Verteidigung der Ergebnisse 2

Auch gegen die Aus­le­gung, dass die Uner­lös­ten am Ende auf­hö­ren zu exis­tie­ren, wer­den diver­se Bibel­stel­len als Ein­wän­de vor­ge­tra­gen. In die­sem Abschnitt sol­len die typi­schen Ein­wän­de dis­ku­tiert wer­den.

Antwort auf typische Einwände

Die unsterbliche Seele des Menschen (Mt 10,28)

Und fürch­tet euch nicht vor denen, die den Leib töten, doch die See­le nicht töten kön­nen; fürch­tet euch aber viel mehr vor dem, der Leib und See­le ver­der­ben kann in der Höl­le.” (Mt 10,28)

Anhand die­ser Bibel­stel­le ver­su­chen vie­le, die Exis­tenz einer unsterb­li­chen See­le zu bewei­sen, die von sich aus unsterb­lich, d. h. unzer­stör­bar ist. Wenn die See­le unsterb­lich sei, dann “lebt” sie auch in der Höl­le ewig wei­ter. Damit hät­te man bewie­sen, dass Men­schen ewig in der Höl­le lei­den wür­den.

Die Argu­men­ta­ti­on wirkt an meh­re­ren Stel­len unvoll­stän­dig und teil­wei­se zir­ku­lär (d. h. aus A folgt B und aus B folgt A. Ein Bei­spiel: Man ver­sucht etwas zu bewei­sen, indem man das, was man bewei­sen will, als (Teil-)Beweis ver­wen­det).

Im Inter­net fin­det man fol­gen­de Argu­men­ta­ti­on zur Unsterb­lich­keit:

Unser Herr hat gesagt: “Fürch­tet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die See­le aber nicht zu töten ver­mö­gen” (Mat­thä­us 10, 28). Er gebraucht hier ein Wort, das mit Nach­druck bedeu­tet “etwas ganz und gar töten”. Ein schwa­cher Mensch mag also den Kör­per eines ande­ren umbrin­gen, aber die See­le ist unsterb­lich und ent­zieht sich ihm. Doch der Herr hat hin­zu­ge­fügt: “Fürch­tet aber viel­mehr den, der sowohl See­le als Leib zu ver­der­ben ver­mag in der Höl­le.” Hier wech­selt Er den Aus­druck und benutzt ein Wort, das bedeu­tet “etwas hin­sicht­lich des Zwecks, für den es exis­tiert, ver­der­ben oder rui­nie­ren”. Das­sel­be Wort wird in Johan­nes 3, 16 mit “ver­lo­ren­ge­hen” über­setzt und bezeich­net in Mat­thä­us 9, 17 das Ver­der­ben der Schläu­che. Wir fin­den es auch in Mat­thä­us 27, 20, wo die Füh­rer das Volk über­re­den, um den Bar­ab­bas zu bit­ten, Jesus aber umzu­brin­gen. Das alles beweist klar, dass “Ver­der­ben” nicht tota­le Ver­nich­tung bedeu­tet.

Der gan­ze Vers zeigt uns ers­tens, dass die See­le nicht wie der Kör­per sterb­lich ist, und zwei­tens, dass Gott in der Höl­le nicht ver­nich­ten, son­dern den gan­zen Men­schen – See­le und Leib – ver­der­ben wird.

Die See­le ist also unsterb­lich, denn der Mensch besitzt sie in Ver­bin­dung mit dem Geist, den er, wie 1. Mose 2, 7 berich­tet, durch Got­tes Ein­hau­chen emp­fan­gen hat. Indem er so “eine leben­di­ge See­le” wur­de, ist er nicht wie die Tie­re, die ver­ge­hen.

Der Text ist ver­mut­lich eine Über­set­zung aus Text dem Werk “Future Punish­ment: Its Cha­rac­ter and Dura­ti­on” von F. B. Hole, erschie­nen in “Foun­da­ti­ons of the Faith” im Ver­lag Cen­tral Bible Ham­mond Trust, Woo­ler, Nor­th­um­ber­land, NE71 6SP Gre­at Bri­tain – auch online ver­füg­bar.

Das frag­li­che Wort hier lau­tet apokté­i­no und ist eine Wort­ket­te von apo und kté­i­no und bedeu­tet wört­lich “voll­ends-ver­wun­den”, also töten. In den Wör­ter­bü­chern wird es daher mit “jeman­den auf die eine oder ande­re Wei­se töten”, “umbrin­gen”, “zer­stö­ren”, “umkom­men”, “jeman­den schlach­ten”, “abtö­ten”, etc. über­setzt. Die übli­che Über­set­zung lau­tet “töten” und tritt im NT 71-mal auf. Die Ver­wen­dung die­ses Wor­tes impli­ziert kei­ne Bedeu­tung, die über das Wort “töten” hin­aus­geht.

Die Argu­men­ta­ti­on wird wie folgt fort­ge­setzt:

Ein schwa­cher Mensch mag also den Kör­per eines ande­ren umbrin­gen, aber die See­le ist unsterb­lich und ent­zieht sich ihm.

Die Aus­sa­ge ist nur teil­wei­se rich­tig. Es stimmt, dass ein Mensch nur den Kör­per eines ande­ren Men­schen töten kann, d. h. er kann sei­ne irdi­sche Exis­tenz been­den. Liegt dies aber dar­an, dass die “See­le” unsterb­lich ist, oder liegt es dar­an, dass Gott und nicht der Mensch über das ewi­ge Schick­sal der Men­schen ent­schei­det?

Jesus hat sei­nen Nach­fol­gern gesagt, dass sie ver­folgt und auch getö­tet wer­den (Mt 23,34; Lk 11,49). Eben weil die Nach­fol­ge sehr hart sein kann, fin­den sich auch trös­ten­de Wor­te in der Bibel. Unmit­tel­bar nach Jesu Wor­ten in Mt 10,28 folgt eine Ermu­ti­gung (Mt 10,29–31) aber auch die Auf­for­de­rung, sich stets zu Jesus zu beken­nen. In die­sem Kon­text steht der gan­ze Abschnitt: Fürch­tet euch nicht vor den Men­schen, denn sie kön­nen nur den Kör­per töten.

Aus Mt 10,28 folgt nicht zwin­gend, dass Men­schen eine unsterb­li­che See­le besit­zen.

Vie­le Chris­ten, die von der Leh­re der ewi­gen Qual aus­ge­hen, ver­ste­hen Mt 10,28 lei­der pri­mär als War­nung an die Men­schen und nicht als Trost­wort. So auch M. Basi­lea Schlink in ihrem Werk Him­mel, Höl­le, Wirk­lich­kei­ten (Evan­ge­li­sche Mari­en­schwes­tern­schaft, Darm­stadt):

“…Fürch­tet euch aber vor dem, der Macht hat, Leib und See­le zu ver­dam­men in die Höl­le, näm­lich vor dem hei­li­gen Gott. Wer die­se Furcht noch nicht hat, muss sie sich erbit­ten.” ­

Die­se Deu­tung lässt sich m. E. durch Kon­text und Wort­laut nicht stüt­zen. Sie bil­det zudem einen frap­pie­ren­den Gegen­satz zu Johan­nes’ Wor­ten in 1Joh 4,18: “Furcht ist nicht in der Lie­be, son­dern die voll­kom­me­ne Lie­be treibt die Furcht aus; denn die Furcht rech­net mit Stra­fe. Wer sich aber fürch­tet, der ist nicht voll­kom­men in der Lie­be.

Jesus sagt wenig spä­ter: “Wer sein Leben ver­liert um mei­net­wil­len, der wird es fin­den!” (Mt 10,39). – An die­ser Stel­le wird für Leben im Grund­text das glei­che Wort benutzt, wel­ches in Mt 10,28 als See­le über­setzt wur­de, näm­lich psy­che. – Heu­te sagen wir Psy­che, und mei­nen damit die See­le, die Iden­ti­tät, die Per­sön­lich­keit, den Cha­rak­ter, den Men­schen an sich:

Lk 9,25 lesen wir: “Denn wel­chen Nut­zen hät­te der Mensch, wenn er die gan­ze Welt gewön­ne und ver­lö­re sich selbst (psy­che) oder näh­me Scha­den an sich selbst (psy­che)?

Das grie­chi­sche Wort bedeu­tet eigent­lich “Atem”, “Hauch”, “Leben(skraft)”, “Sitz der Gefüh­le”, usw. und ent­spricht dem hebräi­schen nephe­sh. Das Wort “See­le” wird auch für die Beschrei­bung des gan­zen Men­schen ver­wen­det (sie­he Eine unsterb­li­che See­le?).

Hier in Mt 10,28 wer­den “See­le” und Kör­per (soma) getrennt von­ein­an­der erwähnt. Muss das nicht bedeu­ten, dass hier mit See­le (psy­che) etwas Geist­li­ches gemeint ist und sie daher unzer­stör­bar ist?

Ant­wort: Die­se Annah­me fin­det in der Bibel kei­ne Grund­la­ge. Ers­tens: Auch wenn hier Seele/psyche etwas bezeich­nen soll­te, das nicht-mate­ri­ell ist, macht sie das nicht auto­ma­tisch unzer­stör­bar. Engel sind geist­li­che Wesen, den­noch spricht die Bibel davon, dass Engel ver­nich­tet wer­den können.Das ergibt sich zumin­dest, wenn man Ps 82,6–7 und Hes 28,18–19 auf Engel bzw. (typo­lo­gisch) auf den Widersacher/Satan – tra­di­tio­nell ‘Luzi­fer’ aus Jes 14,12 – deu­tet. Die­se Aus­le­gung fin­det sich in Tei­len der patris­ti­schen Tra­di­ti­on (Kir­chen­vä­ter) und bei spä­te­ren Aus­le­gern wie C. I. Sco­field, John Mac­Ar­thur und Glea­son Archer. (Vie­le Exege­ten sehen den Pri­mär­sinn wei­ter­hin im his­to­ri­schen König von Tyrus, wäh­rend ande­re argu­men­tie­ren, dass ein­zel­ne beschrie­be­ne Merk­ma­le schwer aus­schließ­lich auf einen mensch­li­chen Herr­scher zu bezie­hen sind.) Zwei­tens: Die Bibel lehrt expli­zit, dass See­len ster­ben kön­nen (Hes 18,4.20). Drit­tens: Nur Gott besitzt Unsterb­lich­keit als Wesens­merk­mal (1Tim 6,16) – Der Text ist hier sehr klar for­mu­liert und abso­lut for­mu­liert. Alle ande­ren Wesen, ob kör­per­lich oder geist­lich, exis­tie­ren nur, weil und solan­ge Gott sie erhält.

Hal­ten wir die Aus­sa­ge in Mt 10,28a fest: Ein Mensch kann nur den Kör­per eines ande­ren töten – mehr nicht. Der Autor fährt fort mit:

Doch der Herr hat hin­zu­ge­fügt: “Fürch­tet aber viel­mehr den, der sowohl See­le als Leib zu ver­der­ben ver­mag in der Höl­le.” Hier wech­selt Er den Aus­druck und benutzt ein Wort, das bedeu­tet “etwas hin­sicht­lich des Zwecks, für den es exis­tiert, ver­der­ben oder rui­nie­ren”. Das­sel­be Wort wird in Johan­nes 3, 16 mit “ver­lo­ren­ge­hen” über­setzt und bezeich­net in Mat­thä­us 9, 17 das Ver­der­ben der Schläu­che. Wir fin­den es auch in Mat­thä­us 27, 20, wo die Füh­rer das Volk über­re­den, um den Bar­ab­bas zu bit­ten, Jesus aber umzu­brin­gen. Das alles beweist klar, dass “Ver­der­ben” nicht tota­le Ver­nich­tung bedeu­tet.

Im zwei­ten Teil wird wei­ter argu­men­tiert: Fürch­te nicht die Men­schen – fürch­tet viel­mehr Gott, denn er kann mehr als die Men­schen. Er kann den gan­zen Men­schen (die See­le) “in der Höl­le ver­der­ben”.

Die The­se von Hole ist also, dass die See­le unsterb­lich sei, weil apol­ly­mi nur “ver­der­ben oder rui­nie­ren” bedeu­ten wür­de und nicht töten, wie “apokt­ei­no” und auf kei­nen Fall “ver­nich­ten”.

Wie­der­le­gung

Der Aus­le­ger gibt rich­tig an, dass das Wort apol­ly­mi mit ver­der­ben, etwas ver­lie­ren, ver­lo­ren gehen (vgl. Lk 15) oder ein­bü­ßen über­setzt wer­den kann. Auch “umbrin­gen” führt der Autor an, wor­auf ich gleich zu spre­chen kom­me. Gän­gi­ge NT‑Lexika ver­zeich­nen für apol­ly­mi u. a.: “(völ­lig) zer­stö­ren, ver­nich­ten; zunich­te machen, ins Ver­der­ben stür­zen, rui­nie­ren, töten, ein Ende machen”. Der Autor berück­sich­tigt wei­te­re Bedeu­tun­gen von apol­ly­mi nicht. War­um nicht?

