Kommentar zu Römer 7 und 8a

Der Römerbrief

Hin­weis: Pau­lus ver­wen­det im Römer­brief, wie auch in ande­ren Brie­fen, das “Ich”. Beim Römer­brief ist man sich uneins, ob Pau­lus hier:

  • von sich als Christ spricht (der noch mit Sün­de kämpft)
  • von sei­ner vor­christ­li­chen Erfah­rung spricht
  • ein rhe­to­ri­sches “Ich” ver­wen­det, um die mensch­li­che Situa­ti­on unter dem Gesetz dar­zu­stel­len

Der Über­gang zu Kapi­tel 8 (“jetzt kei­ne Ver­damm­nis”) legt nahe, dass Kapi­tel 7 eher die Situa­ti­on vor oder ohne Chris­tus beschreibt, nicht den nor­ma­len christ­li­chen Zustand. Es ist auch gut mög­lich, dass es eine Mischung von allem ist. Die Ver­lo­ren­heit ohne Chris­tus und eben­so die Ret­tung durch Chris­tus, die Pau­lus erkann­te. Aber auch der inne­re Kon­flikt zwi­schen “fleisch­li­cher” und “geist­li­cher” Natur und die Kraft, die Gläu­bi­ge durch die Ver­bin­dung mit Jesus erfah­ren dür­fen.

Der Römer­brief wird neben dem Gala­ter­brief häu­fig zitiert, wenn Men­schen bele­gen wol­len, dass Chris­ten “nicht mehr unter dem Gesetz” sind – im Sin­ne, alle Geset­ze aus dem AT wären für Chris­ten über­flüs­sig. Auch ande­re Schrift­stel­len von Pau­lus wer­den ger­ne iso­liert betrach­tet, um die­se Auf­fas­sung zu ver­tre­ten.

Eine kur­ze Über­sicht zu den belieb­tes­ten miss­ver­stan­de­nen Bibel­stel­len zum The­ma Gesetz befin­det sich auf einer Extra­sei­te.

Kommentierung von Römer 7

1 Oder wisst ihr nicht, Brü­der – denn ich rede zu denen, die Gesetz ken­nen1 -, dass das Gesetz über den Men­schen herrscht, solan­ge er lebt?

1 Pau­lus spricht zu den Chris­ten, die wie er frü­her dem jüdi­schen Glau­ben anhin­gen und die Rechts­vor­schrif­ten kann­ten. Ein Mensch unter­liegt den Geset­zen nur solan­ge er lebt.

2 Denn die ver­hei­ra­te­te Frau ist durchs Gesetz an den Mann gebun­den, solan­ge er lebt; wenn aber der Mann gestor­ben ist, so ist sie los­ge­macht von dem Gesetz des Man­nes.2

2 Pau­lus ver­sucht sei­ne Aus­sa­ge aus Vers 1 durch ein Bei­spiel zu ver­deut­li­chen. Dabei ver­wen­det er das Bild der Ehe und ver­weist auf eine alt­tes­ta­ment­li­che Rege­lung, die auch spä­ter von Pau­lus als gül­tig ver­kün­digt wur­de (1Kor 7,39). Eine Frau ver­hei­ra­tet war auf Lebens­zeit des Man­nes mit ihm ver­bun­den.

3 So wird sie nun, wäh­rend der Mann lebt, eine Ehe­bre­che­rin genannt, wenn sie eines ande­ren Man­nes wird; wenn aber der Mann gestor­ben ist, ist sie frei vom Gesetz, so dass sie kei­ne Ehe­bre­che­rin ist, wenn sie eines ande­ren Man­nes wird.3

3 Erst mit dem Tod war eine Frau frei (vgl. Mt 19,9; Lk 16,18). Pau­lus ver­gleicht die Ehe mit dem Gebun­den­sein an das Gesetz des ATs.

4 So seid auch ihr, mei­ne Brü­der, dem Gesetz getö­tet wor­den durch den Leib des Chris­tus4, um eines ande­ren zu wer­den, des aus den Toten Auf­er­weck­ten5, damit wir Gott Frucht brin­gen6.

