Gottes Israel

(Frei nach David Assche­rick, geschrie­ben von Anna Huda, 2008)

Wer ist wirklich das Israel Gottes? Ist das moderne Israel im Nahen Osten das Israel Gottes, für welches noch viele alttestamentliche Verheißungen in Erfüllung gehen sollen? 

Fiktives Bild von Jerusalem.

Ein Bibel­stu­di­um soll die­se Fra­ge klä­ren.

Die Vor­ge­schich­te

Der ers­te Ver­such: Im ers­ten Kapi­tel des ers­ten Buches Mose wird die Schöp­fung des Men­schen beschrie­ben. Adam wur­de aus Erde nach dem Bil­de Got­tes geschaf­fen. Er soll­te auf der Erde im Namen Got­tes herr­schen und den Schöp­fer und Sei­nen unta­de­li­gen Cha­rak­ter dort reprä­sen­tie­ren. Lei­der ist Adam gefal­len. Es ist ihm nicht gelun­gen, ein wür­di­ger Reprä­sen­tant Got­tes zu wer­den.

Nach­dem die Sün­de ein­mal began­gen wur­de, kam es zu einem stän­di­gen Abfall in mora­li­schen Eigen­schaf­ten des Nach­kom­men Adams, sodass eini­ge Gene­ra­tio­nen spä­ter die Mensch­heit bereits so kor­rum­piert war, dass Gott kei­nen ande­ren Aus­gang sah, als mit den weni­gen Treu­en noch mal anzu­fan­gen (sie­he 1Mo 6). Die Sint­flut kam.

Bei nähe­rer Betrach­tung kann man zwi­schen der Schöp­fung und der Sint­flut eini­ge Par­al­le­len ent­de­cken. Die Schöp­fung wird gewis­ser­ma­ßen in der Sint­flut wie­der rück­gän­gig gemacht:

In 1Mo 1,1f mach­te Gott “zwi­schen den Was­sern” eine “Schei­dung”, die eine “Aus­deh­nung” (bzw. den “Him­mel”) bil­de­te. Dann trenn­te er “das Was­ser über der Aus­deh­nung von dem Was­ser unter der Aus­deh­nung” (nach Schlach­ter).

In 1Mo 7,11f geschieht das Umge­kehr­te. Gott lässt die Quel­len der gro­ßen Tie­fe (Was­ser unter der Aus­deh­nung) mit dem Was­ser aus den Fens­tern des Him­mels (Was­ser über der Aus­deh­nung) zusam­men­tref­fen und so die Erde über­flu­ten. Es ent­steht wie­der eine gro­ße “Tie­fe” (1Mo 1)! Doch Gott han­delt wei­ter:

Wäh­rend in der Schöp­fung der Geist Got­tes über dem Was­ser schweb­te (1Mo 1,2), macht Gott nach der Sint­flut einen “Wind”, der bewirkt, dass das Was­ser zurück­tritt (und die “zwei­te Schöp­fung” erfol­gen kann). 1Mo 8, 1: “Da gedach­te Gott an Noah und an alles wil­de Getier und an alles Vieh, das mit ihm in der Arche war, und ließ Wind auf Erden kom­men und die Was­ser fie­len.” Das Wort für Wind in die­sem Vers im Grund­text (hebr. ruach) ist dabei das­sel­be Wort, das in der Bibel mit “Geist” über­setzt wird und im Schöp­fungs­be­richt zu fin­den ist (sie­he 1Mo 1,2)!

Der zwei­te Ver­such: Da es Adam miss­lang, ein mora­lisch tadel­lo­ses Leben zu füh­ren und Gott wür­dig zu reprä­sen­tie­ren, ver­such­te es Gott dies­mal mit Noah. Er “instal­liert” die Erde neu und gibt dies­mal Noah die Chan­ce “Sein Mann” zu sein. 

