Alkohol in der Bibel

Ein Bild mit einem Mann, der Traubensaft oder Wann in einen Klech füllt

Wenn von Men­schen die Rede ist, die aus reli­giö­sen Grün­den kei­nen Alko­hol trin­ken, den­ken die meis­ten an Mus­li­me, da im Islam berau­schen­de Geträn­ke (Alko­hol) ver­bo­ten sind (Koran Sure 5:90 und Hadith: „Was in gro­ßer Men­ge berauscht, ist auch in klei­ner Men­ge haram.“). Fer­ner gibt es eini­ge Glau­bens­grup­pen in fern­öst­li­chen Reli­gio­nen, die kei­nen Alko­hol trin­ken. Aber wie ist es mit Chris­ten – beson­ders mit jenen, die sich an der Bibel ori­en­tie­ren?

Chris­ten miss­bil­li­gen Trun­ken­heit, aber man­che leh­nen den Alko­hol­kon­sum gänz­lich ab. Lässt sich das biblisch ver­tre­ten?

Die bekann­tes­te Bibel­stel­le, die einem in den Sinn kommt, wenn es um die Fra­ge nach der Abs­ti­nenz in der Bibel geht, beschreibt die Hoch­zeit zu Kana. Hier hat Jesus durch ein Wun­der Was­ser in Wein ver­wan­delt.

Die Hochzeit zu Kana

„Jeder­mann gibt zuerst den guten Wein und, wenn sie betrun­ken sind, den gerin­ge­ren; du aber hast bis jetzt den guten Wein zurück­be­hal­ten.” (Johan­nes 2,10)

In der obi­gen Über­set­zung klingt es so, als wären die Hoch­zeits­gäs­te bereits betrun­ken gewe­sen, als Jesus durch ein Wun­der Was­ser zu Wein gemacht hat. Aber hat Jesus hier auf der Hoch­zeit über 500 Liter Wein für bereits betrun­ke­ne Men­schen beschafft?

Die­ser Fra­ge kann man aus ver­schie­de­nen Blick­win­keln nach­ge­hen.

Erklärung

Die sprachliche Untersuchung

Im Grund­text steht für „betrun­ken” an die­ser Stel­le das grie­chi­sche Wort „methus­ko”, wel­ches im All­tag oft im Sin­ne des Betrun­ken­seins ver­wen­det wur­de. Es wird aller­dings auch in der grie­chi­schen Über­set­zung des Alten Tes­ta­ments (LXX) für das hebräi­sche Wort „ravah” ver­wen­det. „Ravah” wie­der­um bedeu­tet „reich­lich trin­ken”, „sich satt trin­ken” oder „getränkt sein“.  Ent­spre­chend fin­den wir in Psalm 23,5 (LXX 22,5), Jere­mia 31,14 und Jesa­ja 34,7 und 58,11 das grie­chi­sche Wort aus Johan­nes 2,10, das hier jedoch nicht einen alko­ho­li­sier­ten Zustand beschreibt. Eben­so fin­den sich Bei­spie­le außer­halb der Bibel: Homer ver­wen­de­te das Wort auch im Sin­ne einer Sät­ti­gung oder Trän­kung.
Das Wort „Methus­ko” kann also auch in Johan­nes 2,10 mit „satt getrun­ken” über­setzt wer­den. Ent­spre­chend gibt es auch ver­schie­de­ne Über­set­zun­gen, die Johan­nes 2,10 in die­sem Sin­ne wie­der­ge­ben:

Über­set­zungWort­laut
Weymouth’s N.T.… when peo­p­le have drunk free­ly …
Ecker N.T.… wenn sie davon genug getrun­ken haben …
Kis­tema­ker N.T.… und wenn sie satt getrun­ken …
Greek New Test.… and when they may have drunk free­ly …
Rein­hardt N.T.… und wenn sie sich satt getrun­ken haben …
Holy Bible, Oxford… and when men have well drunk …
Arndt N.T.… und wenn sie genug getrun­ken haben …
Allio­li… wenn sie genug getrun­ken haben …
Tafel­bi­bel… wenn sie wohl getrun­ken haben …
Gute Nach­richt
Jant­zen NT
… schon reich­lich getrun­ken haben …
M. Luther, 1798 Basel… und wann sie trun­ken* wor­den sind …

(*mit der Anmer­kung: „Den Durst wohl gelöscht und sich satt getrun­ken haben, wie 1Mo 43,34 und Hag. 1,6″)