Auch in der LXX wird apol­ly­mi für ‘ver­nich­ten’ und ‘zer­stö­ren’ ver­wen­det, so etwa in:

  • Jer 18,7: ‘ein Volk aus­zu­rei­ßen und zu ver­nich­ten
  • Jer 23,1: ‘die die Her­de mei­ner Wei­de ver­nich­ten
  • 5Mo 8,20: ‘Wie die Hei­den­völ­ker, die der HERR ver­nich­tet
  • Hiob 9,22: ‘Es ist eins; dar­um spre­che ich: Er ver­nich­tet From­me und Gott­lo­se’
  • Hiob 12,23: ‘Er macht Völ­ker groß und ver­nich­tet sie’

Die­se Bele­ge zei­gen ein­deu­tig: apol­ly­mi kann und wird auch für eine abso­lu­te Ver­nich­tung ver­wen­det, nicht nur für ‚Ver­der­ben im Sin­ne von Rui­nie­rung‘. Die Ver­wen­dung zwei­er ver­schie­de­ner Wör­ter (z. B. apokté­i­no und apol­ly­mi ) muss nicht unbe­dingt bedeu­ten, dass hier zwei völ­lig unter­schied­li­che Din­ge gemeint sind. Bei­de kön­nen in zahl­rei­chen Kon­tex­ten mit ‘töten/umbringen’ wie­der­ge­ge­ben wer­den.

Eben­so zeu­gen fol­gen­de Bibel­stel­len aus dem NT davon, dass mit apol­ly­mi bzw. mit des­sen gram­ma­ti­ka­li­schen Vari­an­ten auch “umbrin­gen” bzw. “töten” im eigent­li­chen Sin­ne gemeint sein kann und nicht auto­ma­tisch „rui­nie­ren“ bedeu­tet:

  • Mt 2,13: “… denn Hero­des hat vor, das Kind­lein zu suchen, um es umzu­brin­gen.”
  • Mt 12,14: “Da gin­gen die Pha­ri­sä­er hin­aus und hiel­ten Rat über ihn, dass sie ihn umbräch­ten.”
  • 1 Kor 10,9–10; “… Murrt auch nicht, wie etli­che von ihnen murr­ten und wur­den umge­bracht durch den Ver­der­ber.”
  • Lk 17,27: “… bis zu dem Tag, an dem Noah in die Arche ging und die Sint­flut kam und brach­te sie alle um.”
  • 2Pet 3,6: “dadurch wur­de damals die Welt in der Sint­flut ver­nich­tet (apō­le­to).”

Beson­ders das zwei­te Wort, das angeb­lich auf kei­nen Fall “tota­le Ver­nich­tung” bedeu­ten kann, wird in der Bibel gera­de als Gegen­satz zur Unver­gäng­lich­keit ver­wen­det:

damit euer Glau­be als echt und viel kost­ba­rer befun­den wer­de als das ver­gäng­li­che [apol­ly­mi ]Gold, das durchs Feu­er geläu­tert wird, zu Lob, Preis und Ehre, wenn offen­bart wird Jesus Chris­tus.” (1Petr 1,7)

Sie wer­den ver­ge­hen [apol­ly­mi ], du aber bleibst. Sie wer­den alle ver­al­ten wie ein Gewand” (Hebr 1,11)

Davon abge­se­hen steht in Mt 10,28 nicht die Bedeu­tung von “ver­der­ben” im Vor­der­grund. Die Par­al­lel­stel­le bei Lukas lau­tet (nach Elber­fel­der):

Ich sage aber euch, mei­nen Freun­den: Fürch­tet euch nicht vor denen, die den Leib töten und nach die­sen nichts wei­ter zu tun ver­mö­gen! Ich will euch aber sagen, wen ihr fürch­ten sollt: Fürch­tet den, der nach dem Töten Macht hat, in die Höl­le zu wer­fen; ja, sage ich euch, die­sen fürch­tet!” (Lk 12,4–5)

Hier ist von “ver­der­ben” gar nicht mehr die Rede. Viel­mehr wird auch hier der Kon­trast zwi­schen den beschränk­ten Mög­lich­kei­ten der Men­schen und der Macht Got­tes gezeigt. Gott allein ent­schei­det über das ewi­ge Schick­sal sei­ner Geschöp­fe. Jesus sagt in der Offen­ba­rung von sich:

Ich war tot, und sie­he, ich bin leben­dig von Ewig­keit zu Ewig­keit und habe die Schlüs­sel des Todes und der Höl­le.” (Offb 1, 18)

Wie kommt der Autor zu der Ansicht, dass das alles klar beweist, dass “Ver­der­ben” nicht tota­le Ver­nich­tung bedeu­tet? Die Argu­men­ta­ti­on ist zir­ku­lär: Weil der Mensch eine unsterb­li­che See­le habe, bedeu­te “ver­der­ben”, “umbrin­gen”, “töten”, usw. nicht “Ver­nich­tung” oder “rich­tig umbrin­gen”. Da nun die See­le auch in der Höl­le nur ver­dor­ben und nicht ver­nich­tet wer­den kön­ne, sei sie unsterb­lich.

Die­se feh­ler­haf­te Argu­men­ta­ti­on fin­det man auch in neue­ren Ver­öf­fent­li­chun­gen, wie z. B. in “Und die Toten leben doch” von Hans-Jörg Ronsdorf – erschie­nen bei CLV. Hier heißt es auf S. 205:

Wenn der Mensch wirk­lich ver­nich­tet wird, wie kann dann der Rauch sei­ner Qual und Pein von Ewig­keit zu Ewig­keit auf­stei­gen (Offb 14,11; 20,10)? Wofür gibt es die Stra­fe des ewi­gen Feu­ers, wenn es nie­man­den mehr gibt, für den die­ses Feu­er »brennt« (Jud 7)? War­um ist das Feu­er des Gerichts unaus­lösch­lich (Mk 9,43)? Die­se Schrift­wor­te machen deut­lich, dass Ver­der­ben nicht die Bedeu­tung von Ver­nich­tung haben kann.”

Ronsdrof hat eine bestimm­te Auf­fas­sung bzgl. der genann­ten Bibel­stel­len, über die man treff­lich strei­ten kann. Apol­ly­mi darf nicht “ver­nich­ten” hei­ßen, weil dann die eige­ne Aus­le­gung von Jud 7 usw. kei­nen Sinn macht. Also wird der Mensch “ver­dor­ben” und auf kei­nen Fall völ­lig aus­ge­löscht. So wird die eige­ne Aus­le­gung von Mt 10, 28 und der übri­gen Bibel­stel­len gestützt und die ande­re Aus­le­gung ver­wor­fen. Der Gedan­ken­gang wirkt hier von der Aus­gangs­the­se her gesteu­ert.

Wenn Hole und ande­re nicht ver­su­chen wür­den, das, was sie bewei­sen möch­ten, durch das zu bewei­sen, was eigent­lich noch zu bewei­sen ist, dann wür­de ihnen wohl auch auf­fal­len, dass apol­ly­mi auch “töten” und “ver­nich­ten” hei­ßen kann. Gott kann – im Gegen­satz zum Men­schen – den gan­zen Men­schen (= See­le) in der “Höl­le” ver­nich­ten, töten, etc., gleich wie ein Mensch einen ande­ren Men­schen ganz umbrin­gen kann. Fer­ner kann man fra­gen: Im Rah­men gött­li­cher All­macht (1Mo 17,1; Offb 21,22) wäre auch die Ver­nich­tung imma­te­ri­el­ler Wesen denk­bar. Beach­te dazu:

“Sie­he, alle See­len gehö­ren mir; wie die See­le des Vaters, so auch die See­le des Soh­nes. Sie gehö­ren mir. Die See­le, die sün­digt, sie ⟨allein⟩ soll ster­ben.” (Hes 18,4 (Elber­fel­der))

Der Autor schluss­fol­gert:

Der gan­ze Vers zeigt uns ers­tens, dass die See­le nicht wie der Kör­per sterb­lich ist, und zwei­tens, dass Gott in der Höl­le nicht ver­nich­ten, son­dern den gan­zen Men­schen – See­le und Leib – ver­der­ben wird.

Die­ser Deu­tung wird im Vers klar wider­spro­chen. Es zeigt sich viel­mehr, dass Gott mehr kann als die Men­schen. Er kann ihn voll und ganz “apol­ly­mi “, ver­der­ben, ver­ge­hen las­sen, ver­nich­ten. Auch die anschlie­ßen­de Argu­men­ta­ti­on von Hole ist man­gel­haft:

Die See­le ist also unsterb­lich, denn der Mensch besitzt sie in Ver­bin­dung mit dem Geist, den er, wie 1. Mose 2,7 berich­tet, durch Got­tes Ein­hau­chen emp­fan­gen hat. Indem er so “eine leben­di­ge See­le” wur­de, ist er nicht wie die Tie­re, die ver­ge­hen.

Im ange­ge­be­nen Vers steht:

Da bil­de­te Gott, der HERR, den Men­schen, aus Staub vom Erd­bo­den und hauch­te in sei­ne Nase Atem des Lebens; so wur­de der Mensch eine leben­de See­le.” (1Mo 2,7, ELB)

In die­sem Vers wird gesagt, dass der Mensch aus Erde und dem ein­ge­bla­se­nen Odem zu einer leben­di­gen See­le wur­de. Hier wird nichts über “den Geist” oder die Tie­re aus­ge­sagt. Will man dar­über etwas sagen, so muss man ande­re Bibel­stel­len betrach­ten. Dort erfährt man z. B., dass der Mensch ohne gött­li­chen Odem wie­der zu Staub wird (Ps 104,29). Man kann sogar die obi­ge Aus­sa­ge direkt wider­le­gen, denn es steht geschrie­ben:

Denn es geht dem Men­schen wie dem Vieh: wie dies stirbt, so stirbt auch er, und sie haben alle einen Odem, und der Mensch hat nichts vor­aus vor dem Vieh; denn es ist alles eitel.” (Pred 3,19)

Die­se ist nicht die ein­zi­ge Bibel­stel­le, die nahe­legt, dass der Mensch von Natur aus sterb­lich ist. Liest man die Bibel auf­merk­sam, so erkennt man, dass der Mensch nicht von sich aus lebt, son­dern durch Gott bzw. durch Got­tes Wer­ke. Schon auf den ers­ten Sei­ten der Bibel wird gesagt, dass der Mensch (nach der Sün­de) durch den Baum des Lebens ewig leben kön­ne:

Und Gott, der HERR, sprach: Sie­he, der Mensch ist gewor­den wie einer von uns, zu erken­nen Gutes und Böses. Und nun, dass er nicht etwa sei­ne Hand aus­stre­cke und auch noch von dem Baum des Lebens neh­me und esse und ewig lebe!” (1Mo 3,22)

Um die­ses den gefal­le­nen Men­schen zu ver­weh­ren, ver­trieb ihn Gott aus dem Gar­ten Eden und ließ den Weg zum Baum des Lebens von Engeln bewa­chen (1Mo 3,24). Wozu, wenn der Mensch von sich aus unsterb­lich wäre? Das ergibt kei­nen Sinn!

Ergeb­nis:

Mt 10,28 lehrt nicht die Exis­tenz einer unsterb­li­chen See­le, die ewig in der Höl­le lei­den wür­de. Viel­mehr zeigt der Vers:

  1. Kon­tex­tu­ell: Es ist ein Trost­wort für ver­folg­te Jün­ger, kei­ne Höl­len­leh­re
  2. Sprach­lich:apol­ly­mi ’ kann und bedeu­tet oft ‘ver­nich­ten’ (1Petr 1,7; Hebr 1,11; LXX)
  3. Theo­lo­gisch: Nur Gott ist unsterb­lich (1Tim 6,16), nicht der Mensch
  4. Biblisch kon­sis­tent: Der Mensch wur­de vom Baum des Lebens fern­ge­hal­ten (1Mo 3,22–24), also ist er sterb­lich

Die Leh­re von der tota­len Ver­nich­tung erklärt Mt 10,28 wider­spruchs­frei: Men­schen kön­nen nur den Kör­per töten; Gott kann den gan­zen Men­schen (Leib und See­le) in der Gehen­na völ­lig ver­nich­ten – ein end­gül­ti­ger, irrever­si­bler Tod.”


Apologetik kompakt: Zwei auf einen Streich? (Joh 3,36)

Genau­so man­gel­haft wie die obi­ge Aus­le­gung sind die Ver­su­che, die hier ange­bo­te­ne Aus­le­gung zu wider­le­gen. Statt Argu­men­ten wer­den rhe­to­ri­sche Mit­tel zur Unter­stüt­zung des eige­nen Stand­punk­tes und zur Herab­spie­lung ande­rer Stand­punk­te ver­wen­det. So lesen wir (online):

Trotz allen Scharf­sinns, der dafür ver­wandt und ver­schwen­det wor­den ist, hat man sich doch immer nur zwei Alter­na­ti­ven für die ewi­ge Ver­damm­nis vor­stel­len kön­nen. Die ers­te lau­tet, daß auf die eine oder ande­re Wei­se schließ­lich doch alle geret­tet wür­den; die­se Leh­re ist als „Uni­ver­sa­lis­mus“ oder „All­ver­söh­nungs­leh­re“ bekannt. Die ande­re behaup­tet, daß der Mensch von Natur gera­de so ster­be wie die Tie­re, die ver­ge­hen, und daß unend­li­ches Sein und ewi­ge Exis­tenz nur die hät­ten, die von neu­em gebo­ren und in Chris­tus sei­en; die­se Leh­re ist bekannt als „Anni­hi­la­tio­nis­mus“ oder „Ver­nich­tungs­leh­re“ oder als die Leh­re von der „beding­ten Unsterb­lich­keit“.

