
Wenn von Menschen die Rede ist, die aus religiösen Gründen keinen Alkohol trinken, denken die meisten an Muslime, da im Islam berauschende Getränke (Alkohol) verboten sind (Koran Sure 5:90 und Hadith: „Was in großer Menge berauscht, ist auch in kleiner Menge haram.“). Ferner gibt es einige Glaubensgruppen in fernöstlichen Religionen, die keinen Alkohol trinken. Aber wie ist es mit Christen – besonders mit jenen, die sich an der Bibel orientieren?
Christen missbilligen Trunkenheit, aber manche lehnen den Alkoholkonsum gänzlich ab. Lässt sich das biblisch vertreten?
Die bekannteste Bibelstelle, die einem in den Sinn kommt, wenn es um die Frage nach der Abstinenz in der Bibel geht, beschreibt die Hochzeit zu Kana. Hier hat Jesus durch ein Wunder Wasser in Wein verwandelt.
Die Hochzeit zu Kana
„Jedermann gibt zuerst den guten Wein und, wenn sie betrunken sind, den geringeren; du aber hast bis jetzt den guten Wein zurückbehalten.” (Johannes 2,10)
In der obigen Übersetzung klingt es so, als wären die Hochzeitsgäste bereits betrunken gewesen, als Jesus durch ein Wunder Wasser zu Wein gemacht hat. Aber hat Jesus hier auf der Hochzeit über 500 Liter Wein für bereits betrunkene Menschen beschafft?
Dieser Frage kann man aus verschiedenen Blickwinkeln nachgehen.
Erklärung
Die sprachliche Untersuchung
Im Grundtext steht für „betrunken” an dieser Stelle das griechische Wort „methusko”, welches im Alltag oft im Sinne des Betrunkenseins verwendet wurde. Es wird allerdings auch in der griechischen Übersetzung des Alten Testaments (LXX) für das hebräische Wort „ravah” verwendet. „Ravah” wiederum bedeutet „reichlich trinken”, „sich satt trinken” oder „getränkt sein“. Entsprechend finden wir in Psalm 23,5 (LXX 22,5), Jeremia 31,14 und Jesaja 34,7 und 58,11 das griechische Wort aus Johannes 2,10, das hier jedoch nicht einen alkoholisierten Zustand beschreibt. Ebenso finden sich Beispiele außerhalb der Bibel: Homer verwendete das Wort auch im Sinne einer Sättigung oder Tränkung.
Das Wort „Methusko” kann also auch in Johannes 2,10 mit „satt getrunken” übersetzt werden. Entsprechend gibt es auch verschiedene Übersetzungen, die Johannes 2,10 in diesem Sinne wiedergeben:
| Übersetzung | Wortlaut |
| Weymouth’s N.T. | … when people have drunk freely … |
| Ecker N.T. | … wenn sie davon genug getrunken haben … |
| Kistemaker N.T. | … und wenn sie satt getrunken … |
| Greek New Test. | … and when they may have drunk freely … |
| Reinhardt N.T. | … und wenn sie sich satt getrunken haben … |
| Holy Bible, Oxford | … and when men have well drunk … |
| Arndt N.T. | … und wenn sie genug getrunken haben … |
| Allioli | … wenn sie genug getrunken haben … |
| Tafelbibel | … wenn sie wohl getrunken haben … |
| Gute Nachricht Jantzen NT | … schon reichlich getrunken haben … |
| M. Luther, 1798 Basel | … und wann sie trunken* worden sind … |
(*mit der Anmerkung: „Den Durst wohl gelöscht und sich satt getrunken haben, wie 1Mo 43,34 und Hag. 1,6″)
Der Vers aus Johannes 2 belegt also nicht, dass die Hochzeitsgäste sich betrunken haben. Auch müssen die Worte des Speisemeisters nicht so verstanden werden, dass die Hochzeitsgäste als Erstes „abgefüllt“ werden, bevor man ihnen einen „geringeren“ Wein anbieten kann, im Sinne von: Die Gäste müssen zuerst so alkoholisiert sein, dass sie später keinen Anstoß mehr an dem später servierten Wein finden. Es kann auch einfach bedeuten, dass das Fest normalerweise mit den qualitativ höherwertigen Speisen und Getränken begonnen wurde.