Der Vers aus Johan­nes 2 belegt also nicht, dass die Hoch­zeits­gäs­te sich betrun­ken haben. Auch müs­sen die Wor­te des Spei­se­meis­ters nicht so ver­stan­den wer­den, dass die Hoch­zeits­gäs­te als Ers­tes „abge­füllt“ wer­den, bevor man ihnen einen „gerin­ge­ren“ Wein anbie­ten kann, im Sin­ne von: Die Gäs­te müs­sen zuerst so alko­ho­li­siert sein, dass sie spä­ter kei­nen Anstoß mehr an dem spä­ter ser­vier­ten Wein fin­den. Es kann auch ein­fach bedeu­ten, dass das Fest nor­ma­ler­wei­se mit den qua­li­ta­tiv höher­wer­ti­gen Spei­sen und Geträn­ken begon­nen wur­de.

Für den Wein selbst wird hier das Wort „oinos” ver­wen­det, das zunächst ein Getränk bezeich­net, das aus gepress­ten Wein­trau­ben gewon­nen wird – also sowohl ver­go­re­nen als auch unver­go­re­nen Saft bzw. Wein. Da „oinos” ein grie­chi­sches Wort ist, fin­den wir es auch in der Sep­tuag­in­ta (der grie­chi­schen Über­set­zung des Alten Tes­ta­ments) anstel­le des hebräi­schen „yajin”, wel­ches eben­falls mit „Wein“ über­setzt wird.

Die bei­den Wör­ter „yay­in“ und „oinos“ decken jeweils das gesam­te Spek­trum von jun­gem Most bis zum voll­al­ko­ho­li­schen Wein ab – der genaue Typus ergibt sich immer erst aus dem Kon­text, wie z. B. in Jesa­ja 16,10 (Wein, frisch gepresst, Most) und Sprü­che 20,1 (alko­ho­li­scher Wein). In vie­len Fäl­len wird es für alko­ho­li­schen Wein ver­wen­det, aber nicht in allen.

Oft war man bemüht, fri­schen Trau­ben­saft zu kon­ser­vie­ren, denn beim Gären wird ein Teil des Zuckers in Alko­hol umge­wan­delt, wodurch sich der Geschmack und die Süße ver­än­dern. Auf­grund der höhe­ren Tem­pe­ra­tur in der Regi­on, der vor­han­de­nen Hefe an den Trau­ben und des Zuckers im Saft, kommt es bei Trau­ben­saft ganz natür­lich zur Gärung. In der anti­ken Lite­ra­tur wer­den dazu ver­schie­de­ne Kon­ser­vie­rungs­me­tho­den beschrie­ben, um die­se zu ver­hin­dern oder deut­lich zu ver­zö­gern. Wenn Wein sei­ne Süße ver­lor, lag dies in der Regel an der Gärung (Abbau von Zucker) oder an ande­ren uner­wünsch­ten Pro­zes­sen. Fri­scher Trau­ben­saft ent­wi­ckelt in der Hit­ze Paläs­ti­nas bin­nen Stun­den bereits einen natür­li­chen Alko­hol­ge­halt von etwa 0,5 Vol.-%. Die Tat­sa­che, dass ein hoher Auf­wand zur Kon­ser­vie­rung betrie­ben wur­de, zeigt, dass alko­ho­li­scher Wein nicht immer erwünscht war und das Wort „Wein“ nicht auto­ma­tisch voll­ver­go­re­ner Wein bedeu­tet, so wie heu­te.

Im AT bezieht sich „yay­in“, wie man aus der nega­ti­ven Kon­no­ta­ti­on des Kon­tex­tes erschlie­ßen kann, auch oft auf alko­ho­li­schen Wein. Eben­so wird „oni­os“ oft für alko­ho­li­schen Wein ver­wen­det, wie in Eph 5,18; 1Tim 3,8; Tit 2,3. Bei dem Gleich­nis mit den Wein­schläu­chen in Lukas 5,36–39, meint „neue Wein“ fri­schen, noch gär­fä­hi­gen Trau­ben­saft. Wenn die­ser dann gärt, droht er, alte Schläu­che zu spren­gen.

Allein vom ver­wen­de­ten Wort her, kann nicht mit Sicher­heit auf den Zustand des Saf­tes bzw. des Weins geschlos­sen wer­den. Der Kon­text, aber auch ande­re Fak­to­ren kön­nen hel­fen, hier eine Ant­wort zu fin­den.