Es ist bedau­er­lich, dass der Ver­fas­ser die unter­schied­li­chen Leh­ren nicht klar von­ein­an­der abgren­zen kann. Wir lesen wei­ter:

Nun macht schon ein Vers der Schrift – Johan­nes 3, 36 – bei­de Theo­rien zunich­te: „Wer dem Sohn nicht glaubt, wird das Leben nicht sehen.“ Die All­ver­söh­ner mei­nen, daß auch die Ungläu­bi­gen letzt­lich, wie ent­fernt die­ser Zeit­punkt auch sein mag, doch das Leben sehen wer­den. Der Herr Jesus erklärt, daß sie es nicht sehen wer­den, und fügt hin­zu:“ son­dern der Zorn Got­tes bleibt auf ihm.“ Nach der Ver­nich­tungs­leh­re haben die Ungläu­bi­gen dann auf­ge­hört zu bestehen, danach gäbe es nichts, wor­auf der Zorn Got­tes blei­ben kön­ne. Nach dem Wort des Herrn wer­den sie aber noch exis­tie­ren, und der Zorn wird auf ihnen blei­ben, ohne die gerings­te Hoff­nung auf ein Ende die­ses Zustands.

Die Argu­men­ta­ti­on wirkt auf den ers­ten Blick bestechend ele­gant: Ein ein­zi­ger Vers wider­legt angeb­lich zwei gegen­sätz­li­che „Irr­leh­ren“. Doch genau die­se Ele­ganz soll­te uns vor­sich­tig machen. Kom­ple­xe theo­lo­gi­sche Fra­gen las­sen sich sel­ten mit einem ein­zi­gen Vers ‘erle­di­gen’ – wie wir gleich sehen wer­den.

Das gilt auch für die Leh­re der ewi­gen Qual (im Fol­gen­den LdeQ): Sie lässt sich nicht mit einem ein­zi­gen Vers bewei­sen, son­dern erfor­dert eine umfas­sen­de Exege­se vie­ler Bibel­stel­len. Andern­falls hät­te man die­se gan­ze Aus­füh­rung auf weni­ge Ver­se kom­pri­mie­ren kön­nen:

„Gott allein ist unsterb­lich (1Tim 6,15.16) und die Höl­le wird nicht ewig­lich bren­nen, da die Bösen zu Asche und Staub wer­den (Mal 3,19–21) und da es auf der neu­en Erde kein Leid und Schmerz geben wird (Offb 21,1f). – Damit wäre alles gesagt! Fer­tig!“

Wer also mit einem ein­zi­gen Vers alle ande­ren Aus­le­gun­gen wider­le­gen will, ver­ein­facht unzu­läs­sig.

Was bedeu­tet „der Zorn Got­tes“?

Bevor wir die Argu­men­ta­ti­on bewer­ten, müs­sen wir klä­ren: Was ist der „Zorn Got­tes“ biblisch? Was wis­sen wir aus der Bibel über „Got­tes Gerech­tig­keit“? Das sind wich­ti­ge Fra­gen, die bereits in den Exkur­sen „Zorn Got­tes“ und „Gerech­tig­keit Got­tes“ geklärt wor­den sind.

Es zeigt sich in der Schrift, dass Got­tes Zorn nicht pri­mär eine Emo­ti­on ist, son­dern stets mit einem Ziel ver­bun­den ist – oft, um den Sün­der oder gar ein gan­zes Volk wie­der zurück auf den rech­ten Pfad zu füh­ren. Wo die­ses nicht mehr mög­lich war, droh­te jedoch auch die Ver­nich­tung, um die übri­gen Men­schen zu schüt­zen. Ent­schei­dend für uns ist: Führt die­ser Zorn am Ende der Zeit zur ewi­gen Qual oder zur end­gül­ti­gen Ver­nich­tung? Ohne die gan­zen Aus­füh­run­gen aus den ers­ten bei­den Tei­len zu wie­der­ho­len, sei­en exem­pla­risch zwei Bibel­ver­se genannt:

  • Ps 37,20: „Die Gott­lo­sen ver­ge­hen, und die Fein­de des HERRN sind wie die Pracht der Auen; sie ver­schwin­den, wie Rauch ver­schwin­den sie– Ein kla­res Bild für völ­li­ge Ver­nich­tung.
  • Nah 1,2–6: „Der HERR ist ein eifern­der Gott und ein Rächer… Sein Grimm brennt wie Feu­er, und Fel­sen zer­sprin­gen vor ihm. Wer kann vor sei­nem Grimm bestehen?“ Die Ant­wort: Nie­mand – sie wer­den ver­nich­tet.

Der Zorn Got­tes ist also die gerech­te Ver­ur­tei­lung, die zur Ver­nich­tung füh­ren kannnicht ein ewi­ger Pro­zess des Quä­lens.

Der Kon­text von Johan­nes 3,36 wider­spricht der Inter­pre­ta­ti­on der ewi­gen Qual. Betrach­ten wir den unmit­tel­ba­ren Zusam­men­hang:

Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er sei­nen ein­ge­bo­re­nen Sohn gab, auf dass jeder, der an ihn glaubt, nicht ver­lo­ren gehe [apol­ly­mi - ἀπόλλυμι], son­dern ewi­ges Leben habe.“ (Johan­nes 3,16)

Der Gegen­satz ist „ver­lo­ren gehen/vernichtet wer­den“ vs. „ewi­ges Leben“. Es ist zu beach­ten, dass der Tod der Gegen­satz vom Leben ist. Der Gegen­satz vom ewi­gen Leben ist der ewi­ge Tod – nicht ein ewi­ges Wei­ter­le­ben in einer feu­ri­gen Höl­le unter unend­li­chen Qua­len.

Denn Gott hat sei­nen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt rich­te, son­dern dass die Welt durch ihn geret­tet wer­de. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerich­tet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerich­tet, weil er nicht an den Namen des ein­ge­bo­re­nen Soh­nes Got­tes geglaubt hat.“ (Johan­nes 3,17–18)

Der Unglau­be führt dazu, dass das Todes­ur­teil bereits gefällt ist, noch nicht voll­streckt.

Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewi­ge Leben. Wer aber dem Sohn nicht gehor­sam ist, der wird das Leben nicht sehen, son­dern der Zorn Got­tes bleibt auf ihm.“ (Johan­nes 3,36)

Der Zustand der Ver­ur­tei­lung bleibt bestehen. Johan­nes ver­wen­det hier eine kla­re Par­al­lel­struk­tur:

  • Glau­ben → ewi­ges Leben
  • Nicht glau­benapol­ly­mi (ver­lo­ren gehen, ver­nich­tet wer­den, Joh 3,16)
  • Nicht glau­ben → „das Leben nicht sehen“ + „Zorn bleibt“ (Joh 3,36)

Bei­de Aus­sa­gen beschrei­ben das­sel­be Schick­sal: Die end­gül­ti­ge Ver­nich­tung, das Gegen­teil des ewi­gen Lebens.

Was bedeu­tet „der Zorn bleibt auf ihm“?

Das grie­chi­sche Wort für „bleibt“ ist menō (μένω) und bedeu­tet „blei­ben“, „ver­har­ren“, „ver­wei­len“, „fort­dau­ern“. Es beschreibt nicht not­wen­dig einen ewi­gen Zustand, son­dern einen anhal­ten­den Zustand bis zu einem bestimm­ten Punkt (vgl. Joh 12,46; Joh 15,4; Joh 9,41)

Die Aus­sa­ge „der Zorn bleibt auf ihm“ bedeu­tet also: Der Ungläu­bi­ge ver­harrt im Zustand der Ver­ur­tei­lung. Das Todes­ur­teil (der Zorn Got­tes) ist über ihm gefällt und bleibt bestehen – im Gegen­satz zum Gläu­bi­gen, bei dem das Urteil durch Chris­tus auf­ge­ho­ben wur­de. Wer also umkehrt, der wird geret­tet. Pau­lus schreibt:

So gibt es nun kei­ne Ver­damm­nis für die, die in Chris­tus Jesus sind.“ (Röm 8,1)

Die Tex­te impli­zie­ren also nicht, dass die Per­son ewig exis­tie­ren muss, son­dern dass das Urteil bestehen bleibt, bis es voll­streckt wird – durch den zwei­ten Tod:

Und der Tod und die Höl­le wur­den gewor­fen in den feu­ri­gen Pfuhl. Das ist der zwei­te Tod.“ (Offb 20,14)

Wider­legt Joh 3,36 wirk­lich „bei­de Theo­rien auf einen Streich“?

Die Argu­men­ta­ti­on ist prä­gnant for­mu­liert, über­zeugt exege­tisch jedoch nicht. Prü­fen wir bei­de Tei­le der Dop­pel­wi­der­le­gung:

Gegen den Uni­ver­sa­lis­mus:

  • Die Wider­le­gung funk­tio­niert: „Wer dem Sohn nicht glaubt, wird das Leben nicht sehen.“
    Die Schrift lehrt klar, dass nicht alle geret­tet wer­den. Der Uni­ver­sa­lis­mus wider­spricht die­ser und vie­len ande­ren Aus­sa­gen der Bibel.

Gegen die Ver­nich­tungs­leh­re:

  • Die Wider­le­gung funk­tio­niert nicht, weil sie auf einem Miss­ver­ständ­nis beruht:
    Der Autor setzt vor­aus: „Wenn der Zorn auf jeman­dem bleibt, muss die­se Per­son ewig exis­tie­ren, damit der Zorn auf ihr blei­ben kann.“

Aber wir hat­ten gese­hen, dass es hier um das Todes­ur­teil des Men­schen geht – mehr nicht.

Ana­lo­gie: Wenn ein Rich­ter sagt: „Das Todes­ur­teil bleibt bestehen“, bedeu­tet das nicht, dass der Ver­ur­teil­te ewig in der Todes­zel­le sitzt und ewig hin­ge­rich­tet wird, son­dern dass das Urteil nicht auf­ge­ho­ben wird und voll­streckt wer­den wird.

Die Argu­men­ta­ti­on des Autors ver­wech­selt den Zustand der Ver­ur­tei­lung (der bleibt bis zur Voll­stre­ckung bestehen) mit dem Pro­zess der Bestra­fung (der nicht ewig sein muss).

Ergeb­nis

Die ver­meint­li­che „Dop­pel­wi­der­le­gung“ von Uni­ver­sa­lis­mus und Ver­nich­tungs­leh­re in einem ein­zi­gen Vers über­zeugt exege­tisch nicht.

  1. „Der Zorn bleibt“ bedeu­tet nicht „die Per­son lei­det ewig“, son­dern „das Urteil bleibt bestehen bis zur Voll­stre­ckung“.
  2. Der Kon­text (Joh 3,16) zeigt: Der Gegen­satz ist „ewi­ges Leben“ vs. „apol­ly­mi “ (ver­lo­ren gehen, ver­nich­tet wer­den).
  3. Der bibli­sche Begriff „Zorn Got­tes“ führt gemäß zahl­rei­cher Bibel­stel­len zur Ver­nich­tung (apō­leia), nicht zur ewi­gen Qual.
  4. Die Par­al­lel­struk­tur bei Johan­nes zeigt: Wer nicht glaubt, wird das Leben nicht sehen – er wird ver­nich­tet.
  5. Das grie­chi­sche Wort menō („bleibt“) beschreibt einen fort­be­stehen­den Zustand, nicht not­wen­dig einen ewi­gen Pro­zess.

Joh 3,36 wider­legt den Uni­ver­sa­lis­mus, aber nicht die Ver­nich­tungs­leh­re. Der Vers ist voll­kom­men ver­ein­bar mit der Leh­re, dass der Ungläu­bi­ge unter dem Zorn Got­tes (dem Todes­ur­teil) bleibt, bis die­ses Urteil durch den zwei­ten Tod voll­streckt wird – die end­gül­ti­ge, tota­le Ver­nich­tung.


Antwort auf „Spurgeons Einwand“ (Mt 25,46)

Und die­se wer­den hin­ge­hen zur ewi­gen [aiō­ni­os] Stra­fe [kolas­is], die Gerech­ten aber in das ewi­ge [aiō­ni­os] Leben [zōē].“ (Mt 25,46)

In bei­den Fäl­len steht das Wort aiō­ni­os (αἰώνιος) im Grund­text. Es kann einen unend­li­chen Zeit­raum oder eine end­li­che, aber ste­ti­ge (unun­ter­bro­che­ne) Zeit­span­ne oder etwas fest Beschlos­se­nes oder End­gül­ti­ges beschrei­ben. Als Bei­spie­le wären der „aiō­ni­os“ Gott (Röm 16,26) und die „aiō­ni­os“ Amts­dau­er eini­ger Cäsa­ren zu nen­nen. Die­ses wur­de bereits den vori­gen Tei­len der Aus­ar­bei­tung aus­führ­lich the­ma­ti­siert.

Spur­ge­on argu­men­tier­te theo­lo­gisch für die Gleich­wer­tig­keit von „ewi­gem Leben“ und „ewi­ger Stra­fe“ in Mat­thä­us 25,46. Ver­schie­de­ne moder­ne Aus­le­ger zitie­ren die­se Posi­ti­on als Teil sei­ner Exege­se (vgl. Pre­cept Aus­tin: Matthew 25 Com­men­ta­ry – Spur­ge­on, sie­he hier online). Die­se genaue For­mu­lie­rung fin­det sich jedoch nicht direkt im frei ver­füg­ba­ren Ori­gi­nal­pre­digt­text. Es ist nicht ganz sicher, ob Spur­ge­on wirk­lich so argu­men­tiert hat, aber all­ge­mein wird die­ses Argu­ment Spur­ge­on zuge­schrie­ben:

„Spur­ge­ons Ein­wand“: Das stärks­te Argu­ment für die ewi­ge Qual

Es wird ein­ge­wen­det, dass das glei­che Wort im glei­chen Vers nicht zwei unter­schied­li­che Bedeu­tun­gen haben kön­ne: Wenn die ewi­ge, „aiō­ni­os“, Stra­fe nur end­li­che Zeit(alter) (Äonen) dau­ern wür­de, dann gäl­te das glei­che für das „aiō­ni­os“ Leben der Gerech­ten.

