Die Weisen aus dem Morgenland und der geheimnisvolle Stern von Bethlehem

von
Armin Kra­ko­li­nig

Jedes Jahr im Jän­ner wer­den wir durch die drei Stern­sin­ger an eine Geschich­te erin­nert, die uns von der Bibel her als die Geschich­te der “Wei­sen aus dem Mor­gen­land” bekannt ist. Sie sol­len auf ihrer lan­gen Rei­se einem Stern gefolgt sein, der sie zum neu­ge­bo­re­nen König der Juden führ­te. So sagt es zumin­dest die christ­li­che Tra­di­ti­on. Jeder­mann weiß heu­te, wie viel in der Geschich­te um die­sen Stern schon gerät­selt wur­de. Wir wol­len uns nun die Fra­ge stel­len, was sich denn eigent­lich hin­ter die­sem geheim­nis­vol­len Stern ver­birgt und wie viel an die­ser Geschich­te durch das jahr­hun­der­te­al­te Brauch­tum über­haupt noch wahr geblie­ben ist.

Waren diese Weisen wirklich einem natürlichen Stern bzw. einem Kometen gefolgt?

Vor eini­gen Jah­ren, als der “Hal­ley­sche Komet” wie­der auf­tauch­te, konn­te man in eini­gen Zei­tungs­ar­ti­keln lesen, dass sogar Astro­no­men mei­nen, dass es viel­leicht die­ser Komet gewe­sen sein könn­te, dem vor etwa 2000 Jah­ren die Wei­sen gefolgt sind! Jedoch hat die Astro­no­mie bis­her in ihren Berech­nun­gen von Kome­ten kei­nen Hin­weis auf einen Kome­ten gefun­den, der um die Zeit der Geburt Jesu irgend­wo in Erd­nä­he sei­ne Bahn gezo­gen hät­te. (“Signa­le aus dem All” v. Wer­ner Gitt S 113 CLV Bie­le­feld)

Ich fra­ge mich nur, war­um seit­her und auch dies­mal, nie­mand die Idee hat­te, die­sem Hal­ley­schen Kome­ten mit Kame­len oder Pfer­den zu fol­gen. Hät­te es jemand doch ver­sucht, wäre er wahr­schein­lich psychiatrie­reif gewe­sen.

Sie mer­ken schon, wie absurd es eigent­lich wäre, zu glau­ben, die Wei­sen hät­ten damals mit Kame­len das geschafft, was wir heu­te nicht ein­mal mit dem Flug­zeug schaf­fen wür­den. Sol­cher­lei Geschich­ten ste­hen auch sicher nicht in der Bibel.

Der “Stern” eine Konjunktion von Planeten?

Johan­nes Kep­ler mein­te am 17. Dez. 1603, die Lösung für die­sen Stern gefun­den zu haben. Er beob­ach­te­te in die­ser Nacht das Zusam­men­tref­fen der Pla­ne­ten Jupi­ter und Saturn im Stern­bild des Schüt­zen. Das nennt man in der Astro­no­mie eine “Kon­junk­ti­on” Es ist eine Stel­lung zwei­er Gestir­ne in einer Linie mit der Erde. Kepp­ler errech­ne­te dann, dass es etwa um das Jahr 7 vor Chris­tus sogar eine drei­ma­li­ge Kon­junk­ti­on die­ser bei­den Pla­ne­ten gege­ben habe. Die­se bei­den Pla­ne­ten soll­ten daher um die­se Zeit in einer Rei­he mit der Erde gestan­den und so ein beson­de­res Licht gebil­det haben.

Da Jupi­ter bei den alten Völ­kern als Königs­stern bekannt war und Saturn nach alt­jü­di­scher Tra­di­ti­on Isra­el schüt­zen soll, schlos­sen die­se Wei­sen, dass die­ses beson­de­re Licht am Him­mel, die Geburt eines Königs in Isra­el bedeu­ten kann. (Infor­ma­ti­on aus : Signa­le aus dem All” v. Wer­ner Gitt!)

Vie­le ande­re Astro­no­men und nam­haf­te Wis­sen­schaft­ler schlos­sen sich bis­her die­ser Mei­nung an, und das ein­fa­che Volk sagt es oft nach, ohne näher zu über­le­gen, ob so etwas wirk­lich mög­lich gewe­sen sein konn­te.

Bevor wir aber die­sem Geheim­nis näher auf die Spur kom­men, fra­gen wir uns noch, wer die­se Leu­te wirk­lich waren, die die­sem Stern gefolgt sind?

Waren es wirklich “drei heilige Könige”?

Die christ­li­che Tra­di­ti­on spricht immer von drei Köni­gen, die die­sem Stern gefolgt waren. Lesen wir aber den bibli­schen Bericht etwas genau­er, so ist von Köni­gen über­haupt nicht die Rede und auch nicht von drei Köni­gen.

Mat­thä­us, der uns als ein­zi­ger der vier Evan­ge­li­ums­schrei­ber die­se Geschich­te berich­tet, spricht ledig­lich von “Wei­sen aus dem Mor­gen­land”. Wie­vie­le es waren, erwähnt er mit kei­nem Wort. Übli­cher­wei­se schließt man aus den drei Geschen­ken von Gold, Weih­rauch und Myr­rhe, dass es nur drei gewe­sen sei­en.

Es ist aber durch­aus mög­lich, dass es wesent­lich mehr Leu­te waren, die damals als Wei­se nach Jeru­sa­lem und dann wei­ter nach Beth­le­hem zogen. Denn es ist anzu­neh­men, dass wenn sich damals Wei­se auf eine so lan­ge Rei­se mach­ten, sie min­des­tens in Beglei­tung ihrer Knech­te und Mäg­de und ande­rer Die­ner waren. Viel­leicht war auch das mit ein Grund, war­um nicht nur Hero­des wegen ihrer Ankunft in Jeru­sa­lem erschrak, son­dern auch ganz Jeru­sa­lem! Mat­th. 2,3

Warum sollten es Könige gewesen sein?