Genau wie Adam im Gar­ten Eden arbei­te­te, arbei­tet Noah nach der Sint­flut eben­falls als “Bau­er” (1Mo 9,29). Und ähn­lich wie Adam das Essen einer Frucht zum Ver­häng­nis wur­de, so pflanzt Noah einen Wein­berg und betrinkt sich mit dem Wein sei­ner Früch­te (1Mo 9,20 ff). Damit schei­tert der Plan Got­tes zum zwei­ten Mal.

Der drit­te Ver­such: Gott muss­te erneut ver­su­chen einen wür­di­gen Reprä­sen­tan­ten zu fin­den, der treu nach sei­nen Geset­zen lebt und Sei­ne Güte und Gerech­tig­keit ande­ren Men­schen vor­lebt. In 1Mo 12ff wer­den wir fün­dig: Gott gebie­tet Abra­ham in das Land Kana­an zu zie­hen und schließt mit ihm einen Bund. Abra­ham bleibt treu und zeugt Isaak. Isaak zeugt Jakob. Alle hal­ten am Bund mit Gott fest, obgleich ihnen eini­ges an Feh­lern unter­läuft. Sehen wir uns Jakob etwas näher an.

Der Name Jakob bedeu­tet Betrü­ger, aber als Jakob nach einem har­ten Lebens­wan­del Gott vor dem gefähr­li­chen Tref­fen mit Esau begeg­net, erhält er einen neu­en Namen (1Mo 32,25 ff). Im Kampf mit dem “Mann” Got­tes soll Jakob sei­nen Namen ver­ra­ten. Anders als noch vor vie­len Jah­ren im Zelt sei­nes Vaters, als Jakob sich für Esau aus­gab, nennt er nun sei­nen wah­ren Namen: Ich hei­ße Jakob. Ich gebe zu, ich bin ein Betrü­ger. Ich brau­che Ver­ge­bung. Ich brau­che einen Erlö­ser! Ich las­se Dich nicht los!

Nach einem lan­gen Kampf bekommt Jakob von Gott einen neu­en Namen. Er soll von nun an “Isra­el” hei­ßen. Isra­el bedeu­tet: “Der mit bzw. für Gott kämpft; der mit bzw. für Gott siegt.”

Der Name Isra­el wur­de also ursprüng­lich einem Men­schen gege­ben, der einen geist­li­chen Sieg erlang­te. Der Name Isra­el wur­de an die Nach­kom­men Jakobs wei­ter­ge­ge­ben und wur­de damit der Name einer gan­zen Nati­on.

In 2Mo 4,22 als Moses vor Pha­rao steht und den Aus­zug sei­nes Vol­kes for­dert, zitiert er Gott: “Isra­el ist mein erst­ge­bo­re­ner Sohn; dar­um sage ich dir: Lass mei­nen Sohn zie­hen…”. Die Bezeich­nung “erst­ge­bo­re­ner” muss nicht unbe­dingt hei­ßen, dass jemand als ers­ter gebo­ren wur­de, son­dern dass er der wich­tigs­te ist (z. B. der ers­te Ver­tre­ter eines Fir­men­prä­si­den­ten bedeu­tet nicht, dass er vor dem zwei­ten Ver­tre­ter gebo­ren wur­de, son­dern, dass er in der Rang­stel­lung höher plat­ziert ist; ähn­lich ver­hält es sich mit dem Begriff “First Lady” in USA). Isra­el – als der erst­ge­bo­re­ne Sohn Got­tes – ist dem­nach der Wich­tigs­te. Man könn­te auch sagen das Volk Got­tes über­nimmt die Auf­ga­be Gott zu reprä­sen­tie­ren!

Hat es genau­so ver­sagt wie sei­ne Vor­gän­ger? Sie haben an Gott fest­ge­hal­ten und sün­dig­ten nicht durch­ge­hend. Wir müs­sen aller­dings beden­ken, dass eine ein­zi­ge Sün­de aus­reicht, um den Men­schen als den per­fek­ten Reprä­sen­tan­ten Got­tes zu dis­qua­li­fi­zie­ren. Kann also die Nati­on Isra­el als ein Reprä­sen­tant Got­tes bezeich­net wer­den?