Für den Wein selbst wird hier das Wort „oinos” verwendet, das zunächst ein Getränk bezeichnet, das aus gepressten Weintrauben gewonnen wird – also sowohl vergorenen als auch unvergorenen Saft bzw. Wein. Da „oinos” ein griechisches Wort ist, finden wir es auch in der Septuaginta (der griechischen Übersetzung des Alten Testaments) anstelle des hebräischen „yajin”, welches ebenfalls mit „Wein“ übersetzt wird.
Die beiden Wörter „yayin“ und „oinos“ decken jeweils das gesamte Spektrum von jungem Most bis zum vollalkoholischen Wein ab – der genaue Typus ergibt sich immer erst aus dem Kontext, wie z. B. in Jesaja 16,10 (Wein, frisch gepresst, Most) und Sprüche 20,1 (alkoholischer Wein). In vielen Fällen wird es für alkoholischen Wein verwendet, aber nicht in allen.
Oft war man bemüht, frischen Traubensaft zu konservieren, denn beim Gären wird ein Teil des Zuckers in Alkohol umgewandelt, wodurch sich der Geschmack und die Süße verändern. Aufgrund der höheren Temperatur in der Region, der vorhandenen Hefe an den Trauben und des Zuckers im Saft, kommt es bei Traubensaft ganz natürlich zur Gärung. In der antiken Literatur werden dazu verschiedene Konservierungsmethoden beschrieben, um diese zu verhindern oder deutlich zu verzögern. Wenn Wein seine Süße verlor, lag dies in der Regel an der Gärung (Abbau von Zucker) oder an anderen unerwünschten Prozessen. Frischer Traubensaft entwickelt in der Hitze Palästinas binnen Stunden bereits einen natürlichen Alkoholgehalt von etwa 0,5 Vol.-%. Die Tatsache, dass ein hoher Aufwand zur Konservierung betrieben wurde, zeigt, dass alkoholischer Wein nicht immer erwünscht war und das Wort „Wein“ nicht automatisch vollvergorener Wein bedeutet, so wie heute.
Im AT bezieht sich „yayin“, wie man aus der negativen Konnotation des Kontextes erschließen kann, auch oft auf alkoholischen Wein. Ebenso wird „onios“ oft für alkoholischen Wein verwendet, wie in Eph 5,18; 1Tim 3,8; Tit 2,3. Bei dem Gleichnis mit den Weinschläuchen in Lukas 5,36–39, meint „neue Wein“ frischen, noch gärfähigen Traubensaft. Wenn dieser dann gärt, droht er, alte Schläuche zu sprengen.
Allein vom verwendeten Wort her, kann nicht mit Sicherheit auf den Zustand des Saftes bzw. des Weins geschlossen werden. Der Kontext, aber auch andere Faktoren können helfen, hier eine Antwort zu finden.
Die soziologisch-kulturelle Situation
Neben dem sprachlichen Blickwinkel lässt sich auch die soziologische Situation betrachten: Die Hochzeit war vermutlich keine Hochzeit wohlhabender Leute: Jesus, der Zimmermann, und seine einfachen Begleiter wären wohl kaum in der Oberschicht eingeladen worden. Als Wundertäter, Prophet und Lehrer war er zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt. Einem wirklich reichen Gastgeber wäre nicht der Wein ausgegangen und er hätte sich auch nicht die Blöße gegeben, seinen Gästen „geringeren” Wein vorzusetzen.