Auf den Gedan­ken, dass es Köni­ge gewe­sen sein könn­ten, kam man mög­li­cher­wei­se, weil es Stel­len im Alten Tes­ta­ment gibt, die von Köni­gen spre­chen, die “ihm” Geschen­ke brin­gen wer­den. Nur ist dort nicht die Rede von drei Köni­gen und auch nicht in Zusam­men­hang mit sei­ner Geburt!

Zum im Bei­spiel in Ps. 72.10–11

“Die Köni­ge von Tar­sis und auf den Inseln sol­len Geschen­ke brin­gen, die Köni­ge aus Saba und Seba sol­len Gaben sen­den. Alle Köni­ge sol­len vor ihm nie­der­fal­len und alle Völ­ker ihm die­nen.”

Die­se Beschrei­bung kann nie­mals auf den Besuch der Wei­sen pas­sen!

Die Namen der drei Könige

Wie wir wis­sen, weiß die Tra­di­ti­on sogar die Namen von den drei Köni­gen zu berich­ten weiß. Kas­par, Mel­chi­or und Bal­ta­sar; Namen, die nir­gends in der Bibel vor­kom­men. Auch dies ist eine rei­ne Erfin­dung von mit­tel­al­ter­li­cher katho­li­scher Über­lie­fe­rung und Brauch­tums. All das ent­spricht in kei­ner Wei­se dem bibli­schen Bericht.

Wir kön­nen sicher anneh­men, dass es nicht Köni­ge, son­dern irgend­wel­che Phi­lo­so­phen bzw. Wei­sen mit einem grö­ße­ren Anhang waren. Denn wären es wirk­lich Köni­ge gewe­sen, hät­te sie der schlaue und ohne­hin schon miss­traui­sche Hero­des wohl nicht mehr aus dem Auge gelas­sen.

Aus­län­di­sche Köni­ge konn­ten damals auch nicht so ein­fach in ein frem­des Land zie­hen, denn das hät­te sofort den Ver­dacht eines Regie­rungs­um­stur­zes erregt! Wenn, dann konn­te das nur im Rah­men eines Staats­be­su­ches gemacht wer­den.

Herodes und die Weisen

Der Text sagt uns, dass die Ankunft der Wei­sen und ihre Erkun­di­gun­gen ganz Jeru­sa­lem, aber beson­ders auch Hero­des in Auf­re­gung und Schre­cken ver­setz­te.

Hero­des, der Hei­den­kö­nig, schenk­te der Ankunft der Wei­sen jedoch gro­ße Auf­merk­sam­keit. Er hat­te wohl als römi­scher Herr­scher ein jüdi­sches Kom­plott gegen sei­ne Königs­herr­schaft ver­mu­tet. So ließ er zunächst die jüdi­schen Schrift­ge­lehr­ten zu sich rufen, um zu erfah­ren, wo denn ihr Mes­si­as gebo­ren wer­den soll­te. Wahr­schein­lich hat­te er mit­be­kom­men, dass es Pro­phe­zei­un­gen über ihn gab, über wel­che die jüdi­schen Schrift­ge­lehr­ten Bescheid wis­sen muss­ten.

Tat­säch­lich nann­ten ihm die­se Schrift­ken­ner genau den vor­her­ge­sag­ten Geburts­ort gemäß einer 700 Jah­re alten Aus­sa­ge des Pro­phe­ten Micha. (Micha 5,1)

“Und Du Beth­le­hem Ephra­ta, die du klein bist unter den Städ­ten Juda, aus dir soll mir der kom­men, der in Isra­el Herr sei, und des­sen Aus­gang von Ewig­keit her gewe­sen ist”.

An die­ser Stel­le müss­te es uns sehr ver­wun­dern, war­um kei­ner der jüdi­schen Geist­lich­keit es für wert hielt, auch selbst in Beth­le­hem nach den Din­gen zu sehen. So waren die Schrift­ge­lehr­ten letzt­lich der Anlass, dass die­se heid­ni­schen Wei­sen zu Jesus in Beth­le­hem geführt wur­den, aber sie fan­den es nicht der Mühe wert, selbst dort­hin zu gehen, um zu sehen, was denn wohl hin­ter die­ser Erkun­di­gung der Wei­sen ver­bor­gen lag. Hier begann wohl schon das Dra­ma der Ver­wer­fung Jesu als Mes­si­as durch die jüdi­sche Geist­lich­keit.

Wollten die Schriftgelehrten Herodes täuschen?

Es ist sehr ver­wun­der­lich, dass die Schrift­ge­lehr­ten und Pries­ter dem ihnen im Prin­zip feind­lich gesinn­ten, römi­schen Lan­des­herrn Hero­des so frei­zü­gig den Geburts­ort für ihren erwar­te­ten Mes­si­as nann­ten. Nor­ma­ler­wei­se war es ja nicht unbe­dingt die Gepflo­gen­heit der Juden, so offen­her­zig über ihre Mes­si­as­er­war­tung zu spre­chen, und schon gar nicht zu den feind­li­chen Römern, unter deren Besat­zung sie ja gera­de lit­ten. Was mag da wohl dahin­ter­ste­cken?

Es ist sehr anzu­neh­men, und zum Teil wis­sen wir es auch heu­te, dass vie­le Juden damals in Wirk­lich­keit selbst nicht an die Geburt ihres Mes­si­as in Beth­le­hem glaub­ten. Sie wuss­ten zwar, dass David, einer ihrer größ­ten Köni­ge, dort gebo­ren wur­de, aber damit lie­ßen sie es auch bewen­den.