Als Jesus gekom­men ist, haben Isra­els Füh­rer ihn abge­lehnt. Sie haben ihm das Leben schwer gemacht, haben ihm hin­ter­her spio­niert, haben ihm Fal­len gestellt, ihn ver­sucht zu stei­ni­gen, sei­ne Wun­der infra­ge gestellt, sei­ne Leh­re abge­lehnt und ihn schließ­lich ans Kreuz nageln las­sen.

Jesus selbst hat behaup­tet, dass der Mes­si­as abge­lehnt wird. Als er im Gleich­nis von den Wein­gärt­nern (Mt 21,33 ff) die Juden frag­te, was mit Men­schen (einer Nati­on) pas­sie­ren soll­te, wenn sie Gott untreu wer­den, haben die Juden selbst gesagt, dass so ein Volk ver­nich­tet wer­den sol­le. Jesus sag­te in Vers 43: “Dar­um sage ich euch: Das Reich Got­tes wird von euch weg­ge­nom­men und einem Volk gege­ben, das des­sen Früch­te bringt…

In sei­ner Kla­ge über Jeru­sa­lem sagt Jesus sym­bo­lisch für die gan­ze Nati­on (Mt 23,38): “Sie­he, euer Haus wird euch ver­wüs­tet gelas­sen wer­den..”  

Drei­ein­halb Jah­re nach dem Tod Jesu wur­de die Mis­si­ons­ar­beit auf die Hei­den aus­ge­dehnt und somit der Nati­on Isra­el ihre Exklu­si­vi­tät weg­ge­nom­men. 70 n. Chr. wur­de schließ­lich Jeru­sa­lem zer­stört. Isra­el hat – wie auch sei­ne Vor­gän­ger – ver­sagt.

Die Erfül­lung durch Isra­el

Und wer ist Isra­el heu­te? Hat Isra­el doch noch eine zwei­te Chan­ce? Wer­den sich die alt­tes­ta­ment­li­chen Ver­hei­ßun­gen doch noch für das heu­ti­ge natio­na­le Isra­el erfül­len? Wer ist Isra­el im Neu­en Tes­ta­ment?

Wie bereits erwähnt, ist der Name Isra­el ursprüng­lich einem Men­schen, der einen geist­li­chen Sieg erlang­te, gege­ben wor­den. Gibt es – außer Isra­el (Jakob) und Isra­el (dem Volk) – noch wei­te­re Par­al­le­len zwi­schen Isra­el (Jakob) und einen ande­ren Men­schen, der einen geist­li­chen Sieg erlang­te und als wür­di­ger Reprä­sen­tant Got­tes wir­ken konn­te?

Im AT hat­te ein Mann namens Joseph Träu­me. In Fol­ge die­ser Träu­me sind Isra­el (Jakob) und sei­ne unmit­tel­ba­ren Nach­kom­men nach Ägyp­ten gekom­men.

Im NT hat­te auch ein Joseph Träu­me und ist mit Maria und dem Baby Jesus nach Ägypten gekom­men. 

Im AT geht Isra­el nach eini­ger Zeit aus Ägypten her­aus und über­quert das Rote Meer. Für Pau­lus gleicht die Pas­sa­ge durch das Rote Meer einer Tau­fe: 1Kor 10,1–2: “Ich will euch aber, lie­be Brü­der, nicht in Unwis­sen­heit dar­über las­sen, dass uns­re Väter alle unter der Wol­ke gewe­sen und alle durchs Meer gegan­gen sind; und alle sind auf Mose getauft wor­den durch die Wol­ke und durch das Meer…

Im NT ver­lässt Jesus Ägypten, wie Isra­el, und kommt als Erwach­se­ner wie­der in Erschei­nung bei sei­ner Tau­fe! Mt 3,13–15: “Da kommt Jesus aus Gali­läa an den Jor­dan zu Johan­nes, um sich von ihm tau­fen zu las­sen. Johan­nes aber wehr­te ihm und sprach: Ich habe es nötig, von dir getauft zu wer­den, und du kommst zu mir? Jesus aber ant­wor­te­te und sprach zu ihm: Laß es jetzt so gesche­hen; denn so gebührt es uns, alle Gerech­tig­keit zu erfül­len! Da gab er ihm nach.” Jesus beharr­te dar­auf, getauft zu wer­den, damit die Gerech­tig­keit erfüllt wur­de.