Hochzeiten waren ein großes, mehrtägiges Fest unter den Israeliten, und das Ausgehen des Weins wäre eine große Demütigung gewesen – weshalb Jesu Mutter ihn auch dazu drängte, neuen zu beschaffen. Ebenfalls waren Hochzeiten eine religiöse Feier, bei der auf bestimmte Ordnungen geachtet wurde (keine zweideutigen Witze, keine unsittlichen Lieder usw.) – ganz im Sinne der Heiligkeit der Ehe. Wie sollte dann ein Weingelage vor leichtfertigen Reden und Gesängen bewahren? Auch ist bekannt, dass manche Menschen beim Alkoholkonsum dazu tendieren, kein Maßhalten zu können und sich nicht „satttrinken“, sondern zu viel trinken. Wäre dies eine Situation, die Jesus durch ein Wunder noch herbeiführen oder verstärken würde? Ebenso sollte beachtet werden, dass zur Zeit Jesu bei Festfeiern eine höhere Strenge galt, als in späteren Jahrhunderten. Es ist falsch, von späteren oder heutigen Gepflogenheiten bzgl. Hochzeitsfeiern auf die in der Zeit Jesu zu schließen.
Der moralische und biblisch-kanonische Blickwinkel
Die Schilderung der Hochzeit zu Kana hat auch eine moralische und biblisch-kanonische Dimension: Warum sollte Maria nach mehr Wein bitten, wenn die Gäste sich schon wirklich betrunken hätten? Die Bibel spricht sich deutlich gegen das Betrinken aus (Eph 5,18; Spr 20,1). Würde Jesus ein Betrinken aktiv durch ein Wunder fördern? Zumal auch Enthemmungen, Spot und Unsittlichkeiten nicht erst im volltrunkenen Zustand durch Alkohol gefördert werden? Auch heute darf ein Wirt keinen Alkohol mehr ausschenken, wenn die Gäste bereits merklich betrunken sind. Galten für Jesus und Maria geringere moralische Maßstäbe? Sicher nicht!
Welcher Wein ist also bei der Hochzeit zu Kana gemeint? Es ist aus den oben genannten Gründen wenig plausibel, dass Jesus betrunkenen Menschen noch mehr alkoholischen Wein beschafft hat. Tatsächlich sprechen zahlreiche Gründe nicht nur gegen Trunkenheit durch Alkohol, sondern auch gegen einen maßvollen Konsum (siehe unten). Diese Gründe sind wenig verträglich mit der Vorstellung, dass Jesus durch ein Wunder Alkohol beschafft hat, und die Annahme, dass der „gute Wein“, den der Speisemeister lobt, junger, unvergorener Wein war, ist naheliegender.
Das große Bild
Man kann viel über einzelne Begriffe und Bibelstellen diskutieren. Ein ausdrückliches allgemeines Gebot „Du sollst keinen Alkohol trinken!“ gibt es nicht. Dennoch steht die Bibel dem Alkoholkonsum keineswegs unkritisch gegenüber. Die Bibel zeigt mehrheitlich ein sehr eindeutiges Bild, was den Konsum alkoholischer Getränke betrifft: Dieser sollte vermieden werden (siehe Gründe unten).
10 biblische Gründe, warum Christen keinen Alkohol trinken sollten
1. Alkohol verführt und täuscht – und wer sich ihm hingibt, handelt nicht weise
Sprüche 20,1 beschreibt Wein als „Spötter” und gibt an, dass „starke Getränk“ wild macht. Wer davon taumelt, wird nicht weise. Sprüche 23,29–35 verschärft die Warnung: Schon das begehrliche Hinschauen ist gefährlich – „Sieh den Wein nicht an, wie er so rot ist” (Spr 23,31) – denn „zuletzt beißt er wie eine Schlange” (Spr 23,32). Diese Verse sprechen auch gegen einen maßvollen Konsum. Das „Nichtanschauen“ meint nicht, sich die Hände vor das Gesicht zu schlagen oder den Kopf zu verdrehen, wenn Wein zu sehen ist, sondern gar nicht mit dem Trinken anzufangen. Der Genuss ist trügerisch: zuerst angenehm, zuletzt zerstörerisch.