Aus jüdi­schen Über­lie­fe­run­gen ist näm­lich bekannt, dass vie­le Juden ihren Mes­si­as eher in Jeru­sa­lem erwar­te­ten, und nicht als Kind, das in Beth­le­hem gebo­ren wer­den soll­te. Sie erwar­te­ten viel mehr einen schon erwach­se­nen König, der über ihren Tem­pel vom Him­mel her­ab­kom­men bzw. ein­fach als beson­de­rer Held um ihren Tem­pel erschei­nen, und dann die Römer mit Gewalt aus dem Lan­de trei­ben soll­te.

Es gibt, soweit mir bis heu­te bekannt ist, kei­nen Hin­weis, dass die Juden damals tat­säch­lich ihren Mes­si­as als Kind in Beth­le­hem bzw. über­haupt als Kind erwar­te­ten. Der Geburts­ort für den Mes­si­as ist nach dem pro­phe­ti­schen Ver­ständ­nis der jüdi­schen Tra­di­ti­on nicht bekannt. Als daher die Schrift­ge­lehr­ten dem Hero­des Beth­le­hem als den Geburts­ort nann­ten, haben sie nach ihrem Ver­ständ­nis damit nicht den wah­ren Geburts­ort ver­ra­ten, son­dern den Hero­des getäuscht.

Die­ses ver­kehr­te Ver­ständ­nis über die mes­sia­ni­schen Pro­phe­zei­un­gen war wohl damals der Grund, dass die Schrift­ge­lehr­ten dem Hero­des ohne Beden­ken die­se Aus­kunft über Beth­le­hem gaben, aber selbst nicht dort­hin gin­gen. Sie hat­ten zwar die Schrift in der Hand, unter­wie­sen auch ande­re dar­in, aber nah­men selbst nicht so wört­lich, was dar­in geschrie­ben stand!

Steht nicht heu­te die moder­ne Theo­lo­gie und vie­le Chris­ten des 20. Jahr­hun­derts in der­sel­ben Gefahr, so mit der Schrift umzu­ge­hen?

Die heutige Messiaserwartung unter Juden

Die­se Art der Mes­si­as­er­war­tung der dama­li­gen Juden gibt es auch heu­te noch in jüdisch – ortho­do­xen Krei­sen. Die­se Juden glau­ben, dass der Mes­si­as in der Zukunft erst kom­men kann, wenn der Tem­pel in Jeru­sa­lem an der­sel­ben Stel­le, wo er damals stand, wie­der erbaut sein wird. Ande­re glau­ben wie­der, dass die Juden nur die Vor­be­rei­tun­gen dafür tref­fen müss­ten, den Rest wür­de dann der Mes­si­as selbst für und mit ihnen tun. Eine ande­re Grup­pe von Rab­bi­nern ist der Ansicht, dass der Tem­pel Got­tes bereits im Him­mel fer­tig­steht und bei der Ankunft des Mes­si­as vom Him­mel her­ab­kom­men wür­de. (Öki, Freiburg/ Kipa, 27/28/ 1986 Inform. 7/86)

So gibt es zur­zeit sehr ver­schie­de­ne Erwar­tun­gen. Aber alle lau­fen dar­auf hin­aus, dass der Mes­si­as nur im Zusam­men­hang mit einem neu errich­te­ten Tem­pel in Jeru­sa­lem kom­men kann und wird. Des­halb set­zen vie­le unter den Juden gera­de in unse­rer Zeit alles dar­an, dass der Tem­pel wie­der an dem Ort erbaut wird, an dem er damals stand. Die Vor­be­rei­tun­gen für den Bau sind schon längst im Gan­ge, denn dies ist die Bedin­gung, dass ihr schon so lan­ge erwar­te­ter Mes­si­as end­lich kom­men kann. Das Pro­blem ist nur, dass der Bereich, wo die Juden ein­mal den Tem­pel hat­ten und sie ihn wie­der erbau­en wol­len, zur­zeit noch immer den Ara­bern gehört. Schlim­mer für die Juden ist es aber, dass sich heu­te auf dem alten Tem­pel­platz der Juden eine mos­le­mi­sche Moschee befin­det.

Wie wir inzwi­schen wis­sen, wol­len ortho­do­xe Juden mit aller Gewalt die­ses Gebiet den Ara­bern wie­der weg­neh­men. So kam es in den letz­ten Jah­ren in Jeru­sa­lem gera­de des­halb immer wie­der zu blu­ti­gen Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit den Mos­lems.

In dem Nach­rich­ten­blatt “Hier in Isra­el” von Sept. 1992 stand dazu Fol­gen­des: ” Die meis­ten Juden, die den Bau des Drit­ten Tem­pels in Jeru­sa­lem erwar­ten, glau­ben an die soge­nann­te stu­fen­wei­se Ent­wick­lung. Sie erwar­ten, daß auf­grund des Stu­di­ums der Tho­ra und eines Gott wohl­ge­fäl­li­gen Lebens er den Mes­si­as mit dem Auf­trag sen­den wird, den Tem­pel auf­zu­bau­en. Weni­ge der heu­te leben­den Juden glau­ben an die soge­nannt plötz­li­che Ent­ste­hung. Ihre Über­zeu­gung ist es, daß Gott zehn Pro­zent der Auf­ga­be den Men­schen über­las­sen hat und der Mes­si­as nicht kom­men wird, bis der Mensch sei­nen Teil getan hat. Sie sind auch wil­lig, den Staat auf sei­nen Teil am Auf­trag auf­merk­sam zu machen.