Die soziologisch-kulturelle Situation

Neben dem sprach­li­chen Blick­win­kel lässt sich auch die sozio­lo­gi­sche Situa­ti­on betrach­ten: Die Hoch­zeit war ver­mut­lich kei­ne Hoch­zeit wohl­ha­ben­der Leu­te: Jesus, der Zim­mer­mann, und sei­ne ein­fa­chen Beglei­ter wären wohl kaum in der Ober­schicht ein­ge­la­den wor­den. Als Wun­der­tä­ter, Pro­phet und Leh­rer war er zu die­sem Zeit­punkt noch nicht bekannt. Einem wirk­lich rei­chen Gast­ge­ber wäre nicht der Wein aus­ge­gan­gen und er hät­te sich auch nicht die Blö­ße gege­ben, sei­nen Gäs­ten „gerin­ge­ren” Wein vor­zu­set­zen.

Hoch­zei­ten waren ein gro­ßes, mehr­tä­gi­ges Fest unter den Israe­li­ten, und das Aus­ge­hen des Weins wäre eine gro­ße Demü­ti­gung gewe­sen – wes­halb Jesu Mut­ter ihn auch dazu dräng­te, neu­en zu beschaf­fen. Eben­falls waren Hoch­zei­ten eine reli­giö­se Fei­er, bei der auf bestimm­te Ord­nun­gen geach­tet wur­de (kei­ne zwei­deu­ti­gen Wit­ze, kei­ne unsitt­li­chen Lie­der usw.) – ganz im Sin­ne der Hei­lig­keit der Ehe. Wie soll­te dann ein Wein­ge­la­ge vor leicht­fer­ti­gen Reden und Gesän­gen bewah­ren? Auch ist bekannt, dass man­che Men­schen beim Alko­hol­kon­sum dazu ten­die­ren, kein Maß­hal­ten zu kön­nen und sich nicht „satt­trin­ken“, son­dern zu viel trin­ken. Wäre dies eine Situa­ti­on, die Jesus durch ein Wun­der noch her­bei­füh­ren oder ver­stär­ken wür­de? Eben­so soll­te beach­tet wer­den, dass zur Zeit Jesu bei Fest­fei­ern eine höhe­re Stren­ge galt, als in spä­te­ren Jahr­hun­der­ten. Es ist falsch, von spä­te­ren oder heu­ti­gen Gepflo­gen­hei­ten bzgl. Hoch­zeits­fei­ern auf die in der Zeit Jesu zu schlie­ßen.

Der moralische und biblisch-kanonische Blickwinkel

Die Schil­de­rung der Hoch­zeit zu Kana hat auch eine mora­li­sche und biblisch-kano­ni­sche Dimen­si­on: War­um soll­te Maria nach mehr Wein bit­ten, wenn die Gäs­te sich schon wirk­lich betrun­ken hät­ten? Die Bibel spricht sich deut­lich gegen das Betrin­ken aus (Eph 5,18; Spr 20,1). Wür­de Jesus ein Betrin­ken aktiv durch ein Wun­der för­dern? Zumal auch Ent­hem­mun­gen, Spot und Unsitt­lich­kei­ten nicht erst im voll­trun­ke­nen Zustand durch Alko­hol geför­dert wer­den? Auch heu­te darf ein Wirt kei­nen Alko­hol mehr aus­schen­ken, wenn die Gäs­te bereits merk­lich betrun­ken sind. Gal­ten für Jesus und Maria gerin­ge­re mora­li­sche Maß­stä­be? Sicher nicht!  

Wel­cher Wein ist also bei der Hoch­zeit zu Kana gemeint? Es ist aus den oben genann­ten Grün­den wenig plau­si­bel, dass Jesus betrun­ke­nen Men­schen noch mehr alko­ho­li­schen Wein beschafft hat. Tat­säch­lich spre­chen zahl­rei­che Grün­de nicht nur gegen Trun­ken­heit durch Alko­hol, son­dern auch gegen einen maß­vol­len Kon­sum (sie­he unten). Die­se Grün­de sind wenig ver­träg­lich mit der Vor­stel­lung, dass Jesus durch ein Wun­der Alko­hol beschafft hat, und die Annah­me, dass der „gute Wein“, den der Spei­se­meis­ter lobt, jun­ger, unver­go­re­ner Wein war, ist nahe­lie­gen­der.