2. Alkohol beeinträchtigt Nüchternheit, Besonnenheit und Selbstbeherrschung
Ein zentrales biblisches Ideal ist die Nüchternheit: „Seid nüchtern und wacht!” (1. Petr 5,8), „lasst uns … wachen und nüchtern sein” (1. Thess 5,6–8), „Die alten Männer sollen nüchtern sein” (Tit 2,2), „Die jungen Männer ermahne, besonnen zu sein” (Tit 2,6). Selbstbeherrschung ist eine Frucht des Geistes (Gal 5,22–23) – Alkohol aber wird oft gerade deshalb konsumiert, um Hemmungen abzubauen. Dieses passiert bereits im leicht alkoholisierten Zustand und nicht erst, wenn man mal volltrunken ist. Die Wirkung des Alkohols steht dem biblischen Ideal direkt entgegen.
3. Trunkenheit wird ausdrücklich verurteilt – und öffnet die Tür zu weiteren Sünden
„Berauscht euch nicht mit Wein, worin Ausschweifung ist” (Eph 5,18). Trunkenheit erscheint in der Bibel nicht als isoliertes Problem, sondern als Teil eines sündigen Lebensstils: „nicht in Schwelgereien und Trinkgelagen, nicht in Unzucht und Ausschweifung” (Röm 13,13). Trunkenheit wird zusammen mit Feindschaft, Zorn und Unzucht als Werk des Fleisches genannt, das vom Reich Gottes ausschließt (Gal 5,19–21; 1. Kor 6,9–10).
4. Alkohol beeinträchtigt die Urteilskraft – besonders bei denen, die Verantwortung tragen
„Nicht für Könige geziemt es sich, Wein zu trinken … damit sie nicht trinken und das Gesetz vergessen und das Recht aller Elenden verdrehen” (Spr 31,4–5). Wer Alkohol trinkt, riskiert, klares Denken, Gedächtnis und gerechtes Urteilen zu verlieren – in der Familie, im Beruf, in der Gemeinde und in geistlichen Entscheidungen. Darum wird Aufsehern und Dienern in der Gemeinde ausdrücklich geboten, nicht dem Wein ergeben zu sein (1. Tim 3,2–3.8; Tit 1,7).
5. Alkohol kann beherrschen, abhängig und krank machen
„Alles ist mir erlaubt, aber ich will mich von nichts beherrschen lassen” (1. Kor 6,12). Weil der Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist (1. Kor 6,19–20), sollen wir ihn nicht schädigen. Durch Alkohol kann das aber passieren. Wir gehören hier nicht uns und dürfen mit unserem Körper nicht alles machen, was wir wollen. Außerdem sollen wir unserem Leib keiner fremden Macht ausliefern. „Von wem jemand überwunden ist, dessen Sklave ist er geworden” (2. Petr 2,19). Gerade weil Alkohol gesellschaftlich akzeptiert ist, werden seine gesundheitsschädliche Wirkung und sein Sucht- und Abhängigkeitspotenzial oft unterschätzt.
6. Alkohol kann andere zu Fall bringen und das christliche Zeugnis beschädigen
„Es ist gut, kein Fleisch zu essen und keinen Wein zu trinken noch etwas zu tun, woran dein Bruder Anstoß nimmt oder wodurch er zu Fall kommt” (Röm 14,21). Mein persönlicher Genuss ist nicht das höchste Gut: „Seht aber zu, dass diese eure Freiheit den Schwachen nicht zum Anstoß wird” (1. Kor 8,9): „Tut alles zur Ehre Gottes. Gebt weder Juden noch Griechen noch der Gemeinde Gottes einen Anstoß” (1. Kor 10,31–32). Wenn mein Trinken andere verwirrt, verführt oder gar an frühere Sucht bindet, ist der Verzicht auf Alkohol der Weg der Liebe (Röm 14,15; 1. Kor 10,23–24; 1. Kor 13,5).
7. Alkohol steht dem Leben im Geist entgegen
Epheser 5,18 stellt zwei Einflüsse direkt gegenüber: vom Wein beherrscht sein – oder vom Geist Gottes erfüllt sein. Wenn Alkohol als Genussmittel dazu dient, Trost zu suchen, Stress abzubauen oder innere Leere zu füllen, übernimmt er eine Rolle, die eigentlich Gott zukommen sollte. Ein Christ ist berufen, seine Freude und seinen Frieden in Gott zu suchen: „Vor deinem Angesicht sind Freuden in Fülle” (Ps 16,11), „Freut euch im Herrn allezeit” (Phil 4,4). – Nicht: Freut euch an der berauschenden oder betäubenden Wirkung des Alkohols.
