Stellungnahme zum Artikel

Herkunft und Bedeutung unseres Kalenders[1]

und zur Behauptung, dass sich der Wochentagzyklus 321 n. Chr. geändert habe[2]

Im Rah­men der Fra­ge, ob der Sab­bat der “rich­ti­ge Fei­er­tag” ist, wird oft behaup­tet, dass die Fra­ge irrele­vant sei, da heu­te nicht mehr ent­schie­den wer­den kön­ne, wel­cher Tag der Sab­bat sei. Titus Vogt, ein evan­ge­li­scher Sab­bat-Kri­ti­ker, behaup­tet zudem, dass eine Kalen­der­re­form statt­ge­fun­den habe, die auch den Wochen­zy­klus unter­bro­chen habe [2]. Er zitiert dabei aus dem Buch “Ein Tag zuviel” von Han­nes Schlag [3] und schluss­fol­gert, dass die Adven­tis­ten den Mitt­woch als Ruhe­tag hal­ten müss­ten. Schlag beruft sich wie­der­um auf Robert Sträu­li und des­sen Arti­kel “Her­kunft und Bedeu­tung unse­res Kalen­ders” in der Zeit­schrift Mus­ei­on 2000. Sträu­li behaup­tet, dass Kai­ser Kon­stan­tin I. (Regie­rungs­zeit 306 bis 337 n. Chr.) eine ent­spre­chen­de Kalen­der­re­form durch­ge­führt habe. Da Sträu­li bereits 1997 ver­stor­ben ist und daher nicht mehr zu Details befragt wer­den kann, habe ich den besag­ten Arti­kel näher unter­sucht.

Es ist bedau­er­lich, dass Titus Vogt zwar über die Jah­re sei­nen Bei­trag “Zur Sab­bat­fra­ge” über­ar­bei­tet hat, um auf Ein­wän­de gegen sei­ne Aus­füh­run­gen ein­zu­ge­hen, aber nicht von sei­ner Behaup­tung, der Wochen­zy­klus habe sich geän­dert, abrückt. Tat­säch­lich kann man die­se Behaup­tung als unhalt­bar betrach­ten. Ins­ge­samt bleibt es aber bei einer Zusam­men­tra­gung der wenig über­zeu­gen­den typi­schen Aus­sa­gen, die angeb­lich für eine Sonn­tags­fei­er und gegen eine Sab­bat­hei­li­gung spre­chen. Die­se wer­den im Arti­kel Sab­bat oder Sonn­tag? Dis­ku­tiert. Der Bei­trag von Vogt wird auf einer Extra­sei­te kom­men­tiert.

Hauptaussage des Artikels

Dreh- und Angel­punkt der Argu­men­ta­ti­on von Sträu­li ist das Todes­da­tum Jesu, das nach unse­rem heu­ti­gen Kalen­der auf einen Diens­tag fal­len wür­de. “Auf der Suche nach der Feh­ler­quel­le stie­ßen wir auf Kon­stan­tins Kalen­der­ver­än­de­rung des Jah­res 321. Der Kai­ser hat­te in die­sem Jahr zu nicht näher bekann­ten Zeit den »Tag des Herrn« (Sonn­tag) zum Jupi­ter geweih­ten Tag (Don­ners­tag) gemacht, zugleich aber die Sie­ben­ta­ge­wo­che gesetz­lich ver­an­kert.” ([L1], S. 23)

Gemäß die­ser Ver­än­de­rung müss­ten die Wochen­ta­ge gemäß der fol­gen­den Tabel­le abge­gli­chen wer­den:

Wochen­tag vor 321 n. Chr. Wochen­tag nach 321 n. Chr.
Sonn­tag (feria pri­ma)321 n. Chr.Don­ners­tag (Iovis dies)
Mon­tag Frei­tag
Diens­tag Sams­tag
Mitt­woch Sonn­tag
Don­ners­tag Mon­tag
Frei­tag Diens­tag
Sams­tag Mitt­woch

Als Beleg für die Reform führt Sträu­li den Bericht des Euse­bi­os [4] von Caesarea an, der davon berich­tet, dass ein gewis­ser App­hia­nus am Frei­tag, den 2. April 306 n. Chr. getö­tet wor­den sei. Die­ser Tag müss­te aber nach unse­rem Kalen­der ein Diens­tag gewe­sen sein. Erst durch die Ver­schie­bung der Wochen­ta­ge, die laut Sträu­li 321 n. Chr. statt­ge­fun­den hat, stim­men Datum- und Wochen­tags­an­ga­be über­ein.

