
Von der Bibel gibt es Milliarden verkaufte Exemplare. Dieses Buch hat mehr Auflagen erlebt als jedes andere Buch. [1] Dadurch hat es unsere westliche Gesellschaft bedeutend geprägt. Und doch ist kaum ein anderes Buch so stark kritisiert worden wie die Bibel. Wie steht es um die Glaubwürdigkeit der Bibel?
Bernard Ramm schreibt: „Kein anderes Buch wurde je so zerhauen, zerstochen, gesichtet, untersucht und verächtlich gemacht. Welches Buch der Philosophie oder Religion […] war je solchen massiven Angriffen ausgesetzt wie die Bibel? […] Die Bibel wird aber nach wie vor von Millionen geliebt, von Millionen gelesen und von Millionen studiert.” [2]
Also, was ist nun dran an der Bibel? Welche Selbstansprüche stellt sie, und ist sie historisch zuverlässig?
Das Selbstverständnis der Bibel
Die Bibel hat nicht den Anspruch, dass jeder Text wortwörtlich von Gott diktiert wurde. Zwar spricht Gott an manchen Stellen auch direkt und wird „zitiert” (vgl. 2 Mose 24,4), aber die Bibel enthält auch indirekte Eingebungen. Von Gott inspirierte Schreiber berichten von Erlebtem oder Eingegebenem in eigenen Worten.
Die Bibel sagt, dass alle Schrift von Gott inspiriert und relevant ist. Sie soll uns bereichern und näher zu Gott bringen (vgl. 2 Timotheus 3,15–17).
Woher kommt die Bibel?
Die Bibel ist in einem Zeitraum von etwa 1500 Jahren geschrieben worden. [3] Daher würde man starke inhaltliche Abweichungen und Widersprüche erwarten. Dem ist aber nicht so.
An der Bibel haben mehr als 49 Verfasser geschrieben, die aus den unterschiedlichsten Gesellschaftsbereichen stammten: Könige, militärische Führer, Bauern, Philosophen, Fischer, Zollbeamte, Dichter, Musiker, Staatsmänner, Gelehrte und Hirten. [4]
Die Bibel wurde außerdem sowohl zu Zeiten des Friedens und des Glücks als auch zu Zeiten des Krieges und der Verzweiflung geschrieben (Mose in der Wüste, Jeremia im Gefängnis und David in seinem Palast).
Dementsprechend setzt sich die Bibel aus einer Vielzahl literarischer Stile zusammen: Dichtung, historische Erzählungen, Liebesgeschichten, Lieder, didaktische Abhandlungen, Prophetie, Gesetz und weitere. [5]
Sogar geografisch lassen sich große Unterschiede feststellen: Die Bibel wurde auf drei Kontinenten verfasst – Asien, Afrika und Europa.[6]
Dazu wurden drei Sprachen verwendet: Hebräisch, Aramäisch und Griechisch.
Trotz all dieser Faktoren zeigt sich in der Bibel ein deutlicher roter Faden: die Geschichte von Gottes Erlösung für die Menschheit.
In all den Schriften liegt der Fokus immer auf dem einen, wahren, lebendigen Gott. Alle Bücher fügen sich harmonisch ineinander.
Das muss man erstmal nachmachen!
Die Überlieferung der Bibel ist in dieser Hinsicht bemerkenswert. Würde man etwa Werke von Philosophen der westlichen Welt, die innerhalb der letzten 1500 Jahre entstanden, sammeln, wären die drastischen Unterschiede der Ansichten, Modelle und Glaubenssätze mehr als offensichtlich. Man würde eindeutige Widersprüche und sicherlich keinen roten Faden erkennen können. Und dies, obwohl alle Autoren Philosophen wären (also nicht aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen kämen).
Ist die Überlieferung der Bibel historisch zuverlässig?
Es ist offensichtlich, dass die Überlieferung der Bibel in ihrer Vielfältigkeit und Harmonie bemerkenswert ist. Trotzdem stellt sich die berechtigte Frage, ob denn die Schriften auch originalgetreu überliefert wurden.
Das Alte Testament:
Obwohl die Bibel auf vergänglichem Material (Pergament usw.) geschrieben wurde, ist sie erstaunlich gut überliefert.