Das große Bild

Man kann viel über ein­zel­ne Begrif­fe und Bibel­stel­len dis­ku­tie­ren. Ein aus­drück­li­ches all­ge­mei­nes Gebot „Du sollst kei­nen Alko­hol trin­ken!“ gibt es nicht. Den­noch steht die Bibel dem Alko­hol­kon­sum kei­nes­wegs unkri­tisch gegen­über. Die Bibel zeigt mehr­heit­lich ein sehr ein­deu­ti­ges Bild, was den Kon­sum alko­ho­li­scher Geträn­ke betrifft: Die­ser soll­te ver­mie­den wer­den (sie­he Grün­de unten).

10 biblische Gründe, warum Christen keinen Alkohol trinken sollten

1. Alkohol verführt und täuscht – und wer sich ihm hingibt, handelt nicht weise

Sprü­che 20,1 beschreibt Wein als „Spöt­ter” und gibt an, dass „star­ke Getränk“ wild macht. Wer davon tau­melt, wird nicht wei­se. Sprü­che 23,29–35 ver­schärft die War­nung: Schon das begehr­li­che Hin­schau­en ist gefähr­lich – „Sieh den Wein nicht an, wie er so rot ist” (Spr 23,31) – denn „zuletzt beißt er wie eine Schlan­ge” (Spr 23,32). Die­se Ver­se spre­chen auch gegen einen maß­vol­len Kon­sum. Das „Nicht­an­schau­en“ meint nicht, sich die Hän­de vor das Gesicht zu schla­gen oder den Kopf zu ver­dre­hen, wenn Wein zu sehen ist, son­dern gar nicht mit dem Trin­ken anzu­fan­gen. Der Genuss ist trü­ge­risch: zuerst ange­nehm, zuletzt zer­stö­re­risch.

2. Alkohol beeinträchtigt Nüchternheit, Besonnenheit und Selbstbeherrschung

Ein zen­tra­les bibli­sches Ide­al ist die Nüch­tern­heit: „Seid nüch­tern und wacht!” (1. Petr 5,8), „lasst uns … wachen und nüch­tern sein” (1. Thess 5,6–8), „Die alten Män­ner sol­len nüch­tern sein” (Tit 2,2), „Die jun­gen Män­ner ermah­ne, beson­nen zu sein” (Tit 2,6). Selbst­be­herr­schung ist eine Frucht des Geis­tes (Gal 5,22–23) – Alko­hol aber wird oft gera­de des­halb kon­su­miert, um Hem­mun­gen abzu­bau­en. Die­ses pas­siert bereits im leicht alko­ho­li­sier­ten Zustand und nicht erst, wenn man mal voll­trun­ken ist. Die Wir­kung des Alko­hols steht dem bibli­schen Ide­al direkt ent­ge­gen.

3. Trunkenheit wird ausdrücklich verurteilt – und öffnet die Tür zu weiteren Sünden

„Berauscht euch nicht mit Wein, wor­in Aus­schwei­fung ist” (Eph 5,18). Trun­ken­heit erscheint in der Bibel nicht als iso­lier­tes Pro­blem, son­dern als Teil eines sün­di­gen Lebens­stils: „nicht in Schwel­ge­rei­en und Trink­ge­la­gen, nicht in Unzucht und Aus­schwei­fung” (Röm 13,13). Trun­ken­heit wird zusam­men mit Feind­schaft, Zorn und Unzucht als Werk des Flei­sches genannt, das vom Reich Got­tes aus­schließt (Gal 5,19–21; 1. Kor 6,9–10).

4. Alkohol beeinträchtigt die Urteilskraft – besonders bei denen, die Verantwortung tragen

„Nicht für Köni­ge geziemt es sich, Wein zu trin­ken … damit sie nicht trin­ken und das Gesetz ver­ges­sen und das Recht aller Elen­den ver­dre­hen” (Spr 31,4–5). Wer Alko­hol trinkt, ris­kiert, kla­res Den­ken, Gedächt­nis und gerech­tes Urtei­len zu ver­lie­ren – in der Fami­lie, im Beruf, in der Gemein­de und in geist­li­chen Ent­schei­dun­gen. Dar­um wird Auf­se­hern und Die­nern in der Gemein­de aus­drück­lich gebo­ten, nicht dem Wein erge­ben zu sein (1. Tim 3,2–3.8; Tit 1,7).