Das voll­stän­di­ges Argu­ment:

Der Lohn der Gerech­ten hält nicht län­ger an als die Stra­fe der Bösen. Bei­des wird von den glei­chen hei­li­gen Lip­pen in dem glei­chen Vers als ‘ewig’ bezeich­net (Mat­th. 25,46). Und wenn die ‘Pein’ nur bestimm­te Äonen dau­ert, dann das ‘Leben’ eben­falls.“

Die­ser Ein­wand ist eines der stärks­ten Argu­men­te für die Leh­re der ewi­gen Qual. Auf den ers­ten Blick erscheint es unwi­der­leg­bar: Wie kann das­sel­be Wort im glei­chen Vers zwei ver­schie­de­ne Bedeu­tun­gen haben? Wenn aiō­ni­os bei „Leben“ „ewig ohne Ende“ bedeu­tet, muss es doch auch bei „Stra­fe“ „ewig ohne Ende“ bedeu­ten!

Erklärung

Die­ser Ein­wand ver­dient eine ernst­haf­te und gründ­li­che Ant­wort. Wir wer­den zei­gen, dass:

  1. Aiō­ni­os kann im glei­chen Satz unter­schied­li­che Bedeu­tun­gen haben (Röm 16,25–27)
  2. „Ewi­ge Stra­fe“ bedeu­tet nicht „ewi­ges Bestra­fen“ (gram­ma­ti­sche Ana­ly­se)
  3. Der bibli­sche Kon­text zeigt: Der Gegen­satz ist „ewi­ges Leben“ vs. „Tod/Vernichtung“
  4. Aiō­ni­os unter­streicht bei „Leben“ und „Stra­fe“ ver­schie­de­ne Aspek­te
  5. Die hier ver­tre­te­ne Aus­le­gung ist kon­sis­tent mit dem Rest der Schrift

1. Aiōnios kann im gleichen Vers verschiedene Bedeutungen haben

Die Prä­mis­se lau­tet: „Bei­des wird von den glei­chen hei­li­gen Lip­pen in dem glei­chen Vers als ‘ewig’ bezeich­net. Wenn die Pein nur bestimm­te Äonen dau­ert, dann das Leben eben­falls.“

Die­se Prä­mis­se ist falsch. Es gibt bibli­sche Bei­spie­le, wo aiō­ni­os im glei­chen Vers unter­schied­li­che Bedeu­tun­gen hat:

Römer 16,25–27

Dem aber, der euch stär­ken kann gemäß mei­nem Evan­ge­li­um und der Pre­digt von Jesus Chris­tus, durch die das Geheim­nis offen­bart ist, das seit ewi­gen[aiō­ni­os] Zei­ten ver­schwie­gen war, nun aber offen­bart und kund­ge­macht ist durch die Schrif­ten der Pro­phe­ten nach dem Befehl des ewi­gen [aiō­ni­os] Got­tes, den Gehor­sam des Glau­bens auf­zu­rich­ten unter allen Hei­den: dem Gott, der allein wei­se ist, sei Ehre durch Jesus Chris­tus in Ewig­keit! Amen.

Ana­ly­se:

Der ewi­ge Gott“: Gott ist ohne Anfang und ohne Ende – aiō­ni­os bedeu­tet hier: unend­lich, ewig im abso­lu­ten Sin­ne (vgl. 1Tim 6,16: „der allein Unsterb­lich­keit hat“).

„Ewi­ge Zei­ten“: Die Zei­ten, in denen das Geheim­nis ver­schwie­gen war, kön­nen NICHT ohne Anfang und Ende sein. War­um?

  • Weil das Geheim­nis „nun offen­bart“ wur­de (Röm 16,26)
  • Wenn die „ewi­gen Zei­ten“ ohne Ende wären, könn­te das Geheim­nis nie­mals offen­bart wer­den
  • Die „ewi­gen Zei­ten“ müs­sen also ein Ende haben

Schluss­fol­ge­rung:

Im glei­chen Vers bezieht sich aiō­ni­os:

  • Beim ewi­gen Gott → auf abso­lu­te Ewig­keit (ohne Anfang und Ende)
  • Bei den „ewi­gen Zei­ten“ → auf eine lan­ge, aber begrenz­te Zeit­span­ne (mit Ende)

Wenn aiō­ni­os im glei­chen Vers bei zwei ver­schie­de­nen Sub­jek­ten unter­schied­li­che Bedeu­tun­gen haben kann (Röm 16,26), war­um soll­te das in Mt 25,46 nicht mög­lich sein?

Die ent­schei­den­de Fra­ge ist nicht, ob aiō­ni­os immer genau das Glei­che bedeu­tet, son­dern was es im jewei­li­gen Kon­text bei jedem spe­zi­fi­schen Sub­jekt bedeu­tet:

  • Bei „ewi­gem Leben“: End­lo­ses, unauf­hör­li­ches Leben mit Gott
  • Bei „ewi­ger Stra­fe“: End­gül­ti­ge, unwi­der­ruf­li­che Stra­fe (der Tod ohne Wie­der­kehr)

Die Prä­mis­se – „glei­ches Wort muss glei­che Bedeu­tung haben“ – ist damit wider­legt.


2. „Ewige Strafe“ bedeutet nicht „ewiges Bestrafen“

Ein ent­schei­den­der Punkt: Die Bibel­stel­le spricht von einer ewi­gen Stra­fe (Sub­stan­tiv), nicht vom ewi­gen Bestra­fen (Verb). Die­se gram­ma­ti­sche Struk­tur ist bedeut­sam und zeigt, wor­auf der Schwer­punkt liegt.

Im Grie­chi­schen:

  • Mt 25,46: „eis kolasin aiō­ni­on“ (εἰς κόλασιν αἰώνιον) = „zur ewi­gen Stra­fe“
  • Kolas­is (κόλασις) ist ein Sub­stan­tiv (Bestra­fung, Stra­fe, Züch­ti­gung)
  • Aiō­ni­os (αἰώνιος) ist ein Adjek­tiv (ewig, immer­wäh­rend)
  • Die Kon­struk­ti­on: Prä­po­si­ti­on + Sub­stan­tiv + Adjek­tiv

Zum Ver­gleich – 2. Petrus 2,9:

  • „…die Unge­rech­ten auf­be­wah­ren, um bestraft zu wer­den [kola­zo­me­nous]“
  • Hier steht ein Par­ti­zip Prä­sens Pas­siv (kola­zo­me­nous = „bestraft wer­dend“)
  • Dies betont stär­ker den Pro­zess des Bestraft­wer­dens

Der Unter­schied:

  • Sub­stan­tiv (kolas­is): Betont pri­mär das Resul­tat der Bestra­fung
  • Partizip/Verb (kola­zo­me­nous): Betont stär­ker den Pro­zess des Bestraft­wer­dens

Das Mus­ter: Aiō­ni­os + Sub­stan­tiv in der Schrift

Die Kon­struk­ti­on aiō­ni­os + Sub­stan­tiv betont in der bibli­schen Ver­wen­dung typi­scher­wei­se das end­gül­ti­ge Resul­tat oder den abge­schlos­se­nen Zustand, nicht pri­mär den andau­ern­den Pro­zess:

Bei­spiel 1: „Ewi­ge Erlö­sung“ (Hebr 9,12)

Er ist… durch sein eige­nes Blut ein für alle Mal in das Hei­lig­tum ein­ge­gan­gen und hat eine ewi­ge Erlö­sung [aiō­ni­os lytrō­sis] erwor­ben.

  • Lytrō­sis (λύτρωσις) = Sub­stan­tiv: Erlö­sung, Los­kauf, Befrei­ung
  • Betont: Eine Erlö­sung, die end­gül­tig voll­bracht ist, nicht rück­gän­gig gemacht wer­den kann
  • Nicht pri­mär: Ein fort­lau­fen­der Pro­zess des „Erlöst­wer­dens“

Bei­spiel 2: „Ewi­ges Heil“ (Hebr 5,9)

…und ist allen, die ihm gehor­sam sind, der Urhe­ber des ewi­gen Heils [aiō­ni­os sōtēria] gewor­den

  • Sōtēria (σωτηρία) = Sub­stan­tiv: Ret­tung, Heil
  • Betont: Ein Heil, das voll­stän­dig und end­gül­tig erwor­ben ist
  • Nicht pri­mär: Ein andau­ern­der Pro­zess des „Geret­tet­wer­dens“

Bei­spiel 3: „Ewi­ges Gericht“ (Hebr 6,2)

…von der Auf­er­ste­hung der Toten und von dem ewi­gen Gericht [aiō­ni­os kri­ma]

  • Kri­ma (κρίμα) = Sub­stan­tiv: Urteil, Gerichts­ur­teil, Ver­ur­tei­lung
  • Betont: Ein Gerichts­ur­teil, das end­gül­tig und unwi­der­ruf­lich ist
  • Nicht pri­mär: Ein fort­lau­fen­der Pro­zess des „Gerich­tet­wer­dens“

Nie­mand wür­de behaup­ten, dass Got­tes Gericht als Pro­zess ewig andau­ern wür­de, obwohl es „ewi­ges Gericht“ genannt wird:

Dar­um wol­len wir jetzt las­sen, was am Anfang über Chris­tus zu leh­ren ist, und uns zum Voll­kom­me­nen wen­den; wir wol­len nicht aber­mals den Grund legen mit der Umkehr von den toten Wer­ken, mit dem Glau­ben an Gott, von der Tau­fe, von der Leh­re, vom Hän­de­auf­le­gen, von der Toten Auf­er­ste­hung und vom ewi­gen [aiō­ni­os] Gericht.“ (Hebr 6,1–2)

Bei­spiel 4: „Ewi­ger Bund“ (Hebr 13,20)

Der Gott des Frie­dens… durch das Blut des ewi­gen Bun­des [aiō­ni­os dia­thēkē]

  • Dia­thēkē (διαθήκη) = Sub­stan­tiv: Bund, Tes­ta­ment, Ver­ein­ba­rung
  • Betont: Ein Bund, der dau­er­haft gül­tig und unauf­lös­lich ist
  • Nicht pri­mär: Ein fort­lau­fen­der Pro­zess des „Bund-Schlie­ßens“

Anwen­dung auf Mat­thä­us 25,46

Nach die­sem kon­sis­ten­ten Mus­ter betont „ewi­ge Stra­fe“ [aiō­ni­os kolas­is]:

  • Pri­mär: Eine Stra­fe, die end­gül­tig und unwi­der­ruf­lich ist (der zwei­te Tod)
  • Nicht pri­mär: Ein andau­ern­der, end­lo­ser Pro­zess des Bestraft­wer­dens

Dies bedeu­tet nicht, dass ein Sub­stan­tiv nie­mals einen Pro­zess beschrei­ben kann, son­dern dass die gram­ma­ti­sche Kon­struk­ti­on hier den Schwer­punkt auf das Resul­tat legt, ähn­lich wie bei den ande­ren Bei­spie­len.

Zusam­men­fas­sung die­ses Punk­tes

Die gram­ma­ti­sche Struk­tur von Mt 25,46 legt den Schwer­punkt auf:

  • Das end­gül­ti­ge, unwi­der­ruf­li­che Resul­tat der Bestra­fung
  • Nicht pri­mär auf den andau­ern­den, end­lo­sen Pro­zess des Bestraft­wer­dens

Dies wird gestützt durch:

  1. Die Ver­wen­dung eines Sub­stan­tivs (kolas­is) statt eines Verbs oder Par­ti­zips
  2. Das kon­sis­ten­te Mus­ter ande­rer aiō­ni­os + Sub­stan­tiv Kon­struk­tio­nen (Hebr 9,12; 5,9; 6,2; 13,20)

Fazit: Die gram­ma­ti­sche Ana­ly­se spricht dafür, dass Mt 25,46 eine end­gül­ti­ge, unwi­der­ruf­li­che Stra­fe (den zwei­ten Tod) beschreibt, nicht not­wen­dig einen end­lo­sen Pro­zess des Quä­lens.


3. Der biblische Gegensatz: Leben vs. Tod, nicht Leben vs. ewiges Leiden

Die­ser bibli­sche Gegen­satz wur­de bereits in den Aus­füh­run­gen zu Johan­nes 3,16 ange­spro­chen (sie­he oben). Die­sel­ben Gedan­ken gel­ten auch hier:

Mt 25,46 stellt „ewi­ge Stra­fe“ und „ewi­ges Leben“ ein­an­der gegen­über. Um die­sen Gegen­satz rich­tig zu ver­ste­hen, müs­sen wir fra­gen: Was ist biblisch gese­hen das Gegen­teil von „Leben“? Die Schrift zeigt durch­gän­gig, dass der Gegen­satz zu „Leben“ nicht „Leben in Qual“ ist, son­dern schlicht „Tod“.

In Johan­nes 3,16 heißt es: „Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er sei­nen ein­ge­bo­re­nen Sohn gab, auf dass jeder, der an ihn glaubt, nicht ver­lo­ren gehe, son­dern ewi­ges Leben habe.“ Das grie­chi­sche Wort für „ver­lo­ren gehen“ ist apol­ly­mi (ἀπόλλυμι), das „ver­nich­tet wer­den“, „zugrun­de gehen“ oder „umkom­men“ bedeu­tet. Hier wird „ewi­ges Leben“ direkt der Ver­nich­tung gegen­über­ge­stellt.