Bernard Ramm sagt über die Genauigkeit und Menge der biblischen Manuskriptüberlieferung:
„Die Juden sorgten für eine so sichere Erhaltung, wie es bei keinem anderen Manuskript je der Fall gewesen ist. Mit ihrer Massora (parva, magna und finalis) [7] registrierten sie jeden Buchstaben, jede Silbe, jedes Wort und jeden Abschnitt. Sie hatten eine besondere Klasse von Fachleuten in ihrer Kultur, deren einzige Pflicht es war, diese Dokumente mit praktisch vollkommener Worttreue zu erhalten und zu kopieren: Schriftgelehrte, Gesetzlehrer, Massoreten. Wer hat je die Buchstaben, Silben und Wörter von Platon, Aristoteles, Cicero oder Seneca gezählt?” [8] (eigene Hervorhebung)
Wenn wir über die Überlieferung eines Textes nachdenken, kommt einem schnell die Assoziation mit der stillen Post. Bei diesem Spiel wird ein Satz innerhalb von wenigen Minuten beim Weitergeben so verfälscht, dass das Original nicht mehr nachzuvollziehen ist. Auch wenn wir eine Geschichte weitererzählen oder einen Text abschreiben, schleichen sich Fehler ein. Folglich stellt sich schnell die Vermutung ein, die biblischen Schriften könnten heute nicht mehr viel mit dem Original zu tun haben.
Allerdings vernachlässigen wir hierbei, dass die Kultur und der Umgang mit den heiligen Schriften damals ein ganz anderer waren.
Nicht etwa Laien kopierten Schriften und gaben diese weiter. Es gab eine spezielle Gruppe von Fachleuten, deren Beruf es war, die Schriften zu erhalten und zu kopieren. Damit verbrachten sie ihr ganzes Leben. Dazu zählten sie beispielsweise die Buchstaben, um eine genaue Überlieferung zu sichern.
Auch Robert Dick Wilson, der etwa 45 Sprachen und Dialekte beherrschte, schreibt:
„Ich möchte sagen, dass das Resultat der 45 Jahre meiner Beschäftigung mit der Bibel mich zu dem immer festeren Glauben geführt hat, dass wir im Alten Testament einen wahren historischen Bericht der Geschichte des israelitischen Volkes haben.“ [9]
Der Archäologe Professor W. F. Albright beginnt deinen Essay „The Biblical Period“ mit den Worten:
„Die hebräische nationale Tradition übertrifft alle anderen in ihrer klaren Darstellung der Stammes- und Familienursprünge…“ [10]
Auch hat die Archäologie das Alte Testament schon unzählige Male bestätigt. Ein Beispiel hierfür sind die Hethiter.
Lange Zeit kannte die Archäologie kein Volk namens Hethiter, obwohl die Bibel mit einer Selbstverständlichkeit über diese berichtet. König David warb unter anderem Hethiter an, die in seinem Heer kämpften.
Aus diesem Grund wurde die Zuverlässigkeit der Bibel angezweifelt.
Doch dann fand man nördlich von Ankara (Türkei) die riesige Stadt Hatusas. Eine Stadt der Hethiter. Diese beinhaltete Anlagen wie Großbauten, Paläste und Bibliotheken. Man fand auch Teile eines Wörterbuches. Nun stand fest: Die Hethiter existierten und pflegten Kontakt zu anderen Völkern. Die Hethiter waren ein Kriegervolk, das in fremden Armeen kämpfte. Heute bezweifelt kein archäologisch informierter Kritiker die Existenz der Hethiter. [11] [12]
Das Neue Testament:
Das Neue Testament (NT) ist hervorragend überliefert. Wir wollen nur die Kopien des NTs mit denen von berühmten Werken der Antike vergleichen.
| Autor | Buch | Verfassungsdatum | Früheste Kopie | Zeitspanne | Kopien |
| Homer | Iljas | 800 v. Chr. | Ca. 400 v. Chr. | Ca. 400 J. | 643 |
| Herodot | Geschichte | 480- 425 v. Chr. | Ca. 900 n. Chr. | Ca. 1 350 J. | 8 |
| Platon | 400 v. Chr. | Ca. 900 n. Chr. | Ca. 1 300 J. | 8 | |
| Das Neue Testament | 50- 100 n. Chr. | -Ca. 144 Fragmente ‑Ca. 200 Bücher ‑250 größte Teile des NT ‑325 vollständige NT | 50 J. 100J. 150J. 225J. | 5366 |
Quelle: John McDowell, Die Fakten des Glaubens (Copyright 2003), Holzgerlingen, S. 123
Bei dieser überwältigenden Anzahl von Manuskripten ist es nicht verwunderlich, dass John Warwick Montgomery sagt:
„…dem so entstanden Text des Neuen Testamentes skeptisch gegenüberzustehen hieße, die gesamte klassische Antike in dunkle Vergessenheit geraten zu lassen; denn kein Dokument des Altertums ist bibliographisch so gut belegt wie das Neue Testament.” [13]
Erhaltung trotz Verfolgung
Heute liegt uns eine Vielzahl an Manuskripten vor, obwohl mehrfach versucht wurde, die Bibel zu vernichten. So versuchte beispielweise Diokletian die Heilige Schrift zu vernichten und ordnete Bibelverbrennungen an. [14] – „Diokletian wollte die H. Schrift ausrotten.“ [15]
Folglich ist es eigentlich ein Wunder, dass uns noch solch eine Vielzahl von Manuskripten erhalten geblieben ist.