5. Alkohol kann beherrschen, abhängig und krank machen

„Alles ist mir erlaubt, aber ich will mich von nichts beherr­schen las­sen” (1. Kor 6,12). Weil der Leib ein Tem­pel des Hei­li­gen Geis­tes ist (1. Kor 6,19–20), sol­len wir ihn nicht schä­di­gen. Durch Alko­hol kann das aber pas­sie­ren. Wir gehö­ren hier nicht uns und dür­fen mit unse­rem Kör­per nicht alles machen, was wir wol­len. Außer­dem sol­len wir unse­rem Leib kei­ner frem­den Macht aus­lie­fern.  „Von wem jemand über­wun­den ist, des­sen Skla­ve ist er gewor­den” (2. Petr 2,19). Gera­de weil Alko­hol gesell­schaft­lich akzep­tiert ist, wer­den sei­ne gesund­heits­schäd­li­che Wir­kung und sein Sucht- und Abhän­gig­keits­po­ten­zi­al oft unter­schätzt.

6. Alkohol kann andere zu Fall bringen und das christliche Zeugnis beschädigen

„Es ist gut, kein Fleisch zu essen und kei­nen Wein zu trin­ken noch etwas zu tun, wor­an dein Bru­der Anstoß nimmt oder wodurch er zu Fall kommt” (Röm 14,21). Mein per­sön­li­cher Genuss ist nicht das höchs­te Gut: „Seht aber zu, dass die­se eure Frei­heit den Schwa­chen nicht zum Anstoß wird” (1. Kor 8,9): „Tut alles zur Ehre Got­tes. Gebt weder Juden noch Grie­chen noch der Gemein­de Got­tes einen Anstoß” (1. Kor 10,31–32). Wenn mein Trin­ken ande­re ver­wirrt, ver­führt oder gar an frü­he­re Sucht bin­det, ist der Ver­zicht auf Alko­hol der Weg der Lie­be (Röm 14,15; 1. Kor 10,23–24; 1. Kor 13,5).

7. Alkohol steht dem Leben im Geist entgegen

Ephe­ser 5,18 stellt zwei Ein­flüs­se direkt gegen­über: vom Wein beherrscht sein – oder vom Geist Got­tes erfüllt sein. Wenn Alko­hol als Genuss­mit­tel dazu dient, Trost zu suchen, Stress abzu­bau­en oder inne­re Lee­re zu fül­len, über­nimmt er eine Rol­le, die eigent­lich Gott zukom­men soll­te. Ein Christ ist beru­fen, sei­ne Freu­de und sei­nen Frie­den in Gott zu suchen: „Vor dei­nem Ange­sicht sind Freu­den in Fül­le” (Ps 16,11), „Freut euch im Herrn alle­zeit” (Phil 4,4). – Nicht: Freut euch an der berau­schen­den oder betäu­ben­den Wir­kung des Alko­hols.

8. Heiligkeit, Absonderung und priesterlicher Dienst fordern geistliche Klarheit

 „Seid nicht gleich­för­mig die­ser Welt” (Röm 12,1–2), „Seid hei­lig, denn ich bin hei­lig” (1. Petr 1,14–16), „Son­dert euch ab” (2. Kor 6,17). Den Pries­tern Isra­els war Wein beim Dienst aus­drück­lich ver­bo­ten, „damit ihr unter­schei­den könnt zwi­schen hei­lig und unhei­lig” (3. Mose 10,8–11). Da Chris­ten ein „könig­li­ches Pries­ter­tum” sind (1. Petr 2,9), gilt das Grund­prin­zip auch für sie: Got­tes­dienst und geist­li­cher Dienst ver­lan­gen Klar­heit, kei­ne Bene­be­lung. Alko­hol als Genuss­mit­tel för­dert statt­des­sen fleisch­li­che Bedürf­nis­be­frie­di­gung (Gal 5,16; 1. Petr 4,3) und behin­dert uns Chris­ten in unse­rem Auf­trag als Bot­schaf­ter Chris­ti.

9. Biblische Vorbilder zeigen: Bewusste Enthaltung ist ein ehrenwerter Weg

Die Bibel kennt Men­schen und Grup­pen, die sich bewusst des Wei­nes ent­hiel­ten, und stellt dies posi­tiv dar: die Nasi­rä­er, die im Zei­chen eines beson­de­ren Gelüb­des auf Wein ver­zich­te­ten (4. Mose 6,2–4) und die Rech­ab­iter, deren kon­se­quen­te Treue aus­drück­lich gelobt wird (Jer 35,5–6.18–19). Ent­hal­tung ist kei­nes­wegs unbi­blisch oder extrem – sie kann Aus­druck von Wei­he und Treue gegen­über Gott sein. Auch ein­zel­ne Per­sön­lich­kei­ten wie Johan­nes der Täu­fer und Sim­son haben sich kon­se­quent des Alko­hols ent­hal­ten.