8. Heiligkeit, Absonderung und priesterlicher Dienst fordern geistliche Klarheit
„Seid nicht gleichförmig dieser Welt” (Röm 12,1–2), „Seid heilig, denn ich bin heilig” (1. Petr 1,14–16), „Sondert euch ab” (2. Kor 6,17). Den Priestern Israels war Wein beim Dienst ausdrücklich verboten, „damit ihr unterscheiden könnt zwischen heilig und unheilig” (3. Mose 10,8–11). Da Christen ein „königliches Priestertum” sind (1. Petr 2,9), gilt das Grundprinzip auch für sie: Gottesdienst und geistlicher Dienst verlangen Klarheit, keine Benebelung. Alkohol als Genussmittel fördert stattdessen fleischliche Bedürfnisbefriedigung (Gal 5,16; 1. Petr 4,3) und behindert uns Christen in unserem Auftrag als Botschafter Christi.
9. Biblische Vorbilder zeigen: Bewusste Enthaltung ist ein ehrenwerter Weg
Die Bibel kennt Menschen und Gruppen, die sich bewusst des Weines enthielten, und stellt dies positiv dar: die Nasiräer, die im Zeichen eines besonderen Gelübdes auf Wein verzichteten (4. Mose 6,2–4) und die Rechabiter, deren konsequente Treue ausdrücklich gelobt wird (Jer 35,5–6.18–19). Enthaltung ist keineswegs unbiblisch oder extrem – sie kann Ausdruck von Weihe und Treue gegenüber Gott sein. Auch einzelne Persönlichkeiten wie Johannes der Täufer und Simson haben sich konsequent des Alkohols enthalten.
10. Der weisere Weg ist oft der sicherere Weg
Der biblische Weise fragt nicht nur: „Wie weit darf ich gehen?” – sondern: „Was ist der reinere, gottgefälligere Weg?” „Der Kluge sieht das Unglück und verbirgt sich; die Einfältigen aber gehen weiter und leiden Strafe” (Spr 22,3), „Der Weise fürchtet sich und meidet das Böse” (Spr 14,16). Warum sich bewusst in die Nähe einer bekannten Gefahr begeben? Verzicht ist keine Gesetzlichkeit, sondern oft schlicht die weisere Entscheidung.
Zusammenfassung: Diese 10 Gründe zeigen, dass es besser ist auf einen Alkoholkonsum zu verzichten. Viele Bibelstellen wenden sich gegen Trunkenheit, sondern zeigen, dass auch maßvoller Konsum kritisch zu beurteilen ist.
10 weitere Gründe, die gegen einen Alkoholkonsum sprechen
Nicht nur die Bibel begegnet den Alkoholkonsum kritisch, sondern auch „in der Welt“ gibt es kritische Stimmen und wissenschaftliche Ergebnisse:
1. Es gibt keinen risikofreien Alkoholkonsum – das klare Urteil der WHO
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärte 2023 in einer Stellungnahme im Lancet Public Health, dass es keine sichere Menge Alkohol gibt, die die Gesundheit nicht beeinträchtigt. Die leitende WHO-Expertin Dr. Carina Ferreira-Borges formulierte es unmissverständlich: „Egal, wie viel man trinkt – das Risiko für die Gesundheit beginnt schon beim ersten Tropfen jedes alkoholischen Getränks.” Auch Kanada revidierte 2023 seine nationalen Empfehlungen grundlegend und erklärte, dass keinerlei Alkohol der einzige risikofreie Ansatz sei. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) kommen zu demselben Schluss: Es existiert kein risikofreier Alkoholkonsum.