Hat sich der Wochenzyklus tatsächlich geändert?

Sträu­li beginnt sei­ne Aus­füh­run­gen mit dem his­to­ri­schen Kalen­der der Israe­li­ten. Der reli­giö­se Kalen­der beginnt mit dem Monat Abib bzw.Nisan [5] (Ähren­mo­nat) und endet mit dem Monat Adar bzw. Ve-Adar im Schalt­jahr. Die Mona­te wer­den von Neu­mond zu Neu­mond gezählt. Da ein rei­nes Mond­jahr ca. 11 Tage kür­zer als ein Son­nen­jahr ist, wür­den sich die Mona­te gegen­über den Jah­res­zei­ten ver­schie­ben [6]. Die Metho­de, nach der die Israe­li­ten ihr Jahr anpass­ten, wird in der jüdi­schen Über­lie­fe­rung beschrie­ben: Zeich­ne­te es sich im 12. Monat (Adar) ab, dass der Wuchs von Gers­te so sehr in Rück­stand war, dass zur Mit­te des nächs­ten Monats kei­ne rei­fe Gers­te geben wür­de, wur­de ein Schalt­mo­nat (Ve-Adar) aus­ge­ru­fen. Durch­schnitt­lich tra­ten in 19 Jah­ren sie­ben Jah­re mit 13 Mona­ten auf. Solan­ge der Tem­pel stand, war das Kalen­der­sys­tem mit der ers­ten Sich­tung der Mond­si­chel nach Neu­mond und der Gers­teern­te ver­bun­den. Spä­ter wur­den Sys­te­me ent­wi­ckelt, wel­che die Schalt­mo­na­te im Vor­aus berech­nen.

Laut Sträu­li erstreckt sich die Korn­rei­fe der Gers­te (und damit der Ter­min für den Monat Abib bzw. Nisan) von Mit­te April bis Mit­te Mai ([L1], S. 5). Dem wider­spre­chen [L4], [L5] und [L6], die jeweils März bzw. April für den Ähren­mo­nat ange­ben.

Bevor Sträu­li auf das Kern­pro­blem, d. h. den Kreu­zi­gungs­tag Jesu, stößt, äußert er noch eini­ge frag­wür­di­ge Behaup­tun­gen: Sträu­li behaup­tet z. B., dass die Israe­li­ten am 27. April 1244 v. Chr. aus Ägyp­ten aus­ge­zo­gen sei­en ([L1], S. 5). Dabei las­sen sich die­ses Ereig­nis, die anschlie­ßen­de Wüs­ten­wan­de­rung und die Besitz­nah­me von Kana­an schwer datie­ren – ver­glei­che [L7]. Das Datum 1244 v. Chr. steht dort erst gar nicht zur Debat­te.

Fer­ner schreibt Sträu­li ([L1], S. 14), dass die Juden “den ers­ten Wochen­tag … zum sieb­ten, letz­ten Wochen­tag her­ab­wür­dig­ten. Die­ser sieb­te Tag wur­de ihr Sab­bat. Da aber die Zahl Sie­ben nach dem Aber­glau­ben der Baby­lo­ni­er mit vie­ler­lei Übeln behaf­tet war, beschlos­sen die Israe­li­ten, am Sab­bat als dem sieb­ten Wochen­tag mög­lichst vie­les zu unter­las­sen und zu ver­bie­ten.”. Die­se wie auch ande­re Behaup­tun­gen wer­den von Sträu­li ohne jeg­li­che Begrün­dung geäu­ßert. Das letz­te Zitat ist mit den Aus­sa­gen der Bibel unver­ein­bar und zeigt einen selek­ti­ven Umgang [7] mit der Hl. Schrift.

