­qa).
    2. Kei­ne ewi­ge Kon­ser­vie­rung von Unrecht: Da Gott Mish­pat liebt, muss er das Unrecht (die Sün­de) besei­ti­gen. Wür­de er Sün­der ewig in einer Höl­le quä­len, blie­be die Sün­de – und das durch sie ver­ur­sach­te Leid – für immer im Uni­ver­sum bestehen. Die „Ord­nung” wäre nie voll­stän­dig wie­der­her­ge­stellt. Die Ver­nich­tung des Bösen hin­ge­gen stellt den Zustand der „Sün­den­frei­heit” im gesam­ten Uni­ver­sum wie­der her.
    3. Das Ziel ist Har­mo­nie: Zeda­qa strebt nach einem Uni­ver­sum, in dem alle Bezie­hun­gen (Gott-Mensch, Mensch-Mensch) wie­der „rich­tig” sind. Das Böse hat dar­in kei­nen Platz mehr.

    Zusam­men­ge­fasst: Mish­pat ist das kor­ri­gie­ren­de Ein­grei­fen Got­tes, um Unrecht zu stop­pen. Zeda­qa ist die lie­ben­de Grund­hal­tung, die das Leben und die Gemein­schaft för­dern will. Das ewi­ge Bestra­fen in einer Höl­le wider­spricht bei­den Prin­zi­pi­en die­ser bibli­schen Gerech­tig­keit.

    2. Das Prinzip der Verhältnismäßigkeit (Lex Talionis)

    Das Prin­zip der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit besagt, dass eine Stra­fe dem Ver­ge­hen ent­spre­chen muss.

    Die bibli­sche Grund­la­ge (2. Mose 21,23–25)

    Ent­steht ein dau­ern­der Scha­den, so sollst du geben: Leben um Leben, Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuß um Fuß, Brand­mal um Brand­mal, Wun­de um Wun­de, Beu­le um Beu­le.

    Ent­ge­gen der land­läu­fi­gen Mei­nung war dies kein Gebot zur Rache, son­dern eine Begren­zung der Ver­gel­tung: Man durf­te nicht mehr for­dern, als ver­lo­ren gegan­gen war. Wenn Gott selbst die­sen Maß­stab anlegt, wür­de er nicht gegen sein eige­nes Gesetz ver­sto­ßen, indem er end­li­che Sün­den mit unend­li­cher Fol­ter bestraft?

    Ein Mensch lebt viel­leicht 70 oder 80 Jah­re. Selbst wenn er in die­ser Zeit schwe­re Sün­den begeht, ist die Schuld zeit­lich begrenzt. Eine unend­li­che Stra­fe (ewi­ge Qual ohne Ende) für eine end­li­che Schuld wür­de gegen das gött­li­che Prin­zip der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit ver­sto­ßen. Es gäbe kein Gleich­ge­wicht zwi­schen Tat und Stra­fe.

    3. Biblische Belege für dieses Gerechtigkeitsverständnis

    • Psalm 103,9 – Gott „hadert nicht ewig”: „Er wird nicht für immer hadern noch ewig zor­nig blei­ben.“

      Die­ser Vers beschreibt Got­tes Cha­rak­ter. Ewi­ge Qual wür­de bedeu­ten, dass sein Zorn nie­mals auf­hört. Der Psalm deu­tet dar­auf hin, dass Got­tes Straf­ge­richt ein Ziel und ein Ende hat.
    • Kla­ge­lie­der 3,31–33 – Gott quält nicht ger­ne: „Denn der Herr ver­stößt nicht ewig, son­dern er betrübt wohl und erbarmt sich wie­der nach sei­ner gro­ßen Güte. Denn nicht von Her­zen plagt und betrübt er die Men­schen.