2. Alkohol ist ein Krebserreger der höchsten Risikostufe
Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) hat Alkohol als Karzinogen der Gruppe 1 eingestuft – der höchsten Risikogruppe. Weltweit werden jährlich etwa 3 Millionen Todesfälle auf Alkohol zurückgeführt, darunter über 400.000 Krebstode. Alkohol ist mit mindestens sieben Krebsarten in Verbindung gebracht worden: Mundhöhle, Rachen, Kehlkopf, Speiseröhre, Dickdarm und Rektum, Leber sowie weibliche Brust. Ethanol verursacht Krebs durch biologische Mechanismen beim Abbau im Körper – das bedeutet: Jedes alkoholhaltige Getränk, unabhängig von Preis und Qualität, birgt ein Krebsrisiko.
3. Alkohol schadet dem Körper auf vielfältige Weise
Alkohol ist einer der wesentlichen Risikofaktoren für mehr als 200 Erkrankungen, darunter Krebserkrankungen, Erkrankungen der Leber und des Herz-Kreislauf-Systems sowie psychische Beeinträchtigungen. Laut dem Alkoholatlas 2022 des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) starben in Deutschland im Jahr 2020 rund 14.200 Menschen an Krankheiten, die ausschließlich auf Alkohol zurückzuführen sind. Bezieht man alle Erkrankungen ein, bei denen Alkohol ein Mitfaktor ist, so starben nach den Daten der „Global Burden of Disease”-Studie 2021 rund 47.500 Menschen in Deutschland an den Folgen des Alkoholkonsums.
4. Alkohol schädigt die psychische Gesundheit und das Gehirn
Alkohol beeinträchtigt die Chemie des Gehirns und erhöht das Risiko von Depressionen, Panikstörungen und impulsivem Verhalten. Alkohol sorgt im Gehirn für die Ausschüttung sogenannter Glückshormone. Je häufiger dieses Belohnungssystem aktiviert wird, umso stärker passt sich das Gehirn an – wodurch es ohne Alkohol immer schwieriger wird, positive Gefühle zu empfinden. Auf das kurzzeitige Hoch nach dem Alkoholkonsum folgt meist ein noch größerer Absturz. Wer einmal in diese Abwärtsspirale gerät, kann sich oft ohne fremde Hilfe oft nicht mehr befreien.
5. Alkohol macht abhängig – in einem erschreckenden Ausmaß
Im Jahr 2024 konsumierten 8,6 Millionen Menschen der 18- bis 64-jährigen Bevölkerung in Deutschland riskante Mengen Alkohol, etwa 9,5 Millionen hatten mindestens eine Episode des Rauschtrinkens. Rund 2,2 Millionen Personen erfüllten die medizinischen Kriterien einer Abhängigkeit und 1,7 Millionen die Kriterien für Missbrauch. Menschen in Europa sind laut WHO (2024) die stärksten Trinker der Welt. Sieben der zehn Länder mit dem höchsten Alkoholkonsum weltweit liegen in Europa – Deutschland gehört dazu. Die gesellschaftliche Normalität des Alkohols verdeckt dabei seine versklavende Kraft: Der Konsum keines anderen Suchtmittels ist gesellschaftlich derart akzeptiert – wie hoch die gesundheitlichen Risiken wirklich sind, wird häufig verdrängt.
6. Alkohol verursacht enorme volkswirtschaftliche Schäden
Schädlicher Alkoholkonsum kostet die Gesellschaft jedes Jahr über 50 Milliarden Euro. Diese Summe setzt sich zusammen aus direkten Kosten (etwa Behandlungs- und Rehakosten) und indirekten Kosten wie Fehlzeiten bei der Arbeit und Frühverrentung. Diese Last trägt nicht nur der Einzelne – sie belastet das gesamte Gesundheits- und Sozialsystem.