Sträu­li ver­tritt die Ansicht, dass Jesus im Jahr 28 n. Chr. gestor­ben sei, und beruft sich auf die Über­lie­fe­run­gen von Kle­mens von Alex­an­dria, Orig­e­nes, Ter­tul­li­an und Euse­bi­os [8]. Die­ses Datum scheint aber unglaub­wür­dig und wird heu­te nicht mehr favo­ri­siert. Quel­len wie [L4] oder [L5] gehen eher von den Jah­ren 30 oder 31. n. Chr. aus. Manch­mal wird auch das Jahr 33 n. Chr. in Erwä­gung gezo­gen.

Aus­ge­hend vom Jahr 28 n. Chr. bestimmt Sträu­li den 14. Nisan als Todes­tag [9], wel­cher nach sei­nen Über­le­gun­gen der 27. April im Jahr 28 gewe­sen sein muss (eben da, S. 17). Die­ses ist aber ein Diens­tag gewe­sen und kein Frei­tag, wie man z. B. aus Lk 24, 7 fol­gern kann.

Um die­ses “scho­ckie­ren­de Ergeb­nis” zu erklä­ren, begab sich Sträu­li auf die Suche nach der Feh­ler­quel­le (vgl. ein­lei­ten­des Zitat oben, S. 1). Nach­dem die Erklä­rung ver­wor­fen wur­de, laut der die Juden drei Tage lang schlech­tes Wet­ter hat­ten und die Mond­si­chel nicht sich­ten konn­ten, offen­bart er dem Leser sei­ne Lösung: Kai­ser Kon­stan­tin habe den Kalen­der samt Wochen­zy­klus ver­än­dert ([L1], S. 21–24).

Damals mach­te er die Woche mit sie­ben nach Son­ne, Mond und den Pla­ne­ten benann­ten Tagen im Römer­reich zum Gesetz. Außer­dem ver­füg­te er, der »Tag der Son­ne« sol­le, nun­mehr der alle sie­ben Tage wie­der­keh­ren­de Sonn­tag sein. Für die­sen Tag ver­bot Kon­stan­tin Gewer­be­be­trieb und Gerichts­sit­zun­gen. Vor­her hat­te er noch den Markt­tag in Rom, der frü­her alle acht Tage statt­fand, auf den »Tag der Son­ne« ver­legt.” ([L1], S. 21)

Die Römer hat­ten in der Tat alle acht Tage einen Markt­tag, an dem die Arbeit ruh­te und die Bevöl­ke­rung ihre Erzeug­nis­se ver­kauf­te bzw. kauf­te und sich über Geset­ze und Ver­laut­ba­run­gen infor­mier­te. Die­se muss­ten über den Zeit­raum von drei Markt­ta­gen öffent­lich ange­schla­gen sein. Die Römer nann­ten die ein­zel­nen Tage seit der Kai­ser­zeit nach den sie­ben damals bekann­ten (mit dem blo­ßen Auge erkenn­ba­ren) Pla­ne­ten und nach der Son­ne und dem Mond. Die “astro­lo­gi­sche Woche”, die sich seit Augus­tus (also schon zur Zeit Jesu!) all­mäh­lich ver­brei­te­te, brei­te­te sich im gan­zen Impe­ri­um zusam­men mit dem Mithras-Kult [10], einem belieb­ten Son­nen­kult unter römi­schen Sol­da­ten, aus.

All­mäh­lich tra­ten die Pla­ne­ten als Zeit­herr­scher immer mehr her­vor: Es voll­zog sich, offi­zi­ell wohl seit dem zwei­ten Jahr­hun­dert nach Chris­tus, der Über­gang zur Pla­ne­ten­wo­che mit ihren sie­ben Tagen. Sie begann mit dem dies Solis, dem Tag der Son­ne, dann folg­te der Tag der Luna, des Mon­des, Mon­tag, dann kamen Mars, Mer­kur, Jupi­ter, Venus und Saturn. Im Deut­schen sind die Namen durch die der ent­spre­chen­den ger­ma­ni­schen Göt­ter ersetzt, wie Jupi­ter durch Donar, Don­ners­tag, Venus durch Freya, Frei­tag. In den roma­ni­schen Spra­chen sind die alten Göt­ter­na­men noch gut erkenn­bar, wie vendre­di und ven­er­di, Tag der Venus, Frei­tag, im Fran­zö­si­schen und Ita­lie­ni­schen. Ruhe­tag war nun der Sams­tag, der Tag des Saturn. Die­ser Gott wird oft als der Ruhen­de dar­ge­stellt, als Pla­ne­ten­gott übt er schäd­li­che Ein­flüs­se aus, man bleibt also lie­ber ruhig zu Hau­se. Aber auch der jüdi­sche Sab­bat spiel­te als Vor­bild für den neu­en römi­schen Ruhe­tag eine Rol­le.” ([L8], Her­vor­he­bun­gen vom Autor)