4 Durch Jesus Chris­tus sind wir gestor­ben, mit ihm begra­ben und auf­er­weckt wor­den, um in einem neu­en Leben zu wan­deln (Röm 6,4). Dadurch, dass wir “getö­tet” wur­den, sind wir auch für das Gesetz tot und kön­nen nicht mehr durch die­ses ver­ur­teilt wer­den.

5 Wir sind gestor­ben, um nun zum auf­er­stan­de­nen Chris­tus zu gehö­ren. So wie wir frü­her dem ers­ten Mann gehör­ten und an das “Gesetz des Man­nes” gebun­den waren, so sind wir nun an Chris­tus und sein Gesetz gebun­den (sie­he Röm 6,12.13).

6 Das Ziel ist dabei, dass wir Got­tes Wil­len tun.

5 Denn als wir im Fleisch waren, wirk­ten die Lei­den­schaf­ten der Sün­den, die durch das Gesetz <erregt wur­den>, in unse­ren Glie­dern7, um dem Tod Frucht zu brin­gen8.

7 Vgl. Vers 23

8 Denn der Sün­de (das ist die Geset­zes­über­tre­tung, vgl. 1Joh 3,4 (KJV, Schlach­ter, Elber­fel­der)) Sold ist der Tod. (Röm 6,23)

6 Jetzt aber sind wir von dem Gesetz los­ge­macht, da wir dem gestor­ben sind9, wor­in wir fest­ge­hal­ten wur­den, so dass wir in dem Neu­en des Geis­tes die­nen und nicht in dem Alten des Buch­sta­bens10.

9 Pau­lus über­trägt das Bild der ver­hei­ra­te­ten Frau auf die Gläu­bi­gen. Da wir dem ers­ten Mann (der alte Bund) gestor­ben sind, sind wir von des­sen Gesetz frei. Wir sind jetzt mit Jesus ver­hei­ra­tet, dem neu­en Ehe­mann (der neue Bund).

10 Dem neu­en Ehe­mann die­nen wir mit einem neu­en Geist, d. h., wir hal­ten sein Gesetz nicht, weil wir müs­sen (äußer­lich, mecha­nisch), son­dern weil wir wol­len und unse­ren neu­en Herrn lie­ben (inner­lich). Wir, die wir gestor­ben und wie­der­ge­bo­ren wur­den, sind eine neue Krea­tur gewor­den und haben neue Sym­pa­thien und Anti­pa­thien. (Das heißt nicht, dass wir jetzt feh­ler­los gewor­den sind.)

7 Was sol­len wir nun sagen? Ist das Gesetz Sün­de? Das sei fer­ne!11 Aber die Sün­de hät­te ich nicht erkannt als nur durch Gesetz. Denn auch von der Begier­de hät­te ich nichts gewusst, wenn nicht das Gesetz gesagt hät­te: »Du sollst nicht begeh­ren!«12

11 Pau­lus macht klar, dass sei­ne Aus­sa­ge (Vers 5) nicht bedeu­tet, dass das Gesetz Sün­de ist (es ist hei­lig und gut! Vers 12). Auch ist es falsch zu glau­ben, das Gesetz wäre die Ursa­che der Sün­de. Sie­he Anmer­kung 12.

12 Das Gesetz ist der Spie­gel, in dem wir unse­re Hand­lun­gen und Moti­ve erken­nen und auch sehen, ob wir sün­di­gen. Vgl. Röm 3,20. – Durch den Spie­gel erken­nen wir uns selbst (Jak 1,23–25), aber auch die Män­gel unse­res Cha­rak­ters. Denen aber, die an Unge­rech­tig­keit Gefal­len haben, schät­zen die­sen Spie­gel nicht, weil er ihnen ihre Sün­den zeigt. Anstatt ihre fleisch­li­che Gesin­nung zu bekämp­fen, bekämp­fen sie den Spie­gel, den Gott ihnen gera­de zu dem Zweck gege­ben hat, dass sie nicht getäuscht wür­den, son­dern sich die Män­gel ihres Cha­rak­ters zei­gen lie­ßen. Lei­der gab es frü­her wie heu­te Men­schen, die das Gesetz der Frei­heit und die Tat­sa­che, dass wir unter der Gna­de und nicht unter dem Gesetz “ste­hen” als Recht­fer­ti­gung für ihr fal­sches Han­deln genom­men haben (1Petr 2,16, Gal 5,13; 2.Petr 3,16).