7. Alkohol gefährdet die Sicherheit im Straßenverkehr und fördert Gewalt
Im Jahr 2023 kam es in Deutschland zu 37.172 Verkehrsunfällen unter Alkoholeinfluss. Bei rund 15.652 Unfällen mit Personenschaden wurden etwa 18.700 Menschen verletzt. Bei mehr als 5 % aller Straßenverkehrsunfälle mit Personenschaden steht mindestens einer der Unfallbeteiligten unter Alkoholeinfluss. Über 9 % aller Straftatverdächtigen standen während der Tat unter Alkoholeinfluss – bei einzelnen Delikten ist der Anteil deutlich höher. Da Alkohol die Hemmschwelle für Gewalt senkt und die Aggressivität erhöht, ist er mit vermehrten sozialen und kriminologischen Problemen verbunden.
8. Alkohol zerstört Familien und schadet Kindern
In Deutschland sind mehr als 2,6 Millionen Kinder und Jugendliche von der Alkoholstörung eines Elternteils betroffen. In alkoholbelasteten Familien ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass sich die Eltern trennen, und die Kinder werden häufiger Zeuge oder Opfer von emotionaler und physischer Gewalt sowie sexuellem Missbrauch. Hochrechnungen zufolge werden jährlich 3.000 bis 4.000 Kinder mit schweren Entwicklungsstörungen (fetale Alkoholspektrumstörungen (FASD)) aufgrund von Alkoholkonsum geboren. Es handelt sich dabei um eine Gruppe irreversibler körperlicher und geistiger Behinderungen, die durch den Konsum von Alkohol während der Schwangerschaft verursacht wird.
9. Alkohol ist besonders gefährlich für Jugendliche
Obwohl Kinder und Jugendliche bis zum Alter von 16 Jahren keine alkoholischen Getränke kaufen dürfen, geben jeweils über 40 Prozent der Jungen und Mädchen im Alter von 15 Jahren an, bereits einmal betrunken gewesen zu sein. Bei Kindern und Jugendlichen, deren Organe sich noch in der Entwicklung befinden, sind die potenziellen Schäden durch Alkohol deutlich gravierender und können lebenslange Folgen haben. Alkoholkonsum erhöht die Wahrscheinlichkeit, Täter oder Opfer von Straftaten zu werden, sowie die Wahrscheinlichkeit risikoreichen Sexualverhaltens und damit das Risiko für sexuell übertragbare Krankheiten und ungewollte Schwangerschaften.
10. Alkohol ist ein Mittel zur Selbsttäuschung – keine echte Problemlösung
Viele Menschen greifen zu Alkohol, um Stress abzubauen, abzuschalten oder Sorgen zu betäuben. Langfristig verschlechtert regelmäßiger Alkoholgenuss jedoch Schlaf, Stimmung und Leistungsfähigkeit und erhöht das Risiko für schädlichen Konsum und Alkoholabhängigkeit. Stress und Erschöpfung können gemeinsam mit Alkohol in einen Teufelskreis münden: Stress begünstigt den Griff zum Alkohol, der wiederum die Stressverarbeitung beeinträchtigt. Alkohol löst keine Probleme – er verschiebt und verstärkt sie. Soziale Kontakte, gemeinschaftliche Aktivitäten und körperliche Bewegung wirken sich nachweislich positiv auf die psychische Gesundheit aus – und sind damit echte Alternativen zur scheinbaren Entspannung durch Alkohol.
Die Herausforderung
Wir haben in dieser Ausführung gesehen, dass nicht alle Bibelstellen, die von Wein oder Trinken sprechen, automatisch Alkohol und ein Betrinken meinen. Außerdem gibt es viele biblische und außerbiblische Gründe, die gegen den Alkoholkonsum sprechen.
Diejenigen, die weiterhin davon überzeugt sind, dass es für Christen vertretbar sei, Alkohol zu trinken, mögen die hier präsentierten Ausführungen und die 20 oben genannten Gründe so weit entkräften, dass nachweisbar ist, dass man Alkohol mit gutem Gewissen als Genussmittel konsumieren darf. Dazu genügt nicht der Hinweis darauf, dass zu biblischen Zeiten Alkohol konsumiert wurde, vermutlich teilweise auch von Gläubigen.Vielmehr müssen die biblischen und moralischen Aspekte des Konsums diskutiert werden.