Noch deut­li­cher wird dies in Römer 6,23: „Denn der Sün­de Sold ist der Tod; die Gabe Got­tes aber ist das ewi­ge Leben in Chris­tus Jesus, unserm Herrn.“ Der Gegen­satz könn­te nicht kla­rer sein: Tod steht gegen Leben.

Dies zeigt sich auch in 2. Thes­sa­lo­ni­cher 1,9: „Die wer­den Stra­fe erlei­den, das ewi­ge Ver­der­ben, vom Ange­sicht des Herrn her und von sei­ner herr­li­chen Macht.“ Das grie­chi­sche Wort für „Ver­der­ben“ (ole­thros – ὄλεθρος) bedeu­tet auch Zer­stö­rung, Ver­nich­tung oder Tod. Der Kon­text des Ver­ses beschreibt die Wie­der­kunft, wenn Jesus mit sei­nen Engeln kommt (Vers 7). Die Bedrän­ger der Gläu­bi­gen (Vers 6) und Unge­hor­sa­men (Vers 8) wer­den dann ihre Stra­fe emp­fan­gen. Pau­lus schreibt wenig spä­ter fol­gen­de Aus­sa­ge, die inhalt­lich sehr gut an 2Thes 1,9 anschließt. Im Kapi­tel 2 des Brie­fes heißt es in Vers 8:

und dann wird der Frev­ler offen­bart wer­den. Ihn wird der Herr Jesus töten mit dem Hauch sei­nes Mun­des und wird ihm ein Ende machen durch sei­ne Erschei­nung, wenn er kommt.” (2Thes 2,8)

Auch hier wird bei Jesu Erschei­nen, also bei sei­ner Wie­der­kunft, ein “Frev­ler” getö­tet und ein Ende gemacht. Hier han­delt es sich sehr deut­lich um ein Töten, Ver­nich­ten oder Zer­stö­ren und nicht nur um ein „Rui­nie­ren, aber wei­ter­le­ben las­sen“. Es liegt also sehr nahe, dass die­ser Gedan­ke eben­so ein paar Ver­se zuvor in 2Thes 1,9 zum Aus­druck gebracht wer­den soll­te. Jesu Wie­der­kunft wird für man­che Men­schen und auch für Satan und sei­ne Engel töd­li­che Fol­gen haben. In der Offen­ba­rung wird er in Kapi­tel 1, Vers 16 mit einem zwei­schnei­di­gen Schwert im Mund beschrie­ben und Offb 19,21 zeigt, wie das Schwert töten kann. Man beach­te den Zusam­men­hang zum töd­li­chen Hauch Jesu in 2Thes 2,8.

Die Schluss­fol­ge­rung liegt auf der Hand: „Ewi­ge Stra­fe“ in Mat­thä­us 25,46 ist gleich­be­deu­tend mit apol­ly­mi mi, mit Tod, mit ewi­gem Ver­der­ben – also mit end­gül­ti­ger Ver­nich­tung. Der bibli­sche Gegen­satz ist nicht „ewi­ges Leben in Herr­lich­keit“ ver­sus „ewi­ges Leben in Qual“, son­dern „ewi­ges Leben“ ver­sus „ewi­ger Tod“ als die end­gül­ti­ge, unwi­der­ruf­li­che Ver­nich­tung.


4. Was aiōnios unterstreicht in Mt 25,46

Bei „ewi­gem Leben“:

Aiō­ni­os unter­streicht die End­lo­sig­keit – Leben ohne Ende, unauf­hör­li­che Gemein­schaft mit Gott. Jesus sagt:

…ich gebe ihnen das ewi­ge Leben, und sie wer­den nim­mer­mehr umkom­men, und nie­mand wird sie aus mei­ner Hand rei­ßen.“ (Joh 10,28)

Bei „ewi­ger Stra­fe“:

Aiō­ni­os unter­streicht die End­gül­tig­keit und Unwi­der­ruf­lich­keit – eine Stra­fe ohne Umkehr, ohne Hoff­nung auf Wie­der­her­stel­lung.

Die Par­al­le­li­tät liegt in der Unum­kehr­bar­keit: Bei­de sind end­gül­tig, aber das bedeu­tet nicht, dass bei­de gleich lan­ge dau­ern müs­sen:

  • Das Leben dau­ert ewig (end­lo­ser Pro­zess)
  • Die Stra­fe ist ewig (end­gül­ti­ges Ergeb­nis: der zwei­te Tod)

Ana­lo­gie zur Ver­deut­li­chung

Wenn jemand sagt: „Die Ehe ist ewig“ und „Die Schei­dung ist ewig“, meint er:

  • Ehe: Soll ein andau­ern­der Zustand sein
  • Schei­dung: Ist ein end­gül­ti­ges, unwi­der­ruf­li­ches Ereig­nis

Bei­de sind „ewig“ in dem Sin­ne, dass sie nicht rück­gän­gig gemacht wer­den sollen/können, aber:

  • Die Ehe ist ein fort­dau­ern­der Zustand
  • Die Schei­dung ist ein abge­schlos­se­nes Ereig­nis

Eben­so:

  • Ewi­ges Leben: Fort­dau­ern­der Zustand
  • Ewi­ge Stra­fe: End­gül­ti­ges, unwi­der­ruf­li­ches Ereig­nis (der Tod ohne Wie­der­kehr)

5. Konsistenz mit der gesamten Schrift

Mt 25,46 ist nicht die ein­zi­ge Text­stel­le, in der das Wort aiō­ni­os zwei ver­schie­de­ne Bedeu­tun­gen inner­halb des glei­chen Sat­zes haben kann. In Röm 16,25–27 (sie­he oben) ist dies ein­deu­tig der Fall.

Außer­dem zeigt die gesam­te bibli­sche Leh­re über Tod und Auf­er­ste­hung:

  • Nur Gott ist unsterb­lich (1Tim 6,16)
  • Der Mensch ist sterb­lich (1Mo 3,22–24; Pred 3,19)
  • Die Sün­de führt zum Tod (Röm 6,23)
  • Die Gott­lo­sen wer­den ver­nich­tet (Ps 37,20; Mal 4,1–3)
  • Der zwei­te Tod ist das Ende der Gott­lo­sen (Offb 20,14; 21,8)

Zusammenfassung: Warum der Einwand nicht trägt

Das Argu­ment lau­te­te: „Wenn die Pein nur bestimm­te Äonen dau­ert, dann das Leben eben­falls, bzw. wenn das Leben ewig dau­ert, dann die Stra­fe (im Sin­ne von fot­lau­fend Betra­fen) auch.

Wir haben gezeigt:

  1. Die Prä­mis­se ist falsch: Aiō­ni­os kann im glei­chen Vers unter­schied­li­che Bedeu­tun­gen haben (Röm 16,25–27: „ewi­ger Gott“ vs. „ewi­ge Zei­ten“). Die Bedeu­tung hängt vom jewei­li­gen Sub­jekt und Kon­text ab.
  2. Die Gram­ma­tik spricht dage­gen: „Ewi­ge Stra­fe“ (Sub­stan­tiv) muss von „ewi­ges Bestra­fen“ (Pro­zess) unter­schie­den wer­den. Kla­re Fäl­le:
    • „Ewi­ge Erlö­sung“ (Hebr 9,12)
    • „Ewi­ges Heil“ (Hebr 5,9)
    • „Ewi­ges Gericht“ (Hebr 6,2)
    • „Ewi­ger Bund“ (Hebr 13,20)
    • → Alles end­gül­ti­ge Resul­ta­te, kei­ne andau­ern­den Pro­zes­se. Das gilt in Mt 25,46 eben­so.
  3. Der bibli­sche Kon­text zeigt: Der Gegen­satz zu „ewi­gem Leben“ ist nicht „ewi­ges Leben in Qual“, son­dern „Tod/Vernichtung“ (vlg. Joh 3,16; Röm 6,23; 2Thes 1,9).
  4. Aiō­ni­os unter­streicht Ver­schie­de­nes: Bei Leben: End­lo­sig­keit (fort­dau­ern­der Zustand) und bei Stra­fe: End­gül­tig­keit (unwi­der­ruf­li­ches Resul­tat).
  5. Die kon­sis­tente Aus­le­gung: Die prä­sen­tier­te Aus­le­gung von Mt 25,46 ist kon­sis­tent mit der Leh­re der tota­len Ver­nich­tung: Die ewi­ge Stra­fe ist der zwei­te Tod – end­gül­tig, unwi­der­ruf­lich, ohne Hoff­nung auf Wie­der­her­stel­lung.

Fazit

Mt 25,46 wider­spricht der Leh­re der tota­len Ver­nich­tung nicht, son­dern bestä­tigt sie: Die Gott­lo­sen gehen zur ewi­gen Stra­fe – dem zwei­ten Tod, der end­gül­ti­gen Ver­nich­tung, von der es kei­ne Rück­kehr gibt. Die Gerech­ten gehen ins ewi­ge Leben – das end­lo­se, unauf­hör­li­che Leben mit Gott.

Bei­des ist „ewig“ – das eine als end­gül­ti­ges, unwi­der­ruf­li­ches Urteil (Tod ohne Wie­der­kehr), das ande­re als end­lo­ser, unauf­hör­li­cher Zustand (Leben ohne Ende).


Alles eine Frage der Bequemlichkeit?

In dem Buch „Asha­med of the Gos­pel“, das im Deut­schen unter dem Titel „Wenn Salz kraft­los wird – Die Evan­ge­li­ka­len im Zeit­al­ter jucken­der Ohren“ (CLV) erschie­nen ist, schreibt John F. Mac­Ar­thur Jr. über die „benut­zer­freund­li­che Kir­che“ unse­rer Zeit. Dabei greift er u. a. die LdtV an und beruft sich auf Spur­ge­on, einen der gro­ßen Lich­ter der Kir­chen­ge­schich­te. Neben eini­gen guten Argu­men­ten ver­wen­det jedoch auch die­ser Ver­fas­ser rhe­to­ri­sche Mit­tel, die im fol­gen­den Zitat unter­stri­chen wer­den, und ver­lässt damit den Weg der sach­li­chen Dis­kus­si­on.

Wohin bringt die Benut­zer­freund­lich­keit die Kir­che?

Die Phi­lo­so­phie der Benut­zer­freund­lich­keit ist eine schar­fe Abwärts­kur­ve auf einem fal­schen Weg für die Kir­che. Ich bin über­zeugt, daß der Nie­der­gang von Got­tes­dienst, Schrift­kennt­nis und Theo­lo­gie schließ­lich zu ganz erns­ten lehr­mä­ßi­gen Kom­pro­mis­sen füh­ren wird. Tat­säch­lich mag das schon viel­fach der Fall sein. Für christ­li­che Lei­ter, die sich selbst für evan­ge­li­kal hal­ten, begin­nen fun­da­men­ta­le Wahr­hei­ten, wie die Höl­le und die mensch­li­che Ver­dor­ben­heit, zwei­fel­haft zu wer­den. Eine der bekann­tes­ten und noch im Kom­men begrif­fe­ne Bewe­gung ver­tritt die Leh­re von der »beding­ten Unsterb­lich­keit«, die dem Anni­hi­la­tio­nis­mus ähnelt. Dahin­ter steckt der Gedan­ke, dass unbe­kehr­te Sün­der ein­fach erlö­schen, statt die Ewig­keit in der Höl­le zu ver­brin­gen. Das passt genau zu der benut­zer­freund­li­chen Phi­lo­so­phie, weil man der Ansicht ist, ein barm­her­zi­ger Gott kön­ne unmög­lich von Ihm geschaf­fe­ne Wesen der ewi­gen Qual über­ge­ben.

Anmer­kung: Die LdtV passt viel bes­ser zu einer har­mo­ni­schen Bibel­aus­le­gung. Die Dar­stel­lung impli­ziert, die LdtV sei pri­mär von sub­jek­ti­ven Prä­fe­ren­zen moti­viert – nach dem Mot­to „Was passt? Wonach jucken die Ohren?“.

Statt­des­sen löscht Er sie völ­lig aus. »Beding­te Unsterb­lich­keit« und Anni­hi­la­tio­nis­mus sind kei­ne Erfin­dun­gen der Neu­zeit. Die Geschich­te zeigt aber, daß die meis­ten Men­schen und Bewe­gun­gen, die sich dem Anni­hi­la­tio­nis­mus ver­schrie­ben hat­ten, nicht bei der rech­ten Leh­re blie­ben. Die Ewig­keit der Höl­le zu leug­nen ist gleich­be­deu­tend mit dem Start­schuss zum Nie­der­gang. Spur­ge­on atta­ckier­te die »beding­te Unsterb­lich­keit« als einen der gro­ßen Irr­tü­mer des »Down-Gra­de« des neun­zehn­ten Jahr­hun­derts. Er sag­te, dass jene, die die Ewig­keit der Höl­le leug­nen, »auch so ziem­lich die Hoff­nung auf den Him­mel besei­tigt haben, so wie wir ihn seit lan­gem schon erwar­ten. Denn gewiss, der Lohn der Gerech­ten hält nicht län­ger an als die Stra­fe der Bösen. Bei­des wird von den glei­chen hei­li­gen Lip­pen in dem glei­chen Vers als ›ewig‹ bezeich­net (Mat­th. 25,46). Und wenn die ›Pein‹ nur bestimm­te Äonen dau­ert, dann das ›Leben‹ eben­falls.«

Anmer­kung: Unab­hän­gig von der Zuspit­zung ist dies ein gewich­ti­ges Argu­ment! Sie­he Ant­wort auf Spur­ge­ons Ein­wand (Mt 25,46).