8 Die Sün­de aber ergriff durch das Gebot die Gele­gen­heit und bewirk­te jede Begier­de in mir; denn ohne Gesetz ist die Sün­de tot13

13 Ohne das Gesetz haben die Sün­den (außer Kum­mer und Leid auf Erden) kei­ne Kon­se­quen­zen. Erst durch das Gesetz wer­den sie ver­ur­teilt (Röm 4,15; 1Kor 15,56 ).

9 Ich aber leb­te einst ohne Gesetz; als aber das Gebot kam, leb­te die Sün­de auf;14

14 Pau­lus beschreibt den glei­chen Gedan­ken aus Vers 8 noch ein­mal auf sich bezo­gen.

10 ich aber starb15. Und das Gebot, das zum Leben <gege­ben>16, gera­de das erwies sich mir zum Tod.17

15 Der Sün­der wird vom Gesetz zum Tode ver­ur­teilt. So bringt die Sün­de stets den Tod (sie­he Jak 1,15; Röm 6,23).

16 Das Gesetz soll­te den Men­schen vor der Sün­de war­nen, ihn lei­ten und Got­tes Cha­rak­ter (z. B. sei­ne mora­li­schen Ansprü­che) offen­ba­ren. Wer es erfüllt, der wird leben (Röm 10,5).

17 Da Pau­lus (und jeder ande­re Mensch) aber sün­dig­te und da das Gesetz die Sün­de ver­ur­teilt, wur­de auch er ver­ur­teilt.

11 Denn die Sün­de ergriff durch das Gebot die Gele­gen­heit, täusch­te mich und töte­te mich durch das­sel­be.18

18 Eine Zusam­men­fas­sung der Ver­se 8–10. Sie­he auch Vers 5.

12 So ist also das Gesetz hei­lig und das Gebot hei­lig und gerecht und gut.19

19 Vgl. Vers 7a. Das Gesetz war und ist nicht das Pro­blem. Im Gegen­teil, es ist (1Tim 1,8) und war schon immer gut (Ps 19,8; 119,172). Got­tes Gebo­te zei­gen dem Men­schen noch immer, was Sün­de ist. Sün­de und Sün­der wer­den wie zuvor ver­ur­teilt, jedoch haben wir “die Erlö­sung durch sein Blut, die Ver­ge­bung der Sün­den“ (Eph 1,7) – Das Gesetz wird nicht ver­än­dert, um sich dem gefal­le­nen Zustand des Sün­ders anzu­pas­sen.

13 Ist nun das Gute mir zum Tod gewor­den? Das sei fer­ne!20 Son­dern die Sün­de, damit sie als Sün­de erschie­ne, indem sie durch das Gute mir den Tod bewirk­te, damit die Sün­de über­aus sün­dig wür­de durch das Gebot.21

20 Nicht das Gesetz bringt den Tod, son­dern die Sün­de (sie­he Vers 10.12). Gäbe es kei­ne Sün­de, wür­de das “Gute” (Gesetz) auch den Men­schen nicht ver­ur­tei­len.

21 Pau­lus betont hier, dass selbst das Gute (das Gesetz) ihn ver­ur­teilt, weil er ein Sün­der ist. Das nie­der­ge­schrie­be­ne Gesetz macht die­ses umso deut­li­cher, da es ihm zeigt, wo er ver­sagt und gegen Got­tes Wil­len ver­stößt. Die gan­ze Dra­ma­tik und Ver­zweif­lung, die ein Mensch eigent­lich spü­ren soll­te, beschreibt er in den fol­gen­den Ver­sen 14–25.