Am Laub­hüt­ten­fest vor zwei Jah­ren (Herbst 1990) hat eine Grup­pe mit dem Namen “Die Getreu­en des Tem­pel­ber­ges” ange­kün­digt, sie habe den Grund­stein zum drit­ten Tem­pel bereit­ge­stellt, und es sei alles so weit, um auf dem Tem­pel­berg die Grund­stein­le­gung durch­zu­füh­ren. Die Poli­zei muss­te sie von dort fern­hal­ten. Auf­grund der Ankün­di­gung ent­stand ein Auf­stand unter den Mos­lems. .… Bevor der Auf­stand von der Sicher­heits­po­li­zei nie­der­ge­schla­gen wer­den konn­te, waren sieb­zehn Ara­ber tot.”

Die­se fun­da­men­ta­lis­ti­schen Juden sind eben der Mei­nung, dass ihr Mes­si­as, den sie ja heu­te noch erwar­ten, nicht frü­her kom­men kön­ne, ehe nicht der Tem­pel an sei­nem ursprüng­li­chen Platz wie­der­her­ge­stellt sei.

Es ist inzwi­schen auch bekannt, dass alle Plä­ne, Finan­zen und ande­ren Vor­be­rei­tun­gen für den Tem­pel­bau, sowie deren Aus­stat­tung, bereits getrof­fen sind.

Die­se Mes­si­as­er­war­tung ist sogar unter Chris­ten zu fin­den! Heu­te sieht es sogar so aus, als wür­de die­se Mes­si­as­er­war­tung der dama­li­gen Juden inzwi­schen auch die Erwar­tung vie­ler Chris­ten sein. Von vie­len wird er irgend­wann ein­mal in nächs­ter Zukunft als buch­stäb­li­che Per­son erwar­tet. Die Juden wür­den nach der gehei­men Ent­rü­ckung der wah­ren Chris­ten ihren Tem­pel unter gro­ßen Trüb­sa­len an dem alten Platz in Jeru­sa­lem wie­der auf­bau­en. Dann erwar­tet man Jesus, der über dem Ölberg vom Him­mel her­ab­kom­men soll, und dem zukünf­ti­gen Trei­ben des Anti­chris­ten und aller Fein­de Got­tes ein schreck­li­ches Ende in Har­ma­ge­don machen wird. Danach soll­te er sich noch ein­mal dem jüdi­schen Volk gnä­dig erwei­sen und mit ihnen ein 1000-jäh­ri­ges Frie­dens­reich hier auf die­ser Erde errich­ten. So wird der Mes­si­as der Juden selbst von Chris­ten doch noch ein­mal zu einem irdi­schen Herr­scher erho­ben und als sol­cher auch erwar­tet.

Die jüdische Messiaserwartung in der 2. Versuchung Jesu

Wenn wir nun von die­sem Hin­ter­grund der dama­li­gen und heu­ti­gen Mes­si­as­er­war­tun­gen der Juden den Bericht über die drei­fa­che Ver­su­chung Jesu stu­die­ren, dann wer­den wir ent­de­cken, dass eine der Ver­su­chun­gen Satans genau in die­se Rich­tung ziel­te. (Mat­th. 4,5–7)

Satan stell­te Jesus in der zwei­ten Ver­su­chung auf die Zin­ne des Tem­pels. Also genau dort­hin, woher die Juden etwa glaub­ten, dass ihr Mes­si­as kom­men müss­te. Nicht als armes Kind irgend­wo im Stall gebo­ren, son­dern als erwach­se­ner Mensch soll­te er plötz­lich und auf wun­der­ba­re und über­na­tür­li­che Wei­se vor den Augen des Vol­kes und vor allem der Geist­lich­keit erschei­nen.

Jesus soll­te die­ser Erwar­tung gemäß, vor den Augen des Vol­kes vom Tem­pel sprin­gen und durch ein Wun­der beschützt wer­den. Damit hät­te er genau der jüdi­schen Mes­si­as­er­war­tung ent­spro­chen, und alle hät­ten ihn umju­belt und ver­ehrt!

Doch Jesus hat­te selbst drei­ein­halb Jah­re spä­ter noch dem Pila­tus gesagt, dass er zwar ein König ist, aber: „Mein Reich ist nicht von die­ser Welt!”. Jesus ließ sich nie­mals auf den Gedan­ken ein, sein Him­mel­reich des Frie­dens mit dem Glanz der ver­gäng­li­chen, irdi­schen Rei­che ein­zu­tau­schen.

Lie­ber ließ er sich schmäh­lich ver­spot­ten, schla­gen und ans Kreuz nageln, als die­ser Ver­su­chung nur mit einem Gedan­ken nach­zu­ge­ben. In die­ser Hal­tung soll­te uns Jesus ein blei­ben­des Vor­bild sein. Doch einen sol­chen Mes­si­as konn­ten die Juden, aber auch die Hei­den damals nicht gebrau­chen.

Die­se ver­kehr­te Mes­si­as­er­war­tung der dama­li­gen Juden, war letzt­lich wohl auch der Grund, dass die Schrift­ge­lehr­ten dem Hero­des die­se Aus­kunft über Beth­le­hem gaben, aber selbst nicht dort­hin gin­gen. So hat­ten sie zwar die Schrift in der Hand, unter­wie­sen auch ande­re dar­in, aber nah­men sie selbst nicht so wört­lich, wie es dar­in geschrie­ben stand! Wie es auch war, der Text sagt uns, dass Hero­des damals auf­grund der Infor­ma­ti­on von den Schrift­ge­lehr­ten, die Wei­sen nach Beth­le­hem sand­te, um nach dem Kind zu suchen!