Sträu­li irrt sich, wenn er behaup­tet, dass Kon­stan­tin 321 n. Chr. die sie­ben­tä­gi­ge Woche ein­ge­führt habe [11]. Sie war bereits über hun­dert Jah­re zuvor all­ge­mein bekannt. Es mag natür­lich sein, dass an man­chen Orten (viel­leicht in Rom?) der acht­tä­gi­ge Markt­ta­g­rhyth­mus län­ger in Gebrauch war. Fest steht aber, dass der Sams­tag sei­ner­zeit als Ruhe­tag galt und eine sie­ben­tä­gi­ge Woche de fac­to schon gül­tig war.

Im Codex Jus­ti­nia­nus ist fest­ge­hal­ten, dass Kon­stan­tin den “Tag der ver­eh­rungs­wür­di­gen Son­ne” zum Ruhe­tag ernann­te. Die­ses ist nicht wei­ter ver­wun­der­lich, da der Kai­ser Anhän­ger des Mithra-Kults war. Die­ses wird auch von Sträu­li ange­ge­ben, obgleich die­ser ihn auch als Anhän­ger des Reich­got­tes Jupi­ters bezeich­net. Sträu­li behaup­tet fer­ner, dass Kon­stan­tin beim Kon­zil von Nicaea Jupi­ter mein­te, wenn er von Gott gespro­chen habe (vgl. [L1], S. 22).  Da Sträu­li auch hier kei­ne Bele­ge prä­sen­tiert, muss die­se Aus­sa­ge mit Vor­sicht genos­sen wer­den.

Sträu­li behaup­tet fer­ner, dass eini­ge treue Chris­ten den Tag nach der angeb­li­chen Reform von 321 n. Chr. rich­tig wei­ter­zähl­ten, bis Kai­ser Jus­ti­ni­an (527–565) dem ein Ende mach­te (eben da, S. 22). Auch hier blei­ben vie­le offe­ne Fra­gen: Wel­che Chris­ten zähl­ten rich­tig wei­ter? Wie mach­te Jus­ti­ni­an dem ein Ende? Wel­che Quel­len bele­gen dies?

Es bleibt unver­ständ­lich, wie Sträu­li zum Schluss kommt, dass der Kai­ser aus dem »Tag des Herrn« einen Don­ners­tag mach­te. Kon­stan­tins Nähe zum “Son­nen­gott” wird durch sei­nen Erlass 321 n. Chr. (Codex Jus­ti­nia­nus) mehr als deut­lich. War­um soll­te er aus­ge­rech­net den Tag der Son­ne auf den Tag Jupi­ters ver­le­gen?

Der Jupi­ter hat­te zur Zeit Dio­kle­ti­ans eine wich­ti­ge Rol­le gespielt. Er selbst – als Füh­rer einer Tetrar­chie – galt fort­an als Ver­kör­pe­rung des Jupi­ter, des obers­ten Got­tes. Kon­stan­tin hin­ge­gen ließ sich nicht als Jupi­ter dar­stel­len. Sei­ne Mün­zen zei­gen vie­le Ele­men­te des Son­nen­kul­tes. Der Kai­ser ließ sich in Beglei­tung des unbe­sieg­ba­ren Son­nen­got­tes und ande­rer Göt­ter abbil­den. Eine Prä­fe­renz für Jupi­ter, als wich­tigs­ten Gott, wird nicht sicht­bar. Daher ist es unglaub­wür­dig, dass er den Sonn­tag (Son­nen­kult!) auf den Don­ners­tag (Tag des Jupi­ters) ver­legt haben soll.