14 Denn wir wis­sen, dass das Gesetz geist­lich ist, ich aber bin fleisch­lich23, unter die Sün­de ver­kauft24

23 “Fleisch­lich” bedeu­tet dem Fleisch gemäß und ist ein Aus­druck des Pau­lus für die Natur des Men­schen. Der “natür­li­che”, “unwie­der­ge­bo­re­ne”, “fleisch­li­che” Mensch ist ein sün­di­ger Mensch, der der Gegen­satz des “geist­li­chen”, wie­der­ge­bo­re­nen, sich Gott aus­rich­ten­den Men­schen ist. (Vgl. 1Kor 3,14;3,1;2,14; Gal 6,1)

24 Zwei Wel­ten, die auf­ein­an­der­sto­ßen. Da Pau­lus sich (hier) als fleisch­lich bezeich­net, kann er nicht das Gesetz hal­ten. Er ist der Sün­de aus­ge­lie­fert. Sie­he auch Vers 23.

15 denn was ich voll­brin­ge, erken­ne ich nicht25; denn nicht, was ich will, das tue ich, son­dern was ich has­se, das übe ich aus.26

25 Gemeint ist, dass alles, was Pau­lus “leis­tet” nichts zählt.

26 Der ewi­ge Kampf: die fleisch­li­chen, also sün­di­gen Gelüs­te gegen den Wil­len Got­tes.

16 Wenn ich aber das, was ich nicht will, aus­übe, so stim­me ich dem Gesetz bei, dass es gut ist.27

27 Wür­de Pau­lus die sün­di­gen Din­ge wol­len, dann wür­de Pau­lus Got­tes Gesetz ableh­nen. Er stimmt jedoch dem Urteil des Geset­zes zu, das bestimm­te Din­ge als Sün­de bezeich­net.

17 Nun aber voll­brin­ge nicht mehr ich es, son­dern die in mir woh­nen­de Sün­de.28

28 Die in Pau­lus woh­nen­de Sün­de ist sei­ne fleisch­li­che Natur. Er selbst will nicht, da er aber fleisch­lich ist, sün­digt er. Sie­he Ver­se 22 und 23 unten.

18 Denn ich weiß, dass in mir, das ist in mei­nem Fleisch, nichts Gutes wohnt29; denn das Wol­len ist bei mir vor­han­den, aber das Voll­brin­gen des Guten nicht.30

29 Der Mensch ist böse und kei­ner ist gerecht vor Gott (Röm 3,9f).

30 Ana­lo­gie zu Vers 15–17 und 22–23.

19 Denn das Gute, das ich will, übe ich nicht aus, son­dern das Böse, das ich nicht will, das tue ich.31

31 Noch ein­mal klagt Pau­lus dar­über, dass selbst wenn er das Gute will, den­noch das Böse tut. Vgl. Vers 18.

20 Wenn ich aber das, was ich nicht will, aus­übe, so voll­brin­ge nicht mehr ich es, son­dern die in mir woh­nen­de Sün­de.32

32 Sie­he Vers 17.

21 Ich fin­de also das Gesetz, dass bei mir, der ich das Gute tun will, <nur> das Böse vor­han­den ist.33

33 Das Gesetz ver­ur­teilt die Taten und berück­sich­tigt nicht das “Wol­len” des Men­schen.

22 Denn ich habe nach dem inne­ren Men­schen34 Wohl­ge­fal­len am Gesetz Got­tes.35

34 Sein Gewis­sen und Ver­stand, sein Herz.

35 Vgl. Vers 12 und Ps 1,2; 119,16.

23 Aber ich sehe ein ande­res Gesetz in mei­nen Glie­dern36, das dem Gesetz mei­nes Sin­nes37 wider­strei­tet und mich in Gefan­gen­schaft bringt unter das Gesetz der Sün­de38, das in mei­nen Glie­dern ist -

36 Näm­lich das Gesetz der Sün­de, die fleisch­li­che Natur.

37 Gemeint ist wie­der­um der inne­re Mensch aus Vers 22.

38 Das Gesetz der Sün­de ver­an­lasst Pau­lus, gegen sei­nen eigent­li­chen Wil­len zu han­deln. Hier wie­der­holt er das The­ma der Ver­se 14f.