Direkt nach der Tau­fe wird Jesus für 40 Tage in die Wüs­te geführt, genau wie die Israe­li­ten, nach­dem sie im Roten Meer “getauft” wur­den, zum Berg Sinai kamen und dann für 40 Jah­re in der Wüs­te umher­wan­der­ten. Und genau wie Gott Isra­el als den erst­ge­bo­re­nen Sohn bezeich­ne­te (2Mo 4,22), spricht eine Stim­me nach Jesu Tau­fe: “Das ist mein gelieb­ter Sohn, an dem ich Wohl­ge­fal­len habe.”

Jesus scheint in sei­ner Mis­si­on die wich­tigs­ten Ereig­nis­se in der natio­na­len Geschich­te Isra­els zu wie­der­ho­len. War­um? Weil er wuss­te, dass er der neue Reprä­sen­tant Got­tes auf Erden ist, der neue “Isra­el”. Die alten Vor­her­sa­gen muss­ten sich in bzw. an ihm erfül­len. Inter­es­san­ter­wei­se fin­den sich vor allem bei Mt vie­le Tex­te, die von “erfül­len” han­deln (beson­ders in der eng­li­schen Über­set­zung: ful­fill), z. B.: Mt 1, 21–25: “Und sie wird einen Sohn gebä­ren, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk ret­ten von ihren Sün­den.  Das ist aber alles gesche­hen, damit erfüllt wür­de, was der Herr durch den Pro­phe­ten gesagt hat, der da spricht (Jesa­ja 7,14): »Sie­he, eine Jung­frau wird schwan­ger sein und einen Sohn gebä­ren, und sie wer­den ihm den Namen Imma­nu­el geben«, das heißt über­setzt: Gott mit uns. Als nun Josef vom Schlaf erwach­te, tat er, wie ihm der Engel des Herrn befoh­len hat­te, und nahm sei­ne Frau zu sich. Und er berühr­te sie nicht, bis sie einen Sohn gebar; und er gab ihm den Namen Jesus.

Mt 2, 3–6: “Als das der König Hero­des hör­te, erschrak er und mit ihm ganz Jeru­sa­lem, und er ließ zusam­men­kom­men alle Hohen­pries­ter und Schrift­ge­lehr­ten des Vol­kes und erforsch­te von ihnen, wo der Chris­tus gebo­ren wer­den soll­te. Und sie sag­ten ihm: In Beth­le­hem in Judäa; denn so steht geschrie­ben durch den Pro­phe­ten (Micha 5,1): »Und du, Beth­le­hem im jüdi­schen Lan­de, bist kei­nes­wegs die kleins­te unter den Städ­ten in Juda; denn aus dir wird kom­men der Fürst, der mein Volk Isra­el wei­den soll.

In Mt 3,15 sagt Jesus bei der Tau­fe: “Jesus aber ant­wor­te­te und sprach zu ihm: Lass es jetzt gesche­hen! Denn so gebührt es uns, alle Gerech­tig­keit zu erfül­len. Da ließ er’s gesche­hen.

Mt 4, 14–16: “damit erfüllt wür­de, was gesagt ist durch den Pro­phe­ten Jesa­ja, der da spricht (Jesa­ja 8,23; 9,1): »Das Land Sebu­lon und das Land Naf­ta­li, das Land am Meer, das Land jen­seits des Jor­dans, das heid­ni­sche Gali­läa, das Volk, das in der Fins­ter­nis wohn­te, hat ein gro­ßes Licht gese­hen, und denen, die im Land des Todes­schat­tens wohn­ten, ist ein Licht auf­ge­gan­gen«”.