Dr. Jörg Sie­ger schreibt über Kon­stan­tin und sei­ne Fest­le­gung des Sonn­tags als Fei­er­tag:

Kon­stan­tin selbst dürf­te in die­ser Fra­ge durch­aus von macht­po­li­ti­schen Gesichts­punk­ten getrie­ben wor­den sein. Er hat­te erkannt, dass die Chris­ten zu einer sol­chen Grö­ße im Impe­ri­um her­an­ge­wach­sen waren, dass man ganz ein­fach mit ihnen zu rech­nen hat­te. Gegen die Chris­ten konn­te man das Impe­ri­um nicht mehr füh­ren.

Ande­rer­seits hielt sich Kon­stan­tin alle Türen offen. Er ver­such­te, es sich mit nie­man­dem zu ver­der­ben. Als er bei­spiels­wei­se den Sonn­tag zum Fei­er­tag mach­te, konn­te er auf die Zustim­mung der Chris­ten bau­en, die an die­sem Tag die Auf­er­ste­hung ihres Herrn fei­er­ten. Er konn­te sich aber auch genau­so des Bei­falls eines Groß­teils der Sol­da­ten sicher sein. Denn der Sonn­tag war auch der Tag des unbe­sieg­ba­ren Son­nen­got­tes, den vie­le Sol­da­ten ver­ehr­ten.” (sie­he [L9])

Für die Behaup­tung Sträu­lis, Kon­stan­tin habe den Tag der Son­ne auf den Tag Jupi­ters ver­la­gert, fin­den sich kei­ne Bele­ge. Das Schwei­gen der his­to­ri­schen Quel­len ist hier­bei sehr ver­däch­tig, beson­ders wenn die “Hei­den” in der Neu­ord­nung den Sieg des Reichs­got­tes Jupi­ter erblick­ten, wie Sträu­li behaup­tet ([L1], S. 23). Die Aus­sa­ge, dass die Chris­ten die Neu­ord­nung als Ein­füh­rung [12] der Sie­ben­ta­ge­wo­che [13] gefei­ert hät­ten, ist zu bezwei­feln, da die­se schon längst bekannt war (sie­he oben).

Ver­bleibt der Hin­weis auf den Bericht des Euse­bi­os von Caesarea (s. oben), wel­cher angibt, dass der 2. April 306 n. Chr. ein Frei­tag gewe­sen sei. Sträu­li hat auch hier auf Sand gebaut: Ver­mut­lich hat er sei­ne Infor­ma­ti­on aus dem Werk “Über die Mär­ty­rer in Paläs­ti­na” (das kurio­ser­wei­se in zwei Ver­sio­nen vor­liegt [14]). Aller­dings hat Sträu­li “über­se­hen” [15], dass Euse­bi­os zwei wei­te­re Zeit­an­ga­ben macht. Alle drei Daten kön­nen nicht in Ein­klang gebracht wer­den, d. h. sei­ne Zeit­an­ga­ben sind unbrauch­bar (s. Tabel­le unten). Ver­mut­lich hat Euse­bi­os die Ereig­nis­se nach län­ge­rer Zeit nie­der­ge­schrie­ben und sich im Datum oder bei der Nen­nung des Wochen­ta­ges geirrt. Viel­leicht war es auch nur “Rhe­to­rik”, die Ereig­nis­se auf den Todes­tag Jesu (Frei­tag) bzw. auf sei­nen Auf­er­ste­hungs­tag (Sonn­tag) zu legen.

Zeit­an­ga­ben aus dem Werk “Über die Mär­ty­rer in Paläs­ti­na” (vgl. [10])

Kapi­telVersTag und MonatWochen­tag nach Euse­bi­osWochen­tag nach heu­ti­gem Kalen­derVer­schie­bung gegen­über dem heu­ti­gen Kalen­der
Jahr [16]Tag
IV152. AprilRüst­tag (Frei­tag)306
307
308
309
Diens­tag Mitt­woch Frei­tag Sams­tag-3
-2
0
+1
VI120. Novem­ber  der Tag vor dem Sab­bat (Frei­tag)306
307
308
309
Mitt­woch Don­ners­tag Sams­tag Sonn­tag-2
-1
+1
+2
VII12. Aprilder Tag, an dem der Erlö­ser auf­er­stan­den ist (Sonn­tag)307
308
309
Mitt­woch Frei­tag Sams­tag-4
-2
-1