24 Ich elen­der Mensch! Wer wird mich ret­ten von die­sem Lei­be des Todes?39

29 Der Höhe­punkt der Aus­füh­run­gen. Pau­lus erkennt, dass er ver­lo­ren ist.

25 Ich dan­ke Gott durch Jesus Chris­tus, unse­ren Herrn! Also die­ne ich nun selbst mit dem Sinn dem Gesetz Got­tes, mit dem Fleisch aber dem Gesetz der Sün­de.40

40 Pau­lus beschreibt im gan­zen Kapi­tel, dass man aus sich selbst her­aus Got­tes Gesetz nicht hal­ten kann. Selbst wenn das Wol­len da ist, wird der Mensch sün­di­gen. Der Höhe­punkt ist Vers. 24–25a. Danach folgt die Zusam­men­fas­sung: Ich selbst kann nur (bes­ten­falls) wol­len, nicht aber voll­brin­gen.

Kommentierung von Römer, Kapitel 8a (Fortsetzung von Kapitel 7)

1 Also <gibt es> jetzt kei­ne Ver­damm­nis für die, die in Chris­tus Jesus sind.41

41 Durch Jesus sind wir erlöst und das Gesetz des “ers­ten Man­nes” kann nie­man­den ver­dam­men, der einem neu­en Mann gehört. Die­se Aus­sa­ge ist aber nicht im Sin­ne zu ver­ste­hen: ein­mal erlöst – immer erlöst. Dies ist falsch. Wich­tig ist, in Jesus zu blei­ben und ihm gehor­sam zu sein (sie­he Joh 3,36).

2 Denn das Gesetz des Geis­tes42des Lebens in Chris­tus Jesus hat dich frei­ge­macht von dem Gesetz der Sün­de und des Todes43.

42 Das Gesetz des Geis­tes ist das Gesetz des neu­en Man­nes aus Röm 7,6.

43 Ein dop­pel­ter Aspekt: Der Befrei­ung von der Macht der Sün­de (inne­re Ver­wand­lung): Das Gesetz der Sün­de und des Todes ist wie­der dem Gesetz Got­tes (Röm 7, 23.24). Jesus befreit uns von unse­ren alten sün­di­gen Nei­gun­gen und ver­wan­delt uns, wenn wir uns mit ihm ver­bin­den. (Sie­he Joh 15,1–6). Der Befrei­ung vom Todes­ur­teil des Geset­zes (Recht­fer­ti­gung): Kein Mensch blieb vor dem alten Gesetz feh­ler­frei und jeder wur­de so zum Tode ver­ur­teilt. Das Gesetz wur­de so zum Gesetz des Todes. Dadurch, dass wir mit Chris­tus gestor­ben sind, müs­sen wir das Urteil des Geset­zes nicht mehr fürch­ten. Wir sind dem Gesetz gestor­ben – frei. Aber wir haben einen neu­en Mann, Jesus Chris­tus. Nun die­nen wir ihm und sind an ihn gebun­den.

3 Denn das dem Gesetz Unmög­li­che, weil es durch das Fleisch kraft­los war44, <tat> Gott, indem er sei­nen eige­nen Sohn in Gleich­ge­stalt des Flei­sches der Sün­de und für die Sün­de sand­te und die Sün­de im Fleisch ver­ur­teil­te,45

44 “Der Geist ist wil­lig; aber das Fleisch ist schwach.” (Mt 26,41) – Dadurch, dass wir von Natur aus eine sün­di­ge Natur haben, kön­nen wir von uns aus nicht im Ein­klang mit Got­tes Wil­len leben. Somit wird jeder Mensch vom Gesetz Got­tes ver­ur­teilt. Es ist uns unmög­lich durch das Gesetz zu Gott zu kom­men, denn die­ses ist nur durch den Glau­ben mög­lich (Röm 1, 16.17: 3, 21f)

45 Jesus war als Mensch zu uns gekom­men und sieg­te über die Sün­de.

4 damit die Rechts­for­de­rung des Geset­zes erfüllt wird in uns45, die wir nicht nach dem Fleisch, son­dern nach dem Geist wan­deln.46

45 Durch Jesu Sieg über die Sün­de und dadurch, dass er unse­re Sün­den auf sich genom­men hat (Joh 1,29; Jes 53,5–7; Offb 1,5), sind wir vor dem Gesetz gerecht, d. h. ohne Sün­de (1Joh 1,7; Jes 1,18; Röm 5,1).