Mt 5,17: “Ihr sollt nicht mei­nen, dass ich gekom­men bin, das Gesetz oder die Pro­phe­ten auf­zu­lö­sen; ich bin nicht gekom­men auf­zu­lö­sen, son­dern zu erfül­len.

Mt 8,14–17: “Und Jesus kam in das Haus des Petrus und sah, dass des­sen Schwie­ger­mut­ter zu Bett lag und hat­te das Fie­ber. Da ergriff er ihre Hand und das Fie­ber ver­ließ sie. Und sie stand auf und dien­te ihm. Am Abend aber brach­ten sie vie­le Beses­se­ne zu ihm; und er trieb die Geis­ter aus durch sein Wort und mach­te alle Kran­ken gesund, damit erfüllt wür­de, was gesagt ist durch den Pro­phe­ten Jesa­ja, der da spricht (Jesa­ja 53,4): »Er hat uns­re Schwach­heit auf sich genom­men, und uns­re Krank­heit hat er getra­gen.«

Mt 13,35: “Das alles rede­te Jesus in Gleich­nis­sen zu dem Volk, und ohne Gleich­nis­se rede­te er nichts zu ihnen, damit erfüllt wür­de, was gesagt ist durch den Pro­phe­ten, der da spricht (Psalm 78,2): »Ich will mei­nen Mund auf­tun in Gleich­nis­sen und will aus­spre­chen, was ver­bor­gen war vom Anfang der Welt an.«

Mt 21,1–4: “Als sie nun in die Nähe von Jeru­sa­lem kamen, nach Beth­pha­ge an den Ölberg, sand­te Jesus zwei Jün­ger vor­aus und sprach zu ihnen: Geht hin in das Dorf, das vor euch liegt, und gleich wer­det ihr eine Ese­lin ange­bun­den fin­den und ein Fül­len bei ihr; bin­det sie los und führt sie zu mir! Und wenn euch jemand etwas sagen wird, so sprecht: Der Herr bedarf ihrer. Sogleich wird er sie euch über­las­sen. Das geschah aber, damit erfüllt wür­de, was gesagt ist durch den Pro­phe­ten, der da spricht (Sachar­ja 9,9).” Und so wei­ter, und so fort.

Mat­thä­us scheint hier zufäl­li­ge Ereig­nis­se aus der Geschich­te des Vol­kes Isra­el zu neh­men und behaup­tet, dass sie sich eins nach dem ande­ren alle in Jesus erfüllt haben!

Als Jesus in der Wüs­te vom Satan ver­sucht wur­de, ver­tei­dig­te er sich jedes Mal mit Zita­ten aus dem 5. Buch Mose. Das Inter­es­san­te dabei ist, dass das 5. Buch Mose –“Das Buch des zwei­ten Geset­zes” – die natio­na­le Geschich­te Isra­els wie­der­holt. So lesen wir in Mt 4, 1–4: “Da wur­de Jesus vom Geist in die Wüs­te geführt, damit er von dem Teu­fel ver­sucht wür­de. Und da er vier­zig Tage und vier­zig Näch­te gefas­tet hat­te, hun­ger­te ihn.  Und der Ver­su­cher trat zu ihm und sprach: Bist du Got­tes Sohn, so sprich, dass die­se Stei­ne Brot wer­den. Er aber ant­wor­te­te und sprach: Es steht geschrie­ben (5.Mose 8,3): »Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, son­dern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Got­tes geht.«

Genau dort, wo Adam, Noah, Isra­el… gefehlt hat­ten, hat sich Jesus klar und deut­lich auf die Sei­te Got­tes geschla­gen und hat nicht gesün­digt. Jesus zitiert aus dem 5. Buch Mose, in dem die Erfah­run­gen des Vol­kes Got­tes in der Wüs­te geschil­dert wer­den: Essen ist nicht alles, Satan, wir leben von Got­tes Wort. Er erhält uns am Leben.