Was aber ent­deck­ten sie, als sie von Hero­des weg­gin­gen? (Mat­th. 2, 9 + 10)

“Und sie­he, der Stern, den sie (wohl eini­ge Zeit vor­her) im Mor­gen­land gese­hen hat­ten, zog vor ihnen hin, bis dass er kam und stand oben über, wo das Kind­lein war” Und als sie den Stern sahen, wur­den sie hoch­er­freut!

Das heißt, dass die Wei­sen nun von Jeru­sa­lem bis nach Beth­le­hem von die­sem Stern beglei­tet und geführt wur­den!

Wie aber kamen die Wei­sen aus dem Mor­gen­land nach Jeru­sa­lem?

Wer führ­te sie auf die­ser lan­gen Rei­se? War­um kamen die Wei­sen über­haupt genau zu die­sem Zeit­punkt nach Jeru­sa­lem? Woher wuss­ten sie so genau, dass der König der Juden, der Mes­si­as, gebo­ren wur­de? All­ge­mein wird erzählt und geglaubt, dass die­se Wei­sen tat­säch­lich einem selt­sa­men Stern, bzw. Kome­ten gefolgt waren. D.h. sie ent­deck­ten einen wan­dern­den Stern am Him­mel. Dar­auf­hin sat­tel­ten sie schnell ihre Kame­le und viel­leicht auch Esel und zogen ein­fach die­sem Stern nach, ohne zu wis­sen, wohin er sie füh­ren wür­de! War das aber wirk­lich so?

Der geheimnisvolle Stern auf dem Weg von Jerusalem nach Bethlehem

In Mat­th. 2,9+10 lesen wir bemer­kens­wer­ter­wei­se nicht, dass sie die­sem Stern schon vom Mor­gen­land gefolgt waren, son­dern dass sie die­sen Stern im Mor­gen­land nur gese­hen haben? Erst als sie von Hero­des hin­weg­gin­gen, sahen sie plötz­lich wie­der den Stern über ihnen, den sie schon eini­ge Wochen vor­her im Mor­gen­land gese­hen hat­ten. Hier sehen wir ganz deut­lich, dass sie den Stern seit ihrer Weg­rei­se im Mor­gen­land, nicht mehr gese­hen hat­ten! So lesen wir es auch in Mat­th 2,2!

War­um kamen sie also nach Jeru­sa­lem?

Sie taten es nicht, weil sie ein­fach blind einem Stern gefolgt waren, son­dern weil sie den neu­ge­bo­re­nen König der Juden sehen woll­ten. Das alles lässt deut­lich dar­auf schlie­ßen, dass die Wei­sen bereits bevor sie nach Jeru­sa­lem kamen, schon ganz sicher wuss­ten, dass der Mes­si­as gebo­ren sein muss­te. Es ging ihnen in Jeru­sa­lem nur mehr dar­um, den genau­en Geburts­ort zu erfah­ren.

Wenn nun aber die­se Wei­sen auf ihrer Rei­se nach Jeru­sa­lem kei­nem Stern gefolgt waren, woher wuss­ten sie dann, dass die­ser Stern die Geburt des Königs der Juden in Jeru­sa­lem bedeu­te­te? Nie­mand wür­de heu­te auf solch eine Idee kom­men, wenn da ein beson­de­rer Stern am Him­mel erscheint, zu den­ken, dass dies die Ankün­di­gung der Geburt eines Königs an einem ganz bestimm­ten Ort sei!

Beach­tens­wert ist dabei noch, dass es damals nicht ein­mal in Jeru­sa­lem bekannt war, dass es einen neu­ge­bo­re­nen König gibt. Die Wei­sen wuss­ten es aber schon, als sie nach Jeru­sa­lem kamen, und zwar auf­grund des Sterns, den sie im Mor­gen­land sahen! Woher hat­ten sie wohl die­se Infor­ma­ti­on? Auf dem Stern stand es sicher nicht geschrie­ben!

Eine 1400 Jahre alte Prophezeiung ging in Erfüllung

Die ein­zi­ge Ant­wort fin­den wir in einer Pro­phe­zei­ung, die schon 1400 Jah­re vor­her im 4.Buch Mose nie­der­ge­schrie­ben war. Ein Pro­phet namens Bileam, weis­sag­te von der Erschei­nung eines beson­de­ren Sterns im Zusam­men­hang mit der zukünf­ti­gen Geburt eines “Königs in Isra­el”. (4. Mose 24,17)

Die Wei­sen, die ja im Besitz sol­cher hei­li­ger Schrif­ten waren, wur­den daher durch die Erschei­nung die­ses beson­de­ren Sterns am Him­mel auf die­se Pro­phe­zei­ung auf­merk­sam und zogen folg­lich ver­trau­ens­voll nach Jeru­sa­lem, um die Bestä­ti­gung ihrer dies­be­züg­li­chen Ver­mu­tung und Schrift­aus­le­gung zu fin­den.

Sie wur­den daher nicht von einem Kome­ten oder einem natür­li­chen Stern geführt, son­dern von ihrer Kennt­nis der pro­phe­ti­schen Schrif­ten. Der Stern dien­te ledig­lich als äuße­res Zei­chen, wel­ches die Wei­sen ver­an­lass­te, in den pro­phe­ti­schen Schrif­ten nach der genau­en Bedeu­tung zu suchen.