46 Die­ses Recht­fer­ti­gung gilt jenen, die dem “neu­en Mann” im neu­en Geist die­nen (sie­he Röm 7,2–6).

5 Denn die, die nach dem Fleisch sind, sin­nen auf das, was des Flei­sches ist;47 die aber, die nach dem Geist sind, auf das, was des Geis­tes ist.48

47 Wer nicht wie­der­ge­bo­ren ist, des­sen Geist ist nicht erneu­ert. Sein Stre­ben und sei­ne Gedan­ken beschäf­ti­gen sich mit den glei­chen irdi­schen Din­gen. Das Gesetz, Got­tes Wor­te und sein Han­deln blei­ben ihm unver­ständ­lich (Röm 7,14; 1Kor 2,13.14).

48 Der wie­der­ge­bo­re­ne Mensch löst sich von den Din­gen der Welt und strebt nach Har­mo­nie mit Got­tes Wil­len. Sein Stre­ben gilt nun den “himm­li­schen Reich­tü­mern” (Mt 6,20). Er bil­det einen Gegen­satz zum fleisch­lich gesinn­ten Men­schen.

6 Denn die Gesin­nung des Flei­sches ist Tod49, die Gesin­nung des Geis­tes aber Leben und Frie­den,50

49 Der Tod ist die Fol­ge, da das Fleisch zur Sün­de führt und die­se ver­ur­teilt wird. (Gal 6,8; Röm 6, 21; Jak 1,15)

50 Durch die Ver­bin­dung mit Jesus brin­gen wir viel und gute Frucht (Joh 15,5). Er schenkt uns sei­nen Frie­den (Joh 14, 27; Röm 5,1) und dient als Mitt­ler und Für­spre­cher, soll­ten wir ein­mal auf unse­rem Weg stol­pern und sün­di­gen, “so haben wir einen Für­spre­cher bei dem Vater, Jesus Chris­tus, der gerecht ist. ” (1Joh 2,1).

7 weil die Gesin­nung des Flei­sches Feind­schaft gegen Gott ist51, denn sie ist dem Gesetz Got­tes nicht unter­tan, denn sie kann das auch nicht.52

51 Die Zie­le und das Trach­ten der Welt sind mit Gott nicht ver­ein­bar (Jak 4,4). Wenn ein Mensch nicht sei­ne fleisch­li­che Gesin­nung auf­ge­ben will, kann es zur heim­li­chen oder öffent­li­chen Feind­schaft gegen Gott kom­men, da Gott durch das Gesetz sei­nem Stre­ben ver­ur­teilt.

52 Aber selbst, wenn jemand Got­tes Wil­len tun will, so kann er das Gesetz von sich aus nicht erfül­len (Röm 7,14–25).

8 Die aber, die im Fleisch sind, kön­nen Gott nicht gefal­len.53

53 Die im Fleisch sind, wer­den fal­len, da sie ent­we­der mit Absicht sün­di­gen, oder weil sie ver­su­chen, von sich aus Got­tes Gesetz zu erfül­len und dabei ver­sa­gen wer­den. (vgl. Röm 7,14–25).

9 Ihr aber seid nicht im Fleisch, son­dern im Geist, wenn wirk­lich Got­tes Geist in euch wohnt.54Wenn aber jemand Chris­ti Geist nicht hat, der ist nicht sein.55

54 Es ist kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit “im Geist zu sein”. Wenn aber der Geist Got­tes in uns wohnt, dann sind wir nicht mehr fleisch­lich. So wie das Licht die Fins­ter­nis ver­treibt, so ver­treibt der Geist Got­tes die Sün­den aus unse­rem Leben. Sün­de kann in der Gegen­wart Got­tes nicht exis­tie­ren.

55 Wer den Geist Chris­ti nicht hat, weil er fleisch­lich gesinnt ist, also ent­we­der sei­ne sün­di­gen Nei­gun­gen nicht auf­ge­ben will oder sich durch sei­ne Taten erlö­sen will, indem er selbst ver­sucht, durch das Gesetz gerecht zu wer­den, der gehört nicht Jesus, dem “neu­en Mann” (Röm 7, 2–4).