Der Charakter der Bibel
„Die Bibel ist kein solches Buch, wie es ein Mensch schreiben würde, wenn er könnte, oder schreiben würde, wenn er wollte” [16] (Lewis S. Chafer)
Die Bibel zeigt kein verschöntes Bild der Weltgeschichte. Sie vertuscht auch nicht das Fehlverhalten von biblischen „Vorbildern”:
- Die Bibel spricht offen über die Sünden des Volkes Gottes (vgl. 5. Mose 9,24)
- Die Bibel spricht offen über die Sünden der Patriarchen (1. Mose 12,11–13; 1.Mose 49,5–7)
- Die Bibel spricht offen über den Ehebruch von König David und seinen Versuch, diesen durch Mord zu vertuschen (2. Samuel 11–12)
- Die Schreiber des Evangeliums schildern ihr Versagen und das der Apostel (Matthäus 8,10–26; 26:31–51; Markus 6:52; Markus 8,18)
- Spricht offen über Unordnung in Gemeinden (vgl. 1. Korinther 1,11; 1. Korinther 15,12; 2. Korinther 2,4)
„Die Bibel als Ganzes ist ein Buch, das die Realität im Blick hat, nicht irgendwelche Fantasievorstellungen…“ [17]
Fazit
Insgesamt kann man mit Sicherheit sagen, dass die Bibel bemerkenswert gut überliefert ist. Sie ist historisch zuverlässig und in ihrer Überlieferungsqualität unter antiken Schriften herausragend.
Buchempfehlung
Ich habe mich bemüht, das Thema „Glaubwürdigkeit der Bibel” knapp, aber verständlich wiederzugeben. Es gibt noch weitere Themen, die man im Zusammenhang mit der Zuverlässigkeit der Bibel anführen könnte (z. B. die Vier-Quellen-Hypothese oder Übereinstimmung unter den Manuskripten). Allerdings würde dies den Rahmen sprengen. Wenn Sie das interessiert, sollten Sie unbedingt in „Die Bibel im Test” (früher: „Fakten des Glaubens”) nachlesen.. (Für wenig Geld hier zu kaufen: Link) oder hier online zu lesen: Link) – Josh McDowell hat auch weitere aufschlussreiche Werke geschrieben, wie “Die Tatsache der Auferstehung” und “Jesus von Nazareth – Tatsachen und Argumente für die Wahrheit der Evangelien”. Auch diese Bücher sind dort zu erhalten.
Fußnoten
[1] Vgl. Josh McDowell, Die Fakten des Glaubens (Copyright 2003), Holzgerlingen, S. 79.
[2] Bernard Ramm, Protestant Christian Evidence (1953), S. 232f.
[3] Vgl. Josh McDowell, Die Fakten des Glaubens (Copyright 2003), Holzgerlingen, S. 74.
[4] Vgl. ebd.
[5] Vgl. ebd. S. 77.
[6] Vgl. ebd. S. 75.
[7] Die Massora ist eine hebräische Textversion der hebräischen Bibel. Hier gaben die Massorenten die Anzahl der Buchstaben an, noch auftrat, verfassten Kommentare, gaben an, wo welcher Begriff, etc.
[8] Bernard Ramm, Protestant Christian Evidence ( 1953), S. 230f.
[9] Robert Dick Wilson, Which Bible?, S. 42.
[10] W. F. Albright in Louis Finkelsstein, The Jews, Their History, Culture and Religion, S. 3.
[11] Vgl. R. Pache, Inspiration und Autorität der Bibel, a. a. O., S. 140- 141.
[12] Vgl.Siegfried H. Horn, Der Spaten bestätigt die Bibel, (1 Jan. 1900), Saatkorn Verlag (Hamburg).
[13] John W. Montgomery, History and Christianity (1971), S. 29.
[14] Vgl. https://www.orthpedia.de/index.php/Benutzer:Christian/M%C3%A4rtyrer_der_heiligen_B%C3%BCcher; Stand 22.01.2026.
[15] https://books.google.de/books?id=MTpAAAAAcAAJ&pg=PT10&lpg=PT10&dq=bibelverbrennung+unter+diokletian&source=bl&ots=cRGhQyrfqk&sig=ACfU3U2L32TL-tE_K4Lj0nXY7ktLvE2BOQ&hl=en&sa=X&ved=2ahUKEwj0wevtxrftAhWCzaQKHW84CFsQ6AEwBHoECAIQAg#v=onepage&q=Diocletian%20wollte%20die%20H.%20Schrift%20ausrotten&f=false; Stand 12. 2020.
[16] Lewis S. Chafer, vgl. Josh McDowell, John McDowell, Die Fakten des Glaubens (Copyright 2003), Holzgerlingen, S. 87.
[17] John McDowell, Die Fakten des Glaubens (Copyright 2003), Holzgerlingen, S. 87.