10. Der weisere Weg ist oft der sicherere Weg

Der bibli­sche Wei­se fragt nicht nur: „Wie weit darf ich gehen?” – son­dern: „Was ist der rei­ne­re, gott­ge­fäl­li­ge­re Weg?” „Der Klu­ge sieht das Unglück und ver­birgt sich; die Ein­fäl­ti­gen aber gehen wei­ter und lei­den Stra­fe” (Spr 22,3), „Der Wei­se fürch­tet sich und mei­det das Böse” (Spr 14,16). War­um sich bewusst in die Nähe einer bekann­ten Gefahr bege­ben? Ver­zicht ist kei­ne Gesetz­lich­keit, son­dern oft schlicht die wei­se­re Ent­schei­dung.

Zusam­men­fas­sung: Die­se 10 Grün­de zei­gen, dass es bes­ser ist auf einen Alko­hol­kon­sum zu ver­zich­ten. Vie­le Bibel­stel­len wen­den sich gegen Trun­ken­heit, son­dern zei­gen, dass auch maß­vol­ler Kon­sum kri­tisch zu beur­tei­len ist.

10 weitere Gründe, die gegen einen Alkoholkonsum sprechen

Nicht nur die Bibel begeg­net den Alko­hol­kon­sum kri­tisch, son­dern auch „in der Welt“ gibt es kri­ti­sche Stim­men und wis­sen­schaft­li­che Ergeb­nis­se:

1. Es gibt keinen risikofreien Alkoholkonsum – das klare Urteil der WHO

Die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on (WHO) erklär­te 2023 in einer Stel­lung­nah­me im Lan­cet Public Health, dass es kei­ne siche­re Men­ge Alko­hol gibt, die die Gesund­heit nicht beein­träch­tigt. Die lei­ten­de WHO-Exper­tin Dr. Cari­na Fer­rei­ra-Bor­ges for­mu­lier­te es unmiss­ver­ständ­lich: „Egal, wie viel man trinkt – das Risi­ko für die Gesund­heit beginnt schon beim ers­ten Trop­fen jedes alko­ho­li­schen Getränks.” Auch Kana­da revi­dier­te 2023 sei­ne natio­na­len Emp­feh­lun­gen grund­le­gend und erklär­te, dass kei­ner­lei Alko­hol der ein­zi­ge risi­ko­freie Ansatz sei. Die Deut­sche Gesell­schaft für Ernäh­rung (DGE) und die Deut­sche Haupt­stel­le für Sucht­fra­gen (DHS) kom­men zu dem­sel­ben Schluss: Es exis­tiert kein risi­ko­frei­er Alko­hol­kon­sum.

2. Alkohol ist ein Krebserreger der höchsten Risikostufe

Die Inter­na­tio­na­le Agen­tur für Krebs­for­schung (IARC) hat Alko­hol als Kar­zi­no­gen der Grup­pe 1 ein­ge­stuft – der höchs­ten Risi­ko­grup­pe. Welt­weit wer­den jähr­lich etwa 3 Mil­lio­nen Todes­fäl­le auf Alko­hol zurück­ge­führt, dar­un­ter über 400.000 Krebs­to­de. Alko­hol ist mit min­des­tens sie­ben Krebs­ar­ten in Ver­bin­dung gebracht wor­den: Mund­höh­le, Rachen, Kehl­kopf, Spei­se­röh­re, Dick­darm und Rek­tum, Leber sowie weib­li­che Brust. Etha­nol ver­ur­sacht Krebs durch bio­lo­gi­sche Mecha­nis­men beim Abbau im Kör­per – das bedeu­tet: Jedes alko­hol­hal­ti­ge Getränk, unab­hän­gig von Preis und Qua­li­tät, birgt ein Krebs­ri­si­ko.

3. Alkohol schadet dem Körper auf vielfältige Weise

Alko­hol ist einer der wesent­li­chen Risi­ko­fak­to­ren für mehr als 200 Erkran­kun­gen, dar­un­ter Krebs­er­kran­kun­gen, Erkran­kun­gen der Leber und des Herz-Kreis­lauf-Sys­tems sowie psy­chi­sche Beein­träch­ti­gun­gen. Laut dem Alko­hol­at­las 2022 des Deut­schen Krebs­for­schungs­zen­trums (DKFZ) star­ben in Deutsch­land im Jahr 2020 rund 14.200 Men­schen an Krank­hei­ten, die aus­schließ­lich auf Alko­hol zurück­zu­füh­ren sind. Bezieht man alle Erkran­kun­gen ein, bei denen Alko­hol ein Mit­fak­tor ist, so star­ben nach den Daten der „Glo­bal Bur­den of Disease”-Studie 2021 rund 47.500 Men­schen in Deutsch­land an den Fol­gen des Alko­hol­kon­sums.