10 Ist aber Chris­tus in euch, so ist der Leib zwar tot der Sün­de wegen, der Geist aber Leben der Gerech­tig­keit wegen.56

56 Pau­lus greift hier einen Gedan­ken aus dem sechs­ten Kapi­tel des Römer­brie­fes auf. Dort beschreibt er, dass ein Mensch, der mit Jesus ver­bun­den ist, sei­nen alten (fleisch­li­chen) Leib ver­nich­tet (er wird mit Jesus gekreu­zigt) und nun in Jesus Chris­tus lebt. In die­sem neu­en Leben ist der Mensch den­noch der Sün­de aus­ge­setzt, der es zu wider­stre­ben gilt (Röm 6, 12.13). Daher spricht Pau­lus davon, dass er täg­lich stirbt (1Kor 15,31). Im Hebrä­er­brief lesen wir zudem von einem har­ten Kampf gegen die Sün­de (Hebr 12,4). Das neue Leben, das wir nun füh­ren sol­len, ist ein Leben der Sünd­lo­sig­keit und Gerech­tig­keit (Röm 6, 12).

11 Wenn aber der Geist des­sen, der Jesus aus den Toten auf­er­weckt hat, in euch wohnt, so wird er, der Chris­tus Jesus aus den Toten auf­er­weckt hat, auch eure sterb­li­chen Lei­ber leben­dig machen wegen sei­nes in euch woh­nen­den Geis­tes.57

57 Pau­lus spricht hier von zwei Din­gen. Durch den Geist wird das mög­lich, was dem Fleisch nicht mög­lich war, näm­lich Gott zu gefal­len und sei­nen Wil­len zu tun. Dadurch, dass er unse­ren toten Leib durch den Geist neu belebt, sind wir zu einem neu­en Leben beru­fen, in dem wir nicht län­ger sün­di­gen wol­len, da wir ja der Sün­de gestor­ben sind (Röm 6,2). Zudem kann Röm 8,11 auch auf die Auf­er­ste­hung der Toten und der Ver­wand­lung der Leben­di­gen (1Thes 4,14.15; 1Kor 15,51.52) gedeu­tet wer­den.

12 So sind wir nun, Brü­der, nicht dem Fleisch Schuld­ner, um nach dem Fleisch zu leben;58

58 “Denn indem ihr nun frei gewor­den seid von der Sün­de, seid ihr Knech­te gewor­den der Gerech­tig­keit.” (Luther: Röm 6,18)

13 denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, so wer­det ihr ster­ben, wenn ihr aber durch den Geist die Hand­lun­gen des Lei­bes tötet, so wer­det ihr leben.59

59 Ver­glei­che Vers 6.

14 Denn so vie­le durch den Geist Got­tes gelei­tet wer­den, die sind Söh­ne Got­tes.

15 Denn ihr habt nicht einen Geist der Knecht­schaft emp­fan­gen, wie­der zur Furcht60, son­dern einen Geist der Sohn­schaft habt ihr emp­fan­gen61, in dem wir rufen: Abba, Vater!

60 Der Geist der Knecht­schaft, der den Knecht mit dem Tode bedroht, soll­te die­ser einen Feh­ler machen, die­ser Geist ist nicht der Geist, der ein Kind Got­tes emp­fan­gen hat. Da Pau­lus sich und uns als Knech­te (im posi­ti­ven Sin­ne) bezeich­net (z. B. Röm 6, 18) ist es nicht ver­werf­lich, ein Knecht Got­tes zu sein. Gott hat uns nicht abso­lu­te Frei­heit gege­ben, son­dern wir schul­den unse­ren Her­ren auch Gehor­sam. Die Knecht­schaft Got­tes hat aber nichts mit Furcht zu tun! Das Gesetz der Knecht­schaft, das mit dem Todes­ur­teil droht, ist nicht den Gerech­ten, son­dern den Unge­rech­ten gege­ben (1Tim 1,9–10)! Der Geist der Knecht­schaft kann aber auch dann ent­ste­hen, wenn wir ver­su­chen, die For­de­run­gen des Geset­zes aus eige­ner Kraft zu erfül­len.