Fazit zu­m Artikel “Herkunft und Bedeutung unseres Kalenders”

Sträu­li nimmt an, dass Jesus am 27. April des Jah­res 28 gekreu­zigt wur­de. Da die­ser Tag gemäß unse­rem Kalen­der ein Diens­tag und kein Frei­tag war, sucht er eine Lösung für die­sen Wider­spruch. Anstatt aber ein­zu­se­hen, dass sich anti­ke jüdi­sche Zeit­an­ga­ben nicht auf den Tag genau fest­le­gen las­sen, unter­stellt er Kon­stan­tin eine Kalen­der­re­form – für die es jedoch kei­ner­lei his­to­ri­sche Quel­len gibt. Der Ver­such, Kon­stan­tin als Anhän­ger Jupi­ters dar­zu­stel­len und eine Her­vor­he­bung des Jupi­ter­tags (Don­ners­tag) zu begrün­den, wirkt wenig über­zeu­gend. Den his­to­ri­schen Quel­len zufol­ge stand Kon­stan­tin dem “Son­nen­gott” wesent­lich näher.

Der inter­es­san­te Hin­weis auf den Bericht des Euse­bi­os von Caesarea (s. oben) ent­puppt sich nach nähe­rer Unter­su­chung als unbrauch­bar. Damit ent­behrt Sträu­lis Behaup­tung zur Wochen­tags­re­form jeg­li­cher Grund­la­ge.


Start » Glau­be & Leh­re » Zur angeb­li­chen Ände­rung des Wochen­rhyth­mus

Literaturverzeichnis

[L1]         Sträu­li, Robert, Her­kunft und Bedeu­tung unse­res Kalen­ders, in: Mus­ei­on 2000, Heft 4/1991, ABZ Ver­lag Zürich

[L2]         http://www.die-voegte.de/sabbat.html (Autor: Titus Vogt)

[L3]         Schlag, Han­nes, Ein Tag zuviel, Königs­hau­sen & Neu­mann, Würz­burg 1998

[L4]         Rienecker, F. / Mai­er, G., Lexi­kon zur Bibel, Brock­haus Ver­lag, Wup­per­tal 1998

[L5]         Horn, S. H. et al., Seventh-Day Adven­tist Bible Dic­tion­a­ry, Review and Herald Publi­shing Asso­cia­ti­on, Hager­stown 1979

[L6]         http://www.jewishencyclopedia.com/view.jsp?artid=271&letter=A&search=abib (JewishEncyclopedia.com)

[L7]         http://www.wort-und-wissen.de/index2.php?artikel=i02‑2 (Arti­kel “Aus­zug und Land­nah­me – Mythos oder Rea­li­tät?” aus Info 02/02 – Nr. 59/Juni 2002)

[L8]         Gie­bel, Mario­n, “Vom Markt­tag zum Sonn­tag – Der anti­ke Kalen­der”, Hör­funk­bei­trag gesen­det im Baye­ri­schen Rund­funk in der Rei­he: “Die­se unse­re Welt” am 03.02.2002

[L9]         http://www.joerg-sieger.de/gesch/04_anf.htm (“Klei­ne Kir­chen­ge­schich­te” von Dr. Jörg Sie­ger)

[L10]     http://www.ccel.org/fathers2/NPNF2-01/Npnf2-01–13.htm#P4859_2227406  (“Nice­ne and Post-Nice­ne Fathers, Series II, Vol. I, Book VIII” bereit­ge­stellt von ‘The Chris­ti­an Clas­sics Ethe­re­al Libra­ry’)

[L11]     http://www.newadvent.org/cathen/05617b.htm (The Catho­lic Ency­clo­pe­dia)


Fußnoten

[1] Lite­ra­tur – sie­he [L1].

[2] Lite­ra­tur – sie­he [L2].

[3] Lite­ra­tur – sie­he [L3].

[4] ali­as Euse­bi­us Pam­phi­li. Die Schreib­wei­se Euse­bi­us scheint geläu­fi­ger zu sein als Euse­bi­os.