Satan mach­te einen zwei­ten Ver­such: “Da führ­te ihn der Teu­fel mit sich in die hei­li­ge Stadt und stell­te ihn auf die Zin­ne des Tem­pels und sprach zu ihm: Bist du Got­tes Sohn, so wirf dich hin­ab; denn es steht geschrie­ben (Psalm 91,11–12): »Er wird sei­nen Engeln dei­net­we­gen Befehl geben; und sie wer­den dich auf den Hän­den tra­gen, damit du dei­nen Fuß nicht an einen Stein stößt.« Da sprach Jesus zu ihm: Wie­der­um steht auch geschrie­ben (5.Mose 6,16): »Du sollst den Herrn, dei­nen Gott, nicht ver­su­chen.«” (wie ihr ihn am Mas­sa ver­sucht habt). Jesus bezieht sich hier­bei auf die Bege­ben­heit am Mas­sa und Meri­ba, wo das Volk sich über die schlech­te Qua­li­tät des Was­sers und damit die Füh­rung Got­tes beklagt hat (so ganz neben­bei gesagt – wir sind auch nicht bes­ser, wenn wir uns in unse­rem per­sön­li­chen Leben auf einer Durst­stre­cke befin­den und Gott ankla­gen). 2Mo 17,7: “Da nann­te er den Ort Mas­sa und Meri­ba, weil die Israe­li­ten dort geha­dert und den HERRN ver­sucht und gesagt hat­ten: Ist der HERR unter uns oder nicht?” Doch Jesus beklagt sich nicht, er bleibt treu, wo Isra­el ver­sagt hat­te.

Dar­auf führ­te ihn der Teu­fel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeig­te ihm alle Rei­che der Welt und ihre Herr­lich­keit und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du nie­der­fällst und mich anbe­test. Da sprach Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn es steht geschrie­ben (5.Mose 6,13): »Du sollst anbe­ten den Herrn, dei­nen Gott, und ihm allein die­nen.« Da ver­ließ ihn der Teu­fel. Und sie­he, da tra­ten Engel zu ihm und dien­ten ihm.

Jesus scheint die Schrit­te aus der natio­na­len Geschich­te des Vol­kes Isra­el zu wie­der­ho­len und bleibt Gott treu, dort wo Isra­el ver­sagt hat­te.

Viel von dem, was Jesus tat, wird im NT dadurch erklärt, dass es gesche­hen muss­te, damit das “Wort erfüllt wird”. Es ist aber schwer, kon­kre­te Bibel­stel­len im AT zu fin­den, die sich auf den Mes­si­as bezie­hen und wo von die­sen Din­gen gespro­chen wird. Wo steht etwa, dass der Mes­si­as getauft wer­den muss­te? Unter­sucht man jedoch die Geschich­te “Isra­els” (von Adam über Noah zu Jakob und sei­nen Nach­kom­men), so sieht man, wie Jesus alle Schlüs­sel­er­eig­nis­se wie­der­holt – ohne zu ver­sa­gen.
 

In Lukas 4,14–19 lesen wir wei­ter: “Und Jesus kam in der Kraft des Geis­tes wie­der nach Gali­läa und die Kun­de von ihm erscholl durch alle umlie­gen­den Orte. Und er lehr­te in ihren Syn­ago­gen und wur­de von jeder­mann geprie­sen. Und er kam nach Naza­reth, wo er auf­ge­wach­sen war, und ging nach sei­ner Gewohn­heit am Sab­bat in die Syn­ago­ge und stand auf und woll­te lesen. Da wur­de ihm das Buch des Pro­phe­ten Jesa­ja gereicht. Und als er das Buch auf­tat, fand er die Stel­le, wo geschrie­ben steht (Jesa­ja 61,1–2): »Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, zu ver­kün­di­gen das Evan­ge­li­um den Armen; er hat mich gesandt, zu pre­di­gen den Gefan­ge­nen, dass sie frei sein sol­len, und den Blin­den, dass sie sehen sol­len, und den Zer­schla­ge­nen, dass sie frei und ledig sein sol­len, zu ver­kün­di­gen das Gna­den­jahr des Herrn.«