4. Alkohol schädigt die psychische Gesundheit und das Gehirn

Alko­hol beein­träch­tigt die Che­mie des Gehirns und erhöht das Risi­ko von Depres­sio­nen, Panik­stö­run­gen und impul­si­vem Ver­hal­ten. Alko­hol sorgt im Gehirn für die Aus­schüt­tung soge­nann­ter Glücks­hor­mo­ne. Je häu­fi­ger die­ses Beloh­nungs­sys­tem akti­viert wird, umso stär­ker passt sich das Gehirn an – wodurch es ohne Alko­hol immer schwie­ri­ger wird, posi­ti­ve Gefüh­le zu emp­fin­den. Auf das kurz­zei­ti­ge Hoch nach dem Alko­hol­kon­sum folgt meist ein noch grö­ße­rer Absturz. Wer ein­mal in die­se Abwärts­spi­ra­le gerät, kann sich oft ohne frem­de Hil­fe oft nicht mehr befrei­en.

5. Alkohol macht abhängig – in einem erschreckenden Ausmaß

Im Jahr 2024 kon­su­mier­ten 8,6 Mil­lio­nen Men­schen der 18- bis 64-jäh­ri­gen Bevöl­ke­rung in Deutsch­land ris­kan­te Men­gen Alko­hol, etwa 9,5 Mil­lio­nen hat­ten min­des­tens eine Epi­so­de des Rausch­trin­kens. Rund 2,2 Mil­lio­nen Per­so­nen erfüll­ten die medi­zi­ni­schen Kri­te­ri­en einer Abhän­gig­keit und 1,7 Mil­lio­nen die Kri­te­ri­en für Miss­brauch. Men­schen in Euro­pa sind laut WHO (2024) die stärks­ten Trin­ker der Welt. Sie­ben der zehn Län­der mit dem höchs­ten Alko­hol­kon­sum welt­weit lie­gen in Euro­pa – Deutsch­land gehört dazu. Die gesell­schaft­li­che Nor­ma­li­tät des Alko­hols ver­deckt dabei sei­ne ver­skla­ven­de Kraft: Der Kon­sum kei­nes ande­ren Sucht­mit­tels ist gesell­schaft­lich der­art akzep­tiert – wie hoch die gesund­heit­li­chen Risi­ken wirk­lich sind, wird häu­fig ver­drängt.

6. Alkohol verursacht enorme volkswirtschaftliche Schäden

Schäd­li­cher Alko­hol­kon­sum kos­tet die Gesell­schaft jedes Jahr über 50 Mil­li­ar­den Euro. Die­se Sum­me setzt sich zusam­men aus direk­ten Kos­ten (etwa Behand­lungs- und Reha­kos­ten) und indi­rek­ten Kos­ten wie Fehl­zei­ten bei der Arbeit und Früh­ver­ren­tung. Die­se Last trägt nicht nur der Ein­zel­ne – sie belas­tet das gesam­te Gesund­heits- und Sozi­al­sys­tem.

7. Alkohol gefährdet die Sicherheit im Straßenverkehr und fördert Gewalt

Im Jahr 2023 kam es in Deutsch­land zu 37.172 Ver­kehrs­un­fäl­len unter Alko­hol­ein­fluss. Bei rund 15.652 Unfäl­len mit Per­so­nen­scha­den wur­den etwa 18.700 Men­schen ver­letzt. Bei mehr als 5 % aller Stra­ßen­ver­kehrs­un­fäl­le mit Per­so­nen­scha­den steht min­des­tens einer der Unfall­be­tei­lig­ten unter Alko­hol­ein­fluss. Über 9 % aller Straf­tat­ver­däch­ti­gen stan­den wäh­rend der Tat unter Alko­hol­ein­fluss – bei ein­zel­nen Delik­ten ist der Anteil deut­lich höher. Da Alko­hol die Hemm­schwel­le für Gewalt senkt und die Aggres­si­vi­tät erhöht, ist er mit ver­mehr­ten sozia­len und kri­mi­no­lo­gi­schen Pro­ble­men ver­bun­den.