Die Schrift sagt: »Der Teu­fel, der sie ver­führ­te, wur­de in den Feu­er und Schwe­fel­see gewor­fen, wo sowohl das Tier ist als auch der fal­sche Pro­phet; und sie wer­den Tag und Nacht gepei­nigt wer­den von Ewig­keit zu Ewig­keit« (Offb 20,10). Jesus berich­tet von dem rei­chen Mann: »Und in dem Hades sei­ne Augen auf­schla­gend, als er in den Qua­len war, sieht er Abra­ham von fer­ne und Laza­rus in sei­nem Scho­ße. Und er rief und sprach: Vater Abra­ham, erbar­me dich mei­ner und sen­de Laza­rus, dass er die Spit­ze sei­nes Fin­gers ins Was­ser tau­che und mei­ne Zun­ge küh­le; denn ich lei­de Pein in die­ser Flam­me« (Luk. 16,23–24). Und auch das hat Jesus uns gesagt: »Und wenn dein Auge dich ärgert, so wirf es weg. Es ist dir bes­ser, ein­äu­gig in das Reich Got­tes ein­zu­ge­hen, als mit zwei Augen in die Höl­le des Feu­ers gewor­fen zu wer­den, wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feu­er nicht erlischt« (Mark. 9,47–48). Und Offen­ba­rung 14,11 beschreibt den ewi­gen Zustand derer, die dem Anti­chris­ten wäh­rend der gro­ßen Trüb­sal gefolgt sind: »Und der Rauch ihrer Qual steigt auf von Ewig­keit zu Ewig­keit; und sie haben kei­ne Ruhe Tag und Nacht, die das Tier und sein Bild anbe­ten, und wenn jemand das Mal­zei­chen sei­nes Namens annimmt.« Der eif­rigs­te Leh­rer über die Höl­le war der Herr Jesus selbst. Er hat­te mehr dar­über zu sagen als alle Evan­ge­lis­ten, Apos­tel und Pro­phe­ten in der gan­zen Bibel zusam­men­ge­nom­men.

Anmer­kung: Die­se Stel­len wur­den bereits erklärt: Ewig in der Offen­ba­rung; Das Gleich­nis vom rei­chen Mann und dem armen Laza­rus; Der Wurm, der nicht stirbt.

Pre­digt, die Got­tes Zorn her­un­ter­spielt, bringt das Evan­ge­li­um nicht zu Ehren, son­dern unter­mi­niert es. Das Evan­ge­li­um ver­liert völ­lig sei­ne Dring­lich­keit, wenn der Pre­di­ger die Wirk­lich­keit oder den Schre­cken des ewi­gen Gerich­tes leug­net. Auch wird die Auto­ri­tät der Schrift ange­tas­tet, wenn so vie­le der kla­ren Bot­schaf­ten Chris­ti geleug­net oder weg­dis­ku­tiert wer­den. Der Ernst der Sün­de wird durch sol­che Pre­digt her­ab­ge­setzt. Und dadurch wird das Evan­ge­li­um selbst zer­rüt­tet.

Hier wird deut­lich, wel­che theo­lo­gi­sche Prä­mis­se der Ver­fas­ser stark gewich­tet. Der Zorn Got­tes, der sich in den Augen des Autors in den ewi­gen Qua­len der Gott­lo­sen zeigt, ist ein Grund­pfei­ler des Evan­ge­li­ums. Alles ande­re wäre ein Beschnei­den, Ver­leug­nen, Her­ab­set­zen und Zer­rüt­ten der Guten Bot­schaft – des Evan­ge­li­ums. Viel­leicht ist die LdeQ sogar der Haupt­pfei­ler des Evan­ge­li­ums? Es erge­ben sich fol­gen­de Fra­gen:

  1. Was ist der Zorn Got­tes? Ewi­ge Qua­len der Höl­le oder etwas ande­res? Sie­he Exkurs: Der Zorn Got­tes und das Bild Got­tes. Beruht die Dring­lich­keit des Evan­ge­li­ums auf den Schre­cken der Höl­le oder auf dem ein­ma­li­gen Lie­bes­an­ge­bot Got­tes? (Ein­ma­lig, weil der Mensch sich hier und jetzt für Gott ent­schei­den muss!)
  2. Will Gott uns durch Angst und Schre­cken zur Buße zwin­gen oder will er uns durch sein hei­li­ges Wesen von unse­rer Schuld über­zeu­gen? – Auf­zei­gen, dass wir sei­ner Gna­de und Erlö­sung bedür­fen? Was ist der Cha­rak­ter Got­tes? Ist Gott ein gna­den­lo­ser Rache­gott oder ein Gott der Lie­be und Gerech­tig­keit?
  3. Setzt die Leh­re der tota­len Ver­nich­tung den Ernst der Sün­de her­ab? (Nein! Wer aller­dings Aus­re­den und Ent­schul­di­gun­gen sucht, der wird nach jedem Stroh­halm grei­fen. Aber auch die LdtV kennt die Sün­de und die Sün­de führt zum ewi­gen Tod.)
  4. Wird durch die LdtV die Auto­ri­tät der Hei­li­gen Schrift ange­tas­tet? Wer­den kla­re Bot­schaf­ten geleug­net und weg­dis­ku­tiert?

Zu den letz­ten bei­den Fra­gen (Punkt 4) soll deut­lich Stel­lung bezo­gen wer­den:

  • Die Auto­ri­tät der Hei­li­gen Schrift: Es stimmt kei­nes­falls, dass die Auto­ri­tät der Bibel durch die „Leh­re der tota­len Ver­nich­tung“ ange­tas­tet wird. Das wür­de der Fall sein, wenn die Schrift, wie z. B. bei der his­to­risch-kri­ti­schen Metho­de, nicht mehr als inspi­rier­te Offen­ba­rung Got­tes, son­dern ledig­lich als Mei­nung gewis­ser „Autoren“ ver­stan­den wird. Bei der LdtV wird anhand der Schrift argu­men­tiert und in kei­ner­lei Wei­se gering­ge­schätzt.
  • Kla­re Bot­schaf­ten wer­den geleug­net und weg­dis­ku­tiert: Einem mögen man­che Bibel­stel­len wie eine kla­re Aus­sa­ge vor­kom­men, wenn der Zusam­men­hang, in dem die Aus­sa­ge ein­ge­bet­tet ist, aus den Augen ver­lo­ren wird. Bei der Bibel­aus­le­gung müs­sen immer der nähe­re und der wei­te­re Kon­text beach­tet wer­den. Wür­de man etwa den nähe­ren Kon­text von Hiob 1,16 igno­rie­ren, so könn­te man behaup­ten, die Bibel wür­de ganz klar davon spre­chen, dass Gott Hiobs Knech­te und Scha­fe getö­tet hat. (Dies war natür­lich nicht Got­tes, son­dern Satans Werk, wenn man Hiob 1,12 berück­sich­tigt.)

Aber auch der wei­te­re Kon­text muss beach­tet wer­den. Schon die Apos­tel haben ihre Aus­sa­gen z. T. mit ande­ren Bibel­stel­len (aus ande­ren Büchern und Brie­fen) belegt. War­um wer­den bei dem The­ma Höl­le nicht alle Bibel­stel­len betrach­tet, die mit dem The­ma im Zusam­men­hang ste­hen?

Wird bei der LdtV alles Unbe­que­me weg­dis­ku­tiert, wie der Ver­fas­ser behaup­tet? Oder wird ver­sucht, die Bibel als Ein­heit und nicht als Stück­werk aus­zu­le­gen? Wird nicht viel­mehr ver­sucht, eine stim­mi­ge Aus­le­gung zu fin­den, statt Unstim­mig­kei­ten zu igno­rie­ren?

Es wäre wün­schens­wert, wenn Ver­tre­ter der Leh­re der ewi­gen Qua­len sys­te­ma­tisch auf die genann­ten Gegen­stel­len ein­gin­gen. Immer­hin gibt es eini­ge, die nicht mit ihrer Leh­re ver­träg­lich sind. Aber das fin­det kaum statt.


Die Hölle aus der Sicht vieler Christen und ihre Erklärungsversuche

Wie rechtfertigen Vertreter der ewigen Qual ihre Position?

Vie­le Chris­ten glau­ben an die Leh­re der ewi­gen Qual, obwohl sie intui­tiv unge­recht erscheint: Men­schen für end­li­che Sün­de ewig zu quä­len, wirkt unver­hält­nis­mä­ßig. Selbst Ver­tre­ter die­ser Leh­re spü­ren das Pro­blem. Daher fin­den sich zahl­rei­che Ver­su­che, die schein­ba­re Unge­rech­tig­keit zu erklä­ren oder zu recht­fer­ti­gen.

Zwei typi­sche Beschrei­bun­gen der Höl­le aus evan­ge­li­ka­len Krei­sen zei­gen, wie die Höl­le tra­di­tio­nell ver­stan­den wird:

Der eine Ort bedeu­tet ewi­ge Gemein­schaft mit Gott und der ande­re abso­lu­te Abtren­nung von Gott. Die Unter­schie­de sind grö­ßer nicht mehr vor­stell­bar, der eine Platz ist von unbe­schreib­li­cher Herr­lich­keit und der ande­re ein Ort der Fins­ter­nis mit nicht vor­stell­ba­ren Qua­len und Lei­den.“ (Wer­ner Gitt, Zeit und Ewig­keit, CLV, Bie­le­feld, 1999)

…Und dann ent­zieht Gott den Men­schen, die ihr Leben lang ohne ihn leben woll­ten, alle Vor­zü­ge sei­ner Gegen­wart. Das Resul­tat davon nennt die Bibel Höl­le…“ (www.nikodemus.net, gele­sen 1998)

Bei­de Zita­te sind reprä­sen­ta­tiv für die Beschrei­bung der Höl­le in evan­ge­li­ka­len Krei­sen. Der Kern­punkt ist dabei die Aus­sa­ge, die Höl­le sei die ewi­ge Tren­nung von Gott und daher ein Ort der Qual und des Lei­dens.

Pro­ble­ma­tisch ist jedoch: Es feh­len kon­kre­te Bibel­ver­wei­se und eine Dis­kus­si­on der sich auf­drän­gen­den Fra­gen. Zum Bei­spiel:

  • Wo defi­niert die Bibel „Höl­le“ als „Abtren­nung von Gott“? Die bibli­schen Begrif­fe sind „Feu­er­see“, „zwei­ter Tod“, „Ver­der­ben“ – nicht „Abtren­nung“.
  • Wie kann jemand von Gott „abge­trennt“ sein und gleich­zei­tig unter sei­nem Zorn lei­den (Joh 3,36)?
  • War­um wird eine „Tren­nung“ von Gott als „feu­ri­ger Pfuhl“ beschrie­ben?
  • Wie pas­sen Bibel­stel­len, die von Ver­bren­nung und Ver­nich­tung spre­chen (Mal 4,1–3), mit dem Kon­zept „Tren­nung = Höl­le“ zusam­men?

Immer­hin gibt es ver­schie­de­ne Erklä­rungs­ver­su­che, die die ewi­gen Qua­len recht­fer­ti­gen sol­len. Im Fol­gen­den unter­su­chen wir sechs typi­sche Argu­men­ta­ti­ons­mus­ter. Dabei zeigt sich: Die­se Ver­su­che kön­nen die grund­le­gen­den Pro­ble­me der Leh­re nicht behe­ben, son­dern offen­ba­ren oft wei­te­re Schwie­rig­kei­ten.


1. „… weil die Sünde so schlimm ist“

Das Argu­ment

Zu Recht wird bei www.nikodemus.net gefragt, ob es nicht unver­hält­nis­mä­ßig hart sei, „Men­schen, die wäh­rend ihrer Lebens­zeit (viel­leicht 70 oder 80 Jah­re) gott­los gelebt haben, ewig zu bestra­fen?“

Die Ant­wort lau­tet: Es liegt an einem Miss­ver­ständ­nis über „das Aus­maß und das Gewicht, das die Sün­de (als Rebel­li­on gegen Gott) eigent­lich besitzt“. Wir Men­schen könn­ten nicht ermes­sen, wie schlecht die Sün­de sei, und wir könn­ten unse­rem Schöp­fer nicht vor­schrei­ben, wie er mit uns vor­ge­he, wenn wir sein Ange­bot der Erlö­sung aus­schla­gen.

Die Wider­le­gung

Die­se „Erklä­rung“ ist kei­ne Erklä­rung, son­dern die Argu­men­ta­ti­on ist in sich wider­sprüch­lich. In Kurz­form: Wie kön­nen es nicht ermes­sen, also ist es ange­mes­sen. Aus­führ­li­cher: „Wir ver­ste­hen nicht, wie schlimm Sün­de ist → also kön­nen wir nicht beur­tei­len, ob ewi­ge Qual ange­mes­sen ist → also ist ewi­ge Qual ange­mes­sen.“

Aber genau das steht ja zur Debat­te! Man kann nicht die Ange­mes­sen­heit der Stra­fe damit begrün­den, dass man den Sach­ver­halt nicht ermes­sen kann.

Dies führt zur logi­schen Gegen­fra­ge: Wenn wir das Aus­maß der Sün­de nicht ermes­sen kön­nen, wie kön­nen wir dann das Aus­maß der Stra­fe beur­tei­len oder recht­fer­ti­gen? Die Argu­men­ta­ti­on müss­te kon­se­quen­ter­wei­se lau­ten: „Wir kön­nen weder die Schwe­re der Sün­de noch die Ange­mes­sen­heit der Stra­fe beur­tei­len.“ Dann aber dürf­te man kei­ne Posi­ti­on zur Höl­le ver­tre­ten.