Anschei­nend hat Jesus bewusst nach einer bestimm­ten Bibel­stel­le in der ihm gereich­ten Rol­le gesucht und sie gefun­den. Er liest aus dem Buch Jesa­ja vor. Ab dem 41. Kapi­tel ist im Buch Jesa­ja vom Vol­ke Isra­el, dem Die­ner Got­tes, die Rede. Jesus scheint sich also hier bewusst auf die­se Pas­sa­ge zu bezie­hen und sagt (Vers 21): “Heu­te ist die­ses Wort der Schrift erfüllt vor euren Ohren.” Jesus ist das “neue Isra­el”, der Die­ner Got­tes.

Die Ver­fas­ser des Neu­en Tes­ta­ments ver­kün­di­gen die Bot­schaft, dass sich die alt­tes­ta­ment­li­chen Ver­hei­ßun­gen in Jesus erfüllt haben!

2Kor 1,20: “denn alle Zusa­gen Got­tes haben sich in ihm erfüllt. Und des­halb spre­chen wir im Blick auf Chris­tus und zur Ehre Got­tes unser Amen.

1Kor 15,1–4: “Ich erin­ne­re euch aber, lie­be Brü­der, an das Evan­ge­li­um, das ich euch ver­kün­digt habe, das ihr auch ange­nom­men habt, in dem ihr auch fest steht, durch das ihr auch selig wer­det, wenn ihr’s fest­hal­tet in der Gestalt, in der ich es euch ver­kün­digt habe; es sei denn, dass ihr umsonst gläu­big gewor­den wärt. Denn als Ers­tes habe ich euch wei­ter­ge­ge­ben, was ich auch emp­fan­gen habe: Dass Chris­tus gestor­ben ist für uns­re Sün­den nach der Schrift; und dass er begra­ben wor­den ist; und dass er auf­er­stan­den ist am drit­ten Tage nach der Schrift;

Auf wel­che Pas­sa­ge aus der Schrift mag sich hier Pau­lus bezie­hen?  Es gibt zwei, die in Fra­ge kom­men und bei­de bezie­hen sich auf die Erfah­run­gen des Vol­kes Isra­el:

»Kommt, wir wol­len wie­der zum HERRN; denn er hat uns zer­ris­sen, er wird uns auch hei­len, er hat uns geschla­gen, er wird uns auch ver­bin­den. Er macht uns leben­dig nach zwei Tagen, er wird uns am drit­ten Tage auf­rich­ten, dass wir vor ihm leben wer­den.” (Hos 6,1–2)

Die­ser Text bezieht sich auf die syri­sche Gefan­gen­schaft des Vol­kes Isra­el, passt aber hier genau zum Pau­lus­text. Die ande­re Pas­sa­ge steht im Buch Jona. Jona ver­brach­te drei Tage im Bauch des Fisches und wur­de am drit­ten befreit. Auch Jesus ver­gleicht sei­nen Tod und Auf­er­ste­hung eben­falls mit Erfah­rung Jonas (Mt 12, 39f).

Mat­thä­us, Pau­lus und Jesus ent­neh­men unter­schied­li­che Ereig­nis­se aus der Geschich­te Isra­els und set­zen sie in Zusam­men­hang mit Jesus und sei­nem Wir­ken!

War­um machen sie das? Jesus ist das neue Isra­el. Jesus ist die Erfül­lung der Ver­hei­ßun­gen für Isra­el. Jesus ist der neue Reprä­sen­tant, der Gott wür­dig ver­tritt.