8. Alkohol zerstört Familien und schadet Kindern

In Deutsch­land sind mehr als 2,6 Mil­lio­nen Kin­der und Jugend­li­che von der Alko­hol­stö­rung eines Eltern­teils betrof­fen. In alko­hol­be­las­te­ten Fami­li­en ist die Wahr­schein­lich­keit grö­ßer, dass sich die Eltern tren­nen, und die Kin­der wer­den häu­fi­ger Zeu­ge oder Opfer von emo­tio­na­ler und phy­si­scher Gewalt sowie sexu­el­lem Miss­brauch. Hoch­rech­nun­gen zufol­ge wer­den jähr­lich 3.000 bis 4.000 Kin­der mit schwe­ren Ent­wick­lungs­stö­run­gen (feta­le Alko­hol­spek­trums­tö­run­gen (FASD)) auf­grund von Alko­hol­kon­sum gebo­ren. Es han­delt sich dabei um eine Grup­pe irrever­si­bler kör­per­li­cher und geis­ti­ger Behin­de­run­gen, die durch den Kon­sum von Alko­hol wäh­rend der Schwan­ger­schaft ver­ur­sacht wird.

9. Alkohol ist besonders gefährlich für Jugendliche

Obwohl Kin­der und Jugend­li­che bis zum Alter von 16 Jah­ren kei­ne alko­ho­li­schen Geträn­ke kau­fen dür­fen, geben jeweils über 40 Pro­zent der Jun­gen und Mäd­chen im Alter von 15 Jah­ren an, bereits ein­mal betrun­ken gewe­sen zu sein. Bei Kin­dern und Jugend­li­chen, deren Orga­ne sich noch in der Ent­wick­lung befin­den, sind die poten­zi­el­len Schä­den durch Alko­hol deut­lich gra­vie­ren­der und kön­nen lebens­lan­ge Fol­gen haben. Alko­hol­kon­sum erhöht die Wahr­schein­lich­keit, Täter oder Opfer von Straf­ta­ten zu wer­den, sowie die Wahr­schein­lich­keit risi­ko­rei­chen Sexu­al­ver­hal­tens und damit das Risi­ko für sexu­ell über­trag­ba­re Krank­hei­ten und unge­woll­te Schwan­ger­schaf­ten.

10. Alkohol ist ein Mittel zur Selbsttäuschung – keine echte Problemlösung

Vie­le Men­schen grei­fen zu Alko­hol, um Stress abzu­bau­en, abzu­schal­ten oder Sor­gen zu betäu­ben. Lang­fris­tig ver­schlech­tert regel­mä­ßi­ger Alko­hol­ge­nuss jedoch Schlaf, Stim­mung und Leis­tungs­fä­hig­keit und erhöht das Risi­ko für schäd­li­chen Kon­sum und Alko­hol­ab­hän­gig­keit. Stress und Erschöp­fung kön­nen gemein­sam mit Alko­hol in einen Teu­fels­kreis mün­den: Stress begüns­tigt den Griff zum Alko­hol, der wie­der­um die Stress­ver­ar­bei­tung beein­träch­tigt. Alko­hol löst kei­ne Pro­ble­me – er ver­schiebt und ver­stärkt sie. Sozia­le Kon­tak­te, gemein­schaft­li­che Akti­vi­tä­ten und kör­per­li­che Bewe­gung wir­ken sich nach­weis­lich posi­tiv auf die psy­chi­sche Gesund­heit aus – und sind damit ech­te Alter­na­ti­ven zur schein­ba­ren Ent­span­nung durch Alko­hol.

Die Herausforderung

Wir haben in die­ser Aus­füh­rung gese­hen, dass nicht alle Bibel­stel­len, die von Wein oder Trin­ken spre­chen, auto­ma­tisch Alko­hol und ein Betrin­ken mei­nen. Außer­dem gibt es vie­le bibli­sche und außer­bi­bli­sche Grün­de, die gegen den Alko­hol­kon­sum spre­chen.

Die­je­ni­gen, die wei­ter­hin davon über­zeugt sind, dass es für Chris­ten ver­tret­bar sei, Alko­hol zu trin­ken, mögen die hier prä­sen­tier­ten Aus­füh­run­gen und die 20 oben genann­ten Grün­de so weit ent­kräf­ten, dass nach­weis­bar ist, dass man Alko­hol mit gutem Gewis­sen als Genuss­mit­tel kon­su­mie­ren darf. Dazu genügt nicht der Hin­weis dar­auf, dass zu bibli­schen Zei­ten Alko­hol kon­su­miert wur­de, ver­mut­lich teil­wei­se auch von Gläubigen.Vielmehr müs­sen die bibli­schen und mora­li­schen Aspek­te des Kon­sums dis­ku­tiert wer­den.

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