Biblisch ist die­se Argu­men­ta­ti­on zudem frag­wür­dig. Die Bibel lehrt nicht, dass Got­tes Wege völ­lig uner­gründ­lich sind, son­dern dass sei­ne Gerech­tig­keit erkenn­bar ist:

  • 5Mo 32,4: „Er ist ein Fels. Sei­ne Wer­ke sind voll­kom­men; denn alle sei­ne Wege sind recht. Treu ist Gott und kein Böses an ihm, gerecht und wahr­haf­tig ist er.“
  • Röm 1,19–20: „Denn was man von Gott erken­nen kann, ist unter ihnen offen­bar; denn Gott hat es ihnen offen­bart. Denn sein unsicht­ba­res Wesen… wird erse­hen an sei­nen Wer­ken.“
  • Ps 19,2: „Die Him­mel erzäh­len die Ehre Got­tes, und die Fes­te ver­kün­digt sei­ner Hän­de Werk.“

Nie soll­te vor­ei­lig dar­auf ver­wie­sen wer­den, dass Got­tes Gedan­ken nicht unse­re Gedan­ken sind (Jesa­ja 55,8–9). Got­tes Cha­rak­ter und sei­ne Gerech­tig­keit ist nicht völ­lig uner­gründ­lich, son­dern kann erkannt wer­den. Wenn eine Stra­fe uns als fun­da­men­tal unge­recht erscheint, soll­ten wir nicht vor­schnell anneh­men, wir ver­stün­den Got­tes Gerech­tig­keit nur nicht – viel­leicht ist die Leh­re selbst feh­ler­haft.

Fazit: Die­ses Argu­ment beant­wor­tet die eigent­li­che Fra­ge nicht, son­dern weicht ihr aus.


2. „… weil Gott liebt und hasst“

Das Argu­ment

Ein wei­te­res Argu­ment lau­tet:

Es ist unmög­lich, für jeman­den tie­fe Lie­be zu emp­fin­den, wenn man nicht zugleich aus tiefs­tem Her­zen alles hasst, was den Gelieb­ten irgend­wie bedroht.

Weil Gott sei­ne Kin­der uner­mess­lich liebt, muss er die Gott­lo­sen has­sen und ewig stra­fen.

Die Wider­le­gung

Die­se Argu­men­ta­ti­on ist biblisch nur schwer zu bele­gen. Gott liebt alle Men­schen, auch die, wel­che auf irri­gen Wegen wan­deln. Er hasst die Gott­lo­sen nicht, son­dern will viel­mehr, dass sie zur Buße kom­men:

  • 2Petr 3,9: „Der Herr ver­zö­gert nicht die Ver­hei­ßung, wie es eini­ge für eine Ver­zö­ge­rung hal­ten; son­dern er hat Geduld mit euch und will nicht, dass jemand ver­lo­ren wer­de, son­dern dass jeder­mann zur Buße fin­de.“
  • 1Tim 2,4: „Gott will, dass allen Men­schen gehol­fen wer­de und sie zur Erkennt­nis der Wahr­heit kom­men.“
  • Hes 33,11: „So wahr ich lebe, spricht Gott der HERR: Ich habe kein Gefal­len am Tode des Gott­lo­sen, son­dern dass der Gott­lo­se umkeh­re von sei­nem Wege und lebe.“

Gott hasst die Sün­de, mit der er nichts – wirk­lich gar nichts – gemein hat. Aber sei­ne Hal­tung uns Men­schen gegen­über zeigt, dass uns ret­ten will und uns liebt, obwohl wir oft sei­ne “Fein­de” sind. Schließ­lich wür­de er sich nicht für die Sün­der hin­ge­ben, wenn er sie hass­te:

Röm 5,8: „Gott aber erweist sei­ne Lie­be zu uns dar­in, dass Chris­tus für uns gestor­ben ist, als wir noch Sün­der waren.“

Zudem: Got­tes „Hass“ ist mit der mensch­li­chen Emo­ti­on des Has­ses kaum zu ver­glei­chen. Got­tes Reak­ti­on auf Sün­de ist hei­lig, gerecht und ohne die Irra­tio­na­li­tät mensch­li­chen Has­ses.

Selbst wenn Gott „hasst“, was die Gelieb­ten bedroht, recht­fer­tigt das kei­ne unver­hält­nis­mä­ßi­ge Stra­fe. Ein lie­ben­der Vater hasst, was sei­nen Kin­dern scha­det – aber er wür­de einen Dieb nicht ewig fol­tern, selbst wenn die­ser sein Kind bestoh­len hat. Gerech­tig­keit ver­langt ange­mes­se­ne, nicht maxi­ma­le Stra­fe.

Fazit: Got­tes Lie­be und Gerech­tig­keit recht­fer­ti­gen kei­ne ewi­ge Qual.


3. „… Güte Gottes zählt!“

Das Argu­ment

Für alle Ewig­keit in bewuss­ter Qual in der gro­ßen Gefan­ge­nen­an­stalt der Sün­de ein­ge­ker­kert zu sein, wird furcht­bar sein; und es ist die Güte Got­tes, die uns offen vor den Fol­gen der Sün­de warnt.

Die Wider­le­gung

Hier wird der Spieß ein­fach umge­dreht: Nicht die ewi­ge Qual wird hin­ter­fragt. Nein, wir kön­nen uns glück­lich schät­zen, dass uns Gott in sei­ner Güte offen vor die­sen Qua­len warnt.

Dies ist kei­ne Ant­wort auf die Fra­ge, ob ewi­ge Qual gerecht ist. Das ver­schiebt rhe­to­risch die Fra­ge­stel­lung, ohne sie zu beant­wor­ten

Um die Absur­di­tät zu ver­deut­li­chen: Ein Tyrann kün­digt an: „Ich wer­de jeden, der mir nicht gehorcht, ewig fol­tern. Aber ich bin gütig, weil ich es euch vor­her sage.“ Wäre das Güte? Natür­lich nicht! Die War­nung vor einer unge­rech­ten Stra­fe macht die Stra­fe nicht gerecht.

Die Fra­ge bleibt: Ist die Stra­fe selbst gerecht und ver­hält­nis­mä­ßig? Dar­auf gibt die­ses „Argu­ment“ kei­ne Ant­wort.

Alles ande­re wäre auch für einen Gott der Lie­be und Gerech­tig­keit indis­ku­ta­bel, womit die zitier­te Aus­sa­ge zu einer lee­ren Flos­kel wird, die die Dis­kus­si­on in kei­ner­lei Wei­se erhellt.

Fazit: Dies ist kei­ne Recht­fer­ti­gung, son­dern eine Ablen­kung.


4. „… weil wir es nicht ermessen können“

Das Argu­ment

E. W. Lut­zer schreibt in sei­nem Buch Fünf Minu­ten nach dem Tod (Christ­li­che Ver­lags­ge­sell­schaft, Dil­len­burg, 1998, S. 118):

Wir kön­nen die Bedeu­tung der Sün­de nicht ermes­sen… Die Schuld unse­rer Sün­de ist unend­lich, weil wir den Cha­rak­ter eines unend­li­chen Wesens ver­letzt haben, eine Schuld, die nie­mals begli­chen wer­den kann.

Die Wider­le­gung

Allein der ers­te Satz dis­qua­li­fi­ziert bereits den Erklä­rungs­ver­such. Wenn wir die Bedeu­tung der Sün­de nicht ermes­sen kön­nen, wie kön­nen wir denn das Gericht ermes­sen oder gar sein Urteil? Die Aus­sa­ge ist selbst­wi­der­sprüch­lich.

Die zwei­te Aus­sa­ge bleibt eine phi­lo­so­phi­sche Annah­me ohne kla­re bibli­sche Bele­ge. Aus Got­tes unend­li­chem Wesen lie­ße sich genau­so gut ablei­ten, dass jede mensch­li­che Tat (z.B. ein Mord) im Ver­gleich mit Gott ihre Bedeu­tung völ­lig ver­liert – so wie eine end­li­che Zahl geteilt durch „unend­lich“ mathe­ma­tisch gegen null geht.

War­um soll­te gel­ten: „Unend­li­ches Wesen → unend­li­che Schuld“ und nicht „Unend­li­ches Wesen → end­li­che Schuld wird rela­tiv unbe­deu­tend“?

Dies ist will­kür­li­che phi­lo­so­phi­sche Spe­ku­la­ti­on, kei­ne bibli­sche Argu­men­ta­ti­on. Die Bibel lehrt nir­gends, dass Sün­de gegen Gott „unend­li­che Schuld“ erzeugt.

Im Gegen­teil, die Bibel lehrt:

  • Röm 6,23: „Der Sün­de Sold ist der Tod“ – eine end­gül­ti­ge, aber nicht end­lo­se Stra­fe
  • 1Joh 1,9: „Wenn wir unse­re Sün­den beken­nen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sün­den ver­gibt“ – Sün­de kann ver­ge­ben wer­den, ist also nicht „nie­mals zu beglei­chen“
  • Hebr 9,28: Chris­tus „ist ein­mal geop­fert wor­den, die Sün­den vie­ler weg­zu­neh­men“ – ein ein­ma­li­ges Opfer reicht, um Sün­de zu süh­nen

Fazit: Die zwei­te Aus­sa­ge bleibt eine phi­lo­so­phi­sche Annah­me ohne kla­re bibli­sche Bele­ge.


5. „… um uns zu trösten“

Das Argu­ment

E. W. Lut­zer schreibt wei­ter (Fünf Minu­ten nach dem Tod, S. 116):

Was jedoch oft über­se­hen wird, ist die Tat­sa­che, dass auch das Wis­sen um die Exis­tenz der Höl­le uns trös­ten kann. Unse­re Zei­tun­gen sind vol­ler Ver­ge­wal­ti­gun­gen, Kin­des­miss­hand­lun­gen und Unge­rech­tig­kei­ten. Jedes Gerichts­ver­fah­ren, das je auf Erden statt­ge­fun­den hat, wird wie­der auf­ge­rollt wer­den, jede Hand­lung und jedes Tat­mo­tiv gründ­lichst unter­sucht und eine gerech­te Stra­fe ver­hängt.

Die Wider­le­gung

Es mag gerecht sein, Übel­tä­ter zu bestra­fen, doch war­um auf ewig? Lut­zer mag es für trös­tend hal­ten, wenn z.B. ein Ver­ge­wal­ti­ger ewig gequält wird, aber ist er sich dar­über im Kla­ren, was „ewig“ bedeu­tet?

Die­ses Argu­ment ver­wech­selt Gerech­tig­keit mit Rache. Die Bibel lehrt klar:

Röm 12,19:Rächt euch nicht selbst, mei­ne Lie­ben, son­dern gebt Raum dem Zorn Got­tes; denn es steht geschrie­ben: Die Rache ist mein; ich will ver­gel­ten, spricht der Herr.

1Petr 2,23: Jesus „schalt nicht, als er geschol­ten wur­de, droh­te nicht, als er litt; er stell­te es aber dem anheim, der gerecht rich­tet.“

Ech­te Gerech­tig­keit bedeu­tet ange­mes­se­ne Stra­fe, nicht maxi­ma­le Rache. Wer „Trost“ dar­in fin­det, dass ein Ver­ge­wal­ti­ger ewig gequält wird, sucht nicht Gerech­tig­keit, son­dern Ver­gel­tung. Das ist mensch­lich ver­ständ­lich, aber nicht biblisch.

In der Debat­te um die Todes­stra­fe fra­gen Geg­ner (auch Opfer oder Ver­wand­te von Opfern) oft: Ist es nicht schon schlimm genug, dass ein Mensch ster­ben muss­te? War­um soll noch ein wei­te­rer ster­ben? Die­se Fra­ge zeigt: Wah­re Gerech­tig­keit sucht nicht maxi­ma­les Leid, son­dern ange­mes­se­ne Süh­ne.

Zudem stellt sich die Fra­ge: Kön­nen die Erlös­ten wirk­lich in Herr­lich­keit leben, wäh­rend sie wis­sen, dass Men­schen (mög­li­cher­wei­se ihre eige­nen Fami­li­en­mit­glie­der) ewig gefol­tert wer­den?

Offb 21,4 ver­heißt: „Gott wird abwi­schen alle Trä­nen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein.“

Ver­tre­ter der Leh­re der ewi­gen Höl­len­qua­len argu­men­tie­ren hier teil­wei­se so: Offen­ba­rung 21,4 wür­de sich aus­schließ­lich auf die Erlös­ten bezie­hen und nicht auf das Lei­den abseits von Got­tes Gegen­wart. Die ‘abge­wisch­ten Trä­nen’ bezie­hen sich dem­nach auf die ver­klär­te Per­spek­ti­ve der Hei­li­gen und die Aner­ken­nung von Got­tes gerech­tem Gericht. Mit ande­ren Wor­ten: Das Lei­den und die Trä­nen, das Geschrei und der Schmerz exis­tie­ren wei­ter und für immer – nur eben nicht in der Gegen­wart Got­tes. Die­se Sicht wird in der vor­lie­gen­den Aus­ar­bei­tung abge­lehnt.