In Joh 5, 39 steht: “Ihr sucht in der Schrift, denn ihr meint, ihr habt das ewi­ge Leben dar­in; und sie ist’s, die von mir zeugt;

Luk 24, 25–27.32.44–46: “Und er sprach zu ihnen: O ihr Unver­stän­di­gen, wie ist doch euer Herz trä­ge, zu glau­ben an alles, was die Pro­phe­ten gere­det haben! 26 Muß­te nicht der Chris­tus dies erlei­den und in sei­ne Herr­lich­keit ein­ge­hen? 27 Und er begann bei Mose und bei allen Pro­phe­ten und leg­te ihnen in allen Schrif­ten aus, was sich auf ihn bezieht… 32 “Und sie spra­chen unter­ein­an­der: Brann­te nicht unser Herz in uns, als er mit uns rede­te auf dem Wege und uns die Schrift öff­ne­te? … 44 Er sprach aber zu ihnen: Das sind mei­ne Wor­te, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Es muss alles erfüllt wer­den, was von mir geschrie­ben steht im Gesetz des Mose, in den Pro­phe­ten und in den Psal­men. 45 Da öff­ne­te er ihnen das Ver­ständ­nis, sodass sie die Schrift ver­stan­den, 46 und sprach zu ihnen: So steht’s geschrie­ben, dass Chris­tus lei­den wird und auf­er­ste­hen von den Toten am drit­ten Tage;

Alle Ver­hei­ßun­gen aus dem AT (Pen­ta­teuch, Pro­phe­ten, Psal­men) haben sich in Jesus erfüllt. Die Schrift zeugt von dem Mes­si­as, dem neu­en Isra­el, einem Men­schen, der einen geist­li­chen Sieg erlangt hat­te. Jesus glaub­te das und die Ver­fas­ser des NTs glaub­ten das auch.

Kom­men wir zurück zur Aus­gangs­fra­ge:  Wer ist wirk­lich das Isra­el Got­tes? Es ist Jesus, der in allen Din­gen Gott treu blieb, ohne zu ver­sa­gen. In ihm wur­de alles erfüllt.

Man­che behaup­ten nun, dass die alt­tes­ta­ment­li­chen Ver­hei­ßun­gen sich in Jesus nur teil­wei­se erfüllt haben – der Rest müs­se sich noch im heu­ti­gen natio­na­len Isra­el erfül­len. Hier wird ver­ges­sen, dass der Name “Isra­el” von einem Men­schen, der einen geist­li­chen Sieg errun­gen hat­te, auf sei­ne Nach­kom­men über­ge­gan­gen ist. Wer sind die Nach­kom­men Jesu? Es kön­nen nicht leib­li­che Nach­kom­men sein, son­dern nur sei­ne geist­li­chen Erben! Wir haben also heu­te ein “geist­li­che Isra­el”: die­je­ni­gen, die durch ihren Glau­ben in das Volk Got­tes “ein­ge­pfropft” wur­den (Röm 11), also die­je­ni­gen, die Jesus ver­trau­en und ihm nach­fol­gen.

Genau wie der Name Isra­el vom Jakob auf sei­ne Nach­kom­men über­ge­gan­gen ist, so ist die­ser Name noch ein­mal von Jesus an sei­ne Nach­fol­ger wei­ter­ge­ge­ben wor­den.

Jeder Mensch hat jetzt eine Chan­ce, durch sei­nen Glau­ben zum “Volk Isra­el” zu gehö­ren. Jesus sagt in Mt 3,9 :“Denkt nur nicht, dass ihr bei euch sagen könn­tet: Wir haben Abra­ham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott ver­mag dem Abra­ham aus die­sen Stei­nen Kin­der zu erwe­cken.” Gott inter­es­sie­ren nicht unse­re Chro­mo­so­men, son­dern unser Glau­be und unse­re Treue. Dies war es stets, wel­ches Men­schen (unab­hän­gig von ihrer Abstam­mung) zu Mit­glie­dern des Vol­kes Got­tes mach­te…


Start » Über­sicht Isra­el » Got­tes Isra­el

König
Anfang und Ende
Wunder-Rat
Immanuel
Der allein Unsterblichkeit besitzt
Ich bin, der ich bin
Heil Israels
Hirte
Friedefürst
Wunder-Rat
Herr, unsere Gerechtigkeit
Gott der Liebe
Löwe aus dem Stamm Juda
Licht
Herr aller Herren
Anfang und Ende
Fels
Herr Zebaoth
Herr aller Herren
Herr der Heerscharen
Nach oben scrollen