Sie taten, was Petrus spä­ter sag­te. “Wir haben des­to fes­ter das pro­phe­ti­sche Wort, und ihr tut wohl, dass ihr dar­auf ach­tet, als ein auf ein Licht, das da scheint an einem dunk­len Ort…” (1. Petr. 1,19)

E.G. White sagt dazu:

Die Wei­sen “gewan­nen den Ein­druck, dass die­ser Stern von beson­de­rer Wich­tig­keit für sie sei. Sie befrag­ten dar­auf­hin die Pries­ter und Phi­lo­so­phen (in ihrer Hei­mat) und durch­forsch­ten auch selbst die alten Schrif­ten. Dabei fan­den sie die Weis­sa­gung Bileams: “Es wird ein Stern aus Jakob auf­ge­hen und ein Zep­ter aus Isra­el auf­kom­men.” Konn­te nicht die­ser fremd­ar­ti­ge Stern als Vor­bo­te des Ver­hei­ße­nen (Mes­si­as) gesandt sein? (…) So zogen auch die­se Hei­den aus, den ver­hei­ße­nen Hei­land zu suchen!” (LJ S. 44)

Was sagt denn die Bibel wirklich über den geheimnisvollen Stern?

Ich den­ke, wir soll­ten wie­der begin­nen, die Bibel etwas genau­er zu lesen und uns weni­ger auf Über­lie­fe­run­gen und ober­fläch­li­che, wis­sen­schaft­li­che Erklä­run­gen zu stüt­zen.

Wie­der­ho­len wir noch ein­mal: In Mat­thä­us 2,2 steht nicht, dass die Wei­sen auf ihrer gan­zen Rei­se einem Stern gefolgt sind, son­dern dass sie den Stern im Mor­gen­land gese­hen hat­ten. Dar­auf­hin tra­ten sie ganz ziel­be­wusst die Rei­se nach Jeru­sa­lem an, um sich dort nur mehr genau­er nach dem Geburts­ort des Königs der Juden zu erkun­di­gen. Erst als sie dann von Hero­des den wahr­schein­li­chen Geburts­ort erfuh­ren, zogen sie wei­ter.

So sagt es uns jeden­falls der Bibel­text: ” Als sie nun den König gehört hat­ten, zogen sie hin. Und sie­he, der Stern, den sie (wohl eini­ge Zeit vor­her) im Mor­gen­land gese­hen hat­ten, zog vor ihnen her, bis dass er kam und stand oben über, wo das Kind­lein war” (Mat­th. 2, 9)

Das heißt, dass die Wei­sen nun von Jeru­sa­lem bis nach Beth­le­hem von die­sem Stern beglei­tet und geführt wur­den! In der wei­te­ren Fol­ge blieb er dann in dem etwa 10–15 km ent­fern­ten Beth­le­hem direkt über dem Haus, in dem sich die hei­li­ge Fami­lie zu die­sem Zeit­punkt befand, ste­hen!

Hal­ten wir daher fest, mit wel­chen außer­ge­wöhn­li­chen Erschei­nun­gen und Bewe­gun­gen des Sterns wir hier zu tun haben. Wenn wir also die­se Geschich­te nach dem bibli­schen Ori­gi­nal­be­richt lesen, müs­sen wir zuge­ben, dass ein sol­ches Ver­hal­ten einem Kome­ten voll­kom­men fremd ist.

Kein natür­li­cher Komet oder Stern kann plötz­lich irgend­wo erschei­nen, plötz­lich wie­der ver­schwin­den, wäh­rend Wochen an einem ganz ande­ren Ort wie­der erschei­nen und von da weg im Schritt­tem­po wei­ter­wan­dern, um dann plötz­lich über irgend­ei­nem beson­de­ren Haus ste­hen­zu­blei­ben und dann wie­der plötz­lich zu ver­schwin­den! Das kann auch nicht von einer Kon­stel­la­ti­on von Pla­ne­ten, wie es Kep­ler und noch ande­re mein­ten, gedacht wer­den. Wir müs­sen daher wohl an ein außer­ge­wöhn­li­ches bzw. über­na­tür­li­ches Licht den­ken, das die Wei­sen in die­sem Zusam­men­hang bei ihrer Suche nach dem Mes­si­as lei­te­te.

Der Stern von Bethlehem, was für ein Licht war das?

Wenn die­ser Stern, den die Wei­sen im Mor­gen­land gese­hen hat­ten und ihm dann von Jeru­sa­lem bis Beth­le­hem gefolgt waren, kein Komet oder kei­ne Kon­junk­ti­on von Pla­ne­ten gewe­sen sein konn­te, was war es dann? Über­le­gen wir ein­fach etwas logisch. Jedes Kind weiß von dem Licht, das damals in der Geburts­nacht die Flu­ren von Beth­le­hem erleuch­te­te. Wir wis­sen auch, dass die­ses Licht nicht von einem leuch­ten­den Him­mels­kör­per, son­dern von einer grö­ße­ren Schar Engel stamm­te, die in die­ser hei­li­gen Nacht sin­gend den Hir­ten erschien. (Luk. 2,8+9)

Könn­te es nicht so gewe­sen sein, dass die­se leuch­ten­de Engel­schar, als sie sich in einer gewis­sen Höhe befand, wie ein Stern aus­sah, und dass es letzt­lich die­ses Licht war, das den Wei­sen, als sie in die­ser Geburts­nacht noch im Mor­gen­land waren, wie ein Stern erschien?

Die­se Erklä­rung gibt uns auch E.G.White in dem Buch Das Leben Jesu S. 44

“In jener Nacht, da die Herr­lich­keit Got­tes die Höhen von Beth­le­hem über­flu­te­te, sahen die Wei­sen ein geheim­nis­vol­les Licht am Him­mel. Als es ver­blass­te, erschien ein leuch­ten­der Stern und blieb am Him­mels­ge­wöl­be ste­hen. Es war weder ein Fix­stern noch ein Pla­net; des­halb erweck­te die­se Erschei­nung die größ­te Auf­merk­sam­keit. Davon, dass jener Stern eine weit ent­fern­te Grup­pe strah­len­der Engel war, konn­ten die Wei­sen natür­lich nichts wis­sen.”