  • Der uni­ver­sa­le Anspruch von Offb 21,4–5: „Kein Leid/Schmerz mehr“ und „sie­he, ich mache alles neu“ klin­gen umfas­send, nicht auf einen Innen­be­reich beschränkt.
  • Ein sol­ches Vor­ge­hen passt weni­ger zum Wesen Got­tes und sei­nen Zie­len (Hes 33,11; 1 Tim 2,4). Um 1 Kor 15,24–28 („Gott alles in allem“) zu erfül­len, müss­te Gott auch der Herr über die Höl­le sein. Soll ein Gott der Lie­be und des Erbar­mens ewig eine Lei­dens­sphä­re zu erhalten/beherrschen müs­sen, wenn doch die völ­li­ge Ver­nich­tung für den all­mäch­ti­gen Gott auch mög­lich wäre? Was ist mit Got­tes Gerech­tig­keits­ver­ständ­nis? Rei­ne, end­lo­se Retri­bu­ti­on ohne Ziel der Been­di­gung des Bösen bleibt theo­lo­gisch frag­lich.
  • Wie pas­sen “kei­ne Trä­nen, kein Leid” der Erlös­ten zusam­men mit dem Wis­sen (nach Lk 16 auch dem Beob­ach­ten), dass Mil­li­ar­den Men­schen ewig in uner­träg­li­cher Qual lei­den? Ent­we­der:
  1. Die Erlös­ten wis­sen nichts davon (dann gibt es in der neu­en Schöp­fung kei­ne vol­le Erkennt­nis und man kann fra­gen, war­um Gott die­se Mög­lich­keit nicht schon nach dem Sün­den­fall erwo­gen hat)
  2. Die Erlös­ten wis­sen es, aber es küm­mert sie nicht (dann sind sie fun­da­men­tal ver­än­dert – Die The­se „ver­klär­te Affek­te = kei­ne Trau­er trotz Wis­sen“ ist spe­ku­la­tiv und text­lich nicht belegt)
  3. Es gibt kei­ne ewi­ge Qual (dann ist Offb 21,4 wider­spruchs­frei erfüllt)

Fazit: Ob die Höl­le „trös­tend“ ist, hängt davon ab, ob das Opfer sich nach Rache sehnt und dabei kein Mit­leid emp­fin­det, wenn der Übel­tä­ter für alle Ewig­keit lei­den muss. Dies mag mensch­lich sein, ist aber nicht biblisch.


6. „… um das Böse zu bändigen“

Das Argu­ment

Hugh Ross, ein ame­ri­ka­ni­scher Autor, macht in sei­nem Buch The Fin­ger­print of God (S. 178) eine bemer­kens­wer­te Aus­sa­ge (frei über­setzt):

Hät­te Gott den Men­schen in der Höl­le kei­ne Qua­len auf­er­legt, so wür­den sich die Men­schen dort bis zu einem uner­mess­li­chen Grad gegen­sei­tig ärgern (Jer 17,9). Ein Zweck der Qua­len ist es, die ‘Mani­fes­ta­ti­on des Bösen’ zurück­zu­hal­ten. Man­che müs­sen mehr zurück­ge­hal­ten wer­den als ande­re.

Die Wider­le­gung

Die­ses Argu­ment ist beson­ders pro­ble­ma­tisch auf meh­re­ren Ebe­nen:

Ers­tens: Die Bibel­stel­le belegt die Aus­sa­ge über­haupt nicht.

Jere­mia 17,9 sagt: „Über­aus trü­ge­risch ist das Herz und bös­ar­tig; wer kann es ergrün­den?

Die­se Aus­sa­ge spricht von der gefal­le­nen mensch­li­chen Natur im All­ge­mei­nen, nicht von Ver­hal­ten in der Höl­le. Es gibt kei­ne bibli­sche Grund­la­ge für die Behaup­tung, dass Men­schen in der Höl­le sich gegen­sei­tig quä­len wür­den.

Zwei­tens: Die Logik ist nicht schlüs­sig.

Gott quält Men­schen ewig, um sie davon abzu­hal­ten, sich gegen­sei­tig zu quä­len? Das ist wie zu sagen: „Ich schla­ge mein Kind stän­dig fort­lau­fend, damit es kei­ne Gele­gen­heit hat, ande­re zu schla­gen.“ Die „Lösung“ ist schlim­mer als das ver­meint­li­che Pro­blem.

Drit­tens: Es gibt offen­sicht­lich bes­se­re Lösun­gen.

Wenn das Pro­blem wäre, dass Men­schen in der Höl­le sich gegen­sei­tig scha­den, könn­te Gott:

  • Sie ein­fach ver­nich­ten (was die Leh­re der tota­len Ver­nich­tung ver­tritt)
  • Sie von­ein­an­der tren­nen (räum­li­che Iso­la­ti­on)
  • Ihre Fähig­keit, ande­ren zu scha­den, auf­he­ben

Alle die­se Optio­nen wären gerech­ter und barm­her­zi­ger als ewi­ge Fol­ter.

Vier­tens: Das legt die argu­men­ta­ti­ve Schwä­che die­ser Begrün­dung nahe.

Wenn man zu solch absur­den Erklä­run­gen grei­fen muss, um die Leh­re der ewi­gen Qual zu recht­fer­ti­gen, soll­te man die Grund­prä­mis­se selbst hin­ter­fra­gen. Dies ist ein Zei­chen, dass die Leh­re sich nicht kon­sis­tent ver­tei­di­gen lässt.

Fünf­tens: Es führt zu einem Got­tes­bild, das mit zen­tra­len bibli­schen Aus­sa­gen über Got­tes Liebe/Güte schwer ver­ein­bar ist.

Ein Gott, der Men­schen ewig fol­tert, um sie vor gegen­sei­ti­ger Fol­ter zu schüt­zen, ist nicht gerecht oder barm­her­zig, son­dern grau­sam. Dies wider­spricht fun­da­men­tal dem bibli­schen Zeug­nis von Got­tes Cha­rak­ter:

1Joh 4,8: „Gott ist Lie­be.“ 2Kor 1,3: „Gott allen Tros­tes.“ Ps 145,9: „Der HERR ist gütig gegen alle.“

Fazit: Die­ses Argu­ment ist biblisch unbe­grün­det, logisch absurd und theo­lo­gisch schwer ver­mit­tel­bar.


Fazit: Die Erklärungsversuche scheitern

Die Ver­su­che, die Leh­re der ewi­gen Qual zu recht­fer­ti­gen, blei­ben aus mei­ner Sicht unzu­rei­chend. Sie kön­nen nicht erklä­ren:

  1. War­um eine zeit­lich begrenz­te Sün­de eine zeit­lich unbe­grenz­te Stra­fe recht­fer­tigt
  2. Wie ewi­ge Qual mit Got­tes Lie­be, Gerech­tig­keit und Barm­her­zig­keit ver­ein­bar ist
  3. War­um Gott nicht ein­fa­che­re und gerech­te­re Lösun­gen wählt (z. B. Ver­nich­tung)
  4. Wie die neue Erde ein Ort ohne Leid sein kann, wenn ewig Men­schen gequält wer­den (Offb 21,4)

Statt­des­sen offen­ba­ren die­se Erklä­rungs­ver­su­che:

  • Logi­sche Feh­ler (z. B. argu­men­tum ad igno­ran­ti­am)
  • Unbi­bli­sche Got­tes­bil­der (Ein Got­tes­bild, das als will­kür­lich oder grau­sam wahr­ge­nom­men wer­den kann und schwer mit den bibli­schen Aus­sa­gen über Got­tes Lie­be und Gerech­tig­keit ver­ein­bar ist.)
  • Kon­stru­ier­ten Begrün­dun­gen (wie „Fol­ter gegen Fol­ter“)
  • Man­geln­de bibli­sche Grund­la­ge (phi­lo­so­phi­sche Spe­ku­la­ti­on statt Schrift­aus­le­gung)

Die Schwä­che die­ser Argu­men­te ist selbst ein Argu­ment gegen die Leh­re der ewi­gen Qual. Wenn die Leh­re wahr wäre, soll­te sie sich klar biblisch begrün­den und ver­tei­di­gen las­sen. Dass teils wenig trag­fä­hi­ge Begrün­dun­gen ange­führt wer­den, legt nahe, dass die Leh­re selbst feh­ler­haft ist.

Die Alter­na­ti­ve – die Leh­re der tota­len Ver­nich­tung – benö­tigt sol­che kom­pli­zier­ten Recht­fer­ti­gun­gen nicht. Sie ist:

  • Biblisch klar ver­an­kert (sie­he vori­ge Tei­le die­ser Aus­ar­bei­tung)
  • Mit Got­tes Cha­rak­ter ver­ein­bar (gerecht, lie­bend, barm­her­zig)
  • Logisch kohä­rent (kei­ne Wider­sprü­che)
  • Gerecht und ver­hält­nis­mä­ßig (end­gül­ti­ge, aber nicht end­lo­se Stra­fe)
  • Ver­ein­bar mit der neu­en Schöp­fung (Offb 21,4: kei­ne Trä­nen, kein Leid mehr)

Dies soll­te uns zu den­ken geben.


Zusammenfassung der Kritik

Die Ergeb­nis­se die­ser Aus­ar­bei­tung sto­ßen auf ver­brei­te­te Kri­tik; zahl­rei­che Publi­ka­tio­nen wid­men sich der Wider­le­gung der Ergeb­nis­se. Betrach­tet man ein­zel­ne Bibel­stel­len iso­liert, las­sen die­se sich durch­aus im Sin­ne der tra­di­tio­nel­len Sicht­wei­se inter­pre­tie­ren. Die hier vor­ge­schla­ge­nen Aus­le­gun­gen mögen im Ein­zel­fall weni­ger intui­tiv erschei­nen, doch letzt­lich müs­sen fol­gen­de Kern­fra­gen gestellt wer­den:

  • Wor­um geht es dem bibli­schen Autor an die­ser Stel­le pri­mär? Was ist sein eigent­li­ches The­ma? Steht wirk­lich die Natur von Tod oder Höl­le im Fokus?
  • Gibt es Stel­len, an denen sich der Autor expli­zit und bewusst mit dem The­ma Tod oder Höl­le aus­ein­an­der­setzt? Har­mo­nie­ren die­se mit dem Ver­ständ­nis der schwer inter­pre­tier­ba­ren Pas­sa­ge?
  • Wie ord­net sich die Stel­le in das Gesamt­zeug­nis der Schrift zu Tod und Höl­le ein? Ist die gewähl­te Aus­le­gung kon­sis­tent mit ein­deu­ti­ge­ren Bibel­stel­len?

Falls eine pro­ble­ma­ti­sche Pas­sa­ge im Kon­text eines völ­lig ande­ren The­mas steht oder im Wider­spruch zu deut­li­che­ren Aus­sa­gen des­sel­ben Autors erscheint, ist Vor­sicht gebo­ten. Es ist metho­disch bedenk­lich, eine Rand­be­mer­kung als Haupt­be­weis gegen ein sys­te­ma­ti­sches Kon­zept anzu­füh­ren.

Es ist oft leich­ter, ein bestehen­des Kon­zept zu kri­ti­sie­ren, als eine eige­ne, in sich geschlos­se­ne Posi­ti­on zu ver­tei­di­gen. Letz­te­res wird in der Aus­ein­an­der­set­zung mit die­ser Aus­ar­bei­tung häu­fig ver­nach­läs­sigt. Kri­ti­ker beschrän­ken sich oft dar­auf, ihren Stand­punkt punk­tu­ell zu unter­mau­ern und Gegen­ar­gu­men­te zu schwä­chen, ohne ihre eige­ne Sicht einer kri­ti­schen Prü­fung zu unter­zie­hen. Auf wider­sprüch­li­che Bibel­stel­len wird dabei sel­ten ein­ge­gan­gen. Es scheint oft die Annah­me vor­zu­herr­schen, es genü­ge, ein plau­si­bles Alter­na­tiv­mo­dell anzu­zwei­feln. Hier besteht ein metho­di­scher Nach­hol­be­darf, der auf der nächs­ten Sei­te ver­tie­fend the­ma­ti­siert wird.

Nachwort und Warnung

Die Fra­ge „Ewi­ge Qual oder ewi­ge Ver­nich­tung“ ist hoch­kom­plex. Auch wenn es kaum mög­lich ist, eine in jeder Hin­sicht unan­greif­ba­re Inter­pre­ta­ti­on zu lie­fern, ergibt sich doch ein kon­sis­ten­tes Bild der bibli­schen Vor­stel­lun­gen über den Tod und den Zustand der Ver­stor­be­nen.

Wer meint, die „Höl­le“ ver­harm­lo­sen zu kön­nen, weil sie „nur“ einen end­li­chen Ver­nich­tungs­pro­zess dar­stellt, ver­kennt die exis­ten­zi­el­le Not und die Ängs­te, die mit die­sem End­ge­richt ver­bun­den sind. Das Neue Tes­ta­ment betont nicht ohne Grund sie­ben­fach das Bild vom „Heu­len und Zäh­ne­klap­pern“.

Trotz der Per­spek­ti­ve einer end­gül­ti­gen Ver­nich­tung blei­ben das End­ge­richt und der „zwei­te Tod“ ein zutiefst erns­tes The­ma. Die­se Aus­le­gung zielt nicht dar­auf ab, die Kon­se­quen­zen der Got­tes­fer­ne klein­zu­re­den. Die Hei­li­ge Schrift zeich­net ein kla­res Bild: Gott ver­ur­teilt die Sün­de, liebt jedoch den Men­schen und ach­tet des­sen frei­en Wil­len. Er zwingt nie­man­den in sei­ne Gemein­schaft, der ihn und sei­ne Ord­nun­gen ablehnt. Auf der neu­en Erde wird die Sün­de kei­nen Platz mehr haben – alles ande­re wäre in der Tat eine ewi­ge Höl­le, sowohl für den „ewi­gen Rebel­len“ als auch für die­je­ni­gen, die unter den Fol­gen die­ser Rebel­li­on lei­den müss­ten.

» Wei­ter zur den Her­aus­for­de­run­gen zum Zustand der Toten



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