      Leid ist nie­mals Got­tes End­ziel. Eine Höl­le, die nur aus Leid ohne die Mög­lich­keit der Bes­se­rung oder eines Endes besteht, wider­spricht der Aus­sa­ge, dass Gott „nicht von Her­zen” plagt.
    • Hese­kiel 18,23 – Gerech­tig­keit will Leben, nicht Tod: „Meinst du, dass ich Gefal­len habe am Tode des Gott­lo­sen, spricht Gott der HERR, und nicht viel­mehr dar­an, dass er sich bekehrt von sei­nem Wege und am Leben bleibt?

      Got­tes Gerech­tig­keit ist dar­auf aus­ge­rich­tet, Leben zu ermög­li­chen. Wenn ein Mensch die Umkehr end­gül­tig ver­wei­gert, ist die Kon­se­quenz der Tod (das Ende der Exis­tenz), da Gott das Leben nicht erzwingt. Ein ewi­ges „Ster­ben-Las­sen” in Qual wür­de dem Wunsch Got­tes wider­spre­chen, kein Gefal­len am Leid zu haben.
    • Lukas 15 – Das Gleich­nis vom ver­lo­re­nen Schaf

      Hier zeigt sich die „wie­der­her­stel­len­de Gerech­tig­keit” beson­ders deut­lich. Gerech­tig­keit bedeu­tet nicht, dass das Schaf bestraft wird, weil es weg­ge­lau­fen ist, son­dern dass die Ord­nung (100 Scha­fe) wie­der­her­ge­stellt wird. Im Kon­text der End­zeit bedeu­tet das: Ent­we­der wird der Sün­der durch Buße wie­der­her­ge­stellt, oder das „Sys­tem Schöp­fung” wird durch die Ent­fer­nung des Bösen gerei­nigt.

    Schlussfolgerung: Warum ewige Höllenqualen Gottes Gerechtigkeit widersprechen

    Ewi­ge Höl­len­qua­len sind nicht Aus­druck von Got­tes Gerech­tig­keit, son­dern wider­spre­chen ihr in fol­gen­den Punk­ten:

    1. Ver­stoß gegen das Prin­zip der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit: Eine unend­li­che Stra­fe für ein begrenz­tes Leben ver­letzt Got­tes eige­nes Rechts­prin­zip der Lex Tali­o­nis.
    2. Kon­ser­vie­rung statt Wie­der­her­stel­lung: Mish­pat zielt auf die Wie­der­her­stel­lung und Hei­lung der Schöp­fung ab. Ewi­ge Qual kon­ser­viert das Böse, anstatt es zu besei­ti­gen.
    3. Kon­flikt mit Got­tes Wesen (Zeda­qa): Gott ist kein Sadist, son­dern ein lie­ben­der Vater, des­sen Gerech­tig­keit Bezie­hung und Leben för­dert, nicht end­lo­ses Lei­den.
    4. Die „Ewig­keit” des Bösen ver­hin­dert den voll­stän­di­gen Sieg: Wenn Gott am Ende „Alles in Allem” sein soll (1. Korin­ther 15,28), kann es kei­nen Ort geben, an dem das Böse und das Leid ewig wei­ter­be­stehen. Dies wür­de auch Nahum 1,9 wider­spre­chen. Gott macht dem Unrecht ein Ende, sodass es nicht ein zwei­tes Mal pas­sie­ren wird. Was für Nini­ve galt, gilt im gro­ßen Maß­stab auch: Gott wird nicht die Sün­de und das Lei­den ver­ewi­gen.

    Eine ewi­ge Qual wäre zudem päd­ago­gisch sinn­los. Stra­fe in der Bibel hat den Zweck der Zurecht­wei­sung oder, wenn die­se abge­lehnt wird, der end­gül­ti­gen Tren­nung. Eine Qual, die nie­mals endet und nie­mals zur Bes­se­rung führt, dient kei­nem kon­struk­ti­ven Ziel und passt nicht zum bibli­schen Bild eines gerech­ten Rich­ters, der die Har­mo­nie sei­ner Schöp­fung wie­der­her­stel­len will.