[5] Abib wur­de nach der baby­lo­ni­schen Gefan­gen­schaft Nisan genannt.

[6] So wie heu­te bei dem Kalen­der der Mos­lems.

[7] Ver­mut­lich betrach­tet Sträu­li Pas­sa­gen der Bibel, die nicht sei­ner Mei­nung ent­spre­chen, als ver­fälsch­te Tex­te. Die von ihm ange­ge­be­nen Bibel­stel­len (nach z. T. gewag­ter Inter­pre­ta­ti­on) hin­ge­gen kön­nen laut Sträu­li als Bele­ge die­nen. Sträu­li ist ver­mut­lich auch des­we­gen ein Anhän­ger der Wie­der­ge­burts­leh­re (Reinkar­na­ti­ons­leh­re) und lehnt wie z. B. die Zeu­gen Jeho­vas die Drei­ei­nig­keits­leh­re ab.

[8] Kon­kre­te Quel­len­an­ga­ben wären hier zur Prü­fung wün­schens­wert.

[9] Selbst der 14. Nisan ist – unab­hän­gig vom Jahr – umstrit­ten: Die Bibel­stel­len Mt 26, 17; Mk 14, 12; Lk 22, 7 legen den 14. Nisan nahe, hin­ge­gen berich­ten Johan­nes (Joh 20, 1) und Pau­lus (1Kor 5, 7) sowie der Tal­mud vom 15. Nisan. Die­ses lässt sich ver­mut­lich auf eine unter­schied­li­che Zähl­wei­se bei Pha­ri­sä­ern und Sad­du­zä­ern zurück­füh­ren. Sie­he [4] – Stich­wort Pas­sa.

[10] Der Mithras-Kult war eine bedeu­ten­de Reli­gi­on im Römi­schen Reich. Sei­nen Höhe­punkt erreich­te sie im zwei­ten Jahr­hun­dert nach Chris­tus. Dadurch wur­de sie zum Kon­kur­ren­ten für das Chris­ten­tum. Aller­dings konn­te sich die christ­li­che Reli­gi­on recht gut gegen­über dem Mithras-Kult durch­set­zen, da ver­schie­de­ne Fak­to­ren den Kult nega­tiv beein­fluss­ten. So war sie eine Män­ner­re­li­gi­on, bei der Frau­en prak­tisch aus­ge­schlos­sen wur­den. Wei­te­re Details: Sie­he Baby­lo­ni­scher Wein bei http://www.glaube.org/ !

[11] Sie­he Fuß­no­te 12.

[12] Meint Sträu­li an die­ser Stel­le ledig­lich eine gesetz­li­che Über­nah­me einer bereits übli­chen Pra­xis, so ist sei­ne Wort­wahl (“die Namen­chris­ten fei­er­ten als Sieg die Ein­füh­rung der Sie­ben­ta­ge­wo­che”) unglück­lich.

[13] Dabei sei ange­merkt, dass es Bele­ge für sab­bat­hal­ten­de Chris­ten auch für die ers­ten Jahr­hun­der­te gibt. Ihnen war also eine Sie­ben­ta­ge­wo­che bekannt!

[14] Ein alt­la­tei­ni­scher Text (MSS) und ein syri­scher Text (vgl. [11])!

[15] Es ist schon ver­wun­der­lich, dass Sträu­li kei­ne wei­te­ren Datums- und Wochen­tags­an­ga­ben aus Euse­bi­os Werk zur Unter­maue­rung sei­ner Behaup­tung her­an­ge­zo­gen hat, da er die­se Schrif­ten offen­bar gut kann­te.

[16] Die zeit­li­che Zuord­nung der Anga­ben ist nicht unpro­ble­ma­tisch (vgl. Fuß­no­ten 156 und 164 in [10]). Die farb­lich mar­kier­ten Stel­len ent­spre­chen der Zuord­nung aus den kom­men­tie­ren­den Fuß­no­ten und aus dem Text von Sträu­li. Selbst wenn man alle mög­li­chen Jah­res­zah­len berück­sich­tigt, sind alle drei Anga­ben nicht in Ein­klang zu brin­gen.

Nach oben scrollen