61 Die­ser Geist ist jedoch nicht der Geist der Welt, son­dern der Geist Chris­ti. Die­ser führt zum Ein­klang mit Got­tes Wil­len und ver­treibt die Furcht (2.Tim 1,7; 1Joh 3, 23; 4,18).

16 Der Geist selbst bezeugt62<zusam­men> mit unse­rem Geist, dass wir Kin­der Got­tes sind.

62 Die­se Zeug­nis zeigt sich auch in der Tat und nicht nur im Wort (Röm 2,13; Jak 1,22; 1Joh 2,3.4;5,2).

17 Wenn aber Kin­der, so auch Erben, Erben Got­tes und Mit­er­ben Chris­ti, wenn wir wirk­lich mit­lei­den, damit wir auch mit­ver­herr­licht wer­den.63

63 Gott möch­te uns beschen­ken, obgleich wir auch zu lei­den haben (Ver­fol­gung, Ver­leum­dung aber auch der Kampf mit der Sün­de). Wer jedoch die­ses über­win­det, der wird alles erben (Offb 21,7).

Zusammenfassung

Pau­lus schreibt, dass sich unse­re Bezie­hung zu Gott grund­le­gend geän­dert hat, denn wir haben einen “neu­en Mann” gehei­ra­tet und sind nun sei­nem Gesetz unter­tan, dem wir in einem neu­en Geist und mit einer neu­en Gesin­nung die­nen (Röm 7, 2–6). Das Todes­ur­teil des Geset­zes des “alten Man­nes” brau­chen wir nicht mehr zu fürch­ten, da wir (mit Jesus) gestor­ben sind und (durch den Geist) auf­er­weckt wur­den, Gott mit einem Leben der Gerech­tig­keit zu die­nen. In die­sem neu­en Leben ist Jesus unser Mitt­ler und Für­spre­cher (1Joh 2, 1–6).

Das Gesetz Got­tes dient uns dabei als Spie­gel, in dem wir unse­re Feh­ler erken­nen kön­nen. Es bleibt hei­lig und gut (Röm 7, 12). Zwar sind wir von dem Urteil des Geset­zes frei­ge­spro­chen wor­den, da wir gestor­ben sind, aber dies soll uns kein Anlass sein, zu sün­di­gen oder in der Sün­de zu ver­wei­len (sie­he Anmer­kung 46). Dar­aus kann man fol­gern, dass das Gesetz des neu­en Man­nes und das Gesetz des alten Man­nes den glei­chen Grund­sät­zen fol­gen, denn wür­de das neue Gesetz die alten Sün­den nicht als Sün­de bezeich­nen, so wäre Pau­lus’ For­de­rung, im neu­en Leben nicht län­ger in der Sün­de zu ver­wei­len, sinn­los. Vom neu­en Bund heißt es: “Denn das ist der Bund, den ich schlie­ßen will mit dem Haus Isra­el nach die­sen Tagen, spricht der Herr: Ich will mein Gesetz geben in ihren Sinn, und in ihr Herz will ich es schrei­ben und will ihr Gott sein, und sie sol­len mein Volk sein.” (Hebr 8, 10)

Zwar schreibt Pau­lus, dass wir “vom Gesetz frei gemacht” wur­den, aber dies ist nicht so zu ver­ste­hen, dass wir nun gesetz­los sind, wie der Kon­text von Römer 7 und 8, aber auch Hebr 8, 10) zeigt. Die bei­den Kapi­tel des Römer­brie­fes erör­tern nicht die Fra­ge, was Got­tes Wil­le (was Sün­de) ist, son­dern zei­gen, dass der Mensch ohne Jesus, ohne den „neu­en Mann” ver­lo­ren ist, da er selbst fleisch­lich ist, Got­tes Gesetz nicht von sich aus hal­ten kann, und somit vor Gott als Sün­der steht. Römer 8 zeigt uns den Weg, den wir gehen müs­sen, um vor Gott bestehen zu kön­nen: Es ist das Eins­sein mit Jesus.


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