Als sie dann nach eini­ger Zeit in Jeru­sa­lem anka­men und nach ihrer Erkun­di­gung von Hero­des weg­gin­gen, war es für Gott doch leicht mög­lich, sie durch die­ses Engels­licht, wel­ches wäh­rend der gan­zen Rei­se offen­sicht­lich nicht mehr zu sehen war, wei­ter nach Beth­le­hem zu gelei­ten, und dort über dem Haus(!) ste­hen zu blei­ben, wo die Eltern mit dem Jesus­kind waren.

Gott hat immer schon Men­schen durch Engel gelei­tet, aber er hat es sicher noch nie, durch einen natür­li­chen Kome­ten getan, der in wei­ter Ent­fer­nung und mit gro­ßer Geschwin­dig­keit die Erde umkreist!

Fand der Besuch der Weisen noch im Stall von Bethlehem statt?

Bemer­kens­wert ist, dass an der Stel­le, wo die Bibel vom Besuch der Wei­sen spricht, nicht mehr von einem Stall die Rede ist, in dem sich Maria und Joseph befan­den, son­dern von einem Haus. In Mat­thä­us 2, 11 lesen wir: “und gin­gen in das Haus und fan­den das Kind­lein mit Maria, sei­ner Mut­ter, und fie­len nie­der und bete­ten es an…”

Nicht ein­mal Joseph wird hier erwähnt, auch kein Och­se und Esel und kei­ne Fut­ter­krip­pe, wie es auf allen Gemäl­den und Bil­dern gezeigt wird. Maria und Joseph waren offen­sicht­lich in der Zeit zwi­schen der Geburt und der spä­te­ren Ankunft der Wei­sen, schon in einer bes­se­ren Her­ber­ge unter­ge­bracht!

Der Besuch der Wei­sen fand daher offen­sicht­lich zu einem spä­te­ren Zeit­punkt nach der Geburt statt, als Maria und Joseph schon eine ordent­li­che Unter­kunft für das Kind gefun­den haben muss­ten. Hier haben wohl Künst­ler an den Bil­dern und Dar­stel­lun­gen gear­bei­tet, die sich mehr an per­sön­li­cher Fan­ta­sie und Tra­di­ti­on, als an dem bibli­schen Text ori­en­tiert haben.

Wenn sich in einer so ein­fa­chen Geschich­te im Lau­fe der Jahr­hun­der­te, so vie­le Unge­nau­ig­kei­ten ein­ge­schli­chen haben, wie not­wen­dig ist es dann, dass wir wie­der zurück­keh­ren zum bibli­schen Ori­gi­nal­be­richt und alle unse­re Glau­bens­tra­di­tio­nen über­prü­fen, ob sie noch der ursprüng­li­chen Wahr­heit ent­spre­chen!

Der Zeitpunkt des Besuches der Weisen

Wenn wir dem Zeit­punkt des Besu­ches der Wei­sen noch näher auf die Spur gehen, dann müss­ten wir sagen, dass dies doch eini­ge Wochen, wenn nicht viel­leicht noch län­ger nach der Geburt gewe­sen sein muss­te. Ver­schie­de­ne Über­le­gun­gen könn­ten dafür spre­chen.

Die Geschich­te von der Dar­stel­lung im Tem­pel (Luk 2,22–38)

Nach alt­tes­ta­ment­li­cher jüdi­scher Gepflo­gen­heit wur­den Kna­ben erst 32 Tage nach der Geburt im Tem­pel dar­ge­stellt. Dar­aus kön­nen wir schlie­ßen, dass die Eltern Jesu 32 Tage nach der Geburt wider Erwar­ten noch immer in Beth­le­hem waren. Von dort kamen sie nach Jeru­sa­lem, um das Kind Gott zu wei­hen, und dar­auf­hin gin­gen sie wie­der nach Beth­le­hem zurück. Offen­sicht­lich ver­weil­ten Maria und Joseph noch eini­ge Wochen, wenn nicht sogar Mona­te in der Stadt, in der sie zunächst kei­ne Her­ber­ge gefun­den hat­ten. Den Grund dafür wol­len wir in einem ande­ren Kapi­tel ver­su­chen zu erken­nen.

Der Besuch der Wei­sen war also ganz sicher erst nach die­ser Zeit. Nach dem Besuch der Wei­sen konn­te die­se Dar­stel­lung Jesu unmög­lich gewe­sen sein, denn Josef und Maria waren ja im Traum von einem Engel vor Hero­des gewarnt wor­den und flo­hen nach ihrem Besuch sofort nach Ägyp­ten, wo sie dann bis zu des­sen Tod, etwa 3 Jah­re lang, blie­ben. (Matth.2,19–23)

Wären Maria und Josef mit ihrem Kind erst nach dem Besuch der Wei­sen nach Jeru­sa­lem in den Tem­pel gekom­men, hät­te es einer­seits für das Kind das Todes­ur­teil sein kön­nen. Hero­des wäre viel eher auf­merk­sam gewor­den und hät­te das Kind sofort töten kön­nen. Auch wären die Pries­ter und Schrift­ge­lehr­ten durch die Ankunft der Wei­sen vor­ge­warnt gewe­sen und hät­ten wahr­schein­lich bei der Ankunft von Maria und Josef ganz anders reagiert.