    Ergebnis: Es gibt keine unendlich andauernde Höllenqual!

    Die Leh­re von der ewi­gen Höl­len­qual ist mit der Bibel nicht ein­deu­tig zu bele­gen. Rele­van­te Bibel­stel­len kön­nen alter­na­tiv aus­ge­legt wer­den. Viel­mehr wirft die­se Leh­re zahl­rei­che inner­bi­bli­sche und mora­li­sche Fra­gen auf:

    • Wie könn­te ein barm­her­zi­ger Gott Men­schen, die zeit­lich gesün­digt haben, ewig quä­len?
    • Wie soll­ten sich die Ver­hei­ßun­gen Got­tes erfül­len, alle Trä­nen abzu­wi­schen und alles Leid und Geschrei (Jesa­ja 65,17; Offen­ba­rung 21,4; 7,17) zu been­den, wenn die Gläu­bi­gen ihre ver­lo­re­nen Ange­hö­ri­gen in ewi­ger Qual sehen wür­den? Die Ver­hei­ßung besagt nicht, dass Leid wei­ter­hin exis­tiert, aber nicht mehr wahr­ge­nom­men wird, son­dern dass ‘das Ers­te ver­gan­gen’ ist.

    Men­schen durch Dro­hen mit ewi­ger Qual auf eine Buß­bank zu zwin­gen, wäre dem Cha­rak­ter Got­tes dia­me­tral ent­ge­gen­ge­setzt. Viel­mehr lässt Gott dem Men­schen die Ent­schei­dung, sich ent­we­der für ihn zu ent­schei­den oder aber am Ende der Zeit ver­nich­tet zu wer­den – das heißt, in der ewi­gen Welt nach der Wie­der­kunft Chris­ti nicht mehr exis­tent zu sein.

    Spä­ter wer­den wir uns näher der inner­bi­bli­schen Kri­tik die­ser Leh­rer zuwen­den.

    Heidnische Einflüsse statt biblischer Lehre

    Die Leh­re von einer ewi­gen Höl­len­qual ist dem Alten Tes­ta­ment gänz­lich fremd und hat sich spä­ter, offen­bar durch heid­ni­sche Ein­flüs­se und außer­bi­bli­sche, spä­te jüdi­sche Apo­ka­lyp­tik, ent­wi­ckelt. Die Par­al­le­len, zum Bei­spiel zur grie­chi­schen Mytho­lo­gie, sind auf­fäl­lig:

    • Tan­ta­lus: Erlei­det ewi­ge Hun­ger- und Durst­qua­len (Tan­ta­lus­qua­len), wäh­rend Was­ser und Früch­te vor ihm zurück­wei­chen.
    • Sisy­phus: Muss bis in alle Ewig­keit einen Mar­mor­block einen Berg hin­auf­wäl­zen, der immer wie­der hin­ab­rollt (Sisy­phus­ar­beit).
    • Ixi­on: Wur­de auf ein ewig bren­nen­des Rad gebun­den.
    • Dana­iden: Muss­ten ewig Was­ser in ein durch­lö­cher­tes Fass schöp­fen.
    • Tity­os: Ihm wuchs stän­dig die Leber nach, wäh­rend ein Gei­er sie fraß.

    Sowohl Grie­chen als auch jüdi­sche Apo­ka­lyp­tik kann­ten, im Gegen­satz zum AT, eine Auf­tei­lung des Toten­rei­ches mit einem spe­zi­el­len Straf­ort. Bei den Grie­chen war es Tar­ta­ros und in der jüdi­schen Apo­ka­lyp­tik, Gehen­na. Fol­gen­de Ele­men­te aus der Mytho­lo­gie und der jüdi­schen Apo­ka­lyp­tik wei­sen Gemein­sam­kei­ten auf und haben auch das spä­te­re Höl­len­ver­ständ­nis der Chris­ten beein­flusst:

    Merk­malGrie­chi­sche Mytho­lo­gieJüdi­sche Apo­ka­lyp­tik
    (beson­ders 1. Buch Henoch)
    OrtTar­ta­ros lag tief unter der Erde, noch tie­fer als der HadesGewal­ti­ge Schluch­ten und vier „hoh­le Räu­me“, Abgrund
    Auf­tei­lungEly­si­on (für Hel­den), Aspho­de­li­en­grund (für den Durch­schnitt), Tar­ta­ros (für Frev­ler).Vier Abtei­lun­gen: 1. Gerech­te, 2. Mär­ty­rer, 3. Sün­der (die schon bestraft wer­den), 4. Sün­der (die erst beim Gericht auf­er­ste­hen).
    Art der Stra­feOft symbolisch/ironisch (Sisy­phus rollt Stein, Tan­ta­los dürs­tet).Unlösch­ba­res Feu­er, ewi­ge Fins­ter­nis, eiser­ne Fes­seln und Peit­schen­hie­be durch Stra­fen­gel, Pein.
    Wäch­terDer drei­köp­fi­ge Hund Ker­be­ros und der Fähr­mann Cha­ron.Die Erz­engel (z.B. Rapha­el) und spe­zi­el­le „Engel der Bestra­fung“.
    Dau­er der Stra­feFür schwe­re Ver­bre­chen gegen die Göt­ter: Ewig.Je nach Text: zeit­lich begrenz­te Läu­te­rung, tota­le Ver­nich­tung oder Ewi­ge Qual.

    All die­se Ideen von „Qua­len bis in alle Ewig­keit“ ste­hen im Kon­flikt mit dem Evan­ge­li­um. Wir war­ten auf eine erneu­er­te Erde ohne Höl­le, aber vol­ler Gerech­tig­keit (2. Petr 3,13–14) und ohne Trä­nen (Offb 21,4).

    Das Urteil: Ewige Trennung von der wahren Quelle allen Lebens

    Die Leh­re von der zeit­lich beschränk­ten Ver­nich­tung der Gott­lo­sen passt zum Han­deln Got­tes: Ewi­ge Ver­nich­tung ist gerecht, denn wer nicht zu Gott will, den zwingt Er nicht, quält ihn aber auch nicht ewig. Der Ver­lust der ewi­gen Selig­keit ist Stra­fe genug.

    Zusammenfassung der ersten beiden Teile

    In die­ser Aus­ar­bei­tung wur­de gezeigt:

    1. Zustand der Toten: Ver­stor­be­ne Men­schen gehen nach ihrem Tod weder direkt in den Him­mel noch in die Höl­le. Sie blei­ben im Grab („Schlaf“) bis zu ihrer Auf­er­ste­hung.
    2. Das Gericht: Wenn sie erwa­chen, erhal­ten sie ihren Lohn: end­gül­ti­ge Ver­nich­tung oder ewi­ges Leben.
    3. Wider­le­gung der Qual: Die Behaup­tung, uner­lös­te Men­schen wür­den für immer und ewig gequält wer­den, ist biblisch nicht halt­bar – zumin­dest dann nicht, wenn man kei­ne inner­bi­bli­schen Wider­sprü­che akzep­tie­ren will.

    Auf die Ein­wän­de gegen die zeit­lich begrenz­te Bestra­fung und die völ­li­ge Aus­lö­schung der uner­lös­ten Men­schen wird im nächs­ten Teil ein­ge­gan­gen.

    » Wei­ter zur Ver­tei­di­gung der Ergeb­nis­se



    voller Güte und Gnade
    Gott der Herrlichkeit
    Herr, der uns heiligt
    Wort
    Gott, der mich sieht
    Adonai
    Hoffnung
    Wunder-Rat
    Friedefürst
    Brot des Lebens
    Allmächtiger
    Der Auferstandene
    König
    Gott der ganzen Erde
    Fels
    Sohn Gottes
    Gott, der da ist
    König der Könige
    Licht
    Jesus Christus
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