Die Geschichte des Kindermordes von Bethlehem

Einen wei­te­ren Hin­weis gibt uns auch Mat­th. 2,16. Dort lesen wir, dass Hero­des eini­ge Zeit auf die Rück­kehr der Wei­sen war­te­te, und als die­se nicht wie­der­ka­men, gab er den Befehl zum Kin­der­mord in Beth­le­hem. Offen­sicht­lich hat er von den Wei­sen den genau­en Zeit­punkt erfah­ren, zu dem sie zum ers­ten Mal den Stern im Mor­gen­land gese­hen hat­ten. Um sicher zu sein, ließ er alle zwei­jäh­ri­gen Kin­der und dar­un­ter töten. Das zeigt, dass zwi­schen dem Erschei­nen des Sterns und dem Besuch der Wei­sen doch schon eini­ge Zeit ver­gan­gen sein muss­te. Es ist durch­aus mög­lich, dass sogar schon meh­re­re Mona­te seit der Geburt ver­gan­gen waren, als die Wei­sen nach Jeru­sa­lem kamen. Maria und Josef konn­ten daher das Kind am ach­ten Tage beschnei­den, nach 32 Tagen noch unbe­merkt im Tem­pel von Jeru­sa­lem dar­stel­len und dar­auf­hin zunächst noch nach Beth­le­hem zurück­keh­ren, wo sie inzwi­schen schon längst eine Her­ber­ge in einem Haus gefun­den haben muss­ten.

Maria und Josef in einer Herberge

Mög­lich, dass ihnen die­se Her­ber­ge gleich am nächs­ten Mor­gen nach der Geburt gege­ben wur­de. Denn nach­dem ja die Hir­ten alles in die­ser Nacht erlebt hat­ten, und das Kind dort in der Krip­pe fan­den, konn­te es zumin­dest in Beth­le­hem wohl nicht mehr ganz im Ver­bor­ge­nen blei­ben, dass es sich hier um ein beson­de­res Kind und eine beson­de­re Fami­lie han­deln muss­te. Mög­lich, dass sich dar­auf­hin doch jemand bereit zeig­te, die­se Fami­lie in ihr Haus auf­zu­neh­men.

Es ist sogar mög­lich, dass Maria und Joseph über­haupt in Beth­le­hem blei­ben woll­ten. Sie hat­ten ja inzwi­schen immer mehr die Gewiss­heit bekom­men, dass ihr Kind tat­säch­lich der sein soll­te, der das Erbe Davids antre­ten soll­te. Da Beth­le­hem die Stadt Davids war, und David vor allem König über Judäa und nicht über Gali­läa war, wäre Joseph even­tu­ell dort geblie­ben.

Einen Hin­weis dar­auf könn­te man in Mat­th. 2,22 fin­den. Dort wird gesagt, dass Joseph nach der Flucht nach Ägyp­ten wie­der ins jüdi­sche Land zie­hen woll­te, aber Gott weist ihn auf­grund der poli­ti­schen Gefahr an, nicht nach Judäa, son­dern nach Gali­läa zu zie­hen. Auch E.G.White bestä­tigt die­se Über­le­gung mit fol­gen­den Wor­ten:

“Joseph, der immer noch in Ägyp­ten weil­te, erhielt jetzt von einem Engel Got­tes die Auf­for­de­rung, nach Isra­el zurück­zu­keh­ren. In der Annah­me, dass Jesus der Erbe des Thro­nes Davids sei, woll­te er erst Beth­le­hem zu sei­nem Wohn­ort machen; als er aber erfuhr, dass Archelaus an sei­nes Vaters Statt über Judäa regier­te, fürch­te­te er, dass nun der Sohn die Absich­ten sei­nes Vaters gegen Chris­tus aus­füh­ren könn­te. .…Aber­mals erhielt Joseph einen Zufluchts­ort ange­wie­sen. Er kehr­te nach Naza­reth zurück, sei­nem frü­he­ren Wohn­sitz, wo Jesus drei­ßig Jah­re sei­nes Lebens zubrin­gen soll­te.”(LJ S 30)

Aber auch die­ser Umstand war letzt­lich kein Zufall, son­dern es erfüll­te sich gera­de dadurch, was die Pro­phe­ten vor­aus­sag­ten: “Er soll Naza­re­ner hei­ßen!” Mat­th. 2,23

Viele Zeichen machten auf die Geburt Jesu aufmerksam

All die­se Zei­chen und Umstän­de waren deut­li­che Bot­schaf­ten von Gott, um das jüdi­sche Volk auf die Ankunft sei­nes Mes­si­as auf­merk­sam zu machen. Ist es daher nicht erstaun­lich, dass es trotz der vie­len Zei­chen, die um die­se Geburt gescha­hen, so weni­ge Men­schen gab, die dar­auf ach­te­ten und sich mehr um die­ses son­der­ba­re Kind küm­mer­ten? Gott hat eigent­lich alles getan, um durch all die­se Umstän­de auf die Geburt des Erlö­sers auf­merk­sam zu machen.

Sei es die Geburt durch eine Jung­frau, was ja doch vie­len zumin­dest in Naza­reth bekannt gewe­sen sein muss­te. Oder sei es die Dar­stel­lung Jesu im Tem­pel, bei der Sime­on und Han­na die Auf­merk­sam­keit der anwe­sen­den Pries­ter und ande­rer Anbe­ter im Tem­pel auf das Kind lenk­ten. Sei es der Besuch der Hir­ten und ihre Berich­te, oder der Stern am Him­mel, den die Wei­sen schon im Mor­gen­land sahen und es viel­leicht auch vie­len Men­schen unter­wegs erzähl­ten. Oder sei es “der Stern”, dem sie von Jeru­sa­lem bis nach Beth­le­hem folg­ten, und von dem ich mir nicht vor­stel­len kann, dass ihn außer den Wei­sen nie­mand auf die­sem Weg gese­hen hat. Doch all die­se Zei­chen und Wun­der schei­nen an den meis­ten Men­schen der dama­li­gen Zeit unbe­ach­tet vor­über­ge­gan­gen zu sein. Wie wird es dies­be­züg­lich beim zwei­ten Kom­men sein?

LJ: E.G.White, “Das Leben Jesu” (auch: “Der Eine Jesus Chris­tus”, “Sieg der Lie